Boss unter Tränen

Januar 27th, 2011 | Tagged , | 10 Kommentare | 651 mal gelesen

Werbung in Japan kann manchmal recht drollig sein – das liegt wohl teilweise daran, dass es hier viel mehr Werbung gibt, und sich auch Amateure an Werbung trauen – da hat man immer wieder was zu lachen. Natürlich gibt es da auch im Japanischen diverse Begriffe und Floskeln, die immer wieder auftauchen.
Der Flyer heute im Briefkasten – immerhin würdige ich die Fetzen manchmal für eine ganze Sekunde, fiel mir durch den Satz 社長が涙の一大決心 (shachō ga
namida de ichidai kesshin) – jener Satz ist gelb umrahmt – auf. Zu Deutsch etwa: “Firmenchef trifft unter Tränen Riesenentscheidung”. Darunter der Aufhänger – Spezieller Rabatt über 20,000 Yen für Fahrschulkurs. Der komplette Kurs kostet übrigens damit – vorausgesetzt, man besteht alles beim ersten Mal – schlappe 300’000 Yen, also gute 2’500 Euro. Man stelle sich nur vor, wie da der Chef weinend mit den Fäusten auf dem Schreibtisch trommelt…

Ach ja, handgemachte Werbung, oft aber auch professionelle Werbung, hat in Japan scheinbar drei wichtige Grundregeln:

1) Verwende so viele Schriftarten wie möglich.
2) Verwende so viele Schriftgrössen wie möglich
3) Verwende so viele Schriftfarben wie möglich.

Ja, da freut sich der Typografen – zumal angesichts der wilden Mischung aus einfachen Kana und Buchstaben und komplizierten Schriftzeichen…

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10 Responses to “Boss unter Tränen”

  • より sagt:

    Ich liebe japanische Werbung! Ich muss immer so lachen! :-D Find ich wirklich super den Satz mit dem verzweifelten Boss!
    Ich habe eine hoffentlich nicht allzu dumme Frage: Ich stehe grade noch in den Anfaengen der japanischen Sprache und wuerd gern wissen, warum bei 社長が 涙の一大決心 (shachō ga namida de ichidai kesshin) das “no” hinter “namida” wie “de” ausgesprochen wird. Hat das irgendetwas mit der Satzstellung zu tun? Danke :-)

  • Gunnar Strauch sagt:

    Aber es scheint sich ja durchgesetzt zu haben :)

  • Lisi sagt:

    Haha, wer sich diese Werbung wohl ausgedacht hat?
    Bei der Werbung hier (besonders im Fernsehen) sind mir auch noch ein paar andere Dinge aufgefallen:

    1) Der Anteil der Werbung mit Prominenten ist hier viel höher als in Deutschland.
    2) Manche Werbungen scheinen zum Hauptziel zu haben, eine absolut bescheuerte Situation darzustellen. Da vergisst man zwischendurch sogar, wofür geworben wird.
    3) Und die Niedlichkeitskeule wird mal wieder rausgeholt. Letztens hab ich ein Plakat gesehen, auf dem Hello Kitty ein Bankkonto erklärt hat :)

  • San sagt:

    Sehr amüsant, ich habe genau das Gegenteil vom Grafiker gelernt, aber gut das gilt ja auch für Deutschland.

    Super Blog übrigens. Viele Grüße aus Leipzig.

  • Anonymous sagt:

    @より
    Nein, dass war ein Vertipper meinerseits. Das “の” wird freilich “no” gelesen. Der Vertipper liegt daran, dass man hier anstelle des “の” allerdings auch “で” (de) schreiben kann (ich mag mich da allerdings irren – bin nachwievor kein Muttersprachler)

  • Steffen sagt:

    Wow ist ein Führerschein dort wirklich so teuer?

    Was die werbung betrifft, bin ich froh das es hier nicht so schlimm ist, ist doch voll die verschwendung oder?

  • Ernst sagt:

    Ich weiß jetzt nicht, was du mit “hier” bezeichnest, ob Deutschland oder eher ur deine Ecke, aber in Berlin ist es doch auch recht schlimm.

    Wenn ich mal 2-3 Tage den Briefkasten ignoriere (sind eh nur Rechnungen drinne…) ist darin soviel Werbung, dass es mich teilweise erschlägt. Allein die Anzahl der visitenkärtchengroßen Werbeflyer für irgendwelche Schrtsammlern, Autoverkäufer etc. ist enorm.

  • Julia sagt:

    Also meine Lieblingswerbung ist immer noch die mit dem Schwein, das der Katze hinterherputzt. (War das eine Bankwerbung?)

  • ディーン sagt:

    涙の決心 (namida no kesshin) ist gebräuchlich. kesshin ist ein Nomen, deshalb wird “no” verwendet. namida de kesshin wäre etwas komisch, fällt aber nicht weiter schlimm auf. Wenn ich auf Deutsch sage “Ich gehe einmal pro Woche zum Training.” wäre das streng genommen falsch, aber das merkt ja auch keiner. Es klingt einfach etwas ungewohnt.

    Wenn ich allerdings das 安心コース da links unten sehe muss ich schmunzeln. Wie könnte in den Go-Kart ähnlichen Übungsbahnen der Fahrschule auch etwas passieren? Zumindest solange nicht der tränende Chef den Fahrlehrer gibt.

  • BigAl sagt:

    Anshin ist ganz essentiell, in einer vollkommen angstbestimmten Gesellschaft.
    Ich habe genug Kollegen die Seit Jahrzehnten einen unbenutzten Fuehrerschein haben (Ausweisersatz). Grundsaetzlich kann man davon ausgehen, wer den Goldlappen besitzt hat kein KFZ ;).