Die Schönheit Japans mit dem Hokuriku-Shinkansen entdecken (Teil 2)

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    Der Hokuriku-Shinkansen ermöglicht schnellen und einfachen Zugang zu den Schönheiten der Hokuriku-Region im Norden von Zentral-Honshū. Der Hokuriku-Shinkansen wird von JR East und JR West gemeinsam betrieben und verbindet Tokyo mit Kanazawa in der Präfektur Ishikawa an der Küste des Japanischen Meeres. Die gesamte Strecke wird durch den Japan Rail Pass gedeckt, und mit der Eröffnung des Teilabschnitts von Nagano bis Kanazawa im März 2015 verkürzte sich die Reisezeit auf der Strecke von Tokyo bis Kanazawa auf gerade mal 2 Stunden und 30 Minuten.

    Die Hokuriku-Region setzt sich aus den Präfekturen Niigata, Toyama, Ishikawa und Fukui zusammen, wobei der Hokuriku-Shinkansen auf seinem Weg nach Kanazawa auch die Präfekturen Saitama, Gunma und Nagano passiert.

    Die Präfektur Saitama liegt gleich bei Tokyo, doch die meisten Japan-Besucher lassen diese Präfektur links liegen, obwohl diese Präfektur auch viel zu bieten hat.

    Der Hokuriku Shinkansen
    Der Hokuriku Shinkansen

    Präfektur Saitama

    Kumagaya, einst Seidenmarkt und Poststation an der alten Nakasendo-Handelsstraße, liegt nur 38 Minuten mit dem Toki- oder Asama-Shinkansen vom Bahnhof Tokyo entfernt. Hier beginnt die Chichibu-Bahnlinie, mit der man leicht Zugang hat zu den malerischen und historischen Stätten im bergigen Chichibu-Bezirk und zu den Flußtälern im Westen der Präfektur Saitama.

    Arakawa-Bootsfahrt
    Arakawa-Bootsfahrt

    Nagatoro ist ein besonders beliebtes Ziel für Tagesreisende aus Tokyo, die sich in weitestgehend unberührter Natur am Wandern, an Bootsfahrten oder Wildwassersportarten erfreuen wollen. Besonders populär sind die einstündigen Fahrten in traditionellen Holzbooten auf dem Arakawa-Fluss, vor allem dann, wenn die Herbstblätter in voller Farbenpracht stehen (Ende Oktober und November).

    Die breitbäuchigen, flachen Boote fassen bis zu 20 Passagiere und werden von zwei Männern mit langen, hölzernen Paddeln an hohen Felswänden vorbei durch mitunter mitreißenden Stromschnellen manövriert.

    Misotsuchi no Tsurara
    Misotsuchi no Tsurara

    Misotsuchi no Tsurara (“Die Eiszapfen von Misotsuchi”) sind ein winterliches Naturphänomen am Arakawa-Fluss in der Chichibu-Region in der Präfektur Saitama. Die Eiszapfen kann man nur im Hochwinter, von Mitte Januar bis Mitte Februar, bewundern, und die Tatsache, dass diese täglich von 17 bis 21 Uhr beleuchtet werden, sorgt für ein beeindruckendes Spektakel. Nur für diesen Zweck wurden Plattformen gebaut, von denen man die Eiszapfen bewundern kann, und Imbissstände bieten warme Delikatessen aus der Gegend an.

    Ebenfalls in der Chichibu-Gegend findet man ein weiteres, wunderschönes Naturschauspiel – den Hitsujiyama Park am Fuße des imposanten Berges Buko. Der Park ist vor allem bekannt für seine großen Blumenteppiche der rosafarbenen und weißen Polster-Phlox genannten Blumen (auf Japanisch: shibasakura), zu bewundern von April bis Anfang Mai. 17,6 Hektar sind dort mit geschätzten 40 Millionen Pflanzen und 9 Unterarten von Polster-Phlox bepflanzt.

    Vor allem an Wochenenden und Nationalfeiertagen herrscht im Hitsujiyama-Park Volkfsfeststimmung. Es gibt Biergärten, und Verkäufer bieten allerlei Speisen wie zum Beispiel frittierten Fisch und gegrilltes Fleisch an. Zudem gibt es auch noch Tennisplätze, einen Streichelzoo und mehr. Mit anderen Worten: Bei diesem Blumenvergnügen sollte man mit großen Menschenmengen rechnen.

    Hitsujiyama Park
    Hitsujiyama Park

    Präfektur Gunma

    Von der Präfektur Saitama fährt der Hokuriku-Shinkansen weiter in die Präfektur Gunma zur beschaulichen Stadt Takasaki, die unter anderem für die Produktion der drolligen Daruma-FIguren, gern als Glücksbringer und Wunscherfüller erworben, bekannt ist.

    Von Takasaki kann man bequem die Minakami-Gegend in den Japanischen Alpen sowie die Skigebiete und onsen (heiße Quellen) der Präfektur Gunma erreichen. Fährt man durch Numata und Jomo Onsen, kommt man in die luftigen Höhen der Berge von Minakami, mit Gipfeln wie dem Hotaka oder Shibutsu beide sind weit über 2’000 Meter hoch.

    Minakami Onsen erreicht man mit einer 15-minütigen Fahrt mit dem Shinkansen von Takasaki bis zum Bahnhof Jomo-Kogen, gefolgt von einer 20-minütigen Busfahrt vom Bahnhof Jomo-Kogen.

    In der Minakami Onsen-Gegend in den Bergen im Norden der Präfektur Gunma gibt es zahlreiche verschiedene Kurorte mit heißen Quellen. Dazu gehören Takaragawa Onsen, Hoshi Onsen, Sarugakyo Onsen, Tanigawa Onsen und Yubiso. Zusammen mit Kusatsu Onsen werden diese heißen Quellen von Gunma von vielen Onsen-Fans als beste Onsen von Japan betrachtet.

    Takaragawa Onsen
    Takaragawa Onsen

    Vor allem Takaragawa Onsen, ein abgelegener Kurort bekannt für seine heiße Quellen direkt am Fluss, ist besonders hübsch, und die dortigen traditionellen Gasthäuser (ryokan) sind extreme beliebt an Wochenenden und Feiertagen, weshalb man dort so früh wie möglich buchen sollte. Die Szenerie ist vor allem im Herbst, während der Blätterfärbung, sowie im Winter, unter einer dicken Schneeschicht, schlichtweg unvergesslich. Seltenerweise sind die meisten Quellen in Takaragawa Onsen offen für beide Geschlechter – lediglich eine Quelle ist einzig und allein für Frauen geöffnet, die  nicht in gemischten Bädern entspannen wollen.

    Takaragawa Onsen
    Takaragawa Onsen

    Takaragawa Onsen ist eines von insgesamt 18 Bäderorten in der Minakami Onsenkyo (Minakami Onsen-Schlucht). Takaragawa Onsen ist dabei die einzige heiße Quelle in Japan, die von Reuters zur Top 10 der weltweisen besten Quellen gezählt wurde.

    Sado-ga-shima - Die Insel Sado
    Sado-ga-shima – Die Insel Sado

    Präfektur Niigata

    Die Insel Sado, sie liegt direkt vor der Küste der Stadt Niigata und kann mit Hochgeschwindigkeitsfähren erreicht werden, war lange Zeit ein Verbannungsort in der japanischen Geschichte. Der Kaiser Juntoku (1197-1242), Nichiren (1222-1282) Gründer der buddhistischen Nichiren-Sekte und Noh-Meister Zeami Motokiyo (1363-1443) wurden alle dereinst nach Sado verbannt.

    Doyu-no-wareto
    Doyu-no-wareto

    Im Jahr 1601 wurde Gold auf der Insel entdeckt, und mit dem in den Sado Kinzan genannten Goldminen in Aikawa abgebautem Edelmetall wurde bald teilweise die Tokugawa-Regierung in Edo (das heutige Tokyo) finanziert. Die Arbeiter schürften unter furchtbaren Bedingungen und mit den einfachsten Werkzeugen. Als eines der Symbole der Goldgräberzeit gilt heute der Doyu-no-wareto, ein von Menschenhand auf der Suche nach Gold gespaltener, kleiner Berg.

    Für an japanischer Geschichte Interessierte ist ein Besuch der Goldmine und des Museums der Insel Sado ein Muß. Dort gibt es zwei Schächte – der erste wurde in der Edo-Zeit größtenteils von Hand gegraben; der zweite wurde in der Meiji-Zeit begonnen, als westliche Maschinerie eingeführt und von einem deutschen Bergbauingenieur beaufsichtigt wurde.

    Die Goldmine von Sado war die größte ihrer Art in Japan und seit ihrem Aufschluß im Jahr 1601 über 388 Jahre hinweg bis zum Jahr 1989 in Betrieb, als schließlich die Förderung gänzlich eingestellt wurde. In der Sado Kinzan wurden insgesamt 15 Millionen Tonnen Erz gefördert, aus denen man 78 Tonnen Gold und 2’300 Tonnen Silber gewann.

    Nach einiger Zeit unter Tage ist man reif für ein bisschen frische Seeluft. Die Nordküste der Insel Sado ist geprägt von sehr steilem Klippen, die stellenweise an Fjorde erinnern, sowie von kleinen Buchten, die man direkt mit kleinen Ausflugsbooten erreichen kann, so es das Wetter erlaubt.

    Küstenlandschaft auf der Insel Sado
    Küstenlandschaft auf der Insel Sado

    Zweifelsohne das Markenzeichen von Sado schlechthin ist der Japanische Ibis, auch Nipponibis (toki) genannt, dessen Abbildung man überall auf der Insel auf zahlreichen Werbeplakaten, Aushängen für Touristen, auf den noren genannten Stoffvorhängen an Läden und Restaurants sowieso sogar auf Sakeflaschen finden kann.

    Der Japanische Ibis (Nipponia nippon) starb im 20 Jahrhundert vollkommen aus auf der Insel, doch nun werden Exemplare aus China ausgesiedelt. Die Wiederansiedlung des Wildvogels kann als kleiner Erfolg angesehen werden, denn man schätzt, dass es nunmehr wieder rund 2’000 wild lebende Exemplare in China, Südkorea und Japan gibt.

    Japanischer Ibis (toki)
    Japanischer Ibis (toki)
    Toyama Glaskunstmuseum
    Toyama Glaskunstmuseum

    Präfektur Toyama

    Nach Niigata geht die Reise weiter entlang der zerklüfteten Küste des Japanischen Meeres in die benachbarte Präfektur Toyama.

    Toyama ist das ideale Sprungbrett für einen Abstecher zur Tateyama-Kurobe Alpenroute, auf der man von April bis Anfang Juni durch Schneekorridore in den Nördlichen Japanischen Alpen fahren kann – die Schneewände entlang der Straße sind mitunter bis beinahe 20 Meter hoch.

    Die Strecke von Toyama in der gleichnamigen Präfektur bis nach Omachi in der Präfektur Nagano schließt Fahrten mit der Gondel, mit Standseilbahnen sowie mit Trolleybussen durch Gegenden mit außerordentlichen Landschaften mit ein. Im Sommer offenbaren die höchsten Gipfel rund um Murodo den Wanderern und Bergsteigern nicht nur wunderschöne Aussichten auf die Bergwelt sondern auch den Duft von zahlreichen alpinen Blumen auf diesen hochgelegenen Berghängen.

    Die freundliche und gelassene Stadt Toyama ist traditionell als Produktionszentrum alternativer Medikamente (aber auch moderner Pharmazeutika) sowie von Gläsereiwaren bekannt. Das Toyama Glaskunstmuseum mit seiner betörenden modernen Architektur stellt schöne, zeitgenössische Kunstwerke aus Japan und der ganzen Welt aus.

    Fugan-Kanal Kansui Park
    Fugan-Kanal Kansui Park

    Der Fugan-Kanal Kansui Park wurde von japanischen Nutzern der Plattform TripAdvisor zur Hauptattraktion der Stadt Toyama erkoren und befindet sich lediglich einen kurzen Fußmarsch vom Bahnhof Toyama entfernt. Die weiten Wiesen, die Kanäle, Teiche und Brücken erinnern an Landschaften in den Niederlanden, und von hier kann man gemütlich mit einem Boot den Kanal entlang bis zur Küste fahren. Der Starbucks im Fugan-Kanal Kansui-Park überschaut die stillen  Gewässer mit ihrem reichen Vogelleben und ist so möglicherweise die weltweit beeindruckendste Filiale der Kaffeehauskette

     

    Präfektur Ishikawa

    Damit erreichen wir schließlich die Präfektur Ishikawa und somit die vorläufige Endhaltestelle des Hokuriku-Shinkansens in Kanazawa. Leider geht es hier nicht mehr weiter mit dem Zug, zum Beispiel zur Noto-Halbinsel im Norden, so dass man nunmehr auf den Bus oder Mietwagen angewiesen ist. Die meisten Besucher fahren von hier weiter nach Wajima, welches vor allem für seine Lackwaren, das Kiriko-Laternenfest sowie für die Senmaida, die “Tausend Reisterassen”, berühmt ist.

    Morgenmarkt in Wajima
    Morgenmarkt in Wajima

    Für eine Kleinstadt hat Wajima erstaunlich viel zu bieten. Am besten beginnt man den Tag mit einem Besuch des Morgenmarkts, bekannt unter dem Namen Asa Ichi. Jener beginnt morgens um 8 Uhr und erstreckt sich über 350 Meter entlang der Fußgängerzone, praktischerweise Asa Ichi Dori genannt, im Zentrum von Wajima.

    Dem Markt wird eine mehr als tausendjährige Geschichte nachgesagt, was bedeuten würde, dass diese Tradition irgendwann in der Heian-Zeit (794-1185) begann. Damit wäre der Markt einer der ältesten, ununterbrochen abgehaltenen Märkte Japans.

    Wajima ist die Hauptstadt des traditionellen japanischen Lacks und damit der ideale Ort, Lackprodukte als Souvenir zu erwerben. Das Ishikawa Wajima Urushi Kunstmuseum präsentiert eine großartige Auswahl von Lackwaren, aber man kann sich auch zum Wajima Kobo Nagaya-Atelier begeben, wo man den Künstlern bei der Arbeit zusehen kann. Schüsseln, Tabletts, Stäbchen, Besteck und andere Dinge aus Lack kann man in Wajima an zahlreichen Orten käuflich erwerben – so zum Beispiel in den Geschäften entlang der bereits erwähnten Morgenmarkt-Strasse.

    Kiriko Lnternen-Fest
    Kiriko Lnternen-Fest

    Das Kiriko Kaikan beherbergt riesige Papierlaternen, die im Zuge der Sommer- und Herbstfeste durch Wajima getragen werden. Während des Kiriko-Laternenfestes werden zudem große Laternen aus Holz durch die Stadt geführt. Diese kiriko genannten Laternen sind vier bis sechs Meter hoch und erfordern einen ausgeprägten Gleichgewichtssinn, wenn man sie durch die Straßen tragen will. Laute Rufe der Männer, die die kiriko mit Seilen in der Geraden halten, dienen dazu, den Balanceakt zu koordinieren – und sorgen zeitgleich für eine besondere Geräuschkulisse während der Zeremonie.

    Weiter nördlich an der Küste befindet sich Senmaida, der Ort der “1’000 Reisfelder”, was sogar (beinahe) der Wahrheit entspricht: Hier befinden sich genau 1’004 winzig kleine Reisfelder, die sich auf Terassen nahe der Klippen einer Treppe zum Meer gleich verteilen. Aufgrund ihrer langen landwirtschaftlichen Tradition wurde dieser Ort zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannt. Die Terasssen werden im Winter erleuchtet, was für einen besonders spektakulären Anblick sorgt.

    Senmaida Reisterassen
    Senmaida Reisterassen

    Wo wir schon beim Thema sind: Der sogenannte Koshihikari-Reis landet einem Hokuriku-Besucher auf jeden Fall in die Schale. Dieser Reis gilt als eine der wohlschmeckendsten Reissorten in Japan und wird seit den 1950ern in Hokuriku gezüchtet.

    Die Fülle der Natur von Osthonshū, zahlreiche Erholungsmöglichkeiten, regionale Kulturvielfalt, Industrie, Geschichte, und vor allem die Menschen machen Hokuriku aus. Man braucht sich einfach nur in den Hokuriku-Shinkansen setzen, und schon ist man ganz schnell im gelassenen, ruhigen und immer Willkommen heißenden Herzen von Japan.

    4 COMMENTS

    1. Danke für die vielen Anregungen. Da mein nächster J-Trip in diese Ecke gehen soll werde ich mir sicherlich das eine oder andere davon in echt ansehen. Wann ist die beste zeit für den Hitsujiyama Park? Und weißt du, ob bzw. wie sich die Neuaufteilung des JR-Railpass auf den Hokuriku-Shinkansen auswirkt?

    2. Ahh!
      Jetzt regt es mich noch mehr auf, dass ich es damals nicht mehr bis nach Sado Island geschafft habe. Aber kommt schon noch! ;)

      Wunderschöne Fotos. Einige Sachen, die ich auch noch nicht kenne. Gleich mal ein paar Notizen gemacht. *g*

    3. Takaragawa Onsen ist wirklich eines Traumes dort gewesen zu sein wert uns wollte schon langes einen schoennen Ort finde um solches als Reiseziel fuer die Zukunft zu planen. Ich habe davor von Kusatsu gehoert, aber von Takragawa noch nicht.

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