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Japan wächst und wächst und wächst…

Juni 22nd, 2017 | Tagged , , | 1 Kommentar | 582 mal gelesen

Vorgestern gab das 国土地理院 – die Geospatial Information Authority of Japan bekannt, dass man zum ersten Mal seit rund 45 Jahren an einer Überarbeitung der topographischen Karte Japans arbeitet¹ – der Grund dafür ist eine zwar noch anhaltende, aber bereits jetzt schon bemerkenswerte Änderung: Die Insel 西之島 Nishinoshima (wörtlich: Insel des Westens) rund 1’000 Kilometer südlich von Tokyo (die Insel gehört allerdings wohlgemerkt zu Tokyo!) ist in den vergangenen vier Jahren um fast das zehnfache gewachsen. Bis vor vier Jahren handelte es sich um ein gerade Mal 0,3 Quadratkilometer großes Inselchen und einem 25 Meter hohen Hügel. Am Jahresende 2016 maß man bereits 2,7 Quadratkilometer, mit einem knapp 150 Meter hohen Berg in der Mitte.

Alte Karte und neue Karte von Nishinoshima (1:25000). Quelle: GSI

Alte Karte und neue Karte von Nishinoshima (1:25000). Quelle: GSI

Bei Nishinoshima handelte es sich um eine Caldera, die gerade so aus dem Meer schaute, aber aus selbiger strömen seit 2013 fast ununterbrochen gewaltige Lavamengen, und ein Ende ist Geologen zufolge noch nicht in Sicht. Anschauen kann man sich das Spektakel leider nicht so ohne weiteres – die nächstgelegene, bewohnte Insel Chichinoshima liegt gut 130 Kilometer entfernt, und die Gewässer um den Vulkan sind aufgrund der Gefahr, die von dem Vulkan ausgeht, gesperrt. Immerhin wird der unverhoffte Zuwachs zum Gebiet der Präfektur Tokyo dazu beitragen, die durchschnittliche Bevölkerungsdichte von Tokyo zu drücken…

Jüngere Luftbildaufnahme von Nishinoshima – By Unmanned Aerial Vehicle (UAV) – Geospatial Information Authority of Japan website (http://www.gsi.go.jp/gyoumu/gyoumu41000.html), CC 表示 4.0, Link

¹ Siehe hier

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Hut ab, liebe Macher des Tokyoter Katastrophenschutzhandbuches

September 29th, 2015 | Tagged , , , | 3 Kommentare | 937 mal gelesen

Nur echt mit Nashorn: Das Katastrophenhandbuch

Nur echt mit Nashorn: Das Katastrophenhandbuch

Sicher, die Tatsache, dass Tokyo die Nummer 2 weltweit im Lloyd’s City Risk Index 2015-2025¹ ist (die Nummer 1 ist übrigens Taipei), schreit geradezu danach, die Bewohner auf eventuelle Katastrophen so gut wie möglich vorzubereiten. Es kann schließlich viel passieren: Erdbeben. Taifune. Überschwemmungen. Wirbelstürme. Vulkanausbrüche. Terrorangriffe. Epidemien. Ein knallgelbes, kostenloses Buch mit wertvollen Tips für die Vorbereitung auf den Ernstfall sowie dem, was zu tun ist, wenn mal wieder etwas geschehen ist, sollte doch ideal sein. Also seid ihr auf die Idee mit dem 東京防災 Tokyo Bōsai-Buch gekommen. Und um den Ernst der Lage auch gut zu vermitteln, nehmt ihr also das „sai“ (das Zeichen bedeutet „Katastrophe“; bō bedeutet „Schutz, Vorbeugung“) und pappt deshalb ein Nashorn auf den Buchumschlag, denn Nashorn auf Japanisch heisst schliesslich „sai“, und schliesslich weiss man ja, wie gefährlich Nashörner sind. Haha. Ha. Und damit das auch ja alle lesen, kommen natürlich auch ein paar Seiten Manga rein, damit man, wenn man mit dem Buch verschüttet ist, auch was zum schmökern hat.

Das Inhaltsverzeichnis listet auch schön alle möglichen Ernstfälle auf. Aber halt, war das nicht was, vor circa vier Jahren, als eine radioaktive Wolke nach Tokyo reinwehte? Komisch, davon steht rein gar nichts im Buch. Und es ist ja nicht so, dass die Atommeiler nicht wieder angefahren werden sollen. Doch halt, was ist das – Seite 165:

Angriffe durch Guerilla und andere Spezialtruppen

Man muss von plötzlich auftretenden Schäden ausgehen. Falls atomare Anlagen angegriffen wurden, besteht ausserdem die Gefahr, dass es zu großflächigen Schäden kommt.

Ah, von daher weht der Wind! Die wahre Gefahr für die japanischen Atommeiler geht also nicht von den Naturkatastrophen sowie, und davor habe ich mehr Sorge, von den Betreibern aus, sondern von ominösen Guerillakriegern. Höchstwahrscheinlich von nordkoreanischen Froschmännern!

Dass diese – wie man ja gesehen hat, sehr reale – Gefahr einer atomaren Verseuchung mal eben so vollständig ausgeklammert wird, ist unglaublich. Was will uns die Stadtverwaltung von Tokyo, Herausgeber des Buches, damit sagen? Dass so etwas ganz bestimmt nicht wieder vorkommt? Oder hat man Angst, so kurz vor Olympia wieder ins Gerede zu kommen? Schliesslich hatte ja Abe dem Internationalen Olympischen Komitee hoch und heilig versprochen, dass Fukushima kein Thema mehr ist? Es darf gerätselt werden.

¹ Siehe hier.

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Die ganze Palette der Naturgewalten

September 15th, 2015 | Tagged , , | 2 Kommentare | 842 mal gelesen

Man ist ja in Japan einiges gewohnt in Sachen Naturgewalten, aber die Häufung der Ereignisse in den letzten 4 Tagen ist selbst für Japaner etwas Besonderes. Das ganze begann am 10. September. Taifun Nummer 18 und Taifun Nummer 19 nahmen Japan in die Zange. Nummer 18 war zwar relativ schwach und Nummer 19 traf gar nicht erst aufs Land, aber diese besondere Wetterlage hatte zur Folge, dass ein dünner Streifen sehr warmer und feuchter Luft zwei Tage lang vom Süden her über Tokyo gen Norden zog und sich dort in den Bergen in sintflutartige Regenfälle entlud. In den Bergen von Tochigi an der Grenze zur Präfektur Ibaraki fielen so rund 600 mm Regen in weniger als zwei Tagen. So viel Niederschlag fällt in Berlin nicht mal in einem Jahr. Das Wasser will natürlich erstmal abfliessen – doch die Menge war so gross, dass es in der Stadt 常総市 Jōsō-shi 50 Kilometer nördlich von Tokyo – fast genau zwischen Tokyo und Nikkō – zum Deichbruch kam. Das Gebiet links vom Kinugawa-Fluss lief danach binnen weniger Stunden voll wie eine Badewanne, und da Holzhäuser ohne Keller und allem den Wassermassen nicht viel entgegenzusetzen haben, ähnelten die Bilder denen nach dem Tsunami 2011. Ein paar Menschen kamen dabei ums Leben, und es werden immer noch Menschen vermisst.

Das pikante am 決壊 kekkai Deichbruch war, dass für die Gegend an der Stelle des Bruches keine Evakuierungsanordnung galt. Evakuierungsanordnungen gab es zwar – aber eben nicht an jener Stelle. Die Begründung dafür war, nun ja, interessant: Man hat nur dort evakuiert, wo besorgte Anrufe von Anwohnern eingegangen waren. Wenn also zwei, drei Leute eines Bereiches anriefen und sagten „Der Fluss scheint hier bald über die Ufer zu treten“, wurde eine Evakuierung angeordnet. Es gab aber keine Anrufe von der Bruchstelle – und damit hatten die Menschen sich ergo ihre Lage selbst eingebrockt.

Auf den Bildern war jedoch klar zu erkennen, dass das Wasser nur noch weniger als einen Meter unter der Deichkrone stand. Dass bei dieser Lage und anhaltendem Starkregen keine Deichläufer oder zumindest Luftüberwachung angeordnet wurden, grenzt an Fahrlässigkeit.

Nummer 2 folgte am Sonnabend, kurz vor 6 Uhr morgens: Ein Erdbeben der Stärke 5.2 weckte so ziemlich ganz Tokyo auf, denn es hatte nahezu überall in Tokyo, Kawasaki, Chiba und Yokohama die Stärke 4. Es wackelte also sehr deutlich. Grössere Schäden gab es nicht, aber das Besondere an diesem Beben war das Epizentrum: Es lag in der Bucht von Tokyo, oder, um genauer zu sein, fast genau unterhalb des Flughafens Haneda. Und das ist relativ selten. Seit Jahren wartet man ja nun auf das 直下型 chokka-gata – das grosse Erdbeben direkt unter Tokyo. War dies das Vorspiel? Oder war es gar ein Entlastungsbeben, dank dessen das große nun um ein paar Jahre nach hinten verschoben wurde? Diese Fragen kann die Seismologie leider noch nicht gewissenhaft beantworten. So richtig vorstellen möchte es sich jedoch niemand – das grosse Beben könnte nämlich, rechnerisch zumindest, bis 8-komma-nochwas stark sein. Und das ist hunderte Male stärker als die läppischen 5.2 am Sonnabend.

Das Mass voll machte heute, am 14. September, der Vulkan Aso auf Kyushu, der mal eben plötzlich eine 2 Kilometer hohe Aschewolke in den Himmel schickte. Das kam etwas überraschend – die Warnstufe ist lediglich 2 (von 5), aber das ist dem Aso offensichtlich egal. Den Livestream kann man sich hier ansehen – bei ca. 3h 25m geht es richtig los:

Das reicht dann auch erst einmal für die nächsten Wochen. Hoffen wir zumindest.

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Die tektonische Woche

Mai 31st, 2015 | Tagged , | 6 Kommentare | 1950 mal gelesen

Eigentlich lässt es einen ja schon fast kalt, wenn die Erde mal wieder ein bisschen wackelt oder irgendwo ein Vulkänchen brodelt. Aber die letzten 5 Tage legte sich der Untergrund in und um Japan so richtig ins Zeug. So gab es am Nachmittag des 25. Mai ein Beben der Stärke 5.6 auf der Richterskala – mit dem Epizentrum in der Präfektur Saitama, also beinahe schon direkt unter Tokyo. In einer Gemeinde war dies eine schwache 5 auf der japanischen Skala und in etlichen Teilen der Hauptstadt eine 4. Erdbeben dieser Stärke steckt man hierzulande eigentlich ganz locker weg, aber zu etlichen Zugverspätungen kam es trotzdem. Es war jedenfalls eine Weile her, dass mein Handy wegen eines Erdbebens losging: „Ein Erdbeben kommt! Ein Erdbeben kommt! Achtung!“ – da das Epizentrum jedoch in unmittelbarer Nähe lag, kam die Warnung exakt zur gleichen Zeit wie das Erdbeben.

Am 29. Mai meldete sich der gut 600 m hohe Vulkan 新岳 (Shindake, wörtlich: „Neuer Gipfel“) eindrucksvoll in die Nachrichten zurück. Der Vulkan liegt auf einer kleinen Insel mit dem recht eigenartigen Namen 口永良部島 Kuchinoerabu in der Präfektur Kagoshima – direkt neben der sehr bekannten Insel Yakushima. Im vergangenen Jahr rührte sich der gleiche Vulkan schon ein Mal, zum ersten Mal seit über 30 Jahren, aber da gab es eine nur rund 800 Meter hohe Aschewolke. Dieses Mal ging die Aschewolke rund 9,000 Meter hoch. Verständlicherweise wurde daraufhin die höchste Warnstufe (5) ausgerufen – schliesslich leben auf der Insel ja auch noch rund 130 Menschen.

Nummer drei folgte heute abend, am 30. Mai: Erst gab es ein leichtes Erdbeben. Rund eine Minute später fing es schon etwas stärker an zu wackeln. Es waren keine heftigen Bewegungen, eher ein Gefühl, als ob der Untergrund zu schwimmen beginnt. Türen gingen auf und zu, Lampen pendelten hin und her. Kurze Zeit später erfuhren wir, dass das Zentrum bei den Ogasawara-Inseln lag. Also weit weg. Stärke: 8.5. Also sehr, sehr stark. Trotzdem wurde nur eins, zwei Minuten später bekanntgegeben, dass keine Tsunami-Gefahr besteht. Das ist erstaunlich – aber letztendlich nicht verwunderlich, da das Epizentrum in 590 km Tiefe – also sehr, sehr tief – lag. Bei der Stärke und Tiefe ist es dann auch nicht verwunderlich, dass das Beben in ganz Japan spürbar war – von Hokkaido bis Okinawa (siehe Karte).

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Automatisch erstellte Erdbebenkarte: Die Farbpunkte markieren Messstation, die Farbe selbst die dort gemessene Stärke. Weisse Punkte: Von der Wahrnehmung her kaum spürbar. Blau spürt man, wenn man nicht fest schläft oder im Zug sitzt. Grün – keine Schäden, aber schon deutlicher spürbar. Gelb = hier möchte man schon nicht mehr im Fahrstuhl stecken. Orange: Gut geschüttelt. Dunkelorange: Au weia. Rot: Definitiv nicht gut. Risse in Mauern und Strassen, Erdrutsche, Möbel umgekippt, alte Häuser zusammengebrochen. Violett: Dürfte jeder Beschreibung trotzen.

Gut. Das reicht dann doch erstmal für eine Woche. Hoffen wir, dass die nächste Woche etwas ruhiger wird. Übrigens: Wer auf neueste Nachrichten zum Thema aus ist, folge mir einfach auf Twitter. Dann gibt es Nachrichten wie die unten – und dies meistens schneller als die Tagesschau!

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Geheimtipp für den Tokyo Sky Tree | Hakone gesperrt

Mai 7th, 2015 | Tagged , , | 4 Kommentare | 2123 mal gelesen

Goldene Woche — Reisezeit. Entweder man reist selbst, oder man hat Besuch aus der Heimat, denn während eine Reise ins Ausland innerhalb der Goldenen Woche fast unbezahlbar ist, ist eine Reise während der Goldenen Woche – zumindest flugpreistechnisch – recht günstig.

Mit dem Besuch ging es dieses Jahr zum Tokyo Sky Tree, dem neuen Wahrzeichen der Stadt. Eigentlich habe ich jenen seit meinem letzten Besuch vermieden. Zu viel Rummel, zu viele Menschen, zu viele Geschäfte, und die Kostüme der Tokyo-Sky-Tree-Hostessen finde ich einfach mal absolut abstossend. Es gibt also eigentlich keinen triftigen Grund für mich, wieder dorthin zu fahren. Nun ging es also doch wieder hin, und ich hatte meinen Besuch schon vorgewarnt: Da Goldene Woche, wird es sehr, sehr voll werden. Und nein, wir werden nicht auf den Turm fahren können, weil man einen geschlagenen halben Tag warten muss, bis man an der Reihe ist.

Spasseshalber fragte ich bei der Information gegen 11:30 morgens nach, wie lange es denn dauern würde, bis man hochkönne. „So cirka 18:30“ lautete die nicht überraschende Antwort. Doch dann: „Für Ausländer gibt es allerdings jetzt das Fast Sky Tree Ticket. Das kostet mit 2,820 Yen bis zur Plattform in 350 m Höhe zwar 760 Yen mehr als das normale Ticket, aber: „In 20 Minuten von jetzt an sind sie oben!“. Sieh mal einer an. Also zum speziellen Ticketverkauf in der 4. Etage gegangen, und siehe da — keine 10 Leute warteten in der Schlange. Tickets gekauft, und schon wurden wir von einer Hostess zum Fahrstuhl geführt und schon waren wir oben. Geht doch. Interessant ist dabei, dass auch in Japan lebende Ausländer sowie den Ausländer begleitende Japaner das Fast Ticket nutzen dürfen. Das ist ja fast schon eine Geschäftsidee…

  • Tokyo Sky Tree
  • Tokyo Sky Tree
  • Tokyo Sky Tree
  • Tokyo Sky Tree
  • Tokyo Sky Tree
  • Tokyo Sky Tree
  • Tokyo Sky Tree
  • Tokyo Sky Tree

Wo wir gerade beim Thema Tourismus sind — gestern, am 6. Mai 2015, hat die Meteorologie-Behörde die Warnstufe für den Vulkan in Hakone auf Stufe 2 (von 5) erhöht. Infolgedessen wurden etliche Strassen sowie, und jetzt kommt’s, die Seilbahn gesperrt. Wie lange die Sperrung andauert, kann man noch nicht vorhersagen. Man erwartet auch keinen grossen Ausbruch, aber da die Seilbahn direkt über den Krater fährt, geht man verständlicherweise auf Nummer Sicher. Soll heissen, die übliche Hakone-Tour (Zug von Tokyo, Zahnradbahn von Gōra, Seilbahn, Schiff) hat sich für unbestimmte Zeit erledigt, da an der Seilbahn Schluss ist. Mehr Informationen dazu siehe hier.

Nun gut — wir fahren dieses Jahr gottseidank nicht ins nahe Hakone, sondern, mal wieder, nach Izu. Mehr und häufiger dann wieder auf diesem Blog nach der Goldenen Woche!

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Vulkanausbruch mit zahlreichen Todesopfern am Ontake-san

September 29th, 2014 | Tagged | 1 Kommentar | 4827 mal gelesen

Karte aktiver Vulkane in Japan - Quelle: https://gbank.gsj.jp/volcano/cgi-bin/map.cgi

Karte aktiver Vulkane in Japan – Quelle: AIST

Japan hat bekanntermassen einiges an Naturkatastrophen zu bieten – Erdbeben, Taifune, Tsunamis, Vulkane. Damit beschäftigt man sich zwangsläufig, wenn man länger im Land lebt. Erdbeben sind von der Natur her am schlimmsten, da sie nur schwer vorhersagbar sind. Taifune kann man kommen sehen, und das gleiche gilt für Tsunamis. Es fällt jedoch relativ leicht, die Vulkane im Land zu vergessen – obwohl es über 100 aktive Vulkane im Land gibt. Sicher kann man sich da eigentlich nur in Kansai und Shikoku fühlen, denn im Rest des Landes wimmelt es nur so von Vulkanen.

Nun sind Vulkanausbrüche heutzutage halbwegs leicht vorhersagbar. Sie kündigen sich nicht selten durch Schwarmbeben an oder durch das plötzliche Entstehen oder Verschwinden von heissen Quellen und/oder Fumarolen in der Gegend. Es liegt in der Natur der Sache, dass in Japan tausende Wissenschaftler nur damit beschäftigt sind, die aktiven Vulkane zu überwachen. 5 Warnstufen gibt es dabei – von „alles ruhig“ (Stufe 1) bis „evakuieren“ (Stufe 5). Eine Übersicht der aktuellen Lage gibt es auf der Seite des Meteorologischen Amtes zu sehen (siehe hier).

Am Sonnabend, dem 27. September 2014, geschah jedoch etwas, was nur schwer vorhersehbar war: Am 3,067 m hohen 御岳山 Ontake-san, jener liegt auf der Grenze der Präfektur Gifu und Nagano unweit der Stadt Takayama, traten plötzlich giftige Gase aus, gefolgt von einer mittelprächtigen Eruption. Der Ontake-san war seit rund 7 Jahren ruhig, ist eigentlich ein Rang-2-Vulkan (nicht akut gefährlich) und hatte die Warnstufe 1, die dann schliesslich am Sonnabend auf 3 und später kurzzeitig auf Stufe 5 erhöht wurde. Die Folgen waren fatal: Es befanden sich rund 250 Wanderer und Bergsteiger vor Ort. Bis jetzt zählte man 31 Menschen mit Herz- und Atemstillstand – vier von ihnen sind mittlerweile geborgen worden – und verstorben. Die Bergung ist schwierig, da Hubschrauber aufgrund der Asche nur bedingt einsatzfähig sind.

Es sind die ersten Todesopfer von Vulkanausbrüchen in Japan seit 1993 (damals forderte ein pyroklastischer Strom am Unzen, Präfektur Nagasaki, zahlreiche Menschenleben) – die Wahrscheinlichkeit, in Japan durch einen Vulkanausbruch zu Schaden zu kommen, sind damit recht gering. Doch trotz allem sollte man nicht vergessen, wo wir eigentlich sind: Am pazifischen Feuerring, mit etlichen aktiven Vulkanen auch in unmittelbarer Nähe der Hauptstadt.

Empfehlen kann ich hier den Nachrichten-Artikel zum Thema auf BBC – das Video ist sehr eindrucksvoll.

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Grün. Wolken. Onsen. Hitze. Grün. Kyushu I

August 21st, 2012 | Tagged , , | 5 Kommentare | 1312 mal gelesen

So, da bin ich wieder, zurück im Moloch, nach einer kompletten Woche auf der Insel Kyūshū. Es war die fünfte Tour auf die Insel, und so viel steht fest: Immer wieder gern. Die Landschaft, die Menschen, das Essen –  es stimmt nahezu alles dort. Die Temperaturen unterscheiden sich kaum von denen in Tokyo – im Gegenteil, wenn man ins bergige Innere fährt, kann es sogar ganz angenehm sein.

Ein Muß wenn man in Kumamoto is(s)t: Tonkotsu-Rāmen

Am Sonntag ging es mit der Familie los: Frau, zwei aufgeregte Kinder und die Schwiegereltern waren mit von der Partie. Keine 2 Stunden dauert der Flug, und sofort begann erstmal die Kür: Erst zur Oma in Kumamoto, dann gemeinsam auf den Friedhof, um das Grab des vor vielen Jahren verstorbenen Opas zu pflegen. Nach den ununterbrochenen Regenschauern im Juni und Juli sah es recht wüst aus. Dann ging es zum ebenfalls obligatorischen Tonkotsu-Rāmen-Essen in die Innenstadt. Kumamoto ist bekannt für einige Leckerbissen – darunter rohes Pferdefleisch, mit Senfpaste gefüllte Lotuswurzeln, und besagten „Schweineknochen-Rāmen“. Ein Gedicht, und mit 700 Yen pro dampfender Schüssel mit dicken Schweinefleischscheiben auch erschwinglich.
Das Hotel war eine Überraschung der anderen Art. Wir wollten im Zentrum übernachten und hatten nach etwas familienfreundlichem gesucht. Das hatten wir auch gefunden: Ein Hotel mit Familienraum, geräumig und mit Doppelstockbett für die Kinder. Was wir jedoch nicht wussten: Als uns der Concierge das Zimmer zeigte, bestiegen wir mit ihm den Fahrstuhl, und er drückte nicht etwa eine Zahl zwischen 1 und 10, sondern den Knopf unter der 1. B1. Du meine Güte, sie bringen uns in den Keller! Da hatte der Hotelmanager offensichtlich eine clever Idee: Auf einem alten Fluchtplan sahen wir, dass dies einst der Pausenraum der Angestellten war. Das war also das Familienzimmer. Zugegebenermassen war die Einrichtung in Ordnung, und da wir die einzigen Gäste dort unten waren, konnten sich die Kinder nach Herzenslust austoben, aber normalerweise bevorzugen wir schon Zimmer mit Fenster….
Am Nachmittag ging es in großer Hitze zu den ehemaligen „Wirkungsstätten“ meiner Frau, darunter auch zu ihrer Grundschule. Da Ferien waren, war das Tor natürlich zu, aber das sollte meine Frau nicht hindern: „Ach, passt schon“ sagte sie, während sie das Tor aufriss und die Kinder in den grossen Schulhof entliess. Gleich am Eingang gibt es ein großes Fußbad, denn: An vielen Schulen in Kumamoto wird noch barfuß auf dem Schulhof gespielt.

Kumazemi (Zikadenart) in Kumamoto

Interessant war die Zikadendichte: Der Boden in den Parks sah aus wie ein schweizer Käse, und die Äste hingen voller leerer Zikadenhüllen. Die vormaligen Bewohner der braunen Hüllen brüllten sich die Seele aus dem Leib oder lagen halb angefressen auf dem Boden. In Tokyo findet man fast nur die bereits eindrucksvollen Aburazemi, aber in Kumamoto findet man mittlerweilen (es werden immer mehr) Kumazemi, und die sind noch etwas größer. Und höllisch laut. Meine Tochter fing auch flugs eine ein und rannte mit dem zeternden, schwarzen Biest freudestrahlend durch die Gegend. Gut, daß sie keine Angst vor Insekten hat.

Am nächsten Tag sollte es mit dem Leihwagen zum 阿蘇 Aso gehen. Aso – das ist der Vulkan mit dem größten Krater in der Welt. In den Krater passen ein paar Städte und mehrere Quadratkilometer Felder sowie ein paar neue Vulkane, die sich da in der Mitte des alten Kraters gebildet haben. Die Kraterwände sind viele hundert Meter hoch und sehr deutlich erkennbar – es gibt nur einen Durchbruch, und der befindet sich praktischerweise in der Richtung von Kumamoto Stadt. Vor 10 Jahren war ich schon einmal mit guten Freunden oben am Krater des einzigen momentan aktiven Nebenvulkans, und damals sah ich so gut wie gar nichts. Dieses Mal sah es auch wieder so aus, als ob ich Pech hätte. Aber die Wolken verzogen sich manchmal für ein paar Minuten und gaben den Blick zum Schlund des Kraters frei.

Blick in den Krater des aktiven Vulkans Naka-dake

Der 1’506 m hohe 中岳 Naka-Dake (Mittlerer Gipfel) ist noch ziemlich aktiv und spuckt manchmal etwas mehr aus – davon zeugen die Betonbunker sowie durchaus häufige Gaswarnungen: Bläht der Wind plötzlich den Schwefeldampf nach oben, muss jedermann schnellstmöglich den Gipfel verlassen.

Was mich dieses Mal jedoch am meisten faszinierte, war das Grün: Im Juni und Juli hatte es nahezu ununterbrochen in Strömen gegossen, und nun war nahezu alles Grün. Soviel Grün habe ich schon eine ganze Weile nicht mehr gesehen, und es tat den Augen gut.

Im inneren Vulkanmassiv des Aso: Alles Grün. Könnte genauso gut irgendwo in der Mongolei sein

Nach dem Naka-Dake ging es zurück zum Tal nördlich der Vulkangruppe. Der Boden der alten Caldera liegt auf rund 470 m Höhe und ist vielerorts topfeben. Das Tal wird im Norden, Süden und Osten von der rund 500 m hohen alten Kraterwand begrenzt, und das ist schlichtweg eindrucksvoll. Und alles ist einfach nur grün.

Blick von der äußeren Kraterwand (外輪山 - Gairinzan) in das Tal und die neue Vulkangruppe

Fortsetzung folgt…

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Kirishima-Ausbruch / Schneemalheur

Februar 1st, 2011 | Tagged , | 7 Kommentare | 790 mal gelesen

Freunde der aktuellen Nachrichten aus dem Bereich der Natur kommen in Japan momentan voll auf ihre Kosten. Zum einen wäre da der Ausbruch des 霧島 Kirishima – ein Vulkan bzw. eigentlich ein kleines, bis 1’700 m hohes Bergmassiv auf Südkyūshū, welches sich die Präfektur Kagoshima und Miyajima teilen. In dem Massiv befindet sich der gut 1’400 m hohe 新燃岳 Shin-moe-dake (Neu-Brennen-Berg, ein recht junger Vulkan, der seit 3 Tagen vor sich hin rumort, ungehörige Mengen Asche ausspuckt – und innerhalb der letzten 24 Stunden einen neuen Lavadom mit fast 500 m Durchmesser bildete. Dieser könnte in den nächsten Tagen mit lautem Knall auseinanderfliegen und pyroklastische Ströme zur Folge haben.

Kirishima – von Kagoshima aus aufgenommen

 

Noch herrscht rund um den Berg Eruptionswarnstufe 3 (5 ist die höchste) – das bedeutet, das der Zugang zum Berg begrenzt ist. Ab Stufe 4 wird begonnen zu evakuieren. Eine Webkamera, die auf den Shinmoedake gerichtet ist, gibt es hier.

Ansonsten leidet Japan momentan auch unter dem La Niña-Phänomen: Sicher, man ist seit jeher an ordentliche Schneemengen im Winter entlang der Westküste gewöhnt, doch dieses Jahr brechen zahlreiche Orte sämtliche Rekorde. In einigen Orten rund um Niigata türmt sich der Schnee bis zu 4 m auf, und ein Schnellzug an der Westküste kam bei sehr rasch gefallenen 2.5 m Neuschnee nicht mehr weiter – über 300 Fahrgäste müssen nun schon die zweite Nacht in Folge im Zug übernachten. Das selbe geschah bereits kurz nach Weihnachten vergangenen Jahres, als es auf einer Schnellstrasse bei Aizu-Wakamatsu (Fukushima) weder vor noch zurück ging: Gute zwei Tage standen hunderte Autos und LKWs im Schnee, ohne das jemand zu ihnen vordringen konnte.

In Tokyo hält sich das alles freilich wie immer in Grenzen – gestern fielen vereinzelte Krümel, aber ein richtiger Schneeschauer liess sich noch nicht blicken. Das kann aber noch kommen – wenn Schnee in der Hauptstadt fällt, dann erst im Februar oder Anfang März.

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Nächste Panikwelle? Vulkanausbruch in Island in japanischen Medien

April 20th, 2010 | Tagged , , | 13 Kommentare | 1139 mal gelesen

Die Medien können auch hierzulande nicht ohne ein Thema leben, mit dem Panik geschürt werden kann. Da bietet sich, nach dem leisen Ende der Schweinegrippe und den ganzen Schauergeschichten um unverfrorene Kindermeuchler ganz unerwartet ein neues Thema an: Der Ausbruch des Vulkans mit dem unaussprechlichen Namen im fernen Island. Fern? Gar nicht mal so sehr: Wenn die Asche einmal in den Jetstream erreicht, ist es nicht mehr weit bis Japan.
Und so wird von den Medien schon ein düsteres Bild gemalt. Begünstigt auch vom bereits jetzt aussergewöhnlich kalten April (wohl der kälteste seit gut 30 Jahren), der jetzt schon die Preise für einige Gemüsesorten um bis das Dreifache hat ansteigen lassen.

Mehr als gerne verweisen die Programme so ganz nebenbei zum Beispiel auf die 天明の大飢饉 (Tenmin no Daikikin – die Tenmin-Hungersnot) – die dauerte von 1782 bis 1788 und war hauptsächlich dem Vulkanausbruch des Asama-yama nördlich von Tokyo zu verdanken. Historiker bewegen sich bei den Opferzahlen um die 100,000 herum – kein Vergleich zwar zur Great Potatoe Famine in Irland im 19. Jahrhundert, aber immerhin – so dicht war Japan damals nämlich noch nicht besiedelt.

Erste Japan-Blogger lassen sich auch schon von der Welle erfassen und schreiben zum Beispiel darüber, was passieren würde, wenn der Fuji-san ausbricht. Dessen Ausbruch ist nicht allzu lange her (geologisch gesehen) – es war 1707 und bescherte Edo (=Tokyo) damals eine 4 cm dicke Ascheschicht. Irgendwann im 20. Jahrhundert wurde der Fuji-san zum ruhenden Vulkan erklärt, doch davon sind die Wissenschaftlicher wieder abgerückt – man stuft ihn heute wieder als aktiven Vulkan ein.
Mir würde da allerdings doch eher der ziemlich aggressive Asama-yama in der Präfektur Gunma Sorgen bereiten, aber für Tokyo wäre das Ergebnis wohl in der Tat halbwegs das Gleiche: Verheerend.

Eigentlich kann man da nur alle auffordern, nicht allzu viel darüber nachzudenken und sich nicht von den Medien kirre machen zu lassen – über die Gefahren, die von schlummernden Riesen wie dem Fuji oder gar dem Yellowstone ausgehen, kann man zwar grübeln, aber helfen wird das im Fall der Fälle auch nicht.

Auch in Japan sind freilich zahlreiche Reisende vom Flugverbot betroffen – im Flughafen Narita campieren seit einigen Tagen etliche gestrandete Japanbesucher, die es sich nicht leisten können, mal eben so eine Woche oder mehr an den bestimmt schon genug teuren Japanurlaub ranzuhängen.

Das Wort des Tages: 火山灰 kazanbai. Feuer-Berg-Asche. Die Vulkanasche.

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