Und die 10 beliebtesten Reiseziele in Japan sind…

Juni 5th, 2017 | Tagged , , | 4 Kommentare | 994 mal gelesen

Vor einem guten Monat erfolgte auf diesem Blog eine Leserumfrage über die beliebtesten Reiseziele in Japan (die Umfrage und der Artikel befinden sich hier). Die Frage lautete:

WAS SOLLTE MAN IN JAPAN UNBEDINGT GESEHEN HABEN?

Rund 400 Stimmen wurden abgegeben. Natürlich muss man die Umfrage mit Vorsicht genießen – schließlich habe ich die Auswahl getroffen, und über die lässt sich natürlich streiten (zum Beispiel indem man Ise in der Präfektur Mie mit Shibuya in Tokyo austauscht). Interessant ist das Ergebnis trotzdem, wenn auch nicht unbedingt überraschend: Der schwimmende Torii von Miyajima bei Hiroshima landete mit großem Abstand auf Platz 1, vor Shinjuku in Tokyo. Die Antworten würden sicher auch anders aussehen, wenn man zum Beispiel nur Städte nennt (Tokyo, Kyoto, Kobe…).

Unschlagbar die Nummer 1 in der Beliebtheitsskala: Der schwimmende Torii von Miyajima

Unschlagbar die Nummer 1 in der Beliebtheitsskala: Der schwimmende Torii von Miyajima

Hat man Japan nicht richtig gesehen, wenn man diese 10 Sehenswürdigkeiten nicht abgeklappert hat? Klare Antwort: Nein, das kann man so nicht sagen. Ich habe es auch erst beim vierten oder fünften Japanaufenthalt nach Miyajima geschafft, war dafür aber zu der Zeit schon in Gegenden, die das Gegenteil von Touristenattraktionen darstellen (Yokkaichi zum Beispiel), unterwegs.

Da es die Möglichkeit gab, die Liste zu ergänzen, gab es auch über 25 andere Vorschläge, wie zum Beispiel Akihabara in Tokyo (ausgelassen wegen Shinjuku) oder Yakushima in der Präfektur Kagoshima (ausgelassen wegen zu weit weg).

Die gesamte Liste von 1 bis 10 findet man ab sofort auf dieser Seite.

Ich danke noch mal Allen für’s Mitmachen – und die zwei Bücher sind auch schon verlost (und auf dem Weg).

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Personen, um die man in Japan einfach nicht herumkommt – heute: Matsuko DeLuxe

Juni 2nd, 2017 | Tagged , | 4 Kommentare | 598 mal gelesen

In einer losen Folge möchte ich an dieser Stelle einmal Personen vorstellen, um die man in Japan einfach nicht drumherum kommt. Weil sie allgegenwärtig sind, etwas Besonderes geleistet haben und/oder meinungsbildend sind.

Heute geht es um マツコ・デラックス Matsuko Deluxe, einem Schriftsteller und Fernsehunterhalter, der seit vielen Jahren als seine eigene Kunstfigur durch die Landschaft tobt. Der 44-jährige Mann taucht nur in weiten Frauenkleidern auf und hat eigenen Angaben zufolge die perfekten Körpermasse: 180/180/180. Begonnen hat Matsuko Deluxe, Baujahr 1972, seine Karriere als Schriftsteller, mit Beiträgen für ein Schwulenmagazin.

An Matsuko muss man sich erstmal gewöhnen. Seine Stimme, seine Erscheinung, seine Körperfülle, sein Lachen, dass durch Mark und Bein dringt. Matsuko sprengt – vollkommen bewusst – alle Geschlechtergrenzen. Er ist nicht Mann, er ist nicht Frau – er ist Matsuko (ein Frauenname). Das ist in Japan, wo gleichgeschlechtliche Liebe zwar bekannt und nicht verboten ist, wohl aber totgeschwiegen wird, eine besondere Leistung, auch wenn Matsuko bei weitem nicht der Erste ist (andere bekannte Personen aus dem Genre sind Haruna und Ikko, um nur zwei zu nennen). Das „der“ ist dabei gewußt gewählt – er bevorzugt die Anrede mit männlichen Personalpronomen.

Bemerkenswert ist seine Allgegenwar im japanischen Fernsehen. Lediglich am Sonntag hat Matsuko sendefrei, an den anderen Tagen hat er eins, an manchen Tagen auch zwei Programme, die alle am Abend oder in der Nacht laufen. Dafür braucht man sehr, sehr viel Energie, zumal er in allen Programmen mehr oder weniger die Hauptrolle spielt.

Matsuko kann man mögen oder nicht. Manchmal kann ich ihn mir antun, aber jeden Tag wäre zu viel. Persönlich ganz interessant finde ich 夜の巷を徘徊する yoru no chimata o haikai suru („durch die nächtlichen Gassen ziehen“) – läuft jeden Freitag in der Nacht auf TV Asahi und zeigt Matsuko, wie er mit dem Kamerateam (das auch in die Sendung einbezogen wird) durch diverse Gassen streift und wahllos in Geschäfte reinspaziert. Das kann er gut – er ist äußerst direkt, nicht selten unverschämt, aber meistens auf seine Art erfrischend. Er scheut sich auch nicht vor Konflikten – bleibt aber in seinen Ansichten meistens recht neutral. In Berlin jedenfalls würde man ihn einfach „ein Orijinal“ nennen.

Matsuko Deluxe ist dabei gleichzeitig der lebende Beweis, dass es vollkommen okay ist in Japan, schwul zu sein: Solange man nur schrecklich schrill und extravagant ist.

Hier zur bildlichen Veranschaulichung drei ziemlich amüsante Werbespots mit Matsuko Deluxe:

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Das Verschwörungsgesetz und was es bedeutet

Mai 25th, 2017 | Tagged , , | 3 Kommentare | 703 mal gelesen

Es war abzusehen: Trotz unübersehbarer Proteste seitens der Opposition, aber auch durchaus in der Bevölkerung (inklusive Proteste vor dem Parlament) drückte Ministerpräsident Abe am Dienstag, dem 23. Mai 2017, seine Gesetzesvorlage zum 共謀罪 Kyōbōzai („Konspirationsstraftatbestand“) durch das Unterhaus. Mit einer bequemen Mehrheit aufgrund der erdrückenden Macht der Regierungskoalition.

Was bedeutet dies nun genau? Hauptsächlich geht es darum (besser gesagt: sollte es eigentlich darum gehen), der Polizei und dem Staatsschutz („公安“ kōan) bereits bei Verdacht auf eine anstehende Straftat weitreichende rechtliche Mittel in die Hand zu legen. Vor allem durch Überwachung der verdächtigen Subjekte. Erhärtet sich der Verdacht, kann die Staatsanwaltschaft dann bereits vor der eigentlichen Tat ans Werk gehen. Hauptsächlich sollen damit Terroraktionen verhindert und dem organisierten Verbrechen der Boden entzogen werden. Weltweit sind diese Bemühungen unter dem 2000 von der UNO ratifizierten völkerrechtlichen Vertrag „Übereinkommen gegen die grenzüberschreitende organisierte Kriminalität“, auch „Palermo-Konvention“ genannt, geregelt – in erster Linie ging es dabei um die grenzüberschreitende Bekämpfung von Menschenhandel, aber auch Terror. Ein Verschwörungsgesetz braucht man dafür jedoch eigentlich nicht – im deutschsprachigen Raum kommt man zum Beispiel auch sehr gut ohne aus.

Japan möchte die Palermo-Bedingungen erfüllen – vor allem mit Blick auf die anstehenden Olympischen Spiele 2020 in Tokyo. So weit, so gut. Der im Gesetz gesteckte Rahmen für die Anwendung dieses Gesetzes hat es allerdings in sich: Insgesamt 277 Straftatbestände dürfen dank des Verschwörungsgesetzes (oder besser Antikonspirationsgesetzes?) bereits im Ansatz „untersucht“ werden. Dazu zählt zum Beispiel die Entnahme seltener Pflanzen aus japanischen Wäldern. Süffisant fragte ein Oppositionspolitiker bei der viel zu kurzen Gesetzeslesung im Unterhaus, ob man jetzt wohl auch als Terrorverdächtiger gilt, wenn man im Wald Pilze sammeln geht. Die glasklare und konochentrockene Antwort der Regierung: Ja.

Zurecht protestieren zahlreiche helle Köpfe dagegen. Man befürchtet, zu Recht, eine massive Beschneidung der Bürgerrechte, wenn der Staat schon bei solchen Lappalien massiv abhören und observieren darf. Allein die Aussage „Ich gehe morgen im Wald Pilze sammeln“ könnte da die Staatsschützer auf den Plan rufen und zum Beispiel den Internetanschluss und das Telefon anzapfen. Kritiker monieren zudem, dass es bereits genügend rechtliche Mittel gibt, Terrorgefahren, und darum sollte es ja eigentlich gehen in Japan, im Vorfeld zu erkennen und zu vereiteln.

Doch das Gesetz hat nun das Unterhaus passiert, und da Abe auch im Oberhaus eine Zweidrittelmehrheit hält, wird es wohl auch diese letzte Hürde problemlos meistern. Und das mit Sicherheit vor Ende dieser Legislaturperiode, also vor dem 18. Juni.

Das wirft in mir wieder mal die Frage auf, was das 最高裁 saikōsai, der Oberste Gerichtshof in Japan eigentlich macht. Während das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe munter ein Gesetz nach dem anderen kassiert, hat man den Eindruck, dass Abe nach Herzenswillen schalten und walten kann – ohne Angst vor dem Obersten Gericht zu haben, das auch in Japan durchaus die Macht hat, Politiker und deren Vorhaben zu stoppen.

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KFC Japan verkauft Pizza Hut – Bewegung in der Branche?

Mai 22nd, 2017 | Tagged , | 5 Kommentare | 634 mal gelesen

Wie jetzt bekannt wurde, hat Kentucky Fried Chicken, auch in Japan äußerst beliebt, im Mai alle seine japanischen Pizza-Hut Filialen an eine Investorengruppe verkauft. Für wie viel ist zwar nicht genau bekannt, aber man weiß zumindest, dass Pizza Hut dem Unternehmen während der vergangenen 10 Jahre insgesamt rund 24 Millionen Euro Verlust eingefahren hat.

Man fragt sich warum. Dominiert wird die Pizzalieferservice-Industrie von den drei Granden Domino’s Pizza, Pizza-la und Pizza Hut. Der Wettbewerb ist ziemlich hart – das merkt man an den nicht enden wollenden Marketing-Bemühungen der drei Giganten. Doch als Endverbraucher, erst recht mit europäischem oder amerikanischem Hintergrund, wundert man sich dann doch, dass ein Pizza-Lieferservice in Japan in finanzielle Schieflage geraten kann. Denn so viel steht fest: Die Preise sind schlichtweg exorbitant. Zumindest wenn man satt werden möchte. Immer wieder wird die Kundschaft mit Coupons gelockt oder mit Angeboten wie „Kauf eine und bekomm die zweite Umsonst“ gelockt. Doch letztendlich bezahlt man doch immer wieder irgendwie 25 Euro und bekommt dafür… ein niedliches, kleines Stück Pizza, das vorn und hinten nicht reicht, solange man nicht gerade auf strenger Diät ist. Wer mit Pizza vom Lieferservice in Japan satt werden möchte, wird da oft enttäuscht. Für das gleiche Geld kann man in den meisten Restaurants regelrecht schlemmen.

Typisches Lockangebot: 30% auf die beliebtesten Pizzen. Man zahlt sich dennoch dumm und dämlich in Japan

Typisches Lockangebot: 30% auf die beliebtesten Pizzen. Man zahlt sich dennoch dumm und dämlich in Japan

Wenn man sich mit Freunden trifft oder die Arbeitsbesprechungen mal wieder etwas länger dauern, kommt man gelegentlich trotzdem nicht drumrum, aber jedes Mal stelle ich fest, dass die コスパ kosupa – eine wunderschöne japanische Biz-Talk-Abkürzung, die für „Cost-Performance“ steht – für Pizza in Japan einfach mal nicht stimmt.

Da es in Japan auch an brauchbaren Tiefkühlpizzen mangelt, kommt der Pizzafreund letztendlich nicht darum herum, sich die belegten Fladenbrote selbst zu basteln. Und siehe da – es schmeckt wesentlich besser, und die kosupa ist auch akzeptabel.

Von den ネタ neta Belägen möchte ich hier gar nicht erst anfangen. じゃがバターベーコン jaga butter bacon (Kartoffel-Butter-Schinken) oder die unsäglich süßen ジューシー厚切テリヤキチキン Juicy atsugiri Teriyaki Chicken müssen wirklich nicht sein.

Wer dennoch in Japan unbedingt Pizza bestellen möchte, sollte es bei Salvatore Cuomo versuchen. Die sind wenigstens halbwegs genießbar. Aber auch da muss man bei den Größen aufpassen: Eine Pizza mit 27 cm Durchmesser (Größe M) wird dort mit „Genug für 1.5 Personen“ beschrieben, ist hauchdünn und kostet in der einfachsten Variante 13 Euro.

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Haben es „weiße“ Männer in Japan wirklich leichter?

Mai 18th, 2017 | Tagged | 10 Kommentare | 1053 mal gelesen

Dieser interessanten Frage wurde einmal in der Kolumne „Spare a thought for the Western men trapped in Japan“ in der Digitalausgabe der Japan Times nachgegangen (Link) – garniert mit einem Titelfoto, das einen 32-jährigen Deutschen zeigt, der nach 12 Jahren XY-Tours in Japan seine grosse Liebe fand, von ihr aber nach einem Jahr fallengelassen wurde, weil sie der Meinung war, dass er keine Perspektive in Japan habe.

Eine interessante Frage. Vorab aber vorsichtshalber eine Anmerkung zum Begriff „weisser Mann“ im Titel (Japankenner können das überspringen). In Japan unterscheidet man im Wesentlichen in アジア人 ajia-jin (Asiate), 黒人 kokujin (Schwarzer) und 白人 hakujin (Weißer). Das ist in Japan nicht abwertend gemeint und linguistisch verständlich. Alle Umschreibungen des Begriffes im Titel würden zu lang oder zu unkorrekt werden, schliesslich leben „die weissen Menschen“ westlich, östlich und südlich von Japan.

Als Mann hört und liest man so oft darüber, wie leicht es doch weiße Männer in Japan hätten. Sie hätten einen Ausländerbonus (den Chinesen und Koreaner jedoch nicht haben), könnten jede Frau rumkriegen und allein mit halbwegs passablen Englischkenntnissen Geld scheffeln bis de Arzt kommt. Zudem leben sie in Japan in einem veritablen Patriarchat, was für Männer natürlich, so sagt man zumindest, eine Spitzensache sei. Ist dem wirklich so?

Was das Geldscheffeln mit Englischkenntnissen angeht – nein, eher nicht. Sicher, man kann sich mit Unterrichten irgendwie über Wasser halten, doch wirklich reich wird man davon nicht. Nicht mehr. Die Englischindustrie hat, trotz fortlaufenden Bildungshungers der Insulaner, auch schon bessere Zeiten gesehen. Und gnadenlose Ausbeutung von Ausländern in einigen Privatschulen gab es auch schon immer und gibt es immer noch. Wenn man Pech hat.

Roppongi - wer hier auf Brautschau geht, sollte wissen, worauf er sich einläßt

Roppongi – wer hier auf Brautschau geht, sollte wissen, worauf er sich einläßt

Doch wie sieht es mit den Frauen aus? Genau hier liegt das Problem. Sicher, wenn man in punkto „aufreißen“ die richtigen Wasserlöcher kennt (Stichwort Roppongi), muss nicht gerade blendend aussehen, ein guter Unterhalter sein oder mit Geistesblitz brillieren. Irgendein Deckel findet sich dort allemal für jeden Topf. Doch allzu viele ausländische Männer scheinen sich da blenden zu lassen. Der Fokus auf „kawaii“ (niedlich) sollte nicht davon ablenken, dass natürlich auch japanische Frauen ihre eigene Agenda haben. Die sieht in vielen Fällen nur zwei Optionen vor: Entweder soll der exotische Lover dazu dienen, Japan entfliehen zu können (um nach etlichen Jahren dann festzustellen, dass man ganz unbedingt wieder zurückziehen muss, ob das dem Mann gefällt oder nicht). Oder man hat den typischen japanischen Weg im Sinn: Der Mann soll möglichst viel Geld verdienen, denn die Frau denkt nach der möglichen Geburt von Kindern gar nicht daran, zu arbeiten (was zu einem grossen Teil leider an der Gesellschaft liegt, die einen solchen Schritt nicht gerade fördert). Ein schönes Haus, ein dickes Auto, viele Geschenke und gutes Essen sollen es dann aber natürlich dennoch sein. Nach der Geburt der Kinder ist der Mann oftmals vorerst sowieso passé, was aber nicht so schlimm ist, wenn er in einer japanischen Firm arbeitet, denn dann kommt er eh kaum nach Hause.

A propos Arbeit: Egal ob man japanisch spricht oder nicht, man ist und bleibt immer der Exot. Das kann in einigen Firmen gut sein, in vielen Firmen ist es jedoch eher schlecht: Verwehrte Aufstiegschancen haben schon so manchen verzweifeln lassen, zumal japanische Firmen nach wie vor immer noch nicht nach dem Leistungsprinzip, sondern nach dem Senioritätsprinzip funktionieren. Da kann man noch so gut sein – man steigt einfach in den nächsten 10 Jahren nicht auf. Wenn man bis dahin nicht an der Arbeitsmoral der Kollegen verzweifelt, die tagsüber sinnlos rumrödeln und dann versuchen, das ganze mit täglichen und sinnlosen, oft unbezahlten Überstunden wieder wettzumachen – vom ausländischen Mitarbeiter wird oft verlangt, dabei mitzumachen.

Doch wie in jedem Fall gibt es zum Glück auch Ausnahmen. Und das eine Frau lieber einen Partner wählt, der „Potential“ hat, ist einfach nur menschlich. Doch während es genügend Ausnahmen gibt, bei den Partnerinnen wie auch bei den Arbeitsplätzen, sollten glühende Japanfans, die mit dem Gedanken spielen, sich „mal eben“ in Japan niederzulassen, gewarnt sein. Japan ist eben kein Schlaraffenland – auch hier muss man sich gehörig ins Zeug legen. C’est la vie.

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Ehre was Ehre gebührt

Mai 11th, 2017 | Tagged , | 6 Kommentare | 621 mal gelesen

Schon lange wollte ich mich an die Arbeit machen und einige neue Seiten erstellen, die sich um den kulinarischen Aspekt Japans kümmern. Der vor vielen Jahren erstellte Artikel über die Japanische Küche ist zwar als Einstieg schön und gut (und oft gelesen), aber es gibt so viel mehr darüber zu schreiben. Neulich war es dann auch so weit: Während der Goldenen Woche landeten wir in einem Soba-Restaurant, in dem der Meister die Nudeln selbst herstellt. Und zwar nicht nur den Teig – selbst das Mehl (siehe Mahlstein im Hintergrund auf dem Photo). So viel Hingabe zum Essen, wie man sie oft in Japan findet, gebührt Ehre.

Soba-Meister bei der Arbeit. Im Hintergrund: Der Mahlstein.

Soba-Meister bei der Arbeit. Im Hintergrund: Der Mahlstein.

Die Seiten werde ich dann, so angemessen, auch mit ein paar Rezepten garnieren, so zum Beispiel auf der Seite über Ramen – ein meiner Meinung nach im Ausland definitiv noch nicht ausreichend bekanntes Gericht. Aber auch Grundzutaten wie Katsuobushi sollen nicht zu kurz kommen.

Aber keine Sorge: Der Blog wird sich demnächst nicht plötzlich nur ums Essen drehen – dies sind nur Ergänzungen zum Japan-Almanach. Wer jedoch sehr an japanischer Küche interessiert ist, sollte öfter mal auf der Hauptseite des Japan-Almanachs oder auf der Facebook-Seite vorbeischauen. In diesem Sinne: itadakimasu!

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Wo man Zugreisen noch ernst nimmt: Shiki-shima oder der 8’000 Euro-Fahrschein

Mai 8th, 2017 | Tagged , , | 3 Kommentare | 693 mal gelesen

Eisenbahnliebhaber gibt es überall – das ist in Japan nicht anders. Es gibt unzählige Eisenbahnliebhaber, und das Schöne an Japan ist, dass es auch in den Vorstandsetagen der zahllosen Eisenbahngesellschaften an wahren Enthusiasten nicht mangelt. Und da entwickelt sich ein interessanter Trend. Während Nachtzüge in Japan früher was für Leute war, die sich entweder kein Flugticket leisten konnten oder Angst vorm Fliegen hatten, so sind Nachtzüge mehr und mehr was für Eisenbahnfans mit praller Brieftasche. Während die regulären Nachtzüge, wegen der Farbe wurden diese ブルートレイン Blue Train genannt, nach und nach aus dem Fahrplan verschwinden (ich hatte damals noch das Glück, mit dem Hayabusa von Tokyo nach Kumamoto fahren zu können, aber auch diese Verbindung gibt es nicht mehr), denken sich die Eisenbahngesellschaften neue Verbindungen aus. Das Sahnehäubchen wurde am 1. Mai diesen Jahres von JR East (der ehemals staatlichen Eisenbahngesellschaft) feierlich eingeweiht: Der 四季島 Shiki-Shima. Wörtlich übersetzt: Insel der Vier Jahreszeiten (wie passend, waren wir doch neulich erst beim Thema). Der Zug fährt von jetzt an von Tokyo nach Tohoku, also in den Nordosten, und manchmal weiter nach Hokkaido – und zurück. Man kann zwischen einer 2-Tagesreise und einer 4-Tagesreise wählen. Der komplette Zug wurde eigens für diese Linie entworfen und wurde laut JR nur „aus besten Materialien“ zusammengesetzt. Und das ganze ist in der Tat sehr erlesen: Gerade mal 34 Passagiere können mitfahren und zwischen drei verschiedenen Suiten wählen. Zur Atzung gibt es nur das Feinste, gekocht von einem Sternekoch.

Shikishima-Luxuszug (Quelle: Mainichi Shimbun)

Shikishima-Luxuszug (Quelle: Mainichi Shimbun)

Die billigste Suite kostet pro Person ca. 2’000 Euro, die teuerste Suite, so man sie allein nutzen will, geschlagene 1’050’000 Yen, also rund 8’000 Euro. Wer jetzt denkt, dass sei doch ein Schnäppchen und gleich zugreifen möchte, hat jedoch Pech gehabt: Bis März 2018 ist bereits alles ausgebucht. Jiji-Press hat dazu ein nettes Werbevideo gedreht (siehe unten). Wer mehr darüber lesen möchte (und wissen will, wie es im Zug aussieht), dem sei dieser Artikel der BBC anempfohlen.

Purer Luxus, klar. Aber dahinter steckt viel Arbeit und ein 遊び心 asobigokoro – „Spielen – Herz“, also Freude am Spielen. Und das ist doch mal eine Nachricht wert.

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Tag am Meer. In der Goldenen Woche.

Mai 5th, 2017 | Tagged , , | 3 Kommentare | 721 mal gelesen

Nach mehr als einem Jahrzehnt in Japan weiss man es eigentlich besser. Entweder, man wirft viel Geld um sich und fährt oder fliegt ganz weit weg in der Goldenen Woche, oder man bleibt brav zu Hause oder in der unmittelbaren Umgebung. Goldene Woche = drei Feiertage in Folge, und da sich oft noch das Wochenende hinzugesellt, hat fast ganz Japan 5 Tage in Folge frei (siehe Feiertage in Japan). Dass mit dem brav zu Hause bleiben ist jedoch so eine Sache mit zwei sehr aufgeweckten Kindern, die mit einem „Wo fahren wir heute hin?“ auf den Lippen aufwachen.

Kamakura fällt aus, zu voll. Oyama ebenso. Enoshima sowieso. Freizeitparks oder Zoos? Reinster Wahnsinn. Ausserdem will man mal etwas Neues sehen. Und so ging es heute, bei Feiertagswetter, zur 三浦半島 Miura-Halbinsel. Hier beginnt die Bucht von Tokyo, und die Gegend ist für seine Fischerhäfen und den Thunfischfang (nebst zum Genuss verarbeiteten Thunfisch) bekannt. Nach fast zwei Stunden Fahrt mit Fahrrad und Zügen kamen wir also kurz nach elf Uhr in Misakikuchi an – genau im Zentrum der Halbinsel. Von hier sind es rund 5 Kilometer Richtung Osten, Westen und Süden zum Meer. Und wir fahren guter Dinge: Die Züge waren gar nicht mal so voll, und man konnte sogar sitzen. Der Schock kam, als wir aus dem Bahnhof traten. Ein verzweifelter Angestellter der Busfirma rief pausenlos „das Ende der Schlange ist dort hinten!“ Vor dem Bahnhof: Ein Riesengedränge. Wir folgen der Schlange an der Bushaltestelle – und sie ist rund 300 Meter lang (in der Schlange stehen wohlgemerkt 4 bis 5 Menschen nebeneinander). Die Schlange an der Taxihaltestelle ist nur 30 Meter lang, und es scheint langsam aber sicher voranzugehen. In der Touristeninfo direkt am Bahnhof macht man uns jedoch wenig Hoffnung: Wenige Meter vom Bahnhof entfernt beginnt bereits ein fürchterlicher Stau, der sich 5 Kilometer lang bis zum Ziel hinzieht. Vernünftigerweise sollte man einfach loslaufen, aber mit Kindern, entlang eines endlosen Staus, kommt das auch nicht in Frage. Und selbst wenn man sich mit viel Geduld durchschlägt: Man kann sich sicher sein, dass man dort egal wo Stunden auf ein Platz im Restaurant warten muss. Und an die Rückfahrt möchte man gar nicht erst denken.

Blick von Miura über die Bucht von Tokyo auf den Nokogiriyama in der Präfektur Chiba

Blick von Miura über die Bucht von Tokyo auf den Nokogiriyama in der Präfektur Chiba

Wir geben auf, und beschliessen, einen Bahnhof in die Richtung zu fahren, aus der wir gekommen sind. Dort gibt es unweit des Bahnhofs einen Sandstrand sowie angeblich ein gutes Restaurant, das frisch gefangene Meeresfrüchte anbietet. Gesagt, getan. 10 Minuten später sind wir dort, und das Restaurant finden wir dank des Menschenpulks vor der Tür auch sehr schnell. „Das geht aber noch“ denken wir beim Anblick der Schlange. Jedoch: Die Leute warten nicht darauf, ins Restaurant zu kommen, sondern eine Nummer am Reservierungsautomaten zu ziehen. Laut Automat wird es für uns 60 Minuten oder länger dauern, Wir haben die Nummer 115, die Nummern sind fortlaufend. Wir laufen also etwas durch die etwas trostlose Gegend, schlagen die Zeit irgendwie tot und gehen nach einer Stunde zurück. Ich frage eine Angestellte, welche Nummer gerade an der Reihe sei. „60!“ wird geantwortet. Wie lange es denn dann wohl noch bis zu unserer Nummer sei, wollen wir nun wissen. „1 bis 2 Stunden. Eher zwei“ heißt es. Wahnsinn.

Fehlen nie an japanischen Stränden: Tombi (Schwarzmilane)

Fehlen nie an japanischen Stränden: Tombi (Schwarzmilane)

Wir laufen also zum nahe gelegenen Strand und machen uns nicht weiter Sorgen. In den Automaten konnte man seine Telefonnummer eingeben – wenn man an der Reihe ist, wird man vom System angerufen. Und nach mehr als anderthalb Stunden ist es so weit. Wir sollten uns langsam auf den Weg machen, säuselt eine weibliche Roboterstimme in mein Telefon. 5 Minuten später sind wir da, und eine Angestellte erklärt uns, dass wir gerade aufgerufen worden wären, aber da wir nicht da waren, wurde jemand anders vorgezogen. Wir seien dann die nächsten, erklärte man uns. Dann tauchte aber die ebenfalls verspätete Familie 113 auf. Es gibt nur 5 Tische für Familien, und rund 15 Plätze am runden Tresen. Also dauerte es noch mal eine halbe Stunde.

Hauptgrund für die meisten Besucher: Sushi.

Hauptgrund für die meisten Besucher: Sushi.

Das Ende vom Lied: Wir bezahlen 9’300 Yen, also rund 75 Euro, für unser Sushi für 4. Das Sushi bei unserem Stammlokal zweihundert Meter von unserem Haus entfernt kostet um die 12’000 Yen. In der Qualität nehmen sich die beiden ketztendlich nciht viel. Noch ein kurzer Strandspaziergang bis zum nächsten Bahnhof, und kurz nach vier geht es zurück. Unterwegs sehen wir noch eine kleine Bäckerei mit dem Namen „Brot Baum“. Dort verkauft man, ich traue meinen Augen kaum, シュリッペン – Schrippen. Etwas, was man in Japan so nicht bekommt. Der Gesellenbrief im Fenster verrät den Grund (auch dessen, warum man hier Schrippen verlauft, und nicht etwa Brötchen, Semmeln, Wecken oder sonstwas): Der Bäckermeister hat seine Lehre in Rathenow gemacht. Das auf den Tüten gedruckte Motto der Bäckerei („Brot bereitete sich besonders vor“) lässt mich jedoch wundern, wie der Meister seine Prüfung mit diesem Deutschstand geschafft hat. Laut Meisterbrief wurde das ganze jedoch nur mit einem „Befriedigend“ bestanden, aber das versteht in Japan ja zum Glück kaum jemand…

Brot bereitete sich besonders vor. Aha.

Brot bereitete sich besonders vor. Aha.

Morgen ist Tag 3 der Goldenen Woche. Wir werden wohl brav und artig in der Gegend bleiben…

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Umfrage: Welche Orte sollte man in Japan gesehen haben?

Mai 1st, 2017 | Tagged , , | 21 Kommentare | 1156 mal gelesen

Aus reiner Neugier möchte ich hier mal eine kurze Umfrage starten: Es geht um die beliebtesten Reiseziele in Japans. Das können entweder Reiseziele sein, bei denen man denkt, dass sie auf gar keinen Fall ausgelassen werden sollten – oder Reiseziele, die man selbst auf jeden Fall sehen möchte. Bis zu drei Orte können ausgewählt werden – und eigene Vorschläge können zugefügt werden.

Bei der Gelegenheit möchte ich auch gleich noch zwei Exemplare meines letzten Buches verlosen: Was Sie dachten, NIEMALS über JAPAN wissen zu wollen: 55 erleuchtende Einblicke in ein ganz anderes Land

Bedingung: Eine Teilnahme an dieser Umfrage UND ein Like der Facebook-Seite des Japan-Almanach. Bei Interesse bitte einen Kommentar hinterlassen. Ende Mai werden die Gewinner bekanntgegeben!

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Pressefreiheit in Japan

April 27th, 2017 | Tagged , | 1 Kommentar | 522 mal gelesen

In letzter Zeit wird viel über die Pressefreiheit beziehungsweise über die Beschneidung selbiger berichtet – unterlegt vom aktuellen Report der Vereinigung „Reporter ohne Grenzen“, die eine prinzipielle Verschlechterung der Lage im diesjährigen Report beklagten¹. Mit besonderer Sorge werden da die Entwicklungen in den USA, der Türkei, Ungarn und einigen anderen Ländern gesehen. Doch wo steht da eigentlich Japan?

Nun, die gute Nachricht ist, dass Japan auf dem gleichen Platz steht wie im vergangenen Jahr. Die schlechte Nachricht: Es ist der 72. Platz. Damit steht Japan ziemlich weit im Mittelfeld – für eine Demokratie, die seit 72 Jahren Bestand hat, eigentlich eher traurig. Burkina Faso, Papua Neuguinea und Haiti können das offensichtlich wesentlich besser. Die Lage wird auch nicht besser – im Gegenteil. Seit 2012 bemüht sich die Regierung unter Abe, die Pressefreiheit zu beschneiden, indem man zum Beispiel ein Gesetz verabschiedete, das Geheimnisverrat mit bis zu 10 Jahren Gefängnis ahnden kann (siehe Beitrag Angriff auf die Meinungsfreiheit in Japan im Verzug) – selbst die UNO protestiert(e) gegen dieses Gesetz – erfolglos. Hinzu kommen Vorfälle wie dieser hier: Sendeunfall bei Asahi: Vergreift sich der Staat an den Medien?.

Standarte des prestigeträchtigen Foreign Correspondence Club of Japan

Standarte des prestigeträchtigen Foreign Correspondence Club of Japan

Doch nicht nur das: Reporter werden von Regierungsbeamten gegängelt und teilweise unverhohlen verbal angegriffen – so erst geschehen in der letzten Woche bei einem Pressetermin des Wiederaufbauministers Imamura. Ach ja: Imamura ist nun seit vorgestern weg vom Fenster, nachdem er noch einen vom Stapel gelassen hatte: Bei einem offiziellen Empfang verlautete er nämlich, dass man „…Glück hatte, dass die Erdbeben- und Tsunamikatastrophe die Tohoku-Region getroffen hatte“. Klar, er meinte damit, dass es auch stärker besiedelte Gegenden hätte treffen können, aber die Betroffenen waren verständlicherweise nicht begeistert von der Aussage ihres Wiederaufbauministers.

Nicht zu unterschätzen ist auch die Gefahr, die Reportern durch die sehr starke und einflussreiche politische Rechte droht. Sofort wird dort auf allen Kanälen von Vaterlandsverrat und Nestbeschmutzung gesprochen und Zeter und Mordio geschrien. Morddrohungen gehören wie selbstverständlich zum Repertoire und gehen den Reportern schnell an die Nieren.

Ein anderes, älteres Problem sind die 記者クラブ Kisha kurabu – die „Reporterclubs“. Ein freier Reporter kann in Japan nicht einfach so in eine Pressekonferenz marschieren – er muss Mitglied im Club sein, und der Club entscheidet auf eigene Faust, wer rein darf und wer nicht. Oder wer fliegt.

Eine Verschlechterung der Pressefreiheit bringt zum Anfang auch immer ein besonders trauriges Phänomen mit sich – nämlich das der Selbstzensur. Und wenn man sich die Nachrichtensendungen in Japan so anschaut, dann sind so ziemlich alle Sender voll bei der Selbstzensur dabei (siehe Artikel zum Niedergang der japanischen Fernsehnachrichten). Nach Besserung sieht es leider nicht aus: Auf jeden Fall nicht unter der jetzigen Regierung.

Ach ja: Im Jahr 2010 rangierte Japan beim gleichen Index übrigens auf Platz 11².


¹ Siehe hier
² Siehe hier

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