Buschdoktoren am Werk

April 16th, 2015 | Tagged , | 7 Kommentare | 1943 mal gelesen

Ich brauche nur eine Viertelstunde von meinem Haus immer die Strasse herunterlaufen, bis ich vor einem trutzburgähnlichen Gebäudeensemble stehe: Das 聖マリアンナ医科大病院 St. Marianna University School of Medicine Hospital. Eine Universitätsklinik. Das klingt schön, wenn man es sich auf Deutsch auf der Zunge zergehen lässt. Doch kaum sind wir in diese Gegend gezogen, hörten wir schon die ersten, warnenden Stimmen: Geht um Gottes Willen niemals zum St. Marianna! Das sind alles ヤブ医者 – Yabu-Isha (Buschdoktoren). Das Krankenhaus ist wohl so schlimm, dass Bürger die örtlichen Kōmeitō-Abgeordneten drängten, etwas zu tun – und so baute schliesslich die Sōka-Gakkai-Sekte in der Nähe ein anderes, vom Ruf her wesentlich besseres Krankenhaus.

Die Gerüchte scheinen sich zu bewahrheiten. Seit gestern geistert das Krankenhaus durch alle Nachrichten¹. Bei einer Untersuchung wurde festgestellt, dass 20 Psychiater ihren Abschluss auf unrechtmässige Art und Weise erworben hatten. Allen 20 Ärzten wurde nun die Lizenz entzogen, und es tauchen Geschichten über unrechtmässige Einweisungen und mehr auf. Da fragt man sich freilich, wer denn überhaupt in dieses Krankenhaus geht, wenn der Ruf so schlecht ist.

Aber das ist nichts Neues in Japan: Die Unterschiede zwischen den Ärzten und den Krankenhäusern sind riesig, und das schlägt sich durchaus auch in den Preisen nieder. Wobei das nicht bedeutet, dass schlechte Krankenhäuser billig sind. Sie sind ebenfalls sauteuer – aber die richtig „guten“ sind nochmal um einiges teurer. Aber gut: Ich hoffe doch, so bald kein Krankenhaus von innen sehen zu müssen. Und wenn doch, dann lieber nicht das St. Marianna, auch wenn es gleich um die Ecke liegt.

¹ Siehe unter anderem hier.

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7 Responses to “Buschdoktoren am Werk”

  • Vladislav sagt:

    Es ist doch wirklich schlimm. Ich habe mal vor vielen Jahren eine Medizinstudentin beim Kopieren von Spickzetteln für die Anatomie Prüfung beobachtet. Ich gebe zu auch Spickzetteln vervielfältigt zu haben, aber das Wirtschaftsgeschichte des Mittelalters und hat keine Auswirkung auf Menschen aber die junge Dame hat wirklich etwas ins Schrecken versetzt.

    • Thuruk sagt:

      Ja bei manchen Leuten fragt man sich echt, warum die eigentlich studieren. Interesse schon längst verflogen und nur des Einkommens wegen vermutlich. Nur, wenn man bei den Prüfungen bescheißt kann man ja nicht mal den Beruf ausüben.

      • Julia sagt:

        So habe ich das auch bei Lehramtsstudenten erlebt. Aber wer kein studierter Lehrer ist, darf nicht unterrichten, egal wie gut er wäre. Ach ja, Deutschland…

  • Klaus sagt:

    Kein St. Marianna …. aber willst Du wirklich zu den Sekten-Mitgliedern, wenn es denn einmal sein muss?

  • Claudia sagt:

    Ich finde es generell sehr bedenklich, wie stark unterschiedlich die Qualität verschiedener Arztpraxen in Japan ist. :/

  • Weißt du zufällig, wo der Begriff ヤブ医者 herkommt? Finde ich irgendwie lustig, dass man ausgerechnet Busch-Doktoren sagt. (Wobei es für dich natürlich nicht lustg ist, wenn du dort behandelt werden müsstest)

  • Rin sagt:

    Gut erkannt. Mir ist im letzten Jahr durch meine Schwangerschaft erst richtig klar geworden welche Stuemper hier am Werk sind und dafuer noch massenhaft Geld verlangen.
    Ich war anfangs in einer teuren Privatklinik und auch dort gab es trotz gutem Ruf nur Probleme. Erstens wurde mir bis zum 9. Monat weisgemacht ich bekaeme ein Maedchen, was unglaublich ist. Ich war jeden Monat mindestens 2 mal beim Ultraschall und der alte Kauz will behaupten niemals gesehen zu haben dass da was baumelt?! Aber ich haette BIS ZUR GEBURT nicht gewusst dass es ein Junge waere, haette ich nicht das Krankenhaus gewechselt nachdem eine andere Aerztin am Ultraschall festgestellt hatte, dass das Baby offensichtlich Polyzystische Nieren hat… Auch das hatte der Alte nicht bemerkt und ich frage mich doch ernsthaft fuer was ich um die 5000 yen fuer jeden Ultraschall gezahlt hatte wenn er es nicht fuer noetig haelt mein Baby auch zu untersuchen….
    Von der nicht vorhandenen PDA bei der Geburt (nicht dass ich eine gewollt haette aber trotzdem fuehlt man sich besser wenn man die Wahl zumindest haette) und der nicht vorhandenen „Stillpille“ will ich erst gar nicht anfangen…

    LG Rin