Wieder mal Rezession? Bruttoinlandsprodukt fällt um 6,3%

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    Heute veröffentlichte die Regierung die vorläufigen Prognosen des Wirtschaftswachstums für das 4. Quartal 2019 – dieser Prognose zufolge muss man wohl mit einem saftigen Negativwachstum von 6,3% rechnen. Ein Wachstum hatte man für das vierte Quartal des Vorjahres, 2019, sowieso nicht erwartet – Wirtschaftsexperten gingen davon aus, dass das Bruttoinlandsprodukt im Vergleich zum Vorjahr um 3,8 Prozent abnehmen wird. Das wäre dann die schlechteste Zahl seit 2014. Die Hauptgründe für das schlechte Abschneiden der Wirtschaft liegen zum einen in der Erhöhung der Mehrwertsteuer im Oktober 2019 von 8 auf 10%, zum anderen in den Turbulenzen der sich abkühlenden Weltwirtschaft. Als dritter Faktor kommt auch noch Taifun #19 hinzu, der die weitere Hauptstadtregion schwer in Mitleidenschaft zog.

    Der Einfluss der Mehrwertsteuererhöhung sollte eigentlich mit einem milliardenschweren Programm der Regierung abgefedert werden. Dazu gehört zum Beispiel die “Cashless”-Initiative – diese läuft noch bis zum 30. Juni 2020 und bedeutet, dass Verbraucher 2 bis 5% ihres Einkaufes erstattet bekommen, wenn sie mit gewissen, bargeldlosen Zahlungsmitteln bezahlen. Das ist allerdings auf eine bestimmte Summe pro Monat begrenzt und ausserdem nicht so transparent wie es sein könnte, weshalb viele Verbraucher die Angelegenheit mit Skepsis betrachten. So ist die Binnennachfrage im 4. Quartal um 2.9% zurückgegangen. Im Jahr 2014 war das ganz ähnlich – in dem Jahr wurde die Mehrwertsteuer von 5 auf 8% erhöht und sorgte umgehend für einen Einbruch des Wirtschaftswachstums um 7%. Wirtschaftseinbrüche sind seit den 1990ern allerdings keine Besonderheit in Japan, und man muss keine Regierungsberichte lesen, um die Lage zu verstehen: Man erkennt so etwas auch leicht an den immer weniger werdenden Werbepostern in den Zügen und der Zunahme von “AC Japan”-Werbespots im Fernsehen (AC Japan kontrolliert die gesamte Fernsehwerbung, und wenn ein Kunde abspringt oder sich kein Kunde finden liess, zeigt man einen eigens produzierten Spot, mit dem zum Beispiel soziale Vereine und dergleichen vorgestellt werden).

    Das wäre alles vielleicht nicht so tragisch, wenn da nicht Covid-19 wäre: Dass es durch den Virus zu wirtschaftlichen Einbrüchen kommen wird, steht ausser Frage. Die Frage ist nur, wie gross die Folgen sein werden, und das ist noch lange nicht abschätzbar, denn jetzt geht das Drama in Japan erst richtig los: In den letzten Tagen gab es vermehrt Fälle von Neuansteckungen, bei denen man sich nicht über den Infektionsweg im Klaren ist. Unter den Infizierten sind einige Taxifahrer und deren Angehörige, aber auch ein Arzt, der in zwei verschiedenen Krankenhäusern arbeitete. Die japanische Arbeitsmoral ist bei der Verhinderung weiterer Ansteckungen nicht gerade hilfreich, denn die meisten Japaner gehen auch mit Fieber zur Arbeit — vornehmlich mit den völlig überfüllten Nahverkehrszügen, versteht sich. So langsam macht sich da auch die berechtigte Sorge breit, dass man sich über das Ausmaß der Verbreitung in Japan gar nicht im Klaren ist. Wer kann schon mit Gewissheit sagen, dass es nicht bereits hunderte, wenn nicht gar tausende Fälle gibt? Die Sache wird dadurch erschwert, dass man sich hier nicht einfach so auf den neuen Corona-Virus testen lassen kann. Einige Infizierte besuchten zwei, drei Krankenhäuser, bis man ihnen endlich Zugang zum Virustest gab – es verstrichen also Tage, bis man bescheid wusste, und innerhalb dieser Tage kamen diese Leute natürlich mit zahlreichen anderen Menschen in Kontakt.