KyushuFukuokaKitakyushu - das Tor zur Insel Kyushu

Kitakyushu – das Tor zur Insel Kyushu

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Region 九州 Kyūshū
Präfektur Fukuoka 福岡
Rang 3 von 5 Sternen: Durchaus sehenswert
Name Kitakyūshū. Die Schriftzeichen im Namen sind , gelesen „HOKU, kita“ für „Norden“, , gelesen „KYŪ, nanoka“ für die Zahl „Neun“ sowie , gelesen „SHŪ, su“ für „Provinz“. Die letzten beiden Zeichen ergeben das Wort „Kyūshū“, der Name der Insel, der übersetzt „9 Provinzen“ bedeutet, da die Insel einstmals aus neun Provinzen bestand (im Gegensatz zu Shikoku, was „4 Länder“ bedeutet. Kitakyūshū ist ein beschreibender Kunstname, der nach der Zusammenlegung verschiedener Orte im Nordosten von Kyushu vergeben wurde – er bedeutet schlicht „Nord-Kyushu“.
Lage Kitakyushu befindet sich am nordöstlichen Zipfel der Insel Kyushu und umfasst auch die Küste an der zum Teil weniger als einen Kilometer breiten Meeresstraße zwischen der Insel Honshu und Kyushu. Die größte Stadt von Kyushu, Fukuoka, liegt rund 70 Kilometer entfernt, und von Tokyo ist die Stadt rund 1’000 Kilometer entfernt.
Ansehen Die restaurierte, aber dennoch interessante alte Burg von Kokura. Der Tanga-Markt. Das Stadtzentrum.

Kitakyushu ist eine Ex-Millionenstadt, die 1963 aus 5 unabhängigen Städten zusammengeschweißt wurde (siehe unten). Da die Gegend direkt am „Eingang“ zu Kyushu liegt, war die Gegend schon immer relativ dicht besiedelt und sehr bedeutend. Schon vor über 100 Jahren lebten im heutigen Stadtgebiet über 400’000 Menschen, und 1965 überschritt man die 1-Millionenmarke. Seit dem Jahr 2000 verlor Kitakyushu jedoch mehr und mehr an Anziehungskraft – die Stadtbevölkerung fiel unter die 1 Million, während Fukuoka ungebremst Menschen anzieht.

Die Gegend war und ist seit mehr als 100 Jahren eines der wichtigsten Industriegebiete Japans. Im sogenannten 太平洋taiheiyōベルトberuto, dem „Pazifischen Gürtel“, welcher von Tokyo bis zur Nordostspitze von Kyushu reicht, wurden und werden rund 60% aller japanischen Industriegüter gefertigt. Die vier größten Industriegebiete Japans bezeichnet man seit mehr als 100 Jahren als die yondai工業kōgyō地帯chitai (4 Große Industriegebiete), als da wären:

  1. Kitakyūshū 北九州
    Dies ist das älteste Industriegebiet Japans. Eisenerze wurden hierher aus dem Ausland mit dem Schiff transportiert, und zusammen mit importierter bzw. damals zum Teil auch noch in Kyushu verfügbarer Kohle wurde hier im Jahr 1901 das erste große Stahlwerk Japans errichtet – das Yawata-Stahlwerk. Das gibt es auch heute noch.
  2. Hanshin 阪神
    Umfasst die Gegend rund um Kōbe und Ōsaka. Hier begann die Produktion von elektrischen und später elektronischen Gütern – das ist auch heute noch aktuelle.
  3. Chūkyō 中京
    Umfasst die Gegend von Aichi (Nagoya) und den nördlichen Teil von Mie, rund um Yokkaichi. Traditionell für Textilindustrie bekannt, entwickelte sich dieses Industriegebiet zum Zentrum der Automobilindustrie.
  4. Keihin 京浜
    Umfasst die Gegend von Tokyo, Kawasaki und Yokohama. Hier wurden ab 1913 planmäßig große Neulandinseln angelegt, die erstmals die direkte Löschung großer Frachtschiffe erlaubten. Hier siedelte sich vorrangig Schwerindustrie an.

Die Stahlindustrie ist auch heute noch prägend – es gibt drei große Stahlmühlen im Stadtgebiet, darunter auch die 1901 in Betrieb gegangene Yahata-Stahlmühle. Die Werke gehören zu Nippon Steel, viertgrößter Stahlproduzent der Welt, und beschäftigen über 5’000 Menschen.

Blick auf den Murasaki-Fluss Richtung Süden
Blick auf den Murasaki-Fluss Richtung Süden
Kitakyushu auf einen Blick: Rathaus (links), Kokura-Burg und Riverwalk-Einkaufszentrum
Kitakyushu auf einen Blick: Rathaus (links), Kokura-Burg und Riverwalk-Einkaufszentrum

Die größte Stadt der Gegend war bis 1963 Kokura, welches im Jahr 1900 das Stadtrecht verliehen bekam. Schon vorher, als die alten Lehen abgeschafft und die Präfekturen geschaffen wurden, gab es eine Präfektur Kokura, doch die ging nach nur 5 Jahren in der Präfektur Fukuoka auf.

Beinahe erlangte Kokura im 2. Weltkrieg traurige Berühmtheit. Natürlich waren die Stahlwerke ein wichtiges Ziel amerikanischer Bomberangriffe – die ersten schweren Bomberangriffe auf Japan galten dem heutigen Kitakyushu. Das geschah am 16. Juni 1944. Am 9. August 1945, drei Tage nach dem Atombombenabwurf auf Hiroshima, sollte die 2. Atombombe auf Kokura abgeworfen werden. Die Bombe sollte auf Sicht abgeworfen werden, doch auch nach drei Anflügen gelang es dem Piloten nicht, den genauen Abwurfort zu identifizieren, da Stahlwerker Teer und andere Sachen verbrannten und so eine Nebelwand generierten. Der Bomber drehte schließlich ab und warf die zweite Bombe auf das Ausweichziel – die Stadt Nagasaki mit ihren zahlreichen Bootswerften.

Stadtname Japanisch Bevölkerung1 Anteil in % Fläche in km² Bevölkerungsdichte
Moji 門司市 90,925 9.8 73.7 1,234
Wakamatsu 若松市 78,965 8.6 71.3 1,107
Tobata 戸畑市 56,245 6.1 16.6 3,386
Kokura 小倉市 387,653 42.0 211.0 1,837
Yahata 八幡市 309,554 33.5 119.4 2,593
Gesamt 923,342 100.0 492.0 1,877

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Burg Kokura 小倉城

Mitten in Kitakyushu und nicht weit vom Hauptbahnhof (Kokura) entfernt steht die 小倉kokura – die Burg von Kokura, die auch vom Shinkansen aus sichtbar ist. Die Burg wurde 1569 vom mächtigen, westjapanischen Clan Mōri errichtet. Von 1632 bis 1866 war der Ogasawara-Clan die herrschende Familie in der Gegend. Der Hauptbau der Burg brannte jedoch im Jahr 1837 nieder, und der Rest wurde vom Kokura-Clan während der Unruhen im Jahr 1866 niedergebrannt.

Vom Ende des 19. Jahrhunderts bis zum 2. Weltkrieg wurde das Burggelände als Hauptquartier eines Infanterieregiments genutzt. 1959 schließlich wurde der Hauptbau der Burg rekonstruiert – aus Beton. Der Hauptbau ist nicht sonderlich attraktiv, aber der traditionelle Garten am Fuß der Burg sowie die Reste der Burganlage nebst Mauern und Wassergräben sowie der Ausblick auf die Stadt sind definitiv sehenswert.

Die Burg Kokura im Zentrum von Kitakyushu
Die Burg Kokura im Zentrum von Kitakyushu
Alt und neu: Burgpark, mit der riesigen Mall Riverwalk im Hintergrund
Alt und neu: Burgpark, mit der riesigen Mall Riverwalk im Hintergrund
Blick von der Burg Kokura über die Stadt
Blick von der Burg Kokura über die Stadt
Teil der alten Burgmauer Richtung Rathaus
Teil der alten Burgmauer Richtung Rathaus

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Tanga-Markt 旦過市場

Von den Stadtbewohnern geliebt und von den Stadtplanern gehasst – der alte Tanga-Markt mitten im Stadtzentrum will so gar nicht ins neue, schöne Stadtbild passen. „Tanga“ bezieht sich dabei natürlich nicht auf ein spärliches Stück Unterwäsche – es handelt sich hier um einen japanischen Namen.

Im Tanga-Markt gibt es unzählige und zum Teil sehr alte Geschäfte, in der man wirklich günstig Lebensmittel und andere Dinge erwerben kann. Außerdem gibt es zahlreiche Minirestaurants und Bars. Doch die Struktur ist sehr alt und baufällig, und es kommt deshalb regelmäßig zu schweren Bränden. Im April 2022 brannten dort dutzende Geschäfte nieder – und nur vier Monate später, im August 2022, brannte es erneut – von den über 100 Geschäften brannten dieses Mal 45 komplett nieder. Mehr zum Tanga-Markt, geschrieben nach einem Besuch genau zwischen den beiden Bränden, siehe hier.

Im Tanga-Markt von Kitakyushu
Im Tanga-Markt von Kitakyushu
Von den Einwohnern geliebt, von den Stadtplanern gehasst - der Tanga-Markt in Kitakyushu
Von den Einwohnern geliebt, von den Stadtplanern gehasst – der Tanga-Markt in Kitakyushu

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Anreise

Kitakyushu ist die der Insel Honshu am nächsten gelegenen Stadt auf Kyushu – wer mit der Bahn anreist, kommt also auf jeden Fall hier durch. Die Stadt liegt an der 山陽本線 (JR San’yō-Linie, zu der auch die Shinkansen-Linie gehört), an der 鹿児島本線 Kagoshima-Linie, der 日豊本線 Nippō-Linie sowie der 日田彦山線 Hitahikosan-Linie. Der Hauptbahnhof der Stadt heißt allerdings nicht Kitakyūshū, sondern 小倉 Kokura.

Die knapp 9 Kilometer lange Kitakyushu Monorail im Stadtzentrum
Die knapp 9 Kilometer lange Kitakyushu Monorail im Stadtzentrum

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Übernachtung

Nicht direkt in der Stadt übernachtet, deshalb keine persönlichen Empfehlungen. Zu allgemeinen Übernachtungstipps siehe Übernachtungstipps Japan.

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  1. Offizieller Zensus, Stand 2022
tabibitohttps://www.tabibito.de/japan/
Tabibito (旅人・たびびと) ist japanisch und steht für "Reisender". Dahinter versteckt sich Matthias Reich - ein notorischer Reisender, der verschiedene Gegenden seine Heimat nennt. Der Reisende ist seit 1996 hin und wieder und seit 2005 permanent in Japan, wo er noch immer wohnt. Wer mehr von und über Tabibito lesen möchte, dem sei Tabibitos Japan-Blog empfohlen.

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