Japan-Almanach: Alles über das Leben und Reisen in Japan. Seit 1998.
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Kaitenzushi (Sushi-Karussells) im Aufwärtstrend

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Sie faszinieren eigentlich jeden Japanbesucher – die 回転寿司 Kaiten Zushi-Restaurants, bei denen die Leckerbissen auf kleinen Tellern vor den Augen der Tafelnden endlos vorbeiziehen. Man wähnt sich wie im Schlaraffenland. Sicher, nachher muss irgend jemand dafür bezahlen – die Fische und anderes Getier mit dem Leben, der Gast mit hart verdienten Yensen. Aber so ist das Leben nun mal. Und die Sushirestaurantbetreiber sind nicht faul: Mittels ausgefuchster Technik und immer neuen Ideen sorgt man dafür, dass Kinder in diese Restaurants unglaublich verliebt sind, und sie sorgen ebenso dafür, dass man nunmehr noch nicht einmal Fisch mögen muss, um sich mit einem Kaiten-Zushi anzufreunden: In vielen Ketten gibt es ausser Sushi noch viele andere Sachen – Udon, Ramen, teilweise recht ansprechende Deserts, Sushiarten ohne Fisch (mit Entenfleisch zum Beispiel oder Minihackfleischklöpsen) und dergleichen.

In den Läden der neueren Generation drehen sich oftmals gar keine Sushi mehr auf den Fließbändern. Stattdessen hängen über den Sitzen Tablets, auf denen man die gewünschten Spezialitäten auswählt – diese kommen dann innerhalb von Sekunden auf einem Fliessband angerauscht (bei der Kette Uobei zum Beispiel auf einem Shinkansenmodel) und halten direkt am Platz des Bestellenden. Mit einem Knopfdruck schickt man dann den Shinkansen wieder weg. Dass das auf Kinder eine magische Anziehungskraft ausübt, ist selbstverständlich. Für die zahlenden Eltern oder Großeltern hat das System den Vorteil, dass sie jederzeit auf dem Tablet nachsehen können, wie hoch die Rechnung mittlerweile ist. So bleiben, denn das ist beim Sushi-Essen durchaus keine Seltenheit, unvorhergesehen teure Rechnungen aus.

Und damit der Bequemlichkeit nicht genug: Eine ausgeklügeltes Reservierungssystem erlaubt es den Gästen in manchen Sushiketten, über eine App zu reservieren, und selbst wenn das nicht geht, zeigt der Computer am Eingang bei der Anmeldung meist an, in wieviel Minuten (oder Stunden, wenn es Wochenende ist) man wiederkommen kann, nachdem man seine Wartenummer gezogen hat.

All diese Maßnahmen machen sich scheinbar bezahlt: Kaiten Zushi werden immer beliebter. Wie die Minato Shimbun¹, die Fachzeitung für das Fischereiwesen, vermeldete, lag der Umsatz der Kaitenzushi-Restaurants im Jahr 2017 bei gut 5 Milliarden Euro, erwirtschaftet von rund 4’000 Restaurants. Und die Zuwachsraten liegen seit Jahren stabil – bei 3 bis 5 %. Man erwartet, dass sich der Trend fortsetzt.

Die Sushirestaurants verdanken den Aufwind zu einem guten Teil der Technik, aber sicher tragen auch andere Faktoren dazu bei. So hat sich zum Beispiel die Aufzucht von Thunfischen in Fischfarmen rasend schnell verbreitet. Während vor 10 Jahren Thunfisch beinahe schon von den Speisekarten verschwand – Grund war die massive Überfischung – so werben selbst die billigen 100-yen-Sushiketten wie Sushiro mit ōtoro, dem fettesten (und schmackhaftesten) Fleisch vom Thunfisch: Dieser kommt nunmehr nahezu ausnahmslos von den Fischfarmen.

Bei Drehsushi-Restaurants gibt es nach wie vor so Einiges zu beachten. So sollte man zum Beispiel Restaurants vermeiden, bei denen sich viele Sushiteller auf dem Band befinden – aber kaum Gäste da sind. Manche Restaurants besprenkeln die Sushi auch gelegentlich mit Wasser, um sie frisch erscheinen zu lassen (das geübte Auge sieht das natürlich). Auch an der Qualität des gari, des in Essig eingelegten Ingwers, merkt man, wie gut ein Restaurant ist. Wer sich traut, sollte zudem von der Möglichkeit Gebrauch machen, Sushi direkt zu bestellen, indem man den in der Mitte stehenden Sushiköchen den Namen der gewünschten Sorte zuruft. Dann wird das Sushi nämlich ganz frisch zubereitet. Zu guter letzt auch noch ein Tipp: Wer wirklich halbwegs gutes Sushi für wenig Geld essen möchte, sollte Ketten wie Hamazushi, Sushiro oder Uobei besser meiden – für nur unwesentlich mehr Geld bekommt man zum Beispiel bei 大江戸寿司 Ōedo Sushi (15 Filialen in und um Tokyo) wesentlich Besseres geboten.

¹ Via Yahoo! Japan, siehe hier

Wenn Mönche zurückschlagen…

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Es ist weitgehend bekannt, dass man in etlichen japanischen Tempeln übernachten kann — das habe ich selbst auch schon gemacht (siehe unter anderem hier), und nicht wenige Japanbesucher nehmen nicht allein deswegen den weiten Weg zum buddhistischen Refugium Kōyasan auf sich. Die Tempelherren sind dabei keineswegs faul – so findet man sie auch auf einschlägigen Portalen wie Booking.com, das unter anderem davon lebt, dass die Besucher, wie auch bei TripAdvisor & Co, ihre Kommentare und Bewertungen hinterlassen können. Das ist natürlich vor allem bei Tempelübernachtungen interessant, denn es handelt sich ja nicht um ein Hotel. Dennoch bezahlen die Besucher natürlich mehr oder weniger gutes Geld für die Übernachtung und messen die Herberge dementsprechend nicht selten an den üblichen Kriterien. Sprich, es wird gemeckert, was das Zeug hält. Ein buddhistischer Priester im Sekishoin, einer Tempelherberge in besagter Tempelstadt Koyasan, hat offensichtlich genug von den ganzen Meckereien und schlägt in seinen Kommentaren zu den Gästebewertungen zurück. Besagter Priester ist übrigens selbst Ausländer.

So schreibt ein Besucher:
Setting beautiful- interesting but would not want a repeat visit to stay at this temple
With one exception – surly attitude of staff.

und die Antwort des Mönchs:

Please stop suffering the paranoia
I do not think I want you to come again
What did the staff do? Was not it warm?
I’m getting tired of your delusions

oder hier:
Staff very unfriendly. Not very clean.

mit der Antwort:

Where does it say that we have to be friendly…?
You an adult, please act like one.
We gave you the hospitality and service that you deserved.
Good day.

Einige Besucherkommentare sind äusserst unfreundlich — etliche Antworten des Mönches allerdings auch. Zur unterhaltsamen Lektüre geht es hier.

Man stösst schnell auf das übliche Dilemma: Viele beschweren sich über die Kälte im Tempel und über unfreundliche Mönche, sowie über fades und kaltes Essen. Das ist typisch für so manche Touristen — es ist nun mal ein Tempel, und dort herrschen andere Gesetze. Sehr viele Besucher beschweren sich auch – mitunter bilderreich – über unhygienische Zustände. Auch diese Kommentare werden jedoch schroff abgebürstet, und da wird es dann seltsam. Wenn sich so viele Gäste über Haare in den Betten und seltsame Gerüche im Bad und in den Zimmern beschweren, dann scheint ja irgend etwas daran wahr zu sein. Auch der bissige Kommentare, dass man nicht alles erledigen kann, denn es seien ja schliesslich nur 5 Mönche, die sich um bis zu 100 Touristen (die alle kein Japanisch sprechen) kümmern müssen, ist etwas seltsam. Wenn dem so ist, warum reduziert man dann nicht die Anzahl der Gäste?

Fazit: In einem japanischen Tempel zu übernachten kann eine sehr interessante Erfahrung sein, aber man sollte wissen, worauf man sich da einlässt, denn es handelt sich nicht um ein Hotel. Punkt. Nächstes Fazit: Tempelherbergen werfen eine Menge Geld ab – die Behauptungen des obigen Priesters aber zum Beispiel, dass man die Touristen nicht des Geldes wegen übernachten lässt, ist etwas dürftig. Wenn dem so wäre, warum nimmt man dann mehr Geld von den Gästen als in vielen Hotels üblich?

Alternative Stadtplanung: Die Feuersbrunst Dezember 2016 in Itoigawa

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Ruine im Zentrum von Itoigawa
Ruine im Zentrum von Itoigawa

Während der 10-tägigen Goldenen Woche habe ich mal wieder keine Kosten und Mühen gescheut, um “Material” zu sammeln, sprich munter durch Japan zu reisen, was natürlich etwas wagemutig war, denn Staus und Menschenmassen waren natürlich zu erwarten. Letztendlich konnte man sich aber halbwegs passabel durchschlagen, und so ging es von Tokyo nach Matsumoto nach Hida, von dort nach Shirakawa-gō über Toyama und Itoigawa nach Shiga-Kōgen und Nagano, dann nach Oze und zum Tanigawa-dake und von dort zurück.

In 糸魚川 Itoigawa, einer kleinen Stadt am Japanischen Meer in der Präfektur Niigata, machten wir kurz Rast, um nach Atzung zu suchen – und das eigentlich nur, weil wir dort sowieso durchfahren mussten, und ohne besonderen Plan. Im Zentrum fanden wir auch relativ schnell ein zünftiges, nagelneues und schön eingerichtetes Sobarestaurant, aber die Umgebung war seltsam: Obwohl mitten im Stadtzentrum gelegen, war rundherum sehr viel Platz. Ein Bild über der Kasse des Restaurants erinnerte mich jedoch daran, weshalb dort so viel Platz war. Das Bild zeigte die qualmenden Überreste eines Hauses. Zwei, drei Metallträger ragten aus dem Schutt, mehr nicht. Richtig – da war doch mal was, und das war auch gar nicht so lange her: Am 22. Dezember 2016 brach nämlich am Vormittag in einem Chinarestaurant im Zentrum der Stadt ein Brand aus – Grund war ein angelassener Gasherd. Die Bausubstanz im alten Zentrum bestand dabei grösstenteils aus Holzhäusern, mit überdachten Passagen und so gut wie keinem Zwischenraum zwischen den kleinen Häusern. Hinzu kam ein starker Fönwind aus den Bergen im Süden, der sofort eine regelrechte Feuerwalze generierte, die sich unerbittlich durch die Altstadt frass. Wie durch ein Wunder gab es nur ein paar Verletzte – alle konnten rechtzeitig evakuiert werden.

Das Ergebnis: 4 Hektar (quasi 200 Meter mal 200 Meter) mitten im Stadtzentrum brannten sehr schnell nieder – 120 Häuser wurden völlig vernichtet, 27 Häuser teilweise. Der Großbrand war der schwerste in einem japanischen Stadtzentrum seit dem Großbrand von Sakata im Jahr 1976, als fast 1’800 Häuser niederbrannten (gemeint sind natürlich Brände, die nicht von Erdbeben oder Tsunamis ausgelöst wurden).

Im manchen japanischen Städten (auch in einem Stadtteil von Kyoto, wie ich im Dezember erst feststellen konnte), laufen die Bewohner nachts durch die Straßen, schlagen zwei Hölzer zusammen und rufen “火の用心” (hi no yōjin) – “Brandgefahr” – zu recht ist man in Japan da äußerst vorsichtig, denn die dichte Bebauung und die Tatsache, dass viele Häuser aus Holz gebaut werden, können schnell zu Feuersbrünsten führen.

Mehr zu Itoigawa und der Umgebung sicherlich später, denn die Gegend ist geologisch höchst interessant. Ach ja: Wer in der Gegend unterwegs ist — das besagte Sobarestaurant そば処 泉家 (Izumiya) ist sehr zu empfehlen!

Blick über das abgebrannte Zentrum
Blick über das abgebrannte Zentrum

Goldene Woche de luxe: Durchschnittsbudget liegt bei 400 Euro | Dose Luft für 9 Euro

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In zwei Tagen beginnt sie also — die Mega-Goldene-Woche, eine Aneinanderreihung von zwei Wochenenden und 6 Feiertagen. 10 Tage am Stück also, die offiziell frei sind. So etwas gab es in Japan noch nie. und anderswo auf dem Planeten sicherlich auch noch nicht (ich könnte mir so etwas höchstens noch in Nordkorea vorstellen).

Der Lebensversicherer Yasuda Seimei hat dazu eine Umfrage unter 1’620 20 bis 79-jährigen Japanern vorgenommen, da man wissen wollte, wie viel der Durchschnitt während der Feiertage auszugeben gedenkt. Man landete bei einem Durchschnitt von 47’000 Yen, also rund 400 Euro, wobei ein Drittel angab, mehr als zu anderen Goldenen Wochen auszugeben, und ein weiteres Drittel wiederum angab, nicht mehr Geld eingeplant zu haben als an üblichen Wochentagen. Zudem gaben drei Viertel der Befragten an, den letzten Tag der Heisei-Zeitrechnung, also den 30. April, entspannt zu Hause geniessen zu wollen. Das macht mir natürlich Hoffnung: Vielleicht werden ja die Staus während der Feiertage nicht allzu schlimm (was ich jedoch zu bezweifeln wage).


Die jetzige kaiserliche Regentschaftsperiode trägt ja bekanntlich den Namen 平成 Heisei, und in der Präfektur Gifu, im Herzen der Hauptinsel Honshu, gibt es einen Weiler, der mit den gleichen Schriftzeichen geschrieben wird: 平成 also, allerdings “HENARI” gesprochen. Dank der Heisei-Regentschaft erntete man vor allem zu Beginn der Regentschaft vor 31 Jahren viel Aufmerksamkeit, und man ist findig genug, es noch ein letztes Mal zu versuchen. Und das geht so: Man verkauft Heisei/Henari-Luft in Dosen. Frisch abgezapft und eingedost in Henari. Echte Landluft. Der Verkauf beginnt am 27. April 2019 hier – die Dose kostet dabei, trotz des geringen Gewichts (harr harr!), stattliche 1’000 Yen plus Mehrwertsteuer, also fast 8 Euro. Immerhin ein interessantes Souvenir… Die Dose enthält auch eine in der Heisei-Zeit geprägte 5-Yen-Münze – auf Japanisch “goen” (5-Yen) genannt und ein Wortspiel, denn “Goen” kann auch “ご縁” geschrieben werden und bedeutet dann in etwa “Verbindung” — gemeint ist die zwischen Menschen, und dabei auch nur im sehr positiven Sinne.

In diesem Sinne wünsche ich allen in Japan Weilenden angenehme Feiertage!

Wider die unsinnigen Schulregeln

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Die Zeit vergeht — kaum geboren, wurde meine Tochter nun also in die hiesige Mittelschule eingeschult, da sie ja nun 12 Jahre alt ist. Und an jener ist einiges neu: So gibt es zum Beispiel dort Schuluniformen – für die Mädchen im obligatorischen Matrosenlook, für die Jungs im Kadettenlook. Das war schon immer so, und das wird wohl auch für immer so bleiben. Die Uniformen kann man übrigens nur bei genau festgelegten Läden kaufen, und für das komplette Set, inklusive Sportsachen und Tasche und so weiter, bezahlt man mal eben ganz problemlos rund 800 Euro. Das soll dann für drei Jahre reichen. Nun ja.

Immerhin hat meine Tochter mit der Schule wohl Glück gehabt, denn soweit wir wissen, gibt es dort keine ブラック校則 burakku kōsoku (“schwarze” Schulregeln). “Schwarz” benutzt man in Japan gern, um etwas zu benennen, was eigentlich illegal oder zumindest hart an der Grenze ist. Jede Schule erstellt ihre eigenen Regeln, und es gibt an zahlreichen Schulen in Japan, vor allem an Mittel- und Oberschulen, Regeln, die man auch mit viel Wohlwollen nur schwer erklären kann. Die beliebtesten bzw. bekanntesten sind:

  • Regeln, welche Farben bei der Unterwäsche erlaubt sind
  • Das Verbot für Mädchen, einen Pferdeschwanz zu tragen
  • Das Verbot, Haare zu färben – umgemünzt in die Regel, dass alle schwarze Haare haben müssen, mit der Konsequenz, dass sich Kinder mit ausländischem Elternteil die Haare schwarz färben müssen. Klingt unglaublich, ist aber an einigen Schulen dennoch so
  • Der Zwang, an ausserschulischen Aktivitäten teilzunehmen
  • Das Verbot, mehr als drei mal in einer Stunde zu niesen
  • Das Verbot für Mädchen und Jungs, sich auf mehr als zwei Meter einander zu nähern
  • Eine Regel, die besagt, dass Mädchen eine ausdrückliche Genehmigung des Lehrers benötigen, wenn sie sich im Sommer die Haare schneiden möchten

Zu dieser Problematik hat sich sogar eine NPO gegründet – mit dem schlichten Namen ブラック校則をなくそう! プロジェクト (Projekt “Weg mit den schwarzen Schulregeln”). Bei einer Untersuchung stellte diese fest, dass 2 von 3 Mittelschülern sowie 50% der Oberschüler mit schwarzen Schulregeln konfrontiert war. Eine löbliche Initiative (hier der Internetauftritt), denn diese eigenwillige Gängelung der Schüler ist in den allermeisten Fällen einfach nur sinnfrei und eine nicht nachvollziehbare Marotte der Direktoren. In diesem Sinne also — weg damit!

Auslosung der Tickets für die Olympischen Spiele 2020 in Tokyo beginnt

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Wie heute von der Verwaltung von Tokyo bekanntgegeben wurde, wird die Auslosung des ersten Ticketkontingents für die Olympischen Sommerspiele sowie für die Paralympics 2020 in Tokyo am 9. Mai beginnen – diesen Jahres wohlgemerkt, also ein Jahr vor den Spielen. Das ganze soll nach dem folgenden Fahrplan ablaufen:

  1. 9. Mai 2019: Registrierung für die Lotterie beginnt
  2. 28. Mai 2019: Registrierung wird beendet
  3. 20. Juni 2019: Ergebnisse der Lotterie werden bekanntgegeben
  4. 2. Juli 2019: Letzter Termin für die Bezahlung der in der Lotterie zugesprochenen Tickets
  5. Herbst/Winter 2019 (Tag noch nicht festgelegt): Offizieller Kauf beginnt – nach dem “Wer zuerst kommt”-Prinzip
  6. Frühjahr 2020 (Tag noch nicht festgelegt): Last Minute-Verkauf, unter anderem an Ticketständen; Wiederverkauf/Weiterverkauf

Wie viele Tickets nun genau in der Lotterie versteigert werden, steht noch nicht fest. Insgesamt rechnet man wohl mit rund 7,8 Millionen Eintrittskarten, und bei der Ausrichtung von Olympischen Spielen ist es üblich, dass zwischen 20 und 30 Prozent der Tickets für ausländische Besucher reserviert werden.

Die Preise stehen bereits fest – sie bewegen sich zwischen 2’020 Yen (also rund 16 Euro) und 130’000 yen (also gut 1’000 Euro) – je nach Sportart, Platz und Level. Die teuersten Tickets sind, logisch, die für die besten Plätze der Finalwettkämpfe der Leichtathleten – eine Karte kostet dort zwischen 5’800 und 130’000 Yen. Eine Preistafel gibt es auf der offiziellen Webseite hier, und – schau mal einer an – natürlich nur auf Japanisch.

Wer sich bei der Lotterie bewerben will, braucht übrigens eine sogenannte Tokyo 2020 ID, und die bekommt man – online – hier. Für die wiederum muss man in Japan wohnhaft sein, aber wie genau das überprüft wird, ist unklar. Eine japanische Adresse muss man bei der Registrierung angeben, aber die Angabe einer Telefonnummer ist zum Beispiel nicht Pflicht, und man wird auch nicht explizit gefragt, ob man und wenn ja warum und wie lange man in Japan wohnhaft ist (möglicherweise steht aber was dazu in den AGB, die man bei der Registrierung natürlich akzeptieren muss). Irgendwann bekommt man dann einen sogenannten “Tokyo 2020 Pass”, aber wann genau und wieso und warum steht noch nicht fest.

Die Olympischen Spiele sind ein Großereignis, egal wo, aber Japaner sind bei solchen Sachen besonders begeistert – man darf also einen ordentlichen Run auf die Tickets erwarten. Zu welchen Ausmassen das führen kann, konnte man im März in Hiroshima beobachten: Die lokale Baseballmannschaft, die Carps, veranstaltete an einem Wochentag den Beginn einer Verlosung von Eintrittskarten. Jedem, der bis 11 Uhr morgens am Stadium erschien, wurde eine Teilnahmekarte für die Lotterie versprochen. Man rechnete mit ein paar Tausend Interessierten – doch dem Ansturm von über 50’000 Fans war man nicht gewachsen. Rund um das Stadium herum herrschte ein riesiges Gedränge, und viele erzürnte Fans gingen leer aus (siehe unter anderem hier).

TV & Musiktipp

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Eigentlich will ich immer mal wieder TV- und Musiktipps vorstellen — jedoch, ich komme nur leider zu selten dazu. Beziehungsweise finde ich so selten etwas, was mir wirklich gefällt und was ich dementsprechend ruhigen Gewissens weiterempfehlen kann. Aber nun gibt es doch zwei Sachen:

Der TV-Tipp

Es ist furchtbar – kaum finde ich ein Fernsehprogramm, das mal Spass macht, und das auch noch zu einer Zeit sendet, zu der ich fernsehen kann, wird es auch schon abgesetzt. Das war bei Arabikidan der Fall, und leider dann auch bei Pikaru no Teiri (und eins, zwei weiteren Programmen). Momentan ist es gar nicht so einfach, Ersatz zu finden – egal, wohin man schaltet, man stösst entweder auf Ariyoshi oder auf Matsuko DeLuxe. Die beiden sind zwar gut, aber tagein, tagaus muss das nicht sein.

Am Freitag Abend läuft seit einiger Zeit 脱力タイムズ Datsuryoku Times (offizielle Seite siehe hier) – abends ab 23 Uhr, gehostet von Arita und gesendet auf Fuji TV. Das Konzept: Man lädt diverse Gäste ein, stellt ein paar wirklich ernsthafte Themen vor – und zieht danach brilliant den ganzen Fernseh- und Nachrichtenrummel genüsslich durch den Kakao, und das auf eine ganz eigene Art und Weise. Das ganze kann man nach ein paar wenigen Minuten einfach nur mit “Chaos” bezeichnen, denn Arita bekommt ständig neue Regieanweisungen, die alles über den Haufen werfen. Sicher, nicht jede Folge ist dabei unbedingt ein Erfolg, aber bei den meisten Sendungen kann man einfach nur lachen.


Der Musik-Tipp

Ein guter Freund machte mich neulich auf eine japanische Band aufmerksam, die noch nie auf meinem Radar war. Die Band gibt es bereits seit 20 Jahren, sie nennen sich MONO, und wie es sich für eine richtig gute, japanische Band gehört, kennt sie in Japan kein Schwein. Dafür touren sie allerdings gelegentlich durch Europa und Amerika. Der Anspieltipp war “Breathe” vom “Nowhere Now Here”-Album und erinnerte mich umgehend an Kirlian Camera (in ihrer späteren, Post-Italo-Pop-Phase, wohlgemerkt). Das klang schon mal recht gut, doch der Rest des Albums machte mir persönlich noch mehr Spass – Instrumentalstücke, die in der Regel leise beginnen und nach wenigen Minuten an Fahrt gewinnen und fast in den Metalbereich abgleiten. Wie auch Sonic Youth haben die Künstler Freude am Spiel mit Effekten. Entspannend, aufwühlend, mitreissend – man kann hier alles gleichzeitig haben, wie man an diesem Live-Mitschnitt sehen kann:

Bank of Japan veröffentlicht neue Geldscheinentwürfe

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In Sachen Bargeld ist Japan schon ein seltsames Land: Seit Jahrzehnten kommt man mit lediglich drei verschiedenen Geldscheinen aus (1’000, 5’000 und 10’000 yen), und der grösste Geldschein ist gerade Mal 80 Euro wert – und das bei den durchaus hohen Preisen in Japan. Sicher, zur Jahrtausendwende wurde, quasi als kleiner Scherz am Rande, ein 2’000-Yen-Schein herausgegeben, aber die Chance, diesen in freier Wildbahn zu erhaschen, sind von Anfang an äußerst gering, da die Stückzahl auf 150 Millionen begrenzt war (kleine Anmerkung am Rande: 90% der verbliebenen 2’000-Scheine befinden sich einer Schätzung zufolge in der Präfektur Okinawa).

Rund alle 20 Jahre nun werden die japanischen Geldscheine runderneuert, teilweise auch die Münzen. Und im Jahr 2024 soll es wieder soweit sein. Man gibt sich dabei relativ viel Zeit – bereits jetzt, 5 Jahre vorher, stellte die BoJ (Bank of Japan) die neuen Scheine sowie die neue 500-Yen-Münze vor. Das Stichwort der neuen Scheine heisst: Mehr Sicherheit. In der Tat: Die jetzigen Scheine weisen, im Vergleich zu vielen anderen Ländern, relativ wenige Sicherheitsmerkmale auf – lediglich ein kleines Hologramm und eine kleine fluoreszierende Fläche fallen auf, der Rest (Wasserbild, Guillochen verschiedenster Arten) wirkt alt, und dazu tragen auch die dezenten Farben bei. Polymerstoffe, durchsichtige Fenster und dergleichen findet man nicht – weder bei den jetzigen, als auch bei den neuen Geldscheinen. Eine weitere Besonderheit bleibt auch bei den neuen Scheinen erhalten (zumindest bei den 1’000 und 10’000-Yen-Scheinen) – das zentrale Wasserbild, das in der Form auch relativ selten ist.

Das Augenmerk liegt in Japan dabei hauptsächlich darauf, wen man mit den neuen Geldscheinen ehrt, und da sehen die Entwürfe folgendes vor:

Geldschein Muster Persönlichkeit Lebenszeit Beschreibung
1’000 yen Der berühmte “Grosse Welle vor Kanagawa”-Holzschnitt von Hokusai 北里 柴三郎 (Shibasaburō Kitasato) 1853-1931 Bakteriologe, der auch in Berliner Laboren arbeitete – Leopoldina-Mitglied, berühmt für seine Erforschung von Tetanus und Diptherie-Erregern
5’000 yen Fuji (藤) – “Japanischer Blauregen”, eine Zierpflanze 津田 梅子 (Umeko Tsuda) 1864-1929 Erste japanische Auslandsstudentin in den USA, Gründerin der Tsudajuku-Uni, berühmt für ihre Verdienste um die Förderung höherer Bildung von Frauen und der Verbreitung des Englischunterrichts
5’000 yen Marunouchi-Bau des Bahnhofs von Tokyo 渋沢 栄一 (Eiichi Shibusawa) 1840-1931 Der erste japanische Kapitalist – wirkte massgeblich an der Gestaltung des Japanischen Steuer-, Währungs- und Bankenwesens mit. Gründer der Dai-Ichi-Bank (Vorläufer der heutigen Mizuho-Bank)

Man muss bei den Gewürdigten nicht lange nach Gemeinsamkeiten suchen: Alle drei waren Schlüsselfiguren bei der Modernisierung Japans im Zuge der Meiji-Restauration Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts. In dem Sinne keine schlechte Wahl, und die Würdigung von Tsuda’s Verdiensten ist besonders erfreulich.

Bis man die neuen Scheine jedoch in der Hand halten kann, werden nun also noch über vier Jahre vergehen – bis dahin muss man sich mit den Kollegen unten begnügen.

Eine Ikone verschwindet aus dem Stadtbild: Alte japanische Taxis

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Vielen Japan-Besuchern müssen die typischen japanischen Taxis wie ein Anachronismus erscheinen: Während rundum alles neu und modern ist, inklusive der Autos, wirken die Taxis veraltet – die Rede ist von den Toyota Crown Sedan Royal Saloon. Die Crown-Serie von Toyota gibt es seit 1955; besagte Taxis gehören in den meisten Fällen zur 7. Generation, und die wurde im wesentlichen von 1983 bis 1987 produziert. Das bedeutet also, dass die meisten Taxis im Prinzip um die 35 Jahre alt sind (kleine Anmerkung: Die Fahrer wiederum sind meist doppelt so alt!). Alles an den Autos schreit nach 80ern: Die manuelle Schaltung links hinter dem Lenkrad, der Innenraum, die gewaltigen Spiegel neben der Motorhaube. Wirklich alles. Hinzu kommt die Lackierung: Je nach Taxi-Gesellschaft ist diese unterschiedlich, aber besonders häufig findet man grüne oder beige Lackierungen, manchmal mit einem Streifenmuster auf halber Höhe. Und wie es sich für japanische Taxis gehört, gehen die hinteren Türen von allein auf. Andere beliebte Marken sind der Crown Comfort und Nissan Cedric.

Doch immer schneller verschwinden die alten Taxis aus dem Stadtbild. Sie sind gerade noch so in der Mehrzahl, aber es wird nicht mehr lange dauern, bis sie von Toyota JPN Taxi (heisst wirklich so) und Co. verdrängt sind. Die Besonderheit: Dieses Taxis sind gnubbelig, haben eine sehr hohe Decke und einen niedrigen Boden. Man kann also beinahe einsteigen, ohne sich bücken zu müssen. Mit anderen Worten: Sie sind hässlich, aber praktisch. Und sie sind gut für die Umwelt (zumindest wenn man auf die Umwelt der jeweiligen Stadt schaut), denn sie sind Elektroautos, die sich auch mit Flüssiggas fahren lassen. Ausserdem haben sie (natürlich) ein Automatikgetriebe, damit sich die Fahrer vollends auf die カーナビ (kaanabi, Navigationssystem) konzentrieren können, ohne das 95% der Taxifahrer nie im Leben das gewünschte Ziel erreichen würden.

Ein bisschen wehmütig werde ich jetzt schon jedes Mal, wenn ein JPN Taxi an mir vorbeifährt. Bei den alten Taxis passte nämlich alles irgendwie zusammen: Uralter Fahrer mit uralten Gesprächsthemen im uralten Taxi. Ab jetzt heisst es dann eben: Uralter Fahrer, im hypermodernen Fahrzeug – mit uralten Gesprächsthemen, versteht sich.

Toyota hofft übrigens, dass ein Drittel aller japanischen Taxis bis zu den Olympischen Sommerspielen 2020 in Tokyo durch JPN Taxis ersetzt werden. Das ist durchaus möglich.

Regierung stellt neues Regentschaftsmotto vor: Nach Heisei kommt… Reiwa

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Andere Länder, andere Religionen, andere Kalender: Im Westen ist es das Jahr 2019, im islamischen Kalender 1440/41. Im buddhistischen Kalender ist es 2563. Und im japanischen ist es Heisei 31 – das 31. Jahr der Regentschaft des jetzigen Kaisers. Und da dieser am 30. April diesen Jahres abdankt, beginnt für Japan eine neue Zeitrechnung. Der Name dieser neuen Zeitrechnung wurde heute plangemäß von der Regierung festgelegt und von Kabinettschef Suga vorgestellt. Man einigte sich auf:

令和

Gelesen wird dies “Reiwa”, und somit beginnt am 1. Mai also 令和元年 Reiwa Gannen – das Jahr 1 der Reiwa-Regentschaft. Beide Schriftzeichen gehören zu den grundlegenden Schriftzeichen, die man bereits an der Grundschule lernt.

  • 令 liest man REI, seltener RYŌ, sowie iitsuke und osa, wobei die letzteren Lesungen eher selten sind. Das Schriftzeichen steht für “befehlen, kommandieren, herrschen”, aber auch für “(Gutes) Glück” – im Falle von “Reiwa” bezieht man sich wohl auf letztere Bedeutung.
  • 和 liest man WA, seltener KA oder O, sowie nago-mu, nago-yaka, yawa-ragu (und so weiter – es gibt zahlreiche verschiedene Lesungen). Das Zeichen bedeutet hauptsächlich “Frieden” oder “friedlich” und “Harmonie”, aber es steht auch (nicht in diesem Zusammenhang jedoch) für Japan.

Bis zum heutigen Tag gab es insgesamt 248 verschiedene Regierungsmottos – alles begann mit 大化 (Taika) im Jahr 645 unserer Zeitrechnung, dem Jahr Taika 1. Das Zeichen “和” ist aufgrund seiner positiven Bedeutung sehr beliebt – insgesamt wurde es bisher 20 Mal verwendet. “令” ist jedoch ungewöhnlich – es wurde bisher noch nie verwendet, weshalb kaum jemand (oder niemand?) beim Rätselraten um das nächste Regierungsmotto dieses Zeichen auf seiner Rechnung hatte.

Als Referenz, und auch das ist ungewöhnlich, gab man das 万葉集 Manyōshū an, eine gut 1’200 Jahre alte Gedichtesammlung (wörtlich übersetzt die “Sammlung der 10’000 Blätter”), in der das Wort “Reiwa” am Anfang auftaucht – normalerweise nimmt man keinen Bezug auf historische Schriften.

Der Prozess der “Mottofindung” ist erstaunlich kompliziert. Eine Gruppe von Experten erstellt eine Liste mit bis zu 20 Vorschlägen. Bereits dort wird es relativ schwierig, denn die Schriftzeichen müssen etliche Kriterien erfüllen. Sie dürfen nicht zu kompliziert zu schreiben sein. Die Lesung muss geläufig sein; ebenso die Bedeutung. Hier hat man jedoch offenbar eine Ausnahme gemacht, denn die meisten Japaner kennen die Bedeutung “Glück” für das Zeichen “令” nicht – man assoziiert das Zeichen prinzipiell mit “Befehl, Anordnung” wie zum Beispiel im Wort “命令” meirei – “der Befehl”.

Ein Expertenrat, der in diesem Jahr auch Wirtschaftsgranden und Nobelpreisträger mit einbezog, bewertet die Vorschläge und legt das Ergebnis der Regierung vor, die dann über das neue Motto entscheidet. So gesehen hat der Kaiser bei der Auswahl des Mottos seiner Regentschaft nicht allzu viel zu sagen.

Nun, wo das neue Motto bekanntgegeben wurde, werden sich hunderttausende Menschen an die Arbeit machen müssen: Das japanische Nengō-Datum wird nämlich auf (nahezu allen) öffentlichen Formularen benutzt, auf Münzen geprägt, auf ID-Karten verwendet (so zum Beispiel auch auf dem Führerschein), und natürlich hat es auch eine grosse Bedeutung im IT-Bereich. Der Schritt von HEISEI zu REIWA ist für Japan quasi ein kleines Y2K-Problem.

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