KantoKinugawa-Onsen

Kinugawa-Onsen

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Region 関東 Kantō
Präfektur 栃木 Tochigi
Rang 3 von 5 Sternen: Kann man sich auch mal ansehen
Name Kinugawa-Onsen Kinugawa温泉onsen. Kinu heisst „wütender Teufel“, -gawa heisst Fluß und onsen „heiße Quelle“. Hiess früher jedoch „Kenugawa 毛野川“ (Kenu war eine bekannte Adelssippe); manchmal auch mit dem Zeichen kinu 衣 (Stoff) geschrieben.
Lage Gute 200 km nördlich von Tōkyō in der Präfektur Tochigi und unweit von Nikkō. Kinugawa-onsen liegt in einem Flusstal und ist Teil der Gemeinde Fujihara 藤原.
Ansehen Die Berge entlang des Kinu-gawa. Die heissen Quellen. Die Treppe in der Ortsmitte. Das 60er-Jahre-Flair des Kurort.

In Japan gibt es eine lange Tradition, die positiven Effekte der regen seismischen Aktivität zum eigenen Wohl auszunutzen. Dies sind hauptsächlich onsen 温泉 genannte heisse Quellen, die nicht nur zur Linderung zahlreicher Gebrechen, sondern auch zur allgemeinen Entspannung dienen. Wo es heisse Quellen gibt, sind Besucher garantiert. Wo es Besucher gibt, gibt es Hotels. Im Tal des Kinugawa haben sich darum dutzenden Hotels angesiedelt. Etliche davon mit einem etwas spröden 60er Jahre-Charme. Der Ortsteil mit der Schlucht des Flusses ist damit eher häßlich und zudem in den Hintergassen auch etwas schmutzig. Aber man kommt ja nicht deswegen hierher.

Die Schlucht des Kinugawa nebst Bettenburgen
Die Schlucht des Kinugawa nebst Bettenburgen
Die Treppe im Ortszentrum hingegen hat ihren Reiz
Die Treppe im Ortszentrum hingegen hat ihren Reiz

Der Bahnhof Kinugawa-Onsen liegt etwas abseits ca. 1 km vom „Zentrum“ entfernt im Süden des Ortes. Zentrum definiere ich hier mal als den Bereich mit der höchsten Hotelkonzentration. Da die Hotelgäste in der Regel im Hotel essen, gibt es ausser den Hotels nicht viel. Alle Hotels sind im japanischen Stil gehalten, was man freilich von aussen nicht sieht. Will heisen man hat tatami 畳 (Reisstrohmatten), futons 布団, oshiire 押入 (Wandschränke), kotatsu こたつ (beheizte Tische) usw. im Zimmer. Sowie besagte heisse Quellen – meistens untergliedert in Innenbereich und einem roten buro – einem Bad im Freien. Generell wird nach Männlein und Weiblein getrennt, aber es gibt auch separate Badezimmer für Pärchen. Achtung: Tattoo-Träger werden mitunter zurückgewiesen! Hängt von der Hotelleitung ab.

温泉Onsen – die Heißen Quellen Japans

Japan ist Teil des Pazifischen Feuerrings – eine zehntausende Kilometer lange Kette aktiver Vulkane von Neuseeland über Indonesien, die Philippinen, Japan, Kamschatka, die amerikanische Westküste bis nach Chile. Bei Vulkanen befinden sich Magmakammern dicht unter der Erdoberfläche, und diese Magmakammern heizen den Boden – und das darin enthaltene Wasser auf. Wo es also Vulkane gibt (und Grundwasser, natürlich) gibt es auch heiße Quellen. In manchen Fällen tritt das warme bis heiße Wasser direkt an der Oberfläche aus, in anderen Fällen bohrt man so lange im Untergrund, bis man eine heiße Quelle entdeckt.

Heiße Quelle, die direkt durch Felsspalten an die Oberfläche dringt (Shiretoko, Hokkaido)
Heiße Quelle, die direkt durch Felsspalten an die Oberfläche dringt (Shiretoko, Hokkaido)

Vor allem in Japan weiß man das warme Wasser aus dem Untergrund zu schätzen seit Jahrtausenden nutzt man diese aktiv, und zwar in erster Linie zum Baden. Allerdings nicht im Sinne von „sich reinigen“, sondern „vorher reinigen, danach im heißen Wasser entspannen“, da ja heiße Quellen in der Regel von mehreren Menschen gleichzeitig bzw. kurz hintereinander genutzt werden.

In Japan gibt es gut 3’100 Orte, an denen es öffentlich genutzte, heiße Quellen gibt – und rund 28’000 Stellen, an denen heißes Wasser an die Oberfläche tritt (dieses wird 源泉gensui genannt – echtes Quellwasser, das ganz ohne Bohrungen genutzt werden kann). Damit ist Japan weltweit Spitze bei der Anzahl heißer Quellen.

Heiße Quelle - hier im Iya-Tal in Tokushima, Insel Shikoku
Heiße Quelle – hier im Iya-Tal in Tokushima, Insel Shikoku

Wer unsicher ist, wie man ein Onsen benutzt, hier ein paar grundsätzliche Regeln:

  • Ins Bad begibt man sich im yukata 浴衣 – einem
    leichten Kimono fürs Bad, getragen von beiden Geschlechtern
  • Von sich aus gesehen wird die linke Seite des Yukata
    über die rechte Seite gelegt
  • Die himo 紐 (Schnur) wird mittig auf den Bauch gelegt und dann
    ein Mal um den Körper gewickelt. Man macht keinen Knoten, sondern zwirbelt die Enden
    um die Schnur. Darüber wird der obi 帯 (Gürtel) gewickelt – der
    Knoten ist etwas kompliziert, aber ein Behelfsknoten tut es auch
  • Im Umkleideraum wird alles abgelegt. Man nimmt nur ein kleines Handtuch, genauer gesagt
    wird dies als Waschlappen benutzt, mit ins Bad
  • Bevor man ins Bad selbst geht, gründlich duschen. Japaner machen das im Sitzen –
    es gibt kleine Schemel
  • Achtung: Das Wasser kann extrem heiss sein. Auf den Kreislauf achten! Das kleine Handtuch
    darf ins Bad mitgenommen werden, sollte aber nicht ins Wasser gelangen
  • Nach dem Bad, durchaus auch zwischendurch, wieder duschen
  • Nach dem onsen schmeckt ein kaltes Bier ganz famos

Foto oben: Onsen erkennt man oft an dem Hiragana-Zeichen „ゆ“ (yu, bedeutet heißes Wasser). Blau ist meist der Vorhang für das Männer-Onsen und rot der Vorhang für Frauen. Gemischte Onsen gibt es nur sehr, sehr wenige – Paare können sich aber vielerorts ein privates Onsen-Zimmer mieten.

Herbstlaub auf dem Affenberg am Kinugawa
Herbstlaub auf dem Affenberg am Kinugawa

Wie eingangs erwähnt liegt Kinugawa-Onsen in einem Tal. Nach Süden hin öffnet sich jeniges und geht bei Ichikawa langsam in die Kantō-Ebene 関東平野 über. Nach Norden und Westen hingegen werden die Berge langsam höher. Wenige Kilometer entfernt findet man bereits die ersten Skigebiete. Die Berge entlang des Kinugawa sind beim Ort selbst aber nicht höher als 1’000 m. Dazu zählt unter anderem der Osaru-no-yama お猿の山 (Berg der Affen). Ein Schweizer Lift führt auf den gut 900 m hohen Berg, aber es gibt auch einen schönen Wanderweg zum Gipfel.

Oben findet man – nicht überraschend – einen kleinen Affenpark. Rehe und Affen hausen dort in ein und dem gleichen Gehege und bedrängen die Besucher, die durch einen Gang durch den Käfig laufen können. Für 100 ¥ kann man Futter kaufen, aber Vorsicht – die Affen sind extrem flink. Und die Rehe schauen meist ins Leere. Seit die Affen fast vollständig aus Nikkō verdrängt wurden, nehmen die Besucher dieses Parks sicherlich zu.

Klitzekleines Hochmoor nahe Kinugawa-Onsen
Klitzekleines Hochmoor nahe Kinugawa-Onsen
Gang zum Onsen-Schrein mitten im Wald
Gang zum Onsen-Schrein mitten im Wald

Von der Seilbahnstation und dem Affenzirkus führt ein schöner Wanderweg am kleinen Onsen-jinja (Heisse-Quelle-Schrein) 温泉神社 vorbei Richtung Westen zu einer sehr alten Zeder. Und von dort kann man bei Bedarf noch wesentlich weiter wandern. Je weiter man sich von der Seilbahn entfernt, desto weniger Menschen trifft man.

Wohl die schönste Zeit, die gesamte Region zu besuchen, dürfte der Herbst sein. Ende Oktober bis Mitte November ist in der Gegend Kōyō-(wörtlich: rote Blätter) 紅葉 Saison. Amerikanern als „Indian Summer“ bekannt, kann man zu dieser Zeit die prachtvollsten Laubfärbungen bestaunen, wie man sie in Mitteleuropa kaum finden wird. Besonders hervorstechend ist dabei der knallrote Momiji 紅葉 (Ahorn). Kennzeichnenderweise werden kōyō und momiji mit den gleichen Schriftzeichen geschrieben. Besucher seien allerdings gewarnt: Zur Zeit der Laubfärbung ist es schwer, gerade am Wochenende ein Hotelzimmer zu finden.

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Anreise

Nach Kinugawa-Onsen kommt man sehr bequem. Züge der privaten Tōbu-Nikkō – Linie 東武日光線 fahren vom Bahnhof Asakusa 浅草 (Tokyo) direkt nach Kinugawa-Onsen. Der Expresszug (Spacia スペーシア, man braucht eine Reservierung!) braucht knapp zwei Stunden und kostet 2690 Yen. Billiger ist der Rapid (kyūkō 急行, ohne Reservierung). Er braucht nur eine Viertelstunde länger, kostet dafür aber nur etwas mehr als die Hälfte.
Railpass-Besitzer haben es etwas schwerer: Sie müssen mit dem Shinkansen von Ueno 上野nach Utsunomiya 宇都宮 (53 Minuten) und dort umsteigen. Von Utsunomiya dauert es 45 Minuten. Von Kinugawa fährt auch ein Bummelzug Richtung Norden nach Aizu Wakamatsu 会津若松. Ansonsten bietet sich die kleine Stadt Imaichi 今市 etwas weiter südlich als Umsteigebahnhof an. Vor allem an Wochenenden ist es mehr als ratsam, Fahrkarten für die Tobu-Nikko-Linie im Voraus zu besorgen, denn die Züge sind oft ausgebucht.

Prinzipiell kann man für die ganze Region sagen, dass Taxifahrer mit sich handeln lassen. Zumindest wenn es um etwas weitere Strecken geht. Einen Versuch ist es auf jeden Fall wert.

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Übernachtung

Wie eingangs erwähnt, wimmelt es in der Stadt nur so vor Hotels. Eins von vielen ist das Hotel Shirakawa Yu no Kura 白河湯の蔵 gegenüber der witzigen Treppe (siehe Foto oben). An normalen Tagen kostet ein Doppelzimmer 12,000 ¥ inkl. Frühstück, Abendbrot und Onsenbesuch. An Wochenenden steigt der Preis auf 17,000 ¥. Die Zimmer sind sehr gross wenn auch etwas alt. Das Essen ist sehr traditionell und von der Qualität her….nennen wir es durchschnittlich.

Zu allgemeinen Übernachtungstipps siehe Übernachtungstipps Japan.

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tabibitohttps://www.tabibito.de/japan/
Tabibito (旅人・たびびと) ist japanisch und steht für "Reisender". Dahinter versteckt sich Matthias Reich - ein notorischer Reisender, der verschiedene Gegenden seine Heimat nennt. Der Reisende ist seit 1996 hin und wieder und seit 2005 permanent in Japan, wo er noch immer wohnt. Wer mehr von und über Tabibito lesen möchte, dem sei Tabibitos Japan-Blog empfohlen.

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