Japan-Almanach: Alles über das Leben und Reisen in Japan. Seit 1998.
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Trainspotting in Japan

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Japan ist ja weltweit bekannt für die shinkansen – die oft futuristisch geformten Expresszüge, die mit 300 km/h durchs Land brausen. Und das dauerhaft. Und seit Jahrzehnten. Aber auch abseits der Shinkansen-Routen ist das Land DAS Paradies für Trainspotter (Anm.: Zugenthusiasten, die gern auf Lauer liegen um einen besonders schönen Zug zu sehen). Es gibt zahlreiche andere Expresszüge, und den Preis für Vielfältigkeit erhält auf jeden Fall Japan.

Während der Goldenen Woche Anfang Mai war aus besonderem Anlass die Gelegenheit gekommen, im extravaganten romance car Expresszug der Odakyū-Linie (Privatlinie) von Shinjuku (in Tokyo) nach Hakone zu fahren. Nichts besonderes – es sei denn, man reserviert viele Wochen im Voraus. Denn: Man kann ganz vorn sitzen. Der Lokführer sitzt nämlich in der zweiten Etage – vier glückliche Passagiere sitzen also wirklich ganz vorn. Selbst Bahnmuffel bekommen da Spass am Bahnfahren. Die erste Reihe kostet übrigens nicht extra – man muss ebend nur schnell genug reservieren.

Es gibt auch eine moderne Version des romance car, die ein bisschen dem ICE ähnelt. Aber die alte Variante – siehe Photo – hat einfach mehr Stil.


Vorderansicht des Romance Car-Expresszuges im Bahnhof von Hakone-Yumoto. Der Lokführer sitzt oben.

Das Wort des Tages: 鉄道 (tetsudō). tetsu bedeutet „Eisen“, ist der „Weg“. Auf Deutsch „Eisenbahn“.

Klein-Irak auf Okinawa?

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Da kam doch diese Woche ans Licht, daß im vergangenen Jahr US Marines zusammen mit Einheiten der bōeitai (Japanische Selbstverteidigungskräfte, anderswo Armee genannt) eine Übung auf Okinawa absolvierten. Nichts besonderes, aber das Thema war „Unterdrückung zivilen aber gewalttätigen Protestes von Einheimischen gegen die Militärpräsenz“. Hintergrund: Die meisten amerikanischen Militärstützpunkte in Japan drängen sich auf der kleinen Hauptinsel von Okinawa. Und es gibt enormen Widerstand auf Okinawa, da es zum Beispiel zu Verbrechen von Soldaten gegenüber Zivilisten kam (Vergewaltigung eines Schulmädchens zum Beispiel). Allerdings war der Widerstand bislang immer friedlich.

In dem Manöver ging es nun darum, wie man mit Schlagstöcken gegen die Demonstranten vorgeht. Danke für diese Lektion, Amerika! So geht das also… Die bösen, bösen Insulaner von Okinawa müssen natürlich unbedingt gebändigt werden.

Interessant ist die Tatsache, wie die Information über das Manöver nach einem guten Jahr an die Öffentlichkeit kam – ein cleverer Student hatte einst ein kleines Programm namens Winny entwickelt. Dient der einfachen Übertrachtung von Dateien zwischen Computern über das Netzwerk (für Eingeweihte: ein schlichtes peer to peer file-sharing Programm). Winny ist extrem beliebt, hat aber einen Fehler: Es ist anfällig gegen ein paar Viren. Und schon gelangen die Daten ins Internet. Und da viele Japaner gern ihre Arbeit mit nach Hause nehmen, kam viel brisantes ans Licht. Unter anderem Material über Verteidigungsangelegenheiten (z.B. eine Strategieplanung namens „K-Peninsula„, nicht gerade ein echter Deckname) usw. Und die oben genannte Sache. Quasi von der Natur aus eher geheime Informationen.

Es gibt sogar noch eine Pointe: Als geübter Nachrichtenleser erwartet man nun ein Dementi vom Verteidigungsministerium, à la ‚Nein, die Übung gab es in der Form nicht‘. Nun, ein Dementi gab es, aber das lautete ‚Nein, diese Information war nicht geheim‘. Drollig.

Wort des Tages: 犬 (inu). Hund. Viele Japaner sehen ihr Land als Hund des Herrchens Amerika. Schaut man sich die Außenpolitik an, versteht man diese Sicht der Dinge nur zu gut.

Die Maikrankheit bricht aus

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Und schon ist die Goldene Woche zu Ende – dabei hatte sie gerade erst angefangen. Jedenfalls kam es mir und Millionen von Japanern so vor. Eigentlich zur Erholung gedacht, ist gerade der Beginn und das Ende der Goldenen Woche eher stressig, da alle Verkehrsmittel während des yu-taan (U-Turn, Rückreisewelle) extrem überfüllt sind. Und alle Sehenswürdigkeiten und Hotels. Kann ich ein Lied von singen, denn ich war die ganze Woche im Land unterwegs. Und so ist es kein Wunder, dass nach Ende der Goldenen Woche die gogatsu-byō (Mai-Krankheit) grassiert – auf Deutsch könnte man das auch als „Chronische Arbeitsunlust“ bezeichnen.

Einer der Feiertage der Goldenen Woche war der kodomo no hi – der Tag des Kindes. Findet jedes Jahr am 5. Mai statt. In Wirklichkeit spielen da allerdings nur die Knaben die Hauptrolle (weswegen auch in Japan Verfechter der gender free-Gesellschaft gegen die Tradition kämpfen, obowhl die Mädchen ihren eigenen Tag haben). Viele Familien mit männlichem Nachwuchs hängen dann grosse Windsäcke in Karpfenform auf – einer steht für den Vater, einer für die Mutter und dann jeweils ein kleinerer für jeweils einen Knaben. Ach ja, diese Karpfen sind richtig teuer! Es ist jedenfalls ein typisch japanischer Anblick und deshalb ziemlich bekannt. ‚Warum Karpfen!?‘ kann man berechtigt fragen. Geht wohl auf eine chinesische Legende zurück, nach der nur die Karpfen (bzw. Fische) zu Drachen werden, die den gesamten Fluss flussaufwärts schwimmen können. Und das erwartet man auch vom eigenen Sprössling – das er stark wird und sich durchsetzen kann.


‚Koinobori‘ – grosse Windsäcke in Karpfengestalt.

Das Wort des Tages: 鯉幟 (koinobori). koi ist der Karpfen, nobori das Banner.

Mikrokosmos Taxi

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Mikrokosmos Taxi

So viel wie heute bin ich selten mit dem Taxi gefahren. Die Entscheidung, ein Taxi zu nehmen, fällt aber auch nicht schwer wenn man zu viert mit viel Gepäck und wenig Zeit herumtourt. Und so ging es heute kreuz und quer durch Kyōto und später durch Chiba. Taxifahrer können überall durchaus interessant sein – ein anonymes 5- bis 50 Minuten-Gespräch zwischen Leuten, die sich wahrscheinlich nie wiedersehen werden.

Taxifahrer #1 sprach breiten Kansai-Dialekt (Gegend um Osaka) und war sehr offen: Er mag den Job, den macht er seit drei Jahren, eigentlich nicht. Viel Stress, vor allem abends, 14 Stunden pro Tag durchschnittlich. Er wäre lieber sarariiman, also jemand, der alltäglich ins Büro fährt. Naja, was den Stress und die Arbeitszeit anbelangt, konnte ich ihm nicht unbedingt rechtgeben. Aber er machte seinen Job gut: Fuhr unglaubliche Abkürzungen, war sehr schnell und sehr unterhaltsam. Hätte ihm gern Trinkgeld gegeben, aber das geht ja in Japan nicht.

Taxifahrer #2 sprach Kyōto-Dialekt. Schönes Japanisch, aber leider nuschelte er sehr stark. Selbst meine Frau verstand oft nicht, was er sagte. Er fragte, wie weit es nach Deutschland mit dem Flugzeug sei. 12 Stunden im Flugzeug!? Nein, das geht einfach nicht. No way. Nun ja, notwendiger Smalltalk, halbherzig durchgezogen. Aber alles in allem recht nett. Und sehr alt.

Taxifahrer #3 sprach eigentlich gar nicht. Nach Gion, sagte ich. Zum Ichiriki-Teehaus. Seine Antwort war nur ein Grunzen. Wie jetzt? „Kennen Sie das Ichiriki!?“ fragte ich sicherheitshalber. Danach grunzte er ein einziges „OK“. Irgendwie müssen wir ihn wohl gestört haben.

Taxifahrer #4 fuhr uns vom Bahnhof nach Hause. Und das nicht zum ersten Mal. Sieht aus wie ein Klavierlehrer. „Darf ich mir die Frage erlauben wo sie herkommen?“ fragte er mich. Deutschland. „Oh, ist ja bald Fussball-WM!“. Und so ging es los. Oliver Kahn. Wie, nicht mehr Nummer 1??? Jedenfalls kannte er sich aus. Erwähnte aber, dass er eher Baseball mag. Und selbst auch spiele – in der „Taxiliga“. Nein, Baseball ist in Deutschland schlichtweg nicht bedeutsam. „Aber in Deutschland soll es auch Zubehör geben“ sagte er. „Aber nur die Schläger“ antwortete ich. Er war verwirrt. „Wird von Jugendlichen benutzt, um jemanden zusammenzuschlagen“ erklärte ich. Und fügte hinzu „Deshalb gibt’s die Schläger, aber keine Bälle und keine Fanghandschuhe.“ Das fand er furchtbar witzig. Ich nur bedingt.

‚Falsche‘ Maiko (Nachfolgerin der berühmten Geishas) in Kyoto. Jede Japanerin kann für ein paar 10,000 Yen dieses Erlebnis haben. Klingt vielleicht gemein, aber diese Frau eignet sich nicht als Maiko… Aufgenommen heute in Kyoto.

Das Wort des Tages: 運転手 (untenshu). Der Fahrer. Auch für Taxifahrer.

Endlich Goldene Woche…

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Was ist das nun wieder, werden einige fragen. Auf Engrish (=japanisches Englisch) „Golden Week“ genannt, kennzeichnet die Goldene Woche eine Reihe aufeinanderfolgender Feiertage Anfang Mai. Es sind insgesamt vier Feiertage, die dieses Jahr auch so guenstig liegen, dass man nur zwei Tage frei nehmen muss um eine Woche ruhen zu können. Allerdings müssen auch nicht wenige in dieser Zeit (inkl. Feiertage) arbeiten. Meine Firma hält sich glücklicherweise an die Feiertage. Und den Montag und Dienstag, keine Feiertage nächste Woche, kann ich dank „Übertagen“ abbummeln.

Die Feiertage sind im speziellen midori no hi („Grüner Tag“) am 29. April, kenpō kinenbi (Jahrestag der Verfassungsgebung) am 3. Mai, der 4. Mai ist einfach nur so ein Feiertag, und der kodomo no hi (Kindertag) am 5. Mai.

Ich bekomme derweilen Besuch aus Deutschland – meine Eltern verschlägt es zum ersten Mal hierher – und es gibt diverse Familienfestivitäten. Ein volles Programm, teilweise genossen in vollen Zügen (denn ganz Japan ist unterwegs in der Goldenen Woche). Das wiederum bedeutet, dass dieser Blog wohl bis zum 8. Mai (oh, Jahrestag der Befreiung!) unangetastet bleiben wird.

In diesem Sinne wünsche ich allen in Japan wohnenden Deutschen eine angenehme Goldene Woche und allen in Deutschland einen schönen Start in den Wonnemond!


Narita Int’l Airport: Lange Schlange zu Beginn der Goldenen Woche in der Abfertigungshalle (aufgenommen gestern)

Das Wort des Tages ist ein angenehmes: 連休 (renkyū) – ren bedeutet „(aufeinander)folgen“, kyu bedeutet hier „ruhen, Urlaub“. Aufeinanderfolgende Ruhe- bzw. Feiertage.

Ein Jahr verstrichen und nichts gelernt?

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Das behaupten zumindest Opfer und Angehörige der Zugkatastrophe, die vor genau einem Jahr den Glauben der Japaner in ihr effizientes Verkehrssystem erschütterte. Zur Erinnerung: Vor einem Jahr geriet eine Vorortbahn der JR West (JR=Japanese Railway) bei 100 kmh aus einer Kurve bei Amagasaki (zwischen Kōbe und Ōsaka). Ein Waggon wickelte sich dabei regelrecht um ein nahestehendes Wohnhaus. 107 Menschen starben, einige konnten erst Tage später geborgen werden, und über 500 wurden verletzt. Grund dafür, dass der nur 23 Jahre alte Fahrer mit 100 statt 70 kmh in die Kurve ging, war wohl eine vorangegangene, 90-sekündige (!) Verspätung. Die hätte ihm harsche Strafmaßnahmen eingebrockt, denn JR ist da wohl nicht zimperlich.

Das seitdem alles besser wurde wird nun arg bezweifelt. JR West erliess einige wichtige Maßnahmen – die Strafen sind nun wohl milder, Elektronik vor Kurven drosselt die Geschwindigkeit, der Zeitplan wurde etwas gelockert usw., aber es bleibt wohl viel zu tun. Gestern zum Beispiel wurde die Yamanote-Ringlinie tagsüber für 5 Stunden stillgelegt – Grund war eine grosse Unebenheit vertikalerseits an einer Stelle. Das hatte freilich auch Auswirkungen auf viele andere Linien. Zumal sich allein gestern mindestens zwei Leute vor die Bahn geworfen haben. Kurzum, es herrschte grosses Chaos. Und man kann von Glück reden, dass ein aufmerksamer Fahrer die Unregelmässigkeit rechtzeitig erkannt hatte. Das japanische Nahverkehrssystem ist in der Tat beeindruckend und sehr effizient, aber man darf nicht vergessen, dass es nicht perfekt ist.

Das Wort des Tages: 通勤 (tsūkin) – tsū bedeutet fahren/passieren, kin steht für Arbeit. Tsukin bedeutet von der/zur Arbeit fahren. Mehr zum wahnsinnigen Berufsverkehr an anderer Stelle.

Endlich: Café für weibliche Otaku eröffnet!

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Heuer hat Ikea in Japan die Pforten geöffnet – nur 10 Minuten von mir entfernt. Aber wen interessiert das schon – viel wichtiger war der Beitrag auf Seite 2 der heutigen Japan Times: Lang und breit wurde dort über ein neues Café berichtet, welches einer besonderen Clientel dient – weiblichen Otakus. Wem der Begriff nichts sagt – siehe unten. Es gibt ja etliche Maid cafés in Japan, viele übrigens in Akihabara, in denen gar süsse Mägdelein, ganz wie in unschuldigen Mangas, servieren. Was ist aber mit den comicbesessenen Frauen!? Die zieht’s seit kurzem nach Ikebukuro. Dort lockt das Swallowtail Café (Schwalbenschwanz-Cafe), in dem in englischem Landhausambiente knackige Männer die Gäste in gekonnter Butler-Manier umsorgen.

Scheinbar eine clevere Geschäftsidee – der Laden ist bis Mitte Mai ausgebucht. Die Manga-Kultur nimmt kein bisschen ab. Alle Sorten sind vertreten und beliebt. Und manche schämen sich auch nicht, pornoartige Mangas in vollbesetzten Zügen zu lesen. Mittlerweilen scheint es sich jedoch leider auch in Japan herumgesprochen zu haben, dass es wohl viele deutsche Manga-Otakus gibt. Ein Deutscher der Japanisch spricht? Dann muss er wohl ein Otaku sein. Hab ich schon gelegentlich gehört. Manchmal nervt das ein wenig – vor allem wenn man kein Manga-Fan ist.

Das Wort des Tages: お宅 (otaku). Otaku ist ein höfliches Wort für „zu Hause“. Und als Anrede („Sie“), obwohl leicht veraltet. Heute kennzeichnet es auch von irgendeiner Sache, meist Manga, fanatisch Begeisterte. Das Wort hat in dem Sinne eine eher schlechte Bedeutung, obwohl sich mehr und mehr Menschen als „Otaku“ outen. Wie übersetzt man es nun? Stubenhocker? Hoffnungsloser Fan? Begeisterter? Das bleibt jedem selbst überlassen.

Moderne Kunst ist doch totaler Mist…

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…sagte doch tatsächlich mein spezieller Freund Ishihara, seines Zeichens Gouverneur von Tokyo seit vielen Jahren und ein ausgemachter Nationalist, der schon oft durch sogar George Bush übertreffende Aussagen Schlagzeilen machte. Gestern eröffnete er nun eine Ausstellung für moderne Kunst, gesponsert von Cartier, und bemerkte in seiner Rede, dass das, was er auf der Aufstellung so sieht, er grösstenteils für Krempel hält. Und dass die japanische Kunst der westlichen sowieso überlegen ist. Alle Achtung! Das nenne ich ein prall gefülltes Fettnäpfchen. Im letzten Jahr war es die französische Sprache, die er attackierte – man könne ja in der Sprache noch nicht mal richtig zählen, mokierte er (wahrscheinlich bezog er sich auf die Tatsache, dass es kein Wort für 80 gibt, sondern nur quatre vingt – 4 (x) 20).
Ein weiterer, noch schlimmerer Fehltritt war die Bemerkung, dass man im Falle einer Erdbebenkatastrophe die Ausländer gut im Auge behalten sollte, denn die könnten ja dann Ärger machen. Bravo, Ishihara-san! Eigentlich wollte ich heute keinen Eintrag im Blog machen, aber das war zu köstlich.


Alles Mist: Moderne Kunst, hier eine Videoinstallation am Akiba-Gebäude in Akihabara

Und hier das Wort des Tages: ガラクタ (garakuta) – dieses Wort benutzte Ishihara in seiner Rede über moderne Kunst. Bedeutet Kram, Krempel bzw. Klamotten. Wird mal in Katakana, mal in Hiragana geschrieben.

Den nächsten Inselkonflikt bitte…

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Auf die Gefahr hin, die Leser dieses Blogs zu langweilen, aber es bestimmt gerade die Medien sehr stark hier und birgt einige Brisanz: Der Streit mit den Nachbarn um karge Eilande. War es Anfang der Woche noch der Streit mit China um die Okinotori-Inseln (siehe diesen Beitrag), so ist es dieses Mal der Streit mit Südkorea um die Takeshima-Inseln, in Korea Dokdo-Inseln. Auch als Liancourt-Felsen (ja, Felsen!) bekannt. Einwohnerlos und kaum brauchbar. Die Handvoll Inseln, keine 0.2 km² gross insgesamt, liegen zwischen Pusan in Südkorea und Matsue (Präfektur Shimane). Die Japaner wollen zwei Schiffe der Küstenwache losschicken um die „topographischen Gegebenheiten des Meeresbodens in der Gegend der Takeshima-Inseln“ durchzuführen. Südkorea war sofort alarmiert: Es schickte dutzende Schiffe der Küstenwache los, drohte mit Gewalt und nunmehr folgten heftige anti-japanische Proteste in Südkorea. Und das alles in dieser Woche! Das Problem gerade in Ostasien ist, dass auch in der Politik das Prinzip des Gesichtsverlusts starken Einfluss zu haben scheint: Entgegen jeglicher Logik wird eisern an Beschlüssen festgehalten. Nun muss man sehen, wie einer (und wenn dann wer) den Kürzeren zieht ohne das Gesicht zu verlieren. Man darf gespannt sein.

Dieser Konflikt um die Takeshima bzw. Dokdo-Inseln ist nicht neu. Trotzdem ist es eine brisante Angelegenheit (die endlich mal geklärt werden sollte!). Übrigens geht es auch hier freilich nicht um die Inseln selber, sondern 1)ums Prinzip und 2) um die Umgebung der Inseln – in diesem Fall sehr ergiebige Fischgründe.

Es geht den Japanern im wesentlichen auch darum, dass Korea aufhört, die Namen alle umbenennen zu wollen. Ich werde ja als Author der Seiten von tabibito.de oft angegriffen – von Albanern deshalb, weil ich Kosovo statt Kosova schreibe, von Türken weil ich den Massenmord an Armeniern erwähne usw. – und von Koreanern, die mich drängen, auf meiner Korea-Seite den Begriff „Japanisches Meer“ in „Ostmeer“ umzuändern (es gibt eine regelrechte Bewegung, die sich zum Ziel gesetzt hat, international den Namen East Sea anstelle von Sea of Japan zu verwenden. Nun gut, genausogut bekomme ich Mails von nationalistischen Japanern, die mir erklären, dass die Annektion Koreas von 1910 bis 1945 eigentlich nur zum Wohl der Koreaner geschah. Das hebt sich auf (denn über meine Kosovo-Seiten beschweren sich Serben und Albaner), und so ficht mich das oftmals nicht an…

Übrigens: Auch heute gab es wieder ein Erdbeben. Mit 5.2 auch ein stärkeres, mit dem Epizentrum bei Odawara. Aber das Beben kam tief in der Nacht – und so ein Schaukeln weckt mich ganz bestimmt nicht auf.

Das Wort des Tages: 領土問題 (ryōdo mondai). Ryodo bedeutet „Territorium“, „Mondai“ = Streit. Sprich Gebietsstreit.

Filmkritik: Minbō no onna (dt: Die Kunst der Erpressung)

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Wo ich doch neulich erst „Tampopo“ vorgestellt habe, kann ich doch gleich einen weiteren Film von Juzo Itami vorstellen.
Das Wort „Minbo“, irritierenderweise in Katakana geschrieben, steht für „Spezialgebiet Gewalt durch zivile Einmischung“. „no onna“ bedeutet „Frau für…“. Diese wird verkörpert von Nobuko Miyamoto, ihres Zeichens Ehefrau des Regisseurs (sie spielte in vielen seiner Filme die Hauptrolle. Hinter „minbo“ steckt eine alte Yakuza-Technik: Sich so lange mit allerlei Mitteln einmischen bis gezahlt wird. Die „minbo no onna“ jedoch macht als kompetente Anwältin den Yakuza-Clans das Leben schwer. Sie wurde von einem erpressungsgeplagten Hotel eigens dafür angestellt. Minbo Die erst kuschenden Angestellten, die ihr zur Seite gestellt wurden, mausern sich dabei zu furchtlosen Rächern. Ende gut alles gut – na gott sei dank, die Yakuza sind gar nicht so schlimm, könnte man nun denken. Allerdings schlägt die Yakuza zurück.

Meine zwei Yen: Ein hochinteressanter Film, wenn auch mitunter vorhersehbar. Der Film öffnet einen Spalt breit die Tür zur mysteriösen Unterwelt Japans. Vor hunderten von Jahren genauso aktuell wie heute.

Hintergrundwissen: Obwohl als Komödie gedacht, hatte der Film ein blutiges Nachspiel: Mehrere Yakuza verletzten den Regisseur nach Veröffentlichung des Filmes schwer mit Messern.

Das Wort des Tages: やくざ Yakuza. Die japanische „Mafia“. Durchaus präsent wenn man genauer hinsieht.

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