Japan-Almanach: Alles über das Leben und Reisen in Japan. Seit 1998.
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Naturparadies in Japan: Nordhokkaido

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Geschafft: Zwei weitere Seiten gesellen sich zu meinen Japan-Seiten. Entstanden nach einer Tour in Japans hohen Norden zu den entlegenen Inseln Rebun und Rishiri:

http://www.tabibito.de/japan/rishiri.shtml

und

http://www.tabibito.de/japan/rebun.shtml

Da würde mich aber doch mal folgendes interessieren: Wer von den Lesern könnte das essen, was auf dem Bild ganz rechts unten auf der Rishiri-Seite abgebildet ist? Seeigel, fangfrisch. Zu beachten: Das gute Tier bewegt sich noch – und versucht noch 15 Minuten später zu fliehen!

Alter Schwede

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Heute war ich zum ersten Mal in meinem Leben bei IKEA. Reichlich spät, dürfte ja der Eine oder Andere denken. Die Haferkekse von Ikea waren mir allerdings schon vorher bekannt – dank des Lebens in einer WG.

Eigentlich suchten wir ein Möbelstück für unsere Küche. Das Gedränge war gross bei IKEA in Minami Funabashi und der Laden viel kleiner als gedacht. Von aussen sieht es ja gross aus, aber die Hälfte scheint aus Parkplätzen zu bestehen.

Wir liessen uns ein Mal quer durchs Parcour schieben, wobei mit lange stehenbleiben nicht viel war (an Wochenenden besuchen wohl rund 40,000 Leute pro Tag das Geschäft). Dadurch wurde es schnell belastend. Lediglich die Kinderabteilung hat es uns angetan – da werden wir wohl, so wir ab Januar zu dritt sind, öfter mal reinschauen.

Wie auch immer – zwischen all den Björn und Knut und Olafsons fanden wir nicht, was wir suchten. Trotzdem gab es ein Happy End: Die Lebensmittelabteilung. Marinierte Heringshappen in Dillsauce! Wie habe ich mich danach gesehnt! Und schwedisches Bier! Ich war restlos begeistert. Haferkekse haben wir allerdings nicht mitgenommen.

Grosses Gedränge bei Ikea in Japan
Grosses Gedränge bei Ikea in Japan

Das Wort des Tages: 家具 (kagu). ka ist das Haus (auch Familie), gu bedeutet -ding oder -zeug. Zusammengesetzt: Möbel.

Olympiade in Tokyo?

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Gestern wurde es bekanntgegeben – Tokyo wird offizieller Olympiabewerber Japans für die Sommerolympiade 2016. Das wäre das zweite Mal. Durchgesetzt hatte sich Tokyo gegen das lebhafte →Fukuoka.

Im Zuge dessen wurden erste konkrete Pläne laut: So möchte man für die Olympiade den Yoyogi-Park (bei →Shinjuku) abholzen. Au ja! Wir haben ja auch so viele Grünflächen hier! Klasse! Dem Bürgermeister Ishihara sind wohl eher die Obdachlosen, die dort zelten, ein Dorn im Auge…

Wenn ich das höre, hoffe ich, dass z.B. eher Hamburg den Zuschlag bekommt. Wie als Beweis dafür, dass die Natur etwas dagegen hat, gab es gestern auch zum ersten Mal seit langem ein stärkeres Erdbeben. Keine Schäden, aber es gut gewackelt.

Das Wort des Tages: 緑地 (ryokuchi). ryoku bedeute „Grün“, chi bedeutet „Land, Boden“. Auf Deutsch Grünfläche. Davon gibt es für parkverwöhnte Europäer nicht sehr viel. Tokyo Stadt hat zwar mehr als vier Mal so viele Einwohner als Hamburg, ist aber flächenmässig kleiner.

Immer diese radikalen kommunistischen Mönche…

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Yosei Arakawa schmückte heute die Titelseite der „Japan Times“. Kein Bekannter, aber ein Interessanter: Jeniger ist buddhistischer Mönch – und wurde 2004 festgenommen, als er Flugblätter für die Kommunistische Partei Japans in einem Haus verteilte.

Nun ist diese Partei (auf Neu-Japanisch JCP) keineswegs verboten. Auch das Flugblattverteilen nicht. Trotzdem rief ein Anwohner die Polizei und die sperrte ihn 23 Tage wegen Hausfriedensbruchs ein. Danach folgte ein anderthalbjähriger Prozess.

Den hat Arakawa endlich gewonnen: Zwar stand im besagten Haus am Eingang „Werbung unerwünscht“, aber das gilt nicht für politische Parteien, befand das Gericht.

Ein buddhistischer Kommunist. Bzw. kommunistischer Buddhist. Allein dafür muss man Japan lieben.

Das Wort des Tages: 共産党 (kyōsantō). Die kommunistische Partei. kyō bedeutet Gemeinsam-, -san das „Gut“ und -tō ist die Partei. Sind im Unterhaus vertreten.

Momi Momi…(=Massier Massier…)

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In Japan sind sie ja schon lange in und werden in jedem auch noch so kleinem Elektronikladen feilgeboten: Massagestühle. Wenn man der Werbung Glauben schenken darf, leidet nämlich jeder hier an Schulter- und Rückenverspannungen. Dagegen gibt es tausende Mittelchen. Oder die eigenen Kinder oder der Partner usw – sich gegenseitig zu massieren hat in Japan Tradition und das mit den Kindern, die ihre Eltern massieren, ist völlig normal.

Wer allerdings kein eigenes Kind zur Hand hat oder keinen Partner (bzw. einen Partner dem nicht nach Massieren ist) muss nach anderen Wegen Ausschau halten. Und so erfand man die Massagestühle. Es stehen in allen Kaufhäusern welche zur Probe herum, und die sind immer gut belegt von neugierigen Kunden (obwohl viele bestimmt Stammkunden der heissen Sessel sind). Heute habe ich mich selbst mal einem solchen Gerät anvertraut. Schade dass die Sessel etwas klein sind von der Länge her. Dann ging das Klopfen, Rütteln und Vibrieren los. Luftdruckmanschetten umschlossen meine Beine – wehe, wenn das Gerät mit Windows XP läuft und sich aufhängt!

Der Spass hat freilich seinen Preis. Den billigsten gab es für 60,000 Yen (rund 420 Euro), die richtig teuren Luxusanfertigungen mit Mäusekino (siehe Photo) kosteten 340,000 Yen (2,500 Euro – Anm: der besagte Laden ist extrem billig).

Trotz alledem – ich glaube, man hat so ein Gerät schnell über. Ein Bekannter von uns ist übrigens mal in so einem Gerät eingeschlafen (verständlich) und konnte sich am nächsten Tag kaum noch bewegen. Also nicht vergessen: Unbedingt Timer anstellen. Noch viel besser: Sich vom Partner massieren lassen (schaltet sich auch automatisch ab!).


Keine Bange: Kann man auch ohne Pilotenschein bedienen!

Das Wort des Tages: 揉む (mo-mu). Verb. Bedeutet „kneten“, aber auch „massieren“. Das Schriftzeichen ist leicht zu merken: Der rechte Teil bedeutet „weich, sanft“ (das Jū in Judo!), das linke Radikal bedeutet „Hand“. Ach, Schriftzeichen sind so schön logisch!

Die Welt ist klein…

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„Warum weicht die Frau nicht aus sondern läuft direkt auf mich zu?“ fragte ich mich so als ich heute in Ebisu – ein sehr quirliger Stadtteil in Tokyo und mein Arbeitsplatz – mein Mittag kaufen ging. Die gute Frau wich immer noch nicht aus, sondern sagte plötzlich auch noch meinen Namen.

Als nächstes kam die Frage „Erinnerst Du Dich an mich?“. Der Albtraum eines jeden mit akut schlechtem Personengedächtnis. Zumal ich in Deutschland, ohne zu übertreiben, mit hunderten Japanern während meiner Arbeit als Tutor, Lehrer und Dolmetscher zu tun hatte.

Das Gesicht kam mir jedenfalls irgendwie bekannt vor, aber Namen oder Zeit konnte ich nicht zuordnen. Es stellte sich heraus, dass ich ihr einst als Tutor in Wittenberg Deutsch beibrachte. Vor 6 Jahren oder so. Ihre Firma ist nur 100 m von meiner Firma entfernt. Nach Visitenkartenaustausch sagte ihre Kollegin auch noch „Das ist ja toll. Können wir Werbung auf Eurem Portal schalten?“ So schnell geht’s zum Geschäft hier…

Das Wort des Tages: 偶然 (gūzen) – der Zufall (gū ist der Zufall, -zen die „Art und Weise“).

Das Ende des Sommers?

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Langsam fallen mehr und mehr tote Zikaden von den Bäumen und die Brauereien beginnen, ihr akinama (Herbstbier) genanntes Gebräu auf den Markt zu werfen. Letzteres unterscheidet sich vom normalen Bier durch mehr roten Farbstoff und höherem Methanolgehalt. Der Geschmack ist freilich genauso fad wie sonst auch.

Die Zikaden tun mir jedoch jedes Jahr leid. In der Region um Tokyo fallen vor allem die aburazemi (siehe unten, Wort des Tages) auf. Die guten Tierchen sind daumengross (bis zu 6 cm lang) und ziemlich gut getarnt, wenn sie auf Bäumen sitzen. Würden sie nicht durch ihren grossen Körper und das laute „Jiii….Ji Ji Ji JIIII!“ auffallen.

„Müssen die so brüllen!?“ könnte man nun unwissend fragen. Wäre man aber selber rund 7 Jahre im Erdboden vergraben und hätte danach nur drei Wochen Zeit, sich zu paaren, würde man wahrscheinlich genauso laut brüllen. Kinder lieben die Tierchen auch – man kann sie regelrecht vom Stamm pflücken, indem man sie mit den Fingern an den Flügelansätzen packt. Die Zikade protestiert dann meist lautstark mit einem ganz anderen Geräusch.

Wer japanische Filme sieht – ob echte oder Mangas – wird schnell auf das Zikadengeräusch stossen. Zikaden = Sommer. Ich würde sie in Deutschland sehr vermissen. Was das Wetter anbelangt, ist der Sommer aber noch lange nicht am Ende – es ist sehr heiss und schwül, die Nächte sind tropisch.


Irren sich oft in ihrer Platzwahl: Zikaden

Das Wort des Tages: アブラゼミ(油蝉) (aburazemi). (Anmerkung: Tiernamen werden meist in Katakana geschrieben). abura bedeutet „Öl“, semi (bzw. zemi) sind die Zikaden. Die heissen nicht so, weil sie schillern, sondern weil ihr Geräusch dem ähnelt, wenn man etwas in siedendes Öl wirft: Jiiiiiiii….JiiJiiJiiJii usw. (j wie in jet).

Ein Tag an der deutschen Pazifikküste

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Nun ist es schon über ein Jahr her, dass ich zum letzten Mal in Deutschland war. Da freut man sich dann doch über etwas Deutsches – und sei es nur ein deutsches Bier. Oder eine Nacht in der deutschen Familienpension Green Club auf der Bōsō-Halbinsel rund 120 km östlich von Tokyo und 100 m vom Pazifik entfernt.

Und wir waren überrascht – es sah innen wirklich etwas „deutsch“ aus, ohne allzu kitschig zu wirken. Wie eine deutsche Landpension, mit entsprechenden Betten und Gardinen und gepflegter Gaststube. Mit deutschem Essen, selbstgemachten Brötchen usw. Das Essen war auch richtig gut, nur das äusserst zähe Rumpsteak erinnerte mich an Schulspeisungszeiten. Ach ja, und Bitburger vom Fass sowie diverse exotische Weizenbiersorten gab es auch. Ansonsten Hut ab – schöne Lage, Atmosphäre, Essen – 12,000 Yen inkl. Abendessen (Bier kostet leider extra) und Frühstück sind gerechtfertigt.


Strand von Awa-Kamogawa (Chiba) – zählt zu den 100 schönsten Stränden Japans. Fahrtzeit von Tokyo: gute 2½ Stunden

Das Wort des Tages: 懐かしい (natsukashii). Hört man sehr oft von Japanern, ist aber nicht leicht zu übersetzen. Es wird benutzt, wenn man etwas macht (oder machen kann oder darüber hört) usw., was man früher sehr gern gemacht (gegessen/gesehen usw) hat. Wenn ich also zum ersten Mal seit Monaten ein gutes (!) Fassbier trinke oder vor Augen habe, ist das, was ich dabei fühle, mit dem Wort „natsukashii“ komplett gesagt.

* * * * * und Spitzenhäubchen

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Liebhaber alter Filme werden sofort wissen, worum es geht: Arsen. Japaner scheinen eine Vorliebe für dieses althergebrachte Meuchelmordgift zu haben.

Wie ich darauf komme? Wie die Schmeissfliegen umkreisten heute morgen diverse Hubschrauber unsere Wohngegend und störten die sonnabendliche Morgenruhe. Das macht dann doch irgendwann nervös – ganz offensichtlich handelte es sich um die Presse.
Später kam es dann tatsächlich in den Nachrichten: Jemand rief heute morgen im hiesigen Rathaus an und gab bekannt, dass er das Wasser der beiden städtischen Badeanstalten mit Arsen vergiftet habe. Darunter also die Schwimmhalle, in der ich allwochenendlich meine paar Kilometer schwimme. Und das Freibad, das gerade mal 300 m von uns entfernt liegt.
Natürlich wurden die Pools sofort gesperrt – der Anruf kam wenigstens kurz vor Beginn der Öffnungszeit. Das Wasser wird momentan analysiert. Ich halte es für eine Finte, denn wer macht sich schon die Mühe, so viel Arsen zu besorgen und dann vorher zu warnen. Mal sehen.

Erinnert unweigerlich an den Arsen-Curry-Fall 1998: Damals mischte in Wakayama eine Frau Arsen ins Curry bei einer Gemeindefeier. 67 Leute wurden mit Vergiftungserscheinungen ins Krankenhaus gebracht, 4 Leute davon verstarben. Die Täterin wurde zum Tode verurteilt (momentan in Berufung).

Ist Arsen so leicht zu beschaffen hier? Scheinbar schon, denn es gab auch andere Fälle mit Arsen. Wenn also nach dem Sushi die Haut kalt und nass wird, sollte man schnellstens einen Arzt aufsuchen…

Das Wort des Tages: ヒ素 (砒素) (hiso). Arsen. Da das erste Schriftzeichen nicht zu den gebräuchlichsten gehört, wird das erste Zeichen oft mit Katakana geschrieben (-so bedeutet Element, fast jedes Element endet auf -so).

Zurück aus dem hohen Norden

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Rund 3000 km mit der Eisenbahn, gut 100 km mit diversen Fähren und viele hunderte Höhenmeter – das ist die Bilanz des kleinen Ausflugs auf Hokkaido. Begleitet von verhältnismässig gutem Wetter, hoffnungslos überfüllten Zügen und Eindrücken, wie ich sie kaum in Japan vermutet hätte.

Mich interessierte die Frage „Wie nordisch ist der hohe Norden Japans“. Landschaftlich gesehen. Antwort vorweggenommen: Mehr als gedacht. So stellt man sich Shetland oder die Lofoten vor. Getrieben wurde ich auch von dem Wunsch, Natur zu erleben. Wenn möglich bei Temperaturen unter 35 Grad und nicht so vielen Leuten. Geglückt? Von Verkehrsmitteln mal abgesehen ja.

Mehr dazu aber später auf diesen Seiten. Habe heute stehend (!) 6 Stunden im Shinkansen verbracht. Von Akita nach Tokyo. Eigentliche Fahrtzeit ist ja 4 Stunden, aber bei Wolkenbrüchen in den Bergen kann es leichte Verspätungen geben.


Von wilder Schönheit: Die Rebun-Insel nordwestlich von Hokkaido

Das Wort des Tages: 遅刻 (chikoku). Verspätung. Gibt es aufgrund der extremen Wetterbedingungen durchaus oft in Japan.

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