Japan-Almanach: Alles über das Leben und Reisen in Japan. Seit 1998.
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Amerikanische Stützpunkte

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Unser eigentliches Ziel am Sonntag war ein kleiner Zoo ganz im Westen von Tokyo, in der kleinen Stadt Hamura. Auf dem Weg dorthin veränderte sich plötzlich die Landschaft: Die rechte Seite bestand aus einem grossen Komplex vieler verschiedener Gebäude, die alle in einer beigen Farben bestrichen waren – und mit Stacheldraht umgeben waren. Linkerhand standen viele seltsam farbige, kleine Restaurants und Läden. Und nicht nur das: Plötzlich waren alle Schilder auf Englisch. Ach ja, stimmt, hier gibt es ja ebenfalls einen amerikanischen Stützpunkt. Und zwar Yokota Air Base, wo immerhin auch das Hauptkommando der amerikanischen Streitkräfte in Japan stationiert ist.

127 Stützpunkte gibt es Japan, die auch von der amerikanischen Armee benutzt werden. 54 davon sind ausschliesslich amerikanische Stützpunkte, die anderen werden zusammen mit den japanischen Selbstverteidigungsstreitkräften benutzt. Auf diesen Stützpunkten sind circa 56,000 Amerikaner stationiert. Wie man anhand der Karte sehen kann, konzentrieren sich die meisten Stützpunkte auf zwei Gebiete – der Grossraum Tokyo hat vier grosse Stützpunkte (zwei Mal Air Force, zwei Mal Marine), und die Hauptinsel von Okinawa hat so viele Stützpunkte, dass die Karte dafür nicht ausreicht, um sie alle aufzuzählen – 14% der Insel werden als Stützpunkt genutzt.

Die Regeln für die meisten Soldaten sind relativ strikt – einfach so draussen herumrennen ist nicht erlaubt, was zum Teil an diversen Zwischenfällen in der Vergangenheit liegt – Morde und Vergewaltigungen sorgen jedes Mal für komplizierte Verhandlungen und Proteste. Hin und wieder dürfen die Soldaten natürlich trotzdem raus, und so haben sich rund um die grösseren Stützpunkte zahlreiche Restaurants und Läden angesiedelt, die man so in der Form nicht antrifft. Die Küche wird sehr international, die Menüs sind alle auf Englisch – und die Preise angenehm zivil. Wer mal Appetit auf Pizza hat, ist in der Nähe der Stützpunkte gut bedient. Anderswo in Japan bezahlt man schnell 2000 yen oder mehr für einen Hauch von Pizza, doch das kann man waschechten Amerikanern so nicht andrehen, weshalb es dort, wenn auch nicht amerikanische, so doch wesentlich grössere Portionen gibt.

Haupttor der Air Force Base in Yokota

75 Jahre sind die amerikanischen Soldaten nun im Land, und man hat sich weitestgehend arrangiert. Die Armeeführung passt auf, dass die Soldaten nicht über die Stränge schlagen, und die meisten Japaner sind der Stationierung gegenüber positiv eingestellt, wohl wissend, dass es sinnvoll sein kann, angesichts unberechenbarer Nachbarn wie Nordkorea oder China eine starke Militärpräsenz im Land zu haben. Donald Trump deutete zwar an, auch aus Japan Soldaten abzuziehen – verbunden mit der Drohung, dass Japan gefälligst mehr Geld bezahlen solle, doch das steht aufgrund der Abwahl nun wieder in Frage. Das Budget, dass die japanische Regierung für die Stationierung der amerikanischen Truppen zur Verfügung stellt, wird 思いやり予算 (omoiyari yosan) genannt – ein etwas schwer übersetzbarer Begriff, aber man könnte es in etwa als “Budget des Entgegenkommens” oder “Sympathiepreis” bezeichnen. Japan greift dafür tief in die Tasche: Während Deutschland in etwa ein Drittel der Kosten der Stationierung amerikanischer Streitkräfte im Land aufbringt, so bezahlt Japan fast drei Viertel der Kosten – immerhin mehr als 3.5 Milliarden Euro pro Jahr.

Typischer Anblick in der Nähe einer amerikanischen Militärbasis in Japan

Neulich, an der Fischtheke

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Frischer Fisch - hier bei "Passport", einem Ableger von Gyomu Super

Früher war ich kein grosser Freund von Fischgerichten, aber das ist lange her. Heute gibt es – schliesslich sind wir ja in Japan – mindestens zwei Mal, manchmal aber bis zu 4 oder 5 mal pro Woche Fisch. Da ist es sinnvoll, sich gut zu überlegen, wo man den Fisch einkauft. Und da wird es interessant. So gibt es natürlich auch in Japan grössere Supermarktketten – aber die unterscheiden sich je nach Region, und es gibt zudem zahlreichere kleinere, regionale Ketten. Wenn ich das Angebot mit Deutschland vergleiche, scheint es in Japan wesentlich grösser zu sein.

Zu den Marktriesen zählen zum Beispiel イオン Aeon, 7&i Holdings und 西友 Seiyū, die man fast im ganzen Land findet. Persönlich meide ich diese Supermärkte wie der Teufel das Weihwasser – meistens sind die Sachen von minderer Qualität, was in Ordnung wäre, wenn alles etwas billiger wäre – dem ist aber nicht so. Der Gigant Aeon ist nämlich in vielen Branchen unterwegs – auf dem Immobilienmarkt genauso wie im Bankenwesen – und verfolgt einfach die Strategie, seine Supermärkte und Malls an den besten Punkten zu platzieren. Da ist dann die Kette オッケー OK schon besser – die gibt es vor allem im Großraum Tokyo, und das Wachstum ist imposant – in den vergangenen 10 Jahren hat sich die Zahl der Supermärkte verdoppelt und liegt heute bei 108 Geschäften. OK ist ein bisschen Krimskrams – es gibt von allem ein bisschen, darunter auch zahlreiche importierte Nahrungsmittel und vor allem viel Tiefkühlkost.

Ebenfalls interessant ist 業務スーパー Gyōmu Super, wörtlich der “Geschäfts(kunden)supermarkt” – der Name deutet an, dass Einzelpersonen hier weniger erwünscht sind, aber das ist ausdrücklich nicht der Fall. Die Kette gehört der Firma 神戸物産 Kobe Bussan, und diese Firma hat einen geschäftstüchtigen Einkauf, der auch gern Sachen aus dem Ausland importiert. So tauchen hier immer mal wieder ausländische Produkte auf, die man anderswo so nicht findet.

In der Präfektur Kanagawa wiederum sind zum Beispiel Inageya und Lopia häufig vertreten, und bei denen wird es interessant. Inageya war einst ein Fischhändler, und das merkt man auch heute noch: Wer ordentlichen und frischen Fisch haben möchte, ist dort bestens aufgehoben. Lopia wiederum war ein Fleischmarkt, und man hat sich diese Tradition auch erhalten. Wer besonderes Fleisch oder auch nur preiswertes Fleisch sucht, ist dort gut bedient. Das schöne an der Sache ist, dass beide Supermarktketten entsprechend gut belegte “Hinterzimmer” haben. Man kann also einen kompletten Fisch nehmen, ins Hinterzimmer reichen und bitten, den fachgerecht zu Sashimi (Scheiben rohen Fisches) zu verarbeiten. Bei Lopia geht das gleiche mit Fleisch – wenn man einen Sonderwunsch hat, wird der, so möglich, auch gleich erfüllt.

Es lohnt sich also, in Japan Supermärkte gut zu vergleichen – das Angebot ist gross, und es gibt viele Überraschungen – vorausgesetzt, man hält sich von den ganz grossen Ketten fern…

Langes Wochenende der Geduld vs. Go To Travel

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Tempel in Adachi-ku, Tokyo
Tempel in Adachi-ku, Tokyo

Japan hat viele lange Wochenenden, da es a) viele Feiertage gibt und b) etliche der derselbigen per Definition (3. Montag im November usw.) auf einen Montag fallen. Diese verlängerten Wochenenden werden 三連休 (sanrenkyū = drei aufeinander folgende Ruhe(tage)) genannt. Angesichts einer neuen Welle von Coronafällen wurde dieses Mal, dem Wochenende vom 21. zum 22 November, jedoch zu einem 我慢の三連休 gaman-no-sanrenkyū, einem “langen Wochenende der Geduld” aufgerufen. Sprich, die Menschen sollten möglichst wenig unternehmen, um eine weitere Ausbreitung des Virus zu verhindern.

Dem gegenüber stand jedoch die “Go to travel”-Kampagne: Zig Millionen Japaner hatten bereits Reisen für das Wochenende gebucht, und da nicht deutlich war, ob der Staat für etwaige Stornierungen aufkommen würde, fuhren die meisten entsprechend auch los. Das führte zu absurden Bildern: Die Tempel in Kyoto waren brechend voll, ebenso der Takao-san in Tokyo und viele andere beliebte Ausflugsziele. Sehr viele Hotels waren komplett ausgebucht, und das führte auch noch zu einer anderen Problematik: Etliche Manager und Angestellte teurerer Hotels ächzten unter dem Benehmen der Gäste. Da der Staat im Zuge der Kampagne einen guten Teil der Hotelkosten zurückerstattet, übernachteten natürlich viele Japaner in Hotels, die sie sich unter normalen Umständen nicht leisten können. Dementsprechend hoch waren die Erwartungen der Gäste, und die kleinste Enttäuschung führte zu Beschwerden oder verbalen Entgleisungen. Es ist ja schliesslich nicht so, dass ausnahmslos alle Japaner ruhig und zurückhaltend sind.

Bereits vor dem langen Wochenende wurde laut diskutiert, die Go to Travel-Aktion zu unterbrechen. Heute beschloss man nun, Sapporo und Osaka, zwei Hotspots, vorerst auszuschliessen. Das bedeutet, man kann zwar immer noch dorthin fahren, erhält aber keine Vergünstigungen. So versucht man, die Besucherströme zu lenken. Die Corona-Quittung für die enorme Reisewelle jedoch werden wir wohl in ein bis zwei Wochen bekommen – es ist schwer vorstellbar, dass die Zahlen nicht weiter ansteigen. Ob die Go-to-Travel-Kampagne nun ein Erfolg oder ein Fehler war, werden wir wohl erst in ein paar Wochen oder Monaten erfahren. Der Hotel- und Restaurantbranche tat die Aktion sicher gut, denn nicht wenige stehen kurz vor dem Ruin. Inwieweit das jedoch auf Kosten der Gesundheit der Angestellten und Reisenden geht, wird sich noch zeigen.

Insgesamt sollen bereits rund 40 Millionen Japaner von der Kampagne Gebrauch gemacht haben. Das ist immerhin ein Drittel der Bevölkerung. Wir für unseren Teil sind jedoch an einen Ort gefahren, an den sich ganz sicher keine Touristen, egal ob aus dem In- oder Ausland, verirren: Den Stadtteil Adachi-ku in Tokyo. Von einem grösseren Park einmal abgesehen waren die Strassen dort wunderbar menschenleer.

Arakurayama-Sengen-Schrein oder wo kommen all die Touristen her?

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Manch Japanbesucher findet sich hier bereits am zweiten oder dritten Tag seiner ersten Japanreise ein – ich habe mehr als 16 Jahre gebraucht, um mich dorthin zu begeben: Zum 荒倉山浅間神社 Arakurayama-Sengen-Schrein nebst Park. Der befindet sich in unmittelbarer Nachschaft zu den Fuji-Goko, den 5 Seen des Fuji-san, und ist eines der beliebtesten Fotomotive Japans – denn hier bekommt man einen typischen Schrein, den Fuji-san und im Frühjahr noch Kirschblüten und im Herbst das bunte Laub auf ein einziges Foto. Mehr Japan geht kaum, es sei denn, eines der Pokemon-Flugzeuge fliegt gerade vorbei und ein Sushi-kauender Tourist drängelt sich ins Bild.

Gemieden habe ich den Ort vor allem wegen der Massen an Touristen. Das bedeutet, dass jetzt die Chancen grösser sind, dort ein oder zwei gute Fotos zu machen. Dachte ich jedenfalls, denn als wir am Sonntag dort aufschlugen, gab es dutzende Touristen vor Ort, und die meisten kamen nicht aus Japan – sie schienen zum überwiegenden Teil aus Thailand und Vietnam zu stammen. Soweit, so gut. Allerdings trug rund die Hälfte dieser Touristen keine Maske, und das trifft den japanischen Nerv zur Zeit besonders. Japan steckt inmitten der dritten Welle (die zweite war allerdings nie ganz abgeebbt), und die Medien haben begonnen, sich auf Ausländer als Überträger der Krankheit einzuschiessen. Das ist völliger Blödsinn – sicher, in Japan stecken sich auch Ausländer mit dem Virus an, aber diese Gruppe macht nur rund ein Prozent der Bevölkerung aus, und der Großteil der Ausländer trägt sehr wohl Masken.

Ein paar Wochen war es zum Thema Corona in Japan etwas ruhiger geworden, doch das hat sich nun geändert. Tokyo verzeichnete heute zum ersten Mal seit Beginn der Pandemie mehr als 500 Infizierte, und im ganzen Land sind es nun mehr als 2000. Das ist zwar vergleichsweise wenig, setzt hier aber neue Rekorde, und von einer Trendwende ist noch nichts spürbar. Die Coronamüdigkeit erleichtert die Sache auch nicht gerade.

Was mich allerdings nun doch interessiert, ist, wie voll der obige Schrein zu normalen Zeiten war. Es muss jedenfalls der blanke Wahnsinn gewesen sein.

Plötzlicher Wirtschaftsboom und ein agiles Virus

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3D-Darstellung eines Corona-Virus (Quelle: Wikipedia)

Manchmal gibt es auch gute Nachrichten — wenn auch nur auf den ersten Blick: Das Wirtschaftsministerium gab just bekannt, dass das japanische Bruttosozialprodukt im 3. Quartal des Jahres um 21.4% im Vergleich zum Quartal davor gestiegen ist. Das ist mehr als erwartet, und einen solchen Sprung gab es seit 1968 nicht mehr. Allerdings verzeichnete man in den drei Quartalen davor einen deutlichen Abschwung – zuerst wegen der Mehrwertsteuererhöhung (Q4 2019), dann wegen Corona. Alles zusammengerechnet, fängt das enorme Wachstum in Q3 nicht einmal die Hälfte dessen auf, was in den drei Quartalen zuvor an Abschwung verzeichnet wurde.

Und trotzdem – die Börse erlebt seit ein paar Tagen einen Höhenflug, wie es ihn seit Jahrzehnten nicht mehr gegeben hat, und der begann bereits vor Bekanntgabe der positiven Nachrichten zum Thema Impfstoff. Mit anderen Worten – Hoffnung macht sich breit. Der Aufschwung dürfte zu einem guten Teil der Regierungsinitiativen “Go to travel” und “Go to eat” zu verdanken sein – beide Programme werden gern in Anspruch genommen. Die Börse wiederum ist nun ganz entzückt ob des APAC-Freihandelsabkommens, das nun nach vielen Jahren ratifiziert wurde. Freier Handel mit China, Korea, Vietnam, Australien, Neuseeland und vielen anderen Staaten dürfte ganz im Geschmack der Aktienhändler sein.

Dem Virus ist das natürlich egal: Corona breitet sich wieder spürbar aus, so dass man nun von einer 3. Welle spricht – oder dem möglichen Beginn der ersten, richtig grossen Welle. Das ist Ansichtssache, denn die zweite Welle war ja nie wirklich abgeebbt. Die dritte Welle scheint sich dabei stark von den vorherigen Wellen zu unterscheiden: In der ersten Welle waren vor allem ältere Menschen betroffen, und es gab recht deutlich abgrenzbare Cluster. In der zweiten Welle waren es mehr jüngere Menschen. Die dritte Welle betrifft mehr die um die 40-jährigen, und eine landesweite Streuung fällt auch auf. Während Tokyo in den vergangenen Monaten fast immer einsam an der Spitze lag, was die totale Anzahl der Neuinfektionen betrifft, so wird die Hauptstadt an manchen Tagen nun von Osaka, Hokkaido und anderen Präfekturen eingeholt. Das führt dazu, dass die landesweite Zahl der Neuinfektionen mit Werten bis zu 1’700 Menschen bisherige Rekorde bricht. Eine schnelle Besserung erwartet man nicht – schliesslich ist es in den kommenden Monaten wesentlich kühler und vor allem staubtrocken – ideale Voraussetzungen für das Virus.

Sie haben doch gerade Zeit, oder?

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Gegen 8 Uhr 10 setzte mich der Autoverleiher am Fährhafen von Hachijōjima ab – dabei fuhr die Fähre erst um 9:20, und die nähere Umgebung kannte ich bereits. Kein Wunder, schließlich war ich aufgrund widriger Wetterverhältnisse nun schon ganze vier und nicht wie ursprünglich geplant zwei Tage auf dem kleinen Eiland. Ich schaute aus dem Fenster des kleinen Fährgebäudes und starrte in eine enorm große Meute verschiedenster Katzen. Es mussten so um die 30 sein. Kleine, große, zerzauste, in allen Farbvariationen. Eine alte Frau schlurfte zu der Rotte und begann, Futter auszulegen. Dann erblickte sie mich und grummelte „die fressen meine ganze Rente auf“. Ich nickte und erwiderte „die werden sicherlich auch nicht weniger“.

Die alte Frau kam auf mich zu, fragte nach dem woher und wohin, und wie alle Insulaner kannte sie natürlich die Abfahrtszeit der einzigen Fähre. 「あなた、暇でしょう」- „Sie haben doch sicher Zeit“ sagte sie dann und gab mir zu verstehen, dass ich ihr folgen sollte. Wir liefen zu einem kleinen, nagelneuen Denkmal, gestiftet von der fernen Präfektur Wakayama, weil mal vor langer, langer Zeit eine Fischfangflotte aus jener Präfektur in Seenot geriet, und viele der Schiffbrüchigen von den Insulanern gerettet wurden. Warum dauerte es nur so viele Jahre, bis man das Denkmal hinsetzte? Nun, offensichtlich erinnerte sich jemand in Wakayama daran, dass die türkische Regierung sich mehrmals sehr dankesvoll an Wakayama wendete, da diese vor rund 150 Jahren etliche Besatzungsmitglieder einer an den Klippen zerschellten ottomanischen Fregatte gerettet hatten. Da bekamen wohl einige ein schlechtes Gewissen. Die alte Frau fand das sehr komisch. Sie gefiel mir. Und ich sah meine Chance, ein paar Informationen aus ihr herauszupressen. So interessierte mich der hiesige Dialekt, denn abgelegene Orte entwickeln in der Regel ganz besondere Mundarten. So sollen auf der Insel etliche Worte aus dem altjapanischen überlebt haben, die so nur noch in alten Schriften auftauchen. Sie sagte „Oh, dafür interessieren sich! Soll ich ihnen die gleiche Geschichte noch mal im hiesigen Dialekt erzählen?“ Ich fühlte mich versucht, mein Handy zu zücken, um das folgende aufzunehmen. Gut, dass ich es nicht gemacht habe. Sie begann zu erzählen, aber was ich zu hören bekam, war ziemlich reines Hochjapanisch. Sie brach ab und blickte nun etwas traurig drein: „Ich glaube, so richtig kann ich das gar nicht mehr. Das ist schade.“ Ich versuchte sie ein bisschen aufzumuntern: Ich habe gelesen, dass die jüngeren Bewohner den Dialekt so gut wie gar nicht kennen, und ältere Bewohner den Dialekt zwar verstehen, aber nicht mehr aktiv benutzen“. Sie nickte, nannte dann aber noch etliche Wörter und auch noch ein paar Variationen – auf der Insel gibt es fünf Gemeinden, und dort gab es jeweils unterschiedliche Mundarten.

Die Zeit bis zur Abfahrt wurde so sehr, sehr kurz. Und das Gespräch war genauso interessant wie ein anderes Gespräch mit einem Sushimeister am Vortag – da ich vor 12 Uhr dort war und das außerhalb der Saison, an einem Wochentag, war ich sein erster Gast, und der freundliche Herr war eine Fundgrube an Wissen über Fische im Allgemeinen und die roh genossene Variante im Speziellen.

Lange Rede, schwacher Sinn – viele dieser Informationen sind in diese neue Seite über Hachijōjima eingeflossen. So viel, dass die Seite viel länger wurde als üblich – für alle, die auch mal etwas über das Japan abseits der üblichen Sehenswürdigkeiten wissen wollen:

https://www.tabibito.de/japan/hachijojima.html

Im Übrigen geniesse ich in den meisten Fällen die Gespräche mit japanischen Senioren – sie sind oft mehr als bereitwillig und sehr geduldig im Erklären, und es gibt extrem viel von ihnen zu lernen. 

Kakao, AR und eine ferne Präsidentenwahl

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Manchmal weiss ich nicht, ob man dieses Land hassen oder lieben soll. Beispiel Nachrichten: Die Nachrichten des staatlichen Senders (NHK) sind so harmlos und oft so irrelevant, dass man manchmal glaubt, eine moderne Variante der Aktuellen Kamera zu sehen. Schaut man sich dann die Nachrichten der privaten Kanäle an, bekommt man zwar eine breitere Palette von Inhalten geboten, aber dort wird bei fast allen Sendern nun mit den neuesten Ton- und Kameratricks beziehungsweise mit AR (augmented reality) gearbeitet. Fast schon unterschwellige Töne unterlegen da Beiträge egal zu welchem Thema, ob Mord oder Politik. Oder beides. Halbgare Reportagen, reißerische Kommentare, sehr aufwändige und dennoch billige audiovisuelle Mittel jagen einander. Es wird suggeriert und gemutmaßt bis es qualmt.

Manchmal treiben es die Programmdirektoren auf die Spitze, und dann wird es schon manchmal einfach nur komisch. Ein gutes Beispiel konnte man jetzt wieder bei der Berichterstattung über die Präsidentenwahl in der USA sehen – beim Nachrichtenprogramm “every.”.

Völlig respektlos werden da Collagen zusammengeschraubt, um die neuesten Zahlen zu präsentieren. Das ist beinahe schon wieder niedlich, und es verwandelt die Präsidentenwahl eigentlich schon regelrecht in das, was es eigentlich auch ist: Eine gigantische Show. Man meint fast, dass hier die Wahl ordentlich durch den Kakao gezogen wird. Andere Programme wie TBS News verfrachten ihre Moderatoren gleich mal ins Oval Office, original mit Trumpbild an der Wand:

Stilistisch sind die Methoden nicht selten fragwürdig — siehe Bild ganz oben. In bester Microsoft Wordart-Manier wird da geworben, zusammen mit einer natürlich mit der amerikanischen Flagge verhüllten Darstellung der Freiheitsstatue. Haben wir alle Klischees in das Bild gepackt? Check!

Trump ist in Japan übrigens weniger unpopulär als in vielen anderen Ländern. Das mag seltsam anmuten, denn ein solcher polternder Charakter widerspricht eigentlich dessen, was man in Japan für angemessen hält. Zudem ja Trump auch Japan mehrfach wirtschaftlich mit seiner America First-Politik gedroht hat. Die meisten empfinden ihn einfach nur als komischen Kauz, halten ihm aber seine wirtschaftlichen Erfolge – ob die nun dank Trump zusammenkamen oder trotz Trump ist eine andere Sache – zugute. In den Medien wurde auch in letzter Zeit zunehmend berichtet, dass eine Wiederwahl Trumps wesentlich besser für Japan sei als die Wahl Bidens. Das bleibt abzusehen. Sicher, Abe und Trump schienen sich als Golf-Buddies ziemlich gut zu verstehen, aber Abe ist nun mal nicht mehr Ministerpräsident, und ob der ruhige Suga mit Trump klarkommen würde, ist völlig unklar.

Das 12. Bloggertreffen – fällt leider aus

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Normalerweise erfolgt an dieser Stelle zu dieser Zeit des Jahres der Aufruf zum Bloggertreffen – und das ununterbrochen, seit 2009. Egal ob Erdbeben oder Taifun oder sonstige Unbill – manchmal muss halt einfach Zeit sein für das eine oder andere erfrischende Getränk und einen kleinen Austausch.

Um potentiellen Teilnehmern sowie mir selbst das moralische Dilemma, ob man sich nun in diesen Zeiten zusammenrotten darf oder nicht, zu ersparen, halte ich es für besser, das Treffen vorerst nicht zu organisieren – bis hoffentlich wieder bessere Zeiten hereinbrechen.

Obwohl die Corona-Lage bei weitem nicht so ernst ist wie gerade in Europa zum Beispiel, ist die Sache noch nicht vorbei. In Japan liegt die 7-Tage-Inzidenz momentan bei 3.2, in Tokyo bei rund 8 Fällen in 100,000 Einwohnern. Im Vergleich zu zahlreichen Gebieten in Deutschland mit über 150 Fällen klingt das mehr als harmlos. Im August/September war die Rate in Japan noch viel niedriger. Trotzdem war ich seit Februar nicht mehr “einen heben” – etwas, was ich normalerweise so alle zwei Wochen mal mache, gesittet wohlgemerkt, und zwar einfach zum 気分転換 kibun tenkan – zum “Abschalten”, und um auch mal mit anderen Menschen ins Gespräch zu kommen. Das ist reine Selbstbeschränkung, denn die Bars und Kneipen haben schon seit Juli wieder geöffnet (einige waren durchwegs offen), und ich laufe jeden Abend auf dem Weg von der Arbeit zum Bahnhof an etlichen Kaschemmen vorbei.

Ganz wohl ist mir dennoch nicht – denn ich verstehe mich mit dem Personal meiner Stammkneipe sehr gut, und mir ist bewusst, dass mein Wegbleiben dazu beiträgt, dass das Geschäft nicht gut läuft. Allerdings steht auch viel auf dem Spiel – erst Recht in Japan, wo Coronapatienten – und deren Familien – teils stigmatisiert werden. Würde ich mir Corona einfangen, würde es kompliziert werden – für mich und meine ganze Familie. Zwei komplette Klassenstufen müssten getestet werden, die Kinder könnten eventuell wochenlang nicht zur Schule gehen, meine Frau könnte wochenlang nicht arbeiten gehen – und in meiner Firma würde es auch kompliziert werden. Mal ganz davon abgesehen, dass mir diverse Berichte über eine schleppende Rekonvaleszenz und Spätfolgen nach einer Infektion gelinde gesagt etwas Angst machen.

Ich hoffe, dass alle potentiell Interessierten nicht böse darüber sind, aber ich kann mir gut vorstellen, dass die Teilnehmerzahl aufgrund von Corona sowieso sehr überschaubar geworden wäre. In diesem Sinne – aufgeschoben ist nicht aufgehoben!

Go to travel, eingeschränkter Zugverkehr und lange Ferien

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Corona hält natürlich auch Japan weiterhin in Atem, wenn auch auf einem konstanten Level. Zumindest, wenn man sich hier, aus dem Fernen Osten, die Lage in Europa so ansieht. Es ist einfach nur zum fürchten. In Japan hingegen gab es zwar eine zweite Welle, aber selbst die hat nach europäischem Maßstab den Namen nicht verdient, und die Zahlen sind nun schon seit Wochen mehr oder weniger konstant: Im Schnitt zählt man um die 500 Neuinfektionen im Land; Tokyo bleibt mit circa 175 Neuinfektionen natürlich unangefochten auf Platz 1.

Grund zur Entwarnung gibt es also noch nicht, aber die Regierung hält trotzdem an der “Go to travel”-Kampagne fest, und seit einer Woche gehört auch Tokyo dazu. Die Bürger sollen mit finanziellen Anreizen dazu animiert werden, zu verreisen – auch nach beziehungsweise innerhalb von Tokyo. Und das Angebot wird wohl auch vermehrt in Anspruch genommen – man kann es den Menschen nicht verübeln. Denn die meisten haben sich seit März ununterbrochen selbst eingeschränkt, und da es momentan so gut wie keine ausländischen Touristen gibt, ist jetzt die perfekte Zeit, das eigene Land ohne riesige Menschenmengen zu bewundern. Zu guter letzt muss natürlich dem Tourismusgewerbe kräftig unter die Arme gegriffen werden, sonst ist im nächsten Jahr davon nicht mehr viel übrig. Die Idee als solche ist da schon clever: Anstatt den Hotels und Restaurants einfach Geld zu geben, gibt man den Besuchern Geld, um dies dann weiterzugeben. So hat jeder etwas davon.

Wird das gut gehen? Die Frage ist aus medizinischer Sicht mehr als berechtigt. Aber es könnte durchaus gut gehen. Go to travel läuft – Tokyo ausgenommen – seit August, und obwohl bereits in den Sommerferien viele davon Anspruch genommen haben, sind die Zahlen nicht sonderlich gestiegen. Der eine oder andere Fall wird sich sicherlich nicht vermeiden lassen, aber soweit sich die Veranstalter und die Reisenden an die gängigen Regeln halten, sollte das Risiko überschaubar sein. So hoffe ich zumindest. Und das sehen die Politiker ähnlich. Go to travel sollte im Januar auslaufen, doch nun überlegt man schon, die Aktion fortzusetzen.

Dennoch hinterlässt Corona natürlich tiefe Spuren. Home office und die Angst vor dem Virus sorgen dafür, dass viele Restaurants und Kneipen in den Bürovierteln der Stadt ums Überleben kämpfen. Während vor Corona die letzten Bahnen garantiert proppevoll waren – zur Hälfte mit schwer Angetrunkenen, so sind die letzten Bahnen nunmehr fast leer. JR (Japan Railways, die einst staatliche Bahnlinie) hat deshalb nun Pläne veröffentlicht, die letzten Bahnen um im Schnitt 30 Minuten vorzuverlegen. Auf den meisten Strecken in und um Tokyo fuhr die berühmte 終電 shūden. die letzte Bahn, gegen 0:30. Wer die verpasst, muss entweder laufen, mit dem Taxi fahren, oder bis zur 始発 shihatsu, der ersten Bahn (ab circa 4:30) weiterfeiern. Mit der Vorverlegung fahren diese also nun gegen Mitternacht ab.

Sorge bereitet den Politikern nun das Neujahr. Die meisten Japaner haben dann Urlaub und fahren oft in ihre Heimat, zumindest aber gehen sie zum Schrein oder Tempel, um das neue Jahr einzuläuten. Dieses Jahr liegt Neujahr jedoch ziemlich unglücklich – der 2. und 3. Neujahrstag fallen auf ein Wochenende, so dass viele nur 2, 3 Tage frei haben werden – wenn überhaupt – um dann am 4. Januar wieder zur Arbeit zu gehen. Das würde bedeuten, dass sich die Menschen an den wenigen freien Tagen noch mehr drängeln als üblich, denn berühmte Schreine und Tempel erwarten mehrere Millionen Besucher in den ersten drei Tagen des neuen Jahres:

#Japanischer NameLateinischOrt/PräfekturNeujahrsbesucher
1.明治神宮Meiji-JingūShibuya (Tokyo)3,16 Millionen
2.川崎大師 平間寺Kawasaki-Daishi Heiken-jiKawasaki (Kanagawa)3,02 Millionen
3.成田山 新勝寺Narita-san Shinshō-jiNarita (Chiba)3 Millionen
4.浅草寺Sensō-jiAsakusa (Tokyo)2,83 Millionen
5.伏見稲荷大社Fushimi Inari-TaishaKyoto2,7 Millionen
6.鶴岡八幡宮Tsuruoka Hachiman-gūKamakura (Kanagawa)2,5 Millionen
7.住吉大社Sumiyoshi-TaishaOsaka2,36 Millionen
8.熱田神宮Atsuta-jingūNagoya (Aichi)2,3 Millionen
9.武蔵一宮 氷川神社Musashi-Ichinomiya Hikawa-JinjaŌmiya (Saitama)2,15 Millionen
10.大宰府天満宮Dazaifu Tenman-gūFukuoka2 Millionen

Um den Verkehr und die Menschenmassen zu streuen, wurde nun vom Wirtschaftsministerium vorgeschlagen, den Firmen ans Herz zu legen, ihre Angestellten vom 26. Dezember bis zum 11. Januar (ein Feiertag) in den Urlaub zu schicken. Allerdings wurde das schnell wieder dementiert, denn 17 Tage erscheint den Politikern nun doch etwas lang. Es ist allerdings kaum zu erwarten, dass ein Grossteil der Japaner auf diese Tradition verzichten wird.

Hatsumōde – der traditionelle Neujahrsbesuch in einem Schrein oder Tempel. Hier im Hakusan-jinja (jinja = Schrein) in Niigata

Von fetten Fischen & Sushi mit Senf

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Sushi. Vorne links im Bild: Toro (fettes Thunfischfleisch)
Sushi. Vorne links im Bild: Toro (fettes Thunfischfleisch)

Ein kleiner, aber sehr beliebter Sushi-Laden auf der kleine Insel Hachijō-jima: Es war werktags, und gerade mal 12 Uhr, und da momentan die Touristen weitestgehend fehlten, war ich der einzige Kunde. Und der Sushimeister höchstpersönlich entpuppte sich als sehr gesprächiger Geselle. Das hat man selten, und so gab es einiges zu lernen. Und zu bestätigen.

Als ich vor rund 25 Jahren zum ersten Mal Sushi aß – in Japan – war die Spezialität in Deutschland noch weitestgehend unbekannt. Also die meisten hatten den Namen schon gehört, aber probiert hatte es bis dahin kaum einer mangels Sushiläden. Damals, so zumindest mein Eindruck, stand vor allem Thunfisch für Sushi – und zwar das dunkelrote Fleisch. Es durfte einfach nicht fehlen. Nun sind Thunfische aber grosse Tiere, die genau wie Rinder an verschiedenen Stellen des Körpers verschiedenes Fleisch haben. Rund 20% des Thunfischfleisches werden dabei als トロ toro bezeichnet, und dieses Fleisch wird dann auch noch gern in 中トロ chūtoro und 大トロ ōtoro unterschieden, wobei der Übergang fliessend ist: Ōtoro ist das fettigste Fleisch, rosa und leicht gemasert. “Besser” und teurer ist eigentlich nur noch カマトロ Kamatoro, das Fleisch hinter dem Kopf, aber das macht nur 0.3% des Fisches aus. Und da Toro so rar ist, war es zu jener Zeit richtig teuer und daher nicht Bestandteil einer üblichen Sushisause. Überhaupt bevorzugte man die fischigeren Arten des Sushi.

Auf lokalen Fisch spezialisierter Fischladen (Miura-Halbinsel)

Heute hat sich das geändert: Das Zauberwort lautet “toro”. Fettig soll es sein. Darauf stellt sich auch die Fischzucht ein: Da man seit einiger Zeit Thunfisch auch züchten kann (die meisten Thunfische stammen heute aus industriellen Farmen), hat man es natürlich auch schon geschafft, den Toro-Anteil an den Thunfischen zu erhöhen – von bisher 20% auf bis zu 60%. Sprich, das ursprüngliche, rote Thunfischfleisch wird nunmehr seltener als der einst so luxuriöse Toro. Die Vorliebe für das fettigere Fleisch beschränkt sich dabei nicht nur auf den Thunfisch. Beim カツオ katsuo (Bonito) ist das nicht anders. Der wird – so weit ich weiss – noch nicht industriell gezüchtet. Im Frühjahr schwimmen die Fische mit dem Kuroshio-Meeresstrom gen Norden, in nahrreiche Gewässer, und im Spätsommer / Herbst wandern sie zurück gen Süden. Früher galt dabei das Frühjahr als Katsuo-Saison, doch nun ist es mehr der Herbst: Die 戻り鰹 modorigatsuo, die “zurückkehrenden Bonito”, sind nun vollgefressen und damit wesentlich fettiger als noch vor einem halben Jahr.

Doch auch andere Sachen haben sich geändert. Lachs zum Beispiel wurde früher gemieden. Man kannte ihn eigentlich nur beim japanischen Namen, 鮭 shake (auch: sake), und er war Synonym für gegrillten Fisch. Mehr oder weniger stark gesalzen gehörte er zum festen Bestandteil eines japanischen Mahls, gut gegrillt in den obligatorischen japanischen Fischgrills. Das hatte einen guten Grund: Lachse enthalten oft einen für den Menschen gefährlichen Parasiten – einen Fadenwurm mit dem Namen アニサキス Anisakis, der bei Menschen eine Anisakiasis genannte Krankheit auslöst, die ordentliche Schmerzen im Verdauungstrakt – bis hin zum Darmdurchbruch – auslösen kann. Bei Tintenfischen kommen diese Würmer auch oft vor – ebenso bei Heringen (bei bis zu 70%!). Da die Würmer Temperaturen über 60 Grad und unter -20 Grad nicht überleben, und auch keine Salzlake mögen, lag die japanische Art der Zubereitung nahe: In Salzlake einlegen, dann grillen. Sicher ist sicher. Doch mit dem Beginn der industriellen Lachszucht in Norwegen und anderswo hielt der Fisch auch in den Sushiläden Japans Einzug und wird dort bei seinem englischen Namen – サーモン saamon (Salmon) genannt.

Inselsushi: Leicht mariniert, und mit Senf statt Meerrettich

Ein Besuch bei einem Sushiladen auf einer der kleinen Inseln lohnt sich immer: Zum einen gibt es dort nämlich wirklich fangfrischen, und bisweilen seltenen Fisch – 地魚 jizakana (örtlichen Fisch) – zu essen. Und auf vielen Inseln wird auch noch 島寿司 Shimazushi angeboten: Bei dem wird die Fischauflage erst etwas mariniert, und man isst das Sushi nicht mit Wasabi, dem grünen japanischen Meerrettich, sondern mit 和がらし wagarashi, dem japanischen Senf. Und das passt alles erstaunlich vervorragend zusammen.

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