Japan-Almanach: Alles über das Leben und Reisen in Japan. Seit 1998.
Home Blog Page 2

Japans ominöse Snackbars

1

In jedem Land auf der Erde ist der englische Begriff „Snack“ etwas völlig unverfängliches, und eine „Snackbar“ einfach nur ein Ort, an dem man sich eine Kleinigkeit zu essen in den Rachen schieben kann. In jedem Land? Nein, ganz am Rande der Welt, da wo das viele Wasser anfängt, liegt Japan, und nur dort ist eine „Snackbar“, oft nur スナック sunakkugenannt, etwas völlig anderes. Und zwar ein mysteriöser Ort, an dem man sich ordentlich in die Nesseln setzen kann. Dabei handelt es nicht um ein selten anzutreffendes Phänomen, sondern um etwas, was es überall gibt. Laut dieser Quelle gibt es in Japan nämlich rund 55’000 dieser Läden – das ist ein Laden pro 2’000 Erwachsene, denn man muss mindestens 20 Jahre alt sein, um dort verkehren zu dürfen. Die Snack-Bars haben dabei nur wenige Gemeinsamkeiten:

  1. Man kann von draußen nicht reinschauen
  2. Die Bar besteht meist aus nur einem, oft kleinen Raum
  3. In den meisten Fällen wird die Bar von einer ママ mama genannten Wirtin geleitet
  4. In den Bars wird Alkohol ausgeschenkt
  5. In den Bars gibt es kleine Snacks — die man serviert bekommt, ob man will oder nicht
  6. Es gibt eine Karaoke-Maschine, und es wird gesungen, was das Zeug hält (die Mama singt meistens auch)
  7. Das Preissystem ist oft undurchsichtig
  8. Snackbars treten meistens gehäuft auf.
  9. In der Nähe der Snackbar-Viertel gibt es oft „sarakin“-Gebäude mit Automaten, an denen man sich schnell Geld leihen kann.

Bei Punkt 1) fängt das Dilemma schon an. In sehr vielen Snackbars sind nämlich junge Frauen angestellt (gern aus den Philippinen oder aus Thailand), die zur Aufgabe haben, den meist älteren, männlichen Besuchern einzuschenken, die Zigaretten anzuzünden und Komplimente ins Ohr zu hauchen, was sie denn für tolle Kerle seien. Und: Nämlichen Besuchern das Geld aus dem Kreuz zu leiern. Der Übergang zum Rotlichtgewerbe ist da manchmal recht fließend. In solchen Snackbars zahlt man natürlich „etwas“ mehr – für die Gesellschaft zum Beispiel, oder für die Getränke, die man zu überteuerten Preisen den holden (?) Schönheiten bezahlen soll. Es gibt jedoch auch nicht wenige Snackbars, die ganz und gar unverfänglich sind: Dort singt der Dorfadel einfach nur harmlose Gassenhauer von anno dazumal.

Warum sollte man sich als Ausländer nun in eine Snackbar begeben? Nun, man sollte eigentlich nicht, denn das ist schon Hardcore-Japan. Wer sich allerdings auf dem Land rumtreibt, und einfach nur ein Bier oder etwas anderes trinken möchte, hat mitunter gar keine andere Wahl. Und eine Snackbar auf dem Land ist auch durchaus interessant für Sprachfans, die einfach mal in den örtlichen Dialekt eintauchen wollen, denn das kann man in Snackbars dank des Alters der Besucher (und meistens auch der Mama) wunderbar tun. Als Ausländer kann man sich auch sicher sein, dass man dort angesprochen wird. Ob man will oder nicht. Und so sieht eine unverfängliche Snackbar von innen aus:

Harmlose Snackbar -- mit Mama beim Karaoke
Harmlose Snackbar — mit Mama beim Karaoke

In diesen einfachen Snackbars kann man oft zu relativ normalen Preisen ein Getränk zu sich nehmen, während man die Wünsche der japanischen Gäste, man möge doch bitte auch etwas singen, abwehrt. Etablissements der oben erwähnten, anderen Klasse – mit weiblichem Beisatz – erkennt man zum Glück nicht selten schon von außen: Am zumeist, man kann es nicht anders sagen – schäbigen Dekor, oder zumindest am Namen. Im Zweifelsfall lauscht man von außen, was von drinnen nach draußen klingt: Hört man viele weibliche Stimmen, nicht selten in radebrechendem Japanisch, sollte man sich auf höhere Rechnungen gefasst machen – da kann man, wenn man den zahlreichen Erzählungen Glauben schenken darf, schnell ein paar hundert Euro lassen.

Für Europäer oder Amerikaner dürften Snackbars jedoch wie ein Relikt aus anderer Zeit wirken: Verqualmt, nicht selten ziemlich schmutzig, und die Klientel ist meistens sexistisch bis zum Anschlag (und daraus schlagen die Betreiber eben ihr Kapital). Ob man das nun gutheißt oder nicht – es ist ein fester Bestandteil der japanischen Kultur, und sie wird so schnell nicht verschwinden. Die Etablissements für die jüngeren Japaner heißen zwar nicht mehr Snack, sondern Host oder Hostess Club und dergleichen, aber im Prinzip ist es das Gleiche.

Beliebter Snackbar-Name. Hier ist schon etwas mehr Vorsicht geboten.
Beliebter Snackbar-Name. Hier ist schon etwas mehr Vorsicht geboten.

Japans alternde Gesellschaft treibt ihre Blüten

3

Es war keine Meldung, die in die Weihnachtszeit passt — deshalb erscheint diese Meldung mit etwas Verspätung. Das ganze geschah bereits am 23. Dezember 2017: Morgens um 5 Uhr rief ein Bewohner der Stadt Fukaya in der Präfektur Saitama den Notruf an: „Mein Nachbar teilte mir soeben mit, dass er seinen Sohn mehrfach mit dem Hammer geschlagen habe“. Polizei und Krankenwagen wurden in Marsch gesetzt, doch es war zu spät: Der Sohn erlag im Krankenhaus seinen Verletzungen. Das pikante an der Sache: Der Sohn war reife 65 Jahre alt, und der zornige Vater sage und schreibe 92 Jahre. Laut Schilderung des Vaters war er wütend über den Lebensstil des bei ihm wohnenden Sohnes. Als er ihn in besagter Nacht betrunken vor seiner Haustür liegen sah, griff er zum Hammer und schlug mehrfach auf seinen Sohn ein.

Japans Gesellschaft altert rapide — das merkt man immer deutlicher. Diese Tatsache bringt dabei wie im obigen Fall auch allerlei seltsame Begleiterscheinungen mit sich. Dazu zählt die rapide Zunahme der durch ältere Mitmenschen begangenen Verbrechen. In vielen Städten richten die Polizeistationen deshalb eigene Dezernate ein, um dem Phänomen Herr zu werden.

Was nun genau hinter dem obigen Fall steckt, erfährt man natürlich nicht aus den Medien. Vielleicht wurde der Vater ja jahrelang vom trunksüchtigen Sohn drangsaliert oder gar mißhandelt. Vielleicht war der Vater aber auch schon immer sehr, sehr streng und kam mit dem Verhalten des Sohnes nicht klar. Fest steht jedoch, dass der 92-jährige offensichtlich sehr rüstig ist, wenn er morgens um 5 einen Erwachsenen mit dem Hammer erschlägt.

Wie immer im japanischen Fernsehen wurde der Klarname des Täters genannt — nebst Alter und Beruf. Im Falle des 92-jährigen stand freilich, wie immer in solchen Fällen 無職 mushoku – „arbeitslos“ daneben. Mit dieser Praxis komme ich nachwievor nicht klar. „Arbeitslos“ ist ein negativer Begriff und im Falle von Rentnern, ob sie nun gerade ihren Sohn mit dem Hammer erschlagen haben oder nicht, ganz sicher unangebracht.

2017 – Ein Abgesang / Gesundes Neues Jahr!

21

Bevor sich traditionsgemäß am 31. Dezember Downtown 6 Stunden lang den Hintern versohlen lassen, gibt es den traditionellen, persönlichen Jahresrückblick. Das war, aus Sicht von Tabibito, das Jahr 2017:

Politik
————

Jetzt ist es wirklich amtlich: Japan ist politisch so stabil wie schon lange nicht mehr, und Ministerpräsident Abe begann jüngst sein 5. Jahr als Ministerpräsident. Für japanische Politikerverhältnisse ist er damit ein wahrer Methusalem. Seine Politik kann man mögen, muss man aber nicht. Viele mögen seine Politik nicht, aber es mangelt schlicht an Alternativen. Der politische Witz des Jahres war das Auftreten (und sofortige Versagen) der neo-konservativen und völlig hoffnungslosen Partei der Hoffnung. Ansonsten war das Jahr geprägt von zahlreichen politischen Skandalen und Skandälchen, bis in die höchsten Führungsebenen, sowie einer wachsenden Sorge vor dem Waffenarsenal und der Unberechenbarkeit Nordkoreas.

Wirtschaft
————

Eigentlich befürchtete man aufgrund des „Erscheinen“ Ronald Trumps als US-Präsident eine Zeit der Unsicherheit, einhergehend mit nervösen Märkten. Dem war offensichtlich nicht so. Es wäre zwar übertrieben, zu behaupten, dass die japanische Wirtschaft brummt, aber es geht ihr zumindest nicht schlechter als erwartet. Und dem Aktienmarkt geht es blendend – 2017 stieg der Nikkei-Index nahezu pausenlos an und erreichte am Jahresende ein Rekordhoch von 22’900 Punkten. 2012 lag man noch bei 8’500 Zählern. In jüngster Zeit ist die virtuelle Währung Bitcoin übrigens der ganz große Renner unter den Privatanlegern – da werden wohl bald ein paar Anleger ganz dumm aus der Wäsche gucken.

Beruf
————

Dieses Jahr möchte ich lieber ganz schnell vergessen… prinzipiell hat sich jedoch nichts geändert (seit nunmehr 12 Jahren).

Familie
————

Madame Tochter wird nun also 11 Jahre alt und beginnt im April ihr letztes Grundschuljahr. Monsieur Sohnemann besucht seit April die Grundschule, und weil er immer so aufmerksam und bei der Sache ist, darf er auch die ganze Zeit in der ersten Reihe sitzen. Könnte vielleicht auch daran liegen, dass er sich liebend gern mit anderen Sachen beschäftigt und deshalb vom Lehrer dort platziert wird…

Reise
————

Dieses Jahr war nicht ganz so ergiebig. Die längste und interessanteste Reise war die in die Präfektur Kagawa (die 3. oder 4. Reise in die Präfektur) – mehr dazu siehe hier. Dort habe ich zum ersten Mal AirBnB in Japan probiert – und es auf gar keinen Fall bereut. Trotz Taifuns waren es sehr interessante Sommertage.

Ansonsten bin ich seit November 2017 stolzer Besitzer eines japanischen Führerscheins und deshalb vermehrt mit dem Auto unterwegs – da das Bahnnetz ziemlich weitmaschig ist, erschliessen sich viele Orte erst mit einem fahrbaren Untersatz (erst gestern und heute habe ich eine 350-Kilometer lange Tour gemacht, die uns durch alle 6 Präfekturen der Kanto-Region führte).

Normalerweise unternehme ich immer am Jahresende eine weitere Tour, aber aus urlaubstechnischen Gründen wird diese in diesem Winter erst am 4. Januar beginnen. Das Ziel: Die Kii-Halbinsel zu umrunden.

Klassentreffen
————

Im Oktober fand ein Klassentreffen meiner ehemaligen Oberschule statt – das 25-jährige, und erst zweite insgesamt (das erste gab es nach 5 Jahren). Da ich mit vielen noch in Kontakt stehe, bin ich extra zum Klassentreffen nach Deutschland zurückgeflogen, und das war eine gute Entscheidung: Es tat gut, zu sehen, dass es allen gut geht, und das sich die meisten eigentlich nicht geändert haben. Und es ist seltsam, zu erfahren, dass man in der ehemaligen Schule (damals eine Schule mit Internat, untergebracht in einem Schloß) heute Apartments für rund eine halbe Million Euro kaufen kann — damals haben wir dort für 30 Mark pro Monat, mit Vollverpflegung und inklusive Fahrkarten für die Heimfahrt, gelebt…

Meine alte Schule nebst Internat
Meine alte Schule nebst Internat

Blog +α
————

Dieses Jahr gab es 84 neue Beiträge – genau wie im Vorjahr.

Der (wahrscheinlich) meistgelesene Artikel war Umfrage: Welche Orte sollte man in Japan gesehen haben? — und das offenbart mein Dilemma als Blogschreiber: Es sind diese eher sehr japan(stereo)typischen, touristischen Artikel, die für Traffic sorgen – die „Kernartikel“, in denen es um Politik und Gesellschaft geht, haben im Gegensatz dazu eine eher überschaubare Leserzahl. Das ist zwar frustrierend, aber ich werde vorerst trotzdem nicht den Schwerpunkt des Blogs ändern, da ich nach wie vor keine nennenswerten finanziellen Interessen bezüglich des Blogs habe.

Ich wünsche bei der Gelegenheit allen Lesern einen guten Rutsch ins neue Jahr — das Jahr des Hundes. Dass mir 2018 ja keiner auf den Hund kommt!

Endlich auf den Punkt gebracht: Die 7 großen Probleme Japans

4

Jetzt ist es amtlich: Der Papst hat die 7 größten Probleme Japans eiskalt und schonungslos auf den Punkt gebracht, ohne etwas zu beschönigen¹. Das geschah bei einer Videokonferenz mit japanischen Studenten am Montag. Und hier sind sie – die 7 Probleme, oder nennen wir sie gleich Todsünden, der Japaner:

Excessive competition, competitiveness, consumption, consumption, consumption, consumption and even more consumption.

Ganz richtig. Und bitte nicht die Reihenfolge verwursteln! In seiner Videobotschaft mahnte der Papst an, dass bei dem harten Wettbewerb in der Schule und auf Arbeit menschliche Werte auf der Strecke bleiben können – auf dem Weg nach oben trampeln nicht wenige auf ihre Mitmenschen. Zudem bezeichnete er Japaner als ein Volk mit einem „großer Empfängnis für Religionen“. Richtig. In Japan sind zahlreiche Sekten unterwegs, gegen die die „Kirche des fliegenden Spaghettimonsters“ geradezu wie das Opus Dei erscheint. Mit stetig steigenden Mitgliederzahlen.

Wo der Papst recht hat, hat er natürlich recht. Der Konsum ist in Japan in der Tat für viele das Ein und Alles (typischer Dialog: „Was ist Dein Lieblingshobby?“ – „Einkaufen!“). Aber das gilt ganz sicher nicht für alle Japaner – wahrscheinlich nicht mal für die Hälfte. Den Eindruck mag man aus den Medien gewinnen, oder bei einem Bummel durch Tokyo. Aber auf dem Land, oder bei älteren Leuten – und die Mehrheit ist ja nun schon etwas älter – spielt der Konsum keine so große Rolle.

Da wir aber nun schon mal bei den 7 Todsünden sind — hier ist meine Liste der „japanischen 7 Todsünden“ – :

  1. Langsames Laufen
  2. Kartoffeln auf Pizza packen
  3. Faible für Lousy Vuitton-Taschen
  4. Das eigene Volk für die größte Erfindung Gottes halten
  5. Gnadenloser Sexismus
  6. Der Irrglaube, dass die Rechnung „Am Arbeitsplatz sein = Arbeiten“ stimmen muss
  7. Japanisches Fernsehen

Die Reihenfolge ist beliebig, wohlbemerkt. Zurück zu den von Papst Franziskus benannten Problemen: Leider hätte die Eliminierung von 5 der 7 Probleme die sofortige Implosion der japanischen Volkswirtschaft zur Folge. Das wollen wir natürlich auch nicht.

In diesem Sinne — ich wünsche allen Lesern ein gesegnetes Weihnachtsfest!

¹ Siehe hier.

Der Shinkansen-Schock: Eschede auch in Japan möglich?

1

Bisher ein Symbol für Sicherheit und Zuverlässigkeit: Shinkansen
Bisher ein Symbol für Sicherheit und Zuverlässigkeit: Shinkansen
Es ist zwar nun schon knapp 20 Jahre her, aber die Bilder haben sich ins Gedächtnis eingebrannt: Der schwere ICE-Unfall in Eschede, bei dem 101 Passagiere starben, geschah in 1998 – als ich gerade in Japan studierte. Ungläubig schaute ich damals auf das Photo auf der Titelseite der Japan Times, das die völlig zerstörten ICE-Waggons vor einer Brücke in Eschede zeigte. Wie kann so etwas in einem eigentlich hochtechnologisierten Land wie Deutschland passieren? Und ist so etwas etwa auch in Japan möglich? Bis vor einer Woche hätten zumindest Japaner diese Frage vehement verneint, doch seit dem 11. Dezember 2017 ist man sich da nicht mehr so sicher.

An jenem Tag beschloss man, einen Shinkansen, der auf dem Weg von Hakata nach Tokyo war, für eine genauere Untersuchung außer Betrieb zu setzen — die Passagiere mussten in einen anderen Zug umsteigen. Und diese Untersuchung („点検 tenken“) offenbarte sehr ernstzunehmende Mängel. Zum einen stellte man einen Riß im Gestellrahmen fest. Außerdem lief Öl im Getriebe aus. Außerdem hatte sich der Antriebsstrang auf ungewöhnliche Art und Weise verfärbt. Folgerichtig wurde der Zwischenfall als 重大インシデント jūdai inshidento – schwerer Zwischenfall eingestuft – und zwar als erster schwerer Zwischenfall in der 53-jährigen Geschichte der Shinkansen. Man muss da ganz sicher kein Bahnexperte sein, um sich auszumalen, dass ein Riß im Fahrwerk bei 300 oder mehr Stundenkilometern eine ernsthafte Gefahr darstellt.

Das problematische an diesem Zwischenfall ist, das es bereits kurz nach der Abfahrt, im Bahnhof Kogura auf Kyushu, erste ernstzunehmende Anzeichen gab. Dort stellte man einen ungewöhnlichen, brandähnlichen Geruch fest. Später, in Okayama, wurde ein seltsames Geräusch festgestellt. In der Nähe des Bahnhofs Kyotos nahm ein Schaffner ebenfalls einen seltsamen Geruch – dieses Mal im Wageninneren – wahr. Und trotzdem war der defekte Zug – mit Passagieren – 671 Kilometer auf der Hochgeschwindigkeitstrasse, bis sich jemand die Ursache genauer ansah.

Der ICE in Eschede war zum Zeitpunkt des Unglücks mit 200 km/h unterwegs – die Shinkansen auf der San’yo/Tokaido-Strecke sind mit 285 bis 320 km/h unterwegs. Es gibt zudem unzählige, zum Teil sehr lange Tunnel auf der Strecke. Man möchte sich nicht vorstellen, was passiert, wenn ein Shinkansen bei der Geschwindigkeit, womöglich noch in oder vor einem Tunnel verunglückt. Der schwere Zwischenfall deutet jedoch darauf hin, dass so etwas durchaus auch in Japan geschehen kann.

Was die Ursache anbelangt, so ist man sich noch nicht sicher – es könnte Materialermüdung gewesen sein, die erst den Riß verursachte und hernach das Getriebe beschädigte. Vielleicht ist der Waggon auch auf der Strecke mit etwas zusammengestoßen, was gleichzeitig das Gestell als auch das Getriebe beschädigte – man weiss es noch nicht genau.

Leider passend zum Thema ereignete sich ein paar Tage später ein weiterer Zwischenfall mit einem Shinkansen – ebenfalls im Bahnhof von Nagoya: Ein Shinkansen fuhr in den Bahnhof ein, und kurze Zeit später wieder aus – ohne die wartenden Passagiere hereinzulassen. Der Lokführer dachte, dass das hintere Zugpersonal die Türen geöffnet und die Passagiere hereingelassen hätte, aber dem war offensichtlich nicht so. Der Shinkansen wurde nach den ersten Metern „zurückgepfiffen“ und man liess die Fahrgäste einsteigen. Das ist auf einer Hochgeschwindigkeitsstrecke dann doch ein bisschen besorgniserregend…

Bildung: Englisch-Sprechtest bald Pflicht in Tokyo?

2

​Die Suche nach einer Lösung des Problems mangelnder Englischkenntnisse in Japan gewann in dieser Woche an Fahrt: Das Bildungskommitee von Tokyo beschloss nämlich, eine neue Regelung für Eintrittsprüfungen in die stadteigenen Oberstufen einzuführen: Einen Englischtest, der auch Sprechen beinhaltet¹.

Eingeweihte wissen es natürlich schon längst: Die in Japan so überaus beliebten Englischtests wie TOEIC oder Eiken sind viel zu einseitig – man kann mit ihnen nicht messen, wie gut oder schlecht jemand Englisch hört und spricht. Es gibt genug Beispiele von Menschen, die einen fabelhaften TOEIC-Score von 950 oder mehr Punkten haben; beim Hörverständnis oder freien Sprechen jedoch völlig versagen. Für die Personalabteilungen global ausgerichteter Unternehmen ist das eine Katastrophe. Schlimmer noch: Die einseitige Ausrichtung auf diese Tests bedeutet, dass die Menschen weniger die Sprache lernen, als Methoden, die Tests auszutricksen. So gibt es wirklich gefühlte Myriaden von Büchern, nicht wenige von ihnen Bestseller, auf dem Markt, in denen es einzig und allein um Strategien geht, den TOEIC zu meistern. Englisch kommt in diesen Büchern eher selten vor.

Das Zauberwort heisst 4技能 – 4 Skills, also das Lesen, Schreiben, Hören und Sprechen – und wie man das ganze messen kann (da erinnere ich mich noch gut an meine SKP – Sprachkundigenprüfungen – die immerhin aus sechs Teilen bestanden!). Tests dafür gibt es reichlich, und innovative Methoden schon lange, wie Versant zum Beispiel, bei dem man mit einem Telefonanruf seine Sprech- und Hörfähigkeiten messen kann, vollautomatisch, ohne Prüfer (Firmen wie Rakuten haben das sogar in ihr Mitarbeitertraining aufgenommen). Das Bildungskommitee von Tokyo überlegt nun auch, Oberschulkandidaten auf 4-Skills zu testen – wer nicht besteht, kann die Schule abhaken und muss auf andere, weniger „gute“ und/oder wesentlich teurere Schulen ausweichen.

Soweit, so gut. Eigentlich ist das löblich, denn im globalen Zeitalter reicht es oftmals wirklich nicht aus, gute Englischkenntnisse lediglich vortäuschen zu können. Der einzige Haken an der Sache ist jedoch: Wo sollen sich die Schüler die Englischkenntnisse aneignen, um die Tests zu bestehen? An gewöhnlichen Mittelstufenschulen? Das ist lächerlich, denn der Englischunterricht dort – es gibt freilich auch, wenngleich meistens sehr teure Ausnahmen – ist eine reine Farce. Die Lehrer können selbst kaum Englisch sprechen, und um die Schüler frei sprechen zu lassen reicht die Zeit einfach nicht. Man schielt zwar schon auf CLIL, also die Benutzung von Englisch auch im Bezug auf andere Fächer, doch es mangelt am Personal.

Wird Tokyo seine Vision wahr machen, werden viele Präfekturen schnell nachziehen. – doch die Leidtragenden, wenn man so will, werden die Eltern sein, die monatlich hunderte umgerechnete Euro ausgeben werden müssen, um die Kinder an Privatschulen nachholen zu lassen, was das öffentliche Bildungssystem strafhaft versäumte und auch noch auf lange Zeit versäumen wird. Denn schliesslich ist da auch noch das allmächtige Bildungsministerium (MEXT), und über jenes bleibt nur anzumerken, dass die Redewendung „einem alten Hund kann man keine neuen Kunststücke beibringen“ durchaus einen wahren Kern hat.

¹ Siehe unter anderem hier

Was den Europäern das Mittelmeer…

1

Nordkoreanisches Boot in Japan. Quelle: Mainichi Shimbun
Nordkoreanisches Boot in Japan. Quelle: Mainichi Shimbun
…ist den Japanern mehr und mehr das Japanische Meer. Oder das Ostmeer, je nachdem, von wo aus man die Sache betrachtet (Südkorea unternimmt momentan alles, um eine Umbenennung des Meeres von „Japanisches Meer“ in „Ostmeer“ zu erreichen – eine sehr alberne Angelegenheit, die ganz sicher nicht zur Verbesserung der koreanisch-japanischen Freundschaft beitragen wird). Während nun schon seit Jahren unzählige Flüchtlinge versuchen, meistens von Libyen aus das Mittelmeer zu überqueren, so sind es im hiesigen Fall nordkoreanische Schiffe, die vermehrt an japanischen Gestaden anlanden. Die Dimension der Tragödie im Mittelmeer ist zwar völlig anders, aber möglicherweise zeichnet sich hier ein Trend ab: Laut japanischer Küstenwache erreichten in den 5 Jahren von 2013 bis 2017 insgesamt 328 Boote aus Nordkorea Japan – doch im November diesen Jahres allein waren es 28 Boote. 47 Menschen überlebten die Überfahrt, 60 überlebten sie nicht. Das ist kein Wunder — die Boote legen mindestens 600 Kilometer, in den meisten Fällen jedoch gut 1’000 Kilometer zurück, und bei den Booten handelt es sich überwiegend um regelrechte Nußschalen – mühsam zusammengehaltene Holzboote ohne jegliche Sicherheitseinrichtungen und mit fragilem Aufbau.

Es sieht momentan auch nicht danach aus, dass die gestrandeten Nordkoreaner auf der Flucht sind — die meisten wurden aufs offene Meer getrieben und erreichten irgendwann ungewollt das verhasste, imperialistische Japan. Deshalb geschehen diese Anlandungen zum großen Teil zwischen November und Februar, wenn ein starker Westwind das Meer aufpeitscht und antriebslose Schiffe zwangsläufig Richtung Japan schickt. Der Umgang mit den Gestrandeten gestaltet sich kompliziert. So war man anfangs zögerlich, 10 Besatzungsmitglieder eines nordkoreanischen Bootes festzunehmen, obwohl es den Verdacht gab, dass sie von einer unbewohnten Insel einen Generator und anderes Gerät gestohlen haben könnten. Doch als die Besatzung, im Schlepptau der japanischen Küstenwache, plötzlich die Leinen kappte und versuchte, zu fliehen, nahm man die Mannschaft letztendlich fest, da nun offensichtlich akuter Fluchtversuch bestand. Wie gestrandete Nordkoreaner wieder in die Heimat überführt werden wird nicht bekanntgegeben. Sie in ihren Kuttern wieder auf die hohe See zu schicken wäre allerdings auf jeden Fall lebensgefährlich.

Die übermäßige Zunahme in diesem Jahr könnte verschiedene Gründe haben – möglicherweise liegt es am verhältnismäßig rauen Wetter in diesem Winter, vielleicht sind aber auch die küstennahen Gebiete in Nordkorea überfischt, so dass die Fischer weiter ins Meer fahren müssen, als ihnen womöglich lieb ist.

„Furusato Nōzei“ – das hochinteressante Steuermodell

3

Zur Zeit ist in Japan ein ziemlich interessantes Steuermodell in aller Munde — der japanische Begriff dafür lautet ふるさと納税 furusato nōzei – „furusato“ steht für „Heimat“, „nōzei“ für das Steuerzahlen. Eine „Heimatsteuer“ quasi, und, das gibt es selten — diese Steuer geschieht auf freiwilliger Basis.

Das Ganze funktioniert so: Mit Hilfe einer einfachen Tabelle oder eines Simulators (beides befindet sich hier) rechnet man erstmal aus, wo die Grenze für die Steuer liegt. Verdient man ungefähr 5 Millionen Yen pro Jahr (also rund 38’000 Euro), sind das circa 60,000 yen; verdient man 9 Millionen, sind es 130,000 yen. Jetzt sucht man sich auf einer Seite wie dieser hier etwas aus, was man haben möchte: Das sind in der Regel Produkte aus der Region, aber auch Übernachtungsgutscheine und dergleichen. Man kann sich bis zu 5 verschiedene Sachen aussuchen, und diese dann in vielen Fällen mit der Kreditkarte bezahlen. Zum Beispiel: Man liebt Bier, und bestellt sich 6 Flaschen Craft-Beer aus der tiefsten Provinz, der Präfektur Akita. Dafür „spendet“ man dann 15,000 Yen (rund 120 Euro) und bekommt dafür als Dankeschön das Bier zugeschickt. Doch jetzt kommt der Clou: Mit der Jahresendsteuerabrechnung kann man den kompletten, gespendeten Betrag, so er unterhalb der Grenze liegt, minus 2,000 yen, zurückerstattet bekommen. Will heißen, letztendlich hat man, was auch immer man sich ausgewählt hat, nur 2,000 yen (also rund 15 Euro) bezahlt. Man kann auch mehr als 5 verschiedene Sachen „bestellen“, aber dann wird es etwas komplizierter – man muss dann eine eigene Steuererklärung einreichen. „120 Euro für 6 Flaschen Bier???“ wird sich der eine oder andere jetzt sicherlich fragen. Richtig. Der echte Preis liegt wahrscheinlich bei einem Drittel oder der Hälfte (Craft-Beer hat seinen Preis). Aber man kauft ja das Bier auch nicht – man bekommt es quasi als Dankeschön für eine Spende an die Region – eine Spende, die zum grössten Teil später wieder vom Staat an den Spender zurückfließt.

Eine der Furusato-Nozei-Seiten: Hier kann man sehen, was es alles gibt
Eine der Furusato-Nozei-Seiten: Hier kann man sehen, was es alles gibt

Ziel dieser „Heimatsteuer“ ist es, die lokale Wirtschaft anzukurbeln, und das soll wohl auch wirklich geschehen, denn die Steuer ist sehr beliebt geworden. Es gibt allerdings Gerüchte, dass nicht alle Bauern, Gastwirte und so weiter davon begeistert sind, da der Betrag, den die Erzeuger letztendlich bekommen, wohl ziemlich niedrig gehalten ist. Ob dem wirklich so ist, sei dahingestellt – schließlich werden die Erzeuger und Betreiber nicht dazu gezwungen, bei der Aktion mitzumachen. Obwohl ich selbst kein großer Freund solcher Spirenzchen (dieses Wort wollte ich schon immer mal in die Tastatur hacken!) bin, überlege ich selbst mittlerweile, ob es nicht einen Versuch wert ist. Vielleicht gibt es dazu deshalb später etwas mehr…

Datum der Tenno-Abdankung steht fest | Steuern, Steuern, noch mehr Steuern

4

Internetbanking mit Kaiserjahren
Internetbanking mit Kaiserjahren
Vor drei Tagen, am 1. Dezember, wurde eine seit anderthalb Jahren geführte Diskussion zu Ende geführt: Es geht um die vom Kaiser selbst vorgeschlagene Abdankung zu Lebzeiten – zugunsten des Thronfolgers und aufgrund gesundheitlicher Sorgen. Laut Beschluss des 皇室会議 kōshitsu kaigi (Kaiserlicher Hofrat) wird der Kaiser also planmäßig am 30. April 2019 seine rund 31-jährige Amtszeit beenden. Damit endet dann auch die „Heisei“-Zeitrechnung, und eine neue Zeitrechnung muss her, die im Jahr 2019 ihr Jahr 1 („元旦“ gantan“) und im Jahr 2020 ihr Jahr 2 haben wird. Wie das neue Motto, beziehungsweise wie die neue Zeitrechnung heißen wird, weiß man noch nicht.

Die gute Nachricht lautet dabei: Wahrscheinlich hat man dank der lange im Voraus geplanten Abdankung, so etwas gab es immerhin seit rund 200 Jahren nicht mehr, etwas mehr Zeit als sonst, sich auf den Namen einzustellen, denn die japanische Zeitrechnung wird noch immer auf den meisten amtlichen Dokumenten verwendet. Die schlechte Nachricht lautet, dass die Umstellung der Zeitrechnung in der IT-Branche quasi den kleinen Bruder des Y2K-Problems darstellt – hunderttausende Systeme müssen umgestellt werden, um das neue Datum darstellen und in die westliche Zeitrechnung umrechnen zu können. Das letzte Mal geschah das 1989, doch seitdem gibt es natürlich viel mehr IT als sonst. Beispiel gefällig? Das Internetbanking der japanischen Postbank zeigt das Datum im Heisei-Format, also eine am heutigen Tag getätigte Transaktion hat den Zeitstempel 29-12-04 – das steht für den 4. Dezember (Heisei) 29 = 2017. Die Transaktionen kann man sich im CSV-Format herunterladen, und unzählige Firmen haben ihre eigenen Programme dafür, diese CSV-Dateien in ihr eigenes Buchhaltungssystem zu importieren – inklusive der Umrechnung in das westliche Kalenderjahr. Das muss natürlich alles 2019 umgestellt werden. Dem jetzigen Kaiser, Akihito, kann man indes nur wünschen, dass er und seine Gemahlin bis zur Abdankung und darüber hinaus gesund bleibt, damit er noch etwas von seinem verdienten Ruhestand hat, denn so viel steht fest: Kaiser von Japan zu sein ist aufgrund der Terminfülle ganz sicher kein Zuckerschlecken.


Vor zwei Tagen sprang mir ein Artikel in den japanischen Medien (und in der Japan Times, siehe hier) ins Auge: Im für 2018 geplanten Steuerreformpaket, jenes soll am 14. Dezember verabschiedet werden, befindet sich wohl auch eine „Ausreisesteuer“ von 1,000 yen, die jeder, der Japan auf dem Luft- oder Seeweg verlässt, entrichten soll. Die Steuereinnahmen sollen dazu dienen, den Tourismus in Japan zu fördern. Sicher, 7,50 Euro sind nicht viel Geld, aber Touristen dafür zu bestrafen, dass sie auf Tourismuswerbung reagieren und nach Japan kommen, halte ich für etwas merkwürdig. Den Großteil müssen natürlich Japaner aufbringen, die ins Ausland reisen, und dennoch: Es ist beinahe so, als ob man mit einem Werbeprospekt des Möbelhändlers zu selbigem geht – und dort beim Bezahlen dann ein paar Euro für den Werbeprospekt bezahlen soll. Dabei war ich eigentlich froh, dass die unsägliche Ausreisegebühr am Flughafen Narita kurz vor der Jahrtausendwende endlich wegfiel — damals musste man nämlich noch bei der Ausreise jedes Mal gute 2’000 Yen „departure tax“ zahlen – so etwas gab es damals fast nur in „Bananenrepubliken“, und eben in Japan… Was mich jedoch wirklich wurmt, ist die Tatsache, wofür das Geld dann ausgegeben wird: Größtenteils sehr wahrscheinlich für nationalistische Propaganda.

Ein Volk der Kleinhändler

1

Manchmal wähnt man sich fast wie unter den Ferengi: Der Klein- und Kleinsthandel in Japan nimmt immer groteskere Züge an, und die Frage nach den Gründen für das Verkaufsfieber ist durchaus interessant. Die Popularität äußerte sich erst heute wieder bei der An- und Verkaufsplattform Mercari メルカリ. Diese startete heute Punkt Mitternacht einen neuen Dienst, genannt „Mercari Now„. Das Prinzip ist sehr einfach und sicherlich verlockend: Wenn man etwas zu verkaufen hat, macht man ein Foto von dem Artikel, lädt es hoch und bekommt prompt einen Preisvorschlag zurück. Ist man damit einverstanden, wird das Geld umgehend überwiesen – die verkauften Sachen schickt man dann hinterher zu Mercari. Nach 17 Minuten, also um Punkt 00:17, war jedoch erstmal Schluß: Aufgrund zu hoher Serverbelastung wurde der Dienst erstmal wieder vom Netz genommen (und 15 Stunden später reaktiviert – Hut ab vor den IT-Leuten!)

Der Zuspruch muss also höher gewesen sein als erwartet, was ein wenig überrascht, denn im Juni startete ein ähnlich gearteter Dienstleister mit dem Namen „CASH“, finanziert von einem Bankenverband. Am ersten Tag vermeldete der Dienst einen Umsatz von rund 3 Millionen Euro – zu viel für den Betreiber. Man nahm am folgenden Tag den Dienst vom Netz und verkaufte ihn an den „wir-kaufen-alles-mit-Internet“-Giganten DMM.com, der den Service dann im August wieder startete.
Doch nicht nur bei Mercari und Cash geht es hoch her – auch bei Amazon, Rakuten, Atte, Yahoo! Auction und vielen anderen Dienstleistern wird gehandelt bis zum Umfallen. Auch Offline sind Dienstleister wie Book Off! und dergleichen gut dabei und hoch beliebt, wenn auch nicht immer unbedingt profitabel.

Mercari Now-Screen
Mercari Now-Screen

Wie kommt’s, möchte man da fragen. Schließlich erreicht dieser private Kleinsthandel Dimensionen, die man anderswo so nie erreichen wird. Sind immer mehr Haushalte knapp bei Kasse? Haben zu viele Hausfrauen, und von denen gibt es in Japan ja reichlich, schlicht zu viel Zeit? Oder ist es einfach nur die Tatsache, dass das Land so lange in Luxusgüter schwelgte, dass es davon einfach sehr viel gibt? Wahrscheinlich ist es eine Mischung. Gerade, was Luxusgüter anbelangt. Japan dürfte den höchsten Anteil Louis Vuitton-handtaschenschwingender Frauen haben. Von anderen Marken ganz zu schweigen. Markennamen gelten noch etwas, und man gibt gern viel Geld dafür aus, ob man es hat oder nicht (oder man lässt ausgeben). Doch irgendwann braucht man das eine oder andere Stück nicht mehr, und eine bequeme Methode wie Mercari Now kommt da genau richtig. Verständlicherweise ist die Seite deshalb auch auf Mode begrenzt: Man wählt die Art des Kleidungsstücks, den Markennamen (ganz wichtig!), den Zustand und einiges mehr – und basierend darauf bezahlt Mercari Geld. Genau wie bei einem gebrauchten Auto.

Doch auch in Japan muss man vorsichtig sein – Betrug ist allgegenwärtig. Ein Beispiel: Als wir neulich im Auftrag der Familie für jemanden einen Stillkittel als Geschenk bei Amazon bestellten, erhielten wir eine ominöse Plastiktüte mit einem selbstgedruckten Schreiben drin, in dem die Marke „Bebe au Lait“ gepriesen wurde. Ganz offensichtlich war das aber kein Original, darauf deutete auch schon die Verarbeitung hin (nicht, dass dieses Exemplar wesentlich günstiger war, wohlgemerkt). Eine Beschwerde beim Anbieter wurde zwar akzeptiert und das Produkt zurückgenommen, doch der Verkäufer bestand darauf, dass es ein Original eben jener Marke sei.

  • Gezwitschertes

  • Tabibito meets Facebook

  • Kalendar

    Februar 2018
    M D M D F S S
    « Jan    
     1234
    567891011
    12131415161718
    19202122232425
    262728  
  • Archiv

  • Letzte Beiträge

  • Letzte Kommentare

  • Themen

  • Schließe dich 656 anderen Abonnenten an