Pure Dekadenz: Knoblauch kaufen in der Innenstadt

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    Spaghetti Aglio e Olio ist ein feines Gericht: Sehr einfach, aber sehr lecker. Leider wird das Vergnügen etwas geschmälert, wenn kein Aglio (Knoblauch) im Haus ist. Also wurde ich von meiner Frau gebeten, auf dem Rückweg jenigen zu kaufen. Wenn ich nach 10 Uhr abends zu Hause ankomme, haben die meisten Supermärkte schon geschlossen. Also kaufe ich in solchen Fällen dort ein, wo ich arbeite. Ebisu heisst das Viertel und zählt zu den angesagtesten (und teuersten) Vierteln von Tokyo.

    Der Supermarkt zwischen Firma und Bahnhof heisst Peacock – eine Kette. Liegt im Untergeschoss und ist, gelinde gesagt, ein kleines bisschen räudig. Zumindest für japanische Verhältnisse. Das Alter der Regale, des letzten Anstriches und das der Kassiererinnen konkurrieren – oder besser, harmonieren – miteinander. Lange Warteschlangen sind die Regel, da die Angestellten nicht die schnellsten sind, und die ganzen alten Leute am liebsten dann einkaufen, wenn die gestressten Bürotiere Mittagspause haben (kein Scherz: Morgens um 11 oder nachmittags um 3 ist keine Menschenseele da – um 13 Uhr ist der Laden plötzlich voller Rentner und arbeitstätigem Gesindel).

    Knoblauch. Ah, da ist er ja. Wäre er nicht schon so eingetrocknet und auseinandergesprungen, würden wahrscheinlich schon lange, grüne Keimlinge herausschauen. Die ja in Japan extra verkauft und zubereitet werden. Mit Hinsicht auf meine gleich fahrende U-Bahn verkneife ich es mir, die Verkäuferin darauf hinzuweisen, dass Knoblauch keinesfalls mit gutem Whisky vergleichbar ist – sondern eher jung genossen (bzw. zumindest verkauft) werden sollte.

    Der Preis sprach dann allerdings ebenso für die Whisky-Doktrine: 298 Yen, also 2 Euro, für eine Knolle. Ich war beeindruckt. Dieser Knoblauch muss verdammt gut (gewesen?) sein. Zum Vergleich, der gleiche Knoblauch (Made in Japan natürlich), in der frischeren Variante, kostet in den Supermärkten in meiner Gegend maximal die Hälfte. Das gilt auch für fast alle anderen Lebensmittel.

    Fazit: In der Innenstadt von Tokyo (innerhalb des Yamanote-Rings) zu leben, ist teuer. Mit der Miete mag man ja vielleicht noch mitgehen, aber die arg teuren Lebensmittelpreise sind, nun ja, beeindruckend.
    Ach ja, so besonders war der Knoblauch dann doch nicht. Aber Hauptsache Olio E aglio.

    Das Wort des Tages: にんにく ninniku – der Knoblauch. In Japan sehr beliebt, obwohl in der ganz traditionellen Küche kaum anzutreffen.