Luxusgut Gemüse

Oktober 18th, 2016 | Tagged , | 9 Kommentare | 1915 mal gelesen

In der japanischen Haushaltskost spielen nicht etwa Fleisch oder Fisch die grösste Rolle, sondern Gemüse. Ohne geht’s hier einfach nicht. Und da in Japan fast nur in Japan angebautes Gemüse ver- und gekauft wird, sind die Preise – verglichen mit Deutschland zum Beispiel – relativ teuer. Der Preisanstieg, den man momentan jedoch sieht, macht selbst Restaurant- und Supermarktbesitzer sprachlos. Denn der September war ziemlich verregnet, aufgrund von verschiedenen Taifunen gab es vielerorts schwere Unwetter, und es mangelte an Sonnenschein. Das Resultat: Eine beispiellos schlechte Ernte in vielen Gebieten nördlich von Tokyo. Damit steigen die Gemüsepreise ordentlich an – für viele Sorten bezahlt man zur Zeit nicht selten das Doppelte. Neulich postete ein Bekannter passend zum Thema ein Photo aus einem Supermarkt in Sendai, in dem ein Salatkohlkopf mal eben stolze 8,50 Euro kostete.

 

Herkunft Preis 2016* Preis 2015** Steigerung
Rettich Hokkaido 1,89 € 1,70 € 11 %
Mohrrüben Hokkaido 3,41 € 1,61 € 111 %
Blattspinat Gunma 14,2 € 8,07 € 76 %
Gurken Saitama 7,20 € 4,17 € 73 %
Paprika Ibaraki 8,18 € 6,32 € 30 %
Kartoffeln Hokkaido 2,37 € 1,90 € 25 %

* Höchstpreis beim Großhandel in Tsukiji pro Kilogramm in der zweiten Oktoberwoche
** Preise im gleichen Zeitraum im Vorjahr

Nach Tageskurs vom 17. Oktober 2016 (114 Yen = 1 Euro)

Möhrchen gefällig? 1 Euro 50 bitte!

Möhrchen gefällig? 1 Euro 50 bitte!

Angeblich soll aber alles bald wieder besser werden, da das Wetter sich ja auch zum Oktober hin verbesserte. Fakt ist aber, dass diese Preise für einkommensschwache Familien mit Kindern, aber auch für Restaurantbesitzer, ein ordentliches Problem darstellen.

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9 Responses to “Luxusgut Gemüse”

  • Klaus D. Orth sagt:

    Ja, traurig aber wahr. Bei den Preisen, da heisst es auf Sonderangebote Jagd machen. Aber es ist ja nicht nur Gemuese! Wenn man die anderen Preise so mit Deutschland vergleicht: 200 Gramm Butter rund 4 Euro, eine 0,33 Dose Bier (nein, nicht haposhu!!) etwa 2 Euro,5 Scheiben gummiartiges Toastbrot 1 Euro, 100 Gramm Gehacktes 1 Euro, ein Apfel 1 Euro …. und so weiter. Aber ist klar, wer fest angestellt ist oder aber Staatsbediensteter, der schafft das schon bei dem jaehrlichen Bonus, der zumindest zweimal ausgezahlt wird. Mal abwarten, wie das weitergeht. Aber da Japan auf Wunsch „unserer Oberen“ (weitestgehendst)unabhaengig sein soll von Warenimporten, sehe ich da keinen Lichtblick, dass es besser wird.

    • tabibito sagt:

      In der Tat… neulich war ich in einem Supermarkt, in der es nur eine einzige Sorte Butter gab: Ein 80-Gramm-Glas, das mal eben saftige 6 Euro kostet. Wahnsinn. Und nein – Besserung ist nicht in Sicht, es sei denn, man lässt sich auf TPP ein.

  • Rumi sagt:

    Ja, es ist traurig.
    Ich wohne in Fukuoka,die größte Stadt in Kyusyu. Bei uns geht es auch ähnlich.
    Ich bin Hausfrau, so jeden Tag zerbreche ich mich den Kopf darüber.
    Hoffentlich wird es bald in Ordnung sein.

    Als ich in Deutschland gereist habe, habe ich überrascht, den Preis des Lebensmittels.

    Liebe Grüße
    Rumi

    • tabibito sagt:

      Danke für den Kommentar! Interessanter (und vor allem langer!) Blog, den Du da schreibst!

      • Rumi sagt:

        Danke für deinen Besuch zu meinem Blog!!
        Seit lang schreibe ich auf Deutsch meinen Blog, aber mein Deutsch ist leider nicht so verbessert…

        Dein Profil lese ich.
        Ich kann nicht vermuten, dass das Leben wie du, auf Muttersprache nur zu Hause sprechen dürfen.
        Und als Japanerin freut mich sehr, du für Japan Interesse hast :-)
        Liebe Grüße
        Rumiko

  • LennStar sagt:

    Tja, und hier im guten alten Deutschland war gerade das Kilo Mohrrüben für 0,66€ im Angebot, neben dem Eisbergsalat für 0,44€.
    Gut, über die Qualität von solchen Angeboten kann man sich dann streiten…

    Allerdings frage ich mich, ob es nicht bei diesen Preisen tatsächlich wirtschaftlicher wäre, zumindest bei einzelnen Gemüsesorten in den Klimakammer-anbau zu gehen. Gerade für Japan.
    Hier was ich meine (ohne die Seite zu kennen, aber die Bilder zeigen es):
    http://www.certhon.com/de/greenhouse-solutions/innovationen/wachstumskammern-mehrstockige-anbausysteme
    Ich hab in sowas selbst schon ein paar Tage gearbeitet. Der manuelle Aufwand ist natürlich (noch) viel größer als auf dem Feld, aber das sollte bei den Preisen auch kein Hemmnis sein.

    • tabibito sagt:

      Nun, man experimentiert auch hier damit. Aber durchgesetzt hat sich das noch nicht.

      Interessanterweise bedeuten die Preise nicht unbedingt, dass das Gemüse besser ist als zum Beispiel die Massenprodukte aus Holland. Hängt allerdings von der Art ab. Die meisten Tomaten kann man hier vergessen, Blattspinat, Lauch usw. sind hingegen meistens sehr gut. Das komische ist jedoch, dass es hier in Japan billiger (und besser) wird, wenn man direkt vom Erzeuger kauft. In meiner Gegend in Kawasaki geht das auch, aber hier ist das Angebot natürlich begrenzt. Neulich erst einen Riesen-Wachskürbis (tōgan) direkt vom Bauern für 2 Euro gekauft – und der war richtig gut.

      • Klaus D. Orth sagt:

        Leider hat halt gerade bei Gemuesepreisen die „Dame JA“ fast immer die Haende im Spiel. Wenn es einen „offenen Markt“ gaebe, so wie ich die Markttage in Deutschland noch in Erinnerung habe, kaeme es bestimmt zu Preissenkungen.

  • K sagt:

    Viel schlimer als die Preise finde ich, wie die Lebensmittel hier (auch in der Gemüseabteilung) übelst in Plastik eingepackt sind. Oder auch bei edlen, teuren Bäckereien. Natürliches Brot wie in Deutschland, womöglich noch Bio, und dann kommen erstmal zwei Schichten Plastik drum. Da kann einem direkt der Appetit vergehen.