Japan-Almanach: Alles über das Leben und Reisen in Japan. Seit 1998.
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Schweres Erdbeben mit Epizentrum direkt in Osaka: Zwischenbilanz

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Heute morgen, am 18. Juni 2018, gab es um 7:58 in der Kansai-Gegend ein schweres Erdbeben. Das Epizentrum lag dabei direkt unter Japans zweitgrösstem Ballungsgebiet, Osaka. Auf der nach oben offenen Richterskala wurde die Stärke mit 5,9 angegeben; nach der japanischen Skala (die sich mehr nach der Wirkung richtet) wurde im Nordteil eine schwache 6 (6-), im Südteil der benachbarten Kaiserstadt Kyoto eine starke 5 (5+) gemessen. Als Faustregel kann man in Japan sagen, dass nennenswerte Schäden bei einer 6 beginnen – die meisten Bauwerke und Strukturen stecken Erdbeben bis einschließlich 5 halbwegs gut weg.

Da das Epizentrum nicht im offenen Meer lag, gab es von Anfang an keine Sorgen um einen Tsunami. Und: Die Stärke des Erdbebens nach der japanischen Skala im Vergleich zur Richter-Skala war der Tatsache geschuldet, dass das Epizentrum mit einer Tiefe von 10 km nur knapp unter der Erdoberfläche lag. Entgleisungen von Zügen, Zusammenbrüche von Brücken oder Einstürze größerer Bauwerke gab es zum Glück nicht, doch nach jetzigen Kenntnissen sind 3 Todesopfer zu beklagen. Zudem gab es rund 300 Verletzte. Die meisten Züge der Region wurden für weite Teile des Tages erstmal angehalten, um die Infrastruktur auf Schäden zu untersuchen, aber der Grossteil fuhr am Abend wieder. Seit dem Beben am Morgen gab es zudem im Laufe des Tages ein dutzend Nachbeben, aber diese waren alle nicht von nennenswerter Stärke.

Das Beben von heute war das schwerste Erdbeben in Japan seit dem Erdbeben von Kumamoto am 14. April 2016 und eine Erinnerung daran, dass auch Osaka nicht sicher ist: Seit langem ist bekannt, dass es direkt unter der Großstadt einige größere Verwerfungen gibt. Die waren seit langem nicht mehr aktiv, aber das bedeutet nicht, dass sie nicht mehr existieren. Das gleiche läßt sich übrigens auch über die Präfektur Gunma nördlich von Tokyo sagen: Dort gab es erst gestern, am 17. Juni, ein größeres Erdbeben der Stärke 4,6 – das ist für die Präfektur, die bei vielen Japanern als (vergleichsweise!) erdbebensicher gilt, sehr ungewöhnlich.

Stadtzentrum von Osaka
Stadtzentrum von Osaka

Neue Airbnb-Regeln in Japan ab 15. Juni und was sie bedeuten

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Es war nur eine Frage der Zeit, bis der Gesetzgeber in Japan auf Sharing Economy-Vertreter wie Uber und Airbnb reagiert — das ist verständlich, und aus diversen Gründen geschieht das auch anderswo, siehe zum Beispiel Uber in Deutschland und so weiter. Während bisher nahezu jeder bei Airbnb in Japan sein Zimmerchen zur Verfügung stellen konnte, ändert sich dies nun ab dem 15. Juni 2018 (sprich, ab Freitag), denn dann ist jeder Host dazu verpflichtet, eine 届出番号 todokede bangō einzureichen – eine „Registrierungsnummer“. Denn: Ab jenem Tag fallen Airbnb-Unterkünfte unter die 住宅宿泊事業(民泊) jūtaku shukuhaku jigyō (auch: „Minpaku“)-Verordnung. „Minpaku“ bedeutet „Volks-“ und „-haku (paku)“ bedeutet Übernachten. Kurzum bedeutet dies für Airbnb-Hosts nun, dass sie die gleichen Regeln einhalten müssen, die auch Hoteliers einhalten müssen, als da unter anderem wären:

  1. Mindestens 3.3 m² Wohnraum pro Gast
  2. Gesicherte Ventilation sowie die Einhaltung von Hygienestandards
  3. Sicherheitsmaßnahmen für Katastrophenfälle
  4. Registrierung und Meldung von Gästen
  5. Gebrauchsanleitungen, Wegebeschreibungen und dergleichen in Fremdsprachen
  6. Maßnahmen zur Geräuschregulierung
  7. Maßnahmen zur Abfallbeseitigung

und so weiter. Die Tourismusbehörde hat die Informationen netterweise auch auf Englisch zur Verfügung gestellt – siehe hier.

Die eigentliche Liste ist lang und beinhaltet etliche Stolpersteine. So dürfen Airbnb-Hosts ab jetzt maximal an 180 Tage im Jahr vermieten, und, auch das ist neu, die Gastgeber müssen persönlich die Gäste „empfangen“ bzw. „überprüfen“. Das geht zwar auch über Videoschaltung, in dem der Host ein Tablet bereitstellt, aber das mehr oder weniger anonyme Übernachten geht nicht mehr. Ausserdem dürfen Kommunen ihre eigenen Regeln erlassen, und können so zum Beispiel Airbnb in einigen Vierteln ganz verbieten oder noch strenger reglementieren.

Um die Registrierung abzuschliessen, mussten Hosts sehr viele Formulare einreichen und Inspektionen vorbereiten – wer das nicht bis zum 15. Juni geschafft hat, wird von Airbnb aus dem Sortiment genommen. Viele haben auch von sich aus Airbnb bereits verlassen – entweder, weil die Registrierung noch nicht durch ist, oder die Aussichten auf eine erfolgreiche Registrierung gering sind. Das hat Folgen: Geschätzte 80% der Airbnb-Unterkünfte in Japan sind durch das neue Gesetz einfach verschwunden, und es ist nicht abzusehen, wie sich die Lage weiterentwickeln wird. Wer übrigens bereits eine Unterkunft gebucht hat, die jetzt nicht mehr beherbergen darf, wird wohl von Airbnb mit Coupons entschädigt.

Doch was bedeutet dies nun konkret für Japanbesucher? Nun, in erster Linie sind dies schlechte Nachrichten. Noch vor 10 Jahren haben rund 8 Millionen Touristen im Jahr Japan besucht – im Jahr 2017 waren es 29 Millionen (offizielle Zahlen, hier erhältlich). Das sind also 3.5 mal so viele Besucher. Es wird enger, und das gilt auch für den Hotelsektor. Japanische Hotels sind zudem dafür bekannt, dass sie entweder extrem eng oder reichlich teuer sind – Airbnb bot da eine willkommene, meist günstige und zudem auch noch abwechslungsreiche Alternative.

Besonders schmerzlich werden kleinere Gruppen, sprich Familien mit Kindern und dergleichen, Airbnb vermissen: In üblichen Businesshotels kann man mit Kindern zum Beispiel kaum absteigen, und die richtigen Hotels ausserhalb der Städte oder gar Ryokans (traditionelle Herbergen) sind einfach für viele zu teuer. Airbnb-Unterkünfte hatten zudem den Vorteil, dass man oft in Gegenden übernachten konnte, in die man sonst kaum kommen würde, und da man sich dort meist selbst verpflegen und seine Wäsche waschen kann, konnte man gleich doppelt Geld sparen. Laxere Regeln bedeuteten auch, dass auch weniger betuchte Japaner mit Airbnb vermieten konnten – diese Zeiten sind jetzt vorbei. Eigentlich schade.

Ertappt! Skandal beim Erstellen des Internationalen Führerscheins

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Wer einen japanischen Führerschein sein eigen nennt, kann den im Ausland so ohne weiteres nicht benutzen. Man muss sich, für viele Länder zumindest, einen Internationalen Führerschein (genannt 国外運転免許証 kokugai unten menkyoshō) zulegen. Das kann man, zumindest in meiner Präfektur, wohl bei Polizeiwachen beantragen – aber nur werktags – oder man findet sich im Präfekturführerscheinzentrum ein – ein Behördenmoloch, zu dem jeder muss, der den Führerschein macht, selbigen erneuern muss oder eine Strafe aufgebrummt bekommen hat. Der Vorteil an der Sache ist, dass dort auch Sonntags geöffnet ist, und, so man den internationalen Führerschein braucht, man selbigen am gleichen Tag ausgehändigt bekommt.

Um den grauen Lappen zu erstehen, muss man seinen aktuellen Führerschein mitbringen sowie ein Passfoto, das nicht älter als drei Monate alt sein darf. Dann bezahlt man 2,350 yen für Stempelmarken und zeigt zudem noch seinen Reisepass oder irgendein anderes Papier vor, das belegt, das man ins Ausland fahren kann bzw. wird. Gesagt, getan. Ich griff das erstbeste Passfoto, das mir in die Hände fiel, und begab mich zum nagelneuen Gebäude der Führerscheinbehörde – nur 30 km entfernt. Es wimmelte vor Menschen, auch am Schalter für internationale Führerscheine, aber die Menschenmassen, so ist man das in Japan ja gewohnt, werden ziemlich effizient durchgelotst. Stempelmarken gekauft, beim Schlangestehen Formular ausgefüllt, und nach rund 20 Minuten war ich an der Reihe. Dort bedankte man sich für die Dokumente und sagte mir, dass ich in 60 bis 90 Minuten aufgerufen werde.

Und in der Tat, nach einer guten Stunde wurde mein Name gerufen. Und dann gab es Schimpfe: Dummerweise hatte ich nicht gemerkt, dass das Passfoto genau das gleiche ist, das in meinem Reisepass klebt – und der wurde im Jahr 2010 erstellt. „So geht das aber nicht! Gehen Sie mal flott nach oben und machen Sie am Automaten ein neues Foto!“. Der Einwurf, dass ich in den letzten 8 Jahren doch eigentlich kaum gealtert sei, wurde mit einem müden Lächeln abgetan. Immerhin konnte ich nach 5 Minuten wieder sofort zum Schalter, und innerhalb weiterer 5 Minuten wurde mir der Internationale Führerschein ausgehändigt. Leider ist der jeweils nur ein Jahr gültig – will ich also im nächsten Jahr im Sommer wieder irgendwo anders ein Auto mieten und herumfahren, kann ich das ganze gleich noch mal machen…

Mit dem Internationalen Führerschein kann man wohl auch in Deutschland herumfahren — so lange man nicht länger als ein halbes Jahr dort bleibt. Deutschland akzeptiert zudem wohl auch eine beglaubigte Übersetzung des japanischen Führerscheins — andere Länder tun das nicht.

Touristenrummel in Fuji-Goko und eine grausame Sage

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Fuji-san - vom Kachikachiyama aus gesehen

Gestern zog es uns mal wieder aus zur 富士五湖 Fuji-Goko – den 5 Seen des Mt. Fuji, einer Seenkette nördlich des Fuji-san. Das Ziel war dieses Mal der Kachikachi-Yama am östlichen Seeufer des 河口湖 Kawaguchi-ko genannten Sees. Dort fährt nämlich eine Seilbahn bis auf gut 1’000 Meter Höhe, und von dort hat man einen schönen Blick auf den Fuji-san und alles, was sich so am Fuße des Berges erstreckt, inklusive Fuji-Q-Highland, Autobahn und riesigen Übungsplätzen der japanischen Armee Selbstverteidigungskräfte.

Plötzlich fanden wir uns im Mittelpunkt des Touristenrummels wieder: Unzählige Reisebusse standen herum, und tausende Besucher, die meisten aus China, viele aber auch aus den USA und Europa, rödelten mehr oder weniger zielstrebig durch die Gegend. So viele Ausländer habe ich schon lange nicht mehr auf einem Haufen gesehen. Da an Orten wie diesem ein Restaurant wie das andere ist, kehrten wir einfach irgendwo ein, und plötzlich waren wir die einzigen Gäste. Zwei gelangweilte Angestellte, ältere Damen, händigten die Speisekarte aus. Schnell wurde gewählt – den Kindern verlangte nach Takoyaki (frittierte Teigbällchen mit Oktopusfüllung), für die Eltern gab es Hōtō – ein Gemüse-Miso-Eintopf mit sehr breiten Nudeln. Und siehe da: Die Takoyaki waren Tiefkühlkost, und die Hōtō konnte man nur mit viel Mühe schlechter hinbekommen. Immerhin waren die Preise sehr zivil. Richtig amüsant waren jedoch die beiden Angestellten, die sich in Hörweite über ihre einzigen Gäste unterhielten. Diese Gäste (sprich: wir) hatten kurz vorher wohlgemerkt das Essen auf Japanisch bestellt, und meine Gemahlin ermahnte auch in regelmäßigen Abstand den Sohnemann zum richtigen Benehmen. Auf Japanisch, natürlich. Und dennoch – die Angestellten merkten an,, ganz so als ob wir nicht da wären, wie schön doch das Töchterchen die Stäbchen hält, wie gut doch manche Ausländer neuerdings Japanisch sprechen und dergleichen. Ganz ungeniert. Ganz unverfroren.

Meine Frau stammt aus Kyushu und hat einen etwas dunkleren Teint. Nichts Ungewöhnliches in Japan, aber es kam schon vor, dass sie mit dem indischen Hallo „नमस्ते“ begrüsst wurde oder jemand ihr Japanisch lobte. Für mich ist das freilich jedes Mal eine saukomische Angelegenheit. Dass sich aber Angestellte in einem Restaurant so hörbar über ihre einzigen Gäste unterhalten, habe ich in Japan auch noch nicht erlebt. Die Qualität des Essens war für japanische Verhältnisse ebenfalls schockierend – die Touristen, die dort reinstolpern, tun mir ehrlich leid. Aber mit der steigenden Zahl der Besucher werden wohl auch solche Orte zunehmen (nun gut, eigentlich gab es die schon immer…). Fazit: So schnell muss ich da nicht wieder hin. Aber der Anblick des Fuji-san ist von dort schon sehr beeindruckend.

Doch was hat es mit dem カチカチ山 Kachikachi-Yama, auf gut Deutsch „Knisterberg“, auf sich? Hinter dem Namen steckt eine reichlich grausame Sage: Vor langer, langer Zeit lebte ein älteres Ehepaar in der Gegend, doch ein boshafter Tanuki (Marderhund – und eine beliebte Sagengestalt in Japan) machte den Alten das Leben schwer. Es spielte den beiden Streiche, fraß die mühsam ersparte Saat auf und dergleichen. Doch eines Tages stellte der Alte dem Tanuki eine Falle, und brachte das gefesselte Tier nach Hause. Seine Frau versprach ihm daraufhin, zum Abend eine deftige 狸汁 Tanuki-jiru (Tanukisuppe) zu kochen. Doch der Tanuki zog alle Register und überzeugte die alte Frau, dass er sich bessern und im Haushalt helfen werde. Kaum losgelassen, erschlug er die Alte – und machte aus ihr 婆汁 babā-jiru (Alte-Frau-Suppe), verwandelte sich in die Alte und setzte die Suppe dem Gatten zum Abendmahl vor. Dieser aß sie auf und erfuhr hernach, was er gerade verzehrt hatte. In seinem Zorn wandte er sich an einen befreundeten Hasen, da er sich selbst nicht im Stande sah, den Tanuki zu besiegen.

Der Hase lud den Tanuki zum Reisig sammeln am Berg ein. Als der Tanuki das gebündelte Reisig auf dem Rücken trug, setzte der Hase das Reisig in Brand. Der Tanuki wunderte sich, woher das knisternde (auf Japanisch: „kachikachi“) Geräusch kommt, doch der Hase, nicht auf den Mund gefallen, beschwichtigte den brennenden Tanuki: Man sei hier am „Kachikachi-Berg“, und dort leben die Knistervögel, die eben ein solches Geräusch machen.

Der Tanuki verbrannte sich schwer am Rücken, doch der Hase hatte gleich eine passende Medizin parat: Miso (eine Bohnenpaste), in die er Pfefferschoten mischte. Kaum hatte sich der Tanuki von den brennenden Schmerzen erholt, lud der Hase den Tanuki zum Fischen ein. Er präsentierte dem Tanuki ein Boot aus Holz und ein Boot aus Schlamm und sagte, dass man mit letzterem mehr Fische transportieren könne. Da der Tanuki für seine Gier bekannt war, wählte er natürlich das Boot aus Schlamm… und ertrank jämmerlich auf dem See.

Samurai Blue fertig für Fußball-WM in Russland. Oder?

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Ja, auch dieses Mal hat sich die japanische Fussballnationalmannschaft für die Fußballweltmeisterschaft qualifiziert, und das ist auch gut so: Wären die sogenannten Samurai Blue nämlich nicht dabei, würde man während der WM wahrscheinlich so gut wie gar nichts über selbige in den Medien hören.

Die Vorzeichen sind allerdings etwas gemischt. So beschloss man, für Außenstehende etwas plötzlich, den bisherigen Coach Vahid Halilhodžić zu feuern – der bosnische Ex-Fußballprofi führte das Team immerhin drei Jahre lang an, doch so kurz vor der WM schien es plötzlich nicht mehr zu gehen, und das soll unter anderem daran gelegen haben, dass er drauf und dran war, beliebte Spieler wie Honda und Kagawa aus dem Kader zu schmeißen – dafür hatte man dann doch wenig Verständnis. Das Faible für bosnische Nationaltrainer ist dabei ein kleines Rätsel; leitete doch schon 2006-07 ein Bosnier (Osim) das Team. Halilhodžić wurde nun von Akira Nishino, einem erfahrenen Trainer aus heimischer Produktion, abgelöst. Und die Premiere hat dieser am Mittwoch schon mal grandios vermasselt, als er mit den Samurai Blue in Yokohama bei einem Freundschaftsspiel 0:2 gegen Ghana verlor.

Basierend auf dem Spiel gab der Trainer heute die endgültige Aufstellung der Nationalelf bekannt, und die sieht nun wie folgt aus:

Torwart:
Eiji Kawashima (Metz), Masaaki Higashiguchi (Gamba Osaka), Kosuke Nakamura (Kashiwa Reysol)

Verteidiger:
Yuto Nagatomo (Galatasaray), Tomoaki Makino (Urawa Reds), Maya Yoshida (Southampton), Hiroki Sakai (Marseille), Gotoku Sakai (HSV), Gen Shoji (Kashima Antlers), Naomichi Ueda (Kashima Antlers), Wataru Endo (Urawa Reds)

Mittelfeld:
Makoto Hasebe (Eintracht Frankfurt), Keisuke Honda (Pachuca), Takashi Inui (Eibar), Shinji Kagawa (Borussia Dortmund), Hotaru Yamaguchi (Cerezo Osaka), Genki Haraguchi (Fortuna Düsseldorf), Takashi Usami (Fortuna Düsseldorf), Gaku Shibasaki (Getafe), Ryota Oshima (Kawasaki Frontale)

Stürmer:
Shinji Okazaki (Leicester City), Yuya Osako (Werder Bremen), Yoshinori Muto (Mainz)

Interessant: 8 Spieler des 23-köpfigen Kaders spielen in der J-League, der japanischen Liga, und 7 in der Bundesliga. Ach ne, ‚tschuldigung, 6 – der HSV ist ja nun abgestiegen. Das ist beachtlich aber für Kenner natürlich nicht unerwartet, da sich ja gerade in den deutschen Ligen überdurchschnittlich viele Japaner verdingen.

Hoffen wir für Japan also, dass das Trainerwirrwarr so kurz vor der WM keine Schäden hinterlässt! Ein gutes Vorzeichen gibt es schliesslich auch: Der neue Trainer Nishino war im Jahr 1996 Trainer der japanischen Nationalmannschaft bei den Olympischen Spielen in Atlanta und schaffte dort das マイアミの奇跡 Wunder von Miami: Japan gewann gegen Brasilien 1:0.

In der Vorrunde spielt Japan dieses Jahr übrigens gegen Kolumbien (19. Juni, in Saransk), Senegal (24. Juni, Jekaterinenburg) und Polen (28. Juni, Wolgograd).

In eigener Sache: Der Japan-Führer als eBook

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Facebook-Freunde des Japan-Almanachs mögen mir die erneute Erwähnung nachsehen, aber da nicht alle bei Facebook sind (warum auch), möchte ich der Veröffentlichung einen eigenen Artikel widmen.

Vor ein paar Wochen habe ich beschlossen, den Japan-Almanach-Reiseführer (ohne Blogteil) als eBook zur Verfügung zu stellen – vorerst nur auf Amazon, als Kindle-eBook (hier geht es zum Buch). Darin werden über 140 Reiseziele in Japan ausführlich beschrieben, neben zahlreichen Informationen zum Reisen, zur Küche, zur Geschichte, zum Wetter und so weiter und so fort. Ein echter Reiseführer eben. Alle, aber auch wirklich alle Informationen (und Fotos und Karten) sind aus erster Hand und das Ergebnis von 22 Jahren Reisen in Japan.

Insgesamt sind daraus nun gute 1’800 eBook-Seiten geworden – leider zu viel, um das mal eben einem Verleger nahezubringen. Die meisten Artikel sind dabei auch (nach wie vor) online verfügbar, aber ich könnte mir vorstellen, dass eine Offline-Variante für den einen oder anderen ganz nützlich sein könnte, um so auch ohne Wifi-Zugang stöbern zu können. Da es zudem etliche nicht im Web verfügbare Extrakapitel gibt, hoffe ich, dass der Preis von 9,90 Euro nicht zu hoch ist.

Gelegentlich werde ich das eBook natürlich überarbeiten. Bis dahin bin ich für Feedback und/oder Rezensionen natürlich immer dankbar (am Layout gibt es zum Beispiel ein paar Dinge zu überarbeiten – kein Wunder bei so vielen Seiten). Und falls genügend Interesse an einer Kobo/iBook/PDF-Variante besteht, könnte das eventuell später noch folgen.

In diesem Sinne… bitte weitersagen, und vielen Dank für’s Lesen!

Älter aber kein bisschen leiser: „Bōsōzoku“, die Motorradrebellen Japans

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Irgendwie mag ich sie, auch wenn sie wirklich einen ohrenbetäubenden Lärm machen: Die japanischen 暴走族 Bōsōzoku, wörtlich: „rasen – Familie/Clan“, die japanische Variante der „Motorradrocker“. Diese funktionieren jedoch etwas anders, als man es sich in europäischen Gefilden so vorstellt. Die japanischen Motorradgangs nehmen bevorzugt Motorräder wie die Honda CBX400F oder Kawasaki Z400FX (Hauptsache japanische Produktion, und weder zu viel noch zu wenig Hubraum), schrauben ein sogenanntes „Rocket Cowl“ vorn dran, installieren sehr hochgezogene Sitze und entfernen den Schalldämpfer. Das Ergebnis sind wahnsinnig laute und meist sehr farbenfrohe Mopeds, mit denen dann ordentlich stufenweise Gas gegeben wird. Es geht keinesfalls um Geschwindigkeit, sondern ausschliesslich um Lautstärke. Das steigert sich meist noch, da sie gern in Pulks fahren. Natürlich ist das ganze verboten – allein das Absägen des Auspuffs ist, verständlicherweise, verboten, und die Fahrweise (Schlängellinie, Autos umzingeln, im Kreis fahren und dergleichen) ist freilich auch meistens nicht koscher. Dementsprechend spielt man gern mit der Polizei Katz und Maus, aber ganz offensichtlich bekommt die Polizei das Problem nicht in den Griff, denn die Banden gibt es seit Jahrzehnten, und Gerüchten zufolge gibt es immer mehr ältere Mitglieder – gestandene Männer, die früher auf lauten Maschinen unterwegs waren und das ganze wieder neu entdecken.

Auf dem Land findet man sie häufig, und in Küstennähe: Die Shōnan-Gegend (rund um Enoshima/Kamakura) ist sehr beliebt, aber auch die Pazifikküste von Chiba zum Beispiel. Dort hatte ich gestern das Vergnügen, einen Pulk von rund 100 Motorrädern aus nächster Nähe zu betrachten. Der hielt sich allerdings ganz gesittet an rote Ampeln und entrichtete auf der mautpflichtigen Küstensstraße bei Kujūkurihama den Wegzoll. Mit viel Lärm wurden die Münzen in den Geldtrog geworfen. Gewalttätig sind die meisten Bōsōzoku nicht direkt, aber untereinander gibt es mitunter schon Fehden, und viele Mitglieder sind stramm national ausgerichtet – die kaiserliche Kriegsflagge zählt zur Standardausrüstung, und als Ausländer betrachtet man die Gangs sicherheitshalber mit etwas Abstand, da man nie weiss, was die Gruppendynamik so bewirken kann. Viele machen das Ganze jedoch einfach nur als ihre Form der Rebellion gegen die Gesellschaft, in der große Lautstärken, egal ob beim Sprechen oder bei der Musik und allem anderen als unangemessen gilt. Krach machen als Rebellion gegen das Establishment, quasi.

Typisches Bōsōzoku-Outfit
Typisches Bōsōzoku-Outfit

Nächtliches Tête-à-tête mit der Polizei – Reloaded

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Es ist eigentlich schon ein paar Wochen her, aber jetzt fiel es mir wieder ein. Es war eine lange Nacht im Büro, eine von vielen, denn wir arbeiteten an einem grossen Projekt, das irgendwann beendet werden wollte. Kurz nach 11 Uhr nachts begab ich mich auf den Heimweg, und da es regnete, beschloss ich, die 5 km, die zwischen meinem Haus und meinem Bahnhof liegen, nicht mit dem Fahrrad zurückzulegen, sondern mit dem Bus. Gesagt, getan. Eine gute halbe Stunde später stieg ich also in den Bus, und es goss wirklich in Strömen. Und es war noch ziemlich kalt. Eine weitere knappe halbe Stunde später, also gegen Mitternacht, kam ich an meiner Haltestelle an. Die befindet sich auf einem winzigen Pass, und auf dem Weg nach Hause laufe ich erst an einem Wasserwerk auf einem Hügel vorbei, dann eine steile Strasse in ein Tal herunter und dann wieder auf der anderen Seite berghoch. Klingt dramatisch, dauert aber alles in allem nur 6, 7 Minuten zu Fuß.

Rund um das Wasserwerk herum ist es natürlich relativ dunkel, und gegen Mitternacht sind freilich kaum Leute unterwegs. Trotzdem steht dort (ist ja schließlich Japan!) ein Getränkeautomat wie ein leuchtender Wegweiser mitten im Nichts. Ich beschloss, wie so oft, mir zur Belohnung einen Dosenkaffee zu ziehen. Kurzer Blick ins Portemonnaie: Ein 10’000 Yen-Schein (den man an den meisten Automaten nicht benutzen kann), zwei 50-yen-Münzen und ein paar 1-Yen-Aluchips. Glück gehabt. Also stecke ich 50-Yen-Münze Nummmer 1 in den Schlitz, und will gleich ihren Bruder hinterherjagen, als der mir aus den regennassen Fingern gleitet und runterfällt. Schöne Bescherung. Auf Anhieb ist die Münze auch nicht sichtbar, schließlich ist es rund um den Automaten, untenrum zumindest, ziemlich dunkel und schlammig. Was tun? Handy an, und zur Taschenlampe umfunktioniert, bücke ich mich und schaue unten am Automaten nach, ob sich Münze Nummer 2 dort irgendwo aufhält. Und siehe da: Gefunden! Ein kurzes Gefühl der Freude wird umgehend von einer Hand auf meiner Schulter unterbrochen. Ich zucke gehörig zusammen, da ich mich ja schliesslich allein wähnte, und ich erschrecke mich gleich noch einmal, als ich sehe, dass an der Hand ein ausgewachsener Polizist dranhängt.

Jener wünscht mir erstmal einen guten Abend und fragt mich, was ich da eigentlich so treibe. Gute Frage! Bereitwillig kläre ich ihn auf und zeige ihm die verschmutzte 50-Yen-Münze. Er zeigt auch sofort Verständnis, startet aber dennoch ein kleines Quiz. Wo ich denn wohne. Und seit wann. Und ob ich gerade von der Arbeit komme. Scheinbar ist er noch nicht so richtig überzeugt und möchte meine Alien Registration Card Zairyū-Card sehen. Dort steht ja schließlich auch meine Adresse drauf. Als verantwortungsvoller und aufgeklärter ausländischer Mitbürger kenne ich natürlich meine Rechte – ja, die Karte muss ich auf jeden Fall dabei haben. Nein, zeigen muss ich sie ihm eigentlich nicht. Aber welchen Sinn bringt es, da zu diskutieren? Ob ich sie ihm nun jetzt zeige oder er mich zur Wache bittet und ich sie dort präsentiere ist schließlich egal.

Die Adresse auf der Karte hat ihn zum Glück überzeugt, und er drückt noch sein Beileid darüber aus, dass ich so lange arbeiten muss. Wir wünschen uns noch ein schönes Leben und ziehen von dannen… wie auch bei der anderen Begegnung mit der Polizei war der Beamte sehr nett – und sehr neugierig, aber so ganz konnte ich es ihm nicht verübeln – schließlich untersuchte ich ja gerade einen einsamen Getränkeautomaten des nächtens mit einer Lampe.

Neuigkeiten vom Gacha-Gacha-Markt | Gläserner Wald-Galerie in Hakone

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Gacha Gacha: Deutsches Panzerdivision Vol. 2
Gacha Gacha: Deutsches Panzerdivision Vol. 2

Der japanischen Variante des Überraschungseis, nur ohne Schokolade, hatte ich schon ein Mal einen Artikel gewidmet: Obsession Gacha. Just fielen mir aber zwei neue Gacha-Gacha-Konstellationen ins Auge. In der Spielwarenabteilung eines Kaufhauses konnte man da für nur 400 Yen, also 3 Euro, eine Plastikkugel mit einem Panzermodell drin erstehen: „WORLD TANK MUSEUM [deformation]“ „Deutsches Panzerdivision“ Vol.2. Nein, das „deutsches“ ist es nicht – das schöne an der Aufmachung ist das Wort „deformation“. Gemeint ist im Japanischen Englisch damit die bewusste Abänderung der Form – man wandelt die Modelle also leicht um. Darunter steht dann noch: „精密なのにかわいい“: „Detailliert und dennoch niedlich (kawaii)“. Ja, hat man denn jemals schon mal so einen niedlichen Zweiter-Weltkrieg-Panzer gesehen? Also ich jedenfalls nicht! Und um die Sache noch abzurunden, steht daneben ein anderer Automat, der Buddhastatuen ausspuckt. So selten sind beide übrigens eigentlich nicht – auch in Japan hat man es mit Militaria, und das fängt bei den Kindern natürlich an.

Ein anderer Automat fiel mir gestern in der „Gläsernen Wald-Galerie“ in Hakone auf: Ein „セレブのガチャ“ (celeb no gacha), mit „celeb“ ist „celebrity“ gemeint. Da kostet eine Plastikkugel gleich mal 1’000 Yen, und wer etwas Glück hat, findet darin sogar etwas richtig Wertvolles. Angeblich. Ob es stimmt, weiß ich natürlich nicht. A propos ガラスの森美術館 Gläserner Wald-Galerie: Jenes steht in Hakone und ist durchaus einen Ausflug wert. Das Museum spezialisiert sich auf venezianisches Glas aus den vergangenen 500 Jahren, und darunter gibt es zahlreiche sehr schöne Stücke. Typisch Japan: Die Verkaufsfläche des Galerieshops ist so ziemlich genauso groß, wenn nicht größer, als die Ausstellungsfläche. Da wundert man sich letztendlich schon, dass man 1’500 Yen Eintritt dafür bezahlen soll, um sich letztendlich ein großes Glasgeschäft anzusehen. Der Parkplatz nebenan kostet natürlich extra. Bei Sonnenschein und an Wochenenden braucht man sich übrigens gar nicht erst bemühen — dann sind alle Straßen rundherum verstopft und das Museum rappelvoll. Das ist erst etwas bei schlechtem Wetter (aber selbst dann ist es voll) oder an Wochentagen.

Alte Glasschale aus Venedig in der Galerie in Hakone
Alte Glasschale aus Venedig in der Galerie in Hakone

Verkehrskollaps zu den olympischen Spielen?

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Heute wurde eine Studie von Azuma Taguchi, seines Zeichens Professor an der Fakultät für Wissenschaft und Ingenieurwesen der Chūō-Universität, veröffentlicht, in der er die Ergebnisse einer Verkehrssimulation während der Olympischen Spiele 2020 in Tokyo vorstellte¹. Der Befund: Sollte sich nichts ändern, ist durchaus ein Kollaps der öffentlichen Nahverkehrsmittel zu erwarten. Und der Befund hat Hand und Fuss. An einem normalen Werktag pendeln rund 8 Millionen Menschen mit den Bahnen in und um Tokyo. Auch ohne sportliche Großveranstaltungen bringt das bereits einige Bereiche, insbesondere Bahnhöfe und einige Linien, an den Rand eines Verkehrsinfarkts. Fällt dazu noch aus irgendeinem Grund (defekte Tür, Rauchentwicklung und dergleichen) eine Linie aus, weichen große Menschenmassen plötzlich auf ebenso überlastete Bahnhöfe und Linien aus. An manchen Tagen führt das bereits heute zu einem Dominoeffekt, wo plötzlich auf zahlreichen Linien für eine Weile nichts mehr geht. Zu dieser Gleichung fügte Taguchi nun einfach mal 650’000 Menschen hinzu – Besucher und Teilnehmer der Olympischen Spiele an einem wettkampfreichen Werktag. Man braucht nicht allzu viel Fantasie oder mathematische Gleichungen, um sich vorzustellen, dass diese zusätzliche Menschenmenge das System punktuell zum kollabieren bringen kann.

Doch was tun? Die Frequenz der Züge zu erhöhen ist kaum machbar – auf den großen Linien fahren die Züge oft schon im 2-Minuten-Takt; dichter geht es nicht. Eine Lösung wäre, die Bahnhöfe in unmittelbarer Wettkampfstätte vor und nach der Veranstaltung schlichtweg zu schliessen und die Menschen intelligent von umliegenden Bahnhöfen – das Netz ist schließlich sehr engmaschig – zu den Stadien zu leiten. Eine weitere, bereits erprobte Maßnahme ist die, keine Schnellzüge („急行 kyūkō“) fahren zu lassen, sondern nur noch „各駅 kakueki“, also Züge, die an jedem Bahnhof halten. Das ist durchaus sinnvoll, denn die Abstimmung der beiden Zugarten ist kompliziert, und wenn auch nur ein Zug ein oder zwei Minuten Verspätung hat, gerät alles durcheinander. Eine andere Maßnahme wäre freilich auch, die Wettkämpfe so zu legen, dass sie nicht mit den Stoßzeiten des Berufsverkehrs zusammenprallen, doch das ist leichter gesagt als getan. Letztendlich wird der Schlüssel jedoch in intelligenter Verkehrsführung liegen: Solange die Massen ordentlich in die richtigen Bahnen, im doppelten Sinne, gelenkt werden, sprich, informiert werden, lässt sich ein größeres Chaos verhindern. Sobald jedoch alle den gleichen, womöglich falschen Informationen folgen, könnte es in der Tat kompliziert werden. Erst recht zu der Jahreszeit – die Olympischen Spiele beginnen schließlich unmittelbar nach dem Ende der Regenzeit, und damit zu einer Zeit, wo es in Tokyo unerträglich heiß und schwül ist. Besuchern kann ich deshalb nur raten, sich so weit wie möglich im Voraus zu informieren, wo sich was befindet, und welche Alternativen es verkehrstechnisch gibt, denn der nächstgelegene Bahnhof wird in vielen Fällen die schlechteste Lösung sein.

¹ Siehe hier

  • Gezwitschertes

  • Tabibito meets Facebook

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