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Obama – Hafenstadt mit historischem Zentrum und einem ungewöhnlichen Namensvetter

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Region 中部 Chūbu
Bezirk 福井県 Präfektur Fukui
Rang 3 von 5 Sternen: Durchaus sehenswert
Name Der Stadtname setzt sich aus den Schriftzeichen (o) für „klein“ und (hama, hier: bama) für „Strand, Ufer“ zusammen. Beide Schriftzeichen sind im küstenreichen Japan sehr häufig anzutreffen, denn „klein“ wird natürlich ohnehin viel in Namen benutzt, und das „hama“ findet man auch in „Yokohama“, „Hamada“, „Hamamatsu“ usw. Die Betonung des Ortsnames liegt wie oft im Japanischen am Wortanfang, also auf dem „O“, und damit klingt der Ort etwas anders als der Name des ehemaligen Präsidenten der USA.
Lage Obama liegt an der 若狭湾 Wakasa-Bucht, einer Nebenbucht des Japanischen Meeres, im Westen der Präfektur Fukui. Die nächstgelegene Großstadt ist Kyōto, das nur gute 70 Kilometer weiter südlich liegt.
Ansehen Der historische Stadtbezirk Asuka. Die Promenade. Die Burgruine. Die Küste rund um Obama.

Obama – Beschreibung

Als Barack Obama 2009 die Wahlen gewann und zum 44. Präsidenten der Vereinigten Staaten erklärt wurde, freute sich (fast) ganz Japan über das Ergebnis. Ganz besonders gross war die Freude jedoch in einer kleinen Stadt am Japanischen Meer – der Stadt Obama. Und die gibt es natürlich schon weitaus länger als Barack. Der Name ist eigentlich typisch Japanisch und bedeutet einfach nur „kleines Ufer“. Die Stadtoberen wurden bereits auf Obama aufmerksam, als er noch Senator war – man schickte ihm ein Paar Stäbchen, eine DVD und ein Schreiben, in dem man ihm viel Glück wünschte. Erste Geschäfte in der Stadt verkauften T-Shirts und andere Andenken, auf denen „Go Obama“, „I love Obama“ und so weiter gedruckt waren. Später, als Barack Obama zum Präsidenten gewählt wurde, dankte er der Stadt ausdrücklich für die Aufmerksamkeiten.

Etymologisch ist die Namensgleichheit nicht allzu schwer erklärbar: Barack Obamas Familienname stammt aus einer der vielen Bantu-Sprache. Diese Sprachen haben besonders viele KV-Kombinationen, also „Konsonant-Vokal“-Reihenfolgen (wobei die Konsonanten nicht immer den Konsonanten im Deutschen entsprechen müssen). Bantuwörter wie Makake, Okapi oder Safari klingen in japanischen Ohren nicht allzu ungewohnt, da im Japanischen auch die KV-Kombination überwiegt. Das kann man auch über (meist ost- und südafrikanische) Ortsnamen wie Maputo, Harare, Gaborone usw. sagen – sie sind für Japaner sehr leicht merkbar.

Die beiden Einkaufsstrassen von Obama
Die beiden Einkaufsstrassen von Obama

Die Stadt Obama ist 233 Quadratkilometer groß und hat rund 28,000 Einwohner – die Tendenz ist seit Jahrzehnten etwas rückläufig. Das Klima ist hier relativ mild – im Winter fallen die Temperaturen nicht allzu oft unter 0 Grad, aber es fallen trotzdem rund 2 Meter Schnee im Durchschnitt. Die Sommer sind feucht-schwül, mit relativ viel Niederschlag, der gut über das Jahr verteilt ist.

Die Stadt gehörte einst zum Land 若狭国 Wakasa-no-kuni, und als dieses System 1871 abgeschafft und Präfekturen geschaffen wurden, gab es für ein paar Monate die Präfektur Obama, die dann im selben Jahr in die Präfektur Tsuruga aufging – diese wiederum wurde dann zehn Jahre später mit anderen Gegenden in der auch heute noch existierenden Präfektur Fukui vereinigt.

Obama hofft auf die baldige Vollendung des Hokuriku-Shinkansens. Dieser fährt seit 2015 von Tokyo über Nagano und Toyama bis Kanazawa, und die Strecke wird verlängert – der Schnellzug soll ab 2022 bis Tsuruga weiterfahren, und ab 2030 soll die Strecke über Obama bis nach Shin-Osaka weitergebaut werden, was schätzungsweise 15 Jahre dauern wird. Die Stadt hofft natürlich, dass mit der Shinkansenanbindung mehr Besucher in die Stadt kommen – ausserdem wird Obama dann für Pendler aus Osaka und Kyoto attraktiv.

Rathaus von Obama - mit einem Transparent, dass den schnellen Bau der Shinkansentrasse fordert
Rathaus von Obama – mit einem Transparent, das den schnellen Bau der Shinkansentrasse fordert

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Asuka & Katori-Viertel 飛鳥区・香取区

Rund 500 Meter westlich des Hauptbahnhofs und direkt an einer kleinen Bucht liegen die alten Stadtviertel Asuka und Katori. Hier befinden sich einige kleine Tempel – der älteste stammt aus dem Jahr 1405 – und hier befanden sich auch seit Jahrhunderten ein paar kleine Herbergen und Gaststätten. Asuka wurde aus drei verschiedenen kleinen Vierteln gebildet und wird deshalb manchmal auch 三丁町 sanchōmachi (Stadt der drei Viertel) genannt, wobei es hier eigentlich nur um 120 Häuser gibt, und davon sind heute noch 72 erhalten.

Historisches Asuka-Viertel in Obama, Fukui
Historisches Asuka-Viertel in Obama, Fukui
Strandpromenade bei Katori in Obama
Strandpromenade bei Katori in Obama

Die Straßenzüge und Häuser sind nahezu ausnahmslos gut erhalten und geben einen netten Einblick darin, wie fast alle japanischen Städte vor 150 bis 200 Jahren so aussahen. Das schöne daran ist, dass Obama auch in Japan kaum bekannt ist – es ist also nicht so überlaufen. Hinzu kommt, dass man auch schön direkt an der langen Strandpromenade flanieren kann, die hier bei Katori und Asuka beginnt und sich rund einen Kilometer lang gen Norden erstreckt.

An fast allen Häusern im Viertel Asuka sieht man kleine, rote Stoffbällchen, die an den Türen und Wänden hängen. Diese werden 身代わり猿 migawari saru bezeichnet, was man mit „stellvertretende Affen“ übersetzen kann. Diese sollen stellvertretend für die Bewohner das Unheil an sich ziehen – es sind also Amulette, die vor allerlei Unbill schützen sollen. Diese gibt es nicht nur hier – man findet sie zum Beispiel auch in der alten Hauptstadt Nara – von dort hat man sich übrig auch den Namen Asuka „geborgt“.

"Stellvertretende Affen" als Amulette findet man an fast jeder Tür
„Stellvertretende Affen“ als Amulette findet man an fast jeder Tür

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Obama-Burgruine 小浜城址

Mitten in der Stadt fliessen drei Flüsse in die Wakasa-Bucht – der Minami-, der Tada- und der Kita-Fluss (Minami = Süd, Kita = Nord). Die drei Flüsse bilden sehr schmale Halbinseln, und eine dieser Halbinseln ist seit langem bewohnt: Dort stand die Burg von Obama, deren Bau 1601 begann. Die Bauherren, sprich der örtliche Clan, wurde jedoch vor der Fertigstellung abberufen und musste so eine halbfertige Burg hinterlassen. Gefolgt wurde der Clan vom Sakai-Clan, der viele Änderungen vornahm und schliesslich 1642 mit dem Bau fertig wurde.

Der Sakai-Clan blieb die herrschende Familie bis zum Beginn der Meiji-Restauration Mitte des 19. Jahrhunderts. Die meisten Burgen wurden zu der Zeit geschliffen, da sie nicht mehr gebraucht wurden. Die Burg Obama jedoch sollte zu einem Stützpunkt des Osaka-Regiments ausgebaut werden, doch bei den Bauarbeiten brach ein Brand aus, der weite Teile der Festung zerstörte. Der Donjon (der Hauptbau) überlebte zwar das Feuer, wurde dann aber letztendlich drei Jahre später ebenfalls geschliffen. 1875 baute man schliesslich auf den verbliebenen Festungsmauern den 小浜神社 Obama-Schrein, der Tadakatsu Sakai, welcher über 200 Jahre vorher den Burgbau fertigstellte, gewidmet wurde. Dieser Schrein ist auch heute noch vorhanden, aber nur von regionaler Bedeutung.

Burgruine von Obama
Burgruine von Obama
Obama-Schrein an der Burgruine
Obama-Schrein an der Burgruine

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Umgebung

Die Küste bei Obama ist stark zergliedert. Die Bucht von Obama wird dabei von zwei großen Halbinseln geschützt, so dass man das offene Meer gar nicht sehen kann. Rund 20 Kilometer nordöstlich der Stadt, auf halbem Wege zwischen Obama und Tsuruga, liegen die 三方五湖 5 Mikata-Seen, die sehr nahe am Meer liegen und unterschiedlich hohe Salzkonzentrationen aufweisen. Diese Mischung aus Bergen, Seen und Wasser macht den Reiz der Landschaft aus.

Zwischen den 5 Seen und Obama wiederum liegt der kleine Weiler 田鴉 Takarasu, mit Reisterrassen und einem formidablen Blick auf die wilde Küste. Hier und in der benachbarten kleinen Bucht gibt es auch kleine Badestrände, bei denen man das (eher kühle) Wasser geniessen kann.

Das Japanische Meer bei Takarasu nahe Obama
Das Japanische Meer bei Takarasu nahe Obama

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Anreise

Obama ist seit 1918 an das Schienennetz angeschlossen – die Stadt liegt an der JR 小浜線 Obama-Linie, die die Stadt Tsuruga rund 50 Kilometer westlich von Obama mit Higashi-Maizuru, einer 35 Kilometer entfernt liegenden Stadt in der Präfektur Kyoto und ebenfalls am Japanischen Meer gelegen, verbindet. Wer mit der Bahn anreist, kommt also um diese Linie nicht herum. Die meisten Verbindungen verlaufen über Tsuruga – von dort braucht die Obama-Linie ziemlich genau eine Stunde. Von Kyōto bis Tsuruga braucht man mit dem Express nur 51 Minuten.

Der kleine Bahnhof von Obama
Der kleine Bahnhof von Obama

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Übernachtung

Die Auswahl beschränkt sich auf ein paar kleinere Business-Hotels. Obama kann leicht als Tagestrip von Kyoto oder Osaka aus erkundet werden, und das machen auch die meisten Besucher.

Zu allgemeinen Übernachtungstipps siehe Übernachtungstipps Japan.

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tabibitohttps://www.tabibito.de/japan/
Tabibito (旅人・たびびと) ist japanisch und steht für "Reisender". Dahinter versteckt sich Matthias Reich - ein notorischer Reisender, der verschiedene Gegenden seine Heimat nennt. Der Reisende ist seit 1996 hin und wieder und seit 2005 permanent in Japan, wo er noch immer wohnt. Wer mehr von und über Tabibito lesen möchte, dem sei Tabibitos Japan-Blog empfohlen.

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