Japan-Almanach: Alles über das Leben und Reisen in Japan. Seit 1998.
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Ertappt! Skandal beim Erstellen des Internationalen Führerscheins

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Wer einen japanischen Führerschein sein eigen nennt, kann den im Ausland so ohne weiteres nicht benutzen. Man muss sich, für viele Länder zumindest, einen Internationalen Führerschein (genannt 国外運転免許証 kokugai unten menkyoshō) zulegen. Das kann man, zumindest in meiner Präfektur, wohl bei Polizeiwachen beantragen – aber nur werktags – oder man findet sich im Präfekturführerscheinzentrum ein – ein Behördenmoloch, zu dem jeder muss, der den Führerschein macht, selbigen erneuern muss oder eine Strafe aufgebrummt bekommen hat. Der Vorteil an der Sache ist, dass dort auch Sonntags geöffnet ist, und, so man den internationalen Führerschein braucht, man selbigen am gleichen Tag ausgehändigt bekommt.

Um den grauen Lappen zu erstehen, muss man seinen aktuellen Führerschein mitbringen sowie ein Passfoto, das nicht älter als drei Monate alt sein darf. Dann bezahlt man 2,350 yen für Stempelmarken und zeigt zudem noch seinen Reisepass oder irgendein anderes Papier vor, das belegt, das man ins Ausland fahren kann bzw. wird. Gesagt, getan. Ich griff das erstbeste Passfoto, das mir in die Hände fiel, und begab mich zum nagelneuen Gebäude der Führerscheinbehörde – nur 30 km entfernt. Es wimmelte vor Menschen, auch am Schalter für internationale Führerscheine, aber die Menschenmassen, so ist man das in Japan ja gewohnt, werden ziemlich effizient durchgelotst. Stempelmarken gekauft, beim Schlangestehen Formular ausgefüllt, und nach rund 20 Minuten war ich an der Reihe. Dort bedankte man sich für die Dokumente und sagte mir, dass ich in 60 bis 90 Minuten aufgerufen werde.

Und in der Tat, nach einer guten Stunde wurde mein Name gerufen. Und dann gab es Schimpfe: Dummerweise hatte ich nicht gemerkt, dass das Passfoto genau das gleiche ist, das in meinem Reisepass klebt – und der wurde im Jahr 2010 erstellt. „So geht das aber nicht! Gehen Sie mal flott nach oben und machen Sie am Automaten ein neues Foto!“. Der Einwurf, dass ich in den letzten 8 Jahren doch eigentlich kaum gealtert sei, wurde mit einem müden Lächeln abgetan. Immerhin konnte ich nach 5 Minuten wieder sofort zum Schalter, und innerhalb weiterer 5 Minuten wurde mir der Internationale Führerschein ausgehändigt. Leider ist der jeweils nur ein Jahr gültig – will ich also im nächsten Jahr im Sommer wieder irgendwo anders ein Auto mieten und herumfahren, kann ich das ganze gleich noch mal machen…

Mit dem Internationalen Führerschein kann man wohl auch in Deutschland herumfahren — so lange man nicht länger als ein halbes Jahr dort bleibt. Deutschland akzeptiert zudem wohl auch eine beglaubigte Übersetzung des japanischen Führerscheins — andere Länder tun das nicht.

Touristenrummel in Fuji-Goko und eine grausame Sage

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Fuji-san - vom Kachikachiyama aus gesehen

Gestern zog es uns mal wieder aus zur 富士五湖 Fuji-Goko – den 5 Seen des Mt. Fuji, einer Seenkette nördlich des Fuji-san. Das Ziel war dieses Mal der Kachikachi-Yama am östlichen Seeufer des 河口湖 Kawaguchi-ko genannten Sees. Dort fährt nämlich eine Seilbahn bis auf gut 1’000 Meter Höhe, und von dort hat man einen schönen Blick auf den Fuji-san und alles, was sich so am Fuße des Berges erstreckt, inklusive Fuji-Q-Highland, Autobahn und riesigen Übungsplätzen der japanischen Armee Selbstverteidigungskräfte.

Plötzlich fanden wir uns im Mittelpunkt des Touristenrummels wieder: Unzählige Reisebusse standen herum, und tausende Besucher, die meisten aus China, viele aber auch aus den USA und Europa, rödelten mehr oder weniger zielstrebig durch die Gegend. So viele Ausländer habe ich schon lange nicht mehr auf einem Haufen gesehen. Da an Orten wie diesem ein Restaurant wie das andere ist, kehrten wir einfach irgendwo ein, und plötzlich waren wir die einzigen Gäste. Zwei gelangweilte Angestellte, ältere Damen, händigten die Speisekarte aus. Schnell wurde gewählt – den Kindern verlangte nach Takoyaki (frittierte Teigbällchen mit Oktopusfüllung), für die Eltern gab es Hōtō – ein Gemüse-Miso-Eintopf mit sehr breiten Nudeln. Und siehe da: Die Takoyaki waren Tiefkühlkost, und die Hōtō konnte man nur mit viel Mühe schlechter hinbekommen. Immerhin waren die Preise sehr zivil. Richtig amüsant waren jedoch die beiden Angestellten, die sich in Hörweite über ihre einzigen Gäste unterhielten. Diese Gäste (sprich: wir) hatten kurz vorher wohlgemerkt das Essen auf Japanisch bestellt, und meine Gemahlin ermahnte auch in regelmäßigen Abstand den Sohnemann zum richtigen Benehmen. Auf Japanisch, natürlich. Und dennoch – die Angestellten merkten an,, ganz so als ob wir nicht da wären, wie schön doch das Töchterchen die Stäbchen hält, wie gut doch manche Ausländer neuerdings Japanisch sprechen und dergleichen. Ganz ungeniert. Ganz unverfroren.

Meine Frau stammt aus Kyushu und hat einen etwas dunkleren Teint. Nichts Ungewöhnliches in Japan, aber es kam schon vor, dass sie mit dem indischen Hallo „नमस्ते“ begrüsst wurde oder jemand ihr Japanisch lobte. Für mich ist das freilich jedes Mal eine saukomische Angelegenheit. Dass sich aber Angestellte in einem Restaurant so hörbar über ihre einzigen Gäste unterhalten, habe ich in Japan auch noch nicht erlebt. Die Qualität des Essens war für japanische Verhältnisse ebenfalls schockierend – die Touristen, die dort reinstolpern, tun mir ehrlich leid. Aber mit der steigenden Zahl der Besucher werden wohl auch solche Orte zunehmen (nun gut, eigentlich gab es die schon immer…). Fazit: So schnell muss ich da nicht wieder hin. Aber der Anblick des Fuji-san ist von dort schon sehr beeindruckend.

Doch was hat es mit dem カチカチ山 Kachikachi-Yama, auf gut Deutsch „Knisterberg“, auf sich? Hinter dem Namen steckt eine reichlich grausame Sage: Vor langer, langer Zeit lebte ein älteres Ehepaar in der Gegend, doch ein boshafter Tanuki (Marderhund – und eine beliebte Sagengestalt in Japan) machte den Alten das Leben schwer. Es spielte den beiden Streiche, fraß die mühsam ersparte Saat auf und dergleichen. Doch eines Tages stellte der Alte dem Tanuki eine Falle, und brachte das gefesselte Tier nach Hause. Seine Frau versprach ihm daraufhin, zum Abend eine deftige 狸汁 Tanuki-jiru (Tanukisuppe) zu kochen. Doch der Tanuki zog alle Register und überzeugte die alte Frau, dass er sich bessern und im Haushalt helfen werde. Kaum losgelassen, erschlug er die Alte – und machte aus ihr 婆汁 babā-jiru (Alte-Frau-Suppe), verwandelte sich in die Alte und setzte die Suppe dem Gatten zum Abendmahl vor. Dieser aß sie auf und erfuhr hernach, was er gerade verzehrt hatte. In seinem Zorn wandte er sich an einen befreundeten Hasen, da er sich selbst nicht im Stande sah, den Tanuki zu besiegen.

Der Hase lud den Tanuki zum Reisig sammeln am Berg ein. Als der Tanuki das gebündelte Reisig auf dem Rücken trug, setzte der Hase das Reisig in Brand. Der Tanuki wunderte sich, woher das knisternde (auf Japanisch: „kachikachi“) Geräusch kommt, doch der Hase, nicht auf den Mund gefallen, beschwichtigte den brennenden Tanuki: Man sei hier am „Kachikachi-Berg“, und dort leben die Knistervögel, die eben ein solches Geräusch machen.

Der Tanuki verbrannte sich schwer am Rücken, doch der Hase hatte gleich eine passende Medizin parat: Miso (eine Bohnenpaste), in die er Pfefferschoten mischte. Kaum hatte sich der Tanuki von den brennenden Schmerzen erholt, lud der Hase den Tanuki zum Fischen ein. Er präsentierte dem Tanuki ein Boot aus Holz und ein Boot aus Schlamm und sagte, dass man mit letzterem mehr Fische transportieren könne. Da der Tanuki für seine Gier bekannt war, wählte er natürlich das Boot aus Schlamm… und ertrank jämmerlich auf dem See.

Samurai Blue fertig für Fußball-WM in Russland. Oder?

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Ja, auch dieses Mal hat sich die japanische Fussballnationalmannschaft für die Fußballweltmeisterschaft qualifiziert, und das ist auch gut so: Wären die sogenannten Samurai Blue nämlich nicht dabei, würde man während der WM wahrscheinlich so gut wie gar nichts über selbige in den Medien hören.

Die Vorzeichen sind allerdings etwas gemischt. So beschloss man, für Außenstehende etwas plötzlich, den bisherigen Coach Vahid Halilhodžić zu feuern – der bosnische Ex-Fußballprofi führte das Team immerhin drei Jahre lang an, doch so kurz vor der WM schien es plötzlich nicht mehr zu gehen, und das soll unter anderem daran gelegen haben, dass er drauf und dran war, beliebte Spieler wie Honda und Kagawa aus dem Kader zu schmeißen – dafür hatte man dann doch wenig Verständnis. Das Faible für bosnische Nationaltrainer ist dabei ein kleines Rätsel; leitete doch schon 2006-07 ein Bosnier (Osim) das Team. Halilhodžić wurde nun von Akira Nishino, einem erfahrenen Trainer aus heimischer Produktion, abgelöst. Und die Premiere hat dieser am Mittwoch schon mal grandios vermasselt, als er mit den Samurai Blue in Yokohama bei einem Freundschaftsspiel 0:2 gegen Ghana verlor.

Basierend auf dem Spiel gab der Trainer heute die endgültige Aufstellung der Nationalelf bekannt, und die sieht nun wie folgt aus:

Torwart:
Eiji Kawashima (Metz), Masaaki Higashiguchi (Gamba Osaka), Kosuke Nakamura (Kashiwa Reysol)

Verteidiger:
Yuto Nagatomo (Galatasaray), Tomoaki Makino (Urawa Reds), Maya Yoshida (Southampton), Hiroki Sakai (Marseille), Gotoku Sakai (HSV), Gen Shoji (Kashima Antlers), Naomichi Ueda (Kashima Antlers), Wataru Endo (Urawa Reds)

Mittelfeld:
Makoto Hasebe (Eintracht Frankfurt), Keisuke Honda (Pachuca), Takashi Inui (Eibar), Shinji Kagawa (Borussia Dortmund), Hotaru Yamaguchi (Cerezo Osaka), Genki Haraguchi (Fortuna Düsseldorf), Takashi Usami (Fortuna Düsseldorf), Gaku Shibasaki (Getafe), Ryota Oshima (Kawasaki Frontale)

Stürmer:
Shinji Okazaki (Leicester City), Yuya Osako (Werder Bremen), Yoshinori Muto (Mainz)

Interessant: 8 Spieler des 23-köpfigen Kaders spielen in der J-League, der japanischen Liga, und 7 in der Bundesliga. Ach ne, ‚tschuldigung, 6 – der HSV ist ja nun abgestiegen. Das ist beachtlich aber für Kenner natürlich nicht unerwartet, da sich ja gerade in den deutschen Ligen überdurchschnittlich viele Japaner verdingen.

Hoffen wir für Japan also, dass das Trainerwirrwarr so kurz vor der WM keine Schäden hinterlässt! Ein gutes Vorzeichen gibt es schliesslich auch: Der neue Trainer Nishino war im Jahr 1996 Trainer der japanischen Nationalmannschaft bei den Olympischen Spielen in Atlanta und schaffte dort das マイアミの奇跡 Wunder von Miami: Japan gewann gegen Brasilien 1:0.

In der Vorrunde spielt Japan dieses Jahr übrigens gegen Kolumbien (19. Juni, in Saransk), Senegal (24. Juni, Jekaterinenburg) und Polen (28. Juni, Wolgograd).

In eigener Sache: Der Japan-Führer als eBook

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Facebook-Freunde des Japan-Almanachs mögen mir die erneute Erwähnung nachsehen, aber da nicht alle bei Facebook sind (warum auch), möchte ich der Veröffentlichung einen eigenen Artikel widmen.

Vor ein paar Wochen habe ich beschlossen, den Japan-Almanach-Reiseführer (ohne Blogteil) als eBook zur Verfügung zu stellen – vorerst nur auf Amazon, als Kindle-eBook (hier geht es zum Buch). Darin werden über 140 Reiseziele in Japan ausführlich beschrieben, neben zahlreichen Informationen zum Reisen, zur Küche, zur Geschichte, zum Wetter und so weiter und so fort. Ein echter Reiseführer eben. Alle, aber auch wirklich alle Informationen (und Fotos und Karten) sind aus erster Hand und das Ergebnis von 22 Jahren Reisen in Japan.

Insgesamt sind daraus nun gute 1’800 eBook-Seiten geworden – leider zu viel, um das mal eben einem Verleger nahezubringen. Die meisten Artikel sind dabei auch (nach wie vor) online verfügbar, aber ich könnte mir vorstellen, dass eine Offline-Variante für den einen oder anderen ganz nützlich sein könnte, um so auch ohne Wifi-Zugang stöbern zu können. Da es zudem etliche nicht im Web verfügbare Extrakapitel gibt, hoffe ich, dass der Preis von 9,90 Euro nicht zu hoch ist.

Gelegentlich werde ich das eBook natürlich überarbeiten. Bis dahin bin ich für Feedback und/oder Rezensionen natürlich immer dankbar (am Layout gibt es zum Beispiel ein paar Dinge zu überarbeiten – kein Wunder bei so vielen Seiten). Und falls genügend Interesse an einer Kobo/iBook/PDF-Variante besteht, könnte das eventuell später noch folgen.

In diesem Sinne… bitte weitersagen, und vielen Dank für’s Lesen!

Älter aber kein bisschen leiser: „Bōsōzoku“, die Motorradrebellen Japans

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Irgendwie mag ich sie, auch wenn sie wirklich einen ohrenbetäubenden Lärm machen: Die japanischen 暴走族 Bōsōzoku, wörtlich: „rasen – Familie/Clan“, die japanische Variante der „Motorradrocker“. Diese funktionieren jedoch etwas anders, als man es sich in europäischen Gefilden so vorstellt. Die japanischen Motorradgangs nehmen bevorzugt Motorräder wie die Honda CBX400F oder Kawasaki Z400FX (Hauptsache japanische Produktion, und weder zu viel noch zu wenig Hubraum), schrauben ein sogenanntes „Rocket Cowl“ vorn dran, installieren sehr hochgezogene Sitze und entfernen den Schalldämpfer. Das Ergebnis sind wahnsinnig laute und meist sehr farbenfrohe Mopeds, mit denen dann ordentlich stufenweise Gas gegeben wird. Es geht keinesfalls um Geschwindigkeit, sondern ausschliesslich um Lautstärke. Das steigert sich meist noch, da sie gern in Pulks fahren. Natürlich ist das ganze verboten – allein das Absägen des Auspuffs ist, verständlicherweise, verboten, und die Fahrweise (Schlängellinie, Autos umzingeln, im Kreis fahren und dergleichen) ist freilich auch meistens nicht koscher. Dementsprechend spielt man gern mit der Polizei Katz und Maus, aber ganz offensichtlich bekommt die Polizei das Problem nicht in den Griff, denn die Banden gibt es seit Jahrzehnten, und Gerüchten zufolge gibt es immer mehr ältere Mitglieder – gestandene Männer, die früher auf lauten Maschinen unterwegs waren und das ganze wieder neu entdecken.

Auf dem Land findet man sie häufig, und in Küstennähe: Die Shōnan-Gegend (rund um Enoshima/Kamakura) ist sehr beliebt, aber auch die Pazifikküste von Chiba zum Beispiel. Dort hatte ich gestern das Vergnügen, einen Pulk von rund 100 Motorrädern aus nächster Nähe zu betrachten. Der hielt sich allerdings ganz gesittet an rote Ampeln und entrichtete auf der mautpflichtigen Küstensstraße bei Kujūkurihama den Wegzoll. Mit viel Lärm wurden die Münzen in den Geldtrog geworfen. Gewalttätig sind die meisten Bōsōzoku nicht direkt, aber untereinander gibt es mitunter schon Fehden, und viele Mitglieder sind stramm national ausgerichtet – die kaiserliche Kriegsflagge zählt zur Standardausrüstung, und als Ausländer betrachtet man die Gangs sicherheitshalber mit etwas Abstand, da man nie weiss, was die Gruppendynamik so bewirken kann. Viele machen das Ganze jedoch einfach nur als ihre Form der Rebellion gegen die Gesellschaft, in der große Lautstärken, egal ob beim Sprechen oder bei der Musik und allem anderen als unangemessen gilt. Krach machen als Rebellion gegen das Establishment, quasi.

Typisches Bōsōzoku-Outfit
Typisches Bōsōzoku-Outfit

Nächtliches Tête-à-tête mit der Polizei – Reloaded

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Es ist eigentlich schon ein paar Wochen her, aber jetzt fiel es mir wieder ein. Es war eine lange Nacht im Büro, eine von vielen, denn wir arbeiteten an einem grossen Projekt, das irgendwann beendet werden wollte. Kurz nach 11 Uhr nachts begab ich mich auf den Heimweg, und da es regnete, beschloss ich, die 5 km, die zwischen meinem Haus und meinem Bahnhof liegen, nicht mit dem Fahrrad zurückzulegen, sondern mit dem Bus. Gesagt, getan. Eine gute halbe Stunde später stieg ich also in den Bus, und es goss wirklich in Strömen. Und es war noch ziemlich kalt. Eine weitere knappe halbe Stunde später, also gegen Mitternacht, kam ich an meiner Haltestelle an. Die befindet sich auf einem winzigen Pass, und auf dem Weg nach Hause laufe ich erst an einem Wasserwerk auf einem Hügel vorbei, dann eine steile Strasse in ein Tal herunter und dann wieder auf der anderen Seite berghoch. Klingt dramatisch, dauert aber alles in allem nur 6, 7 Minuten zu Fuß.

Rund um das Wasserwerk herum ist es natürlich relativ dunkel, und gegen Mitternacht sind freilich kaum Leute unterwegs. Trotzdem steht dort (ist ja schließlich Japan!) ein Getränkeautomat wie ein leuchtender Wegweiser mitten im Nichts. Ich beschloss, wie so oft, mir zur Belohnung einen Dosenkaffee zu ziehen. Kurzer Blick ins Portemonnaie: Ein 10’000 Yen-Schein (den man an den meisten Automaten nicht benutzen kann), zwei 50-yen-Münzen und ein paar 1-Yen-Aluchips. Glück gehabt. Also stecke ich 50-Yen-Münze Nummmer 1 in den Schlitz, und will gleich ihren Bruder hinterherjagen, als der mir aus den regennassen Fingern gleitet und runterfällt. Schöne Bescherung. Auf Anhieb ist die Münze auch nicht sichtbar, schließlich ist es rund um den Automaten, untenrum zumindest, ziemlich dunkel und schlammig. Was tun? Handy an, und zur Taschenlampe umfunktioniert, bücke ich mich und schaue unten am Automaten nach, ob sich Münze Nummer 2 dort irgendwo aufhält. Und siehe da: Gefunden! Ein kurzes Gefühl der Freude wird umgehend von einer Hand auf meiner Schulter unterbrochen. Ich zucke gehörig zusammen, da ich mich ja schliesslich allein wähnte, und ich erschrecke mich gleich noch einmal, als ich sehe, dass an der Hand ein ausgewachsener Polizist dranhängt.

Jener wünscht mir erstmal einen guten Abend und fragt mich, was ich da eigentlich so treibe. Gute Frage! Bereitwillig kläre ich ihn auf und zeige ihm die verschmutzte 50-Yen-Münze. Er zeigt auch sofort Verständnis, startet aber dennoch ein kleines Quiz. Wo ich denn wohne. Und seit wann. Und ob ich gerade von der Arbeit komme. Scheinbar ist er noch nicht so richtig überzeugt und möchte meine Alien Registration Card Zairyū-Card sehen. Dort steht ja schließlich auch meine Adresse drauf. Als verantwortungsvoller und aufgeklärter ausländischer Mitbürger kenne ich natürlich meine Rechte – ja, die Karte muss ich auf jeden Fall dabei haben. Nein, zeigen muss ich sie ihm eigentlich nicht. Aber welchen Sinn bringt es, da zu diskutieren? Ob ich sie ihm nun jetzt zeige oder er mich zur Wache bittet und ich sie dort präsentiere ist schließlich egal.

Die Adresse auf der Karte hat ihn zum Glück überzeugt, und er drückt noch sein Beileid darüber aus, dass ich so lange arbeiten muss. Wir wünschen uns noch ein schönes Leben und ziehen von dannen… wie auch bei der anderen Begegnung mit der Polizei war der Beamte sehr nett – und sehr neugierig, aber so ganz konnte ich es ihm nicht verübeln – schließlich untersuchte ich ja gerade einen einsamen Getränkeautomaten des nächtens mit einer Lampe.

Neuigkeiten vom Gacha-Gacha-Markt | Gläserner Wald-Galerie in Hakone

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Gacha Gacha: Deutsches Panzerdivision Vol. 2
Gacha Gacha: Deutsches Panzerdivision Vol. 2

Der japanischen Variante des Überraschungseis, nur ohne Schokolade, hatte ich schon ein Mal einen Artikel gewidmet: Obsession Gacha. Just fielen mir aber zwei neue Gacha-Gacha-Konstellationen ins Auge. In der Spielwarenabteilung eines Kaufhauses konnte man da für nur 400 Yen, also 3 Euro, eine Plastikkugel mit einem Panzermodell drin erstehen: „WORLD TANK MUSEUM [deformation]“ „Deutsches Panzerdivision“ Vol.2. Nein, das „deutsches“ ist es nicht – das schöne an der Aufmachung ist das Wort „deformation“. Gemeint ist im Japanischen Englisch damit die bewusste Abänderung der Form – man wandelt die Modelle also leicht um. Darunter steht dann noch: „精密なのにかわいい“: „Detailliert und dennoch niedlich (kawaii)“. Ja, hat man denn jemals schon mal so einen niedlichen Zweiter-Weltkrieg-Panzer gesehen? Also ich jedenfalls nicht! Und um die Sache noch abzurunden, steht daneben ein anderer Automat, der Buddhastatuen ausspuckt. So selten sind beide übrigens eigentlich nicht – auch in Japan hat man es mit Militaria, und das fängt bei den Kindern natürlich an.

Ein anderer Automat fiel mir gestern in der „Gläsernen Wald-Galerie“ in Hakone auf: Ein „セレブのガチャ“ (celeb no gacha), mit „celeb“ ist „celebrity“ gemeint. Da kostet eine Plastikkugel gleich mal 1’000 Yen, und wer etwas Glück hat, findet darin sogar etwas richtig Wertvolles. Angeblich. Ob es stimmt, weiß ich natürlich nicht. A propos ガラスの森美術館 Gläserner Wald-Galerie: Jenes steht in Hakone und ist durchaus einen Ausflug wert. Das Museum spezialisiert sich auf venezianisches Glas aus den vergangenen 500 Jahren, und darunter gibt es zahlreiche sehr schöne Stücke. Typisch Japan: Die Verkaufsfläche des Galerieshops ist so ziemlich genauso groß, wenn nicht größer, als die Ausstellungsfläche. Da wundert man sich letztendlich schon, dass man 1’500 Yen Eintritt dafür bezahlen soll, um sich letztendlich ein großes Glasgeschäft anzusehen. Der Parkplatz nebenan kostet natürlich extra. Bei Sonnenschein und an Wochenenden braucht man sich übrigens gar nicht erst bemühen — dann sind alle Straßen rundherum verstopft und das Museum rappelvoll. Das ist erst etwas bei schlechtem Wetter (aber selbst dann ist es voll) oder an Wochentagen.

Alte Glasschale aus Venedig in der Galerie in Hakone
Alte Glasschale aus Venedig in der Galerie in Hakone

Verkehrskollaps zu den olympischen Spielen?

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Heute wurde eine Studie von Azuma Taguchi, seines Zeichens Professor an der Fakultät für Wissenschaft und Ingenieurwesen der Chūō-Universität, veröffentlicht, in der er die Ergebnisse einer Verkehrssimulation während der Olympischen Spiele 2020 in Tokyo vorstellte¹. Der Befund: Sollte sich nichts ändern, ist durchaus ein Kollaps der öffentlichen Nahverkehrsmittel zu erwarten. Und der Befund hat Hand und Fuss. An einem normalen Werktag pendeln rund 8 Millionen Menschen mit den Bahnen in und um Tokyo. Auch ohne sportliche Großveranstaltungen bringt das bereits einige Bereiche, insbesondere Bahnhöfe und einige Linien, an den Rand eines Verkehrsinfarkts. Fällt dazu noch aus irgendeinem Grund (defekte Tür, Rauchentwicklung und dergleichen) eine Linie aus, weichen große Menschenmassen plötzlich auf ebenso überlastete Bahnhöfe und Linien aus. An manchen Tagen führt das bereits heute zu einem Dominoeffekt, wo plötzlich auf zahlreichen Linien für eine Weile nichts mehr geht. Zu dieser Gleichung fügte Taguchi nun einfach mal 650’000 Menschen hinzu – Besucher und Teilnehmer der Olympischen Spiele an einem wettkampfreichen Werktag. Man braucht nicht allzu viel Fantasie oder mathematische Gleichungen, um sich vorzustellen, dass diese zusätzliche Menschenmenge das System punktuell zum kollabieren bringen kann.

Doch was tun? Die Frequenz der Züge zu erhöhen ist kaum machbar – auf den großen Linien fahren die Züge oft schon im 2-Minuten-Takt; dichter geht es nicht. Eine Lösung wäre, die Bahnhöfe in unmittelbarer Wettkampfstätte vor und nach der Veranstaltung schlichtweg zu schliessen und die Menschen intelligent von umliegenden Bahnhöfen – das Netz ist schließlich sehr engmaschig – zu den Stadien zu leiten. Eine weitere, bereits erprobte Maßnahme ist die, keine Schnellzüge („急行 kyūkō“) fahren zu lassen, sondern nur noch „各駅 kakueki“, also Züge, die an jedem Bahnhof halten. Das ist durchaus sinnvoll, denn die Abstimmung der beiden Zugarten ist kompliziert, und wenn auch nur ein Zug ein oder zwei Minuten Verspätung hat, gerät alles durcheinander. Eine andere Maßnahme wäre freilich auch, die Wettkämpfe so zu legen, dass sie nicht mit den Stoßzeiten des Berufsverkehrs zusammenprallen, doch das ist leichter gesagt als getan. Letztendlich wird der Schlüssel jedoch in intelligenter Verkehrsführung liegen: Solange die Massen ordentlich in die richtigen Bahnen, im doppelten Sinne, gelenkt werden, sprich, informiert werden, lässt sich ein größeres Chaos verhindern. Sobald jedoch alle den gleichen, womöglich falschen Informationen folgen, könnte es in der Tat kompliziert werden. Erst recht zu der Jahreszeit – die Olympischen Spiele beginnen schließlich unmittelbar nach dem Ende der Regenzeit, und damit zu einer Zeit, wo es in Tokyo unerträglich heiß und schwül ist. Besuchern kann ich deshalb nur raten, sich so weit wie möglich im Voraus zu informieren, wo sich was befindet, und welche Alternativen es verkehrstechnisch gibt, denn der nächstgelegene Bahnhof wird in vielen Fällen die schlechteste Lösung sein.

¹ Siehe hier

Das stille Bröckeln der japanischen Arbeitsfront

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Gendai Business, eine Wirtschaftsnachrichtenseite des Kodansha-Verlages, hat heute eine interessante Kolumne zum Thema „Mai-Krankheit“ veröffentlicht¹. Die Kolumnistin spricht die Problematik junger Menschen an, die nach der Goldenen Woche (eine Kette von Feiertagen Anfang Mai) ihre gerade erst begonnene Arbeit (die meisten Schulabgänger/Uniabsolventen treten ihre erste Stelle am 1. April an) so mir nichts dir nichts einfach hinschmeißen. Das ist quasi eine extreme Manifestation der sogenannten 五月病 gogatsu-byō – Mai-Krankheit. Zur Erklärung: Bekanntermassen nehmen die meisten Japaner nur sehr wenig Urlaub (obwohl der gesetzlich zusteht), doch während der 4 Feiertage Ende April/Anfang Mai (siehe Feiertage in Japan) machen viele japanische Firmen, Dienstleister wie Einzelhandel, Transportwesen usw. ausgenommen, wirklich dicht, so dass die meisten frei haben, nach Hause oder woanders hin fahren – und danach nur ungern zum stressigen Alltag zurückkehren. Wer Glück hat, hat frühestens im August während der O-bon-Zeit ein paar Tage frei, wer Pech hat, erst wieder zum Jahresende. Dass erklärt leicht die mangelnde Motivation nach dem kurzen Urlaub.

Die Kolumnistin spricht dabei ein interessantes Phänomen an – das 自分はスペシャル jibun-wa-special („Ich bin was ganz Besonderes“)-Syndrom bei jungen Frauen. Vor allem in grösseren Firmen ist das 上下 jōge (wörtlich: Oben-unten, Hierarchie) sehr wichtig, und immer mehr junge Japanerinnen haben ein Problem damit, ganz unten in der Hierarchie zu beginnen. Das Phänomen kennt man aus der westlichen Welt, in der Chantal-Maria und Kevin-Johannes von Kindesbeinen an eingeredet wird, dass sie etwas ganz, ganz Besonderes seien, doch dieser Erziehungsentwurf ist auch längst in Japan angekommen – vor allem bei der Erziehung von Mädchen, wie es scheint. Jungs hingegen wird eingeredet, dass sie die 大黒柱 daikokubashira (wörtlich: „Große, schwarze Säule“ – sinngemäss: Stützpfeiler) der Familie sein müssen. Soll heissen, sie haben sich ganz der Arbeit zu widmen, dürfen sich dafür aber auch wie Paschas aufführen. Salopp gesagt.

Leider quantifiziert der Artikel nicht – es ist unbekannt, wie viele Neuanfänger wirklich die Arbeit hinwerfen, und vor allem, wie sich die Lage in den letzten Jahren diesbezüglich geändert hat. Allerdings kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen, dass nicht wenige frischgebackene Angestellte ein Riesenproblem mit der Diskrepanz zwischen dem, was ihnen die elterliche Bildung und die Gesellschaft einflüstert, und dem, was die Arbeitswelt dann tatsächlich bietet, haben – und dementsprechend die Flinte ins Korn werfen. Das kann man unterschiedlich interpretieren. Als Optimist könnte man meinen, es sei doch gut, wenn sich die Leute nicht mehr alles gefallen lassen würden. Das ist sicherlich richtig. Als Pessimist (oder auch als jemand, der eben solche Leute einstellt), könnte man jedoch genauso gut anmerken, dass vor allem diese, ich nenne es mal „Prinzessinnenattitüde, Einstellung weder die Firma noch das Individuum weiterbringt. Klar ist jeder Mensch etwas Besonderes, und das sollte man seinen Kindern auch beibringen. Den Kindern jedoch beizubringen, dass sie nicht nur etwas Besonderes, sondern gar etwas Besseres seien, führt zu nichts, und das bekommt man auch auf dem japanischen Arbeitsmarkt zu spüren – einem Arbeitsmarkt, der bereits jetzt aufgrund der rapiden Überalterung der Gesellschaft eigentlich auf jede neue Arbeitskraft angewiesen ist. Gute Firmen mit ordentlichen Personalabteilungen und fähigen Managern können sich darauf vielleicht noch irgendwie einstellen, aber ein ständiges Kommen und Gehen der Angestellten können sich die meisten Unternehmen eigentlich nicht leisten. Immerhin besteht da noch etwas Hoffnung, dass die optimistische Sichtweise zu realen Veränderungen in japanischen Unternehmen führt – sprich weniger Hierarchiedenken, menschlichere Arbeitszeiten, Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau und so weiter und so fort.

¹ Siehe hier.

Wird das japanische Datum abgeschafft?

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Am 1. Mai 2019 wird der neue japanische Kaiser seinen Thron einnehmen – einen Tag, nachdem der jetzige Kaiser, nach 31 Jahren Regentschaft, abgedankt hat. Nicht ganz unerwartet werden aus gegebenem Anlass die Stimmen lauter, das System der japanischen Zeitrechnung zu überdenken. Jenes nennt sich 年号 nengō (wörtlich: „Jahresnummer“) beziehungsweise oftmals auch 元号 gengō und muss laut dem 元号法制定 gengō-hō genannten Gesetz in offiziellen Dokumenten verwendet werden. Das betrifft Formulare, aber auch Bekanntmachungen von Ministerien, Behörden und dergleichen. Allerdings gibt es bereits erste Gemeinden in Japan, die das Gesetz umgehen und nicht mehr auf die japanische Zeitrechnung bestehen, sondern auch die westliche Schreibweise (西暦 seireki genannt) zulassen¹.

Nun kann man die japanische Zeitrechnung wahlweise als Kuriosum oder als Tradition abtun, aber das System treibt mitunter seltsame Blüten. So benutzt JP, die japanische Post — vor der Privatisierung vor rund 10 Jahren ein Staatsunternehmen — selbst im Internetbanking das japanische System. Der Zeitstempel für am heutigen Tag getätigte Transaktionen sieht deshalb so aus: „30-05-01“, wobei 30 für „Heisei 30“, 2018, steht. Ein Format, das natürlich Excel und alle anderen CSV-verdauenden Anwendungen nicht verstehen. Eine weitere Blüte sind anglisierte Dokumente: Beim Geburtsdatum steht dort vor dem Jahr „T S H“, und man muss um den entsprechenden Buchstaben ein Kreis malen (T= Taishō, S = Shōwa, H = Heisei). Das ist schön und gut, aber was passiert, wenn das Motto des neuen Kaisers ebenfalls mit T, S oder H beginnt?

Zu der ganzen Debatte hört man Stimmen, die sagen, dass es einfacher sei, das japanische System zu benutzen, da man nur zwei Nummern (Jahreszahlen) zu schreiben braucht. Das ist schön und gut, aber nur, wenn man mit vertrauten Daten, wie zum Beispiel dem eigenen Geburtstag, hantiert. Die meisten Japaner müssen bereits kurz überlegen und rechnen, wenn sie danach gefragt werden, die Geburtstage ihrer Kinder nach dem japanischen Prinzip wiederzugeben. Das geht mir natürlich genauso: So weiss ich natürlich, ohne groß zu überlegen, dass meine Tochter 2007 geboren wurde. Doch dann geht das Gerechne los: Jetzt ist Heisei 30, sie ist 11 Jahre alt, also muss es 30 minus 11 = Heisei 19 sein.

Rein aus datentechnischen Gründen wäre es für alle Beteiligten besser, sich auf das westliche Datum zu einigen — man darf jedoch gespannt sein, ob man in Japan diesen kühnen Schritt wagt oder so weitermacht wie bisher. Anbei noch eine kleine Übersicht der japanischen Kaiserjahre:

Beginn (Jahr) Äraname Äraname auf Japanisch
593 ~ Suiko 推古
629 ~ Jomei 舒明
642 ~ Kōgyoku 皇極
645 ~ Taika 大化
650 ~ Hakuchi 白雉
655 ~ Saimei 斉明
662 ~ Tenji 天智
672 ~ Kōbun 弘文
673 ~ Temmu 天武
686 ~ Shuchō 朱鳥
687 ~ Jitō 持統
697 ~ Mommu 文武
701 ~ Taihō 大宝
704 ~ Keiun 慶雲
708 ~ Wadō 和銅
715 ~ Reiki 霊亀
717 ~ Yōrō 養老
724 ~ Jinki 神亀
729 ~ Tempyō 天平
749 ~ Tempyō-kampō 天平感宝
749 ~ Tempyō-shōhō 天平勝宝
757 ~ Tempyō-hōji 天平宝字
765 ~ Tempyō-jingo 天平神護
767 ~ Jingo-keiun 神護景雲
770 ~ Hōki 宝亀
781 ~ Ten’o 天応
782 ~ Enryaku 延暦
806 ~ Daidō 大同
810 ~ Kōnin 弘仁
824 ~ Tenchō 天長
834 ~ Jōwa 承和
848 ~ Kashō 嘉祥
851 ~ Ninju 仁寿
854 ~ Saikō 斉衡
857 ~ Ten’an 天安
859 ~ Jōgan 貞観
877 ~ Gangyō 元慶
885 ~ Ninna 仁和
889 ~ Kampyō 寛平
898 ~ Shōtai 昌泰
901 ~ Engi 延喜
923 ~ Enchō 延長
931 ~ Shōhei 承平
938 ~ Tengyō 天慶
947 ~ Tenryaku 天暦
957 ~ Tentoku 天徳
961 ~ Ōwa 応和
964 ~ Kōhō 康保
968 ~ Anna 安和
970 ~ Tenroku 天禄
973 ~ Ten’en 天延
976 ~ Jōgen 貞元
978 ~ Tengen 天元
983 ~ Eikan 永観
985 ~ Kanna 寛和
987 ~ Eien 永延
989 ~ Eiso 永祚
990 ~ Shōryaku 正暦
995 ~ Chōtoku 長徳
999 ~ Chōhō 長保
1004 ~ Kankō 寛弘
1012 ~ Chōwa 長和
1017 ~ Kannin 寛仁
1021 ~ Chian 治安
1024 ~ Manju 万寿
1028 ~ Chōgen 長元
1037 ~ Chōryaku 長暦
1040 ~ Chōkyū 長久
1044 ~ Kantoku 寛徳
1046 ~ Eishō 永承
1053 ~ Tengi 天喜
1058 ~ Kōhei 康平
1065 ~ Jiryaku 治暦
1069 ~ Enkyū 延久
1074 ~ Jōhō 承保
1077 ~ Shōryaku 承暦
1081 ~ Eihō 永保
1084 ~ Ōtoku 応徳
1087 ~ Kanji 寛治
1094 ~ Kahō 嘉保
1096 ~ Eichō 永長
1097 ~ Shōtoku 承徳
1099 ~ Kōwa 康和
1104 ~ Chōji 長治
1106 ~ Kashō 嘉承
1108 ~ Tennin 天仁
1110 ~ Ten’ei 天永
1113 ~ Eikyū 永久
1118 ~ Gen’ei 元永
1120 ~ Hōan 保安
1124 ~ Tenji 天治
1126 ~ Daiji 大治
1131 ~ Tenshō 天承
1132 ~ Chōshō 長承
1135 ~ Hōen 保延
1141 ~ Eiji 永治
1142 ~ Kōji 康治
1144 ~ Ten’yō 天養
1145 ~ Kyūan 久安
1151 ~ Nimpei 仁平
1154 ~ Kyūju 久寿
1156 ~ Hōgen 保元
1159 ~ Heiji 平治
1160 ~ Eiryaku 永暦
1161 ~ Ōhō 応保
1163 ~ Chōkan 長寛
1165 ~ Eiman 永万
1166 ~ Nin’an 仁安
1169 ~ Kaō 嘉応
1171 ~ Jōan 承安
1175 ~ Angen 安元
1177 ~ Jishō 治承
1181 ~ Yōwa 養和
1182 ~ Juei 寿永
1184 ~ Genryaku 元暦
1185 ~ Bunji 文治
1190 ~ Kenkyū 建久
1199 ~ Shōji 正治
1201 ~ Kennin 建仁
1204 ~ Genkyū 元久
1206 ~ Ken’ei 建永
1207 ~ Jōgen 承元
1211 ~ Kenryaku 建暦
1213 ~ Kempō 建保
1219 ~ Jōkyū 承久
1222 ~ Jōō 貞応
1224 ~ Gennin 元仁
1225 ~ Karoku 嘉禄
1227 ~ Antei 安貞
1229 ~ Kanki 寛喜
1232 ~ Jōei 貞永
1233 ~ Tempuku 天福
1234 ~ Bunryaku 文暦
1235 ~ Katei 嘉禎
1238 ~ Ryakunin 暦仁
1239 ~ En’ō 延応
1240 ~ Ninji 仁治
1243 ~ Kangen 寛元
1247 ~ Hōji 宝治
1249 ~ Kenchō 建長
1256 ~ Kōgen 康元
1257 ~ Shōka 正嘉
1259 ~ Shōgen 正元
1260 ~ Bun’ō 文応
1261 ~ Kōchō 弘長
1264 ~ Bun’ei 文永
1275 ~ Kenji 建治
1278 ~ Kōan 弘安
1288 ~ Shōō 正応
1293 ~ Einin 永仁
1299 ~ Shōan 正安
1302 ~ Kangen 乾元
1303 ~ Kagen 嘉元
1306 ~ Tokuji 徳治
1308 ~ Enkei 延慶
1311 ~ Ōchō 応長
1312 ~ Shōwa 正和
1317 ~ Bumpō 文保
1319 ~ Gen’ō 元応
1321 ~ Genkō 元亨
1324 ~ Shōchū 正中
1326 ~ Karyaku 嘉暦
1329 ~ Gentoku 元徳
1331 ~ Genkō 元弘
1332 ~ [北朝] 正慶 Shōkei
1334 ~ Kemmu 建武
1336 ~ Engen 延元
1338 ~ [北朝] 暦応 Ryakuō
1340 ~ Kōkoku 興国
1342 ~ [北朝] 康永 Kōei
1345 ~ [北朝] 貞和 Jōwa
1346 ~ Shōhei 正平
1350 ~ [北朝] 観応 Kanō
1352 ~ [北朝] 文和 Bunwa
1356 ~ [北朝] 延文 Embun
1361 ~ [北朝] 康安 Kōan
1362 ~ [北朝] 貞治 Jōji
1368 ~ [北朝] 応安 Ōan
1370 ~ Kentoku 建徳
1372 ~ Bunchū 文中
1375 ~ Tenju 天授
1375 ~ [北朝] 永和 Eiwa
1379 ~ [北朝] 康暦 Kōryaku
1381 ~ Kōwa 弘和
1381 ~ [北朝] 永徳 Eitoku
1384 ~ Genchū 元中
1384 ~ [北朝] 至徳 Shitoku
1387 ~ [北朝] 嘉慶 Kakei
1389 ~ [北朝] 康応 Kōō
1390 ~ Meitoku 明徳
1394 ~ Ōei 応永
1428 ~ Shōchō 正長
1429 ~ Eikyō 永享
1441 ~ Kakitsu 嘉吉
1444 ~ Bunnan 文安
1449 ~ Hōtoku 宝徳
1452 ~ Kyōtoku 享徳
1455 ~ Kōshō 康正
1457 ~ Chōroku 長禄
1460 ~ Kanshō 寛正
1466 ~ Bunshō 文正
1467 ~ Ōnin 応仁
1469 ~ Bummei 文明
1487 ~ Chōkyō 長享
1489 ~ Entoku 延徳
1492 ~ Meiō 明応
1501 ~ Bunki 文亀
1504 ~ Eishō 永正
1521 ~ Taiei 大永
1528 ~ Kyōroku 享禄
1532 ~ Tembun 天文
1555 ~ Kōji 弘治
1558 ~ Eiroku 永禄
1570 ~ Genki 元亀
1573 ~ Tenshō 天正
1592 ~ Bunroku 文禄
1596 ~ Keichō 慶長
1615 ~ Genna 元和
1624 ~ Kan’ei 寛永
1644 ~ Shōhō 正保
1648 ~ Keian 慶安
1652 ~ Shōō 承応
1655 ~ Meireki 明暦
1658 ~ Manji 万治
1661 ~ Kambun 寛文
1673 ~ Empō 延宝
1681 ~ Tenwa 天和
1684 ~ Jōkyō 貞享
1688 ~ Genroku 元禄
1704 ~ Hōei 宝永
1711 ~ Shōtoku 正徳
1716 ~ Kyōhō 享保
1736 ~ Gembun 元文
1741 ~ Kampō 寛保
1744 ~ Enkyō 延享
1748 ~ Kan’en 寛延
1751 ~ Hōreki 宝暦
1764 ~ Meiwa 明和
1772 ~ An’ei 安永
1781 ~ Temmei 天明
1789 ~ Kansei 寛政
1801 ~ Kyōwa 享和
1804 ~ Bunka 文化
1818 ~ Bunsei 文政
1830 ~ Tempō 天保
1844 ~ Kōka 弘化
1848 ~ Kaei 嘉永
1854 ~ Ansei 安政
1860 ~ Man’en 万延
1861 ~ Bunkyu 文久
1864 ~ Genji 元治
1865 ~ Keiō 慶応
1868 ~ Meiji 明治
1912 ~ Taishō 大正
1926 ~ Shōwa 昭和
1989 ~ Heisei 平成
2019 ~ wird bekanntgegeben wird bekanntgegeben

¹ Siehe unter anderem hier.

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