Japan-Almanach: Alles über das Leben und Reisen in Japan. Seit 1998.
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Wieso ausgerechnet Japanisch!? Episode II

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Um Episode 1 fortzusetzen – keine Sorge, es werden weniger als bei Star Wars – eine der Japanerinnen war sehr freundlich, mir auf zahlreichen Seiten handschriftlich eine Einführung in die japanische Sprache zu geben. Ein wertvolles Geschenk, zumal es vor 10 Jahren noch keine wirklichen Unterrichtsunterlagen für Japanisch in Deutschland gab. Da ich vorher schon mal etwas Chinesisch gelernt hatte, war mein Interesse für Japanisch (und vergleichende Sprachwissenschaft) schnell da.

Dazu kamen noch weitere Umstände. Einer war privater Natur. Der andere – als damaliger Student der Diplom-Geographie hatte ich zwei Wahlpflichtfächer zu belegen und zudem noch studium generale-Vorlesungen (festgelegte Stundenzahl, egal welches Fachgebiet, so lange es nicht mit dem eigenen zu tun hat). Just zu dieser Zeit hatte das Institut für Japanologie seine kleinen aber feinen Pforten geöffnet. Und Japanologie stand als Wahlpflichtfach zur Verfügung. Damit begann der Teufelskreislauf. Erstmal ging es allerdings auf kleine Weltreise – erst nach Indien, dann nach Japan. Einen grösseren Kulturschock konnte man sich nicht vorstellen. Nach anderthalb Monaten ging es wieder zurück zum Studium. Japanologie ohne Sprache? Nein, das konnte ich nicht annehmen. Also Sprachkurse belegt. Anfangs waren wir rund 15 Studenten, nach anderthalb Jahren nur noch drei. Wer Japanisch lernt, hat automatisch mehr und mehr mit Japanern zu tun. Zum Beispiel als Tutor. Später als Reiseleiter. Dann als Übersetzer. Usw. usf. Mangels „echter“ Japanologie-Studenten bot man mir sogar eine Studenten-Stelle im Institut an. Und fragte mich, ob ich nicht gänzlich zur Japanologie umschwenken wolle. Nein, wollte ich nicht. War ja schliesslich mit dem anderen Studium beschäftigt. Im Nachhinein wäre es wohl doch keine schlechte Idee gewesen…

Episode III wird wohl doch noch kommen. Thema: Wie lernt man Japanisch. Nein, kein Universalrezept. Aber vielleicht hilft es trotzdem jemandem.


Blick ins kanwa jiten – ein Wörterbuch für Schriftzeichen im Japanischen. Auf den ersten Blick fallen einem dazu nur zwei Wörter ein: Schwein. Und Uhrwerk. Dabei ist das ganze einfach ganz logisch.

Das Wort des Tages: 鬱陶しい(うっとうしい) (uttōshii). Wird fürs Wetter benutzt und bedeutet „deprimierend“. Jeden Tag Regen. Dabei beginnt doch die Regenzeit erst noch…

Frage an die Leser – könnt Ihr die Schriftzeichen überhaupt sehen oder erscheint nur Zeichensalat wie @;$#=^\?

Womit sollen wir bloss in Zukunft essen???

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Werden sich wohl viele Japaner angesichts der heutigen Nachrichten denken. Es geht um Stäbchen, genauer gesagt um die allseits beliebten Wegwerfstäbchen aus Holz. Kleine Statistik: Allein in Japan werden 25 Milliarden Wegwerfstäbchen pro Jahr verbraucht – das sind ziemlich genau 200 pro Person! Zur Erinnerung – das Jahr hat 365 Tage. Und Kleinkinder essen nicht mit Stäbchen. Ergo isst die Mehrheit mindestens ein Mal am Tag damit. Im Büro, im Park oder im Restaurant. Nur in der Familie gibts die abwaschbaren Stäbchen.

Aber nun ist Gefahr im Verzug: Gut 97% der Stäbchen kommen aus der VR China. Die Chinesen wollen nun eine 5%-Steuer erheben – aus Sorge vor der Abholzung der chinesischen Wälder. Und es gibt Gerüchte, dass man in 2008 die Produktion und den Export ganz einstellen will. Die ersten Reaktionen auf die Nachrichten: Eine Restaurantkette hat Plastikstäbchen eingeführt, die man 130 mal (!) wiederbenutzen kann. Frag mich ja wer das mitzählt… Eine Convenience-Store-Kette (Anm: Mini-Supermärkte mit Fast-Food-Essen, die 24 Stunden geöffnet haben) gibt nun nur noch auf Aufforderung Stäbchen heraus.

Vielleicht machen’s ja bald auch mehr Leute so wie ich – und bringen ihre eigenen, richtigen Stäbchen ins Büro mit.

Das Wort des Tages: 割箸 (waribashi): wari- heisst „teilen“ oder „brechen“, bashi (hashi) sind die Stäbchen. Die Holzstäbchen müssen ja erst auseinandergebrochen werden – Beweis, dass man sie als Erster benutzt.

P.S. Episode II kommt in Bälde.

Wieso ausgerechnet Japanisch!? Episode I

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Wurde ich schon so oft gefragt, dass ich gar nicht mehr drauf antworten möchte. Aber um den letzten Kommentar mal aufzugreifen – in der Tat steht zu diesem Thema rein gar nichts in meinen Seiten. Wie kommt man ausgerechnet auf Japanisch?

Scheinbar müssen gewisse Bedingungen herrschen, um sich für die Sprache zu interessieren. Zum Beispiel das man grosser Japan-Fan ist. Und/oder Manga- oder Kampfsportfan. Ich zähle allerdings nicht zu der Sorte. Mangas können mich nicht besonders erwärmen, und Kampfsport…ein bisschen Jūdō vor vielen Jahren und das war’s auch schon. Japan war für mich vor gut zehn Jahren ein fernes Land, dass ebend einfach da lag wo es war. Wie so viele konnte ich mir damals nicht mehr als ein paar Vorurteile ausmalen.

Eines Tages gab es jedoch mal wieder eine Ausländerparty im Studentenwohnheim. George aus Kamerun machte Musik und vierzig Studenten aus 41 Ländern feierten ausgelassen. Diese Partys waren jedesmal schlichtweg lustig. Dort sprangen an einem Tag auch plötzlich ein paar aufgeweckte Japanerinnen herum. Plötzlich überfielen sie mich.

„Wie heisst Du?“
„Matthias…“
„Wo wohnst Du?“
„Gleich um die Ecke, in dem Wohnheim dadrüben!“
„Oh, wir auch! Können wir Dich besuchen?“

Eine Welt brach zusammen. Japaner kannte ich bis daher nur als scheue Wesen, die in Rudeln leben und beim kleinsten Anzeichen von Gefahr verschwinden (man mag mir die Ironie verzeihen). Gesagt, getan. Am nächsten Tag stand eine Abordnung von 3 Japanerinnen vor meiner Tür. Mit vollen Töpfen. Und es wurde ein sehr lustiger Abend.

Schnell stellte sich heraus, dass in der Etage unter mir zehn Japaner lebten. Zwei Männer, acht Frauen. Für ein Jahr. Und seit besagtem Abend war beinahe jeden Abend eine Abordnung bei mir. Wir zogen durch die Klubs und Kneipen, spielten Karten bis früh am Morgen und hatten viel Spass. Aus „den Japanern“ wurden „Menschen wie Du und ich“. Gute Freunde ebend.
Wie es weitergeht? Demnächst hier, auf diesem Sender…

Oh, und hier kommt das allererste Wort, das ich auf Japanisch gelernt habe – das Wort des Tages: バカ(馬鹿)- baka. Bedeutet ‚dumm‘. Wird in Japan sehr oft benutzt – mal ernst, oft aber aus Spass.

Herzensgüte auch in Japan!

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Da liefen wir also zu viert durch Ōsaka vor einer Woche – meine Eltern, meine Wenigkeit und meine Frau. Eigentlich waren wir sehr erschöpft und wollten deshalb irgendwo in unmittelbarer Nähe des Hotels essen. Also fragten wir die Rezeption. Machen wir oft so. Und sie gaben uns ein paar Tipps. Wir endeten dann im Kisōji (Nähe Nanba). Eine kleine Kneipe. Normalerweise gibt es immer ein otōshi (sehr kleines hors-d’œuvre) wenn man eine japanische Kneipe betritt. Hier gab es gleich rund zehn davon – der Tisch war beinahe schon voll. Die Bedienung war sehr nett und das Essen okay. Und die Gäste waren sehr laut und sprachen im schönsten Kansai-Dialekt.

Es war jedenfalls interessant und lustig. Dann ging es ans Bezahlen. 10’950 Yen (rd. 80 €, durchaus normal für vier Leute). Wir erzählten ihm dass uns das Hotel empfohlen hätte. ‚Oh, na dann 500 Yen weniger‘. So funktioniert Kapitalismus. Wir plauderten ein bisschen. Er wusste gleich, dass wir nicht aus Amerika sind, sagte der Wirt. Und war begeistert zu erfahren wo wir herkommen und warum wir hier sind. Schliesslich sagte er „Na ja, 10’000 Yen“. Kurz darauf: „Was soll’s, 9’000 Yen.“ Ja, das gibt’s auch in Japan.

Erinnerte mich ein kleines bisschen an 1989. Am 11. Nov fuhr ich mit meinen Eltern nach Westberlin. Gut einen Tag vorher wurde die Mauer geöffnet. In Westberlin kam ein grimmig dreinblickender Mensch auf uns zu. Und gab uns seine Tageszeitung und brummte ‚Hier, könnt ihr lesen. Willkommen‘. Seitdem wusste ich, dass der Westen nicht so schlecht sein könne wie uns einst täglich erklärt wurde. Herzensgüte ist doch etwas schönes und kommt gottseidank überall vor.

Vielleicht denkt jetzt so mancher Leser „Der ist aber leicht zu begeistern“. Stimmt. Es sind diese kleinen Dinge, die mich begeistern.

Das Wort des Tages: 関西弁 (kansaiben). Kansai ist die Region rund um Osaka. -ben ist der Dialekt. Kansai-ben kann man ein bisschen mit Berlinerisch gleichsetzen. Grosse Schnauze, aber mit Herz. Kann aba ooch sein dass ick mir irre.

Trainspotting in Japan

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Japan ist ja weltweit bekannt für die shinkansen – die oft futuristisch geformten Expresszüge, die mit 300 km/h durchs Land brausen. Und das dauerhaft. Und seit Jahrzehnten. Aber auch abseits der Shinkansen-Routen ist das Land DAS Paradies für Trainspotter (Anm.: Zugenthusiasten, die gern auf Lauer liegen um einen besonders schönen Zug zu sehen). Es gibt zahlreiche andere Expresszüge, und den Preis für Vielfältigkeit erhält auf jeden Fall Japan.

Während der Goldenen Woche Anfang Mai war aus besonderem Anlass die Gelegenheit gekommen, im extravaganten romance car Expresszug der Odakyū-Linie (Privatlinie) von Shinjuku (in Tokyo) nach Hakone zu fahren. Nichts besonderes – es sei denn, man reserviert viele Wochen im Voraus. Denn: Man kann ganz vorn sitzen. Der Lokführer sitzt nämlich in der zweiten Etage – vier glückliche Passagiere sitzen also wirklich ganz vorn. Selbst Bahnmuffel bekommen da Spass am Bahnfahren. Die erste Reihe kostet übrigens nicht extra – man muss ebend nur schnell genug reservieren.

Es gibt auch eine moderne Version des romance car, die ein bisschen dem ICE ähnelt. Aber die alte Variante – siehe Photo – hat einfach mehr Stil.


Vorderansicht des Romance Car-Expresszuges im Bahnhof von Hakone-Yumoto. Der Lokführer sitzt oben.

Das Wort des Tages: 鉄道 (tetsudō). tetsu bedeutet „Eisen“, ist der „Weg“. Auf Deutsch „Eisenbahn“.

Klein-Irak auf Okinawa?

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Da kam doch diese Woche ans Licht, daß im vergangenen Jahr US Marines zusammen mit Einheiten der bōeitai (Japanische Selbstverteidigungskräfte, anderswo Armee genannt) eine Übung auf Okinawa absolvierten. Nichts besonderes, aber das Thema war „Unterdrückung zivilen aber gewalttätigen Protestes von Einheimischen gegen die Militärpräsenz“. Hintergrund: Die meisten amerikanischen Militärstützpunkte in Japan drängen sich auf der kleinen Hauptinsel von Okinawa. Und es gibt enormen Widerstand auf Okinawa, da es zum Beispiel zu Verbrechen von Soldaten gegenüber Zivilisten kam (Vergewaltigung eines Schulmädchens zum Beispiel). Allerdings war der Widerstand bislang immer friedlich.

In dem Manöver ging es nun darum, wie man mit Schlagstöcken gegen die Demonstranten vorgeht. Danke für diese Lektion, Amerika! So geht das also… Die bösen, bösen Insulaner von Okinawa müssen natürlich unbedingt gebändigt werden.

Interessant ist die Tatsache, wie die Information über das Manöver nach einem guten Jahr an die Öffentlichkeit kam – ein cleverer Student hatte einst ein kleines Programm namens Winny entwickelt. Dient der einfachen Übertrachtung von Dateien zwischen Computern über das Netzwerk (für Eingeweihte: ein schlichtes peer to peer file-sharing Programm). Winny ist extrem beliebt, hat aber einen Fehler: Es ist anfällig gegen ein paar Viren. Und schon gelangen die Daten ins Internet. Und da viele Japaner gern ihre Arbeit mit nach Hause nehmen, kam viel brisantes ans Licht. Unter anderem Material über Verteidigungsangelegenheiten (z.B. eine Strategieplanung namens „K-Peninsula„, nicht gerade ein echter Deckname) usw. Und die oben genannte Sache. Quasi von der Natur aus eher geheime Informationen.

Es gibt sogar noch eine Pointe: Als geübter Nachrichtenleser erwartet man nun ein Dementi vom Verteidigungsministerium, à la ‚Nein, die Übung gab es in der Form nicht‘. Nun, ein Dementi gab es, aber das lautete ‚Nein, diese Information war nicht geheim‘. Drollig.

Wort des Tages: 犬 (inu). Hund. Viele Japaner sehen ihr Land als Hund des Herrchens Amerika. Schaut man sich die Außenpolitik an, versteht man diese Sicht der Dinge nur zu gut.

Die Maikrankheit bricht aus

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Und schon ist die Goldene Woche zu Ende – dabei hatte sie gerade erst angefangen. Jedenfalls kam es mir und Millionen von Japanern so vor. Eigentlich zur Erholung gedacht, ist gerade der Beginn und das Ende der Goldenen Woche eher stressig, da alle Verkehrsmittel während des yu-taan (U-Turn, Rückreisewelle) extrem überfüllt sind. Und alle Sehenswürdigkeiten und Hotels. Kann ich ein Lied von singen, denn ich war die ganze Woche im Land unterwegs. Und so ist es kein Wunder, dass nach Ende der Goldenen Woche die gogatsu-byō (Mai-Krankheit) grassiert – auf Deutsch könnte man das auch als „Chronische Arbeitsunlust“ bezeichnen.

Einer der Feiertage der Goldenen Woche war der kodomo no hi – der Tag des Kindes. Findet jedes Jahr am 5. Mai statt. In Wirklichkeit spielen da allerdings nur die Knaben die Hauptrolle (weswegen auch in Japan Verfechter der gender free-Gesellschaft gegen die Tradition kämpfen, obowhl die Mädchen ihren eigenen Tag haben). Viele Familien mit männlichem Nachwuchs hängen dann grosse Windsäcke in Karpfenform auf – einer steht für den Vater, einer für die Mutter und dann jeweils ein kleinerer für jeweils einen Knaben. Ach ja, diese Karpfen sind richtig teuer! Es ist jedenfalls ein typisch japanischer Anblick und deshalb ziemlich bekannt. ‚Warum Karpfen!?‘ kann man berechtigt fragen. Geht wohl auf eine chinesische Legende zurück, nach der nur die Karpfen (bzw. Fische) zu Drachen werden, die den gesamten Fluss flussaufwärts schwimmen können. Und das erwartet man auch vom eigenen Sprössling – das er stark wird und sich durchsetzen kann.


‚Koinobori‘ – grosse Windsäcke in Karpfengestalt.

Das Wort des Tages: 鯉幟 (koinobori). koi ist der Karpfen, nobori das Banner.

Mikrokosmos Taxi

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Mikrokosmos Taxi

So viel wie heute bin ich selten mit dem Taxi gefahren. Die Entscheidung, ein Taxi zu nehmen, fällt aber auch nicht schwer wenn man zu viert mit viel Gepäck und wenig Zeit herumtourt. Und so ging es heute kreuz und quer durch Kyōto und später durch Chiba. Taxifahrer können überall durchaus interessant sein – ein anonymes 5- bis 50 Minuten-Gespräch zwischen Leuten, die sich wahrscheinlich nie wiedersehen werden.

Taxifahrer #1 sprach breiten Kansai-Dialekt (Gegend um Osaka) und war sehr offen: Er mag den Job, den macht er seit drei Jahren, eigentlich nicht. Viel Stress, vor allem abends, 14 Stunden pro Tag durchschnittlich. Er wäre lieber sarariiman, also jemand, der alltäglich ins Büro fährt. Naja, was den Stress und die Arbeitszeit anbelangt, konnte ich ihm nicht unbedingt rechtgeben. Aber er machte seinen Job gut: Fuhr unglaubliche Abkürzungen, war sehr schnell und sehr unterhaltsam. Hätte ihm gern Trinkgeld gegeben, aber das geht ja in Japan nicht.

Taxifahrer #2 sprach Kyōto-Dialekt. Schönes Japanisch, aber leider nuschelte er sehr stark. Selbst meine Frau verstand oft nicht, was er sagte. Er fragte, wie weit es nach Deutschland mit dem Flugzeug sei. 12 Stunden im Flugzeug!? Nein, das geht einfach nicht. No way. Nun ja, notwendiger Smalltalk, halbherzig durchgezogen. Aber alles in allem recht nett. Und sehr alt.

Taxifahrer #3 sprach eigentlich gar nicht. Nach Gion, sagte ich. Zum Ichiriki-Teehaus. Seine Antwort war nur ein Grunzen. Wie jetzt? „Kennen Sie das Ichiriki!?“ fragte ich sicherheitshalber. Danach grunzte er ein einziges „OK“. Irgendwie müssen wir ihn wohl gestört haben.

Taxifahrer #4 fuhr uns vom Bahnhof nach Hause. Und das nicht zum ersten Mal. Sieht aus wie ein Klavierlehrer. „Darf ich mir die Frage erlauben wo sie herkommen?“ fragte er mich. Deutschland. „Oh, ist ja bald Fussball-WM!“. Und so ging es los. Oliver Kahn. Wie, nicht mehr Nummer 1??? Jedenfalls kannte er sich aus. Erwähnte aber, dass er eher Baseball mag. Und selbst auch spiele – in der „Taxiliga“. Nein, Baseball ist in Deutschland schlichtweg nicht bedeutsam. „Aber in Deutschland soll es auch Zubehör geben“ sagte er. „Aber nur die Schläger“ antwortete ich. Er war verwirrt. „Wird von Jugendlichen benutzt, um jemanden zusammenzuschlagen“ erklärte ich. Und fügte hinzu „Deshalb gibt’s die Schläger, aber keine Bälle und keine Fanghandschuhe.“ Das fand er furchtbar witzig. Ich nur bedingt.

‚Falsche‘ Maiko (Nachfolgerin der berühmten Geishas) in Kyoto. Jede Japanerin kann für ein paar 10,000 Yen dieses Erlebnis haben. Klingt vielleicht gemein, aber diese Frau eignet sich nicht als Maiko… Aufgenommen heute in Kyoto.

Das Wort des Tages: 運転手 (untenshu). Der Fahrer. Auch für Taxifahrer.

Endlich Goldene Woche…

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Was ist das nun wieder, werden einige fragen. Auf Engrish (=japanisches Englisch) „Golden Week“ genannt, kennzeichnet die Goldene Woche eine Reihe aufeinanderfolgender Feiertage Anfang Mai. Es sind insgesamt vier Feiertage, die dieses Jahr auch so guenstig liegen, dass man nur zwei Tage frei nehmen muss um eine Woche ruhen zu können. Allerdings müssen auch nicht wenige in dieser Zeit (inkl. Feiertage) arbeiten. Meine Firma hält sich glücklicherweise an die Feiertage. Und den Montag und Dienstag, keine Feiertage nächste Woche, kann ich dank „Übertagen“ abbummeln.

Die Feiertage sind im speziellen midori no hi („Grüner Tag“) am 29. April, kenpō kinenbi (Jahrestag der Verfassungsgebung) am 3. Mai, der 4. Mai ist einfach nur so ein Feiertag, und der kodomo no hi (Kindertag) am 5. Mai.

Ich bekomme derweilen Besuch aus Deutschland – meine Eltern verschlägt es zum ersten Mal hierher – und es gibt diverse Familienfestivitäten. Ein volles Programm, teilweise genossen in vollen Zügen (denn ganz Japan ist unterwegs in der Goldenen Woche). Das wiederum bedeutet, dass dieser Blog wohl bis zum 8. Mai (oh, Jahrestag der Befreiung!) unangetastet bleiben wird.

In diesem Sinne wünsche ich allen in Japan wohnenden Deutschen eine angenehme Goldene Woche und allen in Deutschland einen schönen Start in den Wonnemond!


Narita Int’l Airport: Lange Schlange zu Beginn der Goldenen Woche in der Abfertigungshalle (aufgenommen gestern)

Das Wort des Tages ist ein angenehmes: 連休 (renkyū) – ren bedeutet „(aufeinander)folgen“, kyu bedeutet hier „ruhen, Urlaub“. Aufeinanderfolgende Ruhe- bzw. Feiertage.

Ein Jahr verstrichen und nichts gelernt?

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Das behaupten zumindest Opfer und Angehörige der Zugkatastrophe, die vor genau einem Jahr den Glauben der Japaner in ihr effizientes Verkehrssystem erschütterte. Zur Erinnerung: Vor einem Jahr geriet eine Vorortbahn der JR West (JR=Japanese Railway) bei 100 kmh aus einer Kurve bei Amagasaki (zwischen Kōbe und Ōsaka). Ein Waggon wickelte sich dabei regelrecht um ein nahestehendes Wohnhaus. 107 Menschen starben, einige konnten erst Tage später geborgen werden, und über 500 wurden verletzt. Grund dafür, dass der nur 23 Jahre alte Fahrer mit 100 statt 70 kmh in die Kurve ging, war wohl eine vorangegangene, 90-sekündige (!) Verspätung. Die hätte ihm harsche Strafmaßnahmen eingebrockt, denn JR ist da wohl nicht zimperlich.

Das seitdem alles besser wurde wird nun arg bezweifelt. JR West erliess einige wichtige Maßnahmen – die Strafen sind nun wohl milder, Elektronik vor Kurven drosselt die Geschwindigkeit, der Zeitplan wurde etwas gelockert usw., aber es bleibt wohl viel zu tun. Gestern zum Beispiel wurde die Yamanote-Ringlinie tagsüber für 5 Stunden stillgelegt – Grund war eine grosse Unebenheit vertikalerseits an einer Stelle. Das hatte freilich auch Auswirkungen auf viele andere Linien. Zumal sich allein gestern mindestens zwei Leute vor die Bahn geworfen haben. Kurzum, es herrschte grosses Chaos. Und man kann von Glück reden, dass ein aufmerksamer Fahrer die Unregelmässigkeit rechtzeitig erkannt hatte. Das japanische Nahverkehrssystem ist in der Tat beeindruckend und sehr effizient, aber man darf nicht vergessen, dass es nicht perfekt ist.

Das Wort des Tages: 通勤 (tsūkin) – tsū bedeutet fahren/passieren, kin steht für Arbeit. Tsukin bedeutet von der/zur Arbeit fahren. Mehr zum wahnsinnigen Berufsverkehr an anderer Stelle.

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