Beitrag #1000: Japanische Dialekte

August 30th, 2016 | Tagged | 1 Kommentar | 260 mal gelesen

​Neulich bin ich über einen interessanten Artikel gestolpert, der anhand von Karten darstellt, wo in Japan welche Begriffe für ein und die gleiche Sache benutzt werden. Die Idee ist nicht neu – in Deutschland gibt es ja zum Beispiel auch einen schönen Atlas der deutschen Sprache, der sich ausführlich und anschaulich mit dem Thema beschäftigt. Und für einen sprachinteressierten Geographen ist so etwas natürlich faszinierend.
Zwar leben in Japan fast nur Japaner, aber natürlich haben sich auch in Japan Dialekte herausgebildet. Wenn man Japanern erklärt, das es so etwas auch in Deutschland gibt, reagieren die meisten mit grösstem Erstaunen – allerdings nur aufgrund von purer Unwissenheit. Natürlich gibt es in Deutschland auch Dialekte. Selbst in den USA, obwohl das Englische dort vielerorts erst vor gut 300 Jahren wirklich Fuss fasste, gibt es ja schliesslich Dialekte. Und je abgeschiedener die Gegend, desto höher die Varianten.

Wer sich sagen wir mal über 20 Stunden ernsthaft mit Japan beschäftigt, stösst als erstes auf den berühmt-berüchtigten Kansai-Dialekt, gesprochen im Großraum Osaka und berüchtigt deshalb, weil man ihn am ehesten mit der (Rand)berliner Schnauze vergleichen kann. Die Schnoddrigkeit ist teilweise auch die Ursache dafür, dass die meisten japanischen Komiker aus der Gegend kommen und den Kansai-Dialekt sprechen – ob sie zu Hause sind oder in Tokyo leben, ist egal. Den Dialekt kann man nur schwer ablegen, und die meisten Kansai-Dialekt-Sprecher sind auch stolz darauf und denken gar nicht daran, Hochjapanisch zu sprechen. Manchmal verraten sich die Leute auch durch scheinbar unverfängliche Floskeln in Emails zum Beispiel: Schreibt jemand zum Beispiel die in andere Sprachen nur schwer übersetzbare, obligatorische Höflichkeitsfloskel „〜お世話になっております。“ (osewa ni natte orimasu – sinngemäss in etwa „Vielen Dank für Ihre stetige Unterstützung“ und setzt dem ganzen ein „毎度“ (maido = immer) davor, kann man recht sicher sein, dass der Verfasser ursprünglich aus Kansai stammt (in Tokyo schreibt man eher „いつも“ – das bedeutet auch „immer“).

Als nächstes werden die meisten auf den Tsugaru-Dialekt treffen – jener wird hoch im Norden der Insel Honshu gesprochen, und er verdient den Namen Dialekt wahrhaftig: Während man beim Kansai-Dialekt noch das meiste mitbekommt, ist man beim echten Tsugaru-Dialekt verloren. Viele Wörter sind völlig anders oder existieren so im Japanischen gar nicht (zum Beispiel „azumashii“ – das bedeutet in etwa „gemütlich“ und kann nicht 1:1 ins Japanische übertragen werden), und die Intonation ist auch anders als im Standardjapanisch. Das gilt auch für die meisten anderen Tohoku-Dialekte (Tohoku ist der Nordosten Japans, ohne Hokkaido wohlgemerkt, das aufgrund der jungen Besiedlungsgeschichte relativ dialektfrei ist).

Auch im Süden geht es dialektmässig hoch her – auf Okinawa zum Beispiel, das ja bis ins 19. Jahrhundert hinein nicht einmal zu Japan gehörte. Auf jeder Insel entwickelte sich so ein eigener Dialekt. Und damit das ganze auch noch richtig Spass macht, wirft man auch noch das eine oder andere Schriftzeichen mit rein, damit es auch niemand lesen kann. Auf die Idee, das man 美ら海 als „Churaumi“ lesen muss, kann man auch mit noch so umfangreichen Schriftzeichenwissen einfach nicht kommen (immerhin stimmt aber die Bedeutung: schönes Meer).
Es sind jedoch nicht nur die einfachen Wörter oder die Betonung, die oftmals die Herkunft des Sprechers verraten. Auch die Endungen, meist nur eine oder zwei Silben, sind von Gegend zu Gegend verschieden. Manchmal bedeuten die Silben dann auch etwas völlig anderes, und das verwirrt natürlich.

Verbreitung der Partikel "da", "ya" und "ja" in Japan (Quelle: Wikipedia)

Verbreitung der Partikel „da“, „ya“ und „ja“ in Japan (Quelle: Wikipedia)

Am oben verlinkten Artikel ist die Wahl der Wörter interessant. Eines der 5 untersuchten Wörter ist „Pflaster“, und da ist es schon seltsam, wie sich in den verschiedenen Gegenden so unterschiedliche Wörter festgesetzt haben. Auch das Wort, dass man benutzt, um Unwohlsein auszudrücken, ist interessant. So benutzt man im Norden das Wort „こわい“ (kowai), das eigentlich „furchtbar“ bedeutet – in der Mitte hingegen „えらい“ (erai), was eigentlich „klug“ oder „fleissig“ bedeutet. Die verschiedenen Begriffe für „Gerstenkorn“ (die Entzündung im Auge) sind auch witzig: So bezeichnet man dieses eigentlich „monomorai“ genannte Gerstenkorn in Kumamoto als Ohime-san (Prinzesschen) oder in Saga als „おきゃくさん“ (Gast).

Was in Japan auffällt, ist die Tatsache, dass man sich kaum über die Dialekte anderer lustig macht – in Deutschland immerhin beinahe so etwas wie ein Volkssport. Aber der Humor ist eben ein anderer.

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Schlechtes Omen? Japan von Taifunen regelrecht überrannt

August 25th, 2016 | Tagged , | 3 Kommentare | 617 mal gelesen

Taifune im Dreierpack (22. August 2016)

Taifune im Dreierpack (22. August 2016)

Normalerweise erlebt man im Raum Tokyo ein bis zwei Mal, manchmal auch überhaupt nicht, einen Taifun. Freunde dieser beeindruckenden Naturphänomene kommen allerdings dieses Jahr vermehrt auf ihre Kosten, und die Fakten sind besorgniserregend. So beginnt die Hauptsaison für Taifune eigentlich im September, doch dieses Jahr geht es schon seit Anfang August hoch her. Normalerweise liegt die Kinderstube der Taifune sehr weit südlich, in der Nähe der Marianen, doch dieses Jahr hat sich das Entstehungsgebiet sehr stark nach Norden verschoben und lag bei einigen Taifunen (10 sind es insgesamt bisher) sogar in japanischem Hoheitsgebiet, ein paar hundert Kilometer südlich von Honshu und Shikoku. Und normalerweise hat man es mit nur einem Taifun auf ein Mal zu tun – in sehr wenigen Jahren manchmal auch mit zweien kurz hintereinander. Doch in der vergangenen Woche bewegten sich gleich drei Taifune auf ein Mal durch Japan. Einer davon ist am Montag direkt bei Tokyo an Land gegangen, aber er verlief recht glimpflich – rund 100 mm Regen (ein Fünftel der Jahresmenge in Berlin) fielen innerhalb von drei Stunden, aber der Sturm hielt sich in Grenzen. Der dritte Taifun im Bunde, Taifun Numero 10 mit dem Namen Lionrock, wird jedoch womöglich noch für viel Aufsehen sorgen: Dieser entstand ebenfalls nur wenige hundert Kilometer südlich von Shikoku und bewegte sich eine Woche lang fast nicht von der Stelle – das bekamen auch die Bewohner einiger Inseln in der Präfektur Okinawa zu spüren. Doch jetzt nimmt er plötzlich Fahrt auf und entwickelt sich zu einem Supertaifun mit Windspitzen von bis zu 270 Stundenkilometern. Noch ist die genaue Bahn schwer vorherzusagen, aber sollte dieser Taifun in rund drei Tagen nach Norden drehen, und das ist durchaus wahrscheinlich, wird Tokyo von einem Monstersturm heimgesucht werden (sollte dies der Fall sein, wird dies um den 30. August herum geschehen). Meteorologen bezeichnen ihn schon jetzt als den schwersten Taifun in der Geschichte, der Tokyo direkt bedroht.

Ja, die Taifune haben zugenommen. Aber in diesem Jahr häufen sich sehr bedenkliche, so noch nicht dagewesene Wetterphänomene, die nur eines bedeuten können: Das Meer südlich von Japan muss wesentlich wärmer sein als sonst.

Taifun Lionrock und die berechnete (befürchtete) Route

Ob die Taifune nun direkt einschlagen oder nicht – seit zwei Wochen sorgen sie nun schon im Raum Tokyo für extrem schwüle Luft und urplötzliche, heftige Wolkenbrüche. Wie es aussieht, wird sich das so schnell nicht ändern. Wer also momentan in Japan weilt und womöglich in den Bergen nach etwas kühlerer Luft sucht, sollte sich auf jeden Fall täglich kundig machen, denn in den Bergen werden Taifune und deren Ausläufer zu einer echten Gefahr.

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Olympische Spiele: Freudige Erregung und ein Mario-Abe

August 23rd, 2016 | Tagged , | Kein Kommentar bisher | 454 mal gelesen

Unkenrufen zum Trotz fanden die Olympischen Spiele nun doch statt, und vor allem in Japan schaute man dieses Mal besonders aufmerksam hin – schliesslich ist Japan als nächstes dran (und es gibt noch viel zu tun – man weiss zum Beispiel noch nicht einmal, wie viel der Spass eigentlich kosten wird). Und Japan hat in den vergangenen Jahren scheinbar einiges richtig gemacht bei der Sportförderung, denn mit 41 Medaillen gab es so viel Edelmetall wie nie zuvor. Darunter gab es auch echte Überraschungen, denn niemand hätte zum Beispiel den japanischen Sprinter bei der 4×100-Meter-Staffel der Herren zugetraut, aufs Podest zu gelangen – doch ein nahezu perfektes Zusammenspiel der als Einzelläufer weniger erfolgreichen vier sorgte für eine sensationelle Silbermedaille. Einer der vier ist zudem ein „half“, also ein Halbjapaner, mit dem ganz klar unjapanischen Namen Cambridge – und der sorgte wahrscheinlich gleichzeitig mit dafür, dass sich noch mehr Japaner mit dem Gedanken anfreundeten, dass „half“ nicht unbedingt halbe Menschen sind sondern mitunter Japaner wie Du und … nein, nicht ich.

Abe-Mario bei der Abschlusszeremonie

Abe-Mario bei der Abschlusszeremonie

Ministerpräsident Abes Auftritt als Super Mario während der Schlusszeremonie sorgte nun für zahlreiche Reaktionen in den japanischen sozialen Netzwerken. Wie zu erwarten ist alles dabei: Von der Häme bis zur Bewunderung. Der Auftritt deutete auch an, mit welchem Pfund Japan bei den Olympischen Spielen 2020 in Tokyo wuchern wird. Selbst hochbetagte Funktionäre sind sich einig, dass aus dem Geek-Image Japans viel Kapital zu schlagen ist, und warum auch nicht: Eine Nation, die für ihre Videospiele und ausgefallenen Ideen bekannt ist? Es gäbe schlimmeres. In dem Sinne darf man schon mal auf die Eröffnungszeremonie in Tokyo gespannt sein. Das sind zwar noch vier Jahre hin, aber wie sich bei allen Olympischen Spielen herausstellt, ist das eine sehr kurze Zeit, um alles fertigzustellen. Fast so wie Weihnachten, dass ja auch jedes Jahr ganz plötzlich und unverhofft vor der Tür steht.

Unter dem Hashtag #安倍マリオ tauchte übrigens das untere Bild heute auf – mit dem Titel „首相、よく間違えなかったな。“ – „Ministerpräsident, Glück gehabt dass Du Dich nicht verlaufen hast!“ (zur Auswahl stehen die Ministerpräsidentenresidenz, Rio und der Yasukuni-Schrein):

Abe-Mario: Zum Glück nicht verlaufen!

Abe-Mario: Zum Glück nicht verlaufen!

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Was Japaner so über das Ausland denken

August 18th, 2016 | Tagged | 8 Kommentare | 709 mal gelesen

Heute bin ich zufällig über ein Video gestolpert, in dem wahllos Japaner ganz normal und unaufgeregt über ihre Auslandserfahrungen sprechen – wo sie waren, was sie als positiv und was sie als negativ empfunden haben. Für Japanischlernende ist dieses Video übrigens eine gute Sprachübung.

Neues kam dabei nicht raus – nicht für mich zumindest – aber man ertappt sich nach mehr als über einem Jahrzehnt in Japan dabei, die Seiten zu wechseln. Erst recht, wenn man selten nach Hause fliegt und gerade erst wieder da war. Doch eine Sache bleibt mir nach wie vor ein Rätsel: Ich habe nun schon von unzähligen Japanern zu hören bekommen, dass es in Europa zum Beispiel anders riecht, und das ist nicht positiv gemeint. Viele Japaner denken, dass Ausländer stärker riechen. Sicher, echte Stinkbomben trifft man in Japan weniger häufig als anderswo, und Japaner baden wahrscheinlich wirklich häufiger und ausgiebiger als andere Nationen. Die Behauptung aber, dass viele Ausländer unangenehm riechen, konnte und kann ich jedenfalls so nicht teilen.

Beschwerden über das Essen oder die mangelnde Sicherheit in den Strassen (in Barcelona haben sich innerhalb von fünf Tagen gleich zwei Mal Trickbetrüger um mein Geld bemüht – ging jedoch beide Male zum Glück glimpflich aus) sowie über unverlässliche Eisenbahnen sind weitgehend bekannt; auch die positiven Erfahrungen über nette Menschen, stärkere Familienbunde usw. sind so häufig zu hören.
Was denken Japaner über Ausländer?

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Einmal als Mario im Go-kart durch Tokyo fahren

August 16th, 2016 | Tagged , | 2 Kommentare | 411 mal gelesen

​Heute nachmittag habe ich an einer grossen Kreuzung in Shibuya einen triftigen Grund gesehen, endlich mal die Fahrerlaubnis zu machen: An der Ampel warteten vier Go-karts, mit als Mario und Konsorten kostümierten Fahrern, die offensichtlich sehr viel Spass an der Sache hatten. Deutsch, wie ich bin, war ich natürlich erstmal perplex, dass man mit den Dingern ganz normal im Strassenverkehr mitmischen darf, denn die Vehikel liegen so tief, dass schnell mal ein Bus- oder LKW-Fahrer die Dinger übersieht, und das Ergebnis dürfte klar sein. Erstmal dachte ich auch an den Batman-Fahrer in Chiba, aber ein genauer Blick auf die Karren machte deutlich, dass sich jedermann die Dinger ausleihen kann. Vorausgesetzt natürlich, man hat einen japanischen oder einen in Japan anerkannten Führerschein.

Im Go-kart durch Tokyo

Im Go-kart durch Tokyo

Ich bin zwar kein Mariospieler, aber ich könnte mir gut vorstellen, dass es ein Riesengaudi sein muss, mit den Dingern durch Tokyo zu flitzen. Das geht entweder im Pulk und mit Führung oder auch allein. Die auf der Webseite inserierten Preise klingen jedenfalls vernünftig: 8,000 yen für 2 Stunden, inkl. Benzin, klingen zivil. Wer sich einen Mariobart dazu ausleihen möchte, muss noch 250 yen pro Stunde draufzahlen, aber der Spass ist es sicherlich wert. Man konnte auch sehen, dass die meisten Menschen, die die Gefährte bemerkten, schnell ein Lächln auf den Lippen hatten. Und für 8,000 yen Tausenden Menschen ein Lächeln auf die Lippen zu zaubern klingt nach einer guten Idee. Das funktioniert übrigens auch mit dem Fahrradhelm vom Sohnemann:

Fahhradhelm mit Iro

Fahhradhelm mit Iro

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Schachspiel im Fernen Osten: Man formiert sich

August 12th, 2016 | Tagged , | 2 Kommentare | 527 mal gelesen

Japanische Selbstverteidigungskräfte. Quelle: Wikimedia Commons/ 治部少輔

Japanische Selbstverteidigungskräfte. Quelle: Wikimedia Commons/ 治部少輔

In den frühen Morgenstunden des 11. August kam es unweit der Senkaku-Inseln zu einem Zusammenstoss zwischen einem chinesischen Fischkutter und einem griechischen Frachter: Das Fischerboot sank, und der Frachter rief die japanische Küstenwache zur Hilfe: Die fischte soweit 6 von insgesamt 14 Besatzungsmitgliedern lebend aus dem Wasser, woraufhin die Regierung in Peking ein paar Stunden später ihre Dankbarkeit ausdrückte¹.

Harmonie im Fernen Osten? Mitnichten. Am 2. August erschien das alljährlich veröffentlichte japanische Weissbuch der Verteidigung 2016², und der ist dieses Jahr mit 484 Seiten 60 Seiten dicker als im vergangenen Jahr. Kein Wunder: Nordkorea schiesst noch immer mit Raketen um sich, und die Volksrepublik China macht keinerlei Anzeichen, ihren aggressiven Kurs gegenüber den Nachbarn zu ändern. Von April 2015 bis März 2016 schickte Japan insgesamt 570 mal Kampfflugzeuge in den Himmel, um Luftraumverletzungen durch chinesische Flugzeuge abzuwehren³. Und im Moment schwirrt eine riesige Flotte von 230 Fischerbooten und dutzenden chinesischen Patroullienbooten rund um die eingangs erwähnten, von Japan verwalteten Senkaku-Inseln.

Diese Nachrichten helfen der jetzigen Regierung unter Ministerpräsident Abe – denn die will Japan durch eine Änderung der Verfassung wehrhafter machen (ein fadenscheiniges Argument, denn natürlich kann sich Japan auch jetzt, ohne Verfassungsänderung, wehren). Doch man macht sich ernsthaft Sorgen und beginnt, für den Fall der Fälle vorzubereiten: Durch militärische Bündnisse mit Australien, Vietnam und den Philippinen zum Beispiel, oder mit dem Versuch, ein altes Kriegsbeil zwischen Südkorea und Japan (Trostfrauenproblem) zu begraben. Am wichtigsten bleibt jedoch das Bündnis mit der Schutzmacht USA – doch auch hier ist man besorgt; hat doch der republikanische Traumkandidat Trump bereits angedeutet, dass Japan entweder wesentlich mehr zahlen oder sich gefälligst langsam selbst schützen solle (“Of course they should pick up all the expense. Why are we paying for this?”) – eine Forderung, die der japanischen Bevölkerung nur schwer vermittelbar sein dürfte.

¹ Siehe unter anderem Japan Times (Englisch)
² Siehe unter anderem The Diplomat (Englisch)
³ Siehe unter anderem Al Jazeera (Englisch)

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Japanisches Essen in Deutschland – Coco Genki

August 8th, 2016 | Tagged , | 3 Kommentare | 548 mal gelesen

Morgen geht es nach fast drei Wochen Europa wieder zurück nach Japanistan — und eine Erkenntnis, die ich dieses Mal aus Deutschland mitnehme, ist die, dass sich die japanische Küche in Deutschland rasend schnell auszubreiten scheint. Plötzlich sehe ich überall Sushi, aber auch Udon und Co. scheinen sich mehr und mehr auszubreiten. Das ist schön, denn es kann nicht schaden, die japanische Küche zu kennen. Heute hatte ich zudem bei einem Berlinbummel die Gelegenheit, das Restaurant einer guten Freundin zu besuchen: Das Coco Genki in Berlin Mitte. Die Co-Betreiberin Noriko kenne ich seit 1995, und ich habe sie seit wahrscheinlich 10 Jahren (oder so) nicht mehr gesehen. Nun, heute stand ich ungefragt und unangemeldet vor dem Restaurant, und siehe da — es war geschlossen. Wie es sich aber für einen gewissenhaften Restaurantbetreiber gehört, war sie trotzdem da.

Coco Genki in Berlin Mitte

Coco Genki in Berlin Mitte

Im Coco Genki (ein etwas verwortspielter Name – „coco“ (bzw. im Japanischen koko) kann „hier“ bedeuten, „genki“ bedeutet gesund. Es geht weniger um Sushi sondern um gesunde, und nur zu einem gewissen Teil japanische Küche. Auf jeden Fall ein schönes Lokal in schöner Umgebung, direkt an der U-Bahn-Station Märkisches Museum (Linie U2). Die genauen Koordinaten:

Bistro Cafe COCO GENKI
Wallstr.36 10179 Berlin
Tel: 030-548272-73
URL: facebook.com/cocogenki.berlin

Und wo wir gerade beim Thema asiatisches Essen sind: Erfreut habe ich auch zwei Mal feststellen dürfen, dass es nun auch hervorragendes vietnamesisches Essen in Deutschland gibt. Bzw. in Berlin und Umgebung. Zum Beispiel das Cowei (James-Simon-Park 152, 10178 Berlin) – das mit vietnamesischen und japanischen Spezialitäten aufwartet. Ich hatte keine Lust, dort japanisches Essen zu probieren, aber das vietnamesische Essen dort war reichlich schmackhaft – und nicht mal allzu teuer.

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Sag mir wo die Japaner sind…

Juli 30th, 2016 | Tagged , | 13 Kommentare | 811 mal gelesen

Ein munteres ¡Hola! aus Barcelona… und nur ein kurzer Beitrag am Rande. Seit 8 Tagen bin ich nebst Familie auf Tour – über Doha (Qatar) ging es erst nach Berlin und nun schliesslich nach Barcelona, dessen bekanntester Fussballclub ja auch von Qatar gesponsert wird, womit sich der Kreis wunderbar schliesst.

Was mir bei dieser Reise allerdings von Anfang an auffiel, ist das nahezu vollständige Fehlen japanischer Touristen. Normalerweise sieht man sie überall – vor allem um diese Jahreszeit, denn schliesslich haben in Japan bereits die Ferien begonnen. Doch selbst im Flieger nach Doha waren mehr Ausländer im Flugzeug als Japaner, und weder in Deutschland noch in Barcelona sind mir welche begegnet (mit Ausnahme von zwei Japanern am Bahnhof von Wittenberg), was recht merkwürdig ist. Allerdings habe ich bisher auch keine Koreaner – und nur sehr wenige Chinesen gesehen.

Die Ursache dürfte klar sein. Nachrichten von Terror- und anderen Attacken in Europa mehren sich, und obwohl Europa natürlich sehr gross ist, wird schnell die Assoziation Europa = Terror = Hochgefährlich in den Köpfen implantiert. Selbst meine Geschäftskollegen quittierten meine Nachricht, dass ich nun eine Weile in Europa sein werde, mit einem mitleidsvollen Blick und den Worten „passen Sie bloss auf sich auf!“.

Ewige Baustelle Sagrada Família - so gesehen könnte man den neuen Hauptstadtflughafen BER auch zum UNESCO-Weltkulturerbe erklären!

Ewige Baustelle Sagrada Família – so gesehen könnte man den neuen Hauptstadtflughafen BER auch zum UNESCO-Weltkulturerbe erklären!

Und so bleiben die Touristen aus, werden Geschäftstreffen abgeblasen oder verschoben und so weiter und so fort. Dass einige der Geschehnisse in jüngster Zeit keine Terrorattacken waren sondern einen anderen Hintergrund hatten spielt da kaum eine Rolle, denn in den ersten Schlagzeilen taucht meistens das Wort Terror auf. Ob dahinter ein Fragezeichen stand oder nicht weiss am nächsten Tag niemand mehr. Und dass so etwas auch in Japan vorkommen kann (Sarin-Anschlag der Aum-Sekte, Amoklauf in Akihabara oder das Massaker an den Einwohnern einer Behinderteneinrichtung in Sagamihara vor 4 Tagen mit 19 Toten) scheint auch keine Rolle zu spielen.

Der indirekte wirtschaftliche Verlust für Europa wird enorm sein, und er wird mit jedem Anschlag oder jeder Tat, die nach Anschlag aussieht, wachsen. Mehr Sorge als die Anschläge selbst machen mir jedoch die „Massnahmen“, die danach immer ergriffen werden – greifen sie doch in der Regel tief in das Leben der „Unbescholtenen“ ein. Man denke nur daran, wie unkompliziert das Fliegen vor 2001 war und wie kompliziert es heute ist.

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Pokémon Go überall – nur nicht in Japan. Was ist da los?

Juli 19th, 2016 | Tagged , | 7 Kommentare | 931 mal gelesen

App Store Japan: Lauter Pokemon Go-Guides aber kein Pokemon Go

App Store Japan: Lauter Pokemon Go-Guides aber kein Pokemon Go

Nintendo scheint mit seiner Pokemon-App mal wieder einen besonderen Nerv getroffen zu haben. Wenn man den Fernsehberichten Glauben schenken darf, ist das Spiel ein absoluter Renner – jedenfalls dort, wo es zu haben ist. Und Japan gehört lustigerweise nicht dazu. Und nicht nur das – ein Datum für die Veröffentlichung steht noch nicht einmal fest. Gerüchten zufolge soll es im Juli so weit sein, aber so genau weiss man das scheinbar noch nicht.

Warum die Verspätung? Immerhin ist dies doch Pokemons Heimatland! Nun, zum einen wird vermutet, dass Nintendo noch untersucht, ob das Spiel möglicherweise von den Behörden reguliert werden könnte. Nachrichten von verunfallten Pokemon Go-Spielern im Ausland werden auch in Japan mit grossem Interesse vernommen, und die Idee, dass eine Behörde das Spiel verbietet, ist nicht ganz abwegig: 安全第一 – anzen daiichi (safety first) ist ein in Japan immer und überall wiederholtes Mantra. Ob sich mit Veröffentlichung des Spiels jedoch wirklich was zum Schlechten ändert, darf man bezweifeln: Schon jetzt läuft geschätzt die Hälfte aller Japaner mit den Klüsen auf den Miniapparat gerichtet durch die Gegend. Die andere Hälfte ist bemüht, jener Hälfte auszuweichen, und das ist im Stadtzentrum von Tokyo nicht immer ganz einfach.

Andere Gerüchte besagen, dass das Patent noch nicht anerkannt worden ist oder dass die Server-Architektur noch nicht steht. Da müssen sich die Fans dann also wohl oder übel noch gedulden. Da aber schon jetzt, auch dank der Nachrichten, ein Riesenrummel um das nicht erhältliche Spiel herrscht, dürfte die Veröffentlichung in Japan ungehend alle Rekorde brechen.

Zur gleichen Zeit werden in China (auch dort ist das Spiel noch nicht erhältlich) Stimmen laut, die vor dem Spiel warnen¹ – das ganze sei womöglich ein von Japanern und Amerikanern gemeinsam entwickeltes trojanisches Pferd, mit dem Google und wer auch immer die Google-Daten mitliest geschickt Menschen so manipulieren kann, dass sie unwissenderweise zu Kundschaftern werden. Das klingt nach einer gesunden Portion Paranoia, aber bei rechtem Licht betrachtet muss man nicht lange überlegen, um das Potential zum Mißbrauch zu erkennen. Und Spiel hin oder her – der Gedanke, dass mein Telefon, zwei Softwaregiganten und mir unbekannte Algorithmen mir befehlen, wo ich als nächstes hingehen soll, ist mir auch nicht gerade geheuer. Aber davon einmal abgesehen ist die Idee als solche schlichtweg bahnbrechend.

¹ Siehe unter anderem hier

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Dankt der Kaiser ab? Das baldige Ende einer Zeitrechnung

Juli 15th, 2016 | Tagged | 1 Kommentar | 590 mal gelesen

Name: Akihito.
Jahrgang: 1933.
Alter: 82 Jahre
Beruf: Japanischer Kaiser.
Berufsantritt: 1989.

Stimmen die Überlieferungen, so ist der jetzige Tennō der 125. in einer direkten Linie japanischen Kaiser – den ersten Kaiser kröhnte man wohl im 7. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung – obwohl es diesbezüglich auch Zweifel gibt. Bis 1945 war der Tennō nicht nur ein Kaiser, sondern gleichsam eine Gottheit und Hohepriester des Shintōismus. Seit 1945 ist der Tennō jedoch das, was der Bundespräsident für Deutschland ist. Der höchste Repräsentant des Landes. Und da der Kaiser ein Kaiser auf Lebenszeit ist, kann man gut nachvollziehen, dass derselbige sich mit 82 Jahren – nach Herzoperationen, Lungenentzündungen und dergleichen – etwas nach Ruhe sehnt. Dieses 生前退位 seizen taii, die „Abdankung zur Lebenszeit“, ist laut kaiserlichem Regelwerk nicht ausgeschlossen, aber eher selten: Das letzte Mal gab es so etwas vor gut 200 Jahren während der Edo-Zeit.

Der Kaiser nebst Thronfolger bei seiner Geburtstagsrede (2007)

Der Kaiser nebst Thronfolger bei seiner Geburtstagsrede (2007)

Was würde ein Wechsel des Kaisers bedeuten? Nun, das Problem ist das sogenannte 年号 nengō- System. Jedem Kaiser in China, Vietnam und Japan wurde seit Jahrtausenden jeweils ein Motto angetragen. Der jetzige Kaiser hat das Motto „平成“ heisei (etwa: Frieden überall). Und dieses Motto ist Basis der Zeitrechnung. Der jetzige Kaiser ist seit 1989 auf dem Thron, und deshalb ist 2016 das Jahr Heisei 28. Und: Öffentliche Behörden sind verpflichtet, das kaiserliche Datum zu benutzen. Und so findet man auf nahezu allen japanischen Formularen, aber auch in bedeutendem Masse im Internet, die kaiserliche Zeitrechnung. So muss man beim Geburtsdatum dann erstmal ankreuzen, ob man in der Taishō- (ab 1912), Shōwa-(ab 1925) oder Heisei (ab 1989)-periode geboren wurde, dazu kommt das Jahr der Regentschaft und dann der Rest. Die VR China und Vietnam haben dies mangels Kaisers vor langer Zeit abgeschafft, nur in Taiwan zählt man noch ähnlich, aber man bezieht sich dort auf das Gründungsjahr der Republik China.

Selbst im Online-Banking zu finden: Das Kaiserjahr 28 statt 2016

Selbst im Online-Banking zu finden: Das Kaiserjahr 28 statt 2016

Dieses von außen sicher als Anachronismus anmutendes System ist zwar lästig, aber eine kulturelle Besonderheit, von der Japan so schnell nicht ablassen wird. Natürlich wird es viele Millionen Euro und Stunden kosten, auf „einen neuen Kaiser umzustellen“. Aber wenn man bedenkt, dass die Kaiser normalerweise, salopp gesagt, recht lange halten, wird sich das nicht ändern. Obwohl, der Thronfolger, Naruhito, ist auch schon 56 Jahre alt und geht damit quasi selbst auf das Rentenalter zu.

Gerüchten zufolge möchte der jetzige Kaiser übrigens nicht mit ansehen, wie während seiner Regentschaft der Pazifismusparagraph 9 der japanischen Verfassung abgeschafft wird. Seine im wesentlichen pazifistische Gesinnung hat der Kaiser ja schon des öfteren durchblicken lassen – in dem Sinne ist der jetzige Tenno eine sehr angenehme und zurückhaltend-bescheidene Persönlichkeit, die auf jeden Fall meinen Respekt verdient. So wenig ich auch sonst von Monarchien halte.

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