Ayako Sono und die Alten, die nicht gehen wollen

Februar 12th, 2016 | 1 Kommentar | 206 mal gelesen

Ayako Sono im Jahr 1956 (Quelle: Wikipedia)

Ayako Sono im Jahr 1956 (Quelle: Wikipedia)

Vor ein paar Tagen wurde ein Interview mit der in ganz Japan bekannten Schriftstellerin 曽野 綾子 Ayako Sono im Wochenmagazin Shūkan Post¹ veröffentlicht. Die Autorin, Kolumnistin und politische Beraterin Sono liess sich dort über alte Menschen aus, was letztendlich in der Überschrift “Die Pflicht, zum rechten Zeitpunkt zu sterben” resultierte. In dem Artikel griff sie Fälle auf, in denen zum Beispiel ein 91-jähriger Rentner einen Rettungshubschrauber anforderte. Sono ist der Meinung, dass alte und gebrechliche Menschen zu viele Resourcen binden und diese für jüngere Menschen freimachen sollten – sonst gehe die Gesellschaft zugrunde.

Nicht völlig überraschend gab es umgehend zahlreiche Reaktionen im Sinne von “dann geh Du doch zuerst” – denn die Autorin ist selbst 84 Jahre alt und geht somit ebenfalls allmählich auf das Licht zu.

Sono liess sich in den 1950ern zur Katholikin taufen (Taufname: Maria Elisabeth) und seehofert schon seit Jahrzehnten durch den japanischen Blätterwald. Nach dem Atomunfall von Fukushima 2011 behauptete Sono, dass Tepco keinerlei Schuld trägt und dass man “die ganzen Omas und Opas doch in die verstrahlte Zone gehen lassen solle. Dann werden junge Menschen nicht gefährdet. Ich würde auch hingehen. Ich habe meinen Führerschein auch schon (des Alters wegen) abgeben müssen, aber da ist alles Privatgelände, so dass man da auch führerscheinlos herumfahren kann. Und wer weiss, vielleicht kommen ja alle plötzlich ganz gesund wieder zurück!”². Liess sie sich darauf selbst in Fukushima blicken? Aber nicht doch. Zudem prangerte sie an, dass “die ganzen Katastrophenopfer und alten Menschen sich zu sehr auf die Gesellschaft verlassen, und dass die Gesellschaft das auch akzeptiert”.

Um alle Zweifel auszuräumen, wes Geistes Kind die Schriftstellerin ist, schlug sie in ihrer Kolumne in der 産経新聞 Sankei Shimbun im Jahr 2015 vor, die Apartheid in Japan einzuführen – sie bejahte die Notwendigkeit, ausländische Arbeiter nach Japan zu holen, aber nur, wenn diese getrennt von Japanern leben: Am Beispiel von Südafrika legte sie dar, dass das gemischte Zusammenleben von Schwarzen, Weißen und Asiaten einfach nicht funktionieren kann³. Es hagelte wütende Proteste, aber das liess Sono letztendlich kalt.

Wir sprechen hier von einer hoch dekorierten und hoch angesehenen, noch immer als politische Beraterin aktiven Schriftstellerin. Traurig, aber wahr.


¹ Siehe unter anderem hier (Japanisch)
² Siehe unter anderem hier (Japanisch)
³ Siehe unter anderem hier (Japanisch)

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Ist Japan sicher? Eine von vielen Statistiken

Februar 8th, 2016 | Tagged | 6 Kommentare | 416 mal gelesen

In der vergangenen Woche hatte ich über einen kuriosen Fall berichtet, der momentan die japanische Polizei und die Medien beschäftigt: Der mysteriöse Diebstahl von Halteschlaufen in Zügen der Hauptstadtregion. Als Resonanz auf den Artikel fiel unter anderem die Frage, wie sicher Japan denn dieser Tage eigentlich sei.

Doitsu News Digest (doitsu = Deutschland), eine Online- und Printausgabe eines japanischen Nachrichtennetzwerkes mit Niederlassungen in Düsseldorf, Paris und London, widmete auf den Seiten 13 bis 15 seiner jüngsten Ausgabe (siehe hier) dem Thema Verbrechen ebenfalls ein paar Seiten – unter anderem zur Verbrechenshäufigkeit im Vergleich zwischen Deutschland und Japan. Die Zahlen sind laut dieser Statistik recht eindeutig. Laut deutscher Verbrechensstatistik gibt es in Deutschlands “gefährlichster” Großstadt, Frankfurt am Main, knapp 17’000 Delikte je 100’000 Einwohner. Der Großteil der Delikte besteht aus Eigentumsdelikten, Raub und Betrug. In Berlin waren es 2014 hingegen knapp 16,000 Fälle (Rang zwei) und in München hingegen weniger als 8’000 Fälle.

Verbrechensstatistik: Häufigkeit je Präfektur (Quelle: http://area-info.jpn.org/CrimPerPop.html)

Verbrechensstatistik: Häufigkeit je Präfektur (Quelle: http://area-info.jpn.org/CrimPerPop.html)

In Japan hingegen kann man eine Null streichen: Die Statistik für die Verbrechenshäufigkeit in japanischen Großstädten wird von Osaka angeführt: Mit 1’700 Fällen auf 100’000 Einwohner ist diese Stadt das “heißeste Pflaster”. Je nach dem, wo man schaut, findet man zwar andere Angaben, aber im großen und Ganzen scheint die Verbrechensliste tatsächlich von Osaka angeführt zu werden und dort bei rund 2% zu liegen (siehe unter anderem hier). Tokyo liegt, im Präfekturenvergleich erst auf Rang 7 mit 1.5% und die Präfektur Akita mit 0,5% auf dem letzten Platz (man könnte da unken, dass das klar sei – da da jeder Jeden kennt). Sollten die Zahlen eventuell auch etwas abweichen – die Dimensionen sind relativ deutlich: Das Vorurteil, dass Japan äußerst sicher ist, ist kein Vorurteil. Auch wenn die japanischen Medien oftmals ein anderes Bild zeichnen, wenn sie sich mal wieder genussvoll auf einen neuen Mordfall stürzen.

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Strafzinsen auch für Sparer?

Februar 5th, 2016 | Tagged | 1 Kommentar | 336 mal gelesen

In einem für viele Betrachter verzweifelten Akt ist es vor einer Woche also geschehen: 日銀 nichigin – BoJ (Bank of Japan) gab bekannt, dass sie die Zinsen für Einlagen bei der Nationalbank unter 0% drückt – und zwar auf -0.1%. Das bedeutet also, dass eine Bank, die dort 100 Millionen Yen für ein Jahr einlegen will, fortan 100,000 Yen Strafzinsen bezahlen muss, also dementsprechend nur 99,900,000 Yen zurückbekommt. Diese Massnahme wurde unter anderem getroffen, weil die Bank of Japan ihr erklärtes Ziel von 2% Inflation partout nicht erreichen kann. Man krepelt, wie schon seit vielen Jahren um die 0% herum, und die extrem niedrigen Ölpreise (99 yen pro Liter!) machen der Bank ihre Arbeit auch nicht leichter. Mit der Massnahme möchte man die Banken aucch dazu zwingen, mehr Geld an die Wirtschaft zu verleihen anstatt es bei der Zentralbank zu horten.
Wird man das erreichen? Experten vermelden unisono, dass das quasi die letzte Waffe sei – und dazu auch noch eine wirkungslose.

Doch nun geht die Diskussion darüber los, ob ein negativer Zinssatz nicht auch Privatpersonen einholen wird. Seit vielen Jahren schon bekommen Sparer nahezu keine Zinsen auf ihr Erspartes, und daran hat man sich schon gewöhnt – diese Situation befeuert auch schon lange den Aktienmarkt, da jede zweite Hausfrau heutzutage “in Aktien macht”. Doch wäre es theoretisch nicht auch möglich, dass Banken den Strafzins an ihre Kunden weitergeben? Noch wird das vehement verneint – zumindest von den grossen Banken wie Mizuho, MUFJ oder SMBC. Durchaus denkbar wäre jedoch, dass die Banken versuchen, die Kosten mittels Gebühren vom Kunden einzuholen, denn noch sind Konten für Privatkunden in der Regel gebührenfrei – sprich, es gibt keine Kontennutzungsgebühren (für Überweisungen und andere Dienstleistungen zahlt man natürlich).

Im Inneren der Bank of Japan. Stark verschwommen leider, da striktes Fotografierverbot

Im Inneren der Bank of Japan. Stark verschwommen leider, da striktes Fotografierverbot

Letztendlich ändert sich jedoch (noch) nicht viel: Japanische Banken waren noch nie die beste Adresse, um sein Geld zu vermehren. Und dennoch lagern immer noch viele Japaner ihr Geld auf der Bank: Im Schnitt über 5 Millionen Yen, also knapp 40,000 Euro pro Person. Im Schnitt, wohl gemerkt, denn in Japan gibt es rund 2,5 Millionen Dollarmillionäre (in Deutschland hingegen “nur” 1,1 Millionen) – und zig Millionen Japaner, die sich wünschten, auch nur einen kleinen Teil des Durchschnitts ihr eigen nennen zu können.

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Beispiellose Verbrechenswelle: Über 400 Halteschlaufen gestohlen!

Februar 2nd, 2016 | Tagged | 7 Kommentare | 626 mal gelesen

Ja, von wegen Japan ist sicher! Dieses zähe Vorurteil wird ganz eindeutig mit der folgenden Schlagzeile widerlegt:

Tokyo police baffled by theft of hand straps from commuter trains¹

Der Polizei zufolge wurden im Raum Tokyo seit November vergangenen Jahres rund 400 Halteschlaufen aus den Zügen verschiedener Linien gestohlen. Halteschlaufen — das sind die Schlaufen, in die sich die müden Fahrgäste am Morgen und die Betrunkenen am Abend einfädeln, um beim Wegdösen nicht ungebremst auf den Boden zu klatschen. Die Polizei ist dem Artikel zufolge ratlos, denn die Griffe sind nicht einfach zu lösen – schliesslich müssen sie ja bis weit über 100 Kilogramm aushalten. Die Schlaufen zu entfernen sollte somit etwas Zeit und Geschick verlangen und in einem gut besetzten Zug unbeobachtet nahezu unmöglich sein.

Objekt der Begierde... und des Schmerzes

Objekt der Begierde… und des Schmerzes

Wer macht so was? Und wie? Und vor allem – warum!? Schliesslich haben die Schlaufen keinen besonderen Wert. Gibt es irgendwo einen Perversen, der die Dinge nach Hause schleppt, um dort ganz authentisch den packenden Nahkampf in Tokyos vollbesetzten Zügen zu simulieren? Oder werden sie sogar als Fetisch zwischen Eisenbahnliebhabern – davon gibt es genug in Japan – hoch gehandelt? Man weiss es nicht genau. Und so geht die Suche weiter.

Ganz insgeheim wünsche ich mir, dass die Suche noch eine Weile dauert. Denn die Dinge baumeln in für japanische Großmütter greifbarer Höhe, so dass man als durchschnittlich grosser Europäer täglich mindestens ein Mal die Hartplastikgriffe an den Kopf geknallt bekommt, wenn sich der Nachbar daran festhält und beim Aussteigen plötzlich loslässt. Sprich – die Griffe nerven ungemein.

Nun mag der eine oder andere Leser denken: “Ja, und in China ist ein Sack Reis umgefallen!” Das mag sein. Aber die obige Nachricht hat es in so ziemlich alle Hauptnachrichten geschafft und ist damit gesellschaftlich hoch relevant. Oder etwa nicht?

¹ Siehe Japan Times vom 1. Februar

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Steuern in Japan (Achtung: Packendes Thema!)

Januar 29th, 2016 | Tagged , | 6 Kommentare | 532 mal gelesen

Wichtig: Quellsteuernachweis (Muster)

Wichtig: Quellsteuernachweis (Muster)

​Vor vielen Jahren hatte ich schon einmal über die vorbildlich einfachen Steuererklärungen für Angestellte in Japan berichtet – aus aktuellem Anlass folgt dazu ein weiterer, kurzer Beitrag. Aktuell, weil gerade wieder der 年末調整 nenmatsu chōsei der Jahresend-Steuerausgleich, stattfand. Aktuell auch, weil ich neulich über eine Seite gestossen bin, auf der man schön einfach seine Steuern berechnen kann (Link siehe unten).

Wie in den meisten anderen Ländern auch gibt es direkte und indirekte Steuern – die indirekten Steuern (wie zum Beispiel Mehrwertsteuer, Tabaksteuer usw.) sollen uns hier nicht weiter interessieren. Es geht um die direkten Steuern, die man in zwei Arten unterteilen kann: Die Staatssteuer und die kommunalen Steuern. Die Staatssteuern (kokuzei) werden in Form einer Quellensteuer normalerweise durch die Firma direkt vom Gehalt abgezogen. Diese Steuer nennt sich 源泉所得税 gensen shotokuzei, also Quelleneinkommenssteuer, wird monatlich erhoben, von der Firma “aufbewahrt” und dann an den Staat bezahlt. Die Steuer ist an die Höhe des Gehalts gekoppelt, und das progressiv. Für die ersten 1,95 Millionen Yen pro Jahr zahlt man 5%, für den Betrag darüber bis 3,3 Millionen 10%, darüber bis 6,95% 20% und so weiter – der Spitzensteuersatz liegt bei 40%, aber da muss man schon umgerechnet schon gut über 10,000 Euro pro Monat verdienen. Wer 扶養家族 fuyō kazoku – “abhängige Familienmitglieder” – hat, kann zu seinem eigenen jährliche Freibetrag von 380,000 yen noch mal die gleiche Summe als Freibetrag verbuchen – pro Person. Da gibt es freilich einige Extraregeln: Wenn die Gattin (nein, kein geschlechterneutraler Begriff, denn wir reden hier von Japan) weniger als ca. 105,000 Yen pro Monat verdient, gilt sie ebenfalls als “abhängig”. Bis vor drei, vier Jahren gab es auch bei dieser Steuer Erleichterungen, wenn man Kinder hatte, aber das hat man mal eben gestrichen, so dass man jetzt nur noch Steuererleichterungen bei der Kommunalsteuer bekommt. Vom Gehalt werden vor Errechnung der Steuer übrigens auch noch die Beiträge für die Kranken- und Rentenkasse sowie Aufwendungen für Fahrtkosten abgezogen – diese werden zum Glück nicht besteuert.

Gegen Ende des Jahres wird dann abgerechnet. Hat man zu viel Steuern gezahlt? Oder hat man eine laufende Lebensversicherung? Oder eine Erdbebenversicherung? Oder gar vor kurzem ein Haus gekauft? Eventuell neue Familienmitglieder, die vom selben Gehalt ernährt werden wollen? Dann gibt es Geld zurück (allerdings nicht in der Jahresendabrechnung – siehe Kommunalsteuer unten). Für Versicherungen zum Beispiel maximal 50,000 Yen pro Jahr, für ein neugekauftes Haus 100 bis 200,000 Yen pro Jahr (10 Jahre lang) und so weiter. Als Ergebnis der Abrechnung bekommt man einen äusserst wichtigen, kleinen Zettel: den 源泉徴収票 gensen chōshūhyō – Quellsteuer- bzw. Einkommensnachweis. Die Zettel sollte man sich vorsichtshalber aufheben, da manche Ämter oder Banken diese verlangen.

Das war die Staatssteuer. Doch dann gibt es noch die Einwohner- oder auch Kommunalsteuer, genannt 住民税 juminzei, wobei diese in Großstadtvierteln als 区民税 kuminzei und in den meisten anderen Orten als 市民税 shiminzei bekannt ist. Eigentlich ist diese Steuer in Gemeinde- und Präfektursteuer (県民税 kenminzei) unterteilt, doch in vielen Präfekturen wird das als ein Betrag eingezogen, so dass man sich nicht darum kümmern muss, wer was bekommt. Die Kommunalsteuer variiert von Ort zu Ort leicht, aber im Schnitt liegt sie bei rund 10 Prozent – 4% davon gehen an die Präfektur. Erst hier machen sich Steuererleichterungen bemerkbar, wenn man Gamilienmitglieder miternährt: Die Steuer kann so bis auf rund 5% sinken (und die Familienmitglieder, so nicht erwerbstätig, siehe Obergrenze oben) zahlen nichts. Praktischerweise kann man auch diese Steuer online berechnen, damit man weiss, was auf einen zukommt. Viele grössere Firmen ziehen die Kommunalsteuer gleich vom Gehalt ab, aber für kleine Firmen ist das zu umständlich, da alles über die örtlichen Finanzbehörden der Mitarbeiter abgewickelt werden muss. In dem Fall meldet die Firma das Einkommen an das Finanzamt, und man bekommt im Frühjahr ein Heftchen mit 5 Zahlscheinen. Mit einem Schein kann man alles auf einmal bezahlen (leider gibt es da keinen Rabatt), die anderen sind jeweils gültig für ein Quartal. Das schöne daran: Mit diesen Scheinen kann man in der Regel auch bei den konbinis bezahlen.

Es gibt noch etliche andere Steuern, wie zum Beispiel die Erdbebenaufbauhilfesteuer, aber diese sind, von der Grundsteuer für Landbesitzer mal abgesehen, nur für Gewerbetreibende relevant. So gesehen hält sich die Kompliziertheit des japanischen Steuersystems halbwegs in Grenzen. Und das ist auch gut so.

Mehr zum Thema Steuern in Japan kann man zum Beispiel – auf Deutsch – bei JETRO lesen.

Einen Steuer/Gehaltsrechner für Japan gibt es hier (funktioniert leider nicht auf mobilen Geräten, wohlgemerkt!).

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Die Shintō-Universität

Januar 26th, 2016 | Tagged , | 3 Kommentare | 549 mal gelesen

Jeden Morgen laufe ich an dieser riesengrossen Anzeige einer Universität am Bahnsteig vorbei: “Werde zu einem Japaner, der das Herz des Landes widerspiegelt!” Nun bin ich zwar lange genug in Japan, um das nicht allzu aussergewöhnlich zu finden, doch noch deutsch genug, um es mit einem deutschen Auge zu sehen. Mein geistiges Auge stellt sich diesen Aushang dann in Deutschland – auf Deutsch – vor. “Absolvieren Sie den Studiengang für Deutschtum an der Heinrich-dem-Schielenden-Universität”. Wahnsinn. Im Kleingedruckten stehen dann noch ein paar Details – so zum Beispiel die Wichtigkeit des Erlernens der traditionellen japanischen Sitzweise, genannt 正座 seiza, oder dem richtigen Umgang mit Eßstäbchen”.

Anzeige der Kokugakuin-Universität

Anzeige der Kokugakuin-Universität

Die Anzeige wirbt für die 國學院大學 Kokugakuin Universität (auf Wikipedia gibt es dazu sogar einen deutschen Beitrag), und man hat bewusst die alten Schriftzeichen für den Namen gewählt (die heute gebräuchliche Schreibweise ist 国学院大学). Die Uni hat immerhin rund 11,000 Studenten und besteht seit 1920. Bekannt ist die Lehranstalt vor allem für ihre Nähe zum Shintōismus, denn hier kann man sich zum Shinto-Priester ausbilden lassen.

Die Anzeige ist zweifellos ein Blickfänger, sticht sie doch aus den auch in Japan üblichen Abbildern von nur allzu perfekten Menschen in der Werbung hervor. Andererseits kann ich auch noch so lange in Japan leben – an diesen stark nationalistisch geprägten Stil werde ich mich nie so recht gewöhnen können. Aber hier gelten eben andere Maßstäbe.

Interessant an der Kokugakuin-Universität ist die Shinto-Enzyklopädie, an der man ein paar Jahrzehnte lang gearbeitet hat. Es gibt sogar eine vollständig öffentliche englische Version hier, in der es sich lohnt, etwas herumzustöbern.

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Die Schönheit Japans mit dem Hokuriku-Shinkansen entdecken

Januar 20th, 2016 | Tagged | 7 Kommentare | 680 mal gelesen

Der Hokuriku-Shinkansen ist eine Expresszugverbindung, die von JR East und JR West (JR=Japan Railways) gemeinsam betrieben wird und die Hauptstadt Tokyo an der Pazifikküste mit Kanazawa in der Präfektur Ishikawa an der Küste des Japanischen Meeres im Nordwesten verbindet.

Diese Gegend wird im Japanischen Hokuriku genannt und vereint die Präfekturen Niigata, Toyama, Ishikawa und Fukui. Der Literaturnobelpreisträger Yasunari Kawabata (1899–1972) verlieh dieser Region in seinem Roman Schneeland (Original: “Yukiguni”) unsterblichen Ruhm. Der Hokuriku-Shinkansen verbindet momentan Niigata, Toyama und Ishikawa miteinander, wobei die Strecke bis zum Jahr 2022 bis nach Fukui ausgebaut werden soll. Obwohl die Trasse auch durch Niigata verläuft, wird ein Großteil dieser Präfektur, inklusive der gleichnamigen Präfekturhauptstadt, allerdings vom Jōetsu-Shinkansen, einer weiteren Shinkansentrasse, die sich in Takasaki abspaltet, bedient.

Hokuriku-Shinkansen im Bahnhof Tokyo

Hokuriku-Shinkansen

Im März 2015 wurde ein neues Teilstück des Hokuriku-Shinkansens eröffnet – und zwar der Abschnitt von Nagano bis Kanazawa, womit die Fahrzeit zu den schönsten und am wenigstens besuchten Orten Zentraljapans deutlich verkürzt wird. Bis nach Kanazawa braucht man von Tokyo aus nunmehr lediglich 2,5 Stunden, so man mit den schnellsten Verbindungen auf der Route reist. Die gesamte Strecke wird durch den Japan Rail Pass gedeckt, womit eine Fahrt in die Region nördlich und westlich von Tokyo zu einer verlockenden Angelegenheit sowohl für Japanbeginner als auch für Japanveteranen wird.

Die Reise beginnt im Bahnhof Tokyo in einem nagelneuen, luxuriösen Zug, der im Großraum Tokyo in Ueno sowie in der Präfektur Saitama in Omiya hält. Von Omiya aus lohnt sich ein Abstecher mit der Tobu Urban Park-Linie nach Kasukabe zu einem Wunder moderner Architektur – den unterirdischen Flutschutzanlagen von Kasukabe. Die monströsen Kavernen dienen dazu, Tokyo vor potentiell katastrophalen Überschwemmungen zu schützen.

Saitama – Kawagoe

Auch die Häuser und Tempel aus der Edo-Zeit in Kawagoe sind nicht weit von Omiya entfernt. Kawagoe bietet eine historische Atmosphäre, die an alte japanische Städte erinnert. Strassen in der Altstadt werden von zahlreichen Holzhäusern gesäumt, die einst Handelsleuten gehörten, und der Kita-in Tempel mit seinen 500 Rakan-Statuen ist ebenfalls einen Besuch wert.

500 Rakan

500 Rakan

In Kawagoe, aufgrund des Wohlstandes seiner Bewohner damals gern als “Klein-Edo” bezeichnet (Edo ist der alte Name für Tokyo), baute man über 200 kurazukuri genannte Lagerhäuser, in denen man Waren, die über die Handelsroute Kawagoe-kaido nach Edo geliefert wurden, zwischenlagerte. Der Bau dieser Lagerhäuser war kostspielig, da man sich mit dicken Lehmwänden gegen Brände und Diebe absichern musste.

Kawagoe Kura-Strasse

Kawagoe Kura-Strasse

Im Lagerhausviertel, genannt Kurazukuri no Machinami, findet man heute noch cirka 30 klassische Lagerhäuser sowie das weithin bekannte Wahrzeichen von Kawagoe, den Toki no Kane (Glockenturm), in dem auch heute noch vier Mal am Tag die Glocken erklingen.

Glockenturm von Kawagoe

Glockenturm von Kawagoe

Kita-in, Kawagoe

Kita-in, Kawagoe

Einige kurazukuri hat man in kleine Museen verwandelt, so auch das Kurazukuri Shiryokan, ein altes Lagerhaus für Tabak, welches 1893 nach einem verheerenden Brand wieder aufgebaut wurde. Bei jenem Großbrand wurde auch der ursprüngliche Glockenturm zerstört – man baute ihn schließlich 1894 wieder neu. In anderen Lagerhäusern findet man heute Souvenirläden oder Cafés.

Die Burg von Kawagoe wurde in den 1870ern geschliffen, doch der Honmaru Goten, die einstige Residenz der Feudalherren, blieb bestehen und ist auch heute noch einen Besuch wert.

Kawagoe hat auch einige interessante Tempel zu bieten, allen voran den Kita-in der bedeutenden Tendai-Sekte. Dieser Tempel beherbergt unter anderem die einzigen Originalbauten der damaligen Burg von Edo.

Von einem der reich dekorierten Räume wird vermutet, dass er die Geburtsstätte des dritten Shoguns, Iemitsu (1604-1651), sei. Die Anlagen des Kita-in beherbergen ausserdem über 500 Statuen von Buddhajüngern, rakan genannt, sowie einen Toshogu genannten Schrein, der dereinst zu Ehren Ieyasus, Begründer der Tokugawa-Dynastie, errichtet wurde. Im Kita-in Tempel begeht man zudem das beliebte Daruma-Fest im Januar jedes Jahres – dort können Besucher eine der glückbringenden Figuren erstehen.

In Kawagoe findet man ausserdem eine Reihe ausgezeichneter Geschäfte für traditionelle japanische Süßigkeiten, wobei sich die meisten in der Kashiya Yokocho (wörtlich: Süßigkeitenhändlerstrasse) aneinanderreihen. Rund 20 traditionelle Geschäfte verkaufen hier japanische Leckereien wie Reiscracker und Süsses aus Süßkartoffeln oder roter Bohnenpaste. Die besondere Atmosphäre dieser Strasse hat sich über die Jahrhunderte hinweg bis heute erhalten.

Kashiya Yokocho - die Süßigkeitenstrasse

Kashiya Yokocho – die Süßigkeitenstrasse

Kumagaya, der nächste Stopp auf der Route, liegt ebenfalls in der Präfektur Saitama und ist der Ausgangspunkt der Chichibu-Hauptlinie, mit der man in die idyllischen, ländlichen Gebiete von Nagatoro , Wadokuroya, Chichibu und Mitsumineguchi gelangt. Diese Gegenden sind allesamt von historischer Bedeutung, haben ihre ganz eigene Geschichte und sind ideal, um dem Trubel von Tokyo zu entkommen und in den Bergen zu wandern oder zu spazieren.

Der nächste Halt ist Takasaki in der Präfektur Gunma und weniger als eine Stunde vom Bahnhof Tokyo entfernt. Takasaki ist die Hauptproduktionsstätte für Daruma-Figuren in Japan. Diese possierlichen, buddhistischen Glücksbringer gibt es in allen erdenklichen Farben, Formen und Größen. Einfach einen Daruma im Jiganin-Tempel in Takasaki erstehen, und schon erfüllt sich ein Wunsch, wenn man wieder zurück in der Heimat ist. Ebenfalls in Takasaki befindet sich der Byakue-Kannon (eine weißgewandete, buddhistische Göttin) – eine riesengroße Buddhastatue im Kannon’yama-Bezirk südwestlich des Bahnhofs. Die Statue ist mit über 40 Metern eine der größten Buddhastatuen Japans und allein deshalb einen Besuch wert.

Gunma – Kusatsu

Kusatsu Onsen: Copyright: JapanVisitor.com

Kusatsu Onsen: ©JapanVisitor.com

Von Takasaki aus kann man leicht Kusatsu Onsen erreichen – ein sehr beliebter Kurort mit vielen heißen Quellen. Genauer gesagt ist Kusatsu Onsen eines der “Nihon Sanmeisen” – die berühmtesten 3 japanischen Kurorte mit heißen Quellen. Die anderen beiden Kurorte sind Arima Onsen in der Präfektur Hyogo sowie Gero Onsen in der Präfektur Gifu.

Yumomi-Tanz

Yumomi-Tanz

In diesem Ort sollte man auf keinen Fall den Yumomi-Tanz, aufgeführt im Netsu-no-yu-Badehaus, verpassen. Bei diesen besonderen Aufführungen singen die Tänzerinnen japanische Volkslieder, während sie mit langen Holzbrettern um das heiße Quellenbad tanzen. Diese Prozedur dient dazu, mit Hilfe der Bretter das Wasser so zu rühren, dass es sich etwas abkühlt. Ausgewählte Besucher werden dabei zum Mitmachen animiert – man sollte also besser zum Tanzen gewappnet sein! Die Aufführungszeiten kann man einem Aushang am Eingang des Netsu-no-yu-Badehauses entnehmen.

Kusatsu Onsen Sainokawara

Kusatsu Onsen Sainokawara

Kusatsu Onsen hält den Landesrekord wenn es um den Ausstoß der heißen Quellen geht, und zog so schon seit der Edo-Zeit viele Besucher an. Es wird geschätzt, dass pro Stunde rund 32’000 Liter heißen Wassers aus dem Untergrund sprudeln – damit könnte man jeden Tag 18,5 olympische Schwimmbäder mit heißem Wasser füllen.

Das heiße Wasser in Kusatsu Onsen ist reich an Schwefel, Eisen, Alaunen, Aluminiumsulfaten, Chloriden und Arsen – alles natürlich in für Menschen unbedenklichen Konzentrationen (vom Trinken des Wassers sollte man jedoch trotzdem unter allen Umständen absehen!) Die Quellaustrittstemperatur liegt zwischen 60 und 67 Grad Celsius. Die mineralische Zusammensetzung sorgt für eine antibakterielle Wirkung, so dass das heiße Quellwasser eine Vielzahl von Beschwerden lindern helfen kann – allen voran Arthritis, Diabetes, Erschöpfung, Arteriosklerose, Bluthochdruck, Verbrennungen und Muskelstörungen.

Der “langsame” Shinkansen auf der Route hält als nächstes in Iiyama (Nagano), Joetsumyoko (Niigata), Itoigawa (Niigata) und Kurobe-Unazukionsen (Toyama). Wir befinden uns jetzt im “Schneeland”, und von Iiyama aus kann man sehr bequem das Nozawa Onsen Ski-Gebiet erreichen.

Die Joetsumyoko-Gegend ist berühmt für viel Schnee, Sake und Lachs, und Itoigawa ist dafür berühmt, dass die Japanischen Alpen hier auf das Meer treffen. Der Itoigawa Global Geopark umfasst eine hervorragende Gegend mit sehr schöner Natur und ist vor allem für seine Kieselstrände sowie Jadevorkommen berühmt. Kurobe-Unazuki Onsen wiederum ist das ideale Sprungbrett zu einer der idyllischsten Landschaften Japans – dem Kurobe-Tal, einer tiefen Schlucht in den Nördlichen Japanischen Alpen – bekannt vor allem für die außergewöhnlichen Herbstfarben. Empfehlenswert ist in erster Linie eine Fahrt mit der 20 km langen Kurobe-Schlucht-Eisenbahn, die dereinst für den Bau des über dem Tal thronenden, gleichnamigen Staudamms (seines Zeichens mit 186 Meter der höchste Staudamm Japans) angelegt wurde. Die Strecke verläuft von Unazuki Onsen bis Keyakidaira und passiert dabei etliche Tunnel und Brücken, wobei letztere einen spektakulären Blick über die Schlucht offenbaren.

Niigata – Itoigawa

Der nächste Halt mit dem langsameren Hokuriku-Shinkansen ist Itoigawa, eine kleine Stadt am Japanischen Meer, die vor allem für ihren geologischen Fundus berühmt ist. Dank des geologischen Reichtums wurde Itoigawa das erste Mitglied des japanischen Geopark-Netzwerks sowie auch des weltweiten Geopark-Netzwerks.

Itoigawa-Onsen

Itoigawa-Onsen

Zu den geologischen Schätzen gehört der 1’188 Meter hohe Berg Myojo, der aus uralten Korallenriffen besteht und somit zahlreiche Fossilien enthält. Die 450 Meter hohe Kalksteinwand am selben Berg ist beliebt bei Felskletterern aus dem In- und Ausland. Vom nahegelegenen See Takanami-no-ike hat man einen schönen Blick auf den Myojo. Der Legende nach lebt in diesem 540 Meter hoch gelegenen See ein riesiger Fisch mit dem Namen Namitaro.

Takaname-no-ike Teich

Takaname-no-ike Teich

Die Gegend beginnt auf Meeresspiegelhöhe, entlang der Küste, und steigt schliesslich bis zum 2’766 Meter hohen Berg Korenge an. Im Ort Renge Onsen auf 1’475 Meter Höhe findet man zahlreiche heiße Quellenbäder im Freien, von denen man eine einmalige Sicht auf die umliegenden Berggipfel hat. Das aus dem Berg hervorquellende, kochend heiße Wasser wird dabei von Dampfwolken begleitet.

Itoigawa ist auch in ganz Japan für Jade bekannt. Vor allem die Kotakigawa-Schlucht am Fuße des Myojo enthält größere Vorkommen des wertvollen Gesteins. Neben Jade wurden noch weitere Bodenschätze abgebaut, so unter anderem Kohle in der Kotaki-Kohlegrube und Gold in der Hashidate-Goldmine. Während der Edo-Zeit markierte Itoigawa zudem den Beginn der “Salzstrasse”, auf der Meeressalz vom Japanischen Meer bis nach Edo, dem heutigen Tokyo, transportiert wurde.

Hisui-en-Garten

Hisui-en-Garten

Jade ist auch das bestimmende Thema im wunderschönen Hisui-en (wörtlich: Jadegarten), einem modernen japanischen Garten, der Jadeit-Felsen mit den umliegenden Bergen als “geborgte Landschaft” paart. Hisui-en eröffnete im Jahr 1978, ist 1,7 Hektar groß und beinhaltet drei Wasserfälle, einen Pinienhain, einen Teich sowie unzählige Steine und Felsbrocken mit Jadeeinschlüssen. Besucher können sich hier bei einer leichten Mahlzeit an einem Jadetisch erholen und dabei den Anblick des Gartens sowie der umliegenden Berge geniessen.

Unweit des Jadegartens befindet sich der 1981 eröffnete Gyokusui-en, der ebenfalls zu einem schönen Parkspaziergang einlädt. Hier wird der Besucher am Eingang von einer 8 Meter großen Buddhastatue begrüßt.

Quasi gleich nebenan steht die eindrucksvolle Tanimura-Kunstgalerie, entworfen von Togo Murano, welche unter anderem 10 exquisite, von Sawada Seiko erschaffene Buddhastatuen zur Schau stellt.

Alle drei Sehenswürdigkeiten – Hisui-en, Gyokusui-en und die Tanimura-Kunstgalerie, können mit einer einzigen Kombi-Eingrittskarte besucht werden und sind nur einen kurzen Spaziergang vom Südausgang des Bahnhofs von Itoigawa entfernt.

Toyama- Gokayama

Zuiryuji-Tempel

Zuiryuji-Tempel

Die nächste Station nach Toyama auf der Hokuriku-Route ist Shin-Takaoka, von wo aus man sehr schnell den vorzüglichen Zuiryuji-Tempel erreichen kann – ein großer und sehr stattlicher Soto-Zen-Tempel aus der Edo-Zeit, der vor allem für seine langen Holzkorridore – ein Unikum in der japanischen Tempelarchitektur – bekannt ist. Takaoka wartet auch mit einem angenehmen Burgpark sowie dem symbolhaften Daibutsu, einer Buddha-Statue, die 1933 aus Kupfer gegossen wurde, auf. Sowohl von Shin-Takaoka als auch vom Bahnhof Takaoka fahren Busse direkt bis zum UNESCO-Weltkulturerbe Gokayama, welches vor allem für seine gassho-zukuri (“betende Hände”)-Häuser berühmt ist. Diese großen, schilfbedeckten Bauernhäuser mit A-förmigem Aufbau findet man vor allem in den Dörfern Suganuma und Ainokura, direkt am Fuße des Berges Gokayama.

Gokayama

Gokayama

Sowohl die Dörfer von Shirakawa-go in der Präfektur Gifu als auch die Dörfer von Gokayama in der Präfektur Toyama sind als UNESCO-Weltkulturerbe eingetragen. Beide Gegenden liegen im Einzugsbereich des Sho-Flusses in der Region Hietsu, doch während Shirakawa-go am Oberlauf liegt, befindet sich Gokayama am Mittellauf.

Suganuma liegt 15 km nördlich von Ogimachi in wunderschöner Lage in einer Schlaufe des Sho-Flusses, der hier durch die Hügellandschaft mäandert. Das Dorf besteht aus 14 gassho-zukuri-Bauernhäusern, wobei das älteste in der jetzigen Form bereits seit 1830, der späten Edo-Zeit, dort steht. Die neueren Bauernhäuser stammen aus den Jahren um 1925. Im Dorf findet man auch den Jishu-jinja, ein kleiner Shinto-Schrein.

Ainokura, 4 Kilometer nördlich von Kaminashi und 10 km nördlich von Suganuma, ist ein weiteres wunderschön gelegenes Dorf mit insgesamt 23 gassho-zukuri-Bauernhäusern, einem kleinen Schrein und einem Tempel. Durch das Dorf verlaufen Steinmauern und kleine Haine, die Gemüse- und andere Felder vor den schweren Schneefällen im Winter schützen sollen.

Die gassho-zukuri-Bauernhäuser rund um den Gokayama haben aus gutem Grund steilere Dächer als baugleiche Häuser in Shirakawa-go, denn hier sind die Schneefälle weitaus heftiger.

Die Gegend um den Gokayama ist auch für seine seit vielen Generationen mündlich überlieferten Volkslieder bekannt. Sowohl Suganuma als auch Ainokura sind besonders im Frühjahr, während der Kirschblüte, sowie im Herbst, während der Färbung Herbstlaubes empfehlenswert.

Kanazawa – Kenrokuen

Kenrokuen

Kenrokuen

Kanazawa in der Präfektur Ishikawa ist derzeit die Endstation des Tohoku-Shinkansen. Die Stadt steckt voller angenehmer Überraschungen, und die beginnen bereits direkt am Hauptbahnhof von Kanazawa, welcher durch seine einmalige Architektur besticht und damit nicht nur als einer der schönsten Bahnhöfe Japans, sondern sogar als einer der 10 schönsten Bahnhöfe der Welt betrachtet wird. Die Hauptsehenswürdigkeit von Kanazawa ist jedoch der Kenrokuen, einer der “drei berühmten Gärten” (die anderen beiden sind der Korakuen in Okayama sowie der Kairakuen in Mito).

Wörtlich übersetzt bedeutet der Name Kenrokuen “Garten der sechs Erhabenheiten” beziehungsweise “Garten, der die sechs Aspekte eines perfekten Gartens zusammenfasst”. Dies bezieht sich auf die sechs Eigenschaften, die Chinesen im Altertum als essentiell für einen idealen Garten hielten: Geräumigkeit und Abgeschiedenheit, Kunstfertigkeit und Altertümlichkeit, Wasserwege und Panoramas. Es gibt nur wenige Gärten, die all diese Eigenschaften miteinander vereinen, und so sind die Bewohner von Kanazawa besonders stolz auf ihren Garten.

Der Kenrokuen ist mit über 11 Hektar sehr groß, so dass man, obwohl der Garten einer der beliebtesten Ausflugsziele Japans ist, immer eine ruhige Ecke für sich selbst finden kann. Die besten Plätze im Garten, um sich etwas zurückzuziehen, sind zwei kleine Hügel. Ein Hügel heisst Yamazaki-yama und befindet sich im hinteren Teil des Kenrokuen. Um vom Eingang dorthin zu gelangen, läuft man einfach am Teich Kasumigaike vorbei und immer geradeaus.

Am Yamazaki-yama steht ein liebenswerter kleiner Unterstand nebst Bank (sehr nützlich, wenn es regnet), von wo aus man durch die Bäume hindurch nach unten schauen kann. Den zweiten Hügel, genannt Sazaeyama, erreicht man über einen gewundenen Pfad, der am Uchihashitei (Teehaus) vorbeiführt. Nur wenige Besucher machen sich die Mühe, den Pfad hochzuklettern, und so hat man in der Regel einen ungestörten Blick über den Teich, das Teehaus und die Kotoji-toro-Steinlaternen am äußersten Ende des Teiches. Im Winter, wenn die meisten Bäume vom Laub befreit sind, kann man bis zum Fluss und ins Zentrum der Stadt Kanazawa sehen. Die einzigen Menschen, die man in dieser Ecke des Gartens findet, sind normalerweise Maler oder Besucher, die einfach nur friedlich vor sich hin sinnieren wollen.

Kenrokuen Kanazawa-Festung

Kenrokuen Kanazawa-Festung

Gleich in der Nähe des Gartens steht die Burg von Kanazawa, ihres Zeichens einst der Machtsitz des örtlichen Maeda-Clans (die Maeda-Familie stellte die Daimyo, also die Erbherrscher, der hiesigen, einst Kaga genannten Provinz, seit 1583). Kanazawa ist ausserdem noch berühmt für seine Töpferwaren, Lackprodukte sowie Kimonofärberei.

Museum für Zeitgenössische Kunst des 21. Jahrhunderts

Museum für Zeitgenössische Kunst des 21. Jahrhunderts

Kanazawa ist jedoch nicht nur ein Ort für das Alte und Traditionelle. Das Museum für Zeitgenössische Kunst des 21. Jahrhunderts ist ein schöner, flacher, runder Glasbau, entworfen von den Architekten Kazuyo Sejima und Ryue Nishizawa, in dem zeitgenössische Kunst sowie Ausstellungen und Installationen aus aller Welt gezeigt werden. Allein das Bauwerk hat zahlreiche Preise im In- und Ausland für sein atemberaubendes, modernes Design gewonnen. Das Museum stellt nicht nur in- und ausländische Kunstwerke aus, sondern veranstaltet auch themenbezogene Ausstellungen aus den Bereichen Film, Musik und Performance.

Die Liste der Künstler, die im Museum für Zeitgenössische Kunst des 21. Jahrhunderts ausgestellt haben, ist lang und beinhaltet bedeutende Namen wie Kasuma Yayoi, Damien Hirst, Anish Kapoor und Runa Islam. Die Hausregel des Museums besagt, dass hauptsächlich Werke angeschafft werden sollen, die nach 1980 entstanden sind und “neue Werte vermitteln”.

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Opposition im Kampf wider die Mehrarbeit

Januar 16th, 2016 | Tagged , | 4 Kommentare | 454 mal gelesen

Katsuya Okada 2010 in Honolulu. Quelle: Wikipedia.

Katsuya Okada 2010 in Honolulu. Quelle: Wikipedia.

Katsuya Okada, Chef der oppositionellen Demokratischen Partei, machte heute einen interessanten Gesetzesvorschlag: Unbezahlte Überstunden (sogenannte サービス残業) sollen demnach verboten werden, die Zahl der Wochenstunden soll durch eine Obergrenze reguliert werden sowie die Zeit zwischen zwei Arbeitsschichten soll durch eine gesetzlich festgelegte Untergrenze definiert werden. Begründung: Die jetzige Arbeitskultur läßt sich so gut wie gar nicht mit dem Familienleben vereinbaren.

Der Vorschlag kommt am gleichen Tag, an dem nahe Karuizawa in der Präfektur Nagano spät in der Nacht ein Bus mit 39 Skiurlaubern verunglückte. 14 Insassen überlebten den Unfall nicht. An der Unfallstelle gab es wohlgemerkt weder Schnee noch Eis. Nur wenige Stunden später fand man jedoch heraus, dass die Busgesellschaft bereits im Visier der Aufsicht war, da man es versäumte, die obligatorischen Gesundheitschecks für die Fahrer durchführen zu lassen. Zudem gab es schon Gerüchte, daß die beiden Fahrer schon seit drei Tagen täglich auf Autobahnen durch die Gegend fuhren, was die Diskussion um die Arbeitszeiten noch weiter anfachen könnte.

Nun ist Okadas Vorschlag natürlich lobenswert, doch leider gibt es da einen kleinen Schönheitsfehler: Okada und seine Partei sind Teil der Opposition, und die hat momentan in Japan absolut gar nichts zu sagen. Von daher wird wahrscheinlich nicht allzu viel passieren.

Passend zum Thema: Vor einer guten Woche erschien in der Online-Ausgabe der Süddeutschen Zeitung der Artikel Im Land des Hechelns, in dem es um die Arbeitsbedingungen für japanische Frauen geht. Von der, nun ja, gewöhnungsbedürftigen Schlagzeile mal abesehen ist der Artikel durchaus lesenswert und spiegelt ganz gut eine recht traurige Realität wieder.

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Die Abe’sche Gehaltsformel oder politische Mathematik

Januar 13th, 2016 | Tagged , | 1 Kommentar | 365 mal gelesen

Ministerpräsident Abe offenbarte letzten Freitag einen interessanten Einblick in politische Mathematik, und zwar auf beängstigende Weise. Im Haushaltsausschuss des Unterhauses ging es am 8. Januar darum, dass die realen Einkommen in letzter Zeit sinken anstelle zu steigen. Diese Feststellung spielt eine wichtige Rolle, will man doch im nächsten Jahr die Mehrwertsteuer von 8 auf 10% erhöhen.

Eine Ursache für den sinkenden Einkommensschnitt ist die Zunahme von Teilzeitarbeitern, ein auch in Japan immer ernster werdendes Problem. Abe bemerkte dazu sinngemäß, dass aufgrund der guten Wirtschaftslage (0,5% Wachstum laut OECD-Schätzung! Alle Achtung!) mehr Menschen Teilzeit arbeiten – und ein Beispiel war auch schon parat: “Wenn ich also 500’000 yen pro Monat verdiene, und nun auch noch meine Frau wegen der guten Wirtschaftslage arbeiten geht und 250’000 yen pro Monat verdient, dann bedeutet das natürlich, dass der Einkommensdurchschnitt sinkt!”

Auf und ab: Japanisches Wirtschaftswachstum. Quelle: http://www.fxstreet.com/analysis/piponomics/2015/10/04/

Auf und ab: Japanisches Wirtschaftswachstum. Quelle: FX Street

So so. Es gab umgehend berechtigte Einwürfe der Opposition: 250,000 yen als Teilzeitarbeiter? Das wären dann ja 1’900 yen pro Stunde! Die Stelle soll er uns erstmal zeigen! Und in der Tat: so etwas gibt es wirklich sehr selten, es sei denn, man ist zum Beispiel Apotheker und kann nur Teilzeit arbeiten. Die Reaktion: Das ganze sei aus dem Zusammenhang gerissen – die 250’000 yen bezogen sich nicht auf Teilzeitarbeit. Um so schlimmer! War etwa Vollzeit gemeint? Mit halbem Gehalt?

Das Gezerre um die Mehrwertsteuererhöhung sowie angedachte Entlastungen für Geringverdiener nimmt sowieso immer groteskere Züge an. So überlegen die regierenden Liberaldemokraten laut, ob sie noch vor diesem Sommer 30’000 yen als Unterstützung – in Bargeld – an Rentner mit geringer Rente “verteilen” sollten oder nicht. Wie praktisch, steht doch ungefähr im Juni (der genaue Termin steht noch nicht fest) die nächste grössere Wahl an. Bis dahin gibt es sicherlich noch viele andere lustige Ideen.

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Possierliches: Der unterdrückte Toilettengruß

Januar 8th, 2016 | Tagged | Kein Kommentar bisher | 440 mal gelesen

Bevor wir uns wieder den harten Themen zuwenden, wie zum Beispiel nordkoreanischen Wasserstoffbomben, chinesischen Börsencrashs oder opulenten Vorwahlgeschenken in Japan, kann ich es mir nicht verkneifen, dieses Photo zu teilen. Aufgenommen im örtlichen Elektronikmarkt, aber in dieser Form auch an vielen Orten anzutreffen. Das Schild klebt dort über dem hiesigen Stehpissoir und besagt, dass die Angestellten ebenfalls die gleichen Toiletten benutzen.

Unterdrückte Höflichkeit: Auf diesem Klo wird nicht gegrüsst!

Unterdrückte Höflichkeit: Auf diesem Klo wird nicht gegrüsst!

So weit, so gut. Darunter steht dann jedoch auch noch, dass die Angestellten auf dem Lokus davon absehen, Kunden zu grüssen. Der Gedanke hat sich mir sofort ins Gehirn gebrannt: Da steht man also, am Pissoir, und der Nebenmann, ebenfalls beschäftigt, schaut zur Seite und schmettert sein fröhliches Irasshaimase (Willkommen) raus. Das wäre doch mal was. Als Kunde muss man zum Glück darauf nicht antworten, aber man kann sich gut vorstellen, warum es diese Schilder überhaupt gibt: Wahrscheinlich hat sich irgendwann mal ein Schnösel darüber beschwert, nicht vom Angestellten lauthals begrüßt worden zu sein. Wundern würde mich das jedenfalls nicht.

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