KansaiKyotoAmanohashidate - eine DER drei Landschaften Japans

Amanohashidate – eine DER drei Landschaften Japans

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Region 関西 Kansaii
Bezirk 京都府 Kyōto-fu
Rang 4 von 5 Sternen: Durchaus sehenswert
Name Der Name setzt sich aus den Schriftzeichen (ama) für „Himmel“, (hashi) für „Brücke“ und (date) für „stehen“ zusammen. Wörtlich kann man das schlicht mit „Himmelsbrücke“ übersetzen. Kennzeichnet sowohl die natürliche Brücke als auch den kleinen Ort am Südende.
Lage Im Norden der Präfektur Kyōto-fu an der Japanmeer-Küste südlich der Tango-Halbinsel 丹後半島. Amanohashidate trennt die kleine Bucht Aso-kai 阿蘇海 von der offenen Bucht Miyazu-wan 宮津湾.
Ansehen Die Landschaft – ein beeindruckendes Zusammenspiel von Meer und Land.

Beschreibung

Panorama von Amanohashidate
Panorama von Amanohashidate

Dem shintōistischen Schöpfungsmythos zufolge, stand einst das Götterpaar Izanami und Izanagi 伊弉冉・伊弉諾 auf einer Himmelsbrücke, von der sie mit einer juwelenbestückten Lanze in den salzigen Meeresfluten rührten. An der Lanze rannen Tropfen herunter und formten so die erste japanische Insel. Tausende weitere Inseln sollten bekanntermassen folgen. Diese Himmelsbrücke, genannt Ama-no-hashidate, befindet sich im Norden von Kyōto-fu.

Nahsicht der Himmelsbrücke
Nahsicht der Himmelsbrücke

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Amanohashidate

Die Nehrung ist ca. 3,5 km lang und nur 100 bis 200 Meter breit. Sie trennt die Lagune Aso-kai 阿蘇海 von der Miyazu-Bucht 宮津湾 östlich der Tango-Halbinsel. Die Nehrung ist nur durch einen schmalen Kanal in die „Grosse und kleine Brücke“ getrennt. Verbunden sind die beiden Teile durch eine kleine Brücke. Auf der Nehrung stehen ca. 7000 Kiefern – man spricht hier vom landschaftlichen Ideal der hakusha seishō 白砂青松 – weisser Sand und grüne Kiefern.

Der konfuzianische Gelehrte Hayashi Gahō 林 鵞峰 benannte im 17. Jhd. die drei schönsten Landschaften Japans – kurz Sankei 日本三景 (drei Landschaften) genannt. Amanohashidate ist eine davon. Die anderen beiden sind die Inseln von Matsushima und der Schwimmende Torii von Miyajima.

Am Yura-Fluss in der Tango-Gegend
Am Yura-Fluss in der Tango-Gegend

Richtig gut sieht man die Brücke entweder von Byūrando ビューランド (Viewland) auf der Südseite. Der Lift und die Seilbahn dort hinauf kosten hin und zurück 800 Yen. Von dort soll man den mata nozoki 股覗き (wörtlich „Schenkelblick“) anwenden: Oberkörper runter und durch die eigenen Beine auf die Himmelsbrücke schauen – so sieht man angeblich den Drachen im Himmel. Mit Phantasie. Oder von der anderen Seite der Brücke Dort befindet sich auch ein Aussichtspunkt mit Seilbahn. Ebenfalls teuer, mit Schrein davor. Und dutzenden Souvenirläden.

Ein japanisches Forscherduo nahm den oben genannten „mata nozoki“ einmal genauer unter die Lupe – für ihre Abhandlung über „Perceived size and Perceived Distance of Targets Viewed From Between the Legs: Evidence for Proprioceptive Theory“ gewannen die beiden sogar den Nobelpreis. Nun ja, zumindest den Ig-Nobelpreis – mehr dazu siehe hier.

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Funaya 船屋 (Ine)

Viele Besucher der Gegend fahren leider nur bis Amanohashidate und machen dann wieder kehrt – dabei gibt es etwas weiter nördlich ebenfalls etwas zu sehen – und zwar eine sehr schöne Küste, sowie 25 Kilometer entfernt von Amanohashidate die 伊根湾 Ine-Bucht – eine sehr kleine Bucht, mit der gleichnamigen Gemeinde direkt an der Bucht. Hier reihen sich zahlreiche 船屋 funaya – „Bootshäuser“ aneinander, weshalb die Gegend manchmal auch „das Venedig Japans“ genannt wird, wobei das nicht sehr zutreffend ist, denn es handelt sich um ein Dorf, und natürlich sind die Gebäude natürlich aus Holz und eher klein.

Die Sache ist ganz einfach: Die Tango-Halbinsel, so der Name der Region, ist relativ bergig, und die im Osten angrenzende Wakasa-Bucht hat reiche Fischgründe, weshalb hier der Fischfang überwiegt, und die Fischer natürlich lieber direkt am Meer leben. In der geschützten Ine-Bucht hat man nun die Häuser ganz praktisch eingerichtet: Im Erdgeschoss ankert das Fischerboot, und im 2. Geschoss lebt man. Das funktioniert nur, weil die Ine-Bucht Teil einer größeren Bucht und damit das Wasser meistens ruhig ist. Dieser Häuser gibt es durchaus auch in anderen Gegenden Japans, aber nur hier hat sich ein komplettes Ensemble erhalten, weshalb die Bucht von Ine zu den „100 traditionellen Landschaften Japans“ gewählt wurde – mehr siehe hier:

Das Machu Picchu? Tirol? Japans

Ineura mit seinen Bootshäusern

Das Dorf selbst heißt 伊根浦 Ineura (Ura bedeutet „kleine Bucht“) und besteht aus rund 350 Haushalten. Der Ort selbst ist gar nicht so alt – die ersten Bootshäuser wurden 1880 gebaut, mehr kamen dann 1930 und 1950 hinzu. Heute gibt es rund 230 dieser Häuser, und es handelt sich hier wohlgemerkt nicht um ein Freilichtmuseum, sondern um ein lebendiges Dorf, in denen die Bewohner nach wie vor auf Fischfang gehen.

Ein Spaziergang durch den Ort empfiehlt sich natürlich – es gibt auch eine kleine Touristeninformation und ein schmuckes Cafe direkt am Wasser. Nicht verpassen sollte man jedoch einen Besuch des 道の駅船屋の里伊根 Road Station Funayano-sato Ine auf einem kleinen Berg direkt an der Bucht, denn von hier kann man wunderbar die gesamte Bucht einsehen.

Zweckmäßig sind die Schiffshäuser auf jeden Fall
Zweckmäßig sind die Schiffshäuser auf jeden Fall

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Anreise

Amanohashidate hat einen eigenen Bahnhof, und der heißt auch Amanohashidate. Dieser wird von der 京都丹後鉄道 Kyoto Tango Railway (kurz KTR) befahren – eine von der Firma Willer Trains betriebene Privatbahn. Allerdings fahren auch Expresszüge von JR West nach Amanohashidate – man kann also durchaus mit dem Railpass bis hierher fahren.

Am einfachsten kommt man von Kyoto nach Amanohashidate – der Hashidate-Express fährt die Strecke in gut 2 Stunden und kostet 4,790 yen für die einfache Fahrt. Da JR nur mit dem Express hierher fährt, muss man bei langsameren Verbindungen auf jeden Fall die Privatbahn benutzen und dementsprechend auch mit einem Railpass etwas bezahlen.

Von Tottori zu fahren dauert lange. Man muss in Hamasaka 浜坂, Kinosaki 城崎 und Toyooka 豊岡 umsteigen. Ab Toyooka bezahlen auch Railpass-Besitzer für die Kita-kinki Tango Miyazu – Linie 北近畿タンゴ宮津線 1’160 Yen. Dauert von Tottori sage und schreibe 4½ Stunden!

Wer von einem Mal die Nehrung zu Fuss überqueren genug hat, kann den Rückweg mit dem Boot antreten. Entweder mit dem langsamen, teuren, offiziellen Boot oder mit Schnellbooten, die aussehen, als seien sie 1950er Science-Fiction-Filmen entkommen. Scheint ein Familienbetrieb zu sein. Diese Boote fahren gut 60 km/h und kosten 500 Yen pro Person.

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Übernachtung

Laut Touristeninformation im Bahnhof gibt es keine preiswerten Möglichkeiten. Das günstigste war die Minshuku Yoshida 民宿よしだ (Minshuku = trad. Herberge), vom Bahnhof nur zwei Minuten zu Fuss (rechts die Hauptstrasse entlang, dort rechterhand). Kostet 4900 Yen inkl. Steuer, ohne Mahlzeiten. Adresse: 京都府宮津市字文珠640−1 Kyōto-fu Miyazu-shi Jimonju 640-1, Tel: 0772-22-3405‎.

Küste nahe der Himmelsbrücke
Küste nahe der Himmelsbrücke

Achtung: Wenn man ausserhalb der typischen Reisezeiten – zum Beispiel im Januar – fährt, ist der Ort quasi tot! Am Abend hatte kein einziges Restaurant offen. Der Minshuku-Verwalter sagte „Ist halt schon spät“ (abends 8 Uhr!) und „…dort am Ende der Hauptstrasse gibt es aber ein McDonalds“. Toll, wollte schon immer mal in Japan zu McDonalds. Stattdessen besorgten wir uns Fertigessen im Konbini (Spätverkauf) nahe der Minshuku. Auch nicht das Wahre. Zu allgemeinen Übernachtungstipps siehe Übernachtungstipps Japan.

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tabibitohttps://www.tabibito.de/japan/
Tabibito (旅人・たびびと) ist japanisch und steht für "Reisender". Dahinter versteckt sich Matthias Reich - ein notorischer Reisender, der verschiedene Gegenden seine Heimat nennt. Der Reisende ist seit 1996 hin und wieder und seit 2005 permanent in Japan, wo er noch immer wohnt. Wer mehr von und über Tabibito lesen möchte, dem sei Tabibitos Japan-Blog empfohlen.

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