Japan-Almanach: Alles über das Leben und Reisen in Japan. Seit 1998.
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Unser Planziel dieses Jahr: 25’000 Selbstmorde

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Das klingt vielleicht makaber, aber man könnte stolz sein, wenn man dieses Ziel erreichen würde. Freilich im Sinne von „nicht überschreiten würde“. Alljährlich nehmen sich in Japan zwischen 35,000 und 30,000 Menschen das Leben. Bei rund 125 Millionen Einwohnern ein Schnitt von 26 Selbstmorden pro 100,000 Einwohnern (in Deutschland ca. 14). Eine der höchsten Selbstmordraten der Welt.

Woran liegt das nun? Zum einen muss man nach kulturellen Gründen suchen, zum anderen nach der „Zielgruppe“. Zuerst zu den kulturellen Gründen: Japan ist traditionsgemäss kein christliches Land, und auch wenn im Shintōismus der Tod etwas Unreines ist, so ist doch ein Selbstmord nicht unbedingt unehrenhaft – das (in meinen Augen zweifelhafte) Konzept, dass Selbstmörder umgehendst in die Hölle kommen, gibt es hier nicht. Manchmal, dem traditionellen Denken nach, ist es gar die einzige Lösung. Und so war zum Beispiel jeder schockiert, als sich ein Manager von Livedoor, einer sehr erfolgreichen Internetfirma, die jedoch mit unfeinen Machenschaften ins Gerede kam und gerade zerschlagen wird, sich das Leben nahm, aber es war keine einzige Stimme zu hören, die das als feige bezeichnete oder verurteilte. In gewissen Massen scheint die Haltung gegenüber dem Suizid eine militärische, durch einen Ehrenkodex geprägte Handlung zu sein: Lieber ehrenhaft sterben als unehrenhaft zu darben.

Meistens sind die Gründe jedoch profanerer Natur: Nicht überraschend nehmen sich gerade chronisch Kranke, darunter viele Ältere, das Leben. Allerdings auch Jüngere – so ist zum Beispiel der Gruppenselbstmord von Leuten, die sich im Internet dazu verabredet haben, auch hier ein Thema. Andere Gründe sind zum Beispiel finanzieller Art oder schlichtweg Schlafmangel: Zu viel Stress, zu wenig Schlaf (nein, 6 Stunden gelten nicht als zu wenig) = akute Suizidgefahr.

Es gibt regelrechte Lieblingspunkte für Selbstmörder: Ein grosses, einsames Kliff hier, ein verlassener, etwas gruseliger Wald da. Und für die, die nicht so weit weg wollen, bleibt der Zug: Beinahe täglich wirft sich jemand im Grossraum Tokyo (zur Erinnerung: 30 Mio Einwohner!) vor den Zug. Das nennt man dann 人身事故 (jinshin jiko – „Personenunfall“). Sorgt regelmässig für grosses Chaos. Und die Verwandten müssen, so sie können, für den entstandenen Schaden aufkommen.
Nur Künstler betreiben gelegentlich den Aufwand, spektakulär durch seppuku (auf gut Deutsch Harakiri) von der Bühne zu treten. Das ist nicht erst seit Kurt Cobain so.

Ein düsteres Thema. Also hoffen wir, dass man die gesetzte Marke unterschreitet. Ganz wird sich das nie vermeiden lassen, aber vieles lässt sich bestimmt verhindern (obwohl die Regierung erneut zugegeben hat, dass sie kein rechtes Konzept hat).

Das Wort des Tages: 陽気な (yōki na, Adjektiv). Yo- bedeutet positiv (gleiches Zeichen wie für Yáng in Yin & Yang), -ki bedeutet Seele, auch Laune usw. Auf gut deutsch heiter, lebensfroh.

Schwere Zeiten für Raucher auch in Japan?

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Auch in Japan wird es allmählich schwerer für drogensüchtige Nikotingourmets: Wie viele andere Länder in Ostasien auch ist Rauchen hier durchaus noch „normal“ und man wird eigentlich nicht schief angesehen oder gar zugetextet. Und es darf fast überall geraucht werden – im Zug, in den Bars und Restaurants, in manchen Büros usw. usf. Und scheinbar hat man hier das Laster noch nicht als allzu lukrative Steuereinnahmequelle entdeckt. Doch die Domäne der Raucher wird kleiner: Erste Cafés und Restaurants sind strikte Nichtraucherbereiche. Erste Taxifirmen verbieten das Rauchen im Taxi. In den meisten Büros darf sowieso schon nicht geraucht werden. In manchen Stadtteilen Tokyos (z.B. in Chiyoda-ku darf draussen gar nicht mehr geraucht werden (der zivile Ungehorsam wird damit jedoch regelrecht herausgefordert: Viele halten sich nicht daran).

Nun wird demnächst ein weiterer Schritt folgen: Es gibt hundert Tausende Zigarettenautomaten, die ab 22 Uhr oder 23 Uhr nicht mehr verkaufen dürfen (theoretisch jedenfalls). Trotzdem könnte ja jeder Minderjährige – in Japan darf man erst ab 20 rauchen – am Automaten seine Fluppen ziehen. Deshalb soll jetzt eine „Tobacco card“ jeniges verhindern: Nur Volljährige können diese Karte bekommen. Ohne Karte werden die Automaten nicht funktionieren. Schön, wie hier mit Kanonen auf Spatzen geschossen wird – ich glaube nicht, dass sich diese Massnahme auszahlen wird. Stattdessen wird es wohl eher zum Sport werden, an die Zigaretten zu kommen.

Die Rauchkultur hier ist sowieso eine andere – fast jeder raucht die leichtesten der Leichten in der irrigen Annahme, dies wäre weniger schädlich. Und Menthol ist sehr beliebt. Zudem wird die Zigarette spätestens nach der Hälfte weggeworfen oder ausgedrückt. Warum auch immer. Mal ehrlich, dann lieber gar nicht rauchen! Übrigens erhöht sich jetzt der Zigarettenpreis: Ab dem 1. Juli kosten 20 Zigaretten 20 Yen mehr – der Preis liegt dann bei 300 Yen plusminus 30. Also gute 2 Euro.

Wort des Tages: 喫煙 (kitsuen). kitsu bedeutet essen/trinken/einnehmen (allerdings in dem Sinne alt, wird fast nur noch an dieser Stelle benutzt), en bedeutet Rauch. Also „Rauchen“. Passionierte Raucher und fanatische Nichtraucher sollten sich das Wort besser einprägen vor einem Japanbesuch – könnte bei der Platzwahl von Bedeutung sein.

Heutiges Thema: Hohlkörper

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Eigentlich wollte ich etwas zum neuesten, alten Umweltproblem schreiben. Es geht um Plastiktüten. Aber wo ich schon mal beim Thema Hohlkörper bin – dank der 7 Stunden Zeitverschiebung kam ich heute sogar in den Genuss, die komplette zweite Halbzeit des Spiels Japan gegen Australien zu sehen. In den Genuss? Wenn es um das Anfeuern geht, wäre Japan wohl Weltmeister. Ich fand es allerdings sehr schade, dass die Japaner 10 Minuten vor den Australiern aufhörten, zu spielen. Selbst meine Frau – eigentlich der Antifussballfan – kam vor Empörung gar nicht mehr hinterher. Das Debakel wird wohl morgen wieder herrlichste Schlagzeilen aufwerfen. Und ich werd mir wohl die eine oder andere Bemerkung im Büro kaum verkneifen können (doch wehe, wenn es Deutschland ähnlich ergeht). Aber kein Grund zur Beunruhigung für Japan’s Fussballfans – es bleiben ja noch leichte Gegner wie Brasilien…

Zum Thema Plastiktüten – wo wir doch neulich beim Thema Wegwerfstäbchen waren. Man überlegt doch momentan wieder laut, wie man das Problem der vielen Tüten in den Griff bekommt. Immerhin verbraucht jeder Japaner im Schnitt 300 davon im Jahr – Einwickelpapier und Folie natürlich nicht eingerechnet. Und in der Tat – wenn man im convenience store (kleine Supermärkte, die rund um die Uhr geöffnet haben) ein warmes Essen, ein Getränk und eine Zeitung kauft, bekommt man tatsächlich drei verschiedene Tüten. Faszinierend. Mal sehen, wie lange das so weitergeht. Das Phänomen ist jedenfalls nicht neu, bestimmte aber doch einige Tageszeitungen heute.

Das Wort des Tages: どうしたの、日本?dōshitano, Nihon – zu Deutsch „Was war denn da los, Japan?“ Bezieht sich aufs Spiel. Schreibt jemand, der ein Mal in vier Jahren Fussball schaut…

Sonntag? Zeit für Behördengänge!

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Was macht man an einem total verregneten Sonntag in Japan? Nun, man könnte seine Behördengänge erledigen. Genau, am Sonntag. Die meisten Rathäuser öffnen auch am Sonntag, denn die meisten arbeitenden Leute können einfach nicht in der Woche zum Amt. Für diesen Service bin ich persönlich auch äusserst dankbar. Heute ging es darum, meinen Vertrag mit der staatlichen Krankenkasse (Beitrag: 2,000 Yen, also knapp 15 Euro pro Monat) und den mit der Rentenkasse (monatlicher Beitrag: 13,800 Yen, rund 100 Euro pro Monat) aufzulösen, da dies ab sofort die Firma übernimmt. Das heisst, mir werden ab jetzt rund 40,000 Yen pro Monat abgezogen und die Firma bezahlt auch noch etwas dazu.

Traumhafte Beiträge? Irgendwie schon. Allerdings kommt auch viel weniger dabei raus. Die Krankenkasse deckt nicht viel ab, und die Rente, so man nur die staatliche bezahlt, ist lächerlich. Deshalb heisst es in Japan schon lange – privat vorsorgen. Oder ebend nicht in Rente gehen. Es sei denn, man arbeitet bei einer richtig grossen Firma, die rundherum für ihre Mitarbeiter sorgt – bis zum Lebensende. Aber das wird auch immer seltener. Die richtigen Gedanken für einen verregneten Sonntag…

Wort des Tages: 社会保険. shakai bedeutet „Gesellschaft“, hoken „Versicherung“. Ein Bündel von Versicherungen, das aktiv wird, wenn man fest in einer Firma angestellt ist.

WM-Fieber auch in Japan? / Regenzeit

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Alles dreht sich um die Fussball-WM – ist ja schliesslich auch nur ein Mal in vier Jahren. Und das letzte Mal fand selbige ja gar in Japan und Südkorea statt. Zu der Zeit war ich allerdings gerade in Deutschland. Nun ist sie in Deutschland und ich in … Japan. Nicht dass ich ein riesiger Fussballfan wäre, aber die Atmosphäre gerade bei der WM ist schon etwas besonderes.

Auch in Japan ist die WM ein Thema – seit Wochen schon. Schliesslich darf ja Japan auch wieder mitspielen, und immer wenn Japan mitspielen darf, wird es spannend. Allerdings habe ich gerade in Japan den Eindruck, das es nur nebensächlich um den Sport geht – viele sehen das persönlich und möchten Japan einfach nur gewinnen sehen – bei was und wie ist dabei egal. Trotzdem drücke ich auch Japan die Daumen. Mal sehen, wie sie sich gegen Brasilien halten werden.

Die nasse Kaltfront erwies sich übrigens als nasse Warmfront. Die Regenzeit hat (wahrscheinlich) begonnen. Unterschied zur Nicht-Regenzeit? Keine Ahnung. Es hat auch schon vorher oft geregnet. Nur kommt anschliessend dann die grosse Hitze.


Tag am Meer: Wie eine Fata Morgana erscheint die Neustadt von Makuhari (Stadtteil von Chiba) am Horizont. Aufgenommen heute, an der Bucht von Tokyo.

Das Wort des Tages: 梅雨 (tsuyu) – wörtlich „Pflaume“ und „Regen“. Bedeutet Regenzeit. Beginnt Anfang Juni, endet Anfang Juli. Ist aber je nach Region und Jahr unterschiedlich.

Blutdurst nun auch in japanischen Wohnzimmern

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Schon lange war es in den deutschen Medien zu beobachten, und nun wird es auch immer spürbarer in den japanischen Medien: Kaum ist ein grausiger Mord halbwegs ausgeschlachtet, steht schon der nächste auf dem Programm. Man wähnt sich allmählich von Massenmördern und Kinderschändern umgeben. Jeder könnte es sein: Der immer freundliche Nachbar, der dicke, schwarzbebrillte Schlipsmensch neben mir im Zug, die nette Verkäuferin im Supermarkt. Ist die Welt so schlecht geworden?

Im März wurde ein 7-jähriges Mädchen in Hiroshima von einem arbeitslosen Peruaner mit angeblichen japanischen Vorfahren ermordet und in einem Koffer verstaut in der Nähe abgestellt. Wenig später erstach eine chinesische Mutter zwei Kinder, die den gleichen Kindergarten wie ihr Kind besuchten, in der Präfektur Saga. Dann der Fall Okamoto in der Präfektur Kanagawa – dort wurden fünf Leichen in einer Wohnung geborgen, drei davon waren Kinder und einige schon sehr lange tot. Verdächtigt: Die Mutter. Jetzt der Fall des kleinen Gōken, wahrscheinlich erdrosselt von der Nachbarin, mal ebend so.

Wo man auch hinschaut – im Fernsehen, im Internet, in den Printmedien (gottseidank nicht in allen) – die Medien sind voll mit grausigen Details von schauerhaften Meuchelmorden. Vor einigen Jahren war das bei weitem nicht so schlimm. Nun macht sich schleichende Angst breit in der Bevökerung, plötzlich wird Paranoia modern und die ersten beginnen, Kameras an ihren Pforten anzubringen und die Passanten zu filmen.

Macht und Konsum durch kontrollierte Angst in der Bevökerung. Ein aus Amerika exportiertes Phänomen, das leider auch vor Deutschland und Japan nicht halt macht. Ein wahrer Jammer, zu sehen, wie die Gesellschaft auch hier immer misstrauischer wird. Gerne werde ich der Rufer in der Wüste sein – doch gibt es ein Rezept diese Allmacht der Medien?

Wort des Tages: 不信感 (fushinkan). fu bedeutet
„nicht, Un-„, shin bedeutet „trauen, glauben“ und kan ist „Gefühl“. Zu deutsch „Misstrauen, Unbehagen“.

Stelldichein mit dem Yachtverein

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Am Sonntag gab es nun also das Blind Date mit dem Yachtverein. Jeniger hatte mich angeschrieben, ob sie meine Kroatien-Seiten verlinken dürften. Ansonsten viele Grüsse aus Japan nach Deutschland. Die Mail war in sehr einfachem Japanisch und reichlich schlechtem Englisch verfasst. Klar dürfen sie verlinken – würde mich jedoch freuen, wenn sie mir die Seite mit dem Link mitteilen würden – und schöne Grüsse nach Japan aus Japan antwortete ich auf Japanisch. Dann ging es los: Schön! Und wo wir doch im gleichen Land hausen, könne man sich ja mal treffen – ich könne ja im Clubhaus übernachten und auch mit auf Törn kommen. Skeptisch wird man da schon – man sucht wohl neue Mitglieder. Also schlug ich einen nähergelegenen Treffpunkt (das Bootshaus ist ein gutes Stück entfernt) vor und erwähnte vorsichtshalber, dass ich eher zur Hohe-Berge-Fraktion gehöre. Stimmt ja auch.

Am Sonntag kam es also zum Treffen – zwei Zahnärzte, ein Architekt, ein Büroangestellter und ein Webmaster. Eine illustre Runde. Aber die Herren erwiesen sich als sehr nett, sehr bereist und sehr wissbegierig. Mal davon abgesehen ist ein kühles Bier am Sonntag Nachmittag auch nicht ganz so verkehrt.

Der Yachtclub hat nur gute 10 ständige Mitglieder und macht gelegentlich bei Rallys mit – nach Guam zum Beispiel oder entlang der mexikanischen Küste. Aber auch zu Land sind sie gut unterwegs. Einer der Zahnärzte – „Wissen Sie, als Zahnarzt in Japan hat man kaum Urlaub…“ – fährt nun für 5 (in Worten: fünf) Wochen nach Europa um quer durch Deutschland und Tschechien zu touren und eine Yacht in Kiel zu mieten. Macht er jedes Jahr so, versicherten mir die anderen, während er auf Toilette war. Mal sehen wann man sich wiedersieht…

Wort des Tages: 豪華 (gōka) – beide Zeichen stehen für „Pracht“, bedeutet also „prachtvoll“, „luxuriös“. Will ich so werden? Eher nicht.

Social Networking auf Japanisch: MIXI

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Mit 4.5 Milliarden Seitenaufrufen pro Monat ist mixi.jp die #3 der meistbesuchten Internetseiten Japans (und #39 der Welt, laut Alexa Web ranking). Mehr Zahlen? Mixi existiert seit gut zwei Jahren. Hat 3 Millionen Mitglieder. Täglich kommen rund 15,000 neue Mitglieder hinzu.

Schön und gut, aber was ist MIXI? MIX steht für Mischen, -i für Mensch. Eine SNS – „social network site“. Sprich ein Vertreter des „Sozialen Netzwerks“ im Internet. Einer der grössten Vertreter dieses Genre im deutschsprachigen Raum dürfte www.StayFriends.de sein – jenes ist zwar brauchbar und nett, aber mit der Werbung und Begrenztheit der Funktionen für nichtzahlende Mitglieder etwas belastend.

Wie funktioniert Mixi? Man kann sich nicht selbst einfach anmelden. Man muss von einem Mitglied per E-Mail eingeladen werden. Dann geht’s flink: Link in der E-Mail anklicken, Namen und Mail-Adresse usw. eintragen, fertig. Photos kann man hochladen, Blogs schreiben, chatten, irgendwelchen Interessengruppen beitreten usw. Und alles ist ganz einfach gestaltet und – kostenlos! Und zwar alles. Der Service ist werbebasiert, aber die Werbung nervt nicht – man sieht höchstens ein Banner.

Besonderheit: Nicht-Mitglieder sehen rein gar nichts! Das bedeutet wiederum totale Kontrolle: Man sieht genau, wer auf der eigenen Seite vorbeigeschaut hat.
Da ich selbst berufsmässig in dieser Branche zu tun habe, reizt mich die Sache natürlich. Also habe ich heute mal eine halbe Stunde in Mixi herumgestöbert – und ohne Probleme ca. 20 Bekannte gefunden – von einigen hatte ich schon seit Jahren nicht mehr gehört. Beeindruckend. Ich werde wohl auch wieder reinschauen…

Kurioses: Mit rund 200,000 Seitenaufrufen (für Profis: page views, nicht hits!) im Monat liegt www.tabibito.de weltweit auf Rang 379,426 (von rd. 81 Millionen). Na dann! Darauf gibt’s jetzt eine Flasche „Sternquell“ – zugesandt von sehr guten Freunden, die genau wissen was ich brauche ;-)

Wort des Tages: 友達 (tomodachi). tomo bedeutet „Freund“, -dachi (auch -tachi, -ra gelesen) markiert den Plural. Bedeutet Freunde, wird heute aber auch als Einzahl für „Freund“ benutzt. Dazu ein schönes Sprichwort, Verfasser leider unbekannt: „Ein Freund ist ein Mensch, der Dich mag, obwohl er Dich kennt.“

3% und nicht mehr!

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Immer wieder beweist man in Japan, dass das Thema Isolation (und weitere äusserst nationalistische Ideen) so schnell nicht vom Tisch kommt. Ein Arbeitskreis des Justizministeriums beschäftigte sich nun ausführlicher mit der Frage, wie auf lange Sicht mit Ausländern, die in Japan leben, umgegangen werden soll. Vorneweg sollte schon mal erwähnt werden, dass die Einwanderungspolitik recht strikt ist. Politische oder Kriegsflüchtlinge z.B. werden kaum (gar nicht?) aufgenommen. Man muss schon einen festen Job in Japan haben (Voraussetzung: Hochschulstudium), einen Japaner/ eine Japanerin geheiratet haben oder…japanisches Blut in den Adern haben. So z.B. wurden seit 1989 sehr viele Brasilianer nach Japan gelassen, da vor vielen dutzend Jahren viele Japaner nach Brasilien auswanderten. Wie im Falle der zahlreichen „Heimkehrer“ aus Kasachstan usw. nach Deutschland hapert’s jedoch häufig mit der Ex-Muttersprache.

Nun will das Panel deshalb vorschlagen, einen Sprachtest einzuführen, um den Geist, den man rief, wieder in die Flasche zu schicken. Wer nicht Japanisch kann, bleibt draussen. Grund: Sagenhafte, unvorstellbare 1.2% der Bevölkerung sind Ausländer. Nach Meinung des Ausschussvorsitzenden und stellvertretenden Justizministers Taro Kono sind 3% die Schmerzgrenze. Mehr würde zu „Turbulenzen“ führen; Japan wäre darauf nicht vorbereitet. Womit er nicht ganz unrecht hat. Man darf gespannt sein wie sich das weiterentwickelt – vor allem angesichts der niedrigen Geburtenrate. Jedenfalls können sich Deutschland und Japan bei diesem Problem definitiv die Hand reichen. Oder sich voreinander verbeugen.

Wort des Tages: 外(国)人 = gai(koku)jin. Bedeutet Ausländer.
Gaikokujin ist die offizielle, gaijin (=Mensch von draussen) die inoffizielle Bezeichnung. Letzteres hat mehrere Nuancen – ich bin keinem böse, wenn er das Wort benutzt. Sobald es aber eine verächtliche Art und Weise ist (und das kommt durchaus mal vor) wird gekontert. Das lustige: Lebt man lange genug in Japan, benutzt man das Wort selbst und ertappt sich gelegentlich, wie man denkt „Na, der gaijin da ist aber blöd“.

Oh, hab ich da etwa was falsch verstanden?

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Das könnte eigentlich auch in die Rubrik „Umfragen, die kein Mensch braucht“ fallen. Citizen, genau, der Uhrenhersteller, hat 400 Geschäftsleute gefragt, wie sie in der Tat wirklich im Büro sehr häufig benutzte Begriffe wie asa ichi und chotto ippai usw. zeitlich definieren würden (siehe unten Wort des Tages). Asa ichi wurde im Schnitt mit morgens 7:54 angegeben, chotto ippai mit ca. 1 Stunde. Citizen sieht darin einen Trend, die Arbeit in Japan eher zu beginnen (Arbeitszeit beginnt i.d.R. zwischen 8 und 10 Uhr, im Schnitt um 9 Uhr). Nun, wo ich arbeite bedeutet asa ichi eher 9:54 (Arbeit beginnt um 10). Das mit 7:54 habe ich mal ebend überlesen.
Sind aber auch tolle Aussichten: Statt im Schnitt von 10 bis 21:30 von 8:00 bis 21:30 arbeiten.

An der Stelle muss ich mal meine meistgehasste Redewendung auf Arbeit vorstellen: mazu kakunin shimashō – lass uns das erstmal bestätigen. Ja, bestätigen. Wie, drei Blatt Toilettenpapier benutzen? Das muss erstmal vom Chef bestätigt werden! Ohne kakunin geht’s nicht weiter. Hängt allerdings freilich auch hier von den Angestellten ab.

Wörter des Tages: 朝イチ – wenn man es als Wort nachschlägt, findet man „Morgenmarkt“. Bedeutet aber hier so viel wie „Frühmorgens“, „Morgens als Erstes“ und manchmal ebend auch „Vor dem Aufstehen“.

ちょっと一杯 chotto ippai. „chotto“ bedeutet „ein bisschen“, „ippai“ bedeutet „voll“. Eine Wenigkeit. Ein Minütchen. Eine Stunde ebend.

まず確認しましょう – mazu kakunin shimashō (siehe oben).

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