ChubuIshikawaNoto-Halbinsel

Noto-Halbinsel

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Region 中部 Chūbu
Präfektur 石川県 Ishikawa
Rang 4 von 5 Sternen: Auf jeden Fall sehenswert
Name 能登 – (NŌ) bedeutet „Fähigkeit“ und (TO / TŌ, nono-ru) bedeutet „(auf)steigen“. Es handelt sich um sogenannte 当て字ateji, also Schriftzeichen, deren Bedeutung hier Nebensache ist, da man einfach nur Zeichen der Lesung wegen gewählt hat. Die genaue Herkunft des Ortsnamens ist nicht bekannt – man nimmt aber an, dass der Name aus der Sprache der Ainu stammt – das Wort „not“ bedeutet in der Sprache der Ureinwohner „hervorstehende Spitze, Halbinsel“, und das würde bei der Noto-Halbinsel natürlich sinnvoll sein.
Lage Die Noto-Halbinsel liegt fast genau in der Mitte der Westküste der japanischen Hauptinsel Honshu – sie ragt unverkennbar wie ein großer, umgekehrter Haken in das Japanische Meer. Fast die gesamte Halbinsel liegt in der Präfektur Ishikawa, nur ein kleiner Teil im Südosten gehört zur Nachbarpräfektur Toyama. Von Tokyo bis zur Noto-Halbinsel sind es gut 500 km Richtung Westen, von Nagoya sind es gut 300 km Richtung Norden und von Osaka gut 400 km Richtung Nordosten. Nachodka an der russischen Pazifikküste liegt rund 700 km entfernt.
Ansehen Die Natur. Das kleine Örtchen Nanao. Die Insel Noto mit dem Meeresaquarium. Wajima, die Hauptstadt japanischer Lackwaren. Die langen Sandstrände an der Westküste.

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Hinweis zum schweren Noto-Halbinsel-Erdbeben vom 1. Januar 2024

Am 1. Januar war die Nordostspitze der Noto-Halbinsel Epizentrum eines schweren Erdbebens der Stärke 7.6. Der Herd lag nur gute 10 Kilometer unter der Erdoberfläche, weshalb die Zerstörungen besonders schwer waren. Alle Informationen auf dieser Seite stammen aus dem Jahr 2022 – also vor dem Erdbeben.

Besonders betroffen waren Suzu (siehe Karte weiter unten) und Wajima. Einige Straßen der Region werden auf längere Zeit unbefahrbar sein, und die Gegend rund um den Morgenmarkt von Wajima brannte vollständig nieder.

Die Noto-Halbinsel bleibt trotzdem definitiv einen Besuch wert, doch ein Besuch in der ersten Hälfte des Jahres 2024 ist nicht empfehlenswert, und mit Unannehmlichkeiten bezüglich der Verkehrssituation muss auf längere Zeit gerechnet werden.

Noto-Halbinsel – Beschreibung

Die Noto-Halbinsel ragt knapp 100 km in das Japanische Meer und ist an ihrer engsten Stelle rund 10 Kilometer breit. Dominiert wird die Halbinsel von einer relativ wilden Küste, die allerdings nicht allzu stark zergliedert ist. Das Innere der Halbinsel ist hügelig bis bergig – die höchste Erhebung misst 567 m Höhe. Die Halbinsel wird in die uchiura („Innenbucht“), die östliche Region entlang der Bucht von Toyama) und die sotoura („Außenbucht“)-Region unterschieden.

Endlos langer Strand bei Chirihama an der Südwestküste der Noto-Halbinsel
Endlos langer Strand bei Chirihama an der Südwestküste der Noto-Halbinsel

Die Halbinsel ist ingesamt rund 2’400 Quadratkilometer groß und ist die Heimat für knapp 350’000 Einwohner – das macht im Schnitt rund 140 Einwohner pro Quadratkilometer – der Landesdurchschnitt liegt in Japan bei rund 340 Einwohnern pro km². Die Noto-Halbinsel ist also relativ spärlich besiedelt, aber das ist relativ – auf Hokkaido sind es nur 70 Einwohner pro km².

Die Einwohnerzahl der Noto-Halbinsel ist wie fast überall in der japanischen Provinz rückläufig, und das sieht man den Ortschaften auch an – hier und da sieht man für immer geschlossene Geschäfte und leerstehende oder gar verfallende Häuser. Dem Trend versucht man entgegenzuwirken – zum Beispiel mit dem Bau des Noto-Flughafens in der Mitte der Halbinsel. Aufgrund der hohen Überalterung der Bevölkerung und der geringen Geburtenrate sind diesen Maßnahmen jedoch nur begrenzte Erfolge beschieden.

Karte der Noto-Halbinsel
Karte der Noto-Halbinsel

Aufgrund der abgelegenen Lage mangelt es an Industriebetrieben — stattdessen arbeiten viele Einwohner im primären Sektor (vor allem Landwirtschaft, mehr aber noch in der Fischerei) oder im Fremdenverkehr. Die Noto-Halbinsel ist nach der Präfekturhauptstadt Kanazawa die zweitbeliebteste Reisedestination in der Präfektur Ishikawa – bis zu gut 7 Millionen Menschen besuchen die Halbinsel alljährlich. Dementsprechend gibt es relativ viele Hotels, Restaurants und andere relevante Einrichtungen.

Nicht wenige Besucher kommen zur Noto-Halbinsel, um sich dort in den 温泉Onsen, den berühmten japanischen heißen Quellen, zu entspannen. Diese Quellen zeugen von einer tektonisch sehr aktiven Gegend – und hier gibt es eine Besonderheit. Unweit der Halbinsel stößt die nordamerikanische Platte auf die eurasische Platte. Es wird vermutet, dass vor allem in der Noto-Gegend viel Wasser im Untergrund existiert, welches durch die Erdwärme so stark erhitzt wird, dass sich Teile der Halbinsel leicht heben – um dann wieder schlagartig zu sinken. Das führt immer wieder zu mehr oder weniger starken Erdbeben – so zum Beispiel im Mai 2023, bei denen es durchaus auch zu Toten und Verletzten kommt. Die Besonderheit der Erdbeben auf der Noto-Halbinsel ist, dass der Herd mit rund 10 Kilometern unter der Erdoberfläche sehr flach liegt – das macht Vorhersagen sowie Vorwarnungen nahezu unmöglich.

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Nanao 七尾

In der Uchiura-Region, also der Ostseite der Halbinsel, liegt die Stadt Nanao an der gleichnamigen Bucht, einer Nebenbucht der Bucht von Toyama. Das Stadtgebiet ist rund 318 Quadratkilometer groß, bei einer Bevölkerung von knapp 50’000 Einwohnern. Zum Stadtgebiet gehört unter anderem auch die Noto-Insel – das Zentrum von Nanao fällt dabei eher klein aus. Das Klima ist hier ausgesprochen maritim – mit im Vergleich zu Tokyo angenehmen Sommern – und für die Gegend vergleichsweise milden Wintern, in denen jedoch im Durchschnitt immerhin fast 150 cm Schnee fallen. Das Stadtzentrum von Nanao rund um den gleichnamigen Bahnhof ist weniger interessant – so ziemlich alle Besucher fahren weiter zum 7 Kilometer weiter westlich gelegenen Stadtteil Wakuramachi.

Im Stadtzentrum von Nanao
Typischer Onsen-Ort: Wakuramachi in der Stadt Nanao
Stadtzentrum von Nanao
Im Zentrum von Wakuramachi, Stadt Nanao

Viele Besucher von Nanao besuchen den Ort wegen des 和倉Wakura温泉Onsen – einer sehr feinen heißen Quelle im Stadtviertel Wakuramachi. Rund um das Bad gibt es zahlreiche große und kleine Hotels sowie diverse Restaurants. In Japan gibt es tausende Onsen – bei diversen Onsen-Rankings taucht Wakura dabei in der Regel in der Top 10 (oder Top 20, je nachdem, wo man schaut) auf. Das wirkt wie ein Magnet – die Stadt Nanao verzeichnet bis knapp 1 Million Übernachtungen pro Jahr, und das allein wegen des Wakura-Onsen. Dass es früher noch mehr Besucher gab, merkt man allerdings – besonders an der Peripherie gibt es ein paar Hotels, die für immer geschlossen haben.

Einige der Hotels, vor allem die großen, haben ihre eigenen Onsen – sowie ein paar passable Restaurants und andere Einrichtungen. So unterhält auch der berühmte Patissier Hironobu Tsujiguchi hier ein renommiertes Cafe – das Le musée de H, mit feinsten Konditoreiwaren.

Das Wakura-Onsen im Zentrum von Nanao
Das Wakura-Onsen im Zentrum von Nanao
Meisterwerk des Le Musée de H - einer Patisserie der Extraklasse
Meisterwerk des Le Musée de H – einer Patisserie der Extraklasse

Das Wasser aus dem Untergrund von Wakura/Nanao ist schwach alkalisch und mit knapp 90 Grad extrem heiß, weshalb es heruntergekühlt werden muss. Das Onsen-Wasser ist klar und enthält überdurchschnittlich viel Salz – mit seiner Zusammensetzung soll es vor allem bei Nervenleiden, Muskel-  und Gelenkbeschwerden und ein paar weiteren Sachen helfen. Ausnahmsweise wird das Wasser auch – verdünnt natürlich – als Heilwasser angeboten.

Das schöne öffentliche Bad in der Ortsmitte, das 和倉温泉総湯 Wakura Onsen Sōyu, ist auf jeden Fall empfehlenswert  – für ein Bad dort bezahlt man 490 Yen, und es ist von 7 bis 21 Uhr geöffnet – außer am 25. jeden Monats, dann hat die Einrichtung geschlossen.

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Insel Noto 能登島

Nördlich von Nanao und mitten in der Bucht von Nanao gelegen liegt die 能登Notoshima – die Insel Noto. Die knapp 50 Quadratkilometer große Insel hat eine Küstenlänge von mehr als 70 Kilometern und ist durch zwei Brücken – eine im Süden bei Nanao, eine weitere im Westen – mit der Halbinsel verbunden. Die Insel ist ein beliebtes Tagesausflugsziel für Wakura-Onsen-Besucher – es gibt Golfplätze, eine Ansammlung von Hügelgräbern aus dem 7. Jahrhundert, ein Glasmuseum, Campingplätze und ein Meeresaquarium. Unternehmen an der Nordküste der Insel bieten Delphin-Watching-Touren an, denn die Tiere treiben sich in der meisten Zeit des Jahres gern in dieser Gegend herum.

Am beliebtesten ist jedoch das のとじまNotojima水族館Suizokukan, das Insel Noto-Aquarium. Die Anlage ist schon ein bisschen in die Jahre gekommen und ziemlich groß – selbst für japanische Verhältnisse. Walhaie, Delphine, Seelöwen, Sardinenschwärme, Meeresschildkröten, Pinguine — es gibt viel zu sehen. Der Eintritt kostet 1’890 Yen, für Kinder zwischen 3 und 15 Jahre 510 Yen. Mehr zum Aquarium, inklusive Öffnungszeiten – gibt es bei notoaqua.jp.

Walhaie, Hammerhaie und andere Meeresbewohner im Notojima-Aquarium
Walhaie, Hammerhaie und andere Meeresbewohner im Notojima-Aquarium
Eine der beiden Brücken zur Notojima
Eine der beiden Brücken zur Notojima

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Anamizu 穴水

Der nördliche Teil der Uchiura-Region heißt sugun und besteht aus den „Städten“ Anamizu und Noto – Stadt in Anführungszeichen, denn in Japan gibt es zwei Arten von Städten: -shi kennzeichnet eine Stadt mit Stadtrecht (zum Beispiel Kawasaki, aber auch Nanao zum Beispiel), während die zweite Art, mit dem Suffix -chō oder -machi versehen, eine Verwaltungseinheit zwischen Dorf und Stadt kennzeichnet. Quasi eine Kleinstadt.

Im gut 450 Quadratkilometer großen Hōsu-Bezirk leben gerade mal rund 22’000 Menschen – die Gegend ist also mit weniger als 50 Einwohnern pro Quadratkilometer sehr dünn besiedelt. 2007 kam es bei Anamizu zu einem schweren Erdbeben mit einer starken 6 auf der bis 7 reichenden, nach Schäden klassifizierenden Shindo-Skala. Dabei wurden zahlreiche Gebäude in der rund 7’000 Einwohner zählenden Gemeinde Anamizu beschädigt.

In der Stadt selbst gibt es nicht allzu viel zu sehen, aber die nähere Umgebung rechtfertigt einen Ausflug, und da man hier direkt an der Quelle ist, gibt es einige gute Sushi- und andere Fischrestaurants in und um Anamizu.

Das Stadtzentrum von Anamizu
Das Stadtzentrum von Anamizu
Fuku-Sushi in Anamizu
Fuku-Sushi in Anamizu

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Wajima 輪島

Am äußeren Bogen, quasi auf dem Rücken der Noto-Halbinsel, liegt die Stadt 輪島 Wajima – übersetzt „Ring-Insel“. Auf der gut 420 Quadratkilometer großen Fläche der Gemeinde leben gut 20,000 Einwohner – Wajima ist also relativ spärlich besiedelt. Dennoch ist die Stadt ziemlich gut in Japan bekannt – und zwar für:

  1. feine Lackwaren — mehr dazu siehe unten
  2. einen der 3 größten 朝市asaichi Morgenmärkte
  3. die shiroyonesenmaida genannten kleinsten Reisterrassen direkt am Meer

Aufgrund ihrer Lage direkt am Meer ist die Gegend sehr niederschlagsreich – mit mehr als einem Meter Schnee im Winter und über 2’000 mm Regen in den wärmeren Monaten – aber dafür erfrischend kühl im Sommer, zumindest im Vergleich mit den meisten anderen Landesteilen Japans.

Brücke über den Kawaharata-Fluss in Wajima
Brücke über den Kawaharata-Fluss in Wajima
Blick über den Hafen von Wajima Richtung Berge
Blick über den Hafen von Wajima Richtung Berge

Wajima spielte bereits seit dem Mittelalter eine gewichtige Rolle. Während der Muromachi-Zeit wurden im japanischen Seerecht die 10 wichtigsten Häfen festgelegt – bekannt unter dem Begriff sanshinshichi – die 3 „tsu“ und die 7 „minato“ (auch sō gelesen). „Tsu“ kennzeichnet eher eine Furt an einem Fluß, „Minato“ hingegen einen Hafen, an dem sich Schiffswege kreuzen.

In seiner jüngeren Geschichte wurde die Stadt immer wieder von Katastrophen heimgesucht – bei einem Großfeuer 1898 brannten über 500 Häuser ab, 1983 kam es zu einem Tsunami, 1991 zog ein schwerer Taifun mit Windgeschwindigkeiten bis über 200 Stundenkilometern über den Ort, 1997 kam es aufgrund eines Tankerunfalls zu einer Ölpest und 2007 zu einem schweren Erdbeben.

Der über die Präfekturgrenzen hinaus bekannte „Morgenmarkt“ hat eine weit über 1000 Jahre alte Vergangenheit und zählt zu den drei größten Morgenmärkten des Landes (die anderen beiden werden in Katsuura (Chiba) und Takayama (Gifu) abgehalten. Beim Morgenmarkt in Wajima werden fast täglich rund 200 Stände entlang der rund 350 Meter langen Hauptgeschäftsstraße aufgebaut, an denen man dann alles mögliche – sowohl Esswaren als auch auch zum Beispiel Lackwaren – kaufen kann. Ansonsten wird die Hauptgeschäftsstraße von Souvenir- und Lackwarengeschäften dominiert.

Passt so gar nicht ins Stadtbild: Das Inachū-Museum in Wajima
Passt so gar nicht ins Stadtbild: Das Inachū-Museum in Wajima
Wajima Urushi-Kaikan -- das Lackmuseum
Wajima Urushi-Kaikan — das Lackmuseum

Das Hauptgeschehen spielt sich in Wajima entlang der Morgenmarktstrasse ab – dort steht auch ein Gebäude, das so überhaupt nicht in die Stadt und die Straße passen möchte — ein neoklassizistischer Kalksteinbau. Das Gebäude beherbergt das Inachū-Kunstmuseum mit 400 Exponaten, vornehmlich aus Europa, aus dem 16. bis 19. Jahrhundert. Interessant ist ein Blick auf das Luftbild der Straße – natürlich ist das ganze nur Fassade, hinter der sich ein schnöder Zweckbau versteckt.

Für ausländische Besucher wesentlich interessanter ist das 輪島Wajimanuri会館kaikan – das Lackmuseum von Wajima. Dieses befindet sich nur wenige hundert Meter vom Beginn der Morgenmarktstraße entfernt an einer Brücke über den Kawaharata-Fluss. Im Erdgeschoss kann man Lackwaren aus der Region erwerben, im zweiten Stock gibt es ein kleines Museum. Die Einrichtung ist täglich von 8:30 bis 17 Uhr geöffnet. Die gut gemachte Webseite gibt einen schönen Vorgeschmack auf das Geschäft und Museum: wajimanuri.or.jp.

Japanische Lackwaren – urushi

Japan ist für zahlreiche handwerkliche Erzeugnisse bekannt – für Keramik zum Beispiel, oder für Schwerte, Messer und andere Schmiedeerzeugnisse. Zweifelsohne gehören auch Lackerzeugnisse dazu — eine Technik, die es in Asien seit mindestens sechstausend Jahren gibt. Die Idee ist simpel und genial: Überzieht man Holzgegenstände mit einer Lackschicht, so wird das Holz wesentlich länger – fast ewig – haltbar. Nebenbei sieht es so auch sehr schön aus, und da Lack 100 Prozent wasserabweisend ist, lassen sich Dinge mit einer Lackschicht sehr leicht reinigen.

Der Lack wird aus den in Ostasien heimischen Lackbäumen gewonnen – deren lateinischer Name lautet toxicodendron vernicifluum, wobei man nicht das große Latein braucht, um am „toxico“ im Namen zu erkennen, dass das Gewächs ziemlich giftig ist. Lackbäume wachsen bevorzugt in den Bergen, in einem weiten Gebiet von Indien über China bis Südkorea. Die Lackgewinnung ähnelt etwas der Harzgewinnung in Mitteleuropa oder der Kautschukgewinnung: Man ritzt Kerben in den Stamm, aus denen dann eine weißlich-gräuliche Milch austritt. Diese ist jedoch so giftig, dass die Arbeiter eine Schutzkleidung benötigen. Schuld daran sind Urushiole genannte, hochallergene Verbindungen, die bei Hautkontakt schwere Reizungen auslösen.

Dass die in der Regel rund 10 Jahre alten Lackbäume nach dem Abzapfen absterben macht den Lack zu etwas Besonderem und Teurem. Zwar wachsen aus den Wurzeln neue Lackbäume, doch die kann man erst nach rund 10 Jahren „ernten“. Außerdem müssen die Bäume ständig gepflegt werden – geschieht dies nicht, werden die Pflanzen schnell von anderen Gewächsen verdrängt. Aus einem einzigen Baum kann man gerade mal circa 200 Milliliter Lack gewinnen, und ein Liter Lackflüssigkeit kostet in Japan über 100,000 Yen (700 Euro) – und das ist nur der Rohstoffpreis. Um bei Zahlen zu bleiben: Lackiert man eine gerade Fläche, so wird in der Regel in 5 Schichten lackiert. Mit 200 Milliliter Lack kann man in dem Fall insgesamt gute 3 Quadratmeter mit Lack überziehen. Bei Gefäßen benötigt man natürlich wesentlich mehr.

Lackwarengeschäft in Wajima
Lackwarengeschäft in Wajima

Japanischer Lack ist von Natur her fast durchsichtig – erst durch die Zugabe von Eisenoxid und Zinnober erhält er seine typische, dunkle Rotfarbe oder durch die Beigabe von Ruß die ebenfalls weit verbreitete schwarze Färbung. Aufgetragen wird der Lack in zahlreichen Schichten – unter der Bedingung, dass die Gegend absolut staubfrei ist, eine hohe Luftfeuchtigkeit aufweist und zudem rund 25 Grad warm ist. Nur so erhält man den typischen Lackglanz. Das erklärt auch die Tatsache, warum Wajima ein idealer Ort für die Lackherstellung ist: Der auflandige Wind direkt vom Meer ist warm, feucht und im Prinzip staubfrei. Zudem gibt es Hinterland gibt es Lackbäume.

In Japan gibt es mindestens 20 verschiedene Herkunftsorte für Lackwaren – Wajima ist zwar der bekannteste Ort, aber 川連漆 (Kawatsura-Urushi) oder 会津漆 (Aizu-Urushi) sind ebenfalls sehr bekannt. Lackwaren gibt es selbst in jedem 100-Yen-Shop zu kaufen, doch dort kann man mit 100%er Sicherheit davon ausgehen, dass es sich um Imitate aus Urethan handelt. Der Unterschied ist dabei gar nicht so leicht erkennbar – nur Kenner können anhand von Glanz, winzigsten Unreinheiten und dem Klang herausfinden, ob die Lackware sehr wertvoll ist oder nicht.

Die Lackflüssigkeit ist nicht nur für Menschen im rohen Zustand giftig – sie gilt auch als hervorragendes Mittel gegen Holzschädlinge und andere Insekten. Deshalb war die Lackmilch fester Bestandteil bei der sokushinbutsu-Prozedur, also der lebendigen Mumifizierung: Die Probanden aßen fast nur Nüsse, um dem Körper möglichst viel Wasser zu entziehen, und nahmen unter anderem Lackmilch zu sich, damit die Mumie später nicht von Würmern zerfressen wird.

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Anreise

Die Noto-Halbinsel liegt etwas abseits – die Anreise von den größeren Städten des Landes ist mühselig und zeitraubend. Deshalb wurde 2003 eigens der のとNoto里山satoyama空港kūkō (Heimatflughafen Noto). Dieser zählt zu den kleinsten Regionalflughäfen des Landes – es gibt gerade mal eine Verbindung, und zwar zum Flughafen Tokyo Haneda, mit täglich zwei Flügen hin und ebenso vielen zurück. Immerhin liegt der Flughafen praktisch genau in der Mitte der Halbinsel. Die aktuellen Flugpläne sowie Informationen darüber, wie man zum Flughafen kommt, siehe www.noto-airport.jp.

Wer nicht mit dem Flugzeug anreist, ist im Prinzip auf den Zug angewiesen – zum Glück fährt seit 2016 der Shinkansen bis nach Toyama und dann weiter nach Kanazawa. Nun liegt Toyama zwar etwas näher, aber wer hauptsächlich mit dem Zug reist, fährt am besten nach Kanazawa – der Shinkansen braucht von Tokyo nun mehr nur noch rund 2½ Stunden – die einfache Fahrt kostet 14’380 yen. Von Kanazawa kann man dann mit dem schönen 能登かがり火特急 – dem Noto-Kagaribi-Expresszug – bis zum Wakura-Onsen fahren – das kostet 2’190 Yen und dauert eine knappe Stunde. Der einfache Zug braucht knapp doppelt so lange, kostet aber nur rund die Hälfte.

Der Hokuriku-Shinkansen verbindet Toyama mit Nagano und Tokyo
Der Hokuriku-Shinkansen verbindet Toyama mit Nagano und Tokyo

Auf der Noto-Halbinsel fährt die Bahn nur bis Anamizu – wer zum Beispiel nach Wajima oder Suzu fahren möchte, ist auf den Bus oder das Taxi angewiesen. Prinzipiell ist die Noto-Halbinsel jedoch wirklich nur mit dem eigenen Transportmittel empfehlsam – sei es ein Mietwagen oder das Fahrrad.

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Übernachtung

In Wakura Onsen gibt es dutzende Übernachtungsmöglichkeiten auf engem Raum – dort bezahlt man zwischen 12’000 Yen bis mehr als 70’000 Yen pro Person und Nacht, je nachdem, wie gehoben das Hotel ist und ob Mahlzeiten im Preis inbegriffen sind oder nicht. Eine Übernachtungsmöglichkeit der etwas anderen Art gibt es auch – sie liegt auf einem kleinen Plateau, rund 300 Meter vom Zentrum entfernt. Das フリーダム2 (Freedom 2) ist ein Backpacker Hostel, und der Besitzer hat im Erdgeschoß einen kleinen Live-Club eingerichtet, in dem mitunter Konzerte stattfinden. Mehr Informationen gibt es auf der Webseite ameblo.jp/funnythings.

Das Freedom 2 Backpacker Hostel in Wakura Onsen
Das Freedom 2 Backpacker Hostel in Wakura Onsen

Der Besitzer ist relativ jung und extrem freundlich – die Zimmer sind zwar nicht luxuriös, aber gerade für Reisende mit Kindern ist das Hostel eine echte Alternative, da man hier in den Genuss echter japanischer Gastfreundschaft kommt. Die Preise für eine Übernachtung beginnen bei 2’800 Yen pro Person.

Zu allgemeinen Übernachtungstipps siehe Übernachtungstipps Japan.

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tabibito
tabibitohttps://www.tabibito.de/japan/
Tabibito (旅人・たびびと) ist japanisch und steht für "Reisender". Dahinter versteckt sich Matthias Reich - ein notorischer Reisender, der verschiedene Gegenden seine Heimat nennt. Der Reisende ist seit 1996 hin und wieder und seit 2005 permanent in Japan, wo er noch immer wohnt. Wer mehr von und über Tabibito lesen möchte, dem sei Tabibitos Japan-Blog empfohlen.

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