Geschichte Japans – ein kurzer Abriss

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    歴史 – Geschichte

    Inhaltsverzeichnis

    Tenroku Auch ein Tenroku
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    Allgemeines

    Tief in die japanische Geschichte einzutauchen würde sicherlich den Rahmen sprengen. Deshalb erfolgt hier nur eine kurze Skizzierung der wichtigsten Epochen. Die Kunst spielt dabei auch eine große Rolle, weshalb es im Hauptmenü keinen Extrapunkt zur japanischen Kunst gibt. Natürlich erfolgt die Beschreibung in chronologischer (in Quellen oft in der genauen Jahreszahl divergierender) Reihenfolge.

    Ursprünge

    Erstmal zum Namensursprung: Japan leitet sich wahrscheinlich aus dem chinesischen „ji pen“ ab – das bedeutet „Sonnenursprungsland“. Wahrscheinlich nahm Marco Polo diesen Namen mit nach Europa, wo er im Laufe der Zeit zu „Japan“ wurde. Die Schriftzeichen von damals und deren Bedeutung jedoch blieben bestehen. Japan auf Chinesisch heißt heute „ri ben“, auf japanisch „Nihon“ bzw. „Nippon“ (日本).

    Wahrscheinlich kam es im Neolithikum zu Einwanderungsschüben aus dem Norden, Süden und Westen. Das geschah vor mindestens 30000 Jahren, als es noch eine Verbindung zu Festland gab. Fest steht, daß das japanische Volk auch heute noch sehr homogen ist – fast alle Japaner haben rein japanische Vorfahren. Jedoch haben die Bewohner im Süden oftmals eine etwas dunklere Hautfarbe als die im Norden. Neben den Japanern existiert auch heute noch das Volk der Ainu. Diese siedelten früher in ganz Nordjapan, wurden jedoch bis nach Hokkaidō verdrängt. Heute leben nur noch weniger als 25 000 Ainu auf Hokkaidō und den Kurilen.

    Jōmon-Zeit 縄文時代 (bis ca. 300 v.u.Z.)

    Beginnt ca. 8000 vor Christus. Es gibt erste Dörfer, aber kaum politische Differenzierung. Bekannt ist die Jōmon-Kultur für seine Keramik mit einem charakteristischen Schnurmuster und Muschelhaufen (kaizuka 貝塚), die man zuerst nahe der Bucht von Tōkyō fand.

    Scherben aus der Jōmon-Zeit
    Scherben aus der Jōmon-Zeit

    Yayoi-Zeit 弥生時代 (ca. 300 v.u.Z. – 300 u.Z.)

    Beginnt ca. 400 v.Chr. Das damals „Wa“ genannte Japan hat seinen ersten Kaiser, und es gibt einen ersten Austausch mit China. Man beginnt mit dem Naßreisanbau. Bekannt aus dieser Zeit sind die Yayoi-Keramik, Bronzeglocken, Spiegel, Waffen und weiteres.

    Traditionelle Pfahlbauten aus der Yayoi-Zeit
    Traditionelle Pfahlbauten aus der Yayoi-Zeit

    Kofun-Zeit 古墳時代 300-710 u.Z.

    Beginnt um 300 u.Z. Militärwesen und eine Reiterkultur sind bereits ausgeprägt. Von zentraler Bedeutung sind die Uji 宇治-Clanführer, die über ausgedehnte Bereiche herrschen. Bekannt aus dieser Zeit sind die gewaltigen Gräber in Schlüssellochform, zum Beispiel in Ōsaka. In chinesischen Quellen ist von 5 Königen des Wa die Rede, darunter der legendäre Nintoku. Der Begriff Yamato 大和 wird geprägt – ein alter Name für Japan (bedeutet „Großes Wa“). In der Mitte des 6. Jhd. beginnt der Buddhismus von China her in Japan Fuß zu fassen, was auch von Prinz Shōtoku (593-622) forciert wird. Dieser setzt zudem den Übergang vom Clanwesen zum Kaisertum durch. Erste Klöster werden errichtet – so das berühmte Hōryū-ji unweit von Nara, und es gibt rege Gesandschaften mit dem T’ang-China. Mit dem Buddhismus werden auch deren Schriften eingeführt. Das bisher schriftlose Japan beginnt, chinesische Schriftzeichen zu assimilieren – freilich nur durch eine sehr kleine Minderheit.

    Die meisten und grössten Gräber aus der Kofun-Zeit findet man übrigens in der Stadt Sakai 堺 ein paar Kilometer südlich von Ōsaka – siehe Foto.

    Eins der wichtigsten Kofun-Gräber in Sakai bei Osaka
    Eins der wichtigsten Kofun-Gräber in Sakai bei Osaka

    Asuka-Zeit 飛鳥時代 (645-710 u.Z.)

    Beginnt 645 mit der bedeutenden Taika-Reform. Benannt nach einer Region im historischen Kernland. 694 wird Fujiwara 藤原 zur ersten Hauptstadt. Aller Landbesitz ist unter kaiserlicher Kontrolle. 663 scheitert die japanische Flotte bei ihrem ersten Angriff auf das Königreich Schilla (Teil des heutigen siehe Korea). 702 wird der Taihō-Index 大宝律令-Index erlassen – eine Art Rechtsgrundlage. Erste Münzen werden geprägt.

    Nara-Zeit 奈良時代 (710-794)

    Der Todaiji in Nara - der älteste und grösste Holzbau der Welt


    Der Todaiji in Nara

    Benannt nach der gleichnamigen Stadt nahe Kyōto, beginnt diese Epoche 710, als Nara zur Hauptstadt erklärt wird. Die Stadt wird nach dem Vorbild von Chang’an 長安 (nahe Xi’an in China) angelegt – ein strenges Schachbrettmuster. Der Buddhismus wird zur Hofreligion und bildet sechs verschiedene Strömungen aus (davon sind 3 noch heute erhalten). Reger Verkehr mit China. In Nara wird der noch heute existente Buddha-Tempel Tōdai-ji erbaut. Erste japanische literarische Werke entstehen: die Kojiki 古事記 (eine Art Annalen), das Nihon shoki 日本書紀 und die Man’yōshū 万葉集 (Gedichtsammlung). Kaiser Kammu verlegt die Hauptstadt 784 nach Nagaoka, 794 schließlich nach Heian (das heutige Kyōto) – der Beginn der nächsten Epoche.

    Heian-Zeit 平安時代 (794-1185)

    Heute als Kyōto bekannt. Ein mächtiger Clan namens Fujiwara 藤原 übernimmt mehr und mehr Macht, die vormals immer mächtiger gewordenen Kaiser werden allmählich bedeutungslos. 894 Abbruch der Kontakte zu China. Um die Jahrtausendwende herum Blütezeit der höfischen Kultur in Heian: Bedeutende Werke wie die Lyriksammlung „Kokinshū 古今集“ und das bedeutende Werk „Geschichte des Prinzen Genji“ („genji monogatari“ 源氏物語 von Murasaki Shikibu, 1010) entstehen. Beachtlich: In der Heian-Zeit wird über lange Zeit auf die Todesstrafe verzichtet. Im 12. Jhd. kommt es zu zahlreichen Kriegen und Aufständen (Hōgen 保元の乱– und Heiji 平治の乱-Aufstand 1156, 1159 und die Genpei-Kriege 源平の争乱 von 1180 bis 1185). Ab 1010 Bildung privaten Landbesitzes (shōen 荘園). Zum Ende der Genpei-Kriege siegen die Minamoto 源 über die Taira 平, es beginnt eine neue Epoche in:

    Kamakura-Zeit 鎌倉時代 (1185-1336)

    Der 11,5 m hohe, 1252 erbaute Daibutsu (Grosser Buddha) in Kamakura


    Der 11,5 m hohe, 1252
    erbaute Daibutsu
    (Grosser Buddha) in
    Kamakura

    1185 wird das Bakufu 幕府 (Shōgunat) in Kamakura (unweit von Tōkyō eingerichtet. 1192 beginnt eine Kriegerregierung, die mit dem Jōei shikimoku 貞永式目 1232 ihre erste Gesetzessammlung erhält. 1219 verlieren die Minamoto 源 die Macht an die Hōjō 北条-Regenten, gefolgt vom Jōkyū-Krieg 承久の乱 ]zwei Jahre später. 1253 wird die bedeutende buddhistische Nichiren 日蓮-Schule gegründet, aus China kommend gewinnt der Zen-Buddhismus an Bedeutung. 1225 wird die Geschichte der Heike 平家 (heike monogatari 平家物語) geschrieben. 1274 bis 1281 versuchen die Mongolen mit einer großen Flotte (beim ersten Mal 900 Schiffe, beim zweiten Mal 4400 (!) Schiffe mit rund 140000 (!!) Soldaten bei Hakata auf Kyūshū einzudringen, scheitern aber am Kamikaze 神風, dem „göttlichen Wind“, und dem kriegerischen Geschick der Samurai. Da der Kamikaze (Taifun) zwei Mal zur richtigen Zeit zuschlug, festigt sich der Glaube an Japan als shinkoku 神国 – „göttliches Land“ (divine nation) – ein Begriff, der im Zweiten Weltkrieg als Legitimation noch öfter auftauchen sollte. Der Kaiser Go-Daigo 後醍醐天皇 sowie der Ashikaga 足利-Clan sind hindes unzufrieden mit der Hōjō-Regentschaft und vernichten diese sowie das Bakufu in Kamakura um 1333.

    Namboku-chō-Zeit 南北朝時代 (1336-1392)

    Die Zeit der Nord-Süd-Dynastien beginnt 1136. Kaiser Go-Daigo flieht aus Kyōto nach Süden und gründet seinen eigenen Hof in Yoshino 吉野. Takauji 尊氏 vom Ashikaga-Clan gründet ein neues Bakufu in Muromachi 室町 (Stadtteil Kyōto’s), ihm folgen 14 weitere Shōgune des selben Clans.

    Muromachi-Zeit 室町時代 (1333-1568)

    No-Maske


    No-Maske

    1392 dankt der Südkaiser zugunsten des Tennō in Muromachi ab – das Reich ist wieder vereint. Die Ashikaga – Shōgune haben somit gesiegt und regieren für insgesamt 250 Jahre das Land. Die Zen-Kultur und mit ihr die Teezeremonie verbreitet sich zunehmend und Kyōto erstarkt erneut als Handelszentrum. In dieser Zeit ensteht auch das Nō 能 als Theaterform. Malerei und Dichterei sowie die Gartenbaukunst erleben eine enorme Blütezeit. Ab der Mitte des 15. Jhd. verarmt der Kaiserhof, der 8. Shōgun ist in seiner Machtposition sehr schwach, die Zentralregierung liegt am Boden. Von 1467 an herrschen 10 Jahre lang Krieg – die sogenannten Ōnin 応仁の乱-Wirren beginnen und leiten ein Jahrhundert des Chaos und der Anarchie ein – die Zeit der Sengoku 戦国 (Kämpfende Provinzen) beginnt. Aufstände gegen die hohe Besteuerung, Machtkämpfe der Daimyō 大名, Seuchen etc. sind an der Tagesordnung. Seltsamerweise leisten die Unruhen der Blütezeit der Künste keinen Abbruch. 1543 schließlich landen vermutlich die ersten Europäer – genauer gesagt Portugiesen – in Japan, genauer auf Tanegashima 種子島 südlich von Kyūshū. Sie brachten erstmals Feuerwaffen ins Land und 1549 den Jesuitenpater Francis Xavier. Die Christianisierung machte rasche Fortschritte dank der vorläufigen Unterstützung der lokalen Herrscher. Viele europäische Einflüsse (wissenschaftliche Erkenntnisse wie auch Tabak, Kartenspiele etc.) gelangen ins Land. Ab 1587 wird das Christentum jedoch mit zunehmender Härte zurückgedrängt.

    Momoyama-Zeit 桃山時代 (Sengoku-Zeit 戦国時代) (1568-1603)

    fugaku 36 kei - eine der 36 Ansichten des Fuji - von Katsushika Hokusai um 1800

    冨嶽三十六景 (fugaku 36 kei) – eine der 36 Ansichten
    des Fuji – von Katsushika Hokusai um 1800

    1568 marschiert Oda Nobunaga 織田信長, der sogenannte erste Reichseiniger, in Kyōto ein und beendet so die sengoku 戦国-Zeit und die große Macht der Mönche und Klöster in Kyōto. 1573 endet die Zeit des Ashikaga 足利-Clans endgültig, die Hauptstadt wird nach Kampaku verlegt. Nobunaga wird jedoch 1582 ermordet, ihm folgt Toyotomi Hideyoshi 豊臣秀吉. Hideyoshi regiert im prachtvollen Schloß Momoyama in Kyōto und schafft es endgültig, das Reich zu einen und eine kräftige Zentralregierung zu etablieren. In dieser Zeit beginnt die Christenverfolgung. Im letzten Jahrzehnt des 16. Jhd. versucht Hideyoshi, Teile Koreas und Chinas zu erobern, was jedoch fehlschlägt. Erste Jōkamachi 城下町 (Burgstädte) entstehen – mit der Burg und gehobenen Wohnvierteln auf höheren Lagen und der sie umgebenden Unterstadt (shitamachi 下町). Hideyoshi stirbt 1598.

    Edo-Zeit 江戸時代 (1603-1868)

    Zwei Kurtisanen von Kitagawa Utamaro (1754-1806)

    Zwei Kurtisanen von Kitagawa Utamaro
    (1754-1806)

    1603 errichtet Tokugawa Ieyasu 徳川家康 die Militärregierung, das Bakufu 幕府, in Edo – dem heutigen Tōkyō. Ieyasu hatte sich bereits 1600 in Sekigahara 関ヶ原 die Vormachtstellung gesichert. Er erweiterte seinen Machtbereich beständig und eroberte 1615 die Burg von Ōsaka. Unter seiner starken Shōgunatsregierung durften die Lehensfürsten (daimyō 大名) zwar weiter herrschen, sie mußten aber jedes zweite Jahr in Edo wohnen. 1641 setzte Ieyasu die hiernach über 200 Jahre andauernde Landesabschließung durch – nach zahlreichen Unruhen, so zum Beispiel einer christlichen Revolte in Shimabara auf Kyūshū um 1637. Japanern war es zudem seit 1635 verboten zu reisen. Den Katholizismus selbst verbot er bereits 1609. Der Neo-Konfuzianismus wurde zur wichtigsten Religion, der Buddhismus verlor etwas an Bedeutung. Im 18. Jhd. kam es zur Wiederbelebung der urjapanischen Shintō-Religion. Es bildete sich eine Vier-Klassen-Gesellschaft mit den Samurai an der Spitze, gefolgt von Bauern, Handwerkern und zuletzt den Kaufleuten.

    Außerhalb dieser Klassen standen Adel und Kaiser, die Priesterschaft und die noch heute existenten Paria, die unterste Kaste (heute burakumin 部落民, früher auch hinin 非人, eta 穢多 genannt: -> Sie sind die Nachkommen derer, die dem Buddhismus und Shintōismus nach unrein sind – so zum Beispiel alle, die mit dem Tod oder Toten – Tieren wie Menschen – zu tun haben, wozu selbst Gerber u.v.m. zählen. Früher lebten sie oft entlang von Flußbänken und in den shitamachi 下町, auch heute gibt es noch große Viertel der burakumin 部落民, v.a. in Kansai. Man geht heute von 2 bis 3 Millionen aus, und noch immer sind sie schlechter gestellt. Manche Brautväter oder Firmenchefs überprüfen noch heute, ob der Kandidat etwa von den burakumin abstammt. Spricht man das Thema in Japan an, stößt man fast immer auf Schweigen, es ist nachwievor tabu).

    Der Schwertadel, die Samurai, hängte jedoch nicht selten das Schwert an den Nagel und wurde zu Bürokraten oder gar Kaufleuten. Die Wirtschaft in der Edo-Zeit florierte, und Städte wie Edo und Ōsaka wuchsen rasant. Auch die Kunst erlebte eine weitere Blütezeit und wurde volksnaher (chōmin bunka). Ende des 18. Jhd. wurde das Land von der Tenmei 天明の大飢饉-Hungersnot geplagt, die zahlreicher werdende Aufstände in den Städten und schwere Bauernunruhen zur Folge hatte, welche jeweils brutal niedergeschlagen wurden und das Land mehr und mehr in eine Krise stürzte. Zu dieser mißlichen, sich zuspitzenden Lage kam plötzlich Druck von außen in Gestalt desKommodore Perry (ペリー、彼理) mit seinen schwarzen Schiffen, der 1854 das Land zur Öffnung nach außen zwang. Schnell entstanden Kontakte und Abkommen mit Holland, Preußen, Amerika, Rußland etc.

    Meiji-Zeit 明治時代 (1868-1912)

    In den letzten Jahren der Edo-Zeit machte sich zunehmend Unzufriedenheit in breiten Schichten der Bevölkerung breit. Man machte sich Sorgen darum, dass Japan das gleiche Schicksal wie China blühen könnte – nämlich massiver Einfluss von aussen. Der Ruf nach Modernisierung wurde laut. Und so trat 1867 Keiki 徳川 慶喜 (Tokugawa Yoshinobu), der letzte Shōgun, zurück und machte Platz für den Kaiser Meiji 明治 (damals 15-jährig) – zum ersten Mal seit Jahrhunderten hatte damit der Kaiser in Japan wieder das Zepter in der Hand.

    Die Meiji-Zeit begann somit im Jahr 1868 und wird auch als Meiji-Restauration bezeichnet, da die Macht des Kaisers wiederhergestellt wurde. Staatstragende Philosophie des Shōgunats war der Konfuzianismus, doch Kokugaku 国学-Gelehrte (wörtlich „Nationale Schule“) verbreiteten, dass einzig und allein dem Kaiser die Macht zustünde und damit auch der rein japanische Shintōismus, dessen oberster Priester ja der Kaiser ist, wieder eine grösse Rolle spielen soll. Der Übergang verlief natürlich nicht reibungslos. Die meisten Daimyō beugten sich, und ihre Machtgebiete wurden zu den heutigen Präfekturen umgestaltet. Hauptstadt wurde Edo, welches von nun ab jedoch Tōkyō (Östliche Hauptstadt) geheissen wurde. Die Macht wurde zentralisiert und Ministerien nach westlichem Vorbild geschaffen.

    Es gab vereinzelte Aufstände, zum Beispiel der Samurai, welche ihre Lebensgrundlage bedroht sahen. Einer davon war der Saigō-Aufstand. Die südliche Insel Kyūshū, vor allem Satsuma 薩摩, die Region um Kagoshima, war lange Zeit Schauplatz blutiger Kämpfe zwischen den Samurai und den kaiserlichen Truppen (siehe zum Beispiel die Rolle von Kumamoto).

    Das Land befand sich im Aufbrauch. Angesichts der Bedrohung durch den Westen erkannte man die Notwendigkeit einer schnellen Modernisierung. Man holte ausländische Experten ins Land und sandte Schüler ins Ausland – auch nach Europa etc. – um zu lernen. Die Industrialisierung griff um sich. Städte wuchsen rasend schnell, und in Tōkyō baute man die erste Eisenbahn. Der die nächsten Dekaden prägende Slogan vom fukoku kyōhei 富国強兵 – „Reiches Land, starkes Militär“ – wurde verbreitet. 1889 verabschiedete man eine erste Verfassung, welche, wie auch das Militärwesen, starke Anleihen in Preussen gefunden hatte. Laut Verfassung war der Tennō ein „Vertreter Gottes“ – er bildete die Exekutive des Landes. 1890 gab es die ersten Unterhauswahlen, doch nur ein gutes Prozent der Gesamtbevölkerung war wahlberechtigt. 1890 wurde das ebenfalls für die japanische Zukunft extrem wichtige „Kaiserliche Erziehungsedikt“ erlassen. Dem Edikt zufolge waren Staat und Shintōismus als Einheit zu betrachten, mit dem Kaiser als „sichtbare Gottheit“ im Mittelpunkt.

    Mit seinem starken Militär und dem aggressiven Imperialismus war Japan fortan nicht mehr von aussen bedroht, sondern wurde umgedreht eine Bedrohung für die Nachbarn. Man kündigte Abkommen und Verträge und stieg ein in das internationale Machtspiel um Korea. 1879 wurde das Königreich Ryūkyū 琉球 (heute Okinawa) eingegliedert. 1894/5 kam es zum Sino-japanischen Krieg, in dessen Folge Formosa (heute Taiwan) und die Pescadores-Inseln erobert wurden. Die instabile innenpolitische Lage in Russland liess man nicht ungenutzt verstreichen und trat in den Russisch-Japanischen Krieg, um den Einfluss des Zaren auf die Mandschurei und den Griff nach Korea zu unterbinden. Der Krieg – vornehmlich in der Mandschurei stattfindet – gipfelte in einer katastrophalen Niederlage der Baltischen (!) Flotte vor Tsushima (Inseln zwischen Korea und Japan) im Mai 1905. Ergebnis dieses Krieges war die Eroberung der kompletten Kurilen, der südlichen Hälfte Sachalins und von Port Arthur in China. 1910 schliesslich annektierte man Korea.

    Taishō-Zeit 大正時代 (1912-1926)

    Der Kaiser Meiji starb 1912, und der Erbfolge gemäss wurde sein Sohn Yoshihito zum Kaiser ernannt. Seine Regierungszeit (jede Regierungszeit hat ein eigenes Motto, und dieses wird auch, plus der Jahreszahl der Regentschaft, als Datum benutzt) hiess Taishō 大正. Dieser Kaiser erlangte bald gewisse Berühmtheit, da er in seinen letzten Jahren – womöglich als Folge einer Hirnhautentzündung – wohl in geistiger Umnachtung verlebte. In Europa tobte bald der Erste Weltkrieg, infolgedessen sich Japan auf die Seite der Grossen Entente schlug. Zwar wurde Japan kaum in den Krieg direkt involviert, doch die Tatsache, dass Japan sich gegen die Deutschen stellte, wurde belohnt, und so wurden Japan ehemals deutsche Kolonien wie Qingdao (Tsingtao) 青島 in China und Territorien in der Südsee zugesprochen – so die Marianen, Karolinen und Marschall-Inseln (ausser Nauru). Gleichzeitig nutzte Japan die Wirren in Europa, um seine Industrialisierung voranzutreiben. Es bildeten sich sogenannte Zaibatsu 財閥; gewaltige Konglomerate von Banken Konzernen. Diese waren sehr mächtig und hatten grossen Einfluss auf politische Entscheidungen. Die Bevökerung hatte sich innerhalb von 70 Jahren nahezu verdoppelt, und so wuchsen auch die Städte zu Ungetümen heran.

    Aber es kam auch zu Unruhen in der Bevölkerung (z.B. Reisaufstände 1918), welche die Regierung zu einer liberaleren Linie zwangen. Das Wahlrecht wurde erweitert – nun durften alle Männer wählen. Gewerkschaften und Parteien wurden gegründet. Und Japan wurde 1920 Gründungsmitglied des Völkerbunds – dem Vorläufer der UNO.

    Rauchwolke ueber Tokyo drei Stunden nach dem Beben

    Rauchwolke über Tokyo drei Stunden nach dem Beben

    Ein einschneidendes Ereignis war das kantō daijishin 関東大地震 – das verheerende Erdbeben von Kantō (Region rund um Tōkyō). Am 1. September 1923, zwei Minuten vor Mittag, kam es zu einem Beben der Stärke 7.9, das Epizentrum lag in der Sagami-Bucht. Die Zerstörung erfolgte in drei Stufen: Unzählige Häuser stürzten ein und viele Brände brachen aus. Da in Japan traditionell aus Holz und sehr eng bebaut wird, frassen sich Feuerwalzen durch Tōkyō, Yokohama und weiteren Städte. Ein gewaltiger Tsunami erledigte den Rest entlang der Küsten. Natürlich brach heilloses Chaos aus, und das Gerücht, dass die ansässigen Koreaner und Chinesen die Situation nutzen und Brände legten, machte schnell die Runde. Man bildete jikeidan 自警団 genannte Bürgerwehren und eröffnete eine gnadenlose Hatz auf Koreaner und Chinesen. Tausende Koreaner und ca. 200 Chinesen wurden gelyncht. Shintarō Ishihara 石原慎太郎, der jetzige Bürgermeister von Tōkyō und ausgemachter rechtsgerichteter Politiker, nahm einmal zu diesen Geschehnissen Stellung und sagte sinngemäss, dass bei einem erneuten Erdbeben durchaus Ausländer zur ernsthaften Gefahr würden und deshalb Notfallpläne zur Vermeidung von Unruhen durch Ausländer vonnöten seien. Das ist schier unglaublich und eine solche Person als Bürgermeister Tōkyō’s schlichtweg unakzeptabel. Mehr Infos (Englisch) dazu unter http://www.wsws.org/articles/2000/sep2000/jap-s18.html. Die Bilanz des Bebens: Mehr als 140’000 Tote und Vermisste, 570’000 gänzlich zerstörte Häuser, eine komplett lahmgelegte Infrastruktur und blankes Chaos. Aber – man sah das Beben bald als Zeichen des Aufbruchs, und so stieg Tōkyō bald wie Phönix aus der Asche.

    Photo: Blick von Tachikawa Richtung Tōkyō, drei Stunden nach dem Beben. Quelle: Kokuritsu Kagaku Hakubutsukan Jishin Shiryōshitsu 国立科学博物館地震資料室 (Staatliches Wissenschaftliches Museum, Erdbebenarchiv). URL (nur japanisch): research.kahaku.go.jp/rikou/namazu/

    Shōwa-Zeit 昭和時代 (1926-1989)

    In arbeit…

    Heisei-Zeit 平成時代 (1989 – heute)

    In arbeit… (im wahrsten Sinne)

    • Geo Epoche "Das kaiserliche Japan" (02/2006): Eine ausführliche Einführung in die japanische Geschichte und den Werdegang eines der ältesten Herrschergeschlechter, nachwievor umgeben von einer Aura des Mysteriösen. Leicht verständlich dargereicht und mit teils sehr seltenen Aufnahmen reich bebildert, ist dieses Heft ein guter Einstieg in die Materie und sollte vor einer Tour nach Japan zur Vorbereitungslektüre gehören.
    • Das Edo-Tokyo-Hakubutsukan (=Museum) 江戸東京博物館, zu finden nahe Ryogaku in Sumida-ku/Tokyo, ist selbst für weniger Geschichtsinteressierte mindestens einen halben Tag Wert. Die Geschichte von Tokyo, von den Anfängen bis heute, ist sehr bildhaft dargestellt und läßt erahnen, wie die Stadt vor 500 oder 50 Jahren ausgesehen haben mag.

    1 KOMMENTAR

    1. Ich habe jetzt gerade ein Bild von der Kaiserin Haruto von Japan gesehen.Das war das erstemal das die Kaiserin in ein Europäischen Tracht Dargestellt hat.

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