Einsames Japan: Mehr als die Hälfte der 18 bis 34-jährigen partnerlos

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    Demographischer Wandel 1930-2055 in Japan: Quelle: www.ipss.go.jp

    Heute veröffentlichte das staatliche 国立社会保障・人口問題研究所 (Nationales Forschungsinstitut für Bevölkerung und Soziale Sicherheit) alarmierende Forschunsergebnisse. Alle 5 Jahre veranstaltet das Institut Umfragen dieser Art. Befragt wurden gut 10,000 Japaner jeglicher Altersgruppen, sozialer Schichten und Geschlechts – darunter gut 7,000 Männer und Frauen zwischen 18 und 34 Jahren. Das wichtigste Ergebnis der Umfrage: 61.4% der befragten Männer sowie 49.5% der Frauen jener Altersgruppe gaben an, keinen Partner zu haben.

    Prinzipiell wollen rund 86% der Männer und gut 89% der Frauen zwar irgendwann mal heiraten, aber die 18 bis 24-jährigen geben an, sich noch zu jung dafür zu fühlen – die 25 bis 34-jährigen finden irgendwie nie nicht den Passenden oder die Passende. Interessant ist übrigens, dass bei der Umfrage explizit mit dem Attribut 異性 – isei (andersgeschlechtlich) gefragt wird: Homosexuelle zählen hier also nicht. Andererseits würden die sicher den Kohl auch nicht fett machen. Der Anteil der Partnerlosen ist der grösste seit Beginn der Befragungen: Jener stieg in den vergangenen Jahren um 10% bei Männern und 5% bei Frauen.

    Überraschende Ergebnisse? Im Prinzip schon. Es war schon klar, dass der Anteil der Partnerlosen gross ist. Aber die Untersuchung zeigt, dass alles noch viel schlimmer ist. Das Problem in diesem Land ist nicht etwa eine hohe Scheidungsrate oder zu wenige Kinder: Es hapert bereits beim allerersten Schritt. Schaue ich mich dabei in meiner Umgebung um, kann ich diese Zahlen nur bestätigen. Quo vadis, Japan? Wäre ich ein halbwegs junger Politiker in diesem Land, würde ich mir jedenfalls sehr grosse Sorgen machen.

    Den kompletten Report kann man hier herunterladen.

    Quelle der Graphik und des Reports: IPSS

    9 COMMENTS

    1. Da dürfte es ein großes Gefälle zwischen Stadt und Land geben.
      Hier im tiefsten Inaka sind die meisten in meinem Alter (30J.) bereits mit Kindern verheiratet, aber hier läuft das Leben eh noch ganz anders als in der Großstadt.

      Ich reihe mich aber einfach mal in die Statistik mit ein. Als weiblicher Gaijin im tiefsten Inakaland hat man sowieso keine Chancen auf eine Partnerschaft.

    2. Mich würde interessieren, wie das in Deutschland aussieht. Da muss ich mich glatt mal schlau machen.
      Von meinen Freundinnen sind die meisten Single, ich auch. Aber Statistiken sagen ja auch, dass es schwieriger wird, einen Partner zu finden, je höher man gebildet ist, vor allem als Frau… Würde mich nicht wundern, wenn das den Japanerinnen, die sich ja in dieser Generation auch immer mehr emanzipieren, ähnlich ginge. (Vor allem wenn die Männer sich zu 70 Prozent sogar selbst als 草食系男子 bezeichnen. >.<)

    3. Ich würde sagen, dass der japanische Arbeitsethos einen guten Teil der Schuld ausmacht. Gerade in den Anfangsjahren nach Highschool/Uni, arbeiten die jungen Japaner teilweise +10-11 Stunden pro Tag und 6 Tage pro Woche. Wer hat da noch viel Zeit für Partnersuche?

      Dann ist da noch diese Sache mit dem Nicht-Zusammenziehen bis man heiratet. Aber in den heutigen “unverbindlichen” Zeiten, bindet sich schon vorschnell an jemand für das ganze Leben, mit dem er noch nie zusammengelebt hat?

      Aber tendenziell haben wir die Gleiche Situation in Deutschland.
      Ich bin jetzt 26 und von den Leuten, die mit mir zusammen Abitur gemacht haben oder mit mir gemeinsam studierten, sind geschätzt 5% verheiratet, die mit Kindern wohl so bei 1-2%.
      Das sagt nun nichts darüber aus, wieviele davon in einer Beziehung sind, aber doch sehr wohl, dass wohl die wenigsten davon Kinder haben werden, zuvor sie 30 sind.

    4. Meiner Meinung nach ist der Grund fuer das Singel Leben nicht die Arbeit oder Arbeitszeit. Das war frueher mit der Arbeit noch viel schlimmer als jetzt. Demnach ist der Grund ganz woanders zu suchen.
      Ich wuerde behaupten, das auch in Japan die Frauen mehr emanzipiert sind als noch vor 10 Jahren und die Maenner damit ein Problem haben. Ein weiterer Grund ist auch, das viele Maenner einer “unattraktiv” wirken, da die Jobs nicht mehr so gut sind, weniger gut bezahlt sind usw.

    5. Hm, ich bin ja nun negativ vorbelastet, aber ich würde einfach mal die These in den Raum stellen, dass das japanische Verständnis von Beziehung überaus komplex ist, sich bei Mann und Frau extrem unterscheidet und eigentlich nicht wirklich eine glückliche Partnerschaft im Sinn hat. Aber wie gesagt, ich bin da nun (doppelt) negativ vorbelastet :(

    6. So traurig es auch ist, ein wenig musste ich schon schmunzeln.
      Nehmen wir mal einen durchschnittlichen Salaryman in einem Großen Unternehmen. Urlaub? Haha, 20 Tage mit etwas Glück. 15 davon festgeschrieben wegen Firmenschließungszeiten. 5 davon nicht genommen wegen schlechtem Gewissen dem Chef gegenüber. Aber: die 15 freien Tage sind keineswegs frei, denn es bleibt zufällig noch ein Auftrag übrig, der unbedingt erledigt werden muss. Also nix mit Urlaub – schuften ist angesagt. Meißt unbezahlt und nirgendwo verbucht, denn das würde ja ein schlechtes Licht auf die Firma werfen…
      Arbeitszeiten von 8 bis Boss geht (meißt so gegen Mitternacht wenn der letzte Zug einem grad vor der Nase wegfährt).
      Wochenende? Was ist das??
      Wann sollen denn da die Männer auf Frauensuche gehen?
      Außerdem gibt es ja noch das Prinzip der Christmas cakes.. also liebe Frauen – bitte schön vor dem 25. Geburtstag brav unter der Haube sein, ja?
      Oh.. keine Männer dafür da? tja…..
      Mag vielleicht fies klingen, ist aber häufig die vorherrschende Realität.
      *seufz*
      Hoffen wir mal, dass man daraus lernt und es in Zukunft besser macht.
      Weir kämpfen schließlich fast überall auf der Welt mit dem gleichen Problem (auch wenn z.B. hier in Deutschland die Arbeitszeiten nur bedingt als Entschuldigung herhalten können), nur, in Japan zeigt es sich von der extremen Seite.
      lg, Rose

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