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Datum der Tenno-Abdankung steht fest | Steuern, Steuern, noch mehr Steuern

Dezember 4th, 2017 | Tagged , | 4 Kommentare | 595 mal gelesen

Internetbanking mit Kaiserjahren

Internetbanking mit Kaiserjahren

Vor drei Tagen, am 1. Dezember, wurde eine seit anderthalb Jahren geführte Diskussion zu Ende geführt: Es geht um die vom Kaiser selbst vorgeschlagene Abdankung zu Lebzeiten – zugunsten des Thronfolgers und aufgrund gesundheitlicher Sorgen. Laut Beschluss des 皇室会議 kōshitsu kaigi (Kaiserlicher Hofrat) wird der Kaiser also planmäßig am 30. April 2019 seine rund 31-jährige Amtszeit beenden. Damit endet dann auch die „Heisei“-Zeitrechnung, und eine neue Zeitrechnung muss her, die im Jahr 2019 ihr Jahr 1 („元旦“ gantan“) und im Jahr 2020 ihr Jahr 2 haben wird. Wie das neue Motto, beziehungsweise wie die neue Zeitrechnung heißen wird, weiß man noch nicht.

Die gute Nachricht lautet dabei: Wahrscheinlich hat man dank der lange im Voraus geplanten Abdankung, so etwas gab es immerhin seit rund 200 Jahren nicht mehr, etwas mehr Zeit als sonst, sich auf den Namen einzustellen, denn die japanische Zeitrechnung wird noch immer auf den meisten amtlichen Dokumenten verwendet. Die schlechte Nachricht lautet, dass die Umstellung der Zeitrechnung in der IT-Branche quasi den kleinen Bruder des Y2K-Problems darstellt – hunderttausende Systeme müssen umgestellt werden, um das neue Datum darstellen und in die westliche Zeitrechnung umrechnen zu können. Das letzte Mal geschah das 1989, doch seitdem gibt es natürlich viel mehr IT als sonst. Beispiel gefällig? Das Internetbanking der japanischen Postbank zeigt das Datum im Heisei-Format, also eine am heutigen Tag getätigte Transaktion hat den Zeitstempel 29-12-04 – das steht für den 4. Dezember (Heisei) 29 = 2017. Die Transaktionen kann man sich im CSV-Format herunterladen, und unzählige Firmen haben ihre eigenen Programme dafür, diese CSV-Dateien in ihr eigenes Buchhaltungssystem zu importieren – inklusive der Umrechnung in das westliche Kalenderjahr. Das muss natürlich alles 2019 umgestellt werden. Dem jetzigen Kaiser, Akihito, kann man indes nur wünschen, dass er und seine Gemahlin bis zur Abdankung und darüber hinaus gesund bleibt, damit er noch etwas von seinem verdienten Ruhestand hat, denn so viel steht fest: Kaiser von Japan zu sein ist aufgrund der Terminfülle ganz sicher kein Zuckerschlecken.


Vor zwei Tagen sprang mir ein Artikel in den japanischen Medien (und in der Japan Times, siehe hier) ins Auge: Im für 2018 geplanten Steuerreformpaket, jenes soll am 14. Dezember verabschiedet werden, befindet sich wohl auch eine „Ausreisesteuer“ von 1,000 yen, die jeder, der Japan auf dem Luft- oder Seeweg verlässt, entrichten soll. Die Steuereinnahmen sollen dazu dienen, den Tourismus in Japan zu fördern. Sicher, 7,50 Euro sind nicht viel Geld, aber Touristen dafür zu bestrafen, dass sie auf Tourismuswerbung reagieren und nach Japan kommen, halte ich für etwas merkwürdig. Den Großteil müssen natürlich Japaner aufbringen, die ins Ausland reisen, und dennoch: Es ist beinahe so, als ob man mit einem Werbeprospekt des Möbelhändlers zu selbigem geht – und dort beim Bezahlen dann ein paar Euro für den Werbeprospekt bezahlen soll. Dabei war ich eigentlich froh, dass die unsägliche Ausreisegebühr am Flughafen Narita kurz vor der Jahrtausendwende endlich wegfiel — damals musste man nämlich noch bei der Ausreise jedes Mal gute 2’000 Yen „departure tax“ zahlen – so etwas gab es damals fast nur in „Bananenrepubliken“, und eben in Japan… Was mich jedoch wirklich wurmt, ist die Tatsache, wofür das Geld dann ausgegeben wird: Größtenteils sehr wahrscheinlich für nationalistische Propaganda.

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Ein Volk der Kleinhändler

November 29th, 2017 | Tagged | 1 Kommentar | 552 mal gelesen

Manchmal wähnt man sich fast wie unter den Ferengi: Der Klein- und Kleinsthandel in Japan nimmt immer groteskere Züge an, und die Frage nach den Gründen für das Verkaufsfieber ist durchaus interessant. Die Popularität äußerte sich erst heute wieder bei der An- und Verkaufsplattform Mercari メルカリ. Diese startete heute Punkt Mitternacht einen neuen Dienst, genannt „Mercari Now„. Das Prinzip ist sehr einfach und sicherlich verlockend: Wenn man etwas zu verkaufen hat, macht man ein Foto von dem Artikel, lädt es hoch und bekommt prompt einen Preisvorschlag zurück. Ist man damit einverstanden, wird das Geld umgehend überwiesen – die verkauften Sachen schickt man dann hinterher zu Mercari. Nach 17 Minuten, also um Punkt 00:17, war jedoch erstmal Schluß: Aufgrund zu hoher Serverbelastung wurde der Dienst erstmal wieder vom Netz genommen (und 15 Stunden später reaktiviert – Hut ab vor den IT-Leuten!)

Der Zuspruch muss also höher gewesen sein als erwartet, was ein wenig überrascht, denn im Juni startete ein ähnlich gearteter Dienstleister mit dem Namen „CASH“, finanziert von einem Bankenverband. Am ersten Tag vermeldete der Dienst einen Umsatz von rund 3 Millionen Euro – zu viel für den Betreiber. Man nahm am folgenden Tag den Dienst vom Netz und verkaufte ihn an den „wir-kaufen-alles-mit-Internet“-Giganten DMM.com, der den Service dann im August wieder startete.
Doch nicht nur bei Mercari und Cash geht es hoch her – auch bei Amazon, Rakuten, Atte, Yahoo! Auction und vielen anderen Dienstleistern wird gehandelt bis zum Umfallen. Auch Offline sind Dienstleister wie Book Off! und dergleichen gut dabei und hoch beliebt, wenn auch nicht immer unbedingt profitabel.

Mercari Now-Screen

Mercari Now-Screen

Wie kommt’s, möchte man da fragen. Schließlich erreicht dieser private Kleinsthandel Dimensionen, die man anderswo so nie erreichen wird. Sind immer mehr Haushalte knapp bei Kasse? Haben zu viele Hausfrauen, und von denen gibt es in Japan ja reichlich, schlicht zu viel Zeit? Oder ist es einfach nur die Tatsache, dass das Land so lange in Luxusgüter schwelgte, dass es davon einfach sehr viel gibt? Wahrscheinlich ist es eine Mischung. Gerade, was Luxusgüter anbelangt. Japan dürfte den höchsten Anteil Louis Vuitton-handtaschenschwingender Frauen haben. Von anderen Marken ganz zu schweigen. Markennamen gelten noch etwas, und man gibt gern viel Geld dafür aus, ob man es hat oder nicht (oder man lässt ausgeben). Doch irgendwann braucht man das eine oder andere Stück nicht mehr, und eine bequeme Methode wie Mercari Now kommt da genau richtig. Verständlicherweise ist die Seite deshalb auch auf Mode begrenzt: Man wählt die Art des Kleidungsstücks, den Markennamen (ganz wichtig!), den Zustand und einiges mehr – und basierend darauf bezahlt Mercari Geld. Genau wie bei einem gebrauchten Auto.

Doch auch in Japan muss man vorsichtig sein – Betrug ist allgegenwärtig. Ein Beispiel: Als wir neulich im Auftrag der Familie für jemanden einen Stillkittel als Geschenk bei Amazon bestellten, erhielten wir eine ominöse Plastiktüte mit einem selbstgedruckten Schreiben drin, in dem die Marke „Bebe au Lait“ gepriesen wurde. Ganz offensichtlich war das aber kein Original, darauf deutete auch schon die Verarbeitung hin (nicht, dass dieses Exemplar wesentlich günstiger war, wohlgemerkt). Eine Beschwerde beim Anbieter wurde zwar akzeptiert und das Produkt zurückgenommen, doch der Verkäufer bestand darauf, dass es ein Original eben jener Marke sei.

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Sayonara 2channel. Oissu, 5channel!

Oktober 2nd, 2017 | Tagged , | Kein Kommentar bisher | 509 mal gelesen

Da staunten Millionen Japaner gestern und heute nicht schlecht, als sie ihr allseits beliebtes 2channel im Browser aufriefen – und plötzlich zu 5channel umgeleitet wurden! Erklärt wird das ganze mit einer wie üblich putzigen Animation, bei der die 2 durch ein possierliches Tierchen weggekickt wird und eine 5 auftaucht. 2ちゃんねる 2channel hatte ich früher schon einmal vorgestellt, aber dieses japanische Internetphänomen ist trotzdem eine weitere Meldung wert.

Aus 2 mach 5: 2channel benennt sich um

Aus 2 mach 5: 2channel benennt sich um (auf das Bild klicken um Animation zu sehen)

Gegründet wurde 2channel im Jahr 1999 – als sehr, sehr einfaches BBS (bulletin board system) mit null Layout, gewährleisteter Anonymität und Schmuddelimage, welches unter anderem auch durch das Geschäftsmodell unterstrichen wurde: Das Portal finanzierte sich dadurch, nicht jugendfreie Banner einzublenden, wenn man einen Link nach aussen klickte – erst danach wurde und wird man weitergeleitet. Bis 1998 existierten andere, beliebte Boards, zum Beispiel tennou.com, aber die verschwanden nach und nach. 2channel profilierte sich schnell als „Speaker’s corner“ im Internet. Im Jahr 2002 zählte man bis zu 3 Millionen Nutzer pro Tag – im weltweiten Internetseitenranking lag 2ch, wie die Seite gern abgekürzt wird, auf Rang 4. Die Spielregeln waren und sind relativ einfach:

• Jedes Thema (thread) kann maximal 1’000 Beiträge haben oder bis zu 500kb groß sein. Danach fällt das Beil – egal wo die Diskussion steckt.
• Man muss keinen Namen eingeben, und auch keine Email-Adresse: Deshalb gibt es extrem viele Beiträge von „名無しさん nanashi-san“ — „Herr/Frau Namenlos“
• Es gibt bzw. gab rund 1’000 freiwillige Wächter – die allerdings fast alles durchgehen ließen und lassen.

2ch bzw. jetzt eben 5ch ist aus besagten Gründen ein beliebtes Ventil, um im Internet Luft abzulassen, und entsprechend rauh ist der Umgangston – zumal man in Japan in Sachen politischer Korrektheit weniger empfindlich ist. Hin und wieder tauchen auch brauchbare Informationen auf, aber letztendlich ist das meiste Klatsch, Tratsch und sinnloses Aufeinanderrumhacken.

Der Namenswechsel wurde von Loki Technology, Inc, einer kleinen amerikanischen Firma, beschlossen – diese übernahm gestern, am 1. Oktober 2017, 2channel. Was die Firma damit will, ist nicht ganz klar, aber so viel steht fest: 2ch ist auf einem absteigenden Ast. Junge Leute benutzen lieber Twitter, Facebook, Instagram und Co. Die Benutzer von 5ch werden immer älter — aber deshalb nicht unbedingt freundlicher. So gesehen wird es schon interessant zu sehen, was Loki damit machen will. Momentan braucht die Webseite geschlagene 60 Server, und die müssen natürlich irgendwie bezahlt werden.

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IT-Spass in Japan – heute: Email-Adressen

Mai 15th, 2015 | Tagged | 17 Kommentare | 2525 mal gelesen

Die ganze Welt hält sich beim Einrichten und Verwalten von Email-Adressen an den dafür vorgesehenen Standard RFC 5322. Die ganze Welt? Aber nicht doch. Ein kleines Land am Rande des Pazifiks pfeift auf die Regeln. Wie schwer kann das denn mit den Email-Adressen sein, mag da der Laie denken, aber das Regelwerk ist (meines Erachtens unnötig) kompliziert. Da ist es gut zu wissen, dass es ein paar feste Regeln gibt. So wird im RFC 5322 und seinen Vorgängern festgeschrieben, dass der lokale Teile (also der Teil vor dem @-Zeichen) nicht mit einem Punkt beginnen oder enden darf. Ebenso ausgeschlossen sind zwei Punkte hintereinander.

Das mit den Punkten ist sowieso eine heikle Angewohnheit: Hat man eine Gmail-Adresse, werden Punkte im lokalen Bereich quasi ignoriert. Wer max.mustermann@gmail.com registriert hat, kann auch über maxmustermann@gmail.com angeschrieben werden. Bei Google Apps, genauer gesagt der Gmail-App, bei der man seine eigene Domain mit Gmail einrichten kann, ist dies jedoch nicht der Fall – maxmustermann@meine-domain.de wird nicht empfangen, so lange die Adresse nicht explizit eingerichtet ist.

Aber ich schweife ab. Gelegentlich meldet sich bei uns ein neuer Kunde an – mit Email-Adressen wie

was..weissich..0815@docomo.ne.jp

oder

ich-bin-neu-hier.@ezweb.ne.jp

Das System schaut sich die Email-Adresse an, und wie es gute Systeme nun mal tun, merkt es umgehend, dass die Email-Adresse nicht dem Standard entspricht. Ergo geht es (meist folgerichtig) davon aus, dass sich der hastige oder mit dem Keyboard noch nicht so vertraute Bug-Initiator User bei der Eingabe geirrt hat. Oder die Email-Adresse geht durch, aber der Server sendet letztendlich nicht, da die Adresse verkehrt aussieht. Danach gibt es natürlich prompt Beschwerden — wo denn die Bestätigungsemail bleibt, warum wir nicht antworten und so weiter und so fort.

Des Rätsels Lösung – Docomo und au, zwei der 3 grössten Mobilfunkbetreiber Japans – pfeifen ganz einfach auf den international anerkannten Standard und genehmigen die Einrichtung von Adressen, die gegen die Regeln verstossen. Immerhin gibt man einen Warnhinweis heraus, der darauf hinweist, dass es Probleme mit der Adresse geben könnte. Ich bin mir ganz sicher, dass sich alle Kunden ganz genau den Hinweis durchlesen und danach wohl überlegt die richtige Entscheidung treffen. Selten so gelacht. Die ganze Geschichte beweist mal wieder zwei Dinge:

1. Japan ist Galapagos, und den Status geniesst man.
2. IT in Japan ist nachwievor einfach nur ein Alptraum.

Ich würde mich ja gern irren, aber das ist schlicht das Fazit nach 10 Jahren IT in Japan.

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Wenn die Kirschen blühen. Nein, nicht die Bäume.

März 24th, 2015 | Tagged , | 2 Kommentare | 3381 mal gelesen

rakutenAb morgen soll es also losgehen mit der Kirschblüte in Tokyo, und das kann ich nur bestätigen – in der Ecke Ebisu / Hiroo geht es wirklich schon los. Schade nur, dass es gleichzeitig um einiges kälter wird.

Aber es geht hier nicht um die allseits bekannten Kirschblüten, sondern um eine andere Art von さくら Sakura – dieser Begriff bezeichnet nämlich auch gefälschte Produktrezensionen (die Kirschblüte dient ja nur zu Zier, und so verhält es sich eben auch mit den angeblich authentischen Benutzerkritiken). Heute kam ans Licht, dass sich über 100 Firmen, die ihre Produkte bei Rakuten verkaufen, eines zweifelhaften Services in Osaka bedienten: Jene unterhält Untersuchungen zufolge cirka 6’000 Benutzerkonten bei Rakuten, über die sie dann vorteilhafte Käuferrezensionen für zahlende Kunden schreiben lässt.

Überrascht uns das? Natürlich nicht. Ist das ein japanisches Phänomen? Auf gar keinen Fall. Man denke nur an die auch in Deutschland gängige Praxis, Facebook-Likes und dergleichen käuflich zu erwerben. Diese Praxis ist, genau wie die „sakura“ genauso verwerflich wie verständlich. Natürlich sind positive Kritiken die beste Werbung, und der Wettbewerb ist hart, so dass man selbst mit einem guten Produkt einen sehr schweren Start hat.

Heuchlerisch erschien mir jedoch die Empörung seitens Rakuten: Man werde die Firmen bestrafen, und man vermutet, dass es um einen Schaden in Millionenhöhe geht. Wirklich? Letztendlich profitierte doch auch Rakuten von der ach so authentischen positiven Bewertung, oder?

Ach, Rakuten, Du „bequemer Himmel“ (das ist die wortwörtliche Übersetzung; eigentlich bedeutet das Wort „Optimismus“), Beherrscher der New Economy in Japan mit einem Jahresumsatz von über 4 Milliarden Euro: Dank Unternehmen wie Dir ist IT in Japan auf dem Niveau, auf dem es eben ist: Ein verdammt niedriges. Das System ist hoffnungslos umständlich und veraltet, das Layout ein Alptraum und die Art und Weise, wie alles funktioniert (oder auch nicht) einfach nur umständlich. Auch wir haben ein Mal in der Firma einen Rakuten-Shop betrieben, aber Gottseidank haben wir das Kapitel beendet: Sicher, man kann Gewinn machen. Den kann man dann aber auch gleich wieder in den sprunghaft steigenden Verwaltungsaufwand investieren. So gesehen ist Rakuten eine wahre Jobmaschine in Japan – und wie es scheint, zu einem gewissen Anteil dank der vielen Kirschen…

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Ach Sie wohnen in Japan? Ja nee, dann nich…

November 26th, 2013 | Tagged | 22 Kommentare | 11644 mal gelesen

Ich hielt damals schon immer die GEMA für eine Zumutung, aber die japanische Musikindustrie ist noch einen Zacken schärfer. Es scheint nahezu unmöglich, den Musikmarkt in einer Form zu vereinfachen, die dem Musikliebhaber zu gute kommen könnte. Ich zähle mich zu den letzteren und bin deshalb schon öfter gegen eine Wand geprallt. Mit Spotify zum Beispiel, einem Service, den ich liebend gern nutzen würde, und für den ich ohne mit der Wimper zu zucken liebend gern Geld bezahlen würde. Aber selbst 5 Jahre nach der Gründung ist Spotify nicht in Japan erhältlich, und das liegt, nehme ich stark an, weniger an Spotify.

Oder nehmen wir iTunes Match – das erlaubt dem Mac-affinen User, seine gesamte, so nicht speziell DRM-geschützte Musik in die Cloud hochzuladen und damit von überall Zugriff auf die eigene Musikbibliothek zu haben. In meinem Fall sind das ein paar hundert Stunden erlesenster (Selbsteinschätzung) Musik, die ich gern immer bei mir hätte. Kostet wohl 25 US-Dollar, und das wäre mir ebenfalls jeden Cent wert. Auf Apple’s japanischer Webseite steht auch wunderschön geschrieben, wie man den Service aktiviert. Irgendwo versteckt lungert jedoch ein Link herum: Liste der Länder, in denen man iTunes Match benutzen kann, mit den üblichen iTunes-Länderbuttons. Nicht dabei natürlich: Ein weißer Button mit rotem Punkt (Umeboshi!) drin. War klar. Sicher, man kann Tunnel Bear und ähnliche Proxy-Provider benutzen, aber dazu bin ich dann doch zu faul.

Wo wir allerdings gerade bei Apple sind: Immerhin hat Apple Japan in dieser Woche damit begonnen, SIM-freie iPhones zu verkaufen. Das ist doch schon mal ein Fortschritt, denn bisher war man mit seinem japanischen iPhone an einen japanischen Anbieter gebunden, und auch Tethering war so nicht ohne weiteres möglich. Spezialverträgen zwischen der japanischen Industrie und den Importeuren sei dank. Irgendwie muss man ja seine Insel schützen…

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Japan und die Privatsphäre im Netz: Versiert oder einfach nur ahnungslos?

November 24th, 2012 | Tagged , | 2 Kommentare | 69983 mal gelesen

Leicht amüsiert lese ich immer die permanenten Aufschreie im deutschsprachigen Internet bezüglich der Datensammelwut von Firmen wie Google, Facebook und so weiter. Garniert mit kurzen Proteststürmen über Meldungen wie „mehr Werbung auf Facebook“, die Weitergabe von Profildaten und ähnlichen neuen, natürlich nur im Interesse der Nutzer installierten Features.
Nun gut. Google besitzt 2% der weltweit aktiven Server1 und investiert jährlich ca. 2,5 Milliarden Dollar in seine Infrastruktur2. Facebook bezahlt rund 1 Dollar pro User im Monat – das meiste davon geht ebenfalls in die Infrastruktur. Für Amazon ist es schon schwerer, an Daten zu kommen, aber die Summe, die in die Infrastruktur gesteckt wird, dürfte ebenfalls enorm sein. Wobei der Vergleich freilich hinkt: Für den normalen User ist Amazon ein klarer Fall: Hier wird verkauft, hier gibt es nichts für umsonst. Und Amazon ist sehr clever mit seiner Cloud-Strategie. Zu dieser Strategie kann man der Firma nur gratulieren.
Facebook und Google sind – oberflächlich gesehen – nicht so kommerziell. Klar, man sieht Werbung hier und da, aber dem gegenüber stehen unzähliche kostenlose Dienstleistungen. Und viele scheinen so zu vergessen, dass es sich bei Google und Facebook um kommerzielle Unternehmungen handelt, die nur auf eins aus sind: Shareholder Value. Und wer glaubt, dass sich der ganze Zirkus allein mit puren Werbekosten rechnet, sollte mal genau in sich reinhören: Wie oft klickt man Werbung bei Facebook an? Und wie oft kauft man dann wirklich etwas? Der sich selbst als kundig bezeichnende User scheut Werbung wie der Teufel das Weihwasser und denkt sich „sollen das mal die anderen (sprich: Ahnungslosen) machen. Aber wehe, jemand will an die privaten Daten ran, die man so mühsam vorher in die Tastatur gehackt und an Server im Nirgendwo versendet hat!

In Japan ist natürlich alles anders. Privatsphäre wird in Japan gross geschrieben. PRIVATSPHÄRE quasi. Japaner geben ungern ihren Klarnamen im Internet preis. Viele Experten haben vorausgesagt, dass Facebook in Japan nicht funktionieren wird, da Klarnamen gefordert werden (beziehungsweise wurden). Stattdessen hielt man sich an Mixi4 , einem japanischen SNS. Doch Facebook war dann doch zu attraktiv. Im Juni waren wohl gute 10 Millionen Japaner bei Facebook registriert5 (interessanterweise dominiert jedoch Twitter in Japan: Der Softbank-Chef hat zum Beispiel knapp 1,8 Millionen Follower6 – und er schreibt auf Japanisch). Mixi hat zwar rund 20 Millionen Nutzer, befindet sich aber eindeutig auf dem absteigenden Ast. Facebook hingegen wächst, und kaum jemand ist sich bewußt, wann er wo und warum Informationen preisgibt.

Ändert Facebook nun seine Nutzerbedingungen oder erfindet neue Strategien, Nutzerdaten zu verwerten, passiert in Japan – rein gar nichts. Keiner regt sich auf, keiner nimmt davon Kenntnis. Ändert man das Urhebergesetz, so daß Downloads bzw. File-Sharing plötzlich in vielen Fällen illegal werden, schreien maximal die in Japan lebenden Ausländer auf, doch die Japaner nicht. Die meisten wissen noch nicht mal was davon. Warum? Hat man in Japan ein gesunderes Verhältnis zum Kapitalismus, oder ist es schlichtweg Ahnungslosigkeit?

Es dürfte eine Mischung aus beiden sein. Das Gros der Nutzer dürfte (wie auch in Deutschland) keine Ahnung davon haben, wie Firmen wie Facebook eigentlich existieren und arbeiten. Von den IT-Kosten haben die meisten nicht die leiseste Ahnung (und das kann man natürlich keinem übelnehmen). Die meisten nehmen es – zurecht – als selbstverständlich hin, dass Webseiten schnell laden und den gewünschten Inhalt zeigen. Nehmen wir Google als Beispiel. Google zahlt also 2,5 Milliarden pro Jahr an IT-Kosten. Angestelltengehälter und so weiter sind da nicht enthalten. Nehmen wir mal an, 40% der Weltbevölkerung benutzt Google. Eine nicht unrealistische und eher überhöhte als untertriebene Zahl. Google zahlt also einen Dollar pro Nutzer. Die Nutzer sind derweilen nicht faul und installieren Add-Ons, um Google-Werbung auszublenden. Google ist natürlich nicht dumm und bringt als konsequenten Schritt seinen eigenen Browser sowie seine eigene Plattform für Mobilfunkgeräte auf den Markt. Facebook wird sich noch einiges einfallen lassen, um nachhaltig wirtschaften zu können, ohne die User zu vergraulen. Die User wiederum sollten sich langsam aber sicher daran gewöhnen, dass es nichts für lau gibt. Und sich damit anfreunden, dass wir im Kapitalismus leben. Facebook und Google bauen all die schönen Sachen, ohne die viele nicht mehr leben können – so scheint es – doch die Leute, die dahinter stecken, wollen auch nur satt werden, Manche natürlich satter als andere. Facebook und Google sind zu groß, um als Open Source zu existieren.

Wo war ich. Versiert oder ahnungslos. Eine Beobachtung spricht für Versiertheit: Ich habe sehr viele japanische Facebook-Kontakte, und von denen erhalte ich seltsamerweise keine nervenden Anfragen oder Meldungen, ob ich hier mitspielen möchte oder da mitspielen möchte. Auch keine nervenden Aufrufe, dem armen dreibeinigen, blinden Terrier zu helfen, indem ich den Stuß allen Bekannten mitteile (sowas nannte sich früher Kettenbriefe). Von meinen deutschen Facebook-Kontakten werde ich higegen damit bombardiert, ob ich will oder nicht. Und die meisten Japaner, die ich kenne, sind sich halbwegs bewußt, dass sie bei Facebook-Apps aufpassen müssen und welche Sicherheitseinstellungen sie setzen sollten. Dazu gibt es mittlerweilen sicher auch schon Fachbücher und Ratgeber.

Über das Thema ließe sich noch viel, viel mehr schreiben, aber ich belasse es mal bei diesem kurzen Anriß.

Dazu aber noch kurz zwei Anekdoten zum Thema Facebook:

1. Eine Mitarbeiterin kam neulich zu mir und sagte: „Herr Soundso, der bei uns noch eine offene Rechnung von 500,000 Yen hat (also rund 5,000 Euro), scheint nicht mehr erreichbar zu sein. Wir haben über das Gericht einen Zahlungsbefehl zustellen lassen, aber das Gericht sagte, dass die Briefe zurückkamen. Was sollen wir tun? Ich schlage vor, wir geben auf.“ Das erschien mir zu einfach. Ich wurde neugierig und recherchierte selbst. 10 Minuten später hatte ich die Adresse raus: Der gute Herr leitete einst eine Englischschule, und die Webseite gab es noch, mit einem sehr markanten Profilphoto. Kurze Zeit später fand ich ihn auf Facebook, mit seiner aktuellen Anschrift auf seiner Startseite – sichtbar für alle.

2. Wir suchten neulich einen neuen Mitarbeiter. Viele meldeten sich. Im Bewerbungsschreiben stand auch ein Link zum Facebook-Profil. Dort sprangen mir sofort Bankauszüge ins Auge und Kommentare wie: „Ich bin jetzt fast pleite, ich brauche jetzt wirklich schnell einen neuen Job“, sowie verzweifelte Sätze wie „Warum will mich denn keiner“ und weiter unten, schlechte Bemerkungen über ehemalige Arbeitgeber. Tja, warum will den bloss keiner? Seltsam…

1 Siehe A Comparison of Dedicated Servers By Company
2 Siehe Google Investing $2.5 Billion A Year in Data Centers
3 Siehe The Biggest Cost of Facebook’s Growth
4 Siehe Social Networking auf Japanisch: MIXI
5 Siehe 祝1000万人突破記念。日本のFacebookについて調べてみてびっくりしたこと
6 Siehe @masason
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Costco

Februar 29th, 2012 | Tagged , | 8 Kommentare | 99885 mal gelesen

Letzten Sonntag gab es mal wieder grausiges Wetter – kalt, nass, einfach unbrauchbar. Meine Frau witterte ihre Chance: Das perfekte Wetter, um zu Costco zu fahren! Costco ist kurz gesagt wie Metro in Deutschland – ein Einzelhandelsunternehmen in Grossformat. In Riesenformat. Costco ist durch und durch amerikanisch und betreibt über 400 Filialen in den USA. In Japan sind es 9 Filialen, und laut Wikipedia ist Costco in Europa nur in Großbritannien tätig. Mich dünkt, ich hatte Costco dort auch schon mal gesehen.

Also auf zu Costco, mit den Schwiegereltern. Auf dem Dach des 6-stöckigen Monstrums fanden wir endlich einen freien Parkplatz. Schnell einen der riesengrossen Einkaufswagen geschnappt und rein ins Getümmel. Costco sieht aus wie das Lager von IKEA, nur eben mit Haushaltswaren. Ein echter Alptraum also. Bevor man rein darf, muss man zudem auch erstmal Mitglied werden. Das kostet 4,200 Yen pro Jahr, also rund 40 Euro. 40 Euro, nur um den Laden zu betreten! Alle Achtung.

iMac bei Costco

Da viele Sachen aus Amerika kommen, eine überraschende Abwechslung zu den üblichen japanischen Läden. Costco verdient natürlich auch seinen grössten Teil mit Non-Food Sachen, darunter Gartenkram, Kleidung, Computer, Fernseher… bei den Preisen ist die Qualität bestimmt auch ganz, ganz super! Sogar iMacs hatten sie herumstehen, und das überraschte mich schon. Apple verkloppt ja schliesslich seine Geräte nach dem EVP-Prinzip (na, wer kennt noch EVP?) zu festen Preisen. Der günstigste iMac kostet entsprechend 108’800 yen. Mit etwas Glück bekommt man bei BicCamera oder anderswo ein paar Punkte dazu, aber am Preis beisst die Maus keinen Faden ab: 108’800 yen, und keinen Heller weniger. Ausser bei Costco: Dort kostet er nur 94’800 yen. Scheinbar importiert Costco direkt und profitiert so vom billigen Dollar. Der iMac kostet 1’199 Dollar in den USA – das sind 95,920 yen. Will heissen, Apple verdient sich momentan eine goldene Nase in Japan.

Hätte ich nicht von Arbeit wegen ein solches Gerät zu Hause stehen, wäre das meine Chance gewesen. „Du, Schatz, wenn wir das Gerät hier kaufen, haben wir die dämliche Jahresgebühr drei Mal wett gemacht! Das ist doch toll, oder!“. So funktioniert doch weibliche Logik, oder habe ich da nicht aufgepasst?

Letzten Endes habe ich lediglich einen W-Lan-Router eingeheimst (endlich). Und endlich haben wir auch 2-Liter-Vorratspackungen Shampoo und Pflegespülung. Wer mich kennt, wird wahrscheinlich gerade seinen Kaffee über das Keyboard versprühen.
Aber es gab dann doch noch ein kleines Highlight: Costco-Pizza zum selber backen. Die Teile sind quadratisch, 43 mal 43 cm gross und kosten gerade mal 1,200 yen. Etwas mehr als die Hälfte haben wir am Abend geschafft. Und waren gut satt. Der Rest endete in der Tiefkühltruhe. Und die Pizza ist gar nicht mal so schlecht. Würde man eine ähnlich grosse Pizza bei einem der Pizza-Dealer hier bestellen, würde man sich dumm und dämlich bezahlen. Also vielleicht doch mal wieder zu Costco. Irgendwie muss man doch die 4,200 yen wieder reinholen…

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Systemwechsel

Juli 31st, 2011 | Tagged , | 14 Kommentare | 117431 mal gelesen

Wie bereits in der vergangenen Woche angekündigt, ist dieser Blog nun auf ein andere Plattform umgezogen. Drei Mal darf geraten werden: Fängt mit „W“ an und hört mit „ordpress“ auf. Mehr als fünf Jahre lang habe ich b2evolution für den Blog benutzt (allerdings stark modifiziert im Laufe der Zeit), aber viel scheint mit b2evolution als Open-Source-Projekt für Blogs nicht mehr zu passieren. Heutige Standardfunktionen wie „Kommentare abonnieren“ müsste ich, wie es aussieht, selber schreiben. Das ist zwar kein Problem und so etwas habe ich auch schon für andere Systeme wie MT 3.3 geschrieben, aber WordPress hat all das schon.
Mit dem Umzug werde ich mich wohl auch von einem Grundsatzprinzip dieser Webseite abwenden – die Abkehr von der Designdiktatur. Alle Inhalte dieser Webseite stammen zu 100% von mir, und so auch die Photos. Und so auch das Design. Problem: Meine Designfähigkeiten sind, milde ausgedrückt, furchtbar. Zumindest vorläufig werde ich deshalb auf Standardtemplates fähigerer Designer zurückgreifen.
Regelmässige Leser werden diverse Elemente dieses Blogs vermissen. Die meisten werde ich so schnell wie möglich hier integrieren. Kommentare, Fehlermeldungen, Wünsche usw. bezüglich des neuen Systems sind wie immer herzlich willkommen!

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iPad – Lust & Frust

Mai 28th, 2010 | Tagged , | 17 Kommentare | 97454 mal gelesen

Morgen ist es also soweit – das iPad wird ab dann in Japan erhältlich sein. Ab 48’800 yen, also 400 Euro, ist man dabei. Bei uns laufen seit einer Woche dementsprechend auch die Maschinen auf Hochtouren, denn morgen wollen wir einen für den japanischen Markt konzipierten „Reader“ für den iPad herausbringen. So weit, so gut. Heute noch einmal den ganzen Tag dran gearbeitet, bis alles gut aussah und die Anwendung so lief, wie sie laufen soll.

Schnell noch mal bei diversen Stellen nachgelesen, was andere so über das Einreichen einer iPad-Anwendung bei Apple so durchlebt haben – und plötzlich stiess ich da auf einen Kommentar, der besagt, dass Anwendungen, die sich beim Gerätedrehen nicht mitdrehen, abgelehnt werden. Oha. Wie jetzt. Alles ist komplett auf Hochkant getrimmt und sieht nur so bestens aus – und das soll nicht mehr reichen? Au weia. Nochmal die Anleitungen von Apple durchgescannt, und siehe da – es steht dort klipp und klar: „Mit wenigen Ausnahmen sollten alle Anwendungen sowohl bei vertikaler als auch bei horizontaler Stellung funktionieren“. Ja, das ist doch mal eine klare Feststellung! „Mit wenigen Ausnahmen“! „Sollten“! Hallo? Ich bin eine Ausnahme, was soll ich tun?

Wie auch immer – man darf gespannt sein, welche Umsatzzahlen das iPad im technikbegeisterten und markenbewussten Japan erreichen wird. Seit ein paar Wochen kann man ja schon aus den USA importierte iPad für gute 70’000 Yen kaufen, und neulich stand doch da auch just ein Poser neben mir in der U-Bahn, der freudestrahlend mit seinem iPad spielte… und zwar Mahjongg. Na, das nenne ich doch mal gut angelegtes Geld! Ob er mit dem vor Verkaufsbeginn ergatterten Gerät mehr Chancen bei Frauen hatte?

Das Wort des Tages: 威張る ibaru. Auf Deutsch: angeben, protzen.

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