BlogBesoffene Minister - Nakagawa vs Sarkozy

Besoffene Minister – Nakagawa vs Sarkozy

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Ja, wo wir doch erst beim Thema Whisky waren – die Nachrichten des verschlafenen? betrunkenen? japanischen Finanzministers Nakagawa schlagen hier natürlich hohe Wellen. Wer es noch nicht gesehen hat – hier Nakagawa live in Rom beim G7-Treffen bzw. einer Pressekonferenz:

Völlig klar, dass das Tumulte im japanischen Parlament ausgelöst hat. Nakagawa musste dabei Rede und Antwort stehen (und ich fand, er sah nicht wesentlich besser aus dabei). Ja, er habe etwas Wein getrunken zu Mittag. Schliesslich sei man ja in Italien gewesen. Aber er schob seinen Zustand dann doch eher auf eine „ungewöhnlich hohe Menge Erkältungsmedizin“, die er noch im Flugzeug zu sich genommen hatte. Nakagawa ist übrigens im allgemeinen für seinen scharfen Verstand bekannt.
Wein oder Erkältungsmedizin hin oder her – Aso steht zu seinem Finanzminister, auch wenn die Medien hier aufschreien. Aber das tun sie sowieso, denn nur noch ca. 20% der Japaner unterstützen Aso und noch weniger seine Regierung.
Trotzdem muss ich sagen, dass Sarkozy eine wesentlich bessere Figur abgab – beim G8-Gipfel letzten Jahres. Wer das noch nicht kennt – hier Monsieur höchstpersönlich und offensichtlich ganz amüsiert:

Um ehrlich zu sein – ich fand den Auftritt eher witzig als schockierend. Sind ja schliesslich auch nur Menschen.
Das Wort des Tages: 酩酊 meitei. Kein Wort, das man allzu oft im Alltag gebraucht, aber der Skandal um Nakayama wird mit diesem Wort in Verbindung gebracht: Betrunkenheit, Rausch.

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Tabibito (旅人・たびびと) ist japanisch und steht für "Reisender". Dahinter versteckt sich Matthias Reich - ein notorischer Reisender, der verschiedene Gegenden seine Heimat nennt. Der Reisende ist seit 1996 hin und wieder und seit 2005 permanent in Japan, wo er noch immer wohnt. Wer mehr von und über Tabibito lesen möchte, dem sei Tabibitos Japan-Blog empfohlen.

15 Kommentare

  1. na bitte. hab ich doch richtig gehört. und richtig: sind auch nur menschen. welchen rausch sie auch immer hatten, die party war offensichtlich sehr spannend!

  2. Hihi. Ja, wer feiern kann, der kann auch arbeiten. Das haben sich die Beiden wohl auch gedacht. *g

    Aber ich bin auch der Meinung: Es sind auch nur Menschen. Es sollte zwar nicht zur Gewohnheit werden, wenn es aber „mal“ passiert, lockert das doch nur die Stimmung in der sonst so trockenen Politik. :-)

    Übrigens: Klasse Blog! Danke für Deine immer wieder schönen Artikel, die ich sehr gerne lese. Bin erst vor kurzem darauf gestoßen.

  3. Tut mir Leid, aber wenn man in so einer Position ist, hat man eben kein Mensch mehr zu sein, sondern Profi. Zumindest in der Oeffentlichkeit, dafuer wird man bezahlt.

    Zum Glueck ist zuruecktreten ja leichter als Gerade stehen.

    Ich kann auch nicht besoffen am Zeichentisch sitzen und kriege vom Cheffe dann die Schulter gerieben und a weng Trost. Wo simmer denn? Kindergarten ist (leider) spaetestens mit Ende der Schule vorbei.

  4. Also ich weiß nicht BigAl, trotz jeder Position, die man inne haben kann oder eben auch nicht, bleibt man doch ein Mensch. Und ich finde, solche Auftritte zeigen deutlich, dass es noch Menschen sind und machen die Politiker wieder sympathischer, finde ich zumindest. Und irgendwo hatte das ganze doch einen lustigen Nebeneffekt, wann kann man schon mal über Politiker schmunzeln?

  5. Ich hab auch gelacht, meine Frau meinte jedoch, er habe Schande über Japan gebracht und das es gut sei, dass er nun weg ist.. tia, andere Länger andere Sitten.

  6. nun, mittlerweile ist er ja wohl zurückgetreten… worden.

    Ich persönlich habe für sowas kein Verständnis und muss da BigAl voll zustimmen: Jeder, der das so locker und „menschlich“ findet, der möge morgen mal besoffen zur Arbeit gehen und schauen, was der Check dazu sagt.

    Was Politiker in ihrer Freizeit machen ist mir relativ egal, aber wenn keine Kosten gescheut werden um Politiker zu einem Treffen am anderen Ende der Welt zusammenzubringen, und Herr N. ist zu besoffen um Fragen der Presse zu beantworten, dann ist er nunmal der falsche Mann für diesen Job.

  7. selbstredent sind die in diesem beitrag gezeigten persönlichkeiten keine guten vorbilder. sagt ja auch keiner.

    aber: die verfehlungen zeigen, dass auch den sonst so weit weg geglaubten und jenseits von gut und böse stehenden politiker auch eine gewisse menschlichkeit anhaftet.

    und scheinbar gibt es so manchen chef, der offensichtlich auch jenseits von gut und böse steht. wer feste feiert, kann auch feste feiern – war mal ein spruch von einem frühren vorgesetzten von mir.

    solange die politiker sich ausschließlich vor der presse lächerlich machen und sonst gute arbeit leisten (war jener finanzminister nicht auch mit einem guten leumund versehen?), sind mir diese fehltritte äußerst sympathisch. wer jedoch nur negativ auffällt, der hat mit einem rausch äußerst schlechte karten.

    ich denke das sehen auch viele vorgesetzte so.

    by the way: was war eigentlich gegenstand der unternehmung in rom? ohne den fehltritt hätte doch keiner sich für diese veranstaltung interessiert!

  8. Habe vom besoffenen Minister eben erst gelesen und mich bei dem Video kaputtgelacht.

    Bei aller Liebe zur Seriositätspflicht von Politikern, mir tut der Herr schon fast ein bisschen leid, so hilflos wie er am Pult hängt.

    Ist es nicht so, daß Japanern ein gewisses Enzym zur Alkoholumwandlung fehlt und sie deshalb nicht gerade standfeste Trinker sind?

    Vielleicht hat der Herr ja nur ein läppisches Glas italienischen Wein gebraucht, um derart zerknattert zu sein. :-)

    Auf jeden Fall ein Brüller, arigato gozaimashita, Herr ex-Minister.

  9. Minister Nakagawa hatte bereits am frühen Abend des 17. seinen Rücktritt eingereicht. Anscheinend müsse er schon seit längerer Zeit wegen chronischer Krankheit (Rücken) Medizin schlucken, und habe diesmal zuviel gegen Erkältung und Rückenschmerzen genommen. Zusammen mit Alkohol+Jetlag+Überarbeitung, na Prost sag ich da nur noch. Er sagt zwar er habe Wein bestellt, aber nicht getrunken. Allerdings hat sein Hang zu Alkohol in der Vergangenheit schon für Aufregung gesorgt.
    Wie es wirklich war werden wir nie erfahren. Spielt aber keine Rolle, so ein Auftritt ist natürlich nicht hinnehmbar. Danke jedenfalls an Mr. Meitei und Louis de Funès für die Lacher *prust*

    @BigAl+Umij
    Falls ihr es noch nicht gemerkt habt, für uns Normalos gelten andere Regeln als für Minister und Manager. Patzen wir vor dem Chef, sayonara mit Schuhtritt. Patzen hohe Tiere unabsichtlich/absichtlich, Beförderung oder grosse Abfindung. Bush und Konsorten hatten weit über die Stränge geschlagen und sind trotzdem davongekommen. Ach ja, Mr. President hatte auch schon den Stinkefinger in die Kameras gezeigt und man fand das sogar noch toll.
    Ein Trost für uns Normalos, dass es zum Glück auch verständnisvolle Chefs gibt.

  10. Nein, so sehr ich mich bemühe diesen Fehltritt locker zu sehen, es gelingt mir nicht. Der Aufwand den solche Grossveranstaltungen internationaer Politik mit sich bringen, inklusive immenser Kosten, lässt mich erwarten das alle Beteiligten konzentriert und mit entsprechendem Engamgment zu werke gehen. Das ein Finanzminister der zweitgrössten Wirtschaftsmacht, in Zeiten der Finanzkrise, ein derart desolaten Auftritt hinlegt ist nicht menschlich, sondern schlicht und einfach inakzeptabel. Milliarden von Steuerngelder werden zur Stabilisierung des Finanzsystems verbraten, ungezählte Arbeitsplätze stehen auf der Kippe und Sparzwänge werden das soziale Netz weiter ausdünnen. In diesem Kontext gefriert mir das Lächeln auf den Lippen. In Japan begehen immer mehr entlassene Leiharbeiter suizid, aus Scham und Verzweiflung. Bei diesem Hintergrung fehlt mir das Verständnis für den Hrn Minister völlig. Heydal

  11. @BilAl * Umij: Natuerlich darf sowas _normalerweise_ im Amt nicht sein. Allerdings kann es wohl auch passieren, dass es manchmal zum Amt dazugehoert. War es nicht gerade bei Sarkozy so, dass er direkt vorher ein paar Stuendchen mit Putin am Regierungsgeschaefte taetigen war? Ich koennte mir schon vorstellen, dass die Russen da etwas rustikaler unterwegs sind und der russische Praesident mal eben ne Flasche Vodka auf den Tisch knallt. Den russischen Praesidenten vor den Kopf zu stossen und seinen Vodka abzulehnen, moechte ich als Staatspraesident auch nicht unbedingt riskieren *g*.

  12. Angeblich war er ja gar nicht besoffen. Er sieht zwar nicht wirklich fit aus, aber es wurde ja gesagt, dass er sehr viele Medikamente genommen hat weil er krank sei. Und wenn ich ihn mir so ansehe, dann glaube ich das auch. Wie ja der Besucher da schon gesagt hat. Er macht jetzt nicht den Eindruck als ob er betrunken gewesen sei. Er macht nämlich für mich schon einen sehr kranken Eindruck. Aber er ist ja auch nach dieser Sache gleich zurück getreten. Das finde ich widerrum schon fraglich, denn warum tritt man da gleich zurück.

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