Japan-Almanach: Alles über das Leben und Reisen in Japan. Seit 1998.
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Corona-Update 2. April: Pure Unvernunft und ein fader Aprilscherz, der keiner ist

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3D-Darstellung eines Corona-Virus (Quelle: Wikipedia)

Während vor einer Woche also noch von 60, 70 neuen Fällen pro Tag im ganzen Land die Rede war, hat sich die Lage nun verändert: Zumindest als Bewohner der Hauptstadtregion zählt nunmehr die Zahl der Neuinfizierten in Tokyo, und die ist heute auf einen Rekord von 97 Fällen geklettert. Wie gesagt, nur in Tokyo – und bei immer mehr Fällen hat man keine Ahnung, wo sich die Leute angesteckt haben. Und das, obwohl in der kommenden Woche wieder der Schulbetrieb beginnen soll – was nun natürlich fraglich ist. Bis heute hat erst Osaka reagiert und die Ferien vorerst bis zum 6. Mai verlängert. Ich hoffe doch inständig, dass man da in Tokyo und Umgebung nachzieht, denn bei der jetzigen Lage scheint es unvernünftig, bis zu 40 Kinder in enge Klassenzimmer zu sperren.

Gestern liess die Regierung verlauten, dass sie Masken an das Volk verteilen möchte. Und zwar: 2 Stück. Pro Haushalt! Das ganze klang nach einem üblen Aprilscherz, aber dem ist leider nicht so: Selbst mit Maske vor dem Gesicht trat Ministerpräsident Abe vor dem Kabinett auf und verkündete die frohe Botschaft. Masken gibt es nach wie vor keine zu kaufen, weshalb die Idee, selbige zu verteilen, natürlich irgendwo sinnvoll ist, aber zwei Masken pro Haushalt ist nicht mehr als ein schaler Scherz, und dementsprechend wird die Entscheidung auch kritisiert.

Zudem wurde seit gestern debattiert, dass man möglicherweise schon vor dem Erreichen des echten “overshoot” möglicherweise mit einem Zusammenbruch des Gesundheitswesens rechnen muss. Das klingt nach dem Worst Case Scenario und zeigt ein mal mehr, dass die japanische Regierung die Zeit bisher sinnlos vertrödelt hat. Allerspätestens seit das Corona-Virus in Italien zu wüten begann, war mehr als deutlich sichtbar, was im Falle eines ungehemmten Ausbruchs passieren kann. Das sind mehrere Wochen, in denen sich die Regierung hätte bemühen müssen,

1) Einen ungehemmten Ausbruch zu verhindern
2) Falls 1) nicht erfolgreich ist, Notfallpläne zu erstellen und sich dementsprechend einzurichten

Scheinbar wurde beides nicht gemacht, und das ist frustrierend anzusehen. Noch immer basiert alles auf Freiwilligkeit, und man sieht in der Tat, dass in Tokyo immer mehr Restaurants, Bars und Geschäfte entweder früher schliessen oder gar nicht erst aufmachen – ob nun aufgrund mangelnder Kundschaft oder aus Sorge um die eigenen Mitarbeiter sei dahingestellt. Doch die Rufe nach drastischeren Maßnahmen, wie sie nun in so vielen westlichen Ländern und Ostasien schon verhängt wurden, werden lauter.

Zu guter letzt: Gestern erhielt ich eine Einladung von “Tokyo Intl. Friends Party”, deren Veranstalter ich persönlich kenne, und der in der Email dazu aufruft, am 3. oder 4. April der einen oder anderen International Party in Shibuya beizuwohnen. Zitat:

YES, our parties ARE actually happening !!!
AS long as people are commuting to work in crowded trains, there is no need to stop having fun.
THANKS to everyone not believing all the BS out there and joining last week…you made it awesome again ;-)

Ich war ziemlich baff darüber. Mit Maske vor dem Gesicht in (nun deutlich leereren) Zügen zur Arbeit fahren ist eine Sache — sich dichtgedrängt mit Fremden in einem engen, schlecht gelüfteten Club zulaufen zu lassen — eine ganz andere. Aber so sieht es eben aus, wenn Profit wichtiger ist. Dass die finanziellen Folgen im Falle eines potentiellen Lockdowns viel grösser sein werden, als jetzt die eine oder andere Veranstaltung sein zu lassen, wird da scheinbar einfach übersehen. Traurig.

Kommt der Lockdown? Oder Nicht? Ganz Japan rätselt

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3D-Darstellung eines Corona-Virus (Quelle: Wikipedia)

Etliche Wochen lang sah es so aus, als ob Japan in Sachen Corona dem Schicksal vieler anderer Länder entgehen kann – ein wichtiger Indikator – die Anzahl der Neuinfektionen pro Tag – blieb auf relativ konstantem Niveau und sank zeitweilig sogar. Seit Ende der vergangenen Woche sieht die Angelegenheit jedoch weniger rosig aus. Von wenigen Dutzend Neuerkrankungen pro Tag wurden es plötzlich weit über Hundert. Allein in Tokyo wurden am Wochenende pro Tag mehr als 60 neue, bestätigte Fälle registriert. Die meisten davon können bekannten Clustern zugeordnet werden, doch bei mehr als zehn Fällen pro Tag hat man keinerlei Ahnung über den möglichen Ansteckungsweg.

Das Englische Wort „overshoot“ gehört seit Wochen zum festen Vokabular der Nachrichtensender, denn genau davor hat man große Sorge: Der Moment, in dem die Fallzahlen explosionsartig steigen und die Neuinfektionen ausser Kontrolle geraten. Aus eben dieser Sorge bat die Governeurin von Tokyo, und nach Absprache auch die Kollegen der benachbarten Präfekturen, die Bevölkerung, am Wochenende nur dann rauszugehen, wenn es absolut notwendig sei – sprich wenn man zum Arzt oder zum Lebensmitteleinkauf muss. Am Sonntag fiel das vielen sicherlich nicht schwer – zum ersten Mal seit 51 Jahren gab es inmittem der Kirschblütensaison starke Schneefälle.

Heute nun gab es eine Pressekonferenz der Governeurin von Tokyo, Koike, die dort die Ergebnisse ihres Treffens Wissenschaftlern bekanntgab. Die harmlose Botschaft: Sie ruft die Hauptstädter dazu auf, vorerst auf Besuche von Clubs und Bars zu verzichten. Mehreren (Gerüchte)quellen zufolge soll es morgen eine Ansprache des Ministerpräsidenten Abe geben, und dabei soll es wichtige Neuigkeiten geben. So erwarten zum Beispiel viele Japaner ein „lockdown“ von Tokyo, aber eventuell auch von Osaka – ab dem 1. April. Rechtswissenschaftler bezweifeln allerdings, dass die Regierung die rechtlichen Mittel besitzt, ähnlich strenge Maßnahmen wie zum Beispiel die Regierung in Italien oder in England zu beschliessen. Und außerdem: Die Regierung hat dieses Gerücht bereits sehr deutlich dementiert und davor gewarnt, Gerüchte dieser Art zu verbreiten. Allerdings denkt man bei dieser Geschichte zwangsläufig an Schroedingers Katze: Allein durch Gerüchte könnten sich die Maßnahmen der Regierung ändern.

Koike warnte in den vergangenen Tagen mehrmals und in immer stärkeren Worten. Die Hauptstädter sollen vor allem die drei „密“ (geschlossen, heimlich, aber auch „nah“) vermeiden: 1) Geschlossene Räume mit schlechter Belüftung, 2) Orte, an denen sich viele Menschen aufhalten, und 3) Nähe zu Menschen, wenn man spricht. Das Problem, wie vorab erwähnt: Noch läuft alles auf 自粛 jishuku hinaus, „Selbstbeschränkung“ – also auf Freiwilligenbasis. Und da gibt es noch immer genug Menschen, die die Empfehlungen in den Wind schlagen – das sehe ich tagtäglich am Bahnhof Shibuya, aber auch in den Kneipen und Restaurants in Ebisu.

Bei einem potentiellen Lockdown hat man in Japan noch eine größere Auswahl an Instrumenten. Man darf erwarten, dass früher oder später Bars und Restaurants dichtgemacht werden – zumindest am Abend, eventuell auch andere Geschäfte, so sie keine Arznei oder Lebensmittel verkaufen. Die spannende Frage ist allerdings, ob man zum Beispiel auch alle Firmen, so nicht systemrelevant, dichtmacht, und wenn ja, ob das für das ganze Land gilt oder nicht.

Das Gerücht über den Einsatz strengerer Maßnahmen ab dem 1. April klingt erstmal einleuchtend: Am 31. März geht für die meisten japanischen Firmen das Fiskaljahr zu Ende – eine Komplettschließung der Unternehmen am oder kurz vor diesem Termin würde viele Firmen in komplettes Chaos stürzen.

Der Bericht einer wöchentlichen Nachrichtensendung am Sonntag machte mir besonders große Sorgen: Dort erklärten Experten, dass Japan nur gute 8‘000 Beatmungsgeräte habe – und dass die Erfahrung in anderen Ländern zeigt, dass das bei weitem nicht ausreicht. Sollte diese Meldung wahr und auf dem aktuellsten Stand sein, muss man sich ernsthaft fragen, was man in Japan in den vergangenen Wochen in Sachen Vorbereitung gemacht hat. Der gesunde Menschenverstand würde nämlich erwarten, dass alles getan wird, um Patienten mit komplizierterem Verlauf helfen zu können. Kann man das nicht, würde das das Todesurteil vor allem für viele ältere Japaner bedeuten, und bekanntermaßen gibt es in Japan aufgrund der denographischen Struktur besonders viel davon. Japan hatte genügend Zeit bisher, den Verlauf von Corona in anderen Ländern zu studieren – und aich dementsprechend vorzubereiten. Sollte man diese Zeit wirklich vergeudet haben?

Den Corona-Vogel des Monats hat übrigens Ministerpräsident Abes werte Gemahlin abgeschossen – sie spielt ja bereits im noch immer aktuellen Moritomo-Bestechungsskandal eine schillernde Rolle. In sozialen Netzwerken kursieren Fotos von ihr und ihrer Entourage bei der Kirschblütenschau – eng aneinandergedrängt, und ohne Masken. Genau das, wovor die Regierung zur Zeit das gemeine Volk warnt.

Und noch am Rande: Das Virus forderte heute in Japan das erste prominente Todesopfer: Der 70-jährige 志村けん Ken Shimura, Schauspieler, Komiker und Sänger, erlag heute der Krankheit. Da ihn so ziemlich jeder kennt, ist sein Tod möglicherweise das tragische Signal, das ein paar mehr Leute wachrüttelt

Corona-Update 23. März 2020

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3D-Darstellung eines Corona-Virus (Quelle: Wikipedia)

Es ist schon eine seltsame Sache: Überall auf der Welt sieht man einen sprunghaften Anstieg der Corona-Infektionen und damit einhergehende, immer striktere Maßnahmen seitens der Politik, um der Entwicklung Herr zu werden. Überall? Nein, am Rande des Pazifiks gibt es ein Archipel, das der Angelegenheit irgendwie zu strotzen scheint.

Zwei Monate ist es nun schon her, dass der erste Corona-Fall in Japan auftauchte: Ein Chinese aus Wuhan, dem Epizentrum der Pandemie, brachte das Virus mit. Wenige Wochen später landete ein Kreuzfahrtschiff an, auf dem vermehrt Corona-Fälle auftraten. Das Kreuzfahrtschiff wurde zum eindrucksvollen, aber auch traurigen Beweis, dass so ein Schiff quasi wie eine riesige Petrischale wirkt – über 700 Menschen steckten sich an, und es schien, als ob nichts und niemand das Virus auf dem Schiff aufhalten könnte.

Doch nach zwei Monaten ist Japan immer noch da, wo viele europäische Länder vor mehreren Wochen waren: Es gibt gerade mal knapp 1,100 bestätigte Erkrankungen, von denen fast 300 bereits genesen sind, und 36 Todesfälle (das Kreuzfahrtschiff ist in diesen Zahlen nicht enthalten). Eine Weile lang gab es über 50 Neuerkrankungen pro Tag, jetzt sind es zwischen 30 und 40. Und es gibt sogar noch Präfekturen, in denen nicht ein einziger Fall bekannt ist. Sicher: Die Regierung hat Maßnahmen getroffen. Zuerst auf Hokkaido, wo plötzlich besonders viele Fälle auftraten. Dann wurden vor gut zwei Wochen landesweit die Schulen geschlossen – und grössere Themenparks. Firmen wurden aufgefordert, Mitarbeiter ins “Home Office” zu schicken, soweit möglich – oder aber zumindest die Arbeitszeiten leicht zu ändern, so dass sich die Stoßzeiten in den Bahnen etwas verteilen. Vor zwei, drei Wochen sagte Ministerpräsident Abe, dass die nächsten zwei, drei Wochen entscheidend sein werden.

Jedoch: So ziemlich alle Geschäfte, Restaurants und Bars haben geöffnet. Und sie sind vollgepackt mit Menschen. Am Sonntag fand eine grosse Sportveranstaltung (ein K1-Wettkampf in einer Halle in Saitama, mit 6’500 Besuchern) statt. Die Parks und die Strassen waren voller Menschen, denn der vergangene Freitag war ein Feiertag, das Wetter war hervorragend und die Kirschen haben zu blühen begonnen. Private Schulen haben wieder geöffnet. Die Züge sind nur ein bisschen leerer als üblich. Und die Schulen sollen planmässig Anfang April wieder öffnen. Kurzum: Man merkt nicht viel von Corona. Selbst in den Schlagzeilen ist Corona zwar noch da, wird aber mitunter von anderen Themen verdrängt.

Dieser Japan-Times-Artikel fasst die Lage gut zusammen: Prinzipiell gibt es drei mögliche Gründe dafür, dass es Japan scheinbar viel besser ergeht: Konspiration, Glück oder eine hohe Effizienz der Maßnahmen.

Was “Konspiration” anbelangt – natürlich schwirren viele Gerüchte umher, und das beliebteste ist das, dass man in Japan die Krankheit quasi laufen lässt. Dieses Gerücht wird massiv dadurch genährt, dass nicht jeder nach Gutdünken auf das Virus testen darf: Die Gesundheitsbehörden entscheiden wer darf und wer nicht, und man ist da offensichtlich sehr, sehr sparsam: Vielen Berichten zufolge wird wirklich erst dann getestet, wenn es offensichtlich ist – oder in unmittelbarer Nähe bestätigter Fälle. Die Gerüchte besagen auch dass “bis zu 40% der Hauptstädter im Januar/Februar irgendwann hohes Fieber hätten, dass man dies aber der saisonalen Grippe zuschrieb, obwohl es eigentlich Corona war”. Das halte ich persönlich für Blödsinn. In meiner Nähe scheinen alle zu den 60% zu gehören, die das nicht erlebten, und das wäre zu viel des Zufalls. Und es würde sich sicherlich herumsprechen, wenn die Intensivstationen des Landes aus den Nähten platzen würden. Nicht einmal ein totalitäres System wie das in China könnte das vertuschen – geschweige denn Japan.

An Glück kann man hier auch nicht glauben. Die Verbreitung des Virus hat mit Glück nichts zu tun — viele Chinesen reisten bis vor kurzem nach Japan, und andersrum. Und viele Japaner reisen in Europa. Bleibt nur der Glaube an die hohe Effizienz der Maßnahmen – und zwar der 1) schon vor dem Virus vorhandenen, quasi von Corona unabhängigen Maßnahmen, sowie der 2) von der Regierung ergriffenen Maßnahmen. Was 1) anbelangt, lässt sich nicht leugnen, dass die natürlich Ablehnung von “skinship”, also dem Berühren anderer Personen (Händedruck, Kuss auf die Wange usw.) seitens der Japaner der Verbreitung des Virus eher abträglich ist. Auch der permanente Gebrauch von Masken, Desinfektionsmitteln und dergleichen ist nicht neu und gehört bei vielen Japanern seit langem zum Alltag. Was 2) anbelangt — wer weiss, vielleicht wurden in der Tat die richtigen Massnahmen genau zur richtigen Zeit getroffen. Das lässt sich jetzt allerdings noch nicht sagen. Die Strategie besteht — noch immer — darin, mit Tests sparsam umzugehen, und sich auf das Aufspüren und Isolieren von Clustern zu konzentrieren.

Koike, die Governeurin von Tokyo, sagte heute, dass sie sich im Falle eines “overshoots”, also der plötzlichen und explosionsartigen Vermehrung von Infektionen, einen “lockdown” von Tokyo vorstellen könne, und dass sie die nächsten zwei, drei Wochen für kritisch betrachtet. In der Tat: Das vergangene, lange Wochenende und die einsetzende Kirschblüte, zu der sich traditionell viele Menschen zusammenfinden, könnte die Lage in Japan schlagartig verändern – aber das werden wir erst in zwei, drei Wochen wirklich verstehen. Würde sich die Lage in dieser Zeit nicht verschlechtern, oder gar verbessern, wäre ich wirklich versucht, an ein Quäntchen Glück zu glauben. Momentan befürchte ich jedoch, dass die Menschen hier zur Zeit etwas zu optimistisch sind — ich hoffe zwar, kann mir aber kaum vorstellen, dass Japan so leicht relativ ungeschoren davonkommt, während das Virus in den meisten anderen Ländern derart heftig tobt. Das ist allerdings nur die oberflächliche Seite des Problems. Es zeichnet sich immer mehr ab, dass die Olympischen Spiele verlegt werden müssen, und das wird schwere wirtschaftliche Folgen haben – zumindest in diesem Jahr.

Corona in Japan-Update: Stand 16. März

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3D-Darstellung eines Corona-Virus (Quelle: Wikipedia)

Nach wie vor beherrscht Corona die Nachrichten in Japan — allerdings nicht ganz so sehr wie in Europa, wie es scheint. Jeden Tag kommen ein paar dutzend neue Fälle hinzu – gestern sollen es 34 gewesen sein – und damit hält der Status Quo weiterhin an. Die Zahl der Neuansteckungen bleibt konstant, und die meisten neuen Fälle können einem von insgesamt 10 bisher entdeckten Clustern zugeordnet werden. Ein Cluster befindet sich in Tokyo, ein grösseres in Osaka, eins in Nagoya und der Rest auf der nördlichsten Insel, Hokkaido. Allerdings hat ein hoher Offizieller des 国立感染症研究所 NIID (National Institute of Infectious Diseases) nun vorausgesagt, dass er die tatsächliche Zahl der Ansteckungen für wesentlich höher einschätzt, sprich er geht von einer hohen Dunkelziffer aus, da kaum junge Leute aus dem Umfeld besagter Cluster getestet würden. Wenn diese also keine Symptome entwickelt haben, würde man nicht herausfinden, ob sie auch infiziert sind oder nicht. Wie jedoch in der vergangenen Woche berichtet, kommt in dieser Woche ein Schnelltest auf den Markt – der entdeckt zwar nur Antikörper bei Menschen, die zu irgendeinem Zeitpunkt mit dem neuen Virus infiziert waren, aber dieser Test könnte zum Beispiel dem NIID dabei helfen, herauszufinden, wie stark die Verbreitung wirklich fortgeschritten ist.

Nun hat Ministerpräsident Abe seit der vergangenen Woche die rechtlichen Mittel, um einen nationalen Notstand auszurufen – doch bei einer Pressekonferenz am Sonntag gab er bekannt, dass nach Beratung mit Experten zu dem Entschluss gekommen sei, dass die Ausrufung des Notstands beim jetzigen Stand der Dinge nicht nötig sei. Dementsprechend plätschert das Leben vor sich hin: Die grossen Themenparks und Museen haben geschlossen, auch grössere Veranstaltungen, inklusive Sportveranstaltungen sind abgesagt, doch in den Läden und Kaufhäusern ist es voll wie eh und je, und auch Gaststätten und Restaurants haben geöffnet. Auch die Hamsterkäufe haben sich etwas beruhigt – es gibt hier und da sogar wieder Toilettenpapier. Nun wird auch öffentlich diskutiert, ob und wann man die Schulen wieder öffnen soll. Private Schulen sind da etwas weiter – die Juku (private Schulen, in denen sich Kinder zusätzlich auf Prüfungen vorbereiten) meiner Tochter zum Beispiel nimmt ab morgen wieder offiziell den Lehrbetrieb auf – nach einer guten Woche Tele-Unterricht).

In der Zwischenzeit überlegt die Regierung, wie sie die Wirtschaft und die Menschen unterstützen kann. So werden Stimmen laut, die Mehrwertsteuer auf begrenzte Zeit zu senken. Diese wurde ja erst im Oktober des vergangenen Jahres von 8 auf 10% erhöht, was zu einem Einbruch des Wirtschaftswachstums führte. Ausserdem verlängert man diverse Fristen – zum Beispiel die der Abgabe der Steuererklärung, oder die Frist zur Erneuerung des Führerscheins.

Natürlich reisst auch die Debatte um die Olympischen Spiele nicht ab. Noch ist man optimistisch, aber es gibt immer mehr Skeptiker. Logisch. Selbst wenn sich die Lage in Japan bis Juli weitestgehend stabilisiert haben sollte – momentan muss man schon sehr optimistisch sein, um das auch für den Rest der Welt anzunehmen. Während bis Februar noch Ostasien als grösstes Risikogebiet galt, ist es nun Europa – und danach vielleicht Amerika. Bei einer Umfrage in Japan glaubten knapp 70% nicht mehr daran, dass die Olympischen Sommerspiele wie geplant stattfinden können. Eine Verschiebung hätte jedoch weitreichende Folgen: SMBC Nikko Securities Inc. schätzt, dass beim Nichtstattfinden der Spiele in diesem Jahr das Bruttoinlandsprodukt um bis zu 1,4% einbrechen könnte. Zusätzlich zu dem zu erwartenden, vom Corona ausgelösten Einbruch, versteht sich. Wie hoch die Rechnung aber letztendlich sein wird, kann wohl niemand im Moment so genau sagen.

Sollte man momentan als Tourist nach Japan reisen? Mittlerweile muss ich persönlich zumindest die Frage mit einem “Nein” beantworten. Nicht, weil die Ansteckungsgefahr gewachsen ist. Aber dies ist einfach nicht die Zeit, zum Vergnügen und via zahlreicher Flughäfen durch die Welt zu touren und damit möglicherweise dazu beizutragen, das Virus weiter zu verbreiten.

Kurabo bringt Corona-Schnelltest für den Hausgebrauch auf den Markt

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Eine unangenehme Eigenschaft der momentanen Corona-Epidemie ist die Tatsache, dass niemand genau zu wissen scheint, wie viele Menschen wirklich den Virus in sich tragen. Das führt zu Gerüchten und Mutmassungen jeglicher Art, aber auch zu dem Problem, dass kranke Menschen von Krankenhaus zu Krankenhaus geschickt werden, bis ihnen endlich ein Corona-Test genehmigt wird. Laut diesen Daten wurden in Japan bisher ziemlich genau 10,000 Menschen getestet – 655 von ihnen positiv. Die einzige Testmethode ist zur Zeit der sogenannte PCR-Test, der nur in einigen wenigen Labors mit begrenzten Kapazitäten ausgeführt werden kann. Dieser Test kostet 18,000 yen (also rund 150 Euro) pro Test, dauert rund 6 Stunden und muss von den Gesundheitsbehörden erst genehmigt werden.

Laut dieser Pressemitteilung vom heutigen Tag (12. März 2020) hat 倉敷紡績株式会社 Kurabo Industries, ein japanischer Chemiekonzern mit knapp 5’000 Angestellten, ein Schnelltestset entwickelt, mit dem man innerhalb von 15 Minuten feststellen kann, ob man den Corona-Virus in sich trägt oder nicht. Man braucht nur einen Tropfen Blut dazu, und die Genauigkeit soll ersten Tests zufolge bei rund 95% liegen. Vor allem soll das Virus damit bereits im Anfangsstadium der Infektion erkannt werden können. Damit liesse sich erstmal arbeiten.

Der Pressemitteilung zufolge sollen die Tests ab dem 16. März verkauft werden – für 25,000 Yen (rund 200 Euro), aber mit dem Set kann man insgesamt 10 Mal (bzw. 10 verschiedene Menschen) testen. Wenn diese Angaben wirklich stimmen, und wenn der Test schnell und in grosser Menge produziert werden kann, wäre das sehr erfreulich — allerdings auch ein bisschen besorgniserregend. Will man wirklich wissen, wie viele Menschen infiziert sind? Letztendlich aber schon, denn nur so kann das Virus auch wirklich bekämpft werden, denn nichts hilft Corona mehr als die Verschleierung der tatsächlichen Verbreitung.

Es ist keine Überraschung, dass Kurabou damit zum Geisterfahrer der aktiennotierten Unternehmen wurde – nach Bekanntgabe der Pressemitteilung gegen 13:30 stieg der Aktienkurs binnen Minuten um rund 25%, bevor eine automatische Bremse für den Kurs einsetzte.

Corona-Update: Besserung in Sicht… oder?

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Gute Echtzeit-Informationsquelle: https://gis.jag-japan.com/covid19jp/
Gute Echtzeit-Informationsquelle: https://gis.jag-japan.com/covid19jp/

Schaut man sich die Fälle der Neuerkrankungen an, so scheint sich allmählich eine Trendwende abzuzeichnen in Japan:

Tag Neuerkrankungen
6. März 54
7. März 44
8. März 33
9. März 14

Insgesamt gibt es, Stand 10. März, 509 registrierte Erkrankungen, und soweit 9 Todesfälle. Ausserdem sind die meisten Neuerkrankungen “nachvollziehbar” — so erkrankten zum Beispiel viele Besucher eines kleinen Klassikkonzertes in Osaka. An der Spitze der Erkrankungen liegt jedoch immer noch Hokkaido mit 106 Menschen, doch die drastischen Massnahmen dort — der Aufruf zum Beispiel, am vergangenen Wochenende möglichst zu Hause zu bleiben — scheint Wirkung zu tragen.

Natürlich bleiben die Menschen dennoch nervös, denn es sind immer noch die Gerüchte, die die Runde machen. Das macht auch in der Nachbarschaft nicht halt: Von einem gut einem Kilometer entfernten, grossen Universitätskrankenhaus wissen wir zum Beispiel, dass sich dort Corona-Patienten aufhalten. Nun machen Gerüchte die Runde, dass in einem weiteren, rund zwei Kilometer entfernten Krankenhaus “sehr viele Patienten mit schwerer Lungenentzündung seien, und dass das Personal sehr verunsichert sei”. Stimmt das? Oder nicht? Es ist schwer zu überprüfen. Dass Gerücht, dass die Anzahl der Erkrankten weitaus höher ist als offiziell angegeben, sorgt für die grösste Unruhe, und die Nachrichten darüber, dass die Behörden nur sehr zaghaft Virustests zulassen, trägt da nicht sonderlich zur Beruhigung bei.

Die Maschinerie zur Eindämmung der Krankheit läuft derweilen weiter. Das Parlament wird in dieser Woche Gesetze verabschieden, die es Ministerpräsident Abe ermöglichen werden, weitgehende Maßnahmen zu bestimmen, so er sich dafür entscheidet, einen Ausnahmezustand auszurufen. Dabei wird er allerdings vor dem gleichen Dilemma stehen wie schon vor Wochen, als es losging: Je drastischer die Maßnahmen, desto schwerer werden die wirtschaftlichen Schäden sein, die der Virus hinterlassen wird. Doch bevor das passiert, wird erstmal ab heute die Einreise von chinesischen und koreanischen Staatsbürgern weitestgehend ausgesetzt – Touristen aus beiden Ländern dürfen vorerst bis Ende März nicht einreisen. Dazu gab es natürlich sofort Protest aus Südkorea, aber dieser Protest ist natürlich Unsinn. Die Verbreitung der Krankheit in Südkorea ist einfach zu rasant, um mal eben so ignoriert zu werden. Und die meisten Japaner empfinden sowieso, dass diese Massnahme (zumindest bezüglich der Einreise aus China) schon vor einigen Wochen hätte umgesetzt werden sollen.

In der vergangenen Woche lud ich eine Hongkong-Chinesin zu einem Vorstellungsgespräch ein. Die Mutter eines kleinen Sohnes, den sie auch noch zum Vorstellungsgespräch mitbrachte, da der Kindergarten wegen des Viruses Pause macht, hatte sich um eine Teilzeitanstellung beworben. Sie erklärte während des Interviews mit einem, ich muss das Grinsen leider als schmierig bezeichnen, dass sie viel Erfahrung in e-Commerce habe: So verkaufe sie unter anderem Schutzmasken auf Yahoo! Auction (dem Pendant zu Ebay in Japan), und wenn der Bedarf hoch sei, passe sie natürlich die Preise dementsprechend an. Da fiel es schwer, die Contenance zu wahren – so eine Person werde ich natürlich ganz sicher nicht einstellen.

Um es zusammenzufassen: Momentan mache ich mir eher Sorgen um die vielen Gerüchte, die die Runde machen, die wirtschaftlichen Folgen — sowie die Lage in Deutschland, wo die Anzahl der Erkrankten weit stärker zuzunehmen scheint. Natürlich hoffe ich auch, dass Ministerpräsident Abe nicht den Ausnahmezustand erklärt, denn das würde sicherlich zu einem veritablen Chaos führen.

In diesem Sinne — bleibt gesund!

Tabibito offline — Buch gefällig? Oder eine Zeitschrift?

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Ein kurzer Beitrag in eigener Sache — es geht dabei nicht um Online-Artikel, sondern um Offline-Artikel. Also so richtig mit Papier, in der Hand halten können und so. Verrückte Welt.

Zum einen wäre da die 3. Auflage meines Buches “Was Sie dachten, NIEMALS über JAPAN wissen zu wollen: 55 erleuchtende Einblicke in ein ganz anderes Land“, erschienen im Conbook Verlag. Im Gegensatz zur 2. Auflage ist diese sogar komplett überarbeitet: Zwei der 55 Artikel wurden komplett ausgetauscht, ein paar weitere erneuert, und es gibt eine neue Rubrik, die mir persönlich sehr gefällt – einfach um ein bisschen Gleichgewicht zu haben: »Warum Sie trotzdem IMMER wieder nach Japan reisen sollten – 55 Gründe«.

Die dritte Auflage wird am 7. Mai erscheinen — im gut sortierten Buchhandel, aber auch als Kindle-Edition. Mal sehen, vielleicht findet sich diese neue Auflage ja auch, so wie die 1., in dem einen oder anderen Internationalen Buchladen in Tokyo wieder!

So ein Buch braucht immer ein bisschen Werbung, und deshalb möchte ich hier gern die Bitte meines Verlages weiterleiten: Wer hat Interesse an einem Rezensionsexemplar? Das wird dann kostenlos zugeschickt. Als Gegenleistung wäre dann eine Rezension auf einem Blog, in sozialen Netzwerken, gerne aber auch einfach nur auf Amazon nett (bitte mit angeben, wo). Bei Interesse bitte hier melden, wohin das Buch geschickt werden soll. Zwei Dinge allerdings dazu: Rezensionsexemplare sind begrenzt, und der Verlag hat das letzte Wort, ob ein Buch verschickt wird oder nicht.


Zum anderen wäre da Japan Digest, für die ich schon längere Zeit schreibe. Im Herbst des vergangenen Jahres fragte JD an, ob sie mich zur Recherche von Nationalparks nach Kyushu schicken könnten. Normalerweise lehne ich so etwas ab, aber da ich Kyushu schon immer sehr mochte, hatte ich dieses eine Mal zugesagt. Das Ergebnis kann man in der Januar-Ausgabe des JAPANDIGEST-Magazins begutachten: 4 Seiten voll mit wunderschönen Bildern und noch viel schöneren Texten (meine ganz bescheidene Meinung jedenfalls). Und: Zum ersten Mal schmücken von mir gemachte Fotos die Titelseite eines Magazins. Darauf bin ich dann doch ein kleines bisschen stolz, da ich zwar gern fotografiere, aber das leider immer noch eher amateurhaft.

Das Heft kann man hier für 3 Euro bestellen (im Prinzip ist das Magazin also gratis, es geht um die Versandkosten).

Corona-Wirren: Es ist nicht der Virus, es sind die Menschen

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Es ist hüben wie drüben: Es ist nicht der Virus, der so viele Dinge vor die Hunde gehen läßt – es ist die Unvernunft des Menschen. Sehr schön zu beobachten seit dem vergangenen Donnerstag, als die Regierung bekanntgab, alle öffentlichen Schulen im März schliessen zu wollen. Schnell machten erste Gerüchte die Runde, dass dies nur der erste Schritt sein könnte und möglicherweise Ausgangssperren und ähnliche drastische Maßnahmen folgen könnten. Also zogen die ersten – nicht Arbeitenden, wohlgemerkt, zu Drogerie- und Lebensmittelmärkten oder zu Costco & Co. Das Hauptaugenmerk der Beutezeugler lag auf Toilettenpapier und Taschentücher, später auch auf Trockennahrungsmittel wie Reis, Nudeln und ander Grundnahrungsmittel. Die Leute fingen an, Fotos von vollständig leergeräumten Regalen in den sozialen Netzwerken zu posten, was natürlich auch den Trägesten hochschrecken und zum nächsten Geschäft rennen liess, um dort zu hamstern, was noch zu hamstern ist.

Das Schlimme an der Sache ist, dass momentan eigentlich keine Engpässe zu erwarten sind. Sicher, Masken gibt es auf vorhersehbare Zeit nicht oder nur selten, zumal die Regierung jetzt beschlossen hat, Bestände von den Herstellern direkt aufzukaufen, um den Leuten in der besonders arg betroffenen Präfektur Hokkaido zu helfen. Aber Toilettenpapier? Selbst toilettenpapierähnliche Produkte wie Küchenpapier waren plötzlich aus den Regalen verschwunden. Bereits am Freitag, aber auch am Wochenende riefen Regierungsvertreter dazu auf, dass Hamstern zu lassen, denn man erwarte keine Engpässe. Egal: Heute morgen, am Montag, bildeten sich um 8 Uhr morgend wieder lange Schlangen vor den Drogeriemärkten. Und die ersten ganz Gewieften verkaufen Toilettenpapier und ähnliches auf einschlägigen Onlineverkaufsportalen wie Mercari & Co. – mit saftigem Aufpreis.

Saukomisch, wenn es nicht so traurig wäre, ist die Tatsache, dass in manchen Supermärkten selbst Pasta gehamstert wurde. Sicher, man isst auch in Japan italienische Pasta gern mal, aber es zählt nicht zu den Grundnahrungsmitteln in hiesigen Haushalten. Zu dem plötzlichen Nudelkaufrausch wird da ganz sicher der auch in den japanischen Nachrichten genüßlich zur Schau gestellte Kommentar eines italinienischem Rentners beigetragen haben, der da im Angesicht leerer Pastaregale wehklagte, dass es selbst zum Ende des Zweiten Weltkrieges nicht so schlimm gewesen sei.

Eigentlich soll man ja in Zeiten der Not zusammenrücken. Bei einer Epidemie sicher nicht das richtige Sinnbild, aber egal. Stattdessen zeigen hier nicht wenige – mal bewusst (Kleinhändler, die damit Geschäfte machen wollen), mal unbewusst (die verständliche Sorge von Hausfrauen und Großeltern, nicht schnell genug zu reagieren) eine Verhaltensweise, die deutlich macht, dass es nicht der Virus sein wird, der vieles zerstört, sondern der Mensch. Aber das ist ja nichts Neues. Das traurige ist zur Zeit nur, dass vor allem Eltern, vor allem aber arbeitende Eltern, die absoluten Verlierer sind. Die müssen damit leben, das ihnen von heute auf morgen bekanntgegeben wird, dass die Kinder ab nächster Woche einen Monat lang zu Hause bleiben müssen. Und wenn beide Elternteile auch noch arbeiten, können sie am späten Abend und am Wochenende dann sehen, was in den Geschäften übrig geblieben ist. In dem Sinne: Stay calm, und denkt an Eure Mitmenschen….

Update: Covid-19 aka Corona in Japan

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Corona-Virus-Erkrankungen Stand 26 Februar 2020
Corona-Virus-Erkrankungen Stand 26 Februar 2020

An dieser Stelle und zu diesem Zeitpunkt ein kurzer Überblick über die Lage des Corona-Virus in Japan – Stand 26. Februar 2020.

Das Virus hat sich bis zum heutigen Tag in nunmehr 18 von 47 Präfekturen verbreitet – siehe Karte. Dunkelrot bedeutet zwischen 30 und 40 bestätigte Infektionen (Hokkaido und Tokyo), das nächsthellere Rot 20 bis 30 Fälle (Präfektur Aichi), dann 10 bis 20 Fälle sowie hellrot zwischen 1 und 10 Fälle. Insgesamt sind 157 Infektionen festgestellt worden – allein 11 davon sind in den letzten 24 Stunden hinzugekommen. Diese Zahlen beinhalten allerdings nicht die Infektionen auf dem Kreuzfahrtschiff – allein dort gab es 693 Ansteckungen. Bisher gab es einen Toten (ohne Kreuzfahrtschiff) bzw. 5 (mit dem Schiff) zu beklagen.

Die Zahl der Neuinfektionen steigt also weiterhin, wenn auch relativ langsam, an. Es wird aber einiges an Anstrengung kosten, das Virus einzudämmen, und dort hat sich die Verwaltung bisher nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Die Situation mit besagtem Kreuzfahrtschiff zeigte, dass man die Lage keineswegs unter Kontrolle hat. Hinzu kam auch noch Schludrigkeit. Als den Passagieren nach über zwei Wochen Quarantäne erlaubt wurde, von Bord zu gehen, “vergass” man bei einem guten Dutzend, Virustests vorzunehmen. Zudem wurde beteuert, dass von den Passagieren kein erhöhtes Risiko ausgeht – was sich nach ein paar Tagen leider als falsch erwies. Einige eilig beschlossene Maßnahmen wirken wie eine Geste der Hilflosigkeit. Beispiel: Da Gesichtsmasken zur Zeit überall ausverkauft sind, verkündete die Regierung, sehr schnell 100 Millionen Masken herstellen zu lassen. Bei 120 Millionen Japanern ist das eher ein Scherz – allein in Tokyo wäre diese Menge binnen Stunden ausverkauft.

Nach und nach erreicht das Virus zudem den Alltag. Immer mehr Veranstaltungen werden abgesagt – so zum Beispiel Spiele der J-League (1. Fußballliga), aber auch der normalerweise öffentlich begangene kaiserliche Geburtstag. Öffentliche Nahverkehrsmittel haben nun auch virusbezogene Ansagen erstellt, mit denen den Passagieren gewisse Verhaltensregeln nahegelegt werden.

Auch in der Wirtschaft machen sich die Folgen immer mehr bemerkbar. Viele Waren werden in China hergestellt, doch dort sind viele Fabriken und Warenhäuser geschlossen, und selbst wenn nicht, so gibt es doch große Löcher in der Versorgungskette. Die Folge: Händler können ihre Vorräte nicht aufstocken, und Fabriken können nicht weiterarbeiten, da Teile fehlen.

Viele Firmen ergreifen ihrerseits die Initiative. Als in dieser Woche bekannt wurde, dass ein Mitarbeiter des Werbegiganten Dentsu positiv getestet wurde, forderte die Firma rund 5’000 Angestellte auf, vorerst von zu Hause zu arbeiten. In vielen Firmen werden Meetings auf das nötigste beschränkt und Angestellte verhältnismäßig früh nach Hause geschickt.

Sollte man nun eine Japanreise antreten oder doch lieber stornieren? Diese Frage bewegt viele, die vorhatten, innerhalb der nächsten Wochen oder Monate nach Japan zu reisen. Die ehrliche Antwort dazu: Dass kann niemand so genau sagen. Wie man an Italien und Südkorea sehen konnte, kann die Situation innerhalb weniger Tage kippen. Beim jetzigen, sprich heutigen Stand der Dinge sehe ich keinen Grund für Reiseplanänderungen. Im Gegenteil: Da jetzt sehr wenige Touristen, vor allem aus China, unterwegs sind, hat man jetzt die Gelegenheit, relativ entspannt zu reisen. Wie es jedoch in vier Wochen aussieht, kann wohl niemand so genau vorhersehen. Allerdings lässt sich das Gleiche auch über Deutschland sagen – dort kann sich ebensogut ganz schnell eine ähnliche Lage wie in Italien entwickeln.

Alles 2 oder was

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Schon gewusst? Noch ein paar Stunden, dann lautet die Zeit 2020/02/22 02:22:22. Nun gut, nichts Besonderes, könnte man da einwerfen – schliesslich wird diese in mehr oder weniger vielen Stunden (fast) überall auf der Erde erreicht. Aber! Es gibt ja da auch noch die japanische Zeitrechnung, und nach der haben wir jetzt nämlich das Jahr Reiwa 2. Und damit ist der Zahlenspass komplett – wir sehen uns dann, mit etwas Glück, und den Fortbestand der kaiserlichen Dynastie bzw. der Menschheit als solches vorausgesetzt, frühestens am 3. März des Jahres 3003 wieder.

Die Tokyu-Bahngesellschaft feiert dieses Großereignis mit einen Set von 5 Fahrkarten, die jeweils 200 Yen wert sind und das Datum enthalten. Kostet auch nur 1’000 Yen – ohne Aufpreis quasi.

Mit dieser zugegebenermassen reichlich sinnfreien Nachricht verkrümele ich mich dann wohl besser in das verlängerte Wochenende. Mal sehen, vielleicht gönne ich mir ja um 2:22 zwei Schierker Feuersteine, bevor ich meinen zwei Kindern beim Schlafen zusehe und dem Katzentier kurz hinter seinen zwei Ohren kraule.

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