Blog Das Ende der Pflichtschokolade?

Das Ende der Pflichtschokolade?

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Schokolade? Godiva! Das ist der Name, der den meisten Japanern einfällt, wenn sie an teure Schokolade denken. Aus irgendwelchen Gründen (die ich nicht völlig nachvollziehen kann) hat der belgische Chocolatier einen ausgezeichneten Stand in Japan, mit zahlreichen luxuriösen „Boutiquen“. Die Preise sind ziemlich saftig — bezahlt man zum Beispiel in Deutschland für eine Valentinstag-Pralinenschachtel wie diese hier offiziell 32 Euro, so kostet die gleiche Schachtel in Japan offiziell 52 Euro (siehe hier). Das lässt sich nur teilweise mit dem hohen Zoll (29.8% auf Kakaoprodukte, siehe hier) erklären.
Nun ist es in Japan seit Jahrzehnten üblich, männlichen Freunden, Partnern – und Arbeitskollegen, vor allem aber Vorgesetzten – am Valentinstag Schokolade zu schenken. Das gefällt nicht Allen: Diese 義理チョコ Giri Choko genannte Tradition, also die „aus Pflichtgefühl überreichte Schokolade“, bringt weibliche Angestellte oftmals in die Bredouille, schließlich müssen sie ihr hart erarbeitetes Geld für etwas ausgeben, was sie gar nicht machen wollen. Wenn die männlichen Vorgesetzten dann auch noch richtig unausstehlich sind, wird die Prozedur zur Qual. Die Männer schenken übrigens am Valentinstag nichts, denn dafür gibt es den „White Day“ am 14. März.
Godiva, selbstverständlich Profiteur des Valentintagswahnsinns, ersann nun einen veritablen Marketingtrick und schaltete ganzseitige Anzeigen in japanischen Zeitungen: Japan solle doch bitte mit dem „Giri Choko“ aufhören, denn der Valentinstag sei ein der Liebe gewidmeter Tag, und Schokolade soll man nicht ohne die dazugehörigen Gefühle einfach so verschenken, denn das widerspricht dem ganzen Prinzip des Valentintags.
Recht haben sie. Und diese Marketingaktion ist erstaunlich gewieft: Nicht nur, dass Medien diesen Artikel schnell aufgriffen – bei Frauen, den Hauptkunden von Godiva, punktet das Unternehmen mit dieser Anzeige natürlich ganz ungemein. Natürlich wird die „Giri Choko“-Masche natürlich trotzdem weitergehen, Godiva hin oder her. Als der (ausländische) Boss von Godiva Japan jedoch zum Thema interviewt wurde, kam natürlich auch die Frage, ob denn auch bei Godiva die Angestellten ihren Kollegen und Vorgesetzten Schokolade schenkten. Die Antwort: Rund um den Valentinstag sei man viel zu beschäftigt, da sei gar keine Zeit dazu.

tabibitohttps://www.tabibito.de/japan/
Tabibito (旅人・たびびと) ist japanisch und steht für "Reisender". Dahinter versteckt sich Matthias Reich - ein notorischer Reisender, der verschiedene Gegenden seine Heimat nennt. Der Reisende ist seit 1996 hin und wieder und seit 2005 permanent in Japan, wo er noch immer wohnt. Wer mehr von und über Tabibito lesen möchte, dem sei Tabibitos Japan-Blog empfohlen.

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