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Das Phänomen hält an: 92,5% der Japaner zählen sich zur Mittelschicht

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Alljährlich führt die japanische Regierung eine Umfrage zur Lebenszufriedenheit der Landsleute durch, und seit Jahrzehnten weisen die Umfrage eine Konstante auf: Die Antworten auf die Frage, zu welcher Schicht sich die Befragten zählen würden. Obwohl Japan schon bei weitem bessere Zeiten gesehen hat, liegt der Anteil derer, die sich eher zur Mittelschicht zählen würden, bei guten 90%. Gerade einmal 5% zählen sich zur Unterschicht, und nur 1,1% zählen sich zur Oberschicht (der Rest, erstaunlich wenige, wohlgemerkt) war sich nicht sicher.
Ist in Japan der kommunistische Traum der klassenlosen Gesellschaft etwa Wirklichkeit geworden? Die Zahlen entspringen einer Umfrage und sind somit subjektiv. Die Zahlen sprechen hindes andere Bände – schenkt man diesen Glauben, ist die Anzahl der armutsgefährdeten Japaner in den vergangenen 10 Jahren um einige Prozentpunkte auf rund 16% angestiegen – jeden 6. Japaner könnte man demzufolge der Unterschicht zuordnen. Und genau da liegt der Hase im Pfeffer: Die meisten wollen sich nicht zur Unterschicht gezählt wissen – entweder aus Stolz oder aus falschem Verständnis darüber, was es bedeutet, zur Mittel- oder Unterschicht zu zählen.
Leider ist es relativ unwahrscheinlich, dass sich die Lage in Bälde verbessern wird. Gerade Altersarmut ist ein großes Thema, und da der Anteil der älteren Bevölkerung stetig zunimmt, wird auch der Anteil der von Altersarmut Betroffenen steigen. Das dicke Ende kommt da auch erst noch. Während die jetzt in Rente Gehenden noch von den damals üblichen, durchaus sehenswerten Firmenrenten profitieren, wird es in 20 Jahren ganz anders aussehen – ein großer Anteil der jetzt 40- und 50-jährigen wird darauf angewiesen sein, was man privat zurücklegte, doch es gibt immer mehr Menschen, deren Geld nicht zu einer privaten Altersvorsorge reicht. Die staatliche Pflichtrente allein reicht da bei weitem nicht, um der Altersarmut zu entkommen.

tabibitohttps://www.tabibito.de/japan/
Tabibito (旅人・たびびと) ist japanisch und steht für "Reisender". Dahinter versteckt sich Matthias Reich - ein notorischer Reisender, der verschiedene Gegenden seine Heimat nennt. Der Reisende ist seit 1996 hin und wieder und seit 2005 permanent in Japan, wo er noch immer wohnt. Wer mehr von und über Tabibito lesen möchte, dem sei Tabibitos Japan-Blog empfohlen.

4 Kommentare

  1. „Was tun sprach Zeus ……“.
    Ich denke, dass ich wohl nicht direkt von der Altersarmut betroffen sein werde, aber knapp wird’s schon in ein paar Jaehrchen werden. Die japanische Einheitsrente (trotz der „etwas Besseren“ Gruppierung) wird so gerade zum Leben reichen (und dann kommt ja noch eine Minimalstrente aus Deutschland dazu). Aber grosse Spruenge machen wird dann nicht mehr drin sein. Was bleibt also noch? Arbeiten bis zum letzten aller Tage. Aber solange es gesundheitlich geht, warum nicht.

    • Auf Arbeiten bis der Arzt kommt läuft es auf jeden Fall heraus, ob man nun etwas mehr Rente erhält oder nicht. Bist Du sicher. dass Du eine Minimalstrente aus Deutschland erhalten wirst? Sorgt das Rentenabkommen mit Japan nicht dafür, dass das nicht passiert!?

  2. Hallo.
    1 interessanter Artikel aber was hat es mit dem Bild auf sich? Es ist ja 1 ikkodate zu sehen, meines Wissens nach das mitunter begehrteste Wohnarrangement. Aber das Haus scheint auch sehr zugewuchert und verfallen. Geht es also Ihnen darum, die Schwierigkeit aufzuzeigen, die Klassenzugeherigkeit eines Japanerns anhand seines Hauses vom Zustand her zu erraten? Man kann sich ja durchaus vorstellen, dass im dichtbesiedelten Tokyo durchaus einige reiche Leute ärmlich wirkende, kleine Häusern bewohnen. Und in der Japan Times war mal 1 Artikel zum jap. Adel und deren Unsichtbarkeit in der gegenwärtigen Gesellschafft.
    Gruss,
    Flutscht

    • Ein Einfamilienhaus ist gut und schön in Japan, aber es bedeutet nicht unbedingt, dass die Bewohner gut versorgt sind. Immer mehr Japaner lehnen zum Beispiel das vererbte Haus ab – denn allein den alten Bau abzureissen kostet eine ordentliche Stange Geld. Natürlich gibt es auch ein paar reiche Leute in ärmlich wirkenden, kleinen Häusern, aber viel mehr noch gibt es verarmte Japaner, die zwar ein eigenes Haus haben – aber kein Geld, auch nur das Mindeste zu tun.

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