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Tokyo 2020: Olympische Neuigkeiten – Hymne steht, Tod durch Überarbeitung

Juli 25th, 2017 | Tagged , , | Kommentare deaktiviert für Tokyo 2020: Olympische Neuigkeiten – Hymne steht, Tod durch Überarbeitung | 466 mal gelesen

So langsam beginnen die Vorbereitungen auf die Olympischen Sommerspiele in Tokyo 2020 Fahrt aufzunehmen. Dazu zählen erfreuliche und weniger erfreuliche Nachrichten. So wurde heute zum Beispiel der offizielle Olympia-Song vorgestellt – er nennt sich 東京五輪音頭 Tokyo Gorin Ondō (Gorin, „fünf Ringe“, steht für die Olympischen Spiele, ondō für ein typisch japanisches Musikmuster). Eine Neuigkeit ist das Lied allerdings nicht, lediglich eine aufgepeppte Version des Liedes der Olympischen Spiele in Tokyo im Jahr 1964. Das Lied ist ganz im Stil alter japanischer Unterhaltungsmusik gemacht (wie man sie auch bei O-bon-Tänzen hört), und natürlich hat man sich auch gleich einen passenden Tanz einfallen lassen. Das ganze sah bei einer ersten Präsentation so aus:

Bei der Planung und Bauausführung liegt jedoch noch vieles im Argen, und das liegt unter anderem an den Querelen rund um den Umzug der Fisch- und Gemüsemarkthallen von Tsukiji nach Toyosu. Die neuen Hallen stehen zwar schon, aber es stellte sich heraus, dass das Erdreich nicht ordnungsgemäß dekontaminiert wurde – vorher stand hier ein Gaswerk. Nun wurde jedoch letzte Woche endgültig entschieden, dass der alte Markt von Tsukiji bald Geschichte sein wird. Die Unsicherheit über den Verbleib verzögerte jedoch den Bau von neuer Infrastruktur und Stadien. Möglicherweise dadurch wurde auch der Selbstmord eines 23-jährigen Bauarbeiters einer Stadionbaustelle begünstigt. Das geschah in der vergangenen Woche und warf Fragen nach der Situation auf den Baustellen auf. So stellte man im nachhinein fest, das der junge Mann allein im Februar rund 200 Überstunden leistete.

Nahezu komisch ist jedoch die Diskussion, die jetzt entbrannt ist – aus aktuellem Anlass, denn die Spiele beginnen ziemlich genau in 3 Jahren. Sie beginnen also ein paar Tage nach dem durchschnittlichen Ende der Regenzeit. Einer Zeit also, in der es besonders schwül (rund 80% Luftfeuchtigkeit) und heiß (tagsüber rund um 33 Grad, nachts rund um 28 Grad) ist. Das sind für Leistungssportler natürlich extreme Bedingungen, und da man es seit den letzten Olympischen Spielen vor über 50 Jahren geschafft hat, alles rund um Tokyo gründlich zu versiegeln, sind die Temperaturen – auch ohne globale Erwärmung – ein paar Grad höher als damals. Man darf gespannt sein, was man sich hier einfallen lassen wird, aber intelligentere Versiegelungsmaterialien oder das Entsiegeln von Flächen wären schon mal ein Anfang.

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Glück gehabt! Japan muss doch kein Englisch mehr lernen

April 20th, 2017 | Tagged , , | 11 Kommentare | 1042 mal gelesen

Vielen stand schon der Angstschweiß auf der Stirn: Rugby WM 2019? Olympische Spiele 2020? Kommen da nicht furchtbar viele Ausländer? Die womöglich nicht der japanischen Sprache, obwohl sie doch so schön und wohlklingend ist, mächtig sind? Müssen wir wegen denen etwa Englisch lernen? Wie sollen wir das machen, wo doch noch nicht einmal die Englischlehrer an den Schulen richtig Englisch sprechen können? Schließlich haben wir ja mit „o-mo-te-na-shi“ (japanische Gastfreundschaft) geworben!

Doch jetzt kommt der Retter in der Not. Panasonic. Mit einem wahrhaft genialen Produkt, das sich durchaus mit dem „hon’yaku konnyaku“¹ der beliebten blauen Katze messen kann: Dem メガホンヤク Megahon’yaku, einem Wortspiel aus „Megahon“ (Megaphon) und „hon’yaku“ (Übersetzung). Das enorm große, rot-weiße Gerät hat eine Art Übersetzer mit Display integriert. Man spricht auf japanisch hinein, und heraus schallt es in der eingestellten Sprache – Englisch, Chinesisch und Koreanisch gehören dazu. Die ersten Geräte sind wohl schon auf dem Internationalen Flughafen Narita in Einsatz.

Megahon'yaku von Panasonic. Genau richtig, um die sturen Ausländer anzubrüllen!

Megahon’yaku von Panasonic. Genau richtig, um die sturen Ausländer anzubrüllen!

Was für ein Glück! Nun muss man die ganzen Einsatzkräfte nur noch mit dem Megaphon ausstatten und kann sich somit die teuren und häufig sinnlosen Englischkurse sparen! Man kann damit auch unnötige Diskussionen – denn Ausländer sind ja bekanntlich störrisch, undiszipliniert und stellen alles in Frage – vermeiden, denn der Megaphonträger versteht ja schliesslich etwaige Antworten oder Kommentare nicht. Genial! Das sind mindestens zwei Fliegen, mit einer Klappe!

Wie das ganze jedoch mit der viel gerühmten Gastfreundschaft in Einklang gebracht werden kann, ist mir ein Rätsel. An allen Ecken und Enden mit einem Megaphon angeherrscht zu werden, dass man sich gefälligst hierhin stellen soll und dies und jenes unterlassen soll, erscheint mir wenig attraktiv. Aber vielleicht kriegt man das ja mit einem Lächeln wieder hin.

Das Produkt ist noch nicht mal eine sensationelle Neuerung. Diverse Smartphone-Apps können sowas schon länger und besser – und ein solches anstelle eines Mikrofons an ein Megaphon anzuschliessen sollte so schwer nicht sein. Trotzdem wird das Megahon’yaku auf allen Kanälen als Sensation vorgestellt. Schöne neue Welt eben – Ausländer in die Schranken weisen, ohne deren Sprache sprechen zu müssen! Wenn mich demnächst jemand mit diesem Gerät anquatscht, werde ich wahrscheinlich auf stur schalten. Ich bin ja schließlich weder Engländer, Amerikaner, noch irgend ein anderer 英語人 eigojin (Englischmensch).

Das folgende, offizielle Video ist absolut sehenswert – vor allem die ersten 30 Sekunden. Und man deklariert das ganze sogar als „omotenashi – gastfreundlich“!

¹ Die Zeichentrickfigur Doraemon kommt aus der Zukunft und hat allerlei interessante Utensilien zur Hand, dazu zählt das „hon’yaku konnyaku“. „Hon’yaku“ bedeutet „Übersetzung“, „konnyaku“ ist ein geleeartiges Nahrungsmittel. Wer „hon’yaku konnyaku“ isst, kann plötzlich alle Fremdsprachen verstehen.

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Schluss mit All-you-can-drink in Japan?

April 17th, 2017 | Tagged , , | 2 Kommentare | 736 mal gelesen

Die Gesetzesvorlage zur Einschränkung des Tabakkonsums liegt bereits vor – hernach soll zum Beispiel in Japan das Rauchen in öffentlichen Räumen, inklusive Gaststätten und Bars, bald gänzlich verboten werden. Die Begründung: Das macht man weltweit eben so, und da bald die Olympischen Spiele in Tokyo anstehen, wird es Zeit, ähnliche Regeln in Japan einzuführen. Wie genau das dann geregelt wird, ist zwar nicht ganz klar, da ja in Japan auch draussen oftmals bereits Rauchverbot besteht, aber dass das Gesetz verabschiedet wird, ist nur noch eine frage der Zeit.

Das Wohlfahrts- und Gesundheitsministerium scheint jedoch bereits einen Schritt weiter zu denken – demnächst soll nämlich nicht nur der nationale Tabak-, sondern auch der Alkoholkonsum gedrosselt werden¹ Eingeschränkte Werbung, höhere Steuern, regulierter Verkauf — die Maßnahmen sind denen der Tabakrichtlinie ähnlich. Angeblich wird da auch zusätzlich über ein Verbot DES japanischen Volkssports nachgedacht: dem 飲み放題 nomihōdai (=All You Can Drink). Dieser Volkssport hat in Japan eine lange Tradition, und das ganze ist mehr oder weniger direkt mit der Tatsache verbunden, dass nahezu alle Pendler und Studenten in den Großstädten mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fahren – diese aber je nach Linie zwischen Mitternacht und 1 Uhr nachts komplett den Verkehr einstellen. Die Zeit zum geselligen Beisammensein ist damit zeitlich stark begrenzt, weshalb man auf das altbewährte Mittel der Druckbetankung zurückgreift: Man zahlt also zwischen 1’500 oder 2’000 Yen (rund 15 Euro also) – je nach Etablissement mal mehr, mal weniger – und kann dafür 2 Stunden (auch das variiert je nach Lokal, aber 2 Stunden ist das übliche Maß) lang soviel Alkohol trinken wie man möchte.

Nombee-Daigaku - "die Trinkeruniversität". Typisch Japan...

Nombee-Daigaku – „die Trinkeruniversität“. Typisch Japan…

Dass dieses Angebot die Menschen dazu verleitet, weniger verantwortungsbewusst zu trinken, dürfte klar sein. Unter Studenten ist das besonders extrem, da dort Trinkspiele sehr beliebt sind – und dank „All-you-can-drink“ läuft man nicht Gefahr, sein Budget zu sprengen. Für Ausländer ist das meistens gewöhnungsbedürftig – ich konnte mich mit dem nomihōdai noch nie so richtig anfreunden, da es beinahe wie ein Zwang wirkt, trinken zu müssen bis die Zeit rum ist („der Geiz treibt’s rein“). Von den All-you-can-drink-Zombies in den späteren Zügen mal ganz abgesehen. Hinzu kommt, dass viele Kneipen viel herumtricksen: Da werden die Getränke, selbst Bier, gestreckt bis es nicht mehr geht, und wer kurz vor Ende der Frist noch bestellen möchte, wartet plötzlich vergebens auf Angestellte im eigentlich sehr serviceorientierten Japan.

Sicher, echtes Bier ist in Japan vergleichsweise teuer. Whisky, Wein sowie vor allem dubiose Mixgetränke, die nur einen Zweck haben – den (Gelegenheits)trinker schnell und billig abzufüllen – sind in Japan billig, erst recht, wenn man die Preise ins Verhältnis mit anderen Preisen setzt. Japan war schon immer ein Paradies für Raucher und Trinker, doch wie es scheint, neigt sich diese Zeit auch in Japan dem Ende zu. Ob man das gut findet oder nicht, liegt natürlich im Auge des Betrachters. Verantwortungsvolleren Alkoholkonsum zu propagieren ist jedoch keine schlechte Idee. Überregulierung hingegen schon. Da dies alles mit den anstehenden Olympischen Spielen begründet wird, werden da sicher auch schon die ersten Japaner die Spiele verfluchen.

¹ Siehe unter anderem hier.

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METI’s Patriotenporno

April 3rd, 2017 | Tagged , , | 9 Kommentare | 707 mal gelesen

Da bin ich doch neulich über ein zweisprachiges Pamphlet mit dem klangvollen Namen „Wonder NIPPON!“ gestolpert, das da bereits vor einem Jahr vom japanischen Wirtschaftsministerium (METI) herausgebracht wurde. Der japanische Titel ist viel besser: 世界が驚く ニッポン! – „Worüber die Welt staunt: Nippon!“.  Auf der folgenden Seite wird man umgehend mit der Schlagzeile „Did you realize that Japan is getting this much attention?“ – „Wussten Sie, dass Japan in der Welt so viel Aufmerksamkeit bekommt?“ konfrontiert. Was folgt, sind ein paar schöne Fotos, und ein paar Seiten weiter lustlos zusammengewürfelte Grafiken, anhand derer der staunende Leser erklärt bekommt, warum Japan so dermassen einzigartig ist, dass es ganz viel Aufmerksamkeit, gewiss zumindest mehr Aufmerksamkeit als andere Länder, verdient. Das ganze geschieht im Rahmen der Vorbereitungen für die Olympischen Spiele in Tokyo 2020.

Wundervolles Japan. Und die Menschen erst!

Wundervolles Japan. Und die Menschen erst!

Da erfährt man unter anderem, das  Japaner (und zwar alle!) die Natur ganz anders wahrnehmen, quasi mit anderen Sinnen fühlen – vorgeführt an „fünf japanischen Schlüsselwörtern, die die Welt beeindrucken könnten“ („Five Japanese keywords that may impress the world“). Man erfährt auch, dass Japaner Farben anders wahrnehmen. Und da darf auch mein Lieblingsthema nicht fehlen: Ganze vier Seiten der 64-seitigen Broschüre sind den 4 Jahreszeiten gewidmet, von denen viele Japaner immer noch glauben, dass diese etwas ganz Besonderes sind. Man glaubt es kaum: Diese vier Jahreszeiten sind: Frühling, Sommer, Herbst und Winter!

Was seltsamerweise fehlt, ist das in letzter Zeit so gerühmte „omotenashi“ – die japanische Gastfreundschaft. In einem interessanten Bogen schlägt diese Kolumne in der Japan Times  dabei einen Bogen zu einem wichtigen Aspekt von omotenashi – dem Begriff 忖度 sontaku. Die direkte Übersetzung ist nicht ganz einfach, aber es bedeutet im Prinzip, jemanden einen Wunsch abzulesen/zu erfüllen, bevor selbiger überhaupt geäußert wurde. Damit wurde jüngst im Skandal um die Verwicklung des Ministerpräsidenten Abe nebst Gemahlin bei der Vergabe eines Grundstückes weit unter Wert an den ultrarechten Schulbetreiber Moritomo Gakuen (siehe hier) auch erklärt, wieso das Finanzministerium den Deal um das Grundstück  überhaupt absegnen konnte: Der Moritomo-Chef nahm an, dass es sich um „sontaku“ handelte – die Verantwortlichen im Finanzministerium gingen davon aus, Abe einen Gefallen zu tun, ohne das der Ministerpräsident selbst davon wüsste. Anderswo nennt man das Filz oder Korruption, in Japan hingegen wird daraus eine Tugend. Sontaku eben. Oder vorauseilender Gehorsam.

Japan ist etwas Besonderes, keine Frage. Es ist eben eine Inselnation, die lange Zeit in freiwilliger Isolation verbrachte. Dass Japaner jedoch Farben und dergleichen anders wahrnehmen als andere Menschen, ist hanebüchener Blödsinn. Und ob das Überkippen ganzer Berge mit grauem Beton zum besonderen Naturverständnis der Japaner zählen soll, darf auch diskutiert werden. Das METI könnte deshalb auch gern mal eine andere, vielgerühmte Tugend anwenden: 謙虚 kenkyo. Bescheidenheit. Denn Japan hat auch ohne diese seltsamen Übertreibungen genug zu bieten. Da mache ich mir auch weniger Sorgen um die Ausländer, die dieses Pamphlet lesen – sondern mehr um die Japaner, die das lesen und womöglich alles glauben, was da drin steht. Denn merke: Es soll sogar Orte außerhalb Japans geben, in denen es vier Jahreszeiten gibt. Es soll Gerüchten zufolge auch andere Länder geben, in denen Gastfreundschaft wichtig ist. Und es soll sogar Länder geben, in denen das Essen schmeckt. Kaum zu glauben, aber wahr.

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Airbnb bekommt grünes Licht in Japan

März 13th, 2017 | Tagged , , , | 2 Kommentare | 1107 mal gelesen

Jetzt völlig legal: Airbnb in Japan

Jetzt völlig legal: Airbnb in Japan

Heute hat das japanische Parlament eine interessante Entscheidung getroffen: Airbnb ist demnach ganz offiziell legal in Japan. Allerdings nicht ganz ohne Einschränkungen. Einerseits dürfen Airbnb Anbieter ihre Wohnungen oder Häuser maximal an 180 Tagen im Jahr vermieten. Und: Man spricht den Kommunen das Recht zu, eigene Beschränkungen zu erlassen. Ob die Kommunen davon Gebrauch machen werden, bleibt abzuwarten.

Neuesten Zahlen zufolge besuchten im Jahr 2016 sage und schreibe 24 Millionen Ausländer Japan (ein Rekord – und in Tokyo ist es deutlich spürbar: es wimmelt nur so von ausländischen Besuchern!), und 3,7 Millionen dieser Besucher, also 15%, nutzten Airbnb. Analysten schätzen, dass diese Zahl im Jahr 2020 auf bis zu 35 Millionen steigen könnte. Leider ist nicht klar, ob damit die Zahl der Airbnb-Nutzer oder die Zahl der Airbnb-Übernachtungen gemeint ist (ich vermute, eher letzteres).

Bisher war Airbnb ein etwas riskantes Geschäft in Japan – nicht für die Kunden, sondern für die Anbieter – denn es war nicht klar, ob dieses auch für Japan neue Geschäftsmodell geduldet werden würde. Die Beschränkungen dürften allerdings einigen Anbietern die Freude vergällen. Andererseits kommt die offizielle Genehmigung zur rechten Zeit: Einerseits steigen die Besucherzahlen seit einigen Jahren kontinuierlich. Andererseits stehen in den kommenden Jahren grosse Ereignisse an, so zum Beispiel die Rugby-WM 2019 und die Olympischen Spiele in Tokyo im Jahr 2020.

Persönlich habe ich Airbnb bisher noch nie benutzt. Mein Schwiegervater zum Beispiel schon – bei seiner letzten Tour nach Okinawa. Wenn man sich die Qualität der japanischen Hotels in der unteren Preisklasse jedenfalls so anschaut, ist die Verbreitung von Airbnb jedenfalls begrüßenswert. Und notwendig: Es fehlt, vor allem bei grossen Veranstaltungen, oftmals schlichtweg an Unterkünften. Selbst in der Nähe des Flughafens Haneda, der ja immer mehr internationale Flüge aufweist, fehlt es an Unterkünften, was jedes Mal ein Ärgernis ist, da etliche Flüge so früh starten oder so spät landen, dass man auf eine Übernachtung angewiesen ist.

Airbnb’s Japan-Seite befindet sich übrigens hier.

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Teure Olympische Spiele | Mercedes-Raamen

Dezember 1st, 2016 | Tagged , , | Kommentare deaktiviert für Teure Olympische Spiele | Mercedes-Raamen | 510 mal gelesen

Auch heute gibt es wieder zwei Nachrichten auf ein Mal.

Die erste betrifft die Olympischen Spiele in Tokyo 2020: Vorgestern, am 29. November 2016, kamen IOC-Mitglieder, das Tokyo-Komitee für die Olympischen Spiele, Vertreter der japanischen Regierung sowie Vertreter der Stadtverwaltung von Tokyo in einem Hotel der Stadt zusammen, um den Stand der Dinge zu diskutieren. Dabei ging es unter anderem um die anhaltende Diskussion über die Auslagerung einiger Wettkampftstätten nach Tohoku sowie um die Kosten der Spiele. Und dort gab es einen Offenbarungseid. Während der Präsentation über die Spiele im Jahr 2013 hieß es, dass der ganze Spaß cirka 734 Milliarden Yen, also rund 6 Milliarden Euro kosten wird. Bei der Versammlung am Dienstag hiess es jedoch nun, dass man versuchen werde, nicht mehr als 2 Billionen Yen, also 16,5 Milliarden Euro, für die Spiele auszugeben, aber die neue Ratsherrin von Tokyo, Yuriko Koike, brachte auch schon 25 Milliarden Euro als mögliche Kosten ins Gespräch. Ein Grund für die Kostenexplosion war auch schnell gefunden (nicht von Koike, wohlgemerkt): Der alte Voranschlag habe eben noch nicht Kosten für Transport, Sicherheit usw. enthalten. Nun ja.

Der Kostenexplosion wird vermutlich der Vorschlag zum Opfer fallen, die Ruderer in die hunderte Kilometer weiter nördlich gelegene Präfektur Miyagi zu schicken – zu einer Anlage in 長沼 Naganuma. Man argumentierte, dass dies einen belebenden Effekt auf die von der Erdbeben- und Tsunamikatastrophe gebeutelte Region haben könnte, und dass der Ort zwar weit entfernt liegt, dies aber dank des Shinkansens kein Problem sein sollte, was soweit auch korrekt ist. So gesehen also keine so falsche Idee. Man darf jedoch gespannt sein, wie sich die Kosten weiter entwickeln werden. Und falls jemand beim Lesen dieser Zeilen gerade ein Déjà vu hatte — richtig, auch die Olympischen Sommerspiele 2012 in London wurden mit rund 6 Milliarden Euro veranschlagt, kosteten aber letzendlich fast 14 Milliarden. Dass man das in Tokyo für wesentlich weniger Geld hinbekommt, klang von vornherein relativ unwahrscheinlich.


Zur zweiten Nachricht: Wie jetzt bekannt wurde, wird Mercedes Benz in den nächsten Tagen und Wochen in seiner Hauptniederlassung in Roppongi, Tokyo, ラーメン Raamen verkaufen. Erklärtes Ziel ist es, Japaner zu überzeugen, dass Mercedes mehr als eine Luxusmarke für Gutbetuchte ist. Und so hat man sich die berühmte chinesisch-japanische Nudelsuppe als Kundenfänger ausgesucht, denn Raamen ist „Volksessen“, also quasi das, was dem Deutschen seine Curry- oder andere Wurst ist. Zwei Varianten wird es geben: 陸 riku (Land), mit Entenfleisch und Pilzen, sowie 海 Umi (Meer) auf Fischbrühenbasis. In letzerer Variante schwimmt dann auch Mochireis mit dem obligatorischen Stern eingebrannt. Eine Schüssel kostet wohl 1’200 Yen (10 Euro), also etwas mehr als üblich für Raamen, aber keinesfalls abschreckend teuer.

Mercedes Benz-Ramen. Quelle: WithNews

Mercedes Benz-Ramen. Quelle: WithNews

Ein veritabler Marketingtrick, denn erstens gibt es unzählige Raamenfanatiker in Japan, die man so in die Ausstellungsräume locken kann, und zum anderen gibt es genug Idioten wie mich, die sich darüber die Finger wund schreiben. Aber da ich selber Ramen-fan bin, war mir das ein paar Zeilen wert.

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Also das mit dem omotenashi…

Oktober 12th, 2016 | Tagged , | 1 Kommentar | 1494 mal gelesen

… muss vor den Olympischen Spielen scheinbar noch ein bisschen geübt werden. Schliesslich war „Omotenashi“ (in etwa: „Gastfreundschaft“) eines der Schlagwörter bei der Bewerbung für die Olympischen Spiele 2020. Und auf besagtes „omotenashi“ ist man in Japan ganz besonders stolz — gerade so, als ob so etwas wie Gastfreundschaft in anderen Ländern auf gar keinen Fall existiert.

Heute wurde bekannt, dass ein Angestellter der Nankai-Eisenbahnlinie am 10. Oktober eine Lautsprecherdurchsage der etwas anderen Art durch den Äther pustete: „Heute fahren viele Ausländer mit diesem Zug, weshalb es sehr voll ist. Wir bitten die japanischen Passagiere um Verständnis für die damit verbundenen Unannehmlichkeiten“.¹ Ein japanischer Fahrgast erkundigte sich daraufhin an der Endhaltestelle, ob besagte Durchsage etwa eine Standarddurchsage sei. Der Angestellte wurde daraufhin befragt und letztendlich abgemahnt. Seine Begründung für sein Verhalten: Ein japanischer Passagier hatte sich lautstark beschwert, dass so viele Ausländer im Zug seien und es deshalb unerträglich laut sei. Laut Befragung sah sich der Schaffner daraufhin genötigt, sich mit der Durchsage zu entschuldigen — wohl aber nicht mit der Absicht, diskriminieren zu wollen. Nun ja. Laut Bahnlinie gab es schon häufiger Beschwerden über Ausländer in dem Zug aufgrund der Lautstärke und ihres Gepäcks, das die Wege versperrt. Allerdings: Bei der Bahnlinie handelt es sich um einen Flughafenzubringer (zum nicht gerade kleinen Kansai International Airport bei Osaka).

Passend zum Thema – quasi gleich in der Nähe, im Stadtzentrum von Osaka, wurde in der vergangenen Woche aufgedeckt, dass ein Sushirestaurant mit dem Namen Ichiba Zushi ausländischen Gästen wesentlich mehr Wasabi ins Sushi unterjubelt als einheimischen Gästen. Während sich die Japaner genüsslich das Sushi schmecken liessen, hatten so die ahnungslosen Ausländer einfach nur Tränen in den Augen². Der Vorfall erhielt bald Beinamen wie Wasabi-Terror und dergleichen. Letztendlich entschuldigte sich der Restaurantbetreiber öffentlich für das Fehlverhalten seiner Angestellten. Die hatten allerdings auch eine Erklärung parat: Vor allem koreanische Gäste fragten oft nach extra viel Wasabi, denn wie ja allgemein bekannt, speisen Koreaner gern scharf. Irgendwann sind die Sushimeister deshalb darin übergegangen, ungefragt den Wasabigehalt zu erhöhen. Das ist in der Tat jedoch nicht normal: Extra viel oder gar kein Wasabi sind bei Sushirestaurants Standardwünsche, doch die Betonung liegt da auf „-wünsche“.

Fairerweise muss man allerdings dazu sagen, dass solche Vorfälle relativ selten sind – so selten, dass sie es in die Hauptschlagzeilen schaffen, so sie denn entdeckt werden. Sicher – Diskriminierung gibt es auch in Japan (in sehr vielen Fällen wird das von den Betroffenen mangels Sprachkenntnisse nicht einmal bemerkt, aber es gibt sie eben auch). So wurde mir ein Mal eine Reservierung in einem Hotel verweigert, mit der Begründung, man nehme keine Ausländer auf, da man kein Ausländisch spreche und deshalb nicht den üblichen Service garantieren könne (sehr einleuchtend!). Dass die obigen Fälle jedoch in Kansai stattfanden, überrascht mich zumindest nicht sehr. Denn dort wird man oben genannte negative Extreme als auch positive Extreme wie diesen hier eher erleben als zum Beispiel in Tokyo.

¹ O-Ton: „本日は多数の外国人のお客さまが乗車されており、大変混雑しておりますので、日本人のお客さまにはご不便をおかけしております“. Siehe hier (Mainichi Shimbun)
² Siehe unter anderem hier (Nikkei)

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Olympische Spiele: Freudige Erregung und ein Mario-Abe

August 23rd, 2016 | Tagged , | Kommentare deaktiviert für Olympische Spiele: Freudige Erregung und ein Mario-Abe | 790 mal gelesen

Unkenrufen zum Trotz fanden die Olympischen Spiele nun doch statt, und vor allem in Japan schaute man dieses Mal besonders aufmerksam hin – schliesslich ist Japan als nächstes dran (und es gibt noch viel zu tun – man weiss zum Beispiel noch nicht einmal, wie viel der Spass eigentlich kosten wird). Und Japan hat in den vergangenen Jahren scheinbar einiges richtig gemacht bei der Sportförderung, denn mit 41 Medaillen gab es so viel Edelmetall wie nie zuvor. Darunter gab es auch echte Überraschungen, denn niemand hätte zum Beispiel den japanischen Sprinter bei der 4×100-Meter-Staffel der Herren zugetraut, aufs Podest zu gelangen – doch ein nahezu perfektes Zusammenspiel der als Einzelläufer weniger erfolgreichen vier sorgte für eine sensationelle Silbermedaille. Einer der vier ist zudem ein „half“, also ein Halbjapaner, mit dem ganz klar unjapanischen Namen Cambridge – und der sorgte wahrscheinlich gleichzeitig mit dafür, dass sich noch mehr Japaner mit dem Gedanken anfreundeten, dass „half“ nicht unbedingt halbe Menschen sind sondern mitunter Japaner wie Du und … nein, nicht ich.

Abe-Mario bei der Abschlusszeremonie

Abe-Mario bei der Abschlusszeremonie

Ministerpräsident Abes Auftritt als Super Mario während der Schlusszeremonie sorgte nun für zahlreiche Reaktionen in den japanischen sozialen Netzwerken. Wie zu erwarten ist alles dabei: Von der Häme bis zur Bewunderung. Der Auftritt deutete auch an, mit welchem Pfund Japan bei den Olympischen Spielen 2020 in Tokyo wuchern wird. Selbst hochbetagte Funktionäre sind sich einig, dass aus dem Geek-Image Japans viel Kapital zu schlagen ist, und warum auch nicht: Eine Nation, die für ihre Videospiele und ausgefallenen Ideen bekannt ist? Es gäbe schlimmeres. In dem Sinne darf man schon mal auf die Eröffnungszeremonie in Tokyo gespannt sein. Das sind zwar noch vier Jahre hin, aber wie sich bei allen Olympischen Spielen herausstellt, ist das eine sehr kurze Zeit, um alles fertigzustellen. Fast so wie Weihnachten, dass ja auch jedes Jahr ganz plötzlich und unverhofft vor der Tür steht.

Unter dem Hashtag #安倍マリオ tauchte übrigens das untere Bild heute auf – mit dem Titel „首相、よく間違えなかったな。“ – „Ministerpräsident, Glück gehabt dass Du Dich nicht verlaufen hast!“ (zur Auswahl stehen die Ministerpräsidentenresidenz, Rio und der Yasukuni-Schrein):

Abe-Mario: Zum Glück nicht verlaufen!

Abe-Mario: Zum Glück nicht verlaufen!

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Wir borgen uns ein Logo. Oder zwei.

August 21st, 2015 | Tagged , | 5 Kommentare | 1107 mal gelesen

Es sind noch 5 Jahre bis zu den Olympischen Spielen in Tokyo, aber selbige sorgen bereits mehr und mehr für Unterhaltung. War es vorher das sündhaft teure Stadion, ob dessen sich die Gemüter erhitzten (das Ganze ist jedoch noch nicht ausgestanden), so ist es jetzt das Olympialogo. Das Logo wurde vom Grafikdesigner 佐野 研二郎 Kenjirō Sano entworfen – der 43-jährige hat natürlich schon einiges Andere vorher entworfen und diverse Designpreise eingeheimst. 104 verschiedene Entwürfe reichte Sano ein, und ein markantes T für Tokyo wurde ausgewählt. Im Juli gab man schliesslich ganz offiziell das Emblem bekannt. Davon bekam auch ein belgischer Designer Wind: Das Logo ähnele dem des Theaters von Liege doch allzu sehr. So sehr, daß man geistigen Diebstahl vermutet und rechtlich dagegen vorgehen möchte.

Nun ist die Ähnlichkeit grenzwertig. Es ist kein allzu kompliziertes Logo, und es besteht durchaus die Möglichkeit, daß Sano das belgische Logo nie gesehen hat. Doch dann meldete sich ein spanisches Designbüro zu Wort. Jenes hatte nach der Erdbebenkatastrophe ein „Rebuild Japan“ (ausgerechnet!)-Logo entworfen. Spätestens beim Anblick dieses Logos fällt es schwer, an einen dummen Zufall zu glauben.

Olympia-Logo-Entstehung - alles nur Zufall?

Olympia-Logo-Entstehung – alles nur Zufall?

Flugs wurde eine Pressekonferenz einberufen, bei der Sano beteuerte, daß er noch nie von anderen Entwürfen geklaut habe. Das unerlaubte kopieren, kurz geistiger Diebstahl, wird auf Japanisch パクる pakuru genannt. Natürlich begannen nun die Menschen, etwas näher hinzuschauen, und siehe da: Das Olympialogo ist kein Einzelfall. Sano hat über Jahre hinweg munter kopiert. Mal mehr, mal weniger offensichtlich. Am besten haben das die Kollegen vom japanischen Netgeek-Blog zusammengefasst (siehe Netgeek.biz):

Sanos Design unter der Lupe

Sanos Design unter der Lupe – Quelle: Netgeek.biz

In den sozialen Netzwerken wird der Vorfall heftig diskutiert. Wie immer tauchen sofort Posts auf, die behaupten, daß Sano kein echter Japaner sei sondern ein Zainichi. Viele fragen sich, ob in der Designwelt etwa auch Beziehungen die Welt sind, da Sano dorthin gehend etliche Beziehungen hat.

Persönlich betrachte ich das ganze zugegebenermassen nicht ganz ohne Häme. Die japanischen Medien sind seit Jahren gnadenlos über die Raubkopiererei in China hergefallen, gerade so als ob so etwas niemals in Japan passieren könnte. Sicher, China ist in Sachen geistiges Eigentum noch immer Wildwest, und es wird kopiert, was das Zeug hält. Aber es ist ja nicht so, daß man in Japan diesbezüglich gänzlich immun sei.

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Die Olympischen Spiele und das liebe Geld

Juli 10th, 2015 | Tagged , | 8 Kommentare | 1741 mal gelesen

Mit grossen Schritten rücken sie heran – die Olympischen Sommerspiele 2020. Nur noch 5 Jahre sind es bis dahin, und immerhin hat man in Japan jetzt damit begonnen, sich um die Kosten zu streiten.

Die ursprüngliche Planung sieht vor, dass die Spiele rund 820 Milliarden Yen kosten werden – das sind beim jetzigen Stand gute 6 Milliarden Euro¹. Dem gegenüber stehen erwartete Einnahmen von gut 2,5 Milliarden Euro. Von vornherein also sind die Olympischen Sommerspiele für Tokyo ein Zuschußgeschäft. Doch die Zahlen erweisen sich jetzt schon – hört, hört! – als nur gering belastbar. Der grösste Zankapfel ist da momentan der Neubau des 新国立競技場 Shinkokuritsu Kyōgijō (wörtlich: “Neuer Staatlicher Wettkampfort). Das Olympiastadium befindet sich im Herzen von Tokyo und soll von jetzt an gebaut werden. Die Ausschreibung hatte die englische Stararchitektin Zaha Hamid gewonnen. Eigentlich waren für den Neu- und Umbau der Wettkampfstätten in und um Tokyo insgesamt 300 Milliarden Yen eingeplant, doch nun gab man bekannt, dass allein der Neubau des Olympiastadiums 250 Milliarden Yen, also sage und schreibe 1,8 Milliarden Euro, kosten werde. Das ist in etwa das 5-fache dessen, was das Olympiastadium in Peking kostete. Einer der Hauptgründe für den plötzlichen Kostenanstieg ist das extravagante Design. 370 Meter lang und 70 Meter hoch soll das, ich sage mal wanzenähnliche, Gebilde werden – das Herzstück besteht aus zwei riesengrossen Stahlbögen, entlang derer ein einfahrbares Dach verlaufen soll.

Projektentwurf Olympiastadion. Quelle: Japan Sport Council

Projektentwurf Olympiastadion. Quelle: Japan Sport Council

Muss das sein? Müssen wir soviel Geld dafür ausgeben? Und von wem soll das Geld eigentlich kommen? Warum hat man nicht einen japanischen Architekten gewählt? So und ähnlich lauten die Fragen. Dabei hat man schon zurückgesteckt und den Bau um rund 20% verkleinert. In dieser Woche wurde nun entschieden, dass das Teil gebaut wird, basta.

Wer vom neuen Berliner Flughafen oder der Elbphilharmonie gehört hat, kann darüber nur müde lächeln. Obwohl 1,8 Milliarden Euro für ein Stadion in der Tat kein Pappenstiel sind. Wahrscheinlich werden aber noch etliche andere Überraschungen auf die Veranstalter hinzukommen. Woher das Geld jedoch letztendlich kommen soll, ist eine Frage, die mich auch interessiert – schliesslich ist Japan bis über beide Ohren verschuldet. Neben der Tatsache, dass das Land aus tausenden Inseln besteht, noch eine Gemeinsamkeit mit Griechenland…

¹ Eine Zusammenfassung der ursprünglichen Planung der Spiele findet man hier

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