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Okamoto Tarō

April 8th, 2014 | Tagged , | 1 Kommentar | 7661 mal gelesen

Okamoto Taro: Sonnenturm in Osaka)

Okamoto Taro: Sonnenturm in Osaka)

Meine neue, alte Heimat kann mit zwei kulturell wertvollen Dingen aufwarten. Das ist mehr als vorher: Vorher gab es nur Disneyland, und nichts anderes. Und so unterhaltsam Disneyland sein mag — als kulturell wertvoll würde ich es nicht unbedingt bezeichnen. Hier, im Westen von Kawasaki, gibt es jedoch zwei interessante Museen. Da wäre zum einen das 藤子・F・不二雄ミュージアム (Fujiko F Fujio-Museum), gewidmet dem Schöpfer von Doraemon, der in Japan allseits beliebten, blauen Katze aus dem Weltall. Das Museum zieht immerhin rund eine Million Besucher pro Jahr an und steht hier aus gutem Grund: Fujio wurde in der Gegend geboren, und die ersten Folgen von Doraemon spielen quasi in meiner Nachbarschaft. Die sich seitdem allerdings grundlegend geändert hat. Wo sich früher Bambushaine und Reisfelder abwechselten, ist heute alles regelrecht zersiedelt. Verdammte Zuwanderer…

Ein weiteres Museum ist 岡本太郎 Okamoto Tarō gewidmet — seines Zeichens einer der bekanntesten, darstellenden Künstler der Gegenwart in Japan. Okamoto wurde 1911 in Kawasaki geboren und zog mit 18 Jahren nach Frankreich, wo er 11 Jahre lang blieb. Die deutsche Fotografin Gerda Taro lernte ihn damals kennen, und die Begegnung schien eindrucksvoll zu sein: Sie „lieh“ sich seinen Vornamen und machte ihn zum eigenen Nachnamen. Dabei ist „Taro“ in Japan das, was in Deutschland „Hans“ ist – wobei „Taro“ noch immer relativ beliebt ist. Nach dem Einmarsch der Wehrmacht in Paris ging Okamoto nach Japan zurück, wo ihm der Militärdienst nicht erspart blieb. Er wurde an die Front nach China geschickt und blieb dort schliesslich nach Kriegsende ein halbes Jahr als Kriegsgefangener.

Okamoto Tarō: Mütterturm - in Ikuta, Kawasaki

Okamoto Tarō: Mütterturm – in Ikuta, Kawasaki

Danach widmete sich Okamoto ganz der Kunst. Er baute ein Atelier in Tokyo auf, verfasste ein Lehrbuch über zeitgenössische Kunst und verdiente sich als Skulpteur. Er interessierte sich vor allem für die jahrtausende alte Kunst der Jōmon-Zeit sowie für die schlichte Kunst von Okinawa. 1970 wurde er damit beauftragt, für die Expo in Ōsaka eine Skulptur zu schaffen, die an Picassos Bilder erinnert. Und so entstand seine wohl bekannteste Skulptur: Der 太陽の塔 taiyō-no-tō Sonnenturm, der auch heute nichts an seiner Ausstrahlung verloren hat.

Das Museum in Ikuta, Kawasaki, ist wunderschön in einem kleinen Tal gelegen und wartet mit einer großen Skulptur und vielen kleineren Exponaten auf. Die grosse Skulptur nennt sich 母の塔 haha-no-tō – Mütterturm. Ja, er hatte es mit Türmen.

Als mit rund 80 Jahren die Schaffenskraft nachliess, entschied Okamoto, dass die meisten seiner Kunstwerke an die Stadt Kawasaki übergehen sollen. Und so entstand die Idee, im ein Museum zu widmen. Mi 84 Jahren, im Jahr 1996, starb Okamoto.

Persönlich gefallen mir Okamoto’s Kunstwerke – sie bieten eine eigenartige Melange aus sehr alten und sehr modernen Kunstformen, sind leicht verspielt und regen die Phantasie an.

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Japanische Küche auf dem Weg zum UNESCO-Weltkulturerbe

Oktober 25th, 2013 | Tagged , | 8 Kommentare | 10023 mal gelesen

Sushi Sushi Sushi!

Sushi Sushi Sushi!

Nach dem Fuji-san nun also das: Heute wurde 和食 – washoku – die Japanische Küche zur Aufnahme in die UNESCO-Liste Immaterielles Kulturerbe vorgeschlagen. Sushi (mein Mittagessen gestern), Okonomiyaki (oh, mein heutiges Abendessen) und Co. wurden aufgrund der Einzigartigkeit und der Utensilien, die zur Herstellung verwendet werden, ausgewählt. Die Japanische Küche ist dabei nicht die erste landestypische Küche: Die französische, mediterrane und mexikanische Küche sind bereits aufgenommen wurden.

Nun ist diese Liste sehr speziell und schwer als solche zu begreifen, da es sich ja, wie der Name schon sagt, um ein „immaterielles Erbe“ handelt. Die aktuelle Liste kann hier bei der UNESCO eingesehen werden, und sie ist ziemlich interessant: China, Südosteuropa, der Nahe und Mittlere Osten sowie Südamerika haben zahlreiche immaterielle Kulturgüter aufzuweisen, während es in Skandinavien, der USA, aber auch in Deutschland und in der Schweiz mau aussieht: Nada. Null. Nichts. Vielleicht sollte man das ja als Tatsache ansich in die Liste aufnehmen. Was könnte man in Deutschland in die Liste eigentlich aufnehmen? Das sorbische Osterreiten? Die Rottweiler Fasnet? Oder vielleicht Stuttgart 21 (ist ja immerhin lange genug immateriell) – oder der Berliner Großflughafen? Es gäbe sicher viele Kandidaten.

Der Gedanke, dass die Küche eines Landes Kulturgut wird, die eines anderen Landes hingegen nicht, mag seltsam erscheinen. Den Strich möchte ich persönlich nicht ziehen wollen. Aber verständlich ist der Gedanke schon. Zwar hat sich die japanische Küche viel von anderen Kulturen abgesehen, aber Essen und Zubereitung werden in Japan in so breitem Umfang zelebriert, dass dies in der Tat eine Würdigung wert ist. Leider schaffen es jedoch wie immer einige Politiker, solchen Meldungen einen Nachgeschmack zu verpassen. In diesem Fall war es Yoshihide Suga, der jetzige Chefkabinettssekretär. Er kommentierte die Meldung in etwa so: Er freue sich sehr über die Ehre und er will sich bemühen, diese Auszeichnung auch dazu zu nutzen, den Imageschaden von Agrar- und Fischereiprodukten aus der Präfektur Fukushima zu beheben¹. Sicher! Warum nicht – wo das AKW doch jetzt völlig unter Kontrolle ist.

Anbei noch zwei Lesetipps:

¹ Siehe Jiji Agentur

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Anpanman-Schöpfer gestorben | Supertaifun trifft auf Tokyo

Oktober 16th, 2013 | Tagged , | 3 Kommentare | 10317 mal gelesen

Anpaanchi! Mit diesem Schlachtruf stürzte sich für Generationen japanischer Kinder der kreisrunde Anpanman auf seine Gegner. Am liebsten auf バイキンマン Baikin-man (Baikin = Keime). Hat jemand Hunger, kommt Anpanman hingegen sofort angeflogen und bietet an, sich an seinem kreisrunden Gesicht zu laben. Das Anpanman-Universum ist gigantisch: 2007 zählte man insgesamt 1’768 Figuren, alle mit Namen natürlich, und dafür enthielt Anpanman einen Guinness-Rekord. Mehr zu Anpanman siehe diesen alten Beitrag: Anpanman Banzai!. Heute verstarb der Schöpfer, Takashi Yanase – im Alter von 94 Jahren. Eigentlich wollte er sich mit 91 Jahren zur Ruhe setzen, doch die Erdbeben- und Tsunamikatastrophe 2011 liess ihn weitermachen: Er beobachtete, wie fröhlich Kinder wurden, wenn sie Anpanman sahen, und sah sich so regelrecht gezwungen, weiterzuzeichnen. Mit Yanase stirbt ein wichtiges Stück japanischer zeitgenössischer Kunst. Die Hauptfigur, Anpanman, hat übrigens einen ernsten Hintergrund: Yanase musste wie viele Japaner während des Zweiten Weltkrieges oft hungern. Dabei träumte er oft davon, wie es jetzt wäre, anpan, ein mit süßer Bohnenpaste gefülltes Brot, zu essen.

Taifun Wipha auf dem Weg nach Tokyo

Taifun Wipha auf dem Weg nach Tokyo

In ein paar Stunden ist es soweit – dann wird Taifun Nummer 26 alias Wipha (der 26. Taifun im Ostpazifik dieses Jahr) – auf den Großraum Tokyo treffen. Im Gepäck: Windgeschwindigkeiten bis zu 200 km/h und eine Unmenge Regen. Für den Raum Tokyo rechnet man mit rund 300 mm, also mehr, als in Berlin in einem halben Jahr fällt. Der Taifun bewegt sich momentan an der Ostküste entlang und wird allen Anschein nach bei Tokyo auf Land treffen. Das Zentrum des Taifuns erwartet man für die Zeit zwischen 6 und 9 Uhr morgens. Also genau zum Berufsverkehr. Es dürfte damit reichlich chaotisch werden: Bis zum Mittag dürften die meisten Bahnlinien und Flugzeuge stehenbleiben. Der Taifun zieht weiter gen Norden und wird entsprechend auch über Fukushima hinwegziehen, was die Lage dort, vorsichtig ausgedrückt, nicht vereinfachen wird: Schon jetzt kommt man dort mit den Wassermassen nicht zurecht, und im „günstigsten“ Fall werden durch den Taifun „nur“ ein paar Tonnen verstrahltes Wasser in den Pazifik fliessen. Im schlechtesten Fall könnte natürlich noch mehr passieren, doch … nun ja, man kann nur hoffen.

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Doraemon und ein Taifun

September 15th, 2013 | Tagged , , | Kommentare deaktiviert für Doraemon und ein Taifun | 3543 mal gelesen

Taifun Man-Yi. Mehr zum Werdegang siehe hier: http://www.jma.go.jp/en/typh/1318.html

Taifun Man-Yi. Mehr zum Werdegang siehe hier: JMA

September ist schön – es gibt zwei Feiertage im September, und die Hitze läßt allmählich nach. Meistens jedenfalls. Nun ist der kommende Montag frei (und der darauf folgende Montag ebenso), nur muss leider just an diesem Wochenende ein großer Taifun das Land heimsuchen. Der Taifun wurde マンニィ (萬宜) Man-Yi getauft – benannt nach einer Meerenge in Hongkong. Dieser Taifun hat es jedoch nicht auf Hongkong abgesehen, sondern auf die am dichtesten besiedelten Regionen Japans. Momentan sieht es so aus, als ob er am 16. September, also am Montag, direkt über Tokyo hinwegziehen wird. Und wie so häufig schiebt der Taifu viel vor sich her – bereits am Sonntag soll einiges an Regen fallen.

Da mit hoher Wahrscheinlichkeit etliche Bahnlinien ausfallen werden, hiess es also, wenigstens am Sonnabend etwas aus dem Tag zu machen. Gar nicht so einfach bei ziemlich schwülen 32 Grad. Aus gegebenen Anlass ging es deshalb mit den Kindern zum Tokyo Tower, denn dort gibt es momentan eine Ausstellung zu Ehren des 80. Geburtstages des Manga-Zeichners 藤子・F・不二雄 (Fujiko F. Fujio). Das ist freilich nicht der richtige Name – geboren wurde der Künstler als Hiroshi Fujimoto. Leider kann er den Geburtstag auch nicht mitfeiern, denn der Künstler verstarb bereits 1996 am Leberversagen – und zwar buchstäblich am Schreibtisch, mit einem Stift in seiner Hand (so verlor er zumindest das Bewusstsein – drei Tage später verstarb er, ohne noch einmal zu erwachen). Fujio’s Leitmotiv war SF, das er jedoch nicht als „Science Fiction“ verstanden haben wollte, sondern als 少し不思議 Sukoshi Fushigi – „etwas eigenartig“. Und das ist auch bei weitem seine bekannteste Figur: ドラえもん Doraemon – eine große, blaue Katze, aber mehr dazu siehe Köstlich: Jean Reno meets Doraemon.

Fujio & Doraemon-Ausstellung am Tokyo Tower

Fujio & Doraemon-Ausstellung am Tokyo Tower

Aber wir sind ja in Japan. Der Eintritt ist recht heftig für das, was geboten wird: 1’500 Yen (also rund 12 Euro) für Erwachsene und 900 Yen für Kinder über 4. Und mit 2 Stunden Wartezeit müssen wir rechnen, wurde uns gesagt – und man muss in dieser Zeit wirklich mit den Kindern anstehen. Letztendlich hat es nur eine Stunde gedauert. Der Beginn war recht furios: Ein Minikino mit einem kleinen, weißen Raum, in dem lediglich ein Schreibtisch stand. Das ganze erwies sich als dreidimensionale Projektionsfläche, in der plötzlich Bücher durch die Gegend flogen und vieles mehr – ganz ohne 3D-Brille, wohlgemerkt. Selbst mein 2-jähriger klatschte spontan in die Hände, und das möchte was heissen. Der Rest der Ausstellung war zwar interessant – an vielen Stellen allerdings interessanter für die Eltern, die ja auch allesamt mit Doraemon aufgewachsen sind: Es dürfte niemanden unter 50 in Japan geben, der die blaue Katze nicht kennt.

Mangas lassen mich normalerweise kalt, aber wenn meine Kinder Doraemon schauen, setze ich mich gern dazu: Die Charaktere sind recht lustig, und die Geschichten regen ohne Zweifel wie Phantasie an. Man lernt manchmal auch seine Angestellten damit besser kennen. Als eine Angestellte mir einmal einen übersetzten Text mit der Betreffzeile 翻訳こんにゃく Hon’yaku Konnyaku (hon’yaku = Übersetzung, konnyaku = typisch japanische Zutat aus Teufelszungenmehl) zurückschickte, dachte ich erst an ein launiges Wortspiel. Aber nein – Hon’yaku Konnnyaku ist eines von Doraemons Wunderwerkzeugen: Wenn man darauf rumkaut, kann man Fremdsprachen verstehen.

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Otaku im Glück

Juli 2nd, 2013 | Tagged , | 32 Kommentare | 7689 mal gelesen

Gut ausgestattet: Otaku im Zug

Gut ausgestattet: Otaku im Zug

Neulich ging es mal wieder zum Zoo von Chiba – Kinder verlustieren. Am einfachsten kommt man dort, so ohne eigenes Gefährt unterwegs, mit der 千葉都市モノレール Chiba Toshi Monorail – ihres Zeichens mit 15 km die längste (Guinness-Rekord) Schwebebahnlinie der Welt. Am Hafen von Chiba beginnt die Linie, und zwei Stationen später ist man schon im Zentrum von Chiba, und sechs oder so Stationen später im Zoo. Normalerweise ist in der Schwebebahn am Wochenende nicht allzu viel los – ein paar alte Leute, ein paar Oberstufenschüler, die von oder zu ihren „außerschulischen sportlichen Aktivitäten“ (sprich: bukatsu auf Japanisch) fahren, und hin und wieder ein Ausländer mit zwei quirligen Kindern … Dieses Mal waren jedoch noch mehr Fahrgäste an Bord. Ein paar von ihnen dick bebrillt, alle ziemlich jung, recht verschlossen wirkend und vom Erscheinungsbild her stark nach „cherry boy“ duftend. „Cherry boy“ ist wahrscheinlich gebräuchlicher in Japan als in Amerika und bedeutet „Jungfrau – männliche Variante“. Was war los? Aufgeregt hopsten die Jungs durch den Wagen, photographierten die ganzen Werbeposter und Sticker und freuten sich wie die Schneekönige. Es war unheimlich. Der Passagier neben mir stand wohl über allem: Er saß da wie ein König, mit teurem Audioequipment (ich habe ein Auge dafür) und Stabmikrofon, das er direkt unter den Waggonlautsprecher platzierte. In der Tat, die Lautsprecherdurchsagen waren irgendwie anders – es war eher ein nerviges Gefiepe (sorry, liebe Anime-fans), eine typische Animestimme, die da ihre Kommentare zu den einzelnen Stationen abgab. Ich schaute mich um: Alle Werbeanzeigen, alle möglichen Aufkleber (selbst die für Notbremse, Feuerlöscher, „Vorsicht an der Tür“), waren mit Mangafiguren verziert.

Endlich am Zoo angekommen, konnte ich es dann auch in groß sehen: Der komplette Zug war einem beliebten Manga mit dem einprägsamen Namen 俺の妹がこんなに可愛いわけがない – Ore no imōto ga konna ni kawaii wake ga nai (die deutsche Wiki übersetzt das mit „Meine kleine Schwester kann gar nicht so niedlich sein“) gewidmet, und das bis ins kleinste Detail. Naja, bis auf den Fahrer, der war natürlich weder Schwester noch kawaii, aber das ist auch gut so. Sollte das eine PR-Aktion der Präfektur Chiba sein, um mehr Leute in die Gegend zu locken? Dass das funktioniert, kann ich mir nicht wirklich vorstellen, schließlich machen die Gerufenen nur ihre Bild- und Tonaufnahmen und verschwinden dann ganz sicher ganz schnell in ihr Kämmerchen… Wikipedia bringt hier natürlich Licht ins Dunkle. Und zwar viel Licht, denn der japanische Beitrag zu besagtem Manga ist mit 48’000 Zeichen schließlich beinahe genauso lang wie der über Deutschland (53’000 Zeichen): Ein großer Teil des Manga spielt in Chiba, und die Schwebebahn spielt im Manga eine große Rolle.

Manga-Schwebebahn

Manga-Schwebebahn

Wenn ich mir die hiesigen Otaku so ansehe, bin ich mir immer nicht sicher, ob ich sie beneiden oder bemitleiden soll. Ihre Hingabe und Leidenschaft ist schlichtweg phänomenal. Diese Leute freuen sich WIRKLICH, wenn sie ihren Idolen irgendwie näher kommen. Aber ich werde nie verstehen, wie man dieser Kultur so nahe kommen kann – letztendlich ist doch alles unecht, Lug und Trug und Kommerz. Aber über Kunst soll man bekanntlich nicht streiten.

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Kostet der Fuji-san bald Eintritt?

Mai 2nd, 2013 | Tagged | 2 Kommentare | 1368 mal gelesen

Just hat das ICOMOS (International Council on Monuments and Sites) beschlossen, das der Fuji-san würdig ist, zum Weltkulturerbe erklärt zu werden¹. Als Begründung diente unter anderem die Symbolwirkung für Japan, die Natur und der Einfluss des Berges auf die japanische Kunst. Die gesamte Fläche ist 70’000 Hektar groß und beinhaltet somit den Berg selbst sowie die nähere Umgebung inklusive der 5 Seen im Norden. Ausgeschlossen wurde 三保松原 – Miho-no-Matsubara am Meer, da diese Region doch zu stark vom Menschen „verschandelt“ wurde.

Aus dem Archiv hervorgekramt: Fuji-san, von Yamanashi aus gesehen

Aus dem Archiv hervorgekramt: Fuji-san, von Yamanashi aus gesehen

Offiziell aufgenommen wird der Fuji-san bei der diesjährigen Sitzung des World Heritage Committee vom 17.-27. Juni in Phnom Penh (Kambodscha). Es läßt sich erahnen, was dann passieren wird: Die Zahl der Fuji-Bezwinger wird noch weiter ansteigen. Zur Zeit darf der Gipfel von Laien aufgrund der Witterungsbedingungen nur vom 1. Juli bis zum 26. August bestiegen werden, und dies tun pro Jahr über 320’000 Menschen. Vier offizielle Routen stehen zur Auswahl, wobei rund 60% der Leute die Yoshida-Route wählen. Somit sind pro Tag (beziehungsweise eher in der Nacht, da die meisten den Berg nachts besteigen) bis zu 7’000 Menschen auf der gleichen Route unterwegs². Das bringt zahlreiche Probleme mit sich, denn 7’000 Menschen hinterlassen nun mal ihre Spuren, und das nicht selten in Form von Müll. Diese Zahl wird mit der Aufnahme in die Weltkulturerbeliste sicherlich ansteigen.

Aus diesem Grund werden erste Stimmen laut, den Zugang zum Gipfel zu regulieren. Dies könnte man zum Beispiel durch die Einführung einer Bergsteigegebühr (入山料 – Nyūzanryō) durchsetzen. Yahoo! Japan hat diesbezüglich eine Leserumfrage gestartet³, und das Ergebnis ist eindeutig: Von knapp 64’000 Lesern stimmten 87,3% für eine solche Gebühr.

Nun bin ich persönlich kein großer Fan solcher Gebühren, denn der Fuji-san ist Natur, und Natur sollte frei betretbar sein. Andererseits braucht der Fuji-san bei solchen Menschenmassen auch viel „Pflege“, um das Müllproblem und die Wegesicherung in den Griff zu bekommen. In diesem Sinne würde die Gebühr tatsächlich sinnvoll sein – so das Geld für die richtigen Zwecke eingesetzt wird. Und so würde ich wahrscheinlich auch eher dafür stimmen. Erst recht, da ich ja bereits das Vergnügen hatte, den Berg zu besteigen.

Ich wage zu beweifeln, dass die Gebühr noch dieses Jahr umgesetzt wird. Aber sie wird mit hoher Wahrscheinlichkeit kommen.

¹Siehe unter anderem Nikkei Shinbun
²Siehe Fuji-Aufstieg (Wikipedia)
³Siehe Fuji-san-Umfrage auf Yahoo! Japan

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Le Erdbeere

März 26th, 2013 | Tagged , | 9 Kommentare | 1255 mal gelesen

Einzeln verpackte Erdbeeren

Einzeln verpackte Erdbeeren

Mit den Verpackungen ist das so eine Sache in Japan. Alles muß schön verpackt sein, wenn möglich mehrfach, denn nur so taugt das ganze auch als Mitbringsel. Das war so, bevor das Wort Umweltschutz auftauchte, und das ist noch immer so. Einzig bei den Plastikeinkaufstüten hat es sich mittlerweilen eingeschlichen, dass man oft nicht mehr ungefragt mit den Tüten nach den Kunden wirft, sondern erst fragt, ob wirklich eine gebraucht wird. Wenn man auf eine Tüte verzichtet, bekommt man sogar vielerorts 2 Yen Rabatt auf seinen Einkauf – ob der eine Artikel nun 20 Yen kostet oder 2’000 Yen. Das ganze ist freilich, wie kann es anders sein, durchaus skurril: Damit man nicht mit dem gemeinen Volk, das da Registrierkasse bedient, kommunizieren muss, hängen kleine Karten an der Kasse, auf denen steht: „Ich brauche keine Tüte“. Die legt man dann in seinen Korb, und schon muss man nicht mit dem Kassenknecht kommunizieren. Natürlich läuft das Ganze dabei natürlich genau nach Kundenhandhabungshandhabe ab. Wer kein „Ich-brauch-echt-keine-Tüte“-Schild im Korb liegen hat, wird vorsichtshalber nochmal verhört: „Brauchen Sie eine Tüte?“ Da steht man dann also, der Korb randvoll, und rein gar nichts am Mann, was darauf hindeuten könnte, dass man die Sachen irgendwo verstauen könnte. „Wenn ich den Einkaufskorb mit nach Hause nehmen kann, nicht!“, möchte man da gerne antworten.

Aber es geht ja um Erdbeeren. Was ich da neulich im örtlichen Supermarkt (200 m von mir entfernt) sah, ließ selbst mich erstaunen. Besondere Melonen für 50 Euro und mehr oder bilderbuchmäßige Weintrauben für 20 Euro pro Rebe usw. kenne ich ja zur Genüge, aber einzeln in einer Plastikglocke verpackte Erdbeeren waren mir neu. Mit Rosatuch darunter. Und nochmal in weißem Krepp eingehüllt. Für 150 Yen pro Erdbeere – also rund 1,20 Euro. Aber schauen wir mal genauer hin: Grad Brix (salopp gesagt – der Zuckergehalt): 9°Brix. Rechts daneben ein Hinweis: 9°Brix = mäßiger Geschmack, 10°Brix = guter Geschmack, 11°Brix = sehr guter Geschmack. Klasse, da soll man also 1,20 Euro für eine dreifach verpackte Erdbeere ausgeben – die dann laut Auszeichnung nur mäßig schmeckt. Interessant ist zudem, was man zum Thema bei Wikipedia findet: Laut Beitrag sind Erdbeeren mit 12°Brix mäßig, mit 16°Brix gut und mit 18°Brix hervorragend. Ein Wert von 8 hingegen ist „Schlecht“.

Wer kauft denn bloß sowas? mag der eine oder andere fragen. Nicht wenige! Aber sicher kaum jemand für sich selbst. In Japan herrscht, mehr noch als in Europa, eine Kultur der Gefälligkeiten. Für alles revanchiert man sich auf die eine oder andere Weise. Und egal wie groß der Gefallen war: Die kleine Dankbarkeit muß auf die eine oder andere Weise etwas Besonderes sein. Und wenn es eine mäßig schmeckende, weil überdimensionierte Erdbeere ist.

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Tokio… was?

Februar 15th, 2013 | Tagged , | 10 Kommentare | 1979 mal gelesen

Tokyo Kazoku - zur Zeit auf der Berlinale

Tokyo Kazoku – zur Zeit auf der Berlinale

Als ich gestern nacht so vor dem Rechner saß, erzählte mir das Radio, in meinem Fall Radio Eins (ein Berliner Sender), daß auf der Berlinale ein japanischer Film laufe und man dazu Karten gewinnen könne. Der Film heiße Tokyo Katsuko. Hmmm, der Name kam mir irgendwie … jedenfalls nicht Japanisch vor. Heute stieß ich jedoch auf einen japanischen Beitrag zum Thema, in dem der Film erwähnt wurde: Aha. 東京家族 – Tokyo Kazoku (sprich: Tokio Kasoku) war gemeint.

Nun, man kann gewiss nicht von allen Moderatoren erwarten, dass sie sämtliche ausländischen Namen auf die Reihe bekommen. Schließlich gibt es ja ein paar tausende Sprachen. Aber man könnte sich doch wenigstens mit der Idee anfreunden, dass ein „z“ in fast allen Sprachen nicht wie ein „zett“, sondern ein weiches „s“, sprich Englisch, gelesen wird.

Das interessante an der Aussprache ist, dass man bei gewissen Namen, die man schon seit jeher, also auch von der Zeit, bevor man die Sprache wirklich gelernt hat, von der teutonisierten Aussprache nur schwer lassen kann. Ein „Judo“ (sprich: yudo) geht mir, so ich das Wort nicht auf Japanisch lese, immer noch leichter über die Lippen, als das Original: „dschuudoo“. Und vor einer Weile schaute ich mal auf ein Fahrrad und erblickte den Namen „Shimano“ – einer der weltweit größten Hersteller für Fahrradzubehör. Ein geläufiger Name, den ich, da mit lateinischen Buchstaben gelesen, sofort typisch „schiMAAno“ las, was freilich völlig falsch ist – es gibt keinen Grund dafür, das „a“ zu betonen und dazu noch in die Länge zu ziehen.

Aber zurück zum Film – die Kritiken sind recht gut. Der Film ist ein Remake des bekannten „Tokyo Monogatari“ von Ozu (nein, nicht „ottsu“ lesen, bitte!), einem der berühmtesten Regisseure Japans. Eine sehr brauchbare Kritik zum Film gibt es natürlich beim Kollegen vom Japankino, und so freue ich mich schon darauf, mir „Tokyo Kazoku“ demnächst ansehen zu können. Hoffentlich ist es keiner der üblichen Tränendrüsenmassierer…

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Goroawase – das Spiel mit den Zahlen

Oktober 31st, 2012 | Tagged , | 12 Kommentare | 1558 mal gelesen

Japanischer Wortspiel-Generator

Aufgrund einer Fernsehsendung bin ich neulich auf eine völlig unnütze Statistik gestossen: Und zwar die Statistik¹ der von Love Hotels in Japan am meisten benutzten Telefonnummern. Auf Platz 1: 1919 (als Bestandteil der Telefonnummer): Das kann man sich nämlich als „wakuwaku“ merken (wa = wan (=one) für die 1, -ku für die 9). „Wakuwaku“ bedeutet „erregt sein“, und das ist natürlich eine passende Assoziation. Laut der Statistik haben 43 Love Hotels diese Nummernkombination in der Zahl. Gefolgt von der Nummer 2, 5151 – gelesen „koi koi“ (ko bzw. go = 5, i für ichi = 1), zu Deutsch „Liebe Liebe“ mit 17 Love Hotels.

Die Statistiken sind generell interessant: So erfährt man, dass es in Tokyo allein 799 Love Hotels gibt. 300 davon sollen sich allein in Ikebukuro finden, das damit dem eigentlich am meisten als Rotlichtbezirk bekannten Viertel Kabukichō in Shinjuku den Rang abgelaufen hat. Lange muss man hier wirklich nicht nach den Hotels suchen. Von mir bis zum nächsten Etablissement sind es keine 500 m, und besagtes Love Hotel befindet sich direkt neben dem Schulungszentrum der Mun-Sekte. Damit die Leute gleich was nach der Gehirnwäsche zu tun haben.

Aber das sollte nicht das Thema sein. Zum Thema „Nummern wie Worte lesen“ habe ich eine schöne Seite entdeckt (für Japanisch-Sprechende und Lernende), in der man tausende 語呂合わせ goroawase – (Nummern-)Wortspiele nachschlagen kann: Den Goroawase Generator. Einfach Telefonnummer oder irgendeine andere Nummer eingeben und schon bekommt man ein paar Vorschläge. Die natürlich nicht immer Sinn ergeben. Aber so kann man gleich mal Japanisch lernen – und sich die eine oder andere Nummer sogar merken. Dem Programm sei verziehen, dass es zu meinem Geburtstag das Wort „人糞マシン jinpun maschin – Exkrementenmaschine“ ausspuckte. Weia.


¹ Quelle:Love Factory (Portalseite für Love Hotels).

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Anschluss finden: Deutsche in Japan

Januar 18th, 2012 | Tagged , | 9 Kommentare | 23102 mal gelesen

Da steht man also plötzlich in Japan da mit seinen sieben Sachen und weiss nicht so recht, wohin mit sich, und was man von nun an mit seinen zauberhaften Deutschkenntnissen anfangen soll. Da gibt es die einen, denen das überhaupt nichts ausmacht, und die auf den deutschen Sprachgebrauch nebst Muttersprachlern ganz gern verzichten können. Da gibt es die anderen, hauptsächlich jene, die nur begrenzt im Land sind und kein oder kaum Japanisch sprechen, die lieber gern Anschluss hätten zu ihren Landsleuten und sich von daher gern irgendwie zusammenraufen. Und dann gibt es noch die dazwischen, und dazu zähle ich mich auch, die zwar nicht aktiv nach Verbindungen zu Landsleuten suchen, aber sich durchaus gern mal mit Mitgefangenen treffen wollen. Deshalb an dieser Stelle mal eine kleine Auflistung von Gruppen und Möglichkeiten, die man hier so hat, um Anschluss zu finden:

DinJ steht für „Deutsche in Japan“ und ist eine seit vielen Jahren betriebene Newsgroup auf Yahoo. Diskutiert wird dort so ziemlich alles, und natürlich ist vieles dort für die meisten irrelevant. Die Moderatoren sind auch nicht gerade zimperlich, aber in der Liste gibt es etliche Auskenner, die schon ewig im Land sind, und somit so ziemlich jede Frage beantworten können.
Persönlich halte ich mich dort lieber zurück, aber ich schaue durchaus regelmäßig in die Tageszusammenfassungen rein. Tipp: Anmelden, und bei den Einstellungen „Tägliche Zusammenfassung schicken“ wählen. Alles andere artet sonst in Spam aus.

DoitsuNet ist eigentlich eine Ein-Mann-Veranstaltung – die Idee dahinter ist, regelmäßig Deutsche und Japaner, die an Deutschland (und Deutsche?) interessiert sind, in abwechselnden Etablissements zusammenzutrommeln, um miteinander Spaß zu haben. Der Verantwortliche organisiert auch andere, internationale Partys ziemlich erfolgreich. Hinter den Veranstaltungen steckt kommerzielles Interesse, aber die DoitsuNet-Partys sind in der Regel gut organisiert und können durchaus Spaß machen. Die Preise sind dabei auch recht zivil (wenn man sich über den Newsletter anmeldet).
Ich schaffe es leider immer nur maximal ein Mal pro Jahr dorthin – es wird mal wieder Zeit, denn letztes und vorletztes Jahr habe ich es nicht geschafft. Selbstredend lohnen sich diese Veranstaltungen nur in Tokyo.

Edo-Rhenania: Mal wieder Lust, einen Salamander zu reiben? Ich hatte weiland während meiner Studienzeit in Japan nicht schlecht gestaunt, als mich der damalige Germanistikprofessor völlig mit seiner eigenen, kleinen Burschenschaft überrumpelte. In Deutschland habe ich jene mit dem Allerwertesten nicht angeschaut, aber einen Einblick in Japan war es mir wert. So kam ich dabei auch in den Genuss einer grossen Festveranstaltung der Edo-Rhenania. Diese nicht schlagende Verbindung gibt es seit 1963. Gerüchten zufolge sollen wohl sogar Mitglieder der kaiserlichen Familie dabei sein. Als ich 1998 bei der Veranstaltung war, hatte man eigens Burschenschaftler aus Deutschland einfliegen lassen. Ich kam mir dabei in etwa wie ein Ethnologe vor, der gerade einen völlig neuen Stamm entdeckt hatte. Es war faszinierend. Aber so recht ist das trotzdem nicht meine Welt.

So, das sind erstmal drei. Wer kennt mehr?

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