Wider die unsinnigen Schulregeln

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    Die Zeit vergeht — kaum geboren, wurde meine Tochter nun also in die hiesige Mittelschule eingeschult, da sie ja nun 12 Jahre alt ist. Und an jener ist einiges neu: So gibt es zum Beispiel dort Schuluniformen – für die Mädchen im obligatorischen Matrosenlook, für die Jungs im Kadettenlook. Das war schon immer so, und das wird wohl auch für immer so bleiben. Die Uniformen kann man übrigens nur bei genau festgelegten Läden kaufen, und für das komplette Set, inklusive Sportsachen und Tasche und so weiter, bezahlt man mal eben ganz problemlos rund 800 Euro. Das soll dann für drei Jahre reichen. Nun ja.

    Immerhin hat meine Tochter mit der Schule wohl Glück gehabt, denn soweit wir wissen, gibt es dort keine ブラック校則 burakku kōsoku (“schwarze” Schulregeln). “Schwarz” benutzt man in Japan gern, um etwas zu benennen, was eigentlich illegal oder zumindest hart an der Grenze ist. Jede Schule erstellt ihre eigenen Regeln, und es gibt an zahlreichen Schulen in Japan, vor allem an Mittel- und Oberschulen, Regeln, die man auch mit viel Wohlwollen nur schwer erklären kann. Die beliebtesten bzw. bekanntesten sind:

    • Regeln, welche Farben bei der Unterwäsche erlaubt sind
    • Das Verbot für Mädchen, einen Pferdeschwanz zu tragen
    • Das Verbot, Haare zu färben – umgemünzt in die Regel, dass alle schwarze Haare haben müssen, mit der Konsequenz, dass sich Kinder mit ausländischem Elternteil die Haare schwarz färben müssen. Klingt unglaublich, ist aber an einigen Schulen dennoch so
    • Der Zwang, an ausserschulischen Aktivitäten teilzunehmen
    • Das Verbot, mehr als drei mal in einer Stunde zu niesen
    • Das Verbot für Mädchen und Jungs, sich auf mehr als zwei Meter einander zu nähern
    • Eine Regel, die besagt, dass Mädchen eine ausdrückliche Genehmigung des Lehrers benötigen, wenn sie sich im Sommer die Haare schneiden möchten

    Zu dieser Problematik hat sich sogar eine NPO gegründet – mit dem schlichten Namen ブラック校則をなくそう! プロジェクト (Projekt “Weg mit den schwarzen Schulregeln”). Bei einer Untersuchung stellte diese fest, dass 2 von 3 Mittelschülern sowie 50% der Oberschüler mit schwarzen Schulregeln konfrontiert war. Eine löbliche Initiative (hier der Internetauftritt), denn diese eigenwillige Gängelung der Schüler ist in den allermeisten Fällen einfach nur sinnfrei und eine nicht nachvollziehbare Marotte der Direktoren. In diesem Sinne also — weg damit!

    7 COMMENTS

    1. “Das Verbot, Haare zu färben – umgemünzt in die Regel, dass alle schwarze Haare haben müssen, mit der Konsequenz, dass sich Kinder mit ausländischem Elternteil die Haare schwarz färben müssen. Klingt unglaublich, ist aber an einigen Schulen dennoch so”

      Echt jetzt? Als müsste ein naturblonder/es Junge/Mädchen sich die Haare schwarz Färben?
      Wieso?
      Ich kann ja verstehen das da niemand in Neongrün oder Pink rumlaufen soll aber…

      • Da gab es letztes Jahr einen stark publizierten Fall, in dem genau das passierte. Die Schülerin hatte natürlich braune Haare und wurde immer wieder dazu gezwungen, sie sich schwarz zu färben, obwohl sie das Färbemittel nicht vertrug. Der Gedanke dahinter ist, dass Japaner halt schwarze Haare haben (stimmt so nicht) und niemand aus der Reihe tanzen darf.

        • “Die Schülerin hatte natürlich braune Haare und wurde immer wieder dazu gezwungen, sie sich schwarz zu färben, obwohl sie das Färbemittel nicht vertrug.”

          Klingt nach Körperverletzung…
          Ich meine ich kann das ja in gewisserweise Verstehen aber wusste nicht, dass das so heftige Ausmaße hat…
          Meine Schülerinnen mit anderen Haarfarben gesehen zu haben bei einem meiner Besuchen. Allerdings alles ohne Uniform und muss zugeben, ich bin absolut unfähig das Alter von Japanern zu erkennen.

    2. An den öffentlichen Highschools in Yamanashi ist das so: die Haare dürfen nicht gefärbt werden, und für Kinder, die mit einer anderen Haarfarbe geboren wurden, muss man eine sogenannte “Akamo-todoke”, wörtlich übersetzt “Rothaar-Erklärung” abgeben, inklusive Fotos aus dem Kleinkindalter als Beleg. Meine ältere Tochter hat braune Haare, brauchte diese Akamo-todoke aber nicht weil sie ziemlich europäische Gesichtszüge hat. Mein jüngere Tochter sieht “japanischer” aus, hat aber braune Haare – für sie hab ich diese Erklärung abgeben müssen. Jetzt hat sie eine Karte, mit der sie sich sozusagen als offiziell braunhaarig ausweisen kann. Die kann sie dem Lehrpersonal zeigen, wenn sie danach gefragt wird.

      Es gibt übrigens auch regelmäßige Checks, da wird die Länge des Rocks, die Fingernägel, die Augenbrauen (darf man sich nicht zupfen), die Ohrläppchen (Ohrlöcher sind nicht erlaubt), usw. überprüft.

      Soweit ich weiss finden die meisten Lehrer die ganzen Regeln auch nicht unbedingt sinnvoll, zumal sie ihnen unnötige Arbeit machen.

      Ach ja, und ich habe eine Freundin, deren (100% japanischer) Sohn von seiner (privaten) Highschool aufgefordert wurde, sich die Haare schwarz zu färben, “weil das auf dem offiziellen Schulabschluss-Foto sonst nicht gut aussieht”. Meine Freundin wollte protestieren, der Sohn wollte aber nicht weiter auffallen, und schließlich haben sie die Haare schwarz gefärbt.

      Zu dem Thema könnte ich noch seitenweise weiter schreiben, aber ich lasse das lieber sonst wird das länger als der eigentliche Artikel…

    3. Hallo,
      ich besuche “still und leise” seit ca. 2 Jahre diese Seite und bin mehr oder weniger fassungslos über manche Artikel.
      Ich bin eine lebende Rumänin in Deutschland und als ich über die “schwarze Regeln” in Japan gelesen habe, dachte ich, hoppla, das kennst du, es gab vor ca. mehr als 40Jahre in Rumänien! Mehr als 40Jahre!!! Bei uns war montags immer Kontrolltag: Hände auf dem Tisch, Nägeln müssen gezeigt werden, Taschentuch muss vorhanden und natürlich sauber sein, die Länge der Uniform muss begutachtet werden, usw. Aber das war in Rumänien, und ich wiederhole mich, das vor mehr als 40Jahre. Wo will den Japan hin? Ich kritisiere diese Nation zu ungern, war selber im Urlaub dort und werde mit Sicherheit nochmal dorthin fliegen. Aber so was heißt es nicht Fortschritt, definitiv nicht. Da kommen Erinnerungen hoch die nicht sein sollten.
      Gruß aus Frankfurt am Main

    4. Kenne das auch bei Studenten im dritten Jahr. Alle färben sich die Haare schwarz mit der Begründung, sonst bekomme man nur sehr selten einen Arbeitsplatz.
      Als Ausländer darf man irgendwie anders sein, aber für die “eigenen” Leute gibt es strikte Vorgaben wie ein Japaner/in auszusehen hat.

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