Japan-Almanach: Alles über das Leben und Reisen in Japan. Seit 1998.
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Lass die Kugel rollen: Casinos in Japan werden immer wahrscheinlicher

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Bald auch in Japan? Casino in Macao.

Die Idee gibt es seit Jahren, und schaut man auf Singapur oder Macao, dann ist das ganze für Staat und Gemeinden natürlich schon verlockend: Der professionelle Betrieb von Casinos. Dem stand bisher das japanische Glücksspielgesetz im Weg, das das Spielen um Geld schlichtweg verbietet. Allerdings sind die Löcher in dem Gesetz seit eh und je riesengroß und machen das Gesetz zur Farce – natürlich kann man in jeder Pachinko- oder Pachislo-Bude Geld gewinnen. Das Glücksspielgesetz bewirkt lediglich, dass die Spieler ein paar Meter um die Ecke laufen müssen, um ihren Gewinn, so erfolgreich, einzutreiben.

Die neue Gesetzesvorlage passierte heute nun den parlamentarischen Ausschuß des Oberhauses, so dass das Gesetz bereits morgen im Oberhaus verabschiedet werden kann. Das ist dank satter Mehrheit der Regierungskoalition auch äußerst wahrscheinlich. Das Gesetz soll die japanischen Bürger vor der Spielsucht bewahren und legt deshalb Grenzen – für den Betrieb der bisher nicht erlaubten – Casinos fest. Die Eckpunkte sollen wie folgt aussehen.

  • Maximal drei Casinos dürfen in Japan betrieben werden (die Anzahl kann frühestens nach 7 Jahren revidiert werden)
  • Jedes Casino muss Teil eines Integrierten Vergnügungsparks (IR) sein
  • Der Eintritt soll 6’000 Yen kosten – das soll jedoch hauptsächlich für japanische Staatsbürger gelten und ist teurer als das, was die teuersten Kasinos in Singapur verlangen
  • Japanische Staatsbürger dürfen maximal 3 Mal pro Woche beziehungsweise maximal 10 Mal pro Monat spielen
  • Japanische Staatsbürger müssen ihre „MyNumber“ (eine Personenkennziffer, die den Abgleich aller Daten – Steuern, Banken, Arbeit usw. – ermöglich) angeben
  • 30% der Einkünfte der Casinos müssen an den Staat abgeführt werden

Mit diesen Regelungen soll offensichtlich dafür gesorgt werden, dass hauptsächlich ausländischen Spielern die Geldkatze gemolken werden soll, und da schielt man natürlich vor allem auf chinesische Besucher, die gern ihr Geld in Macaos Casinos lassen und dies sicher auch gern in Japan tun werden. Die Regelungen für japanische Spieler sind hingegen verhältnismäßig lasch: Die MyNumber-Klausel wird vielleicht den Einen oder Anderen abschrecken, aber nur 10 Mal pro Monat ins Kasino gehen zu dürfen wird vor Glücksspielsucht kaum abschrecken. Man darf jedoch gespannt sein, wo die Casinos entstehen werden. Eines der 3 würde jedoch auf jeden Fall nach Shirahama (südlich von Osaka) passen.

Fahrradtrip durch Kawasaki & Yokohama

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Aus urlaubstechnischen Gründen habe ich mir nun doch mal eine sogenannte action camera zugelegt – und die erlaubte mir nun, etwas zu machen, was ich schon lange mal machen wollte — meinen Weg zum Bahnhof zu filmen. Einfach mal so. Der nächstgelegene Bahnhof ist zwar nur rund 2 Kilometer entfernt (bewusst gewählt — denn mit zunehmender Entfernung ist es ruhiger), aber so das Wetter mitspielt, fahre ich zu einem anderen Bahnhof – dem knapp 5 Kilometer entfernten たまプラーザ Tama Plaza, dem nördlichsten Bahnhof von Yokohama. Eigentlich seltsam, da Kawasaki, mein Wohnort, zwischen Yokohama und Tokyo liegt, doch so bin ich in nur 20 Minuten in Shibuya. Die Fahrt zum Bahnhof hat es allerdings in sich – es geht permanent rauf und runter, und ein paar Kreuzungen unterwegs sind auch nicht ohne. Die Gegend ist übrigens ziemlich wohlhabend, und dazu passt auch der Stadtteilname auf halbem Wege: 美しが丘 Utsukushigaoka – der „Schöne Hügel“. Fast nur Einfamilienhäuser, und viel Grün.

Es geht übrigens ziemlich langsam voran, denn heute morgen waren es vor 9 Uhr schon 30 Grad…

Noch zwei Anmerkungen: Das Datum auf dem Video stimmt nicht, wie man unschwer an der Zeit erkennen kann. Und die Kamera ist am Lenker angebracht, nicht am Helm, weshalb die Dinge manchmal näher erscheinen, als sie wirklich sind.

Sittiche machen sich jetzt auch in Japan breit | Kleines Vogelquiz ​

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In Europa, darunter selbst auch in Deutschland, machen sich die Sittiche breit — die gefiederten Freunde kommen eigentlich aus südlicheren Gefilden, fühlen sich aber zunehmend auch in nördlicheren Breiten wohl. Hauptsächlich handelt es sich dabei wohl um Mönchssittiche und Halsbandsittiche. Die wurden bisher in Japan maximal als Haustiere gehalten.

Doch seit einigen Wochen mehren sich in Tokyo und der benachbarten Präfektur Kanagawa (mit den Millionenstädten Yokohama und Kawasaki) Anwohnerbeschwerden über eine Vogelart, die nicht nach Japan gehört: Den Halsbandsittich. Die grünen Vögelchen gehören zu den Edelsittichen und damit zur Familie der Papageien, und sie sind reichlich laut und zankhaft. In einem Fall wurde darüber berichtet, das sich bis zu 1’000 Exemplare in einem Park am Abend versammeln und einen Heidenlärm verursachen. Da die Tiere auch als Haustiere beliebt sind, geht man davon aus, dass sich die Population aus entflohenen Haustieren zusammengerottet hat. Das klingt anfangs etwas unwahrscheinlich, zumal Vögel in Japan als Haustiere verhältnismäßig ungewöhnlich sind, aber wenn man bedenkt, dass die Sittiche bis zu 30 Jahre alt werden können, ist es wahrscheinlich schon möglich.

Nun könnte man unken, dass besagte Neozoen ein paar Farbtupfer in die arg krähenlastigen japanischen Großstädte bringen könnte. Was den Lärm anbelangt, wird der Unterschied zu den Raben auch nicht allzu groß sein.

Deshalb zu dem Thema auch mal ein kleines Quiz:

1) Das Schriftzeichen für „Vogel“ schlechthin ist

und das Zeichen für „Krähe“

Ein feiner Unterschied, aber woher stammt dieser Unterschied?

2.) Auf allen japanischen Geldscheinen ist ein Sittich versteckt. Aber wo?

Garantiert nicht sittichfrei: Japanische Geldscheine

Anmerkung: Das Beitragsfoto zeigt übrigens Mönchssittiche (so weit ich weiss) und keine Halsbandsittiche. Das Foto entstand in Barcelona, wo die Sittiche zahlreich und lautstark vertreten sind.

JW-10 – die „Mutter“ der japanischen Eingabegeräte

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Word Processor JW-10
Word Processor JW-10

Jüngst hat es uns mal in das (kostenlose) Technikmuseum von Toshiba direkt am Hauptbahnhof von Kawasaki verschlagen. Das Museum als solches war relativ voll und in weiten Teilen nur mäßig interessant, doch in einem Raum hat man Haushaltsgeräte und Computer verschiedener Jahrzehnte ausgestellt, und dieser Bereich, ist, so man ein wenig „nerdig“ veranlagt ist, sehr interessant. Unter anderem steht doch auch ein JW-10 rum.

In den Handel kam das Gerät 1979, und es war einer der ersten sogenannten ワープロ Waapro – kurz für „Word Processor“ und definitiv ein aussterbendes Wort dieser Tage. Das Monstrum wiegt 220 Kilogramm, hat eine 10-MB-Festplatte (für die Zeit war das sehr ordentlich) und kostete schlappe 6,3 Millionen Yen. Anmerkung am Rande: Die Kaufkraft hat sich kaum verändert, 6,3 Millionen Yen waren damals ziemlich genauso viel wert wie heute — in Euro umgerechnet sind dies rund 45,000 Euro.

Der JW-10 sollte die Eingabe japanischer Schrift revolutionieren. In der Tat gab es schon seit 1915 Schreibmaschinen, mit denen japanisch geschrieben werden konnte (siehe japanische Wikipedia), doch der Anblick lässt erahnen, dass es schlichtweg unmöglich war, damit mal eben schnell etwas zu verfassen. Aus mehr als 2’200 Zeichen auswählen dauert länger als aus 26 Zeichen auswählen – egal, wie viel Übung man darin hat.

Die Hauptidee hinter dem JW-10 war die Umwandlung von Kana in Kanji, und zwar auch innerhalb von Worten: Während man vorher für das Adjektiv „素晴らしい“ erst ein Schriftzeichen, dann das nächste, und dann drei verschiedene Hiragana eingeben musste, konnte man mit dem JW-10 das ganze Wort in Hiragana schreiben, also „すばらしい“, und hernach die Schriftzeichenumwandlungstaste drücken. Wenn man Glück hatte, kannte das Gerät dieses Wort und wusste also, welche Schriftzeichen es liefern muss.

Doch die Rechenleistung war damals natürlich noch beschränkt, und die gängige Silbe „こう“ in ein Schriftzeichen umzuwandeln brachte das System bereits an die Grenzen, denn es musste nun dutzende Schriftzeichen (die man alle „こう“ lesen kann) in den virtuellen Speicher schieben, was zu einem memory swap-ähnlichen Phänomen führte: Das Gerät hing sich auf, beziehungsweise war kurz davor und zwang den Schreiber dazu, eine Pause einzulegen.

Heute sind all diese Sachen selbstverständlich. Zum Glück. Gerade in der japanischen Sprache haben Computer vieles wirklich einfacher gemacht — allerdings mit dem negativen Nebeneffekt, dass viele Japaner kaum noch vernünftig mit der Hand schreiben können (mir geht es nicht anders: Lesen ist kein Problem, aber wenn man plötzlich mit der Hand schreiben soll, vergisst man vieles, was man früher problemlos schreiben konnte).

Die Webseite des Museums gibt es hier: 東芝未来科学館 Tōshiba Mirai Kagakukan.

Schweres Erdbeben mit Epizentrum direkt in Osaka: Zwischenbilanz

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Heute morgen, am 18. Juni 2018, gab es um 7:58 in der Kansai-Gegend ein schweres Erdbeben. Das Epizentrum lag dabei direkt unter Japans zweitgrösstem Ballungsgebiet, Osaka. Auf der nach oben offenen Richterskala wurde die Stärke mit 5,9 angegeben; nach der japanischen Skala (die sich mehr nach der Wirkung richtet) wurde im Nordteil eine schwache 6 (6-), im Südteil der benachbarten Kaiserstadt Kyoto eine starke 5 (5+) gemessen. Als Faustregel kann man in Japan sagen, dass nennenswerte Schäden bei einer 6 beginnen – die meisten Bauwerke und Strukturen stecken Erdbeben bis einschließlich 5 halbwegs gut weg.

Da das Epizentrum nicht im offenen Meer lag, gab es von Anfang an keine Sorgen um einen Tsunami. Und: Die Stärke des Erdbebens nach der japanischen Skala im Vergleich zur Richter-Skala war der Tatsache geschuldet, dass das Epizentrum mit einer Tiefe von 10 km nur knapp unter der Erdoberfläche lag. Entgleisungen von Zügen, Zusammenbrüche von Brücken oder Einstürze größerer Bauwerke gab es zum Glück nicht, doch nach jetzigen Kenntnissen sind 3 Todesopfer zu beklagen. Zudem gab es rund 300 Verletzte. Die meisten Züge der Region wurden für weite Teile des Tages erstmal angehalten, um die Infrastruktur auf Schäden zu untersuchen, aber der Grossteil fuhr am Abend wieder. Seit dem Beben am Morgen gab es zudem im Laufe des Tages ein dutzend Nachbeben, aber diese waren alle nicht von nennenswerter Stärke.

Das Beben von heute war das schwerste Erdbeben in Japan seit dem Erdbeben von Kumamoto am 14. April 2016 und eine Erinnerung daran, dass auch Osaka nicht sicher ist: Seit langem ist bekannt, dass es direkt unter der Großstadt einige größere Verwerfungen gibt. Die waren seit langem nicht mehr aktiv, aber das bedeutet nicht, dass sie nicht mehr existieren. Das gleiche läßt sich übrigens auch über die Präfektur Gunma nördlich von Tokyo sagen: Dort gab es erst gestern, am 17. Juni, ein größeres Erdbeben der Stärke 4,6 – das ist für die Präfektur, die bei vielen Japanern als (vergleichsweise!) erdbebensicher gilt, sehr ungewöhnlich.

Stadtzentrum von Osaka
Stadtzentrum von Osaka

Neue Airbnb-Regeln in Japan ab 15. Juni und was sie bedeuten

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Es war nur eine Frage der Zeit, bis der Gesetzgeber in Japan auf Sharing Economy-Vertreter wie Uber und Airbnb reagiert — das ist verständlich, und aus diversen Gründen geschieht das auch anderswo, siehe zum Beispiel Uber in Deutschland und so weiter. Während bisher nahezu jeder bei Airbnb in Japan sein Zimmerchen zur Verfügung stellen konnte, ändert sich dies nun ab dem 15. Juni 2018 (sprich, ab Freitag), denn dann ist jeder Host dazu verpflichtet, eine 届出番号 todokede bangō einzureichen – eine „Registrierungsnummer“. Denn: Ab jenem Tag fallen Airbnb-Unterkünfte unter die 住宅宿泊事業(民泊) jūtaku shukuhaku jigyō (auch: „Minpaku“)-Verordnung. „Minpaku“ bedeutet „Volks-“ und „-haku (paku)“ bedeutet Übernachten. Kurzum bedeutet dies für Airbnb-Hosts nun, dass sie die gleichen Regeln einhalten müssen, die auch Hoteliers einhalten müssen, als da unter anderem wären:

  1. Mindestens 3.3 m² Wohnraum pro Gast
  2. Gesicherte Ventilation sowie die Einhaltung von Hygienestandards
  3. Sicherheitsmaßnahmen für Katastrophenfälle
  4. Registrierung und Meldung von Gästen
  5. Gebrauchsanleitungen, Wegebeschreibungen und dergleichen in Fremdsprachen
  6. Maßnahmen zur Geräuschregulierung
  7. Maßnahmen zur Abfallbeseitigung

und so weiter. Die Tourismusbehörde hat die Informationen netterweise auch auf Englisch zur Verfügung gestellt – siehe hier.

Die eigentliche Liste ist lang und beinhaltet etliche Stolpersteine. So dürfen Airbnb-Hosts ab jetzt maximal an 180 Tage im Jahr vermieten, und, auch das ist neu, die Gastgeber müssen persönlich die Gäste „empfangen“ bzw. „überprüfen“. Das geht zwar auch über Videoschaltung, in dem der Host ein Tablet bereitstellt, aber das mehr oder weniger anonyme Übernachten geht nicht mehr. Ausserdem dürfen Kommunen ihre eigenen Regeln erlassen, und können so zum Beispiel Airbnb in einigen Vierteln ganz verbieten oder noch strenger reglementieren.

Um die Registrierung abzuschliessen, mussten Hosts sehr viele Formulare einreichen und Inspektionen vorbereiten – wer das nicht bis zum 15. Juni geschafft hat, wird von Airbnb aus dem Sortiment genommen. Viele haben auch von sich aus Airbnb bereits verlassen – entweder, weil die Registrierung noch nicht durch ist, oder die Aussichten auf eine erfolgreiche Registrierung gering sind. Das hat Folgen: Geschätzte 80% der Airbnb-Unterkünfte in Japan sind durch das neue Gesetz einfach verschwunden, und es ist nicht abzusehen, wie sich die Lage weiterentwickeln wird. Wer übrigens bereits eine Unterkunft gebucht hat, die jetzt nicht mehr beherbergen darf, wird wohl von Airbnb mit Coupons entschädigt.

Doch was bedeutet dies nun konkret für Japanbesucher? Nun, in erster Linie sind dies schlechte Nachrichten. Noch vor 10 Jahren haben rund 8 Millionen Touristen im Jahr Japan besucht – im Jahr 2017 waren es 29 Millionen (offizielle Zahlen, hier erhältlich). Das sind also 3.5 mal so viele Besucher. Es wird enger, und das gilt auch für den Hotelsektor. Japanische Hotels sind zudem dafür bekannt, dass sie entweder extrem eng oder reichlich teuer sind – Airbnb bot da eine willkommene, meist günstige und zudem auch noch abwechslungsreiche Alternative.

Besonders schmerzlich werden kleinere Gruppen, sprich Familien mit Kindern und dergleichen, Airbnb vermissen: In üblichen Businesshotels kann man mit Kindern zum Beispiel kaum absteigen, und die richtigen Hotels ausserhalb der Städte oder gar Ryokans (traditionelle Herbergen) sind einfach für viele zu teuer. Airbnb-Unterkünfte hatten zudem den Vorteil, dass man oft in Gegenden übernachten konnte, in die man sonst kaum kommen würde, und da man sich dort meist selbst verpflegen und seine Wäsche waschen kann, konnte man gleich doppelt Geld sparen. Laxere Regeln bedeuteten auch, dass auch weniger betuchte Japaner mit Airbnb vermieten konnten – diese Zeiten sind jetzt vorbei. Eigentlich schade.

Ertappt! Skandal beim Erstellen des Internationalen Führerscheins

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Wer einen japanischen Führerschein sein eigen nennt, kann den im Ausland so ohne weiteres nicht benutzen. Man muss sich, für viele Länder zumindest, einen Internationalen Führerschein (genannt 国外運転免許証 kokugai unten menkyoshō) zulegen. Das kann man, zumindest in meiner Präfektur, wohl bei Polizeiwachen beantragen – aber nur werktags – oder man findet sich im Präfekturführerscheinzentrum ein – ein Behördenmoloch, zu dem jeder muss, der den Führerschein macht, selbigen erneuern muss oder eine Strafe aufgebrummt bekommen hat. Der Vorteil an der Sache ist, dass dort auch Sonntags geöffnet ist, und, so man den internationalen Führerschein braucht, man selbigen am gleichen Tag ausgehändigt bekommt.

Um den grauen Lappen zu erstehen, muss man seinen aktuellen Führerschein mitbringen sowie ein Passfoto, das nicht älter als drei Monate alt sein darf. Dann bezahlt man 2,350 yen für Stempelmarken und zeigt zudem noch seinen Reisepass oder irgendein anderes Papier vor, das belegt, das man ins Ausland fahren kann bzw. wird. Gesagt, getan. Ich griff das erstbeste Passfoto, das mir in die Hände fiel, und begab mich zum nagelneuen Gebäude der Führerscheinbehörde – nur 30 km entfernt. Es wimmelte vor Menschen, auch am Schalter für internationale Führerscheine, aber die Menschenmassen, so ist man das in Japan ja gewohnt, werden ziemlich effizient durchgelotst. Stempelmarken gekauft, beim Schlangestehen Formular ausgefüllt, und nach rund 20 Minuten war ich an der Reihe. Dort bedankte man sich für die Dokumente und sagte mir, dass ich in 60 bis 90 Minuten aufgerufen werde.

Und in der Tat, nach einer guten Stunde wurde mein Name gerufen. Und dann gab es Schimpfe: Dummerweise hatte ich nicht gemerkt, dass das Passfoto genau das gleiche ist, das in meinem Reisepass klebt – und der wurde im Jahr 2010 erstellt. „So geht das aber nicht! Gehen Sie mal flott nach oben und machen Sie am Automaten ein neues Foto!“. Der Einwurf, dass ich in den letzten 8 Jahren doch eigentlich kaum gealtert sei, wurde mit einem müden Lächeln abgetan. Immerhin konnte ich nach 5 Minuten wieder sofort zum Schalter, und innerhalb weiterer 5 Minuten wurde mir der Internationale Führerschein ausgehändigt. Leider ist der jeweils nur ein Jahr gültig – will ich also im nächsten Jahr im Sommer wieder irgendwo anders ein Auto mieten und herumfahren, kann ich das ganze gleich noch mal machen…

Mit dem Internationalen Führerschein kann man wohl auch in Deutschland herumfahren — so lange man nicht länger als ein halbes Jahr dort bleibt. Deutschland akzeptiert zudem wohl auch eine beglaubigte Übersetzung des japanischen Führerscheins — andere Länder tun das nicht.

Touristenrummel in Fuji-Goko und eine grausame Sage

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Fuji-san - vom Kachikachiyama aus gesehen

Gestern zog es uns mal wieder aus zur 富士五湖 Fuji-Goko – den 5 Seen des Mt. Fuji, einer Seenkette nördlich des Fuji-san. Das Ziel war dieses Mal der Kachikachi-Yama am östlichen Seeufer des 河口湖 Kawaguchi-ko genannten Sees. Dort fährt nämlich eine Seilbahn bis auf gut 1’000 Meter Höhe, und von dort hat man einen schönen Blick auf den Fuji-san und alles, was sich so am Fuße des Berges erstreckt, inklusive Fuji-Q-Highland, Autobahn und riesigen Übungsplätzen der japanischen Armee Selbstverteidigungskräfte.

Plötzlich fanden wir uns im Mittelpunkt des Touristenrummels wieder: Unzählige Reisebusse standen herum, und tausende Besucher, die meisten aus China, viele aber auch aus den USA und Europa, rödelten mehr oder weniger zielstrebig durch die Gegend. So viele Ausländer habe ich schon lange nicht mehr auf einem Haufen gesehen. Da an Orten wie diesem ein Restaurant wie das andere ist, kehrten wir einfach irgendwo ein, und plötzlich waren wir die einzigen Gäste. Zwei gelangweilte Angestellte, ältere Damen, händigten die Speisekarte aus. Schnell wurde gewählt – den Kindern verlangte nach Takoyaki (frittierte Teigbällchen mit Oktopusfüllung), für die Eltern gab es Hōtō – ein Gemüse-Miso-Eintopf mit sehr breiten Nudeln. Und siehe da: Die Takoyaki waren Tiefkühlkost, und die Hōtō konnte man nur mit viel Mühe schlechter hinbekommen. Immerhin waren die Preise sehr zivil. Richtig amüsant waren jedoch die beiden Angestellten, die sich in Hörweite über ihre einzigen Gäste unterhielten. Diese Gäste (sprich: wir) hatten kurz vorher wohlgemerkt das Essen auf Japanisch bestellt, und meine Gemahlin ermahnte auch in regelmäßigen Abstand den Sohnemann zum richtigen Benehmen. Auf Japanisch, natürlich. Und dennoch – die Angestellten merkten an,, ganz so als ob wir nicht da wären, wie schön doch das Töchterchen die Stäbchen hält, wie gut doch manche Ausländer neuerdings Japanisch sprechen und dergleichen. Ganz ungeniert. Ganz unverfroren.

Meine Frau stammt aus Kyushu und hat einen etwas dunkleren Teint. Nichts Ungewöhnliches in Japan, aber es kam schon vor, dass sie mit dem indischen Hallo „नमस्ते“ begrüsst wurde oder jemand ihr Japanisch lobte. Für mich ist das freilich jedes Mal eine saukomische Angelegenheit. Dass sich aber Angestellte in einem Restaurant so hörbar über ihre einzigen Gäste unterhalten, habe ich in Japan auch noch nicht erlebt. Die Qualität des Essens war für japanische Verhältnisse ebenfalls schockierend – die Touristen, die dort reinstolpern, tun mir ehrlich leid. Aber mit der steigenden Zahl der Besucher werden wohl auch solche Orte zunehmen (nun gut, eigentlich gab es die schon immer…). Fazit: So schnell muss ich da nicht wieder hin. Aber der Anblick des Fuji-san ist von dort schon sehr beeindruckend.

Doch was hat es mit dem カチカチ山 Kachikachi-Yama, auf gut Deutsch „Knisterberg“, auf sich? Hinter dem Namen steckt eine reichlich grausame Sage: Vor langer, langer Zeit lebte ein älteres Ehepaar in der Gegend, doch ein boshafter Tanuki (Marderhund – und eine beliebte Sagengestalt in Japan) machte den Alten das Leben schwer. Es spielte den beiden Streiche, fraß die mühsam ersparte Saat auf und dergleichen. Doch eines Tages stellte der Alte dem Tanuki eine Falle, und brachte das gefesselte Tier nach Hause. Seine Frau versprach ihm daraufhin, zum Abend eine deftige 狸汁 Tanuki-jiru (Tanukisuppe) zu kochen. Doch der Tanuki zog alle Register und überzeugte die alte Frau, dass er sich bessern und im Haushalt helfen werde. Kaum losgelassen, erschlug er die Alte – und machte aus ihr 婆汁 babā-jiru (Alte-Frau-Suppe), verwandelte sich in die Alte und setzte die Suppe dem Gatten zum Abendmahl vor. Dieser aß sie auf und erfuhr hernach, was er gerade verzehrt hatte. In seinem Zorn wandte er sich an einen befreundeten Hasen, da er sich selbst nicht im Stande sah, den Tanuki zu besiegen.

Der Hase lud den Tanuki zum Reisig sammeln am Berg ein. Als der Tanuki das gebündelte Reisig auf dem Rücken trug, setzte der Hase das Reisig in Brand. Der Tanuki wunderte sich, woher das knisternde (auf Japanisch: „kachikachi“) Geräusch kommt, doch der Hase, nicht auf den Mund gefallen, beschwichtigte den brennenden Tanuki: Man sei hier am „Kachikachi-Berg“, und dort leben die Knistervögel, die eben ein solches Geräusch machen.

Der Tanuki verbrannte sich schwer am Rücken, doch der Hase hatte gleich eine passende Medizin parat: Miso (eine Bohnenpaste), in die er Pfefferschoten mischte. Kaum hatte sich der Tanuki von den brennenden Schmerzen erholt, lud der Hase den Tanuki zum Fischen ein. Er präsentierte dem Tanuki ein Boot aus Holz und ein Boot aus Schlamm und sagte, dass man mit letzterem mehr Fische transportieren könne. Da der Tanuki für seine Gier bekannt war, wählte er natürlich das Boot aus Schlamm… und ertrank jämmerlich auf dem See.

Samurai Blue fertig für Fußball-WM in Russland. Oder?

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Ja, auch dieses Mal hat sich die japanische Fussballnationalmannschaft für die Fußballweltmeisterschaft qualifiziert, und das ist auch gut so: Wären die sogenannten Samurai Blue nämlich nicht dabei, würde man während der WM wahrscheinlich so gut wie gar nichts über selbige in den Medien hören.

Die Vorzeichen sind allerdings etwas gemischt. So beschloss man, für Außenstehende etwas plötzlich, den bisherigen Coach Vahid Halilhodžić zu feuern – der bosnische Ex-Fußballprofi führte das Team immerhin drei Jahre lang an, doch so kurz vor der WM schien es plötzlich nicht mehr zu gehen, und das soll unter anderem daran gelegen haben, dass er drauf und dran war, beliebte Spieler wie Honda und Kagawa aus dem Kader zu schmeißen – dafür hatte man dann doch wenig Verständnis. Das Faible für bosnische Nationaltrainer ist dabei ein kleines Rätsel; leitete doch schon 2006-07 ein Bosnier (Osim) das Team. Halilhodžić wurde nun von Akira Nishino, einem erfahrenen Trainer aus heimischer Produktion, abgelöst. Und die Premiere hat dieser am Mittwoch schon mal grandios vermasselt, als er mit den Samurai Blue in Yokohama bei einem Freundschaftsspiel 0:2 gegen Ghana verlor.

Basierend auf dem Spiel gab der Trainer heute die endgültige Aufstellung der Nationalelf bekannt, und die sieht nun wie folgt aus:

Torwart:
Eiji Kawashima (Metz), Masaaki Higashiguchi (Gamba Osaka), Kosuke Nakamura (Kashiwa Reysol)

Verteidiger:
Yuto Nagatomo (Galatasaray), Tomoaki Makino (Urawa Reds), Maya Yoshida (Southampton), Hiroki Sakai (Marseille), Gotoku Sakai (HSV), Gen Shoji (Kashima Antlers), Naomichi Ueda (Kashima Antlers), Wataru Endo (Urawa Reds)

Mittelfeld:
Makoto Hasebe (Eintracht Frankfurt), Keisuke Honda (Pachuca), Takashi Inui (Eibar), Shinji Kagawa (Borussia Dortmund), Hotaru Yamaguchi (Cerezo Osaka), Genki Haraguchi (Fortuna Düsseldorf), Takashi Usami (Fortuna Düsseldorf), Gaku Shibasaki (Getafe), Ryota Oshima (Kawasaki Frontale)

Stürmer:
Shinji Okazaki (Leicester City), Yuya Osako (Werder Bremen), Yoshinori Muto (Mainz)

Interessant: 8 Spieler des 23-köpfigen Kaders spielen in der J-League, der japanischen Liga, und 7 in der Bundesliga. Ach ne, ‚tschuldigung, 6 – der HSV ist ja nun abgestiegen. Das ist beachtlich aber für Kenner natürlich nicht unerwartet, da sich ja gerade in den deutschen Ligen überdurchschnittlich viele Japaner verdingen.

Hoffen wir für Japan also, dass das Trainerwirrwarr so kurz vor der WM keine Schäden hinterlässt! Ein gutes Vorzeichen gibt es schliesslich auch: Der neue Trainer Nishino war im Jahr 1996 Trainer der japanischen Nationalmannschaft bei den Olympischen Spielen in Atlanta und schaffte dort das マイアミの奇跡 Wunder von Miami: Japan gewann gegen Brasilien 1:0.

In der Vorrunde spielt Japan dieses Jahr übrigens gegen Kolumbien (19. Juni, in Saransk), Senegal (24. Juni, Jekaterinenburg) und Polen (28. Juni, Wolgograd).

In eigener Sache: Der Japan-Führer als eBook

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Facebook-Freunde des Japan-Almanachs mögen mir die erneute Erwähnung nachsehen, aber da nicht alle bei Facebook sind (warum auch), möchte ich der Veröffentlichung einen eigenen Artikel widmen.

Vor ein paar Wochen habe ich beschlossen, den Japan-Almanach-Reiseführer (ohne Blogteil) als eBook zur Verfügung zu stellen – vorerst nur auf Amazon, als Kindle-eBook (hier geht es zum Buch). Darin werden über 140 Reiseziele in Japan ausführlich beschrieben, neben zahlreichen Informationen zum Reisen, zur Küche, zur Geschichte, zum Wetter und so weiter und so fort. Ein echter Reiseführer eben. Alle, aber auch wirklich alle Informationen (und Fotos und Karten) sind aus erster Hand und das Ergebnis von 22 Jahren Reisen in Japan.

Insgesamt sind daraus nun gute 1’800 eBook-Seiten geworden – leider zu viel, um das mal eben einem Verleger nahezubringen. Die meisten Artikel sind dabei auch (nach wie vor) online verfügbar, aber ich könnte mir vorstellen, dass eine Offline-Variante für den einen oder anderen ganz nützlich sein könnte, um so auch ohne Wifi-Zugang stöbern zu können. Da es zudem etliche nicht im Web verfügbare Extrakapitel gibt, hoffe ich, dass der Preis von 9,90 Euro nicht zu hoch ist.

Gelegentlich werde ich das eBook natürlich überarbeiten. Bis dahin bin ich für Feedback und/oder Rezensionen natürlich immer dankbar (am Layout gibt es zum Beispiel ein paar Dinge zu überarbeiten – kein Wunder bei so vielen Seiten). Und falls genügend Interesse an einer Kobo/iBook/PDF-Variante besteht, könnte das eventuell später noch folgen.

In diesem Sinne… bitte weitersagen, und vielen Dank für’s Lesen!

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