Sapporo

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札幌 Sapporo

4 von 5 Sternen: Äusserst sehenswert
Name:

Sapporo. Die Schriftzeichen sind ateji – ohne Bedeutung, nur der Lesung willen gegeben. Der Ortsname stammt vom Ainu-Namen Sattoporo ab und bedeutet „Trockene Weite“. -poro bzw. horo- sieht man oft in Hokkaido – es bedeutet in der Ainu-Sprache „gross“ bzw. „weit“.

Lage:

Liegt in der grössten Ebene Hokkaidōs
in der Provinz Ishikari (wörtlich: Steinejagd), dort wo sich das Japanische Meer und der Pazifik am nächsten sind.
Die Stadt erstreckt sich zwischen den Bergen und dem Toyohira-Fluss 豊平川.

Ansehen:

Das geräumige Zentrum mit dem Fernsehturm, dem Glockenturm und der alten Sapporo-Brauerei. Der Berg Moiwa. Die Umgebung.

 

Sapporo – Beschreibung

Wer den Namen Hokkaido gehört hat, kennt sicherlich auch den Namen der grössten Metropole der Insel – Sapporo. Die Stadt selbst hat rund 1.9 Millionen Einwohner, das Ballungsgebiet rund um die Stadt 3.4 Millionen. Das macht Sapporo zum mit Abstand grössten Ort Japans nördlich von Tokyo, welches immerhin rund 800 km entfernt liegt, bzw. zur Nummer 5 in Japan. Zur Bekanntheit von Sapporo haben mit Sicherheit die Olympischen Winterspiele 1972 sowie das alljährlich stattfindende Schneefestival beigetragen. Sapporo ist des übrigen Partnerstadt Münchens.

Die Bekanntheit (und Beliebtheit) ist erstaunlich, denn Sapporo ist nicht nur für japanische Verhältnisse sehr jung. Früher jagten hier lediglich die Ureinwohner (Ainu) in der weiten Ebene. Sie bauten jedoch keine Städte und Burgen, weshalb von ihnen historisch gesehen nur der Ortsname blieb.

Die Stadt ist schön gelegen und großzügig geplant
Die Stadt ist schön gelegen und großzügig geplant

Erst 1857 siedelten die ersten Japaner in der Ishikari-Ebene 石狩平野 rund um Sapporo. 1866 wurde das Dorf Sapporo gegründet. Die Zeit der Samurais und Burgen war da schon so gut wie ganz beendet. 1869 wurde das Kaitaku-shi (Landeserschliessungsamt) 開拓使 errichtet – mit dem Ziel, den bis dahin weissen Flecken Hokkaido sowie Karafuto (heute Sachalin) zu besiedeln.

Das Zentrum der Bemühungen wurde schnell von Hakodate 函館 nach Sapporo verlegt. Somit wuchs die Stadt schnell heran. 1880 wurde Sapporo durch die Eisenbahn mit dem wichtigen Hafen von Otaru 小樽 verbunden.

Eines fällt in Sapporo heutzutage sofort auf: Es gibt mehr Platz. Vor allem im Zentrum hält man sich ziemlich genau ans Schachbrettmuster, aber mit sehr viel Freiraum. Und man hat sich sichtbar bemüht, eine für Besucher (und Bewohner?) attraktive Stadt zu werden – mit vielen Wegweisern und nett herausgeputzten, wenn auch historisch nicht allzu bedeutenden Sehenswürdigkeiten.
Und einem nervenden Ampelsystem: Für Fussgänger herrscht auf der Hauptstrasse eine rote Welle sondersgleichen. Entweder man sprintet oder läuft langsam wie eine Schildkröte – alles andere bedeutet, alle zwei Minuten für zwei Minuten stehenzubleiben.

Breite Boulevards im Zentrum
Breite Boulevards im Zentrum

Dank des Schachbrettmusters ist es schwer, sich zu verlaufen. Der Hauptbahnhof Sapporo Eki 札幌駅 liegt im Nordosten des Zentrums und ist rundum modern. Von dort läuft man einfach ein paar Schritte Richtung Süden. Das ist bereits das Zentrum – sehr moderne Häuserschluchten, breite Strassen und die üblichen Häuserschluchten. Nach guten 10 Minuten (5 Minuten laufen, 5 Minuten Ampel) kommt man an der breiten Ōdori (Boulevard) 大通 an – eine wichtige Achse mit Park in der Mitte. Und einem grossen Untergrundbereich, wo sich auch die drei U-Bahn-Linien von Sapporo treffen.

Sapporo / Hokkaido: Der alte Fernsehturm
Sapporo / Hokkaido: Der alte Fernsehturm

Schaut man am Platz nach links (Westen), sieht man einen schön altmodischen terebi tō (Fernsehturm) テレビ塔. Jener wurde 1956 gebaut. Im Park vor dem Fernsehturm steppt im Sommer der Bär – man lümmelt auf den Wiesen, es spielen Strassenmusikanten und an Imbissbuden fehlt es auch nicht.

Wahrzeichen der Stadt: Der Uhrenturm
Wahrzeichen der Stadt: Der Uhrenturm

Zwischen Bahnhof und Fernsehturm, versteckt zwischen Hochhäusern, steht ein altes Holzhaus. Auf dem Holzbau thront der putzige tokei-dai (Uhrenturm) 時計台. Dieser ist das Wahrzeichen Sapporos. Der rote Stern unter der Uhr trägt mit Sicherheit dazu bei, dass so mancher an Russland denken mag. Hier sei gesagt, dass der rote Stern zum Symbol Hokkaidos gehört (siehe Wappen von Hokkaido). Der Bau beherbergt heuer ein Museum zur Geschichte der Stadt. Die Ausstellung ist nicht sehr gross und vielleicht deshalb unbedingt sehenswert. Eintritt kostet ¥ 200.

Sapporo / Hokkaido: Die alte Sapporo-Brauerei
Sapporo / Hokkaido: Die alte Sapporo-Brauerei

Zwischen Uhr und Bahnhof, aber fünf Blöcke weiter westlich, findet man die sapporo fakutorii (Sapporo Factory) サッポロ ファクトリー – das alte Brauhaus der Sapporo Brauerei, die auch heute noch zu den Grossen in Japan zählt (produziert wird jedoch heute woanders). Der Backsteinbau fällt sofort durch die Efeu-umrankte Fassade und den schwarzem Schornstein (nebst rotem Stern!) auf. Auch innen fühlt man sich an Deutschland erinnert – typische glänzende Braukessel aus Kupfer gibt es dort zu sehen. Und dutzende Souvenirshops. Die verkaufen auch viele typischen Hokkaido-Erzeugnisse, z.B. Krabben, Seeigel, Milcherzeugnisse usw. Ein netter Ort zum Bummeln. Und!!! Der Komplex beherbergt eine onsen (heisse Quelle) 温泉, in der man es sich gut gehen lassen kann.

Das schöne alte Rathaus von Sapporo
Das schöne alte Rathaus von Sapporo

Ebenfalls nur wenige Minuten zu Fuss vom Bahnhof entfernt findet man noch ein Backsteingebäude – beinahe palastartig ausgebaut – mit dem wohlklingenden Namen Hokkaidō-chō kyūhonchōsha (Ehemaliges Hauptverwaltungsgebäde des Amtes für Hokkaido) 北海道庁旧本庁舎 . Der Bau wurde gegen Ende des 19. Jhd gebaut und dient schon lange nicht mehr als Amtsgebäude. Heute wird es hauptsächlich als Museum genutzt. Das Museum bzw. die Dauerausstellungen sind ebenfalls sehenswert. Und das Innere kommt einem als Besucher aus dem alten Europa sehr bekannt vor. Rund um den Bau findet man einen netten kleinen Park mit viel Gingko. Unweit des Hauses im Osten folgt der Botanische Garten.

Der moderne Bahnhof mit dem T38-Hochhaus
Der moderne Bahnhof mit dem T38-Hochhaus

Zurück zum Bahnhof: Dort steht unüberschaubar der Tawaa surii eito (Tower 38) タワー38, auch JR Tower genannt, – drei Mal darf geraten werden, wie viele Geschosse der hat. Ganz oben im 173 m hohen Turm gibt es eine Aussichtsplattform (¥ 700). Bei gutem Wetter sieht man nicht nur ganz Sapporo, sondern auch das Meer und das Inselinnere. Etwas teuer, aber bei guter Sicht lohnenswert. Die moderne Betonorgie rund um den Bahnhof erinnert übrigens irgendwie an die stalinsche Zuckerbäckerstilsymphonie in Minsk. Nur ein μ moderner.

Sapporo / Hokkaido: Pagode am Berg Moiwa
Sapporo / Hokkaido: Pagode am Berg Moiwa

Nochmal zum Berg Moiwa 藻岩山. Sapporo grenzt im Osten an eine Bergkette. Einer der nächstgelegenen Berge ist der 531 m hohe Moiwa (wörtlich: Flechtenfelsen). Dort fährt eine Seilbahn herauf – für ¥ 1100 retour. Oben gibt es eine Plattform und ein Restaurant usw. Ein Shuttlebus verkehrt umsonst zwischen der Seilbahnstation oben und dem Gipfel. Die Aussicht ist ganz famos – vor allem nachts, wenn sich die Schachbrettmusterstadt vor einem ausbreitet. Und so kommt man hin: Die U-Bahn-Linie Tōzai-sen bis Maruyama-Kōen nehmen. Von dort mit dem Bus bis Rōpuuei-mae (=vor der Seilbahn) und schon ist man da.

Sapporo ist wie oben erwähnt kein historisches Juwel. Aber eine sehr angenehme Stadt für einen Ausflug. Und eine gute Basis, um die Insel zu erkunden.

 

Anreise

Mit dem Flugzeug, dem Boot oder dem Zug. Am wahrscheinlichsten wird wohl das Erstere sein. Der moderne Flughafen Chitose 新千歳空港 liegt weit entfernt südöstlich von Sapporo. Von Tokyo fliegt man eine gute Stunde, der Preis beginnt bei ca. ¥ 10,000. Je nach Reisezeit und Kurzfristigkeit bis zu ¥ 28,000. Direkt vom Flughafen fährt der Flughafenexpress – Fahrtzeit ca. 30 Minuten, Kosten ¥ 1,040.

Nach dem Trampen das billigste ist die Fähre. Es fahren Fähren von Nagoya 名古屋 und von Ōarai 大洗 (siehe Mito 水戸). Letztere kostet nur 8,000 Yen in der billigsten Klasse, sollte aber weit im Voraus gebucht werden (wollte im August fahren und habe im Juni versucht zu buchen – zu spät). Die Fähren fahren nach Tomakomai nahe Chitose – von dort fahren Vorortzüge nach Sapporo.

Sapporo ist DAS Eisenbahnkreuz von Hokkaido. Man kommt von dort mit dem Zug nach Wakkanai 稚内 (6 Stunden, ¥ 10,015), Nemuro, Otaru 小樽 (¥ 620, 30 Minuten) und Hakodate 函館 (ca. 3½ Stunden). Wer von Tokyo 東京 anreist, muss in Hakodate, Aomori 青森 und Hachinohe 八戸 umsteigen. Die (Tor)tour dauert mindestens 9½ Stunden und kostet ¥23,180. Es gibt einen etwas billigeren Nachtzug, aber der muss auch gut im Voraus gebucht werden. Die Fahrtzeit könnte sich in den nächsten Jahren arg verkürzen – der Hokkaido-Shinkansen ist in Bau. Momentan fährt er nur bis Hachinohe, aber das wird sich bald ändern.

In Sapporo sind die drei U-Bahnlinien (übrigens nicht auf Schienen sondern auf Rädern – aber sehr schnell) von Nutzen. Zudem gibt es etliche Buslinien.

 

Übernachtung

Für den Jugendherbergspreis von ¥3,400 kann man in einem Schlafraum von Ino’s Place イノーズプレイス übernachten. Eine geniales Backpacker-Hostel, geführt von der sehr freundlichen Familie Inomata. Dort gibt es einen grossen Gemeinschaftsraum, eine nützliche Handbibliothek, eine grosse Küche, die nach Lust und Laune genutzt werden darf. Ein Ort, wie man ihn in Japan selten erwartet. Die Betreiber sind auch sehr hilfreich, wenn es darum geht, eine Erkundung Hokkaidos zu planen. Adresse: zip 003-0003, Sapporo-shi Shiroishi-ku Higashi-Sapporo 3 jō 4-6-5 (〒003-0003 北海道札幌市白石区東札幌3条4−6−5), Tel: +81-(0)11-832-1828. Man spricht auch Englisch. Siehe auch Webseite.

Zu allgemeinen Übernachtungstipps siehe Übernachtungstipps Japan.

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