Corona-Update 27. April 2020: Das Dilemma

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    3D-Darstellung eines Corona-Virus (Quelle: Wikipedia)

    Auf den ersten Blick sieht die Sache doch schon mal ganz gut aus. In Tokyo wurden 12 Tage lang jeweils mehr als 100 neue Infizierte festgestellt – der Rekord lag bei gut 200 neuen Fällen an einem Tag. Gestern fiel diese Nummer erstmals seit fast zwei Wochen auf unter 100 Fälle, und heute waren es wohl nur 39 neue Fälle. Als Optimist würde man daraus schliessen, dass die Maßnahmen und Aufrufe zur Selbstbeschränkung langsam Früchte tragen und die Zahlen sinken lassen.

    Auf den zweiten Blick hingegen besteht durchaus berechtigte Sorge, und die wird vor allem durch eine Zahl genährt – das Verhältnis zwischen getesteten und positiv getesteten Personen. Laut Tokyo Shimbun¹ und weiteren Quellen stieg der Anteil der positiv getesteten Fälle von 15% Mitte März auf 63% Mitte April. Diese Zahl bedeutet, dass einfach nur noch dann getestet wird, wenn sich die Ärzte quasi schon sicher sind, dass es sich um eine COVID-19-Infektion handelt. Würde man mehr testen, würde man nämlich mehr negativ Getestete Personen finden. Das deckt sich auch mit zahllosen Kommentaren in den sozialen Medien, in denen Japaner darüber berichten, dass ihnen auch nach tagelangem hohen Fieber ein Corona-Test verwehrt wurde.

    Wie man es auch betrachtet – man kommt nicht ohnehin, zu mutmassen, dass die japanische Regierung das Problem aussitzen möchte und schlichtweg darauf hofft, dass die Fallzahlen jahreszeitlich bedingt zurückgehen und dass die jetzigen Massnahmen ausreichen. Anders kann man sich die Unlust, mehr Daten zu erheben (oder zu veröffentlichen) nicht erklären. Der Druck ist dabei freilich gross, denn man ist sich ob der wirtschaftlichen Folgen durchaus bewusst. Laut dieser Umfrage² gaben rund 60% der kleinen und mittleren Unternehmen an, nur überleben zu können, wenn die Krise bald ein Ende hat. Und damit ist nicht nur die Corona-Krise in Japan gemeint, denn Japan ist eine Exportnation, und wenn man, wie zur Zeit, kaum exportieren kann, wird es eng.

    Spannend wird es wohl in der Goldenen Woche werden, die am Mittwoch beginnt. Die 4 Feiertage innerhalb einer Woche sind normalerweise Hauptreisezeit, doch die Regierung redet auf das Volk ein, dieses Jahr auf das Reisen zu verzichten. Das machen wohl auch viele – die Auslastung von Flügen und Bahnen ist wohl nur ein Bruchteil dessen, was sonst üblich ist. Es sollen wohl trotzdem noch circa 300,000 Flugreservierungen und ungefähr genauso viele Shinkansenreservierungen sein, was also bedeutet, dass eine gute halbe Million Japaner während der Feiertage ausschwärmen wird. Ganz unverständlich ist das natürlich nicht – Hotels und Fluggesellschaften unterbieten sich gegenseitig, um wenigstens ein bisschen Geld in die Kasse zu bekommen, und viele werden sich auch denken “wenn alle anderen nicht fahren/fliegen, kann ich doch problemlos den Abstand einhalten”, womit sie sicher recht haben. Wie kurzsichtig und egoistisch das ist, wird man jedoch erst wieder nach mehr als zwei Wochen sehen – wenn überhaupt.

    Es gibt auch diverse Pläne von Politikern, die höchstens zum Kopfschütteln anregen. Allein der von der Gouverneurin von Tokyo auf einer Pressekonferenz geäußerte Vorschlag, man könne doch den Zutritt zu Supermärkten beschränken, zum Beispiel, in dem man nach dem Anfangsbuchstaben der Familiennamen in Schichten einteilt³, sorgte für proppevolle Supermärkte am vergangenen Freitag – also für genau das, was eigentlich vermieden werden sollte. Die Idee als solche ist auch unglaublich idiotisch und würde wahrscheinlich für noch schlimmere Verhältnisse sorgen.

    Was mich persönlich jedoch am meisten umtreibt, ist die Hilflosigkeit der öffentlichen Schulen. Während private Schulen mehr und mehr auf Online-Unterricht mittels Zoom & Co. setzen, geschieht an den öffentlichen Schulen quasi gar nichts. Die Mittelschule meiner Tochter lässt wenigstens die Kinder ein Mal in der Woche einzeln antraben, damit sie sich einen Satz Hausaufgaben abholen können. Die Grundschule meines Sohnes macht einfach nichts, und vor allem – man macht auch keine Anstalten, irgendwas zu machen. Und genau das wird dazu beitragen, die Regierung dazu zu bewegen, so wenig wie möglich zu testen, um so bald wie möglich zu lockern. Denn lange kann das so nicht weitergehen.

    ¹ Siehe hier
    ² Siehe hier
    ³ Siehe hier

    21 COMMENTS

    1. Japan steht bei der Erkennung eigentlich garnicht so schlecht da.

      Man geht aktuell von einer Sterblichkeitsrate von etwa 2% aus.

      In Deutschland wären dass dann 281750 aber es sind nur 155’193 offiziell gemeldet, die Dunkelziffer ist hier also deutlich höher als die der gemeldeten Fälle.

      Trotzdem gehen die Infektionen stetig zurück und es wird mit den ersten Lockerungen begonnen.

      Bei einer Sterblichkeitsrate von 2% gehen die offiziellen Zahlen und “errechneten” in Japan nur leicht außeinander ~13’000 sind gemeldet und ~18.000 ergeben sich aus der Berechnung der Sterblichkeitsrate.

      Klar gibt es bestimmt Fälle die trotz Fiber nicht getestet werden, auch in deutschland.

      Aber ohne die Hintergründe kann man mit so einer aussage auch nicht viel anfangen. Gibt auch genügend mit Fiber die nicht getestet werden und kein Corona haben, hier in deutschland passiert das auch öfters.

      Bekannter von mir hat sich auch beschwert dass er nicht getestet wurde, war sich sicher er hatte Corona u.s.w.

      Hat sich dann auf eigene Kosten testen lassen und war negativ.

      Die Leute erzählen viel wenn der Tag lang ist und das Internet ist voller unendlicher Geschichten wie schlecht doch alles ist.

      In Deutschland bisher fast 6’000 Menschen an Corona gestorben, in Japan nichtmal 400.

      Was auch immer ihr da drüben anders macht, so schlecht scheint das nicht zu funktionieren.

      Ich, für mein Teil, wäre jetzt lieber in Japan als in Deutschland^^

      • So kann man es auch geben. Es ist auch schwierig — einerseits vertraue ich der hiesigen Regierung und deren Informationspolitik nicht. Andererseits kann ich mich auch noch sehr gut an 2011 (Fukushima) erinnern. Dort hiess es auch ausserhalb von Japan “Ihr werdet alle sterben” und die Regierung sagte “alles unter Kontrolle”. Und wir leben alle noch.

    2. Naja, knapp 40 Infektionen laut Regireungsquelle.
      Was da noch unerkannt rumlaeuft, das weiss keiner.
      Ausserdem war es wieder einmal Wochenende, die meisten Praxen und Kliniken hatten geschlossen. Jetzt wird es natuerlich heissen: Leute, seht ihr, mit ausreichend (???) “Abstand” sinken die Zahlen. Also macht auch waehrend der Golden Week bitte so weiter. Sollten die Zahlen auch danach so “schoen” aussehen, waere das natuerlich erfreulich. Aber in meiner (manchmal etwas negativen) Meinung wollen sich ein paar der Oberen wieder einmal nur selbst auf die Schulter klopfen.

    3. Soweit ich weiß läuft an Grundschulen in Deutschland auch kaum etwas in Sachen Online-Unterricht. Es wird vielleicht einmal etwas Material versendet, mehr aber auch nicht. An weiterführenden Schulen ist es etwas anderes.

    4. An Grundschulen läuft so gut wie nichts an Online Unterricht. Es ist wirklich unfassbar. Gestern gab es bei uns die erste Gesamtelternvertretersitzung mit der Schulleitung. Das war das erste Telefonmeeting / Onlinemeeting der Schulleitung in ihrem ganzen Leben.

      Ich drucke für 2 Schulkinder wöchentlich Massen an Zetteln aus, die sie dann selbständig bearbeiten sollen. Was natürlich nicht sonderlich gut klappt. Es gibt kaum Rückmeldung durch die Lehrer_innen. Sie bemühen sich, aber es gibt halt überhaupt keine Struktur dafür und zu wenig Hilfe von Seiten der Schulbehörden.
      Wir in Berlin haben ab Ende Juni Sommerferien. Alle Kinder sollen vor den Ferien die Schule “nochmal gesehen haben”. Ich erwarte nicht, dass sie öfter als 3 Mal dahin laufen und sich ein Zeugnis abholen. Das Bildungssystem wurde so kaputt gespart in Deutschland, dass man in der Situation quasi komplett handlungsunfähig ist. Das wird sich nicht so schnell ändern. Ich bin gespannt wie es im nächsten Jahr weiter geht. Dann haben wir Corona ja noch immer….

      Ich wünsche allen Japaner_innen trotz allem erholsame Tage. Ich kenne das, wenn Urlaub gestrichen wird ist es sehr traurig. Das ging Europa an Ostern so. Es ist nicht schön, aber macht es euch so schön wie nur irgend möglich.

      • Ich weiss nicht, ob ich da beruhigt bin :) Japanische Grundschulen haben ja sowieso schon fundamentale Mängel (Klassen mit bis zu 40 Schülern, moralisch und fachlich fragliche Lehrer etc) und sind bekannt für ihr Low-tech. Hatte da in Deutschland schon etwas mehr Fortschritt erwartet. Südkorea und China sind uns jedenfalls weit voraus.

        • Das Gras auf der anderen Seite ist immer grüner :P

          Ich bin oft überrascht dass, obwohl in Deutschland seit Jahrzehnten alles falsch läuft, überraschend viel gut läuft. Die Politik trifft, seit der Wiedervereinigung, ausschließlich fehlentscheidungen, und gleichzeitig sind wir (überrascht mich selbst auch) so zufrieden, gesund und wohlhabend wie noch nie in der Geschichte.

          Ich denke es ist eine typische eigenart der deutschen (Medien und Gesellschaft) sich auf das negativste des negativen zu konzentrieren.

          Nehmen wir als Beispiel die DB. Gefühlt meckert jeder in Deutschland über die Deutsche Bahn und wenn man über die Bahn redet, dann natürlich über ihre notirsche unpünktlichkeit.

          Die Gesamtpünktlichkeit der DB liegt irgendwo bei 89-93%, je nach Jahr und Wetter Ereignisse, gefühlt ist sie aber nie pünktlich. Klar sind ~90% nicht immer pünktlich, aber weit weg von der gefühlten Pünktlichkeit der Deutschen.

          1. Klasse Fernvehrkehrstickets über 300km gehen im Schnitt für 50€ über die Theke, fragt man aber die Leute braucht man nicht mit der Bahn fahren, unter 100€ kommt man da nirgends hin.

          Uns geht es so gut, dass wir kaum noch echte Probleme haben. Außer Menschen die sich selbst, bewusst und aktiv in so eine Situation manövrieren, gibt es praktisch keine Armut mehr in unserem Land. In Deutschland ist man offiziell Arm, wenn man kein aktuelles Smartphone und Markenschuhe hat. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Unsere Kinder kommen hoch gebildet und kompetent aus der Schule, so kompetetent, dass es Preis Kriege am Markt gibt weil die Leute einfach zu teuer werden.

          Das man sich sorgen macht weil die Jugend nach dem Studieren ins Ausland abhaut weil man im eigenen Land nicht genug verdient. Das passt irgendwie nicht dazu, dass wir so schlechte Schulen haben in denen alle nur verdummen.

          Wir beschweren uns gleichzeitig darüber dass wir zu dumm und ungebildet, aber auch zu überqualifiziert und teuer sind, das ist, finde ich, typsich deutsch.

          High-Tech in Schulen sehe ich sehr kritisch und nicht als Aufgabe der Schule per se (und bisher war noch kein Informatiker den ich kenne, an seinem Beruf gehindert weil die Schulbidlung gefehlt hat. Alle beschweren sich über den Fehlenden Medienkompetenz und Informatik Unterricht an Schulen, aber dass dieser überhaupt garnichts an der Praktischen Situation für dieses Berufsbild ändert frällt vollkommen aus der Diskussion raus.

          Die Informatik ist so komplex, dass ein 5 Jähriges Studium nur die Oberfläche ankratzt, wie soll so ein komplexes Thema denn bitte in einer Unterstufe kommuniziert werden? Neben Fächern wie Mathematik, Physik, Chemie, Biologie u.s.w.

          Das einführen solcher Fächer führt nur zu massenhaft schlechten Noten und dazu, dass die Informatik noch unattraktiver für Schüler wird. High-Tech hat, meiner Meinung nach, nichts im Klassenzimmer einer normalen Schule zu suchen, wir müssen die Köpfe unserer Kinder nicht bereits in dem Alter zum platzen bringen.

          Klar, das hat nichts damit zu tun, dass es schulen gibt in denen der Putz von der Decke fällt und noch Overhead Projektoren eingesetzt werden, aber alleine bei der Frage welche Tablets eingesetzt werden sollen brechen Jahrelange streits los. Kinder brauchen in der Schule nicht mehr als Bücher, Stift, Papier und gegen später einen grafischen Taschenrechner. Nennt mich Konservativ, aber allen anderen Dingen kann eine normale Schule niemals gerecht werden. Lieber garnicht als falsch und sich auf die dinge Konzentrieren, die man in einer Schule gut vermitteln kann. Nach der Schule ist das Leben ja nicht vorbei, niemand fällt aus der 10 Klasse ins Berufsleben und wenn, dann nicht weil die Schule technisch veraltet war.

          Man sieht ja in China und Korea wie irgendwelche Mega Kommerz Giganten die Schulen ausrüsten um sich weiter zu bereichern und den Schülern einfach irgend eine Proprietäre Software vorsetzen um sie möglichst früh Marktkonform zu formen.

          Ich weiss noch als ich damals Networking mit Cisco gelernt hab weil Cisco einfach die Schule aufgekauft hat. Es wurde so unendlich viel Lehrstoff verschwendet welche Produkte von Cisco für was verwendet werden und wie man die dann mit Ciscos Proprietärer Software Konfiguriert, anstatt man uns einfach mal ordentlich die Grundlagen beigebracht hätte die vollkommen anbieter unabhängig sind. Für die man nichtmal einen Router oder Switch braucht sondern nicht mehr als ein Buch.

          Wenn etwas Low-Tech und outdated ist, dann ist es das Konzept von Schulen in hochentwickelten Industrieländern. Die Welt und die Menschen sind viel zu komplex geworden um sich wirklich in der Schule dafür ausbilden zu lassen. Die Schule ist für ein Grundmaß an Knowhow zuständig um die Schüler möglichst schnell in die Individualisierung zu entlassen, das in die Schule mit rein zu pressen um möglichst früh damit zu beginnen sorgt eher für den gegenteiligen Effeckt.

          Eine Schulschließung ist einfach ein großes, komplexes Problem für das es keine Einfache lösung gibt. Die Einzige Lösung wäre, das Schulsystem, so wie es jetzt ist, komplett abzuschaffen und dafür zu sorgen, dass Kinder zukünftig nurnoch zu Hause unterrichtet werden.

          Das hätte unendlich viele Nachteile und wird aus vielen Gründen niemals passieren, also wird es jetzt wie in Zukunft so sein, dass eine Schulschließung ein großes Problem ist und so ist es einfach.

          どうしようもない

          • der einfache Schritt wäre die Abschaffung der Schulpflicht und Home-Schooling zumindest zu erlauben.

        • Voll dem Tabibito zustimm!
          Was an japanischen Schulen (nicht allen, klar) ablaeuft …..
          Da frage ich mich manchmal schon, wo diese sogenannten Lehrkraefte (oder war das Leerkraefte) ihre Qualifikationen erhalten haben. Frueher haette man gesagt: Neckermann macht’s moeglich!

          • Hahaha, die japanischen Mütter und Väter in Dtl. beschweren sich genauso über die deutschen Lehrkräften. Alle Professoren in Dtl., die ich kenne, beschweren sich auch über die deutschen Lehramtstudent_innen!

      • Lieber Matthias, liebe Constanze,
        Ihr werdet jetzt vielleicht etwas neidisch, aber: Es geht in Deutschland auch anders.

        Unser Standort: Eine nicht ganz so große Stadt gerade außerhalb des Speckgürtels von Frankfurt am Main, Hessen also. Grundschule: Alle Kinder sind über ein schuleigenes Konto inklusive E-Mail Adresse bei Microsoft Teams registriert worden. Jede Klasse hat dort ein eigenes „Team“, zweimal wöchentlich treffen sich die Kinder in Kleingruppen von je fünfen mit der jeweiligen Klassenlehrkraft zum Live Chat (Videokonferenz). Da werden die Aufgaben der vergangenen Tagen gemeinsam durchgesprochen, neue Aufgaben werden zusammen gelöst, es geht um ein bisschen um den Alltag und dergleichen. Jeweils eine halbe Stunde, das ist für Eltern, Kinder und Lehrkräfte also leistbar. Die Schule arbeitet ohnehin mit Wochenarbeitsplänen. Die werden Montags morgens zu Schulbeginn um 8:30 Uhr bei Microsoft Teams eingestellt. Zusätzlich wird jede einzelne Aufgabe aus den Wochenplänen als Assignement mit Abgabefrist eingestellt. Die Aufgaben dürfen digital oder auf Papier erledigt werden. Außerdem laden die Lehrkräfte Videodateien, Zusatzmaterial, Arbeitsblätter und andere Aufgabenstellungen hoch, die genutzt werden sollen. Die Sportlehrkräfte haben Arbeitsaufträge erstellt und Videos mit Lockerungsübungen für lange Arbeit am Schreibtisch hochgeladen. Außerdem sind die Kinder bei „Mathe im April“ dabei gewesen und werden ab Montag auch bei „Mathe im Mai“ (Tipp: einfach mal googeln – ist cool) mitmachen. Die Unterrichtsfächer sind abgedeckt, mit Ausnahme von Musik und Glück.

        Unsere Große vom Gymi wurde ohnehin schon lange digital mit Material über LANIS versorgt, eine hesseneigene Schulplattform. Das wurde jetzt bei Moodle integriert, sodass sie einfach im Stoff weiterarbeitet. Es gibt einen Klassenchat über Schulcloud, wo sich Lehrkräfte und Schülerinnen permanent kurzschließen, zusammenarbeiten und austauschen. Daneben läuft die Betreuung per E-Mail. Abgesehen davon, dass Moodle öfters mal nicht erreichbar ist, funktioniert das hervorragend. Das durchgenommene Pensum an Stoff ist ungefähr gleich wie zu „normalen“ Schulzeiten, lediglich die dann auch noch zu erledigenden Hausaufgaben entfallen. Bis auf Sport sind alle Fächer abgedeckt.

        Mein Eindruck ist, dass mit etwas Engagement von Seiten der einzelnen Schulen wirklich viel möglich ist. Wir sind allerdings auch privilegiert, denn die große Tochter hat ihr eigenes Laptop (etwas altersschwach, vor einigen Jahren gebraucht erstanden), und für die Kleine stand Mamas altes Arbeitsgerät (ebenfalls altersschwach, aber noch brauchbar) zur Verfügung. Mit der in vielen deutschen Familien üblichen Ausstattung von einem Computer für alle, ein Smartphone für alle über neun Jahre und vielleicht noch ein Tablet PC würden wir das nicht schaffen. Dazu kommt, dass beide Kinder private Schulen besuchen: Das eine ist eine eher Low-Tech und konservativ ausgerichtete katholische Mädchenschule, das andere ist eine bilinguale, sehr kleine Schule. Weiterer Vorteil: Mama ist zu Hause, sie hat als Solo-Selbständige ihr Büro direkt neben dem Kinderzimmer. Ein normaler Bürojob, Homeoffice oder nicht, wäre jetzt neben der Beaufsichtigung der Schulbelange nicht möglich.

        • Nachtrag: Als tatsächliche Lernmaterialien dienen übrigens doch noch ganz konservativ die Schulbücher und -hefte, Workbooks, Arbeitshefte, Cahier d’activite: Alles wie vor 20 Jahren auf Papier.

    5. In Dtl. ist es im Moment so, seitdem der Hamburger Rechtsmediziner Klaus Püschel die sämtlichen Coronatoten in Hamburg gegen die Empfehlung von Robert Koch Institut seziert hat und anschließend behauptet e, daß kein einziger Patient an SARS CoV 2 gestorben sei (siehe ARD Interview oder Markus Lanz o.ä.) und Unmittelbar danach Bill Gates in ARD auftauchte und sagte, er möchte 7 Milliarden Menschen impfen! Zulassungsverfahren von 5 Jahren auf 18 Monate kürzen, scheint viele in Dtl. sehr misstrauisch geworden zu sein. Da fiel mir auch ‘was ein, Schweinegrippe 2009, viel Geld für Impfungen/Pharmaindustrie ausgegeben für gar nichts!
      Egal, die Pathologen sezieren jetzt überall, leider irgendwie nicht in Japan, wieso?!!? aber in New York. Das Ergebnis in New York ist so ähnlich wie in Hamburg!!!
      Fazit: Haben die Schweden oder Weißrussland doch richtig gemacht und ist die Veröffentlichung von Epidemiologe John Ioannidis von Stanford korrekt, wenn ja, und wenn die Japaner genauso viel Selbstbewusstsein hätten wie Schweden, hätte Japan am Anfang tatsächlich „fast“ alles richtig gemacht, muss ich leider zugeben, obwohl ich den Herrn Premierminister überhaupt nicht mag!
      In Dtl. gibt es nun eine neue Partei „Widerstand 2020“. Die Partei hat nun mehr Mitglieder als die Grünen, FDP, Linken, AfD und fast genauso viel wie die CSU!!! Kennt jemand diese Partei? Ich noch nicht!

      • … bis jetzt noch nicht. Aber Sie werden sich einleben wie alle anderen Parteien auch. Entweder gehen sie unter, werden von Rechts oder Links unterwandert, oder von Lobbyisten auf Spur gebracht. Nach ein paar Jahren kann man sie von den anderen Parteien kaum noch unterscheiden.

        Zur Zeit haben sie nichts sagende Programme, haben keine Gesichter, nichts zum anfassen. Ist die Coronazeit vorbei, verschwinden sie in der Masse von Facebook und Co mit einigen Mitgliedern die sich entweder Gesund gestoßen oder Profiliert haben.

      • Herr Püschel sagt mitnichten, dass keiner seiner Obduzierten an Covid19 gestorben ist. Bitte lesen/hören (und denken) sie da doch nochmal nach!
        Eine Vorerkrankungen gehabt zu haben ist nicht im mindesten gleichbedeutend mit nicht an covid19 gestorben zu sein – das wäre in etwa so als behaupteten sie, jemand wäre nicht in Folge eines Schlaganfalls gestorben, weil er/sie ja eh hohen blutdruck hatte. Zum Beispiel.

        Desweiteren sind die toten nur ein teil des sars-cov2/Covid19 risikos. Was uns noch länger beschäftigen wird sind die langen und z.t. pflegeintensiven krankenzeiten der ernsthaft erkrankten (ca. 5-10% der bekannten infizierten; im von ihnen geschätzten schweden kommen da noch einige dazu, die trotz recht eindeutiger symptome gar nicht erst getestet wurden). Und darüberhinaus mögliche gesundheitliche Langzeitfolgen einer covid19 erkrankung (auch und gerade bei jungen bis mittelalten menschen), die jetzt noch gar nicht absehbar/einschätzbar sind, für die es aber einiges an hinweisen gibt.

        • Okay, vielen Dank, dann formuliere ich ein bisschen anders: Kein einziger Toter ohne Vorerkrankung (Markus Lanz 29:50) oder keiner der Toten war “ausschließlich” an CoVid 19 erkrankt, sondern alle hatten Herz-Kreislauf-Probleme, Bluthochdruck, Arterioslerose, Diabetes; Krebs, Lungen- oder Nierenversagen oder Leberzirrhose (DW 30.04.2020).

      • Herr Tegnell meldet schon seit wochen immer mal wieder das jetzt oder demnächst der höhepunkt erreicht ist. U.a. schon anfang märz die prognose, dass es am 9.märz soweit ist. inzwischen ist er vorsichter geworden. Er redet jetzt davon, ein plateau erreicht zu haben.

        Wenn ich mir die zahlen anschaue, kann ich mit den jüngsten plateaustatements durchaus mitgegen – die neuinfiziertenzahlen (pro woche pro capita) stabilisieren sich gerade in etwa leicht unter dem Niveau, das D anfang april, also zu D’s infizierungshochzeit, hatte (also knapp 2wo nach dem lockdown. seitdem sinken die zahlen in D deutlich, was sie vmtl. ohne lockdown nicht bzw. nicht in dem masse getan hätten). Es wird sicher einiges davon abhängen, wie lange dieses plateau anhält (und dass es von dort runter-, nicht nochmal hochgeht; auch in schweden werden die menschen der – weniger drastischen, aber dennoch vorhandenen und aber durch keine öffentliche anordnung “moralisch” gestützten – einschränkungen des Alltags müde).

        Was mensch beim “lob” des schwedischen weges auch nicht vergesden sollte: schweden profitiert da (ob im positiven oder negativen sinn hängt vom standpunkt des betrachters ab) auch sehr deutlich vom den beschränkungen in den umliegenden staaten und von den beschränkungen des innereuropäischen wie weltweiten reiseverkehrs.

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