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Toyooka – Stadt im Norden von Hyogo mit berühmten Seebädern

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Region 関西 Kansai
Bezirk 兵庫県 Präfektur Hyōgo
Rang 4 von 5 Sternen: Durchaus sehenswert
Name Der Name setzt sich aus den Schriftzeichen (toyo) für „reich, reichlich“ und (oka) für „Hügel“ zusammen. Der Name wurde vermutlich 1580 gebildet und beschreibt einfach nur die Topographie.
Lage Toyoka liegt im Nordosten der Präfektur Hyōgo. Im Norden grenzt die Stadt an das Japanische Meer, im Osten an die Präfektur Kyoto mit der Tango-Halbinsel. Die bergige Region wird durch den 円山川 Maruyama-Fluss dominiert.
Ansehen Die Stadt selbst ist weniger interessant, aber die Küste bei Takeno und Kinosaki ist sehr interessant – ebenso der Genbudō-Park.

Beschreibung

Toyooka ist mit fast 700 Quadratkilometern die größte Stadt der Präfektur Hyōgo (bekannt für Kōbe, Himeji usw.). Im Gebiet dieser Verwaltungseinheit leben rund 77,000 Menschen – Tendenz fallend. Bis in die 1960er lebten hier noch über 100,000 Menschen. Die Stadt in ihrer jetzigen Größe gibt es erst seit 2005 – damals wurden im Laufe eine der zahlreichen Gebietsreformen die eigentliche Stadt Toyooka um 5 weitere Gemeinden erweitert.

Die Stadt selbst (vor der Gebietsreform) hat rund 45,000 Einwohner und liegt in einem Talkessel am breiten Maruyama-Fluss. Aufgrund seiner Lage hat Toyooka ein eigenes Klima – im Sommer kann es bis 39 Grad heiß werden, aber im Winter fallen hier im Schnitt über 3 Meter Schnee im Jahr – das ist selten für Westjapan. Die Winter sind dabei wesentlich milder als weiter nördlich.

Für ein japanisches Rathaus außergewöhnlich schön: Das Rathaus von Toyooka
Für ein japanisches Rathaus außergewöhnlich schön: Das Rathaus von Toyooka

Toyooka ist Zentrum der historischen Provinz 但馬国 Tajima-no-kuni, eine von damals insgesamt 68 Provinzen des feudalen Japans. Damals spielte jedoch die kleine Stadt 城崎 Kinosaki eine größere Rolle, da sie direkt am Meer und an einer wichtigen Handelsroute lag. Bei der ersten großen Gebietsreform während der Meiji-Restauration im Jahr 1871 legte man die Landkreise Tajima, Tango und Tamba zur Präfektur Toyooka zusammen, aber das hatte nur 5 Jahre Bestand, als Toyooka in der Präfektur Hyōgo aufging.

1925 wurde die Stadt vom Nord-Tajima-Erdbeben stark verwüstet. Das Beben hatte zwar „nur“ eine Stärke von 6.8 (in Japan sind stärkere Erdbeben keine Seltenheit), aber das Epizentrum lag quasi direkt unter dem heutigen Stadtzentrum. 428 Menschen verloren durch das Erdbeben ihr Leben, und rund 50,000 Häuser wurden teils oder ganz beschädigt. Augenzeugen berichteten von kanonenartigen Geräuschen, die vom Meer her schallten, gefolgt von vier sehr heftigen Erdstößen, wobei viele der Holzhäuser bereits beim ersten Stoß zusammenfielen. Den Rest erledigten heftige Brände, die hernach in der Innenstadt wüteten. Doch nicht nur aus der Tiefe lauerten Gefahren: Beim Isewan-Taifun von 1959, mit mehr als 5,000 Toten der bei weitem schwerste Taifun nach 1950, wurden weite Teile der Stadt überflutet – mehr als 15,000 Häuser standen unter Wasser, und 7 Menschen kamen ums Leben.

Die Einkaufsmeile im Stadtzentrum von Toyooka
Die Einkaufsmeile „Sonnenstorchboulevard“ im Stadtzentrum von Toyooka – rechts ein altes Nebengebäude des Rathauses aus den 1930ern

Hochwasser und Erdbeben sind nach wie vor eine latente Gefahr für Toyooka: Das schwere Erdbeben in Kōbe im Jahr 1995 rüttelte auch diese Stadt schwer durch, und 2004 liess wieder ein schwerer Taifun die Deiche des Maruyama-Flusses brechen – erneut wurden tausende Häuser überflutet, und 7 Menschen verloren ihr Leben.

Toyooka war lange Zeit als einziges Siedlungsgebiet für Störche in Japan bekannt, doch 1966 musste man feststellen, dass der letzte wild lebende Storch gestorben war. Man versuchte sie wieder anzusiedeln, doch das funktionierte lange Zeit nicht – als 1989 gelang es, von der Sowjetunion gespendete Störche anzusiedeln. 2007 fand man zum ersten Mal seit Jahrzehnten wieder ein Storchennest.


Das Zentrum von Toyoka ist noch immer vom schweren Erdbeben im Jahr 1925 geprägt: Wie damals auch in Tokyo nach dem Erdbeben von 1923 nutzte man die Katastrophe, um die bisherige Stadtstruktur (sehr eng beieinander aufstehender Holzhäuser) aufzusprengen. Man schaffte großzügige, kerzengerade Achsen, so auch die Hauptgeschäftsstrasse 大開通り Daikaidōri, die man auch Sun Stork Avenue (Sonnenstorchboulevard) nennt. Die am Bahnhof beginnende Strasse hat auf 800 Meter Länge Arkaden beiderseits und über 150 Geschäfte. Hier findet man auch ein paar interessante Gebäude, die direkt nach dem Erdbeben gebaut wurden – darunter das 1928 gebaute, schöne Rathaus und alte Bankgebäude aus den 1930ern.

Mehr über den Sonnenstorchboulevard erfährt man auf der offiziellen Webseite des Wirtschaftsverbandes: www.sunstork.com.

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Genbudō 玄武洞

6 Kilometer nördlich vom Stadtzentrum, ziemlich genau zwischen der Küste bei Kinosaki und dem Zentrum, findet man direkt am Fluss einen geologischen Leckerbissen – die „Höhlen der schwarzen Schildkröte“. Es handelt sich hierbei um insgesamt 5 Basalthöhlen, die in ihrer hexagonalen Anordnung an der Panzer der legendären Schildkröte erinnern (diese ist eigentlich ein chinesisches Fabelwesen – ein Hybrid aus Schlange und Schildkröte). Genbudō ist der Name der größten Höhle – die anderen vier Höhlen erhielten ebenfalls Namen diverser Fabelwesen der ostasiatischen Mythologie.

Seit der Edo-Zeit wurde hier und am anderen Flussufer Basalt abgebaut – der konnte dann bequem auf Booten abtransportiert werden. Basalt war und ist ein beliebter Baustoff, und mit dem Gestein von Genbudo wurden zahlreiche Mauern und Wälle in Toyooka gebaut, um wichtige Gebäude vor dem häufig wiederkehrenden Hochwasser zu schützen. 1925 wurde dann jedoch der weitere Abbau von Basalt in der Genbudō-Höhle verboten. In der 青龍洞 Seiryū-Höhle, der Höhle des Grünen Drachens, wurde danach noch weiter abgebaut. Heute sind die Höhlen Teil des San’in Kaigan Global Geopark und dürfen nicht mehr berührt werden.

Genbudō - die größte der Höhlen im gleichnamigen Park in Toyooka
Genbudō – die größte der Höhlen im gleichnamigen Park in Toyooka
Seiryūdō - die Höhle des grünen Drachens
Seiryūdō – die Höhle des grünen Drachens

Bis vor ein paar Jahren konnte man noch bis an die Höhlen herantreten, aber die Steinschlaggefahr ist zu groß geworden, weshalb man nun Teile abgesperrt hat. Die Felsformationen sind trotzdem sehr eindrucksvoll – der Basalt ist hier in Form der typischen sechseckigen Säulen vertreten. Das ist zwar keine so große Seltenheit und überall auf der Welt zu finden, aber hier hat auch der frühere Bergbau dazu beigetragen, eine bemerkenswerte Kulturlandschaft zu schaffen.

Der Park ist klein und die Höhlen (wobei es sich eher um Aufschlüsse handelt) liegen dicht beieinander – man kann alle fünf Höhlen in weniger als einer Stunde erlaufen. Die Schautafeln im Gembudō-Park sind sogar – nicht selbstverständlich in Japan – zweisprachig. Außerdem sind die Höhlen auch mit den öffentlichen Verkehrsmitteln leicht zu erreichen, denn am gegenüberliegenden Ufer liegt der Gembudō-Bahnhof. Unterhalb des Parks gibt es ein kleines Informationszentrum nebst Cafe und Souvenirladen.

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Takeno 竹野 / Kinosaki 城崎

Direkt am Japanischen Meer und im Nordwesten der Stadt Toyooka liegt der Ortsteil 竹野町 Takenochō (-chō ist eine Verwaltungseinheit, eine Art Stadtteil), und das Zentrum dieses Ortsteils heißt passenderweise Takeno. Hier fliesst der kleine Takeno-Fluss ins Meer, und direkt neben der Flußmündung ragt eine schmale aber bergige Halbinsel ins Meer, an deren Spitze das 猫埼 Nekosaki (wörtlich: Katzen-Kap) liegt. Dort steht auch ein kleiner Leuchtturm.

Da das benachbarte Kinosaki wesentlich bekannter ist, wird Takeno manchmal auch als 奥城崎 Oku-Kinosaki („hinteres Kinosaki“) genannt. Bekannt ist Takeno vor allem für 竹野浜 (Takeno Beach), welcher als einer der 100 schönsten Strände gilt. Das Wasser ist hier sehr klar, und der Kontrast von glasklarem Wasser, blauen Himmel, weißem Strand und grünen Kiefern, gepaart mit steilen Hügeln und einer Altstadt, die bis an die Strandpromenade reicht, zu einem ganz besonderen Ort.

Das Fischerdorf Takeno im Norden von Toyooka
Das Fischerdorf Takeno im Norden von Toyooka

In der Altstadt dominieren alte Häuser, von denen viele mit 焼杉 yakisugi-Holz gebaut wurden. Bei dieser traditionell japanischen Technik werden Bretter aus der Sicheltanne (manchmal auch Japanische Zeder genannt) mit Feuer behandelt und so an der Oberfläche verkohlt. Das bringt gleich drei Vorteile mit sich: Das Holz ist 1) etwas feuerfest, 2) wasserabweisend und 3) meiden Insekten verbranntes Holz. Für ein Beispiel siehe das Foto der Unterkunft weiter unten – man sieht deutliche Spuren von Verkohlung, und die Häuser sind natürlich schwarz.

Direkt am östlichen Ortsausgang steht ein Hügel mit dem seltsamen Namen じゃじゃ山 Jajayama (zur Erinnerung: „j“ wird wie „dsch“ gesprochen) – von dort hat man einen schönen Blick über den Ort, inklusive der Halbinsel und dem Fischereihafen sowie dem Sandstrand in der Ortsmitte.

Mehr erfährt man auf der Webseite des Fremdenverkehrsverbands von Takeno – dort gibt es sogar gut gemachte Broschüren auf Englisch zum Ansehen/Herunterladen: www.takeno-kanko.com.

Strand von Takeno (Toyooka) mit der Halbinsel und der Nekosaki-Halbinsel
Strand von Takeno (Toyooka) mit der Halbinsel und der Nekosaki-Halbinsel

Nur gute 10 Kilometer weiter östlich von Takeno liegt 城崎 Kinosaki – ein kleiner und über 1,300 Jahre alter Kurort an der Mündung des Maruyama-Flusses in das Japanische Meer. Hier gibt es unter anderem das Kinosaki Marine World mit Riesenaquarien, Delfinshow und dergleichen. Im Ort gibt es etliche Unterkünfte mit Onsen, ein Seebad, Golfplätze und andere Attraktionen, die den Ort zu einem beliebten Ausflugsziel machen. Aus diesem Grund fahren diverse Expresszüge von Osaka, Kobe und Kyoto bis zu diesem kleinen Ort. Kinosaki bedeutet „Burg-Kap“, und hier stand früher in der Tat eine Burg.

Die Gegend ist übrigens auch bekannt für die Krabbenfischerei. Vor allem Schneekrabben werden hier ab Anfang November bis März gefangen – in den wärmeren Monaten herrscht Schonzeit. Natürlich gibt es zahlreiche Restaurants im kleinen Kinosaki, die Krabbenfleisch servieren.

Krabbenhändler in Kinosaki: Von November bis März ist Saison
Krabbenhändler in Kinosaki: Von November bis März ist Saison

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Anreise

Der Hauptbahnhof der Stadt heißt wie die Stadt, aber Vorsicht bei der Suche nach Zugverbindungen, denn in Japan gibt es gleich vier Bahnhöfe mit dem Namen Toyooka. Bedient wird der Bahnhof von JR West sowie der 京都丹後鉄道 Kyoto Tango Railway (kurz KTR) – eine von der Firma Willer Trains betriebene Privatbahn. Die JR-West-Linie heißt 山陰本線 San’in Hauptlinie, beginnt in Kyoto und fährt von dort immer am Japanischen Meer entlang Richtung Westen.

Der Bahnhof von Toyooka
Der Bahnhof von Toyooka

Mit dem 城崎特急 Kinosaki-Express-Zug der San’in-Linie braucht man von Kyōto rund 2¼ Stunden und 4,590 Yen. Ebenfalls praktisch ist der コウノトリ特急 Kōnotori-Express, der von Shin-Ōsaka über Fukuchiyama bis Toyooka fährt. Von Ōsaka braucht dieser Zug gut 2½ Stunden und kostet 5,370 yen – bei beiden Expresszügen kann der Railpass benutzt werden.

Ein weiterer Expresszug ist der はまかぜ Hamakaze – dieser beginnt ebenfalls in Shin-Ōsaka, fährt danach aber über Kōbe und dann nach Norden. Von Kōbe (genauer gesagt Sannomiya) bis Toyooka braucht dieser Zug 2¼ und kostet 4,930 yen. Manchmal fahren einige dieser Expresszüge weiter nach Tottori im Westen, aber in der Regel muss man hier die Regionalbahn nehmen. Die kostet 1,520 yen und braucht rund 2½ Stunden.

Mit der oben erwähnten KTR-Privatbahn kann man über Amanohashidate bis nach Fukuchiyama fahren.

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Übernachtung

In der Stadt Toyooka gibt es fast nur Businesshotels – richtig viele und zum Teil sehr gute Unterkünfte findet man hingegen entlang der Küste, vor allem in Kinosaki und Takeno. In Takeno befindet sich zum Beispiel das 本と寝床 ひととまる Hon to nedoko HITOTOMARU, eine Art Gasthaus mit Bar im Erdgeschoss, in einer kleinen Gasse und nur rund 100 Meter vom Strand entfernt. Es gibt 4 Drei-bis Fünfbettzimmer; eine Person zahlt 4,500 Yen, zwei zahlen 8,500 yen usw. Am besten bucht man direkt auf der Webseite hitotomaru.com. Die Adresse: 669-6201豊岡市竹野町竹野49-6 (Takeno 49-6, Takenochō, 669-6201 Toyooka).

Unterkunft Hitotomaru in Takeno
Unterkunft Hitotomaru in Takeno

HITOTOMARU wird von einem jungen Paar betrieben, die hier ein altes Wohnhaus in ein Guest House umgewandelt haben. Im Erdgeschoss gibt es eine ganze Wand voller Bücher, eine kleine Bar, die bis um 10 Uhr geöffnet hat, eine Küche, die man benutzen darf und einiges mehr. Und: Auf Anfrage kann man dort auch zu Abend essen – für 1,800 Yen gibt es zum Beispiel ein durchaus ansehnliches Sashimi-Menü, wie man es so nur an der Küste bekommt. Essen muss vorher telefonisch oder per Email angemeldet werden.

Sashimi-Menü bei Hitotomaru: Sehr empfehlenswert
Sashimi-Menü bei Hitotomaru: Sehr empfehlenswert

Zu allgemeinen Übernachtungstipps siehe Übernachtungstipps Japan.

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tabibitohttps://www.tabibito.de/japan/
Tabibito (旅人・たびびと) ist japanisch und steht für "Reisender". Dahinter versteckt sich Matthias Reich - ein notorischer Reisender, der verschiedene Gegenden seine Heimat nennt. Der Reisende ist seit 1996 hin und wieder und seit 2005 permanent in Japan, wo er noch immer wohnt. Wer mehr von und über Tabibito lesen möchte, dem sei Tabibitos Japan-Blog empfohlen.

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