Japan-Almanach: Alles über das Leben und Reisen in Japan. Seit 1998.
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Schnellster Computer der Welt nun in Japan

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Es muss auch ab und an mal ein paar positive Nachrichten geben. In dieser Woche gehört 富岳 fugaku dazu – der vor ein paar Tagen der Öffentlichkeit vorgestellte Supercomputer am renommierten RIKEN Center for Computational Science (R-CCS) in Kobe. Die Maschine wird zwar erst offiziell im nächsten Jahr in Betrieb geben, doch Testläufe ergaben, dass Fugaku von nun an die berühmte TOP500 Liste der schnellsten Computer der Welt anführen wird.

Der Vorsprung ist noch nicht einmal knapp. Der bisher schnellste Supercomputer, SUMMIT, aufgebaut in den USA, schafft 148.8 Petaflops pro Sekunde – Fugaku kann hingegen 415.5 Petaflops und damit fast 3 mal so viele Gleitzahloperationen wie die Nummer zwei. Dazu braucht man allerdings auch fast drei Mal so viele Prozessoren (7.3 Millionen) und dementsprechend drei Mal so viel Energie. Mit 28,3 MW kann man da immerhin schon eine Kleinstadt mit Energie versorgen.

Der Name 富岳 ist ein alter Name des Fuji-san. Ein Novum an dem Computer ist, dass er der erste Supercomputer mit ARM-Prozessoren ist – die werden heutzutage auch in den meisten Smartphones verbaut. Was die Nutzung anbelangt, wartet auf Fugaku viel Arbeit. So kann man damit zum Beispiel auch sinnvolle Berechnungen zur Verbreitung des Corona-Virus anstellen, aber in erster Linie geht es natürlich um die üblichen Anwendungen: Wettermodelle, Erdbebendaten und dergleichen. Verbunden werden all die einzelnen Prozessoren übrigens mit dem von Fujitsu entwickelten TOFU interconnect d genannten System. So viel Japan muss schon sein.

Das Fugaku-Projekt lief 2015 an – unter der Schirmherrschaft des MEXT (Bildungs- und Wissenschaftsministerium). Scheinbar hat das MEXT da noch letztendlich seinen Haushalt absichern können, denn bei einer Haushaltsanhörung im Jahr 2009 wurde ein geplantes Supercomputerprojekt noch schroff abgebürstet.

Tokyo-Wahlen in Zeiten von Corona

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Poster während der Gouveneurswahl von Tokyo. Mitte unten: Horiemon
Poster während der Gouveneurswahl von Tokyo. Mitte unten: Horiemon

Alle 4 Jahre ist es soweit: Bunte Lautsprecherwagen ziehen durch die Strassen und machen einen Heidenlärm, dem aber kaum jemand Beachtung schenkt. Es ist Wahlkampfzeit – gesucht wird der/die neue Gouverneur(irgendwo hier Asterisk und -in usw. einfügen)in von Tokyo – gewählt wird am 4. Juli. Und bis dahin kann man dem Krach nicht entkommen.

Zur Wahl stehen 23 Kandidaten, darunter die amtierende Gouverneurin, Yuriko Koike, sowie zwei weitere Frauen, was für japanische Verhältnisse bereits eine bemerkenswerte Frauenquote ist. Das Alter reicht von 33 bis 73 Jahren, liegt im Schnitt jedoch bei unter 50 Jahren, und das ist schon mal beachtlich. Der Trend zum jüngeren Gouverneur, von Osaka gesetzt, scheint auch Tokyo erreicht zu haben – allerdings ist die Amtsinhaberin schon 67 Jahre alt, und ihre Chancen auf eine zweite Amtszeit stehen nicht unbedingt schlecht.

Die meisten Kandidaten gehören keiner Partei an, sind aber natürlich in den meisten Fällen auf irgendeine Art und Weise mit einer Partei verbunden. Der Hintergrund der KandidatInnen ist bunt: Von Schriftstellern über Bauunternehmern, ehemaligen Verteidigungsministern bis zum Apothekenbetreiber ist alles dabei. Eine besonders schillernde Erscheinung ist der Kandidat Tachibana, Vorsitzender der am 25. Mai 2020 gegründeten ホリエモン新党 – der “neuen Horiemon-Partei”. Horiemon ist der Spitzname des 1972 geborenen Takafumi Horie, einem illustren Vertreter der New Economy, der rund um die Jahrtausendwende mit dem Unternehmen Livedoor hoch hinaufstieg – und im Jahr 2006 tief fiel, als er wegen Insidergeschäfte festgenommen und letztendlich zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt wurde. Seitdem ist er als Berater, Schriftsteller, YouTuber usw. – quasi als “Volksinfluencer”, unterwegs. Tachibana, der Parteichef, ist auch kein unbeschriebenes Blatt, denn er ist zugleich Chef der N国 genannten Partei mit dem furchtbar langen, offiziellen Namen “Partei zum Schutze des Volkes vor der NHK”. NHK ist die öffentlich-rechtliche Medienanstalt Japans, für die, genau wie in Deutschland, jeder Gebühren zahlen muss. Die Partei könnte man also oberflächlich als “Partei der GEZ-Verweigerer” bezeichnen, aber das wäre zu einfach, denn die NHK ist in der Tat extrem linientreu und nicht viel mehr als das Sprachrohr der Regierung (dieser Trend hat sich unter Abe verstärkt) und der Protest dagegen, dafür Gebühren zahlen zu müssen, nicht ganz unberechtigt.

Was fordert die Horiemon-Partei in Zeiten der Corona-Krise? Der Slogan lautet, die “Selbstbeschränkungen durch Corona zu eliminieren”. Die konkreten Vorschläge sind dabei ein kruder Mix teils seltsamer, teils radikaler, aber teils auch nachdenklich stimmender Vorschläge:

  1. Staus eliminieren
  2. Mautschranken entfernen
  3. Preise für überfüllte Züge erhöhen
  4. Fahrkarten und Ticketschranken eliminieren
  5. Bargeld verbieten
  6. Wiederaufbau der Burg von Edo
  7. Das Stadtviertel Adachi-ku in ein japanisches Brooklyn umgestalten
  8. Olympische Wettkämpfe an ausserhalb liegenden Wettkampstätten stattfinden lassen
  9. Online-Unterricht fördern
  10. Marihuana legalisieren
  11. Diversity in Tokyo fördern
  12. Bildung, die nicht nach dem “richtig / falsch” -Schema funktioniert

Und so weiter. Der Katalog umfasst 37 Punkte, und ist für japanische Verhältnisse geradezu revolutionär – siehe 10) und 12). Wird er damit Erfolg haben? Unwahrscheinlich.

Andere Politiker nutzen Corona ebenso, um diverse Sachen zu versprechen – so zum Beispiel die völlige Abschaffung der Kommunalsteuer in Tokyo, oder eine nochmalige Bargeldauszahlung von rund 800 Euro pro Person. Wie das jedoch finanziert werden soll, ist natürlich ein Rätsel…

Corona-Stress Verkehr

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Strasse im Bezirk Meguro in Tokyo
Strasse im Bezirk Meguro in Tokyo

Pünktlich zwei Wochen nach Beendigung des Ausnahmezustands schnellen die Zahlen der Neuinfektionen also wieder nach oben. Waren sie in Tokyo vor zwei Wochen noch einstellig, so waren es gestern und heute zum ersten Mal seit Anfang Mai wieder über 40 neue Fälle. Ungefähr die Hälfte der neuen Fälle stammt dabei vor allem aus einem Cluster: Dem der Host-Bars in Shinjuku’s Vergnügungsviertel Kabukichō. Das ist nicht weiter überraschend – an kaum einem anderen Ort sind die Kontakte zwischen Menschen enger. Doch auch aus anderen Bereichen dürften die Neuerkrankungen ansteigen, denn ausser den großen Konzernen haben viele Firmen nun das Home Office für beendet erklärt, weshalb auch die Züge wieder voller werden.

Da ich quasi unabdingbar bin, fahre ich dennoch tagtäglich ins Büro – nur eben mit dem Auto. Doch so gerne ich auch mit dem Auto unterwegs bin – in Tokyo wird das schnell zur Qual. Als alle noch im Home Office waren, brauchte ich für die 20 Kilometer bis ins Büro gerade mal 50 Minuten, aber jetzt ist der Verkehr wieder “normal”, und die Fahrtzeit beträgt nun saftige 90 Minuten. Ich bin also mit einer satten Durchschnittsgeschwindigkeit von 13 km/h unterwegs. Das liegt zum einen an der geschätzten eine Milliarde Ampeln auf dem Weg, zum anderen aber natürlich auch an der Masse der Autos (und nun auch zunehmend Busse und Motorräder), die zur gleichen Zeit unterwegs sind.

Natürlich experimentiert man da auch gern, fährt mal früher los und mal später, nimmt mal die eine Route (mit Stadtautobahn, kostet dann aber auch 20 Euro pro Tag), mal die andere (wichtige Staatsstrasse, dreispurig und kostenlos), und dann mal wieder eine ganz andere (sehr kleine Strassen). Das faszinierende Resultat ist verblüffend — genauso verblüffend wie die Antwort auf alle Fragen im “Per Anhalter durch die Galaxis”: 10:15. Egal ob ich 8:30 losfahre oder 8:50. Egal ob ich Autobahn fahre oder mich durch die Gassen wusele. Ich komme immer 10:15 an. Immer. Egal wie. Wenn ich hier Zeit gutmache, verliere ich sie anderswo wieder. Aber da das ganze nunmal egal ist, bevorzuge ich lieber die kleinen Strassen. Auf der Staatsstrasse 246 komme ich mir nämlich vor wie eines von vielen Plüschtieren in den Automaten mit den Greifarmen: Irgendwo lauert immer ein 白バイ shirobai — ein weisses (shiro-i) Polizeimotorrad (bai kommt von bike), und die greifen sich nach Gutdünken Verkehrsteilnehmer raus. Auf den kleinen Strassen ist das weniger häufig der Fall, beziehungsweise sieht man sie dort besser.

Besonders angetan hat es mir die Strasse auf dem Foto: Das blaue Schild mit dem weissen Pfeil zeigt an, wo die Mittellinie der Strasse ist – und das ändert sich je nach Tag und Uhrzeit – mal ist die eine Richtung zweispurig, mal die andere. Ist aber letztendlich egal, da die parkenden Autos auf beiden Seiten den pfiffigen Plan (sowie die Wege tausender Radfahrer) sowieso durchkreuzen.

Trotz des Stresses in den vollen Bahnen — ich sehne mich nach 3 Monaten mit dem Auto wieder nach der Bahn, beziehungsweise den üblichen Weg zur Arbeit. Der dauert nämlich nur 55 Minuten, und im Zug kann ich wenigstens etwas machen (Tagesschau sehen, oder Blog- und andere Artikel schreiben). Hinzu kommt die Bewegung: Die täglichen 10 km vom und zum Bahnhof mit dem Fahrrad fehlen mir genauso wie die 2 km zu Fuss vom und zum Bahnhof.

Cyber-Bullying in Japan: Der Tod von Hana Kimura

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Hana Kimura bei einem Turnier in Osaka 2019. Quelle Wikipedia
Hana Kimura bei einem Turnier in Osaka 2019. Quelle: WikiCommons

Die Nachricht ist nun schon zwei Wochen alt, aber dennoch wert, auf diesem Blog erwähnt zu werden, denn möglicherweise hat dieser tragische Vorfall Folgen – positive Folgen, hoffentlich.

Gemeint ist der Freitod von Hana Kimura, einer erst 22-jährigen Wrestlerin, und einer der Darstellerinnen der beliebten Fernseh- (und Netflix)serie “Terrace house”. Das ist die japanische Version von Big Brother (gibt es das eigentlich noch?) bei der 3 junge Männer und genauso viele Frauen, die sich vorher nicht kannten, zusammenziehen und gefilmt werden. Das ganze geht wohl ganz dezent vonstatten, ohne Übertreibung und irrwitzigen Skripten, weshalb man Kritiken finden kann wie “Die Reality-Show für alle, die Reality-Shows hassen”. Persönlich kann ich dem nicht zustimmen – 5 Minuten Probeschau reichten mir, um zu sehen, dass es nun mal eine Reality-Show ist und ich schlichtweg kein Interesse daran habe, dem Gefasele wildfremder Menschen zuzuhören, aber das mag daran liegen, dass solche Fernsehsendungen ganz schnell den Misantrophen in mir wecken.

Terrace House hat viele Fans, und dank Netflix ist das wohl nicht auf Japan beschränkt. Und die äussern sich naturgemäß auch gern in den sozialen Netzwerken. In den vergangenen Wochen hatten sich dabei besonders viele Zuschauer auf Hana Kimura eingeschossen, eine starke Frau, die ihr Geld mit dem in Japan sehr beliebten Wrestling verdiente. Seit September 2019 machte sie bei der neuesten Terrace House-Staffel mit. Dort kam es wohl im Januar zu einem Vorfall – einer der Männer wusch und trocknete aus Versehen das Wrestling-Outfit von Kimura, woraufhin es zu einer kleinen Auseinandersetzung kam. Die führte schliesslich zum gnadenlosen Bashing in den sozialen Netzwerken, mit Kommentaren wie “Gorilla”, “Verschwinde schleunigst aus der Serie”, bis hin zu Klassikern wie “Verrecke”. Die Wrestlerin wurde daraufhin depressiv und postete im Mai verstörende Fotos und Tweets. Am 23. Mai wurde sie tot in ihrer Wohnung aufgefunden. Abschiedsbriefe räumten den letzten Zweifel aus – sie nahm sich selbst das Leben. Mit gerade mal 22 Jahren.

Hana Kimura war Schikane wohl gewohnt – ihr Vater, den sie nie kennenlernen konnte, kam aus Indonesien, was wohl bereits in jungen Jahren für Ärger sorgte. Dem Cyberbullying war sie letztendlich nicht gewachsen. In Japan hat man dabei wohl durchaus Mittel, dem etwas entgegenzusetzen. Man kann zur Polizei gehen, und die kann Facebook & Co. dazu zwingen, die wahre Identität von Usern preiszugeben, doch das ist natürlich ein Kampf von David gegen Goliath. Nach dem Freitod wurde dementsprechend auch gemeldet, dass ganz viele der Kommentatoren ihre Kommentare löschten – sicherlich aus Angst, zur Verantwortung gezogen zu werden, oder – man hofft es doch – aus Scham. Wenigstens hat der Fall jedoch wieder eine Diskussion zum Thema Cyberbullying losgetreten. Allerdings wirft der Fall auch andere Fragen auf. Zum Beispiel, ob man bei den Produzenten der Fernsehshow nicht gemerkt hat, was sich da anbahnte. Als Konsequenz wurde die Show nun jedoch erstmal abgesetzt.

Die Etikette im Netz ist auch in Japan horrend, und Hana Kimura bei weitem nicht die einzige, die nicht mehr damit zurechtkam. Ich kann nur hoffen, dass der Fall wenigstens einigen Leuten klarmacht, dass damit nicht zu spassen ist.

Corona-Hilfen versickern im Sumpf

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Die japanische Regierung hat einige finanzielle Maßnahmen auf den Weg gebracht, um die durch das Corona-Virus entstandenen Schäden zumindest etwas zu kompensieren. Das ist soweit schön und gut, aber man hört überall, dass das zum Teil dringend benötigte Geld einfach nicht ankommt. Weder bei den Privatpersonen (jeder soll ja 100,000 yen erhalten – das sollte bereits ab Mitte Mai über die Bühne gehen, aber vielerorts sind noch nicht einmal die Formulare verschickt worden), noch bei den Unternehmern.

Ein konkreter Fall zeigt nun allerdings, warum es so kommt, wie es kommen muss. Und zwar geht es um 76.9 Milliarden Yen (also rund 650 Millionen Euro), die an Kleinunternehmer ausgezahlt werden sollen, damit sie ihr Geschäft weiterführen können (zum Beispiel, um die Miete zu zahlen). Das nennt sich 持続給付金. Das Wirtschaftsministerium sah sich jedoch nicht in der Lage, die Verteilung zu organisieren. Und so wurde eine illustre Körperschaft mit dem klangvollen Namen 一般社団法人サービスデザイン推進協議会 (Konferenz zur Förderung von Dienstleistungsdesign; Allgemeine Körperschaft des öffentlichen Rechts) beauftragt. Von dieser Körperschaft hatte noch nie jemand etwas gehört, weshalb Abgeordnete der Opposition Forschungen anstellten. Sie fanden zwar keine einzige Telefonnummer, dafür aber die Büroadresse heraus, doch im Büro (ein einzelnes Zimmer) war niemand anzutreffen. Später fand man heraus, dass die ominöse Gesellschaft vom Wirtschaftsministerium in der Tat den 76.9 Milliarden-Yen Auftrag erhielt – um dann für 74.9 Milliarden anderen Firmen zu beauftragen – darunter den Marketingriesen Dentsū, der wiederum andere Subunternehmer, darunter den Zeitarbeitsriesen Pasona, hinzuzog. 180 Millionen Yen wurden von dem Verein angeblich für die Überweisungsgebühren (für die Transaktionen vom Fond zu den bedürftigen Unternehmern) an Mizuho Bank sowie an andere Subunternehmer bezahlt; weitere 20 Millionen behielt man als Kosten für Versammlungen und dergleichen ein.

Wirtschaftsminister Kajiyama kündigte nun heute an, dass Untersuchungen angestellt werden sollen, um festzustellen, ob hier alles mit rechten Dingen zuging. Und wer sonst sollte die Untersuchungen anstellen als… das Wirtschaftsministerium selbst! Logisch: Es liegt natürlich auf der Hand, dass das Ministerium, das im Verdacht steht, im besten Falle geschludert, im schlimmsten Falle betrogen zu haben, sich selbst untersucht. So kann man sichergehen, dass hier ganz brutal Aufklärung betrieben wird.

Der Fall ist ganz und gar keine Neuigkeit. In Japan ist es schon immer üblich, von der Politik angestossene Unternehmungen über gänzlich intransparente Verfahren an die Wirtschaft weiterzuleiten, und Mittelsmänner schalten hier gern Mittelsmänner ein, die wiederum andere Mittelsmänner einschalten. Ungewöhnlich ist hier lediglich, dass es jemand geschafft hat, diesen Vorgang ans Licht zu zerren. Mit ersten Konsequenten: Der Vorsitzende oben genannter Körperschaft, ein Marketingexperte, ist heute zurückgetreten. Wahrscheinlich wurde es ihm zu brenzlig.

Smart Cities kommen

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Smart Cities in Japan - Quelle: Landministerium
Smart Cities in Japan - Quelle: Landministerium

Ende Mai verabschiedete das japanische Parlament eine Vorlage, nach der die Schaffung so genannter Smart Cities in Japan gefördert werden soll – womit den Verantwortlichen Planungssicherheit und finanzielle Hilfen zugesprochen werden sollen. Smart Cities gibt es schon lange in der Volksrepublik China, Südkorea und einigen anderen Ländern. Verantwortlich für die Ausführung relevanter Projekte ist, logisch, das Ministerium für Land, Infrastruktur, Verkehr und Tourismus. Insgesamt sind 15 Orte für die Smart City-Projekte vorgesehen, und die Planung ist bei einigen bereits weit fortgeschritten:

# Projektname Ort Planung abgeschlossen?
1 Smart City mit ICT für Gesundheit und Wohlfahrt unter Bürgerbeteiligung Sapporo, HOKKAIDŌ nein
2 Smart City durch Innovationskraft Semboku, AKITA ja
3 Smart City “Modell Tsukuba” Tsukuba, IBARAKI ja
4 Utsunomiya Smart City Modell Utsunomiya, TOCHIGI ja
5 Smart City Vorläufermodell Moroyama Moroyama-machi, SAITAMA nein
6 Kashiwa-no-ha Smart City Kashiwa, CHIBA ja
7 Smart City Otemachi/Marunouchi/Yurakucho Chiyoda-ku, TOKYO ja
8 Toyosu Smart City Kōtō-ku, TOKYO nein
9 Smart City basierend auf “Virtuelles Shizuoka” als Datenkreislauf Shimoda & Atami, SHIZUOKA ja
10 Fujieda Smart Compact City Fujieda, SHIZUOKA nein
11 Kōzōji New Mobility Town Kasugai, AICHI nein
12 Smart Keihanna Projekt Seika & Kizugawa, KYOTO nein
13 Masuda Cyber Smart City Masuda, SHIMANE nein
14 Autarkes Modell für Bergregion Miyoshi, HIROSHIMA nein
15 Matsuyama Smart City Projekt Matsuyama, EHIME nein

An der Liste fällt auf, dass sich einige Orte in der tiefsten Provinz befinden – das ist zwar kostspielig, aber sinnvoll, denn die ländlichen Gegenden kämpfen seit Jahrzehnten gegen den Bevölkerungsschwund und den damit einhergehenden Folgen.

ICT, IoT, AI, Big Data — das dürften wohl die wichtigsten Ingredienzen für die Projekte sein, so dass sich vor allem die betroffenen Bürger wohl oder übel mit diesen Begriffen vertraut machen müssen. Vielleicht wird dabei sogar das eine oder andere Faxgerät verschrottet werden.

Natürlich gibt es auch kritische Stimmen, führen diese Projekte doch zum “gläsernen Menschen”, mit der latenten Gefahr dass entweder wichtige Daten entwendet und missbraucht werden könnten, oder das gar der Staat die Daten gegen das Interesse seiner Bürger einsetzt. Allerdings passt das Leitbild der Smart City wunderbar in die jetzige Zeit, denn eine smarte Vernetzung und Datenauswertung kann zweifellos dazu beitragen, die Corona-Situation besser zu verstehen und in den Griff zu bekommen.

Der Staat und die Kommunen sind nicht die einzigen, die an einer Spart City arbeiten. So will zum Beispiel Toyota in Susono (Shizuoka), am Fusse des Fuji-san, die “Woven City” aus dem Boden stampfen – für rund 2’000 Einwohner.

Corona-Update 1. Juni 2020

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3D-Darstellung eines Corona-Virus (Quelle: Wikipedia)

Die Schlagzeile des Tages lautet: “Zustimmungswerte der Regierung Abe auf 2-Jahres-Tief”. In einer wie immer garantiert extrem repräsentativen Umfrage (seitens Fuji TV Network FNN) sanken die Umfragewerte innerhalb der letzten Tage um mehr als sieben Prozent auf nur 36,4%. Der gleichen Umfrage zufolge sind nun mehr als 50% der Bevölkerung unzufrieden mit der Arbeit des Ministerpräsidenten und seines illustren Kabinetts. Die Hauptgründe für das schlechte Abschneiden ist massive Kritik am Umgang mit der Corona-Krise sowie die zahlreichen Skandale, die selbst in diesen Zeiten immer noch viele Schlagzeilen machen.

Die Kritik steht in starkem Kontrast zum Grundtenor, den man im Ausland hört – nämlich das Japan die Corona-Krise soweit sehr gut gemeistert hat. Allerdings sprechen Kenner der japanischen Politik und Gesellschaft deutlich aus, was viele denken: Die beeindruckend niedrigen Zahlen sind wohl weniger den Maßnahmen der Regierung zu verdanken sondern eher der Disziplin der Bevölkerung, gepaart mit kulturellen Besonderheiten. Davon mal abgesehen wird immer deutlicher, dass in Ostasien irgendetwas anders zu laufen scheint: Der Anteil der Corona-Infizierten an der Gesamtbevölkerung ist nämlich nicht nur in Japan, sondern auch in Südkorea, China und anderen Ländern der Region auffallend geringer als in Europa oder Amerika.

Die Kritik an der Geschwindigkeit der Maßnahmen ist berechtigt. Die “Volksmasken” sind immer noch nicht überall angekommen und eine schlichte Verschwendung von Steuergeldern. Die finanzielle Hilfe für alle in Japan Registrierten ist zwar angerollt, aber auch das läuft nur schleppend. Obwohl anfangs davon die Rede war, dass die Auszahlungen wohl schon Anfang Mai beginnen sollen, hat die Stadt Kawasaki zum Beispiel noch nicht einmal die Anmeldeformulare verschickt. Man kann den Antrag zwar bereits online stellen, aber die Mehrheit hat dafür nicht das erforderliche Equipment, nämlich die personenbezogene “MyNumber”-Karte, ein Kartenlesegerät und natürlich einen Computer. Gerüchten zufolge dauert es zumindest in Kawasaki vom Antragstellen online bis zur Auszahlung circa sechs Wochen – Juli also.

Ein Teil der Unzufriedenheit basiert auch auf der Unsicherheit, die viele verspüren. Lagen die Zahlen der Neuinfizierten selbst in Tokyo tagelang bei weniger als 10 Personen, so sind die Zahlen wieder auf zweistellige Werte gestiegen. In Kitakyushu gab es fast zwei Wochen lang keinen einzigen neuen Fall, doch plötzlich tauchten dort dutzende Infizierte pro Tag auf – man befürchtet also, sicherlich zu recht, am Beginn der befürchteten zweiten Welle zu stehen. Und dennoch hält man am Fahrplan fest: Die Stufe 2 der Lockerungen in Tokyo beginnt heute, und die Schulen haben seit heute wieder geöffnet – wenn auch mit starken Einschränkungen, zumindest vorerst (in Kawasaki zum Beispiel gibt es nur eine Stunde Unterricht am Tag, in Chiba drei Stunden an zwei Tagen, wobei jeder zweite Tag schulfrei ist). Der Frust ist da besonders bei den Eltern gross, denn viele Schulen haben sich nun darauf verlegt, riesige Mengen an Hausaufgaben auszuteilen – und zwar nicht gelernten Stoffes, sondern oft neuen Unterrichtsstoffes. Sprich, man überlässt die Bildung einfach den Eltern, ob diese die Zeit dafür haben oder nicht. Und da stecken viele Eltern im Dilemma. Viele halten es für verfrüht, die Kinder in die Schule zu schicken – andererseits ist es nicht im Sinne des Erfinders, die Bildung einfach komplett den Eltern zu überlassen.

Immerhin gab es heute Neuigkeiten zum Thema Einreise: Man will wohl nun überprüfen, die Reisebeschränkungen für vier Länder aufzuheben – Ländern, in denen die COVID-19-Lage unter Kontrolle zu sein scheint: Vietnam, Thailand, Australien und Neuseeland. Zu diesen vier Ländern unterhält Japan wichtige Wirtschaftsbeziehungen, und so lange diese vier Länder genauso denken, dürfte diese Entscheidung im Interesse aller sein.

Corona-Update 27. Mai 2020 / Neue Seiten auf dem Japan-Almanach

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3D-Darstellung eines Corona-Virus (Quelle: Wikipedia)

Hurra, der Ausnahmezustand wurde für beendet erklärt! Und zwar vor zwei Tagen. Es hat sich seitdem allerdings genauso viel geändert wie vor dem Beginn des Ausnahmezustands – spürbar gar nichts. Die Strassen sind nur ein kleines bisschen voller, und nur wenige Geschäfte, die vorher geschlossen waren, haben jetzt geöffnet. Das ist kein Wunder – wie bereits mehrfach erwähnt, bedeutete der Ausnahmezustand nicht, dass diverse Regel gesetzlich befohlen und bei Zuwiderhandlung geahndet werden können. Es ging lediglich um die Bitte an die Einwohner und Geschäftsinhaber, etwas bestimmtes zu machen, vor allem aber, diverse Sachen nicht zu machen. So gesehen ist die vorzeitige Beendigung (eigentlich war der Ausnahmezustand bis Ende Mai geplant) eher eine Formalität.

Seit rund einer Woche gibt es in Japan eigentlich nur noch 3 Hotspots im Land – Tokyo, Kanagawa und Hokkaido. Doch verglichen mit den Zahlen in so vielen anderen Ländern ist der Begriff Hotspot eine maßlose Übertreibung, denn es geht hier um ca. 10 Neuinfektionen pro Tag. Mal etwas mehr, mal etwas weniger. Man konzentriert sich allerdings immer noch beim Testen auf die “Cluster”, was bedeutet, dass eine mögliche zweite Welle wieder erst spät entdeckt werden kann. Und logischerweise macht man sich in Japan auch große Sorgen um die nächste Welle, weshalb das Land auch vorerst mehr oder weniger geschlossen bleibt. und nicht nur das – so bittet man zum Beispiel die Menschen, vorerst bis zum 19. Juni in ihren jeweiligen Präfekturen zu bleiben und somit vorerst auf unnötige Reisen zu verzichten. Vielerorts redet man von einer Rückkehr zur Normalität in drei Stufen – diese Roadmap ist die Idee der Governeurin von Tokyo. Stufe 1 hat jetzt begonnen – und nach der sollen zum Beispiel Bars und Host-Clubs etc. noch geschlossen bleiben. Die Schule wird allerdings wieder Anfang Juni beginnen – erst gruppenweise, und später im Juni wieder mit normalen Unterrichtszeiten. Stufe 3 bedeutet dann dementsprechend, dass fast alles wieder erlaubt ist (aber wie schon erwähnt, erlaubt ist eigentlich jetzt auch schon alles, zumindest rechtlich gesehen).

Die grosse Frage ist, wann wieder ausländische Besucher ins Land dürfen. Die Anzahl der internationalen Besucher ging im März und April um rund 99,9% zurück, was natürlich niemanden überrascht. So schnell will man auch keine Besucher zulassen, aber das hängt freilich davon ab, wie sich die Sache in anderen Ländern entwickelt. Die WHO hat ja die japanischen Maßnahmen gegen die Ausbreitung von Corona als sehr erfolgreich bezeichnet, aber der Grundtenor lautet in Japan aber auch ausserhalb Japans, dass es eher die kulturellen Besonderheiten des Landes sind, die eine grössere Ausbreitung verhindert haben, als die politischen Maßnahmen.


Da ja momentan noch nicht viel mit Reisen ist, komme ich jetzt wenigstens dazu, meinen Backlog an sehenswerten Orten in Japan abzutragen. So sind in den letzten vier Wochen die folgenden Seiten hinzugekommen. Zum virtuellen Reisen, bis es wieder richtig losgehen kann.

Gujō -Hachiman – eine famose Burg und eine von Wasser geprägte alte Stadt

Gujo und der Stadtteil Hachiman sind berühmt für ihr ausgeklügeltes Wassernutzungssystem sowie für eine Burg, die mitunter aus den Wolken ragt.

Shirakawago – das Dorf der Häuser der betenden Hände

Shirakawago ist ein abgelegenes Dorf im Hida-Gebirge, das aufgrund lokaler Besonderheiten mit einer einzigartigen Architektur aufwartet und zurecht zum UNESCo-Weltkulturerbe zählt.

Sumata – Schlucht in Kawanehoncho: Natur pur

Die Sumatakyo (Sumata-Schlucht) ist berühmt für türkisfarbenes Wasser und einer sehr beliebten Hängebrücke, die man nur zu Fuss überqueren darf.

Gifu – Kormoranfischer und ein Burgberg

Die Präfekturhauptstadt Gifu war einst von grosser Bedeutung. Heute noch werden hier Fische mit Kormoranen gefangen – an einem schönen Berg mit Burg.

Gotemba – Tummelort für Hauptstädter

Ob zum Einkaufen im grössten Outlet-Park Japans oder zum Bestaunen der Bergwelt – oder einfach nur, um der Hitze der Großstadt zu entkommen – Gotemba ist immer eine Tour wert.

Japans Einreisepraxis im Schatten von Corona

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3D-Darstellung eines Corona-Virus (Quelle: Wikipedia)

Momentan macht dieser Artikel der Japan Times die Runde unter den in Japan lebenden Ausländern – berechtigterweise, denn aufgrund der wegen Corona erlassenen Maßnahmen herrscht große Unsicherheit. Japan hat nämlich vor einigen Wochen beschlossen, dass alle Ausländer, die nach dem 3. April in gefährdete Regionen reisten, vorläufig nicht nach Japan einreisen können. Und die Liste der gefährdeten Regionen ist lang – beim aktuellen Stand gehören mehr als 100 Länder dazu, darunter auch Deutschland.

Die Regel betrifft alle Ausländer, die nach dem 3. April ausreisten – und schliesst nicht nur Touristen, sondern auch “permanent residents” ein, also Ausländer mit dauerhafter Aufenthaltsgenehmigung. Jene mit Langzeitvisa, die vor dem 3. April ausreisten, “sollten wieder einreisen dürfen”, aber das “sollte” bedeutet, das es keine genaue Regelung gibt. Mit anderen Worten: Wer ein Visum hat oder gar eine permanente Aufenthaltsgenehmigung, und wer in den letzten Monaten das Land verlassen hat, hat möglicherweise nicht die Möglichkeit, nach Japan zurückzukehren. Vorerst zumindest. Wer ein Visum hat und gerade in Japan ist, sollte dann dementsprechend Japan auch vorerst besser nicht verlassen, da die Gefahr gross ist, nicht mehr einreisen zu dürfen.

Als sich Japan das letzte Mal komplett von der Außenwelt abschottete, dauerte die Abschottung über 200 Jahre lang – von 1635 bis 1854. Dieses Mal dauert es hoffentlich nicht so lange, aber man muss bei der Entscheidung zwangsläufig an die BSE-Regel denken: Wer aus Ländern stammt, in denen BSE grassierte – das war vor fast einem Vierteljahrhundert wohlgemerkt und beinhaltet Deutschland, Frankreich und einige andere Staaten, oder wer dort länger als ein paar Monate weilte, darf in Japan kein Blut spenden. Beziehungsweise wird man darum gebeten, “davon Abstand zu nehmen”, was allerdings bedeutet, dass man nicht darf. Das lässt befürchten, dass der Corona-Virus dafür sorgen könnte, dass drastische Maßnahmen angesetzt werden könnten, was die Einreise und Wiedereinreise betrifft – soweit, so gut – aber die Mühlen mahlen langsam hier, und die Sorge ist berechtigt, dass diese Maßnahmen unnötig lange bestand haben.

Für mich persönlich bedeutet dies, jetzt in einem Goldenen Käfig zu leben. Würde ich aus welchen Gründen auch immer für ein paar Tage nach Deutschland reisen, würde man mir die Einreise verwehren – ich könnte also weder zurück zu meiner eigenen Familie noch zu meinem Arbeitsplatz. Ein grausamer Gedanke.

Corona-Update 18 Mai 2020

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Die Volksmaske. Zwei pro Haushalt. In meinem Fall also 2 Masken für 4 Leute.
Die Volksmaske. Zwei pro Haushalt. In meinem Fall also 2 Masken für 4 Leute.

“Du, die Volksmasken sind heute angekommen!”
“Nein!”
“Doch!”
“Ohhhhh!”

Ja, es ist kaum zu glauben. Am 1. April beschloss das Parlament, jedem Haushalt zwei Stoffmasken gratis zukommen zu lassen. Zu der Zeit stieg die Zahl der Infizierten immer stärker an, bis sie gegen Ende April allein in Tokyo auf über 200 neue Fälle pro Tag stieg. Gestern waren es landesweit 25 Fälle, davon 5 in Tokyo, und heute waren es 10 Fälle in Tokyo, In 39 von 47 Präfekturen wurde der Notstand bereits aufgehoben, und seit ein paar Tagen können wir uns mit Masken totwerfen, da es sie plötzlich in jedem erdenklichen Laden zu ganz normalen Preisen zu kaufen gibt. Doch dann tauchten sie auf – die Retter in der Not. Die Abe-no-mask. Welch ein Theater. Und es wurmt viele Leute. Als ich in der vergangenen Woche das hiesige Postamt anrief, um eine vermisste Sendung zu verfolgen, sagte das Navi-Dial (oder wie auch immer der Sprachfüher bei Anrufbeantwortern heisst): “Wenn Sie Fragen zum Verbleib der von der Regierung versprochenen Masken haben, drücken Sie bitte die 1”. Ach ja – das wir die Masken erhalten haben, bedeutet natürlich noch lange nicht, dass der Rest des Landes die Masken ebenfalls erhalten hat. Meine hochschwangere Schwägerin in der Präfektur Chiba hat sie zum Beispiel noch nicht erhalten.

Sollten sich jedoch die sonstigen COVID-19 relevanten Meldungen bestätigen, dann ist der Trend eindeutig: Die Zahl der Neuinfizierten nimmt rapide ab. In etlichen Präfekturen gibt es schon seit Tagen keine neuen Fälle mehr, und auch der Trend in den Hotspots wie Osaka (gestern: 0 neue Fälle), Tokyo, Hokkaido oder Kanagawa zeigt eindeutig eine starke Abnahme. Und darüber wird im Ausland natürlich gegrübelt. Wie kann es sein, dass ein so dicht besiedeltes Land mit einer Regierung, die so ziemlich alles verkehrt macht (kaum Tests, keine rechtlich bindenden Maßnahmen, viel zu späte Reaktion auf COVID-Kranke die in Japan einreisen, viel zu späte Reaktion, das Gesundheitssystem zu stärken etc.), so glimpflich davonkommt? Die Zahl der Todesopfer ist im internationalen Vergleich sehr gering, und auch die Zahl derer, die sich infiziert haben.

Nun, noch ist es zu spät, aufzuatmen – schliesslich wird noch immer nicht umfangreich getestet. Aber in den Medien beginnt bereits der verhasste Rummel darüber, dass Japaner eben ein ganz besonderes Völkchen sind, mit kulturellen Eigenheiten, die die Eindämmung der Epidemie leichter machen – zum Beispiel

a) Da man gruppenorientiert handelt und von daher (fast) alle mitziehen, wenn es zum Beispiel um die freiwilligen Einschränkungen geht
b) Man seit jeher sehr hygienebewusst ist – Masken waren schliesslich schon lange vor COVID in Japan ein übliches Bild
c) Weil man nicht viel wert auf Körperkontakt (“skinship”) legt – Händeschütteln, Küsschen auf die Wange etc. gibt es hier nicht

und so weiter. Sicher, all diese Sachen spielen in der Tat eine Rolle, aber da werden sicherlich auch noch viele andere Faktoren eine Rolle spielen. Die in Japan noch immer verbindlichen BCG-Impfungen möglicherweise. Oder die Tatsache, dass Japan eine Inselnation ist. Oder die Tatsache, dass sich hier fast alle Türen automatisch öffnen und schliessen. Und so weiter und so fort. Diese Epidemie ist so komplex, dass es noch Jahre brauchen wird, bis man verstanden hat, warum der Virus an einem Ort mehr wütet und anderswo weniger.

Heute wurde übrigens, das nur am Rande, beschlossen, dass man plant, den Fuji-san nicht für Aufstiege zu öffnen. Normalerweise ist von Anfang Juli bis Ende August Saison, aber um Menschenansammlungen zu vermeiden (und in besagten Monaten ist der Fuji-san eine einzige riesige Menschenansammlung), soll wohl der Aufstieg ganzjährig untersagt werden.

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