Zurück aus Macao – Casinos und Mittelalter

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    So, da bin ich wieder – zurück von einer bunten Kurzreise durch die verschiedenen Chinas: ein Tag Taiwan, ein Tag Hongkong, ein Tag Festlandschina, ein paar Tage Macao. Soll ja keiner behaupten, ich wüsste nicht, wie ich meinen kargen Urlaub nutzen kann. Irgendwie gewann ich während der Woche auch den zugegebenermassen leicht vermessenen Eindruck, eine Art Heilsbringer zu sein: Kaum betrat ich taiwanesischen Boden, verliess ein äusserst zerstörerischer Taifun den selbigen (neueste Zahlen schätzen, dass er rund 500 Menschenleben forderte). Am Tag, nach dem ich Japan verliess, gab es ein halbwegs starkes Erdbeben in der Region Tokyo. Einen Tag später traf der erste Taifun des Jahres Tokyo. Und am folgenden Tag gab es ein doch schon recht heftiges Erdbeben. Also, macht Euch keine Sorgen: Ich bin wieder im Lande!

    Aber nun stellen wir uns mal ganz dumm und fragen, wat is eijentlich een Macao? Macao ist die portugiesische Antwort auf Hongkong, nur viel, viel kleiner. Wie auch Hongkong, wurde es 1999 an China zurückgegeben. Macao ist nur eine Bootsstunde von Hongkong entfernt. Macao ist der einzige Ort in der grösseren chinesischen Wohlstandssphähre (man verzeihe mir den Ausdruck), an dem Glücksspiel erlaubt ist. Macao bezieht 70% seiner Einkünfte aus dem Glücksspiel.


    Macao
    Alt und neu: Hotel + Casion Grand Lisboa, vom Guia-Leuchtturm aus gesehen
    Und – Macao hat die höchste Dichte an UNESCO-Weltkulturerbestätten – das Gebiet ist nur 28 km² gross, hat aber 41 als Weltkulturerbe eingetragene Stätten. Zusätzlich ist Macao für F 3 und Motorradrennen mitten durch die Innenstadt bekannt.

    Faszinierend an Macao ist der Facettenreichtum: Eine historische, portugiesisch geprägte Altstadt hier, hypermoderne, glitzernde Casinos und Hotels da – nur 500 m entfernt. Wie eine Fata Morgana. Dabei bleibt sogar Platz für Natur und abgelegene Strände und kleine Dörfer, die man genauso gut am Mittelmeer vermuten kann.

    Alle namhaften Hotels haben sich hier niedergelassen. Mit namhaften Hotels meine ich nicht so schnöde Absteigen wie das Hilton, sondern MGM, The Venetian (2,5 Milliarden Dollar teuer, mit Canale Grande Nachbildung), Wynn usw. Klientel: Hongkong-Chinesen und Chinesen, bei denen das Glücksspiel eben verboten ist.


    Macao
    Reichlich unchinesisch: Dorf Coloane
    Nun könnte man vermuten, dass Macao ein reichlich teures Pflaster ist. Wer hier Geld lassen möchte, kann das leicht tun – die Preise sind im allgemeinen aber sehr niedrig – viel niedriger als in Hongkong zum Beispiel. Taxis, Restaurants, normale Hotels – alles sehr erschwinglich.

    Mittlerweilen ist es sogar recht einfach, Macao zu verlassen: An der Grenze zur China kann man unkompliziert ein 3-Tage-Visum für China erhalten. Das ist allerdings nur gültig für die benachbarte Sonderwirtschaftszone Zhuhai.


    Macao
    Zhuhai nördlich von Macao
    Ob sich der Aufwand jedoch lohnt, bleibt jedem selbst überlassen: Fakt ist, dass ein Unterschied zu Macao und Hongkong noch sehr spürbar ist, jedoch mehr und mehr schwindet.
    Für das benachbarte Hongkong braucht man jedenfalls kein Visum, und es gibt dutzende Fären am Tag – die brauchen nur eine Stunde. Wahrscheinlich benutzen die meisten allerdings die umgekehrte Route: In Hongkong übernachten, mit Tagesausflug nach Macao.


    Macao
    Hongkong: Blick von Kowloon nach Hongkong Island
    Fest steht jedoch: August ist wahrscheinlich nicht die beste Zeit für die Region – es regnet sehr oft und sehr ausgiebig. Mit Englisch kommt man ein bisschen voran, aber nicht überall. Portugiesisch kann man vergessen – nicht mal die portugiesischen Ortsnamen (obwohl alle Schilder zweisprachig sind) werden verstanden. Chinesisch hilft nur begrenzt weiter, es muss schon Kantonesisch sein.

    Der Satz der Woche (und aus Faulheit gleich Wort des Tages) stammt von meiner 2½-jährigen Tochter. Für sie hatten wir Milch vom 7-Eleven gekauft: „Fresh Milk, 3,6% Fat“ stand auf Chinesisch und Englisch drauf. Haltbar bis zum 15. August 2009 (gekauft am 10.). Kaum dass ich meiner Tochter die Milch gab, sagte sie freudestrahlend ヨーグルトみたい (yōguruto mitai!) – yōguruto = Joghurt. mitai = wie. Wie Joghurt. Wenn frische Milch wie Joghurt schmeckt, stimmt was nicht. Erst recht, wenn sie wie bitterer Joghurt schmeckt – die Milch war eindeutig verdorben. Gottseidank war es nicht genug, um sich den Magen zu verderben.

    Was hat das ganze nun mit Japan zu tun? Um eine gewisse Themenrelevanz an den Haaren herbeizuziehen: Die Portugiesen nutzten ab dem 16. Jahrhundert Macao als ihre Basis, um Ostasien zu missionieren. Auch Japan. Das scheiterte bekanntermasssen jedoch auf recht blutige Art und Weise.

    13 COMMENTS

    1. 1. Bei Gewitter wird halt die Milch schlecht, weiß jedes deutsches Kind!
      2. Macao und Hongkong kenne ich aus dem Fernsehen, das sind doch Affen?
      3. Macht man in Japan seine Wohnung eigentlich erdbebensicher wenn man in den Urlaub geht?

    2. Willkommen zurück! Ich hoffe du behältst recht mit dem ‚Heilsbringer‘. Mein Kurz Urlaub, war aufregender den je. 1. Tag Erdbeben, 2. Tag Taifun, 3.Tag Erbeben und Tag vier Ausflug nach Tokio.

    3. Juergen, Drogen verändern das Bewusstsein wusstest Du das?

      Ab Punkt zwei scheint das Zeug was Du dir eingeworfen hast gewirkt zu haben. Was soll dieses Rassistische Gelaber?

      Punkt drei, liegt das nicht auf der Hand, das man in einen Gebiet mit der höchsten Erdbebengefährdung, Tag Täglich alles Erdbeben sicher macht und auf bewahrt?

      Mann Mann Mann, es ist echt unglaublich.

    4. Freut mich, dass Du den Urlaub unbeschadet überstanden hast.

      Falls Deine Theorie stimmt … könntest Du bitte in der 2. Oktoberhäfte in Japan bleiben? ;)

    5. Allmighty Tabibito, wenn Du recht hast das deine Abwesenheit diese Ünglücksserie heraufbeschworen hat, so ist die Konsequenz daraus sehr einfach. Keine Ferien mehr für Dich. Nie mehr. Niemals mehr. Nieeeee wieder.

      Und, tut es nicht gut zu wissen wie man seinen Mitmenschen helfen wird?

      Wilkommen zu Hause ).D

    6. ähhh isch weiss ja nicht, aber war Macau nicht vor HongKong schon da?

      IIRC waren die Briten in Kanton (aka Guangzhou) von 1699 bis 18irgendwas oder so niedergelassen wurden dann aber im ersten Opiumkrieg (als die Briten vermehrt Opium nach China schmuggelten) von den Chinesen vertrieben und ließen sich dann in Kowloon nieder welches dann in einem 99jährigen Pachtvertrag an die Britische Krone Ausgeliehen wurde.
      Insgesamt ist die Story sehr schmutzig und wenig ruhmreich für die „Krone“.

      Die Portugiesen waren hingegen seit ähh 15hundert irgendwas in Macao von wo sie aus auch den Seidenhandel mit Japan regelten IIRC.

    7. Faehre kommt von fahren und schreibt sich deshalb mit „h“. :)

      Ansonsten: Danke fuer den Bericht. Von China bekomme ich hier in Japan einfach viel zu wenig mit.

    8. @Juergen
      zu #3: Das macht man so oder so – nicht erst, wenn man in den Urlaub fährt. Während des Urlaubs ist es ja relativ egal, was passiert.

      @Marcus
      Das fällt unter Dienstleistung und wird entsprechend in Rechnung gestellt :-)

      @Michael
      Nun gut, die Formulierung „Antwort auf“ war nicht zeitlich gemeint. Stimmt – Macao ist älter und ein bisschen ruhmreicher als Hongkong.

      @Lori
      Hatte mich schon gewundert, wo meine Rechtschreibprüfung bleibt.
      Es sei Dir versichert, dass es nicht an der Semantik liegt, sondern einfach daran, dass ich nicht so oft Korrektur lese wie ich sollte. Zum anderen liegt es auch daran, dass ich seit Jahren im Alltag so gut wie gar kein Deutsch benutze.

    9. Morgen Heiland!

      Nachdem die Nachrichten aus Fernost täglich bedenklicher wurden, freut es mich, dass du wohl behalten wieder in deinem Zuhause angekommen bist.

      Und Macao ziehe ich nun als mögliche Reisealternative in Betracht. Ich denke ich finde da sicher auch noch mehr auf deinen Seiten hier.

    10. @Tabibito
      sollte ja kein „korrigieren“ im negativen Sinne sein.
      Ich fand es witzig das die Portugiesen die VR-China eine Zeit lang fast auf Knien angefleht haben Macau doch bitte wieder zurück zu nehmen.
      So was hatte man damals von HongKong nicht gehört. :-)

    11. Mich stört es nicht, wenn die „Verbindung“ zu Japan nur an den Haaren herbeigezogen ist – fand den Beitrag trotzdem sehr interessant. Wieder ein kleiner Anstoß mehr, auch dort mal vorbeizuschauen :-)

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