Kumamoto – die Stadt im Herzen von Kyushu

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Region: 九州 Kyūshū
Präfektur: 熊本 Kumamoto

熊本 Kumamoto

3 von 5 Sternen: Abstecher wert
Name:

Kumamoto. „Kuma“ bedeutet „Bär“, „-moto“ ist der „-grund“. Stammt vom Schlossnamen ab, und wurde früher anders geschrieben (altes „kuma“ 隈 = „Ecke“, „Schatten“). Die Präfektur. trägt den gleichen Namen.

Lage:

Im Westen der gleichnamigen Präfektur, ein paar Kilometer östlich der Ariake-See 有明海. Liegt relativ zentral in Kyūshū.

Ansehen:

Das zwar restaurierte, aber sehr schöne Schloss.
Der Suizenji-Park. Die Umgebung – vor allem Aso.

Kumamoto: Beschreibung | Anreise | Übernachtung | Leserkommentare

 

Beschreibung

Die Stadt hat rund 740’000 Einwohner, ist die drittgrößte Stadt der Insel Kyūshū und ist mit Abstand die größte Stadt der gleichnamigen Präfektur – rund 40% der Präfekturbevölkerung lebt hier. In der Vergangenheit spielte die Stadt sogar eine noch grössere Rolle. Seit 1607 war Kumamoto Burgstadt und Sitz eines lokalen Clans, der überregional die Künste förderte. Seit dieser Zeit stellt die Stadt auch die Gyōji 行司 (Sumō-Schiedsrichter). Noch heute müssen angehende Yokozuna 横綱 (höchster Rang im Sumō) ihre Lizenz in Kumamoto abholen.

Während der Meiji-Restauration kam es zu einigen Aufständen der Samurai und Feudalherren gegen die Regierung. So auch in Satsuma 薩摩, einer historischen Provinz südlich von Kumamoto, rund um Kagoshima. Kumamoto wurde von den aufständischen Samurai erobert, konnte allerdings nur 55 Tage gegen die kaiserlichen Truppen gehalten werden. Nach der Niederschlagung 1877 wurde die Festung niedergebrannt. Mehr zum Schloss siehe hier.

Straßenbahn im Zentrum mit der Burg im Hintergrund

Straßenbahn im Zentrum mit der Burg im Hintergrund

Traditionelles Fest in der Fußgängerzone


Die Stadt ist in fünf Bezirke (-ku) unterteilt, benannt nach den Himmelsrichtungen sowie einem Zentralbezirk. Mitten im Zentrum befindet sich auch die alte Burg auf einem Hügel. Der Hauptteil des Geschehens spielt sich zwischen der Burg nebst umliegenden Park sowie dem 白川 Shirakawa (-kawa = Fluss) ab. Der Hauptbahnhof der Stadt hingegen liegt etwas abseits vom Schuß im Südwesten der Stadt.

Am quirligsten ist die Stadt in der Gegend um das 鶴屋百貨店 Tsuruya-Kaufhaus – jenes ist schon beinahe eine Besonderheit, da es wirklich von hier kommt und tatsächlich noch immer das Geschehen beherrscht (in den meisten anderen Städten Japans dominieren große Kaufhausketten). Das Zentrum wird von einer breiten Straße nebst Straßenbahnlinie in der Straßenmitte getrennt, mit der Burg an einem Ende der Straße und einer Brücke über den Shirakawa-Fluß auf der anderen Seite. Von dieser Straße gehen in Kaufhausnähe drei überdachte Einkaufspassagen ab – zusammen sind diese einen guten Kilometer lang. Die wichtigsten Einkaufspassagen heissen sinnvollerweise 上通 Kamitōri – Obere Strasse und 下通 Shimotōri – Untere Straße. Vom Eingang zu den beiden Passagen bis zum Burgberg braucht man rund 5 Minuten zu Fuß. Mehr zum Schloß siehe hier.

Donjon der Burg von Kumamoto

Donjon der Burg von Kumamoto
Bannin - traditioneller Wächter

Bannin – traditioneller Wächter

Neben dem Schloss gibt es eine ganze Phalanx an Museen – so das Präfektur-Museum, das Stadtmuseum und eine Austellung über Handarbeit usw.
Unweit des Stadtzentrums gibt es zudem einen sehr ansehnlichen, traditionellen Park, den 水前寺成趣園 Suizenji Jōju-en beziehungsweise kurz auch 水前寺公園 Suizenji-kōen (kōen = Park) genannt. Die Ursprünge für den Park gehen bis in das Jahr 1636 zurück. Der Park ist rund 7 Hektar groß und um einen kleinen Weiher herum gebaut. Das Thema des Parks sind die 東海道五十三次 – die 53 Herbergen des Tōkaidō (der Tōkaidō bezeichnet die historische Handelsroute zwischen Tokyo, damals Edo, und Kyōto), und so findet man dort in dem Park auch einen „Fuji-san“. Der Park wird alljährlich von fast einer halben Millionen Menschen besucht und ist von 7:30 bis 18 Uhr (im Winter bis 17 Uhr) geöffnet; der Eintritt kostet 400 Yen. Wie auch in vielen anderen traditionellen Parks in Japan versauen häßliche Hochhäuser im Hintergrund die Silhouette, aber der Park ist trotzdem an einigen Stellen sehr photogen und die gierigen Karpfen im Teich sind recht beachtlich.

Panorama des Suizenji-Parks: Im Bild links der Fuji-san (Klicken um zu vergrößern)

Panorama des Suizenji-Parks: Im Bild links der Fuji-san (Klicken um zu vergrößern)

Die Stadt unterhält eine Städtepartnerschaft mit Heidelberg. Und die Stadt ist ein gutes Sprungbrett Richtung Vulkan Aso, Kagoshima, Beppu und die 天草諸島 Amakusa-Inseln. Das Schloss ist, obwohl es ein Nachbau ist, ist wie der Park allemal einen Abstecher wert – auch das nächtliche Kumamoto ist nicht zu verachten.

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Hinweis zum schweren Erdbeben von Kumamoto am 14. und 16. April 2016

Am Abend des 14. April 2016 sowie in der Nacht vom 15. zum 16. April wurde Kumamoto von zwei schweren Erdbeben erschüttert. Rund 50 Todesopfer waren zu beklagen, tausende Häuser wurden zerstört und die Infrastruktur inklusive Flughafen, Autobahnen, Bahnlinien und Landstrassen teils schwer beschädigt. Auch die Burg von Kumamoto wurde stark beschädigt.

Da die zerstörte Infrastruktur die Versorgung der Bevölkerung mit dem Mindesten, vom Wiederaufbau ganz zu schweigen, stark erschwert, rät der Autor von einem Besuch der Stadt Kumamoto und der Region um Aso bis auf weiteres ab (die Lage sollte sich ab cirka Juni 2016 beruhigt haben). Ausgenommen sind natürlich Reisen mit dem Zweck der Katastrophenhilfe als Freiwillige(r).

Mehr Informationen zu dem Erdbeben siehe:
• Schweres Erdbeben in Kumamoto (14. April 2016)
• Kumamoto 4 Tage nach dem Beben (20. April 2016)

 

Anreise

Bis 2010 gab es einen Nachtzug von Tokyo nach Kumamoto. Jetzt leider nicht mehr.

Bis 2010 gab es einen Nachtzug von Tokyo nach Kumamoto. Jetzt leider nicht mehr.

Die Stadt Kumamoto befindet sich auf halbem Wege zwischen Fukuoka und Kagoshima. Im März 2011 wurde die Shinkansentrasse (JR Kyushu Shinkansen JR九州新幹線) zwischen den beiden Städten fertiggestellt, und damit ist Kumamoto wesentlich näher an Fukuoka, Kagoshima und selbst an Ōsaka gerückt. Brauchte man mit dem Schnellzug vorher noch 2¾ Stunden von Kagoshima nach Kumamoto, sind es nunmehr nur noch gute 45 Minuten. Die einfache Fahrt kostet 6,910 Yen. Nach Fukuoka (der Bahnhof heisst allerdings Hakata) brauchte man vorher 1¼ Stunden und numehr mit dem Shinkansen nur 40 Minuten (5,190 Yen).

Die alten, langsamen Linien verkehren jedoch nachwievor und sind nur ungefähr halb so teuer. Wer Zeit hat, sollte auch mal auf normale Züge zurückgreifen: Vor allem die Strecke nach Kagoshima ist sehr schön, aber auch die Gegend um Ōmuta 大牟田 zwischen Hakata und Kumamoto ist interessant – bei gutem Wetter hat man einen schönen Blick auf den spektakulären Vulkan Unzen.

Bis 2010 fuhr noch der Sakura Yakō さくら夜行 (Nachtzug „Kirschblüte“) täglich von Tokyo nach Kumamoto. Der startete um 18:03 im Bahnhof Tōkyō-eki und kam am folgenden Tag um 11:40 in Kumamoto an. Er kostet allerdings inkl. Zuschlag gleich mal rd. 24’000 Yen – einfache Fahrt, wohlgemerkt. Leider wurde der Nachtzugbetrieb komplett eingestellt.

Der JR Aso Ltd. Express あそ特急, heute: 九州横断特急 fährt drei Mal täglich bis nach Beppu 別府 an der Ostküste. Die Fahrt dauert knapp drei Stunden und die Landschaft ist atemberaubend. Unterwegs, nach ca. einer Stunde, hält er auch am bzw. im Vulkan Aso. Achtung: Der Verkehr wurde im Juli 2012 vorübergehend eingestellt, da Streckenabschnitte durch Starkregen (in drei Tagen fielen stellenweise bis zu 800 mm Regen) stark beschädigt wurden. Ende August 2012 war noch nicht klar, wann der Verkehr wieder aufgenommen werden kann.

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Übernachtung

Wahrscheinlich das Übliche. Keine speziellen Tipps, da jedes Mal bei Freunden untergekommen.
Zu allgemeinen Übernachtungstipps siehe Übernachtungstipps Japan.

 

2 KOMMENTARE

  1. War etwas überrascht, das hier mit keinem Wort der 水前寺公園 (suizenji-kouen) erwähnt wird, ist ein sehr schöner Park/Garten der meiner Meinung nach definitiv einen Abstecher wert ist :)
    Ausserdem gehört der 黒川温泉(kurokawa onsen) zu den berühmtesten Onsen in Japan (wie ich gehört habe) – war selber aber leider noch nicht dort, weil ich gerade krank wurde, bevor ich mit einem japanischen Bekannten hingehen wollte.
    per Zufall hab ich noch irgendeinen Tempel auf einem Hügel entdeckt, ich glaube ein Geschenk von Indien oder so etwas. Habe aber vergessen wie er heisst… jedenfalls ist die Architektur für Japan ungewöhnlich, das Ding ist ganz weiss und man hat einen schönen Ausblick auf die Stadt. Klein aber sehenswert (und gut zum entspannen), wie ich finde, mein Geheimtipp :) Wenn mir nur der Name einfallen würde… dürfte aber auf den meisten Karten eingezeichnet sein, einfach mal nach einem Tempel auf einem grünen Fleck (Hügel) Ausschau halten. Man kann übrigens mit dem Auto rauf.
    Oh, und wer in Kumamoto ist, MUSS 馬刺し (basashi) essen (rohes Pferd ;) – unglaublich lecker.
    Bin nun mal ein bisschen Fan von Kumamoto, war zwei mal dort und zwei gute Freunde kommen von dort.

  2. Hallo! Diese Seite ist gerade mein Reisebegleiter, da ich momentan gschäftlich in Kumamoto unterwegs bin.
    Der Siuzenji-kouen „Siuzenji-Park“ ist auf jedenfall ein MUSS für meine Begriffe. Vor allem, wenn alles schön grün ist absolut sehenswert. Zum Aso Vulkan werde ich wohl erst im Februar kommen.
    Basahi (rohes Pferd) habe ich gestern probiert. Es sind kleine Stücke, etwas dicker als Capaccio, darauf geriebenen Ingwer und etwas grün und ab damit in die Sojasoße. Wirklich erstaunlich lecker.

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