Mini gegen Maxi: Kapitalismus mal so und mal so

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    Neulich stand eine neue Instantnudelvariante in meiner Küche, die ich erst als Werbegag abtat. Es war aber keiner – es gibt nunmehr gerade mal handtellergrosse Instantnudelschalen mit rund 200 Kalorien für den wirklich ganz kleinen Appetit zu kaufen. Nicht, dass mich das wirklich wundert, denn während in den USA und anderswo die Konsumprodukte, zumindest so es um Speis und Trank geht, immer größer werden, läuft der Hase in Japan in die andere Richtung. Alles wird kleiner. Interessanterweise widersprechen sich die Trends nicht einmal: In den USA lautet das Motto “ob 300ml oder 600ml ist vom Einkaufspreis fast egal, Hauptsache wir haben einen Sale”, in Japan hingegen macht man einfach mehr Profit mit vielen kleineren Sachen. Käse oder Butter sind da wunderbare Beispiele. Man kann knapp 4 Euro für 200 Gramm Butter bezahlen (bei Importbutter gern über 10 Euro), oder sich die kleinere 50 Gramm-Packung für 2 Euro kaufen. Da wird dann eben schnell gern der doppelte Preis verlangt. Mein Favorit sind dabei Käsewürfelchen in einem Bahnhofsladen: 20 Gramm Käsekrümel, im Plastebecher, mit Spießchen, für sage und schreibe 2 Euro. Da kostet das Kilogramm dann eben 100 Euro, und das für ganz ordinären Parmesan. Japan ist wahrscheinlich auch eines von sehr wenigen Ländern, das Bier in 135 Gramm-Dosen verkauft.

    Es wird immer wieder negativ darüber berichtet, dass in Japan alles zehn Mal eingepackt wird und somit riesige Berge von Müll entstehen. Dabei ist der normale Verpackungsmüll nur eine Seite des Problems. Die Miniaturisierung und das ach so praktische Verpacken kleinster Nahrungsmittelmengen in Plastik und Co dürfte das schlimmere Problem sein. Das Verhältnis von Müll zu Inhalt bei der Nudelsuppe im Bild liegt beinahe bei 1:1, und natürlich nicht nur das: Natürlich besteht die Verpackung auch noch aus schwer trennbaren Verbundstoffen. Einfach Wahnsinn. Natürlich ist das andere Extrem in den USA auch nicht besser – von den gesundheitlichen Folgen mal abgesehen landen dort einfach mal sehr viele Nahrungsmittel auf dem Müll, was auch nicht im Sinne des Erfinders ist.

    1 COMMENT

    1. Ein ganz großes Problem in Indien. Dort haben internationale Konzerne ihre Produkte bis in die hintersten Winkel des Landes gebracht. Um die dortige Kaufkraft nicht zu übertrapazieren wurden Shampoo, Kautabak, Chips u.a. in winzig kleine Einzelpackungen gesteckt.
      Da es in den meisten Gegenden Indiens keine Müllabfuhr, geschweige denn -sortierung gibt, landen alle diese Verpackungen auf dem Boden und werden nur (wenn überhaupt) beiseite gefegt.
      Ein Umweltbewusstsein in diesen weitreichenden Gebieten aufzubauen, wo jahrtausendelang keines notwendig war, dauert natürlich sehr, sehr lang.

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