8. Allgemeiner Bloggergipfel

September 23rd, 2016 | Tagged , | 5 Kommentare | 262 mal gelesen

bloggergipfel2016Und schon ist wieder ein Jahr rum – Zeit für ein neues Bloggertreffen! Und zwar wird dies bereits die achte Auflage. Der Name “Bloggergipfel” soll dabei niemanden abschrecken – gerne sind auch Blogvoyeure eingeladen.

Im Gegensatz zu vergangenen Jahren steht dieses Mal sogar ein konkreter Termin im Raum: Sonnabend, der 5. November. Der folgende Sonnabend (12. November) würde als Ausweichtermin auch gehen, falls zu viele Leute nicht am 5. November können. Die Regeln sind wie immer:

1. Das Treffen findet in Tokyo statt – innerhalb oder nahe der Yamanote-Linie
2. Bowling, Billard oder was weiss ich, als Vorspiel quasi, sind machbar.
3. Partner können gern mitkommen – ebenso Leute, die einfach nur dabei sein wollen.

Deshalb erstmal eine Frage in die Runde: Wer will? Wer kann? Gibt es Ortsvorschläge? Bessere Vorschläge als die obigen? Also, bitte leitet diesen Artikel weiter und hinterlasst einen Kommentar, wann es Euch passt und wo es Euch passt!

Falls jemand dieses Jahr den 幹事 machen möchte, bitte melden! Freiwillige vor!

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Tokyos Antwort auf den Berliner Flughafen BER

September 19th, 2016 | Tagged , | 5 Kommentare | 497 mal gelesen

Mit Grausen verfolge ich seit Jahren das jämmerliche Gezerre um den neuen Berliner Grossflughafen BER. Die geballte Inkompetenz und die grandios unterschätzten Baukosten eignen sich wunderbar zum, wie heisst es doch in letzter Zeit so schön, „Fremdschämen“. Aber zum Glück ist Berlin nicht ganz allein, schafft man doch so etwas auch in Hamburg… und wie es aussieht, auch in Tokyo. Zwar hat man dort vor ein paar Jahren in rekordverdächtig kurzer Zeit den Tokyo Sky Tree mitten ins Stadtzentrum gepflanzt, doch ein anderes Grossprojekt nimmt ähnlich groteske Züge an wie der BERühmte Möchtegernflughafen: Es handelt sich um den neuen Standort für den berühmten Tokyoter Fischmarkt 築地Tsukiji. Das jetzige Gelände ist seit 1935 in Betrieb, nicht ausbaufähig mangels Raum und ziemlich in die Jahre gekommen. So kam man auf die Idee, die Markthallen zu verlegen – und zwar nach 豊洲 Toyosu, einer Neulandinsel im Distrikt Koto und keine zwei Kilometer Luftlinie vom jetzigen Standpunkt entfernt.

Die Baustelle des neuen Marktes auf Toyosu (aufgenommen im November 2014)

Die Baustelle des neuen Marktes auf Toyosu (aufgenommen im November 2014)

Eigentlich sollte der gesamte Grossmarkt – in dem pro Jahr cirka eine Millionen Tonnen Waren umgeschlagen werden (zwei Drittel Fisch, ein Drittel Obst und Gemüse) im Februar 2017 in die neuen Hallen auf der Insel Toyosu umziehen. Von Anfang an gab es dagegen Protest, denn auf dem neuen Gelände befand sich früher ein gewaltiges Gaswerk von Tokyo Gas, und – zu recht – befürchtete man Grundwasser- und Bodenverschmutzung. Diese Befürchtungen wurden durch eine Untersuchung untermauert: Die Grenzwerte für Benzen, Blausäure, Blei und Arsen wurden zum Teil sehr deutlich überschritten. Schaut man sich allerdings die Geschichte des jetzigen Standortes Tsukiji an, wird einem ebenfalls Angst und Bange, denn hier stand nicht nur ein Giftgaslabor der kaiserlichen Marine – hier verbuddelte man auch mehrere Tonnen Thunfisch, die ein japanischer Trawler aus den Wasserstoffbombentestgebieten aus der Südsee heimbrachte. Besagtes Boot namens 第五福竜丸 Daigofukuryū-Maru geriet damals unbewusst in ein Testgebiet – 23 Besatzungsmitglieder wurden zum Teil stark verstrahlt.

Bei einer Begehung der fast fertigen, neuen Hallen in der vergangenen Woche stiess man auf eine unangenehme Überraschung: Im Untergeschoss der Hallen stand eine enorme Menge Wasser, und man konnte noch nicht einmal sagen, wo es herkommt – ob vom Regen oder vom Untergrund. Der pH-Wert war zudem enorm hoch, was allerdings vom Beton stammen könnte. Ausserdem stellte man fest, dass die gesamte Fläche scheinbar nicht, wie ursprünglich geplant, komplett versiegelt und asphaltiert war, sondern aus Kies bestand, auf den man eine dünne Schicht Beton gegossen hat. Gleichzeitig tauchten erste Ungereimtheiten bei den Verträgen auf. Obwohl die Stadtregierung ursprünglich das Projekt mehrfach ablehnte, wurde trotzdem irgendwann ein Vertrag aufgesetzt – mit Auflagen, die ganz offensichtlich nicht eingehalten wurden. Der damalige Governeur von Tokyo, Ishihara, gab bei einer ersten Befragung an, sich an nichts mehr zu erinnern.

Der Umzug im Februar nächsten Jahres wird damit wohl ins Wasser fallen, und möglicherweise werden sich die in Tsukiji ansässigen rund 1’000 Handelsfirmen jetzt gänzlich gegen den Umzug wehren. Die Hallen hätte man dann quasi ganz umsonst gebaut. Man darf gespannt sein, wie man das Problem bis zu den Olympischen Spielen im Jahr 2020 lösen wird, denn Toyosu befindet sich quasi direkt neben dem geplanten Olympischen Dorf und zahlreichen Wettkampstätten. Da muss ich die Stadtregierung ins Zeug legen, sonst hat man bald eine japanische Variante des BER mitten in Tokyo.

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Doppelte Staatsbürgerschaft in Japan — Theorie und Praxis

September 15th, 2016 | Tagged | 1 Kommentar | 532 mal gelesen

japanischer Reisepass

japanischer Reisepass

Das infrage stellen der Staatsbürgerschaft eines Politikers hat ja Konjunktur. Adolf konnte es damals nicht aufhalten, aber aus Amerika sind ja Gerüchte wie „Obama ist nicht als Amerikaner geboren wurden“ und dergleichen gang und gäbe. Aus Japan hört man so etwas eigentlich weniger, denn hier sind nahezu alle Japaner Japaner. Nun ja, fast alle. In dieser Woche musste 蓮舫 Renho, Ex-Ministerin, jetzt Oberhausabgeordnete und Galionsfigur der Demokratischen Partei, zugeben, dass sie die doppelte Staatsbürgerschaft besitzt¹. Renho, Halb-Taiwanesin, Halb-Japanerin, nahm erst 1985 die japanische Staatsbürgerschaft an, „versäumte“ es jedoch danach, die taiwanesische Staatsbürgerschaft aufzugeben. Und das ist in Japan eigentlich verboten: Eine doppelte Staatsbürgerschaft ist so nicht vorgesehen im japanischen Rechtssystem. Demzufolge müssen Kinder mit nur einem japanischen Elternteil bis zu ihrem 22. Lebensjahr entscheiden, welche Staatsbürgerschaft sie annehmen wollen.

Die Enthüllung von Renho hat entsprechend eine Debatte in Gang getreten. Es wird nämlich selbst von den Behörden vermutet, dass sich in etwa 90% der von dieser Regelung Betroffenen nur wenig darum scheren und die doppelte Staatsbürgerschaft behalten. Warum auch nicht: Einen Abgleich bezüglich ihrer Bürger gibt es zwischen den Staaten nicht. Und während es für einige Nationen nicht sinnvoll erscheint, zwei Staatsbürgerschaften zu haben (Beispiel Amerikaner, die ja, egal, wo sie arbeiten und leben, Steuern in den USA zahlen müssen, so lange sie die Staatsbürgerschaft behalten), würde es für viele andere – auch für Deutsche – durchaus sinnvoll sein. Denn ausser den Kosten der Passerneuerung bezahlt man ja kein Geld an die alte Heimat, doch ein japanischer Pass wäre durchaus nützlich, denn den kann man im Gegensatz zur Permanenten Aufenthaltsgenehmigung nicht so schnell wieder loswerden. Und: Man könnte wählen und gehen und anderweitig politisch aktiv werden. Der einzige Nachteil eines japanischen Passes wäre nur, dass man — anscheinend nur theoretisch — seinen deutschen Pass abgeben müsste. Eine sehr hohe Hemmschwelle.

Es lohnt sich zu beobachten, was die Diskussion bewirken wird. Wird man versuchen, die Schlupflöcher in puncto doppelter Staatsbürgerschaft zu schliessen? Oder wird man die doppelte Staatsbürgerschaft gar, unter Auflagen, versteht sich, gar genehmigen? Man darf gespannt sein. Letzteres wäre bei rechtem Licht betrachtet die einfachere – und auch für Japan selbst praktikablere Lösung.

¹ Siehe unter anderem hier (Englisch)

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„Hikikomori“ – Japans moderne Einsiedler werden älter

September 9th, 2016 | Tagged | 2 Kommentare | 561 mal gelesen

Quelle: http://lightrend.com/light/post-12535/

Quelle: http://lightrend.com/light/post-12535/

Die sogenannten 引きこもり hikikomori – Menschen, die sich komplett aus dem gesellschaftlichen Leben zurückziehen – sind zwar keine rein japanische Besonderheit, aber dieser japanische Begriff hat es dennoch in die weite Welt geschafft, genauso wie das ebenfalls nicht auf Japan begrenzte, aber gern als japanisches Phänomen bezeichnete, da hier gehäuft auftretende 過労死 karōshi („Tod durch Überarbeitung“). Beide Phänomene sind äußerst negative Randerscheinungen der japanischen (Arbeits)welt und werden von der Politik durchaus ernst genommen, beziehungsweise zumindest gut untersucht. So veröffentlichte gestern das japanische Kabinettsamt zum ersten Mal seit 2010 eine umfangreiche Studie¹ zum Thema und stellte dabei fast, dass es in ganz Japan insgesamt 540,000 hikikomori in der Gruppe der 15 bis 39-jährigen gibt². Als hikikomori gilt, wer mindestens 6 Monate lang maximal zum Convenience Store oder zum Frönen des eigenen Hobbys nach draussen geht, ansonsten aber weder einer Arbeit nachgeht noch an irgendeinem Unterricht teilnimmt. Zu dieser Altersgruppe gehören insgesamt 35 Millionen Japaner – damit liegt der Anteil der freiwilligen Einsiedler bei 1,5%. Im Vergleich zur Studie im Jahr 2010 sind es immerhin 150’000 Menschen weniger, jedoch:  Zum einen schrumpft diese Altersgruppe, zum anderen hat man diese Zahl aus der vergleichsweise kleinen Versuchsgruppe von 3’115 Menschen extrapoliert (befragt wurden 5’000 Menschen, geantwortet haben gut 3’000). Immerhin hat man so herausgefunden, dass ein gutes Drittel der hikikomori bereits seit mehr als 7 Jahren nichts anderes macht als zu Hause zu sitzen.

Die Studie stellte ebenfalls fest, dass sich der Anteil der 35 bis 39-jährigen mehr als verdoppelt hat, was möglicherweise bedeutet, dass die hikikomori einfach älter werden und nicht geringer, denn wie viele +40-jährige dazu zählen, wurde nicht untersucht. Ob die Zahlen nun etwas grösser sind oder kleiner ist jedoch nebensächlich, denn Japan kann es sich nicht leisten, eine halbe Million Menschen an den heimischen Futon zu verlieren, denn diese Menschen fehlen in der Wirtschaft. Immerhin gibt es aber einen Hoffnungsschimmer: Suga, Chef des Kabinettssekretariats, und noch weitere Politiker, mutmassten bereits, dass möglicherweise Pokémon GO die Einsiedler raus ins tobende Leben locken könnte³. Das wage ich allerdings zu bezweifeln, denn die Gründe für das komplette Zurückziehen aus der Gesellschaft sind oft nicht ohne weiteres zu beseitigen – in vielen Fällen waren es traumatische Erlebnisse in japanischen Firmen…

¹ Den Fragebogen der Studie „Zum Leben junger Menschen“ kann man hier einsehen.
² Siehe unter anderem hier (Japanisch) und hier (Englisch).
³ Siehe unter anderem hier (Japanisch).

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Endlich da: Cup Noodles mit… rätselhaftem Fleisch!?

September 6th, 2016 | Tagged , | 3 Kommentare | 526 mal gelesen

Neu: Undefinierbares-Fleischfestival im Pappbecher!

Neu: Undefinierbares-Fleischfestival im Pappbecher!

Nissin, der Cup-Noodle-Pionier und Marktführer für allerlei Instantnudeln, hat heute seine jüngste Kreation vorgestellt. Anlass dafür ist der 45. Geburtstag der sogenannten Cup-Noodles, die sich in Japan seit Einführung selbiger ungebrochener Beliebtheit erfreuen. Die neueste Kreation hat dabei einen sehr, nun ja, gewöhnungsbedürftigen Namen: 謎肉祭 Nazo Niku-matsuri. „Nazo“ bedeutet „Rätsel“ bzw. „Undefinierbares“, „niku“ bedeutet „Fleisch“ und „Matsuri“ soviel wie „Fest(ival)“. Ein Fest undefinierbaren Fleisches quasi. Das klingt doch schon mal sehr verlockend, und es beschreibt genau das Gefühl, was ich jedes Mal habe, wenn ich Instant-Nudeln in Japan esse. Das passiert in etwa ein Mal pro Woche, im Büro, denn ich bin zugegebenermassen auch ein Fan dieser schnellen Mahlzeiten – aber nur in geringen Mengen. Die Dinger sehen schon von weitem äusserst ungesund aus, so dass die Angst vor dem, was da alles drin sein könnte, stärker ist als das Verlangen danach. Besonders verdächtig sind mir die Sorten mit Fleischbeilagen – entweder als gefriergetrocknete, braune Krümel oder einzeln verschweisst. Das sieht immer ein bisschen aus wie Chappi – also absolut undefinierbar, rätselhaft sozusagen. Von daher ist der Name der Nissin-Kreation kein grosses Wunder. Liest man sich die PR-Mitteilung jedoch genauer durch, stellt man fest, dass es sich nicht um undefinierbare Fleischsorten zweifelhaften Ursprungs handeln soll, sondern einfach nur um eine rätselhaft grosse Menge undefinierbarer Fleischbröckchen: Zehn Mal so viel als üblich. Igittigitt.

Interessant werden die ganzen Instantnudeln in Japan erst durch das ちょい足し choitashi – quasi das „Aufmotzen“ der Billiggerichte durch Zugabe von Käse oder Mayonnaise, Dashi oder Kim’chi, Nori oder Sake, Curry oder… Erdbeermarmelade. Der Fantasie sind da keine Grenzen gesetzt, und das Internet ist voll mit „Rezepten“ und Tipps für „Pimp my cup noodles“-Anfänger und Experten. Na dann – Prost Mahlzeit!

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Überraschender Service am Flughafen | Japankenner dringend gesucht

September 3rd, 2016 | Tagged | 10 Kommentare | 700 mal gelesen

Die weltweit Maßstäbe setzende Kundenfreundlichkeit in Japan hat oftmals ihren Preis: Vieles wird durch unglaublich viele, und unglaublich penible Handbücher geregelt, die von den jeweiligen Firmen verfasst und den Angestellten eingebleut werden. Nicht selten bleibt dabei die Flexibilität auf der Strecke. Beispiel: Als ich mal in einem Supermarkt nach einer kleinen Tüte fragte (draussen gab es plötzlich einen Wolkenbruch, aber ich hatte nicht die Zeit, extra was zu kaufen, um eine Tüte für umsonst zu bekommen), wurde dies sehr wortreich abgelehnt – es gehe einfach nicht, ich muss auf jeden Fall etwas kaufen. Das ist eben Vorschrift und damit Basta. Doch es gibt, und ich habe das Gefühl, das mehrt sich in jüngster Zeit, positive Ausnahmen. So auch neulich am Flughafen Haneda.

Geschafft nach 24 Stunden auf Achse, dazwischen 17 Stunden Flug und ein sehr hektischer Transit in Doha – das alles mit zwei Kindern – kamen wir gegen Mitternacht im Internationalen Terminal des Flughafens Haneda an. Losgeflogen nach Europa waren wir mit zwei Koffern und Handgepäck. Ziemlich erledigt waren wir hocherfreut, als unsere beiden Koffer kurz hintereinander auf dem Gepäckband heranrollten. Also wurde alles aufgesattelt und der Zoll passiert. Rein ins Taxi, es war schon fast 1 Uhr, und los ging es. Nach cirka zehn Kilometern meinte meine bessere Hälfte plötzlich: Wo ist eigentlich der Rucksack? Richtig. Den hatten wir beim Hinflug leer in den Koffer gestopft – und beim Rückflug voll als Gepäck aufgegeben. Oh je. Da klingelte auch schon das Telefon, denn in weiser Voraussicht hatten wir in Berlin brav die Namenskärtchen für das Gepäck ausgefüllt – inklusive Telefonnummer und Email-Adresse. Leider bemerkten wir den Anruf zu spät, und die Nummer des Anrufers wurde nicht mitgeschickt. Also suchten wir die Telefonnummer des Terminals raus und riefen an. Nachts, um eins. Eine Minute später hatten wir die Person am Apparat, die versucht hatte, uns anzurufen. Wir fragten, ob man den Rucksack eventuell schicken könnte – „着払い chakubarai“, also der Empfänger bezahlt. Kurzes Überlegen am anderen Ende, doch dann kam der berechtigte Einwurf, dass das Gepäck noch nicht den Zoll passiert hat. Aber er könne ja mal kurz mit dem Zoll sprechen und sehen, ob sie mit sich reden lassen. Ich war nicht sicher, ob das eine tolle Idee war, denn die untere Hälfte des über einen Meter hohen Rucksacks war Schmuggelfach und voll mit Salamis, Schinken, Käse und anderen Leckereien – die Hälfte davon durfte man so eigentlich gar nicht einführen (wenn man ertappt wird, wirft der Zoll das weg – mehr passiert da nicht). Aber gut. Am nächsten Tag noch Mal extra zum Flughafen zu fahren erschien mir weniger attraktiv, zumal man mich auch dann noch filzen könnte. Das ist mir in Japan allerdings schon sehr, sehr lange nicht mehr passiert.

Keine 10 Minuten rief uns der Angestellte zurück: Der Zoll habe das Gepäck inspiziert und passieren lassen – er könne uns den Rucksack dann „朝一 asaichi“ – als erste Handlung des Tages – zuschicken. Die Adresse hatte er ja. Und siehe da: Rund 12 Stunden nach unserer Landung erreichte uns auch das letzte Gepäckstück. Die knapp 10 Euro Versandkosten haben wir gern bezahlt. Doch eine Sache interessierte mich nun wirklich: Hat der Zoll wirklich das Gepäck inspiziert? Ich glaube nicht. Sonst wäre der Rucksack wohl etwas leichter geworden. Jedenfalls war ich begeistert von dem Angestellten, denn das war sicher Extra-Arbeit für ihn, und keiner hätte etwas gesagt, wenn er sie nicht gemacht hätte. Mehr davon!


An dieser Stelle möchte ich diesen Blog noch kurz für eine Anzeige nutzen. Ein in Aufbau befindliches, nagelneues Japanportal sucht noch nach Japanexperten, die interessiert daran sind, Vollzeit oder Teilzeit für das Portal über Japan zu schreiben. Auf Deutsch. Das kann in Deutschland, aber auch von Japan aus geschehen. Schreiberfahrung ist natürlich von grossem Vorteil. Bei Intesse bitte bei mir melden – ich schicke dann mehr Informationen!

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Beitrag #1000: Japanische Dialekte

August 30th, 2016 | Tagged | 8 Kommentare | 874 mal gelesen

​Neulich bin ich über einen interessanten Artikel gestolpert, der anhand von Karten darstellt, wo in Japan welche Begriffe für ein und die gleiche Sache benutzt werden. Die Idee ist nicht neu – in Deutschland gibt es ja zum Beispiel auch einen schönen Atlas der deutschen Sprache, der sich ausführlich und anschaulich mit dem Thema beschäftigt. Und für einen sprachinteressierten Geographen ist so etwas natürlich faszinierend.
Zwar leben in Japan fast nur Japaner, aber natürlich haben sich auch in Japan Dialekte herausgebildet. Wenn man Japanern erklärt, das es so etwas auch in Deutschland gibt, reagieren die meisten mit grösstem Erstaunen – allerdings nur aufgrund von purer Unwissenheit. Natürlich gibt es in Deutschland auch Dialekte. Selbst in den USA, obwohl das Englische dort vielerorts erst vor gut 300 Jahren wirklich Fuss fasste, gibt es ja schliesslich Dialekte. Und je abgeschiedener die Gegend, desto höher die Varianten.

Wer sich sagen wir mal über 20 Stunden ernsthaft mit Japan beschäftigt, stösst als erstes auf den berühmt-berüchtigten Kansai-Dialekt, gesprochen im Großraum Osaka und berüchtigt deshalb, weil man ihn am ehesten mit der (Rand)berliner Schnauze vergleichen kann. Die Schnoddrigkeit ist teilweise auch die Ursache dafür, dass die meisten japanischen Komiker aus der Gegend kommen und den Kansai-Dialekt sprechen – ob sie zu Hause sind oder in Tokyo leben, ist egal. Den Dialekt kann man nur schwer ablegen, und die meisten Kansai-Dialekt-Sprecher sind auch stolz darauf und denken gar nicht daran, Hochjapanisch zu sprechen. Manchmal verraten sich die Leute auch durch scheinbar unverfängliche Floskeln in Emails zum Beispiel: Schreibt jemand zum Beispiel die in andere Sprachen nur schwer übersetzbare, obligatorische Höflichkeitsfloskel „〜お世話になっております。“ (osewa ni natte orimasu – sinngemäss in etwa „Vielen Dank für Ihre stetige Unterstützung“ und setzt dem ganzen ein „毎度“ (maido = immer) davor, kann man recht sicher sein, dass der Verfasser ursprünglich aus Kansai stammt (in Tokyo schreibt man eher „いつも“ – das bedeutet auch „immer“).

Als nächstes werden die meisten auf den Tsugaru-Dialekt treffen – jener wird hoch im Norden der Insel Honshu gesprochen, und er verdient den Namen Dialekt wahrhaftig: Während man beim Kansai-Dialekt noch das meiste mitbekommt, ist man beim echten Tsugaru-Dialekt verloren. Viele Wörter sind völlig anders oder existieren so im Japanischen gar nicht (zum Beispiel „azumashii“ – das bedeutet in etwa „gemütlich“ und kann nicht 1:1 ins Japanische übertragen werden), und die Intonation ist auch anders als im Standardjapanisch. Das gilt auch für die meisten anderen Tohoku-Dialekte (Tohoku ist der Nordosten Japans, ohne Hokkaido wohlgemerkt, das aufgrund der jungen Besiedlungsgeschichte relativ dialektfrei ist).

Auch im Süden geht es dialektmässig hoch her – auf Okinawa zum Beispiel, das ja bis ins 19. Jahrhundert hinein nicht einmal zu Japan gehörte. Auf jeder Insel entwickelte sich so ein eigener Dialekt. Und damit das ganze auch noch richtig Spass macht, wirft man auch noch das eine oder andere Schriftzeichen mit rein, damit es auch niemand lesen kann. Auf die Idee, das man 美ら海 als „Churaumi“ lesen muss, kann man auch mit noch so umfangreichen Schriftzeichenwissen einfach nicht kommen (immerhin stimmt aber die Bedeutung: schönes Meer).
Es sind jedoch nicht nur die einfachen Wörter oder die Betonung, die oftmals die Herkunft des Sprechers verraten. Auch die Endungen, meist nur eine oder zwei Silben, sind von Gegend zu Gegend verschieden. Manchmal bedeuten die Silben dann auch etwas völlig anderes, und das verwirrt natürlich.

Verbreitung der Partikel "da", "ya" und "ja" in Japan (Quelle: Wikipedia)

Verbreitung der Partikel „da“, „ya“ und „ja“ in Japan (Quelle: Wikipedia)

Am oben verlinkten Artikel ist die Wahl der Wörter interessant. Eines der 5 untersuchten Wörter ist „Pflaster“, und da ist es schon seltsam, wie sich in den verschiedenen Gegenden so unterschiedliche Wörter festgesetzt haben. Auch das Wort, dass man benutzt, um Unwohlsein auszudrücken, ist interessant. So benutzt man im Norden das Wort „こわい“ (kowai), das eigentlich „furchtbar“ bedeutet – in der Mitte hingegen „えらい“ (erai), was eigentlich „klug“ oder „fleissig“ bedeutet. Die verschiedenen Begriffe für „Gerstenkorn“ (die Entzündung im Auge) sind auch witzig: So bezeichnet man dieses eigentlich „monomorai“ genannte Gerstenkorn in Kumamoto als Ohime-san (Prinzesschen) oder in Saga als „おきゃくさん“ (Gast).

Was in Japan auffällt, ist die Tatsache, dass man sich kaum über die Dialekte anderer lustig macht – in Deutschland immerhin beinahe so etwas wie ein Volkssport. Aber der Humor ist eben ein anderer.

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Schlechtes Omen? Japan von Taifunen regelrecht überrannt

August 25th, 2016 | Tagged , | 4 Kommentare | 1096 mal gelesen

Taifune im Dreierpack (22. August 2016)

Taifune im Dreierpack (22. August 2016)

Normalerweise erlebt man im Raum Tokyo ein bis zwei Mal, manchmal auch überhaupt nicht, einen Taifun. Freunde dieser beeindruckenden Naturphänomene kommen allerdings dieses Jahr vermehrt auf ihre Kosten, und die Fakten sind besorgniserregend. So beginnt die Hauptsaison für Taifune eigentlich im September, doch dieses Jahr geht es schon seit Anfang August hoch her. Normalerweise liegt die Kinderstube der Taifune sehr weit südlich, in der Nähe der Marianen, doch dieses Jahr hat sich das Entstehungsgebiet sehr stark nach Norden verschoben und lag bei einigen Taifunen (10 sind es insgesamt bisher) sogar in japanischem Hoheitsgebiet, ein paar hundert Kilometer südlich von Honshu und Shikoku. Und normalerweise hat man es mit nur einem Taifun auf ein Mal zu tun – in sehr wenigen Jahren manchmal auch mit zweien kurz hintereinander. Doch in der vergangenen Woche bewegten sich gleich drei Taifune auf ein Mal durch Japan. Einer davon ist am Montag direkt bei Tokyo an Land gegangen, aber er verlief recht glimpflich – rund 100 mm Regen (ein Fünftel der Jahresmenge in Berlin) fielen innerhalb von drei Stunden, aber der Sturm hielt sich in Grenzen. Der dritte Taifun im Bunde, Taifun Numero 10 mit dem Namen Lionrock, wird jedoch womöglich noch für viel Aufsehen sorgen: Dieser entstand ebenfalls nur wenige hundert Kilometer südlich von Shikoku und bewegte sich eine Woche lang fast nicht von der Stelle – das bekamen auch die Bewohner einiger Inseln in der Präfektur Okinawa zu spüren. Doch jetzt nimmt er plötzlich Fahrt auf und entwickelt sich zu einem Supertaifun mit Windspitzen von bis zu 270 Stundenkilometern. Noch ist die genaue Bahn schwer vorherzusagen, aber sollte dieser Taifun in rund drei Tagen nach Norden drehen, und das ist durchaus wahrscheinlich, wird Tokyo von einem Monstersturm heimgesucht werden (sollte dies der Fall sein, wird dies um den 30. August herum geschehen). Meteorologen bezeichnen ihn schon jetzt als den schwersten Taifun in der Geschichte, der Tokyo direkt bedroht.

Ja, die Taifune haben zugenommen. Aber in diesem Jahr häufen sich sehr bedenkliche, so noch nicht dagewesene Wetterphänomene, die nur eines bedeuten können: Das Meer südlich von Japan muss wesentlich wärmer sein als sonst.

Taifun Lionrock und die berechnete (befürchtete) Route

Ob die Taifune nun direkt einschlagen oder nicht – seit zwei Wochen sorgen sie nun schon im Raum Tokyo für extrem schwüle Luft und urplötzliche, heftige Wolkenbrüche. Wie es aussieht, wird sich das so schnell nicht ändern. Wer also momentan in Japan weilt und womöglich in den Bergen nach etwas kühlerer Luft sucht, sollte sich auf jeden Fall täglich kundig machen, denn in den Bergen werden Taifune und deren Ausläufer zu einer echten Gefahr.

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Olympische Spiele: Freudige Erregung und ein Mario-Abe

August 23rd, 2016 | Tagged , | Kein Kommentar bisher | 650 mal gelesen

Unkenrufen zum Trotz fanden die Olympischen Spiele nun doch statt, und vor allem in Japan schaute man dieses Mal besonders aufmerksam hin – schliesslich ist Japan als nächstes dran (und es gibt noch viel zu tun – man weiss zum Beispiel noch nicht einmal, wie viel der Spass eigentlich kosten wird). Und Japan hat in den vergangenen Jahren scheinbar einiges richtig gemacht bei der Sportförderung, denn mit 41 Medaillen gab es so viel Edelmetall wie nie zuvor. Darunter gab es auch echte Überraschungen, denn niemand hätte zum Beispiel den japanischen Sprinter bei der 4×100-Meter-Staffel der Herren zugetraut, aufs Podest zu gelangen – doch ein nahezu perfektes Zusammenspiel der als Einzelläufer weniger erfolgreichen vier sorgte für eine sensationelle Silbermedaille. Einer der vier ist zudem ein „half“, also ein Halbjapaner, mit dem ganz klar unjapanischen Namen Cambridge – und der sorgte wahrscheinlich gleichzeitig mit dafür, dass sich noch mehr Japaner mit dem Gedanken anfreundeten, dass „half“ nicht unbedingt halbe Menschen sind sondern mitunter Japaner wie Du und … nein, nicht ich.

Abe-Mario bei der Abschlusszeremonie

Abe-Mario bei der Abschlusszeremonie

Ministerpräsident Abes Auftritt als Super Mario während der Schlusszeremonie sorgte nun für zahlreiche Reaktionen in den japanischen sozialen Netzwerken. Wie zu erwarten ist alles dabei: Von der Häme bis zur Bewunderung. Der Auftritt deutete auch an, mit welchem Pfund Japan bei den Olympischen Spielen 2020 in Tokyo wuchern wird. Selbst hochbetagte Funktionäre sind sich einig, dass aus dem Geek-Image Japans viel Kapital zu schlagen ist, und warum auch nicht: Eine Nation, die für ihre Videospiele und ausgefallenen Ideen bekannt ist? Es gäbe schlimmeres. In dem Sinne darf man schon mal auf die Eröffnungszeremonie in Tokyo gespannt sein. Das sind zwar noch vier Jahre hin, aber wie sich bei allen Olympischen Spielen herausstellt, ist das eine sehr kurze Zeit, um alles fertigzustellen. Fast so wie Weihnachten, dass ja auch jedes Jahr ganz plötzlich und unverhofft vor der Tür steht.

Unter dem Hashtag #安倍マリオ tauchte übrigens das untere Bild heute auf – mit dem Titel „首相、よく間違えなかったな。“ – „Ministerpräsident, Glück gehabt dass Du Dich nicht verlaufen hast!“ (zur Auswahl stehen die Ministerpräsidentenresidenz, Rio und der Yasukuni-Schrein):

Abe-Mario: Zum Glück nicht verlaufen!

Abe-Mario: Zum Glück nicht verlaufen!

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Was Japaner so über das Ausland denken

August 18th, 2016 | Tagged | 8 Kommentare | 960 mal gelesen

Heute bin ich zufällig über ein Video gestolpert, in dem wahllos Japaner ganz normal und unaufgeregt über ihre Auslandserfahrungen sprechen – wo sie waren, was sie als positiv und was sie als negativ empfunden haben. Für Japanischlernende ist dieses Video übrigens eine gute Sprachübung.

Neues kam dabei nicht raus – nicht für mich zumindest – aber man ertappt sich nach mehr als über einem Jahrzehnt in Japan dabei, die Seiten zu wechseln. Erst recht, wenn man selten nach Hause fliegt und gerade erst wieder da war. Doch eine Sache bleibt mir nach wie vor ein Rätsel: Ich habe nun schon von unzähligen Japanern zu hören bekommen, dass es in Europa zum Beispiel anders riecht, und das ist nicht positiv gemeint. Viele Japaner denken, dass Ausländer stärker riechen. Sicher, echte Stinkbomben trifft man in Japan weniger häufig als anderswo, und Japaner baden wahrscheinlich wirklich häufiger und ausgiebiger als andere Nationen. Die Behauptung aber, dass viele Ausländer unangenehm riechen, konnte und kann ich jedenfalls so nicht teilen.

Beschwerden über das Essen oder die mangelnde Sicherheit in den Strassen (in Barcelona haben sich innerhalb von fünf Tagen gleich zwei Mal Trickbetrüger um mein Geld bemüht – ging jedoch beide Male zum Glück glimpflich aus) sowie über unverlässliche Eisenbahnen sind weitgehend bekannt; auch die positiven Erfahrungen über nette Menschen, stärkere Familienbunde usw. sind so häufig zu hören.
Was denken Japaner über Ausländer?

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