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Schriftzeichen 卍 wird immer beliebter — doch was bedeutet es?

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Japanisches (chinesisches) Schriftzeichen Manji
Japanisches (chinesisches) Schriftzeichen Manji
Seit einigen Wochen wird ein normalerweise eher selten benutztes Schriftzeichen von immer mehr jungen Japanern in sozialen Netzwerken benutzt. Das Schriftzeichen besteht aus sechs Strichen und jagt vielen ausländischen Besuchern erstmal einen Schrecken ein, da es ja umgehend an das berüchtigte Hakenkreuz der Nazis erinnert (welches man ja ebenfalls gelegentlich in Japan sieht, aber dieses Schriftzeichen ist nun mal gespiegelt). Gelesen wird es BAN oder MAN (ON-Lesung) beziehungsweise manji (kun-Lesung). Man sieht es recht häufig in Japan — vor allem auf Stadtplänen, wo es oft als Symbol für einen Tempel steht. An letzteren kann man es mitunter auch sehen. Ganz eigentlich ist es ein Schriftzeichen buddhistischen Ursprungs und symbolisiert Glück.
Das ganze begann wahrscheinlich mit jemandem, der quasi als phonetisches Wortspiel

マジ卍 (maji manji)

schrieb. „maji“ ist die Kurzform für „真面目 majime“ – „ernst“, und „maji manji“ soll wohl „extrem“ oder „absolut“ bedeuten — aber so recht weiss das noch keiner so richtig. Linguisten rätseln noch immer darüber, wie und warum das Schriftzeichen plötzlich so oft auftaucht, so zum Beispiel in diesem Artikel, aber, und das klingt durchaus plausibel, es könnte sich durchaus zu einen neuen Slangbegriff für einen Superlativ entwickeln – quasi in den Fußstapfen von
超~ chō-
激~ geki-
鬼~ oni-
めちゃ~ mecha-
ガチ~ gachi
und so weiter, die man allesamt mit
extrem… (kalt usw.)
übelst…
berst…
und was es nicht noch so alles im Deutschen gibt übersetzen kann. Beispiel: めちゃ寒い mecha samui = extrem kalt / übelst kalt usw. In diesem Sinne — nicht wundern, wenn es in japanischen sozialen Netzwerken bald nur noch so vor Hakenkreuzen wimmelt – die wollen alle nur spielen…

tabibitohttps://www.tabibito.de/japan/
Tabibito (旅人・たびびと) ist japanisch und steht für "Reisender". Dahinter versteckt sich Matthias Reich - ein notorischer Reisender, der verschiedene Gegenden seine Heimat nennt. Der Reisende ist seit 1996 hin und wieder und seit 2005 permanent in Japan, wo er noch immer wohnt. Wer mehr von und über Tabibito lesen möchte, dem sei Tabibitos Japan-Blog empfohlen.

2 COMMENTS

  1. Hahaha … meine juengere Tochter, 15 Jahre (1. Jahrgang Oberschule) alt, benutzt das Wort „manji“ in jedem zweiten Satz! Zumindest in Yamanashi scheint es unter Oberschuelerinnen im Moment der voellige Renner zu sein.
    Seit einiger Zeit ist uebrigens noch etwas interessantes aufgetaucht: „kusa“. Das leitet sich aus „ww“ (warawara = warau warau) ab, was man vielleicht mit „lol“ uebersetzen koennte, weil es als „lachen“ am Ende von Saetzen verwendet wird. Weil das „ww“ so aussieht wie Gras, sagen hier viele Joshikosei (Oberschuelerinnen) einfach „kusa“ oder schreiben das Kanji dafuer anstelle von „ww“.

    • Interessant!
      Ich dachte bisher immer, dass 艸 für zwei Hände vor dem Mund (= kichern, lachen, deshalb die Hand vor dem Mund) steht, aber die Ähnlichkeit zum „ww“ lässt sich nicht leugnen…

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