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Getränkeautomat – the next generation

Februar 14th, 2011 | Tagged , | 12 Kommentare | 1638 mal gelesen

GetränkeautomatJedem Japan-Besucher fällt eines in Japan sofort auf: Die enorme Dichte von Automaten, an denen man so ziemlich alles kaufen kann. Am häufigsten findet man Getränkeautomaten: So gab es laut der JVMA (Japan Vending Machine Manufacturers Association) 2009 in Japan 2,1 Millionen Automaten für Erfrischungsgetränke. Will heissen, auf 60 Japaner kommt ein solcher Automat. Der Umsatz dieser Automaten lag im gleichen Jahr bei knapp 1,9 Billionen Yen. Getränke (ausser Alkohol) kosten an diesen Automaten meist zwischen 100 bis 150 Yen. Holen wir also mal den Taschenrechner raus und gehen von einem Durchschnittspreis pro Dose/Flasche von 120 Yen aus: An einem durchschnittlichen Automaten werden pro Tag 20 Getränke gekauft. Der Durchschnittsjapaner kauft entsprechend 130 nichtalkoholische Getränke im Jahr am Automaten – bzw. mindestens eins alle drei Tage. Randnotiz: Andere Automaten (Zigaretten, Reis, Eis, Eintrittskarten, Zeitungen, Batterien, Socken usw.) mit eingerechnet gibt es knapp 4 Millionen Automaten in Japan (Rohdaten siehe hier).

Logischerweise kenne und nutze auch ich solche Automaten relativ regelmässig. Und ich bin einiges an Service gewohnt: Automaten, die heisse und kalte Getränke anbieten. Automaten, in denen der Kaffee frisch gemahlen und gebrüht wird. Automaten, die einen anquatschen, wenn man vorbeiläuft (mit “Guten Morgen” am Morgen usw). Automaten, die einem im örtlichen Dialekt ansprechen (so z.B. im Tsugaru-Dialekt in Hirosaki) usw.
In jüngster Zeit fielen mir jedoch vor allem die Automaten der neuesten Generation auf: Riesenmaschinen mit einem riesigen 47-Inch-grossen Touch-Screen – ohne jegliche Tasten. Einfach das gewünschte Getränk angrabschen und schon erscheinen Informationen dazu.

Getränkeautomat
Das ist aber noch nicht alles: Laut Hersteller erkennt eine Kamera im Automaten Geschlecht und Alter (und was weiss ich sonst noch) des Bedienenden und preist entsprechend Getränke an. In meinem Fall einen Dosenkaffee mit dem Namen “Boss”. Es hätte schlimmer sein können… Ebenfalls laut Betreiber werden die Daten nach der Getränkewahl gleich wieder gelöscht. Man geht also nicht den letzten Schritt: Ein Automat in Shinagawa weiss nicht, was ich Tage zuvor in Maihama gewählt habe. Ansonsten sind die Automaten schon vernetzt – ich nehme mal an, um sie fernzusteuern in Hinblick auf welches Produkt besonders beworben werden soll und was wo wie schnell aufgefüllt werden muss. Meine mit iPad etc. vertraute 4-jährige Tochter findet die Automaten natürlich auch grosse Klasse – es ist schwer, sie wieder davon wegzulocken.

Bemerkenswert finde ich an dieser Stelle doch immer wieder, wie sicher Japan ist: Selbst an dunkelsten Ecken findet man Automaten – und noch nie habe ich zerkratzte Scheiben, angekokelte Knöpfe, besprühte Automatenwände und ähnliches gesehen.

Wer sich mehr für diese Automaten interessiert – hier gibt es ein PDF zum herunterladen (nur Japanisch) mit zahlreichen Zusatzinformationen.

Das Wort des Tages: 次世代 jisedai – “nächste(r/s) Generation”. Neue Generation.

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Ise, Hashimoto, Kōyasan & Wakayama – Teil 2

Januar 22nd, 2011 | Tagged , | 5 Kommentare | 569 mal gelesen

Hier wie angekündigt der Reise zweiter Teil – der erste Teil befindet sich hier.

Langsam und an jedem kleinen Bahnhof haltend ging es mit der Bummelbahn also Richtung Hashimoto. Von Takada aus gesehen liegt jenes hinter einem ziemlich hohen Bergmassiv, in dem es ganz offensichtlich gerade schneite. Irgendwann stieg ein grosses Rudel Mittelstufenschüler ein, so dass der Rest der Fahrt komplett von Gebrüll und Gelächter geprägt war. Japanische Schüler haben zwei Haupteigenschaften: Sie treten grundsätzlich in Rudeln auf, meistens sehr dicht gedrängt, wie grosse, dunkle Flusen, und sie sind grundsätzlich sehr, sehr laut – die Tatsache, dass sie immer dicht gedrängt sind, hat ganz offensichtlich keinen Einfluss auf die Hinfälligkeit lautstarker Unterhaltung. Dezibelmessungen aus dem Zentrum solcher Flusen liegen mir leider nicht vor, aber die Werte sind auf jeden Fall dreistellig.
In Hashimoto angekommen, fing es an, kräftig zu … Ja, was eigentlich? Schneien? Regnen? Es war nicht ganz eindeutig, aber was immer da fiel, es machte die ohnehin sehr trostlose Stadt nicht gerade attraktiver. Meine Übernachtung lag jedoch zum Glück nicht in Hashimoto, sondern in dem oben erwähnten Haufen Berge, knapp 10 Minuten mit der Bahn entfernt. Um ebensoviele Minuten hatte ich leider den Anschlusszug verpasst, also lief ich noch eine knappe Stunde im Irgendwas-vom-Himmel-Fallenden durch die Einöde.

Im Bummelzug ging es dann endlich weiter in die Berge, zum Kimi-Pass. Die Übernachtung, eine der staatlichen, grossen Herbergen mit heisser Quelle, stand unübersehbar als Betonburg über dem Örtchen. Check-in ging schnell, Sachen abgelegt und Rezeptionsfrau nach Sehenswertem in der Umgebung gelöchert – das Wetter war hier gottseidank besser und ich hatte noch zwei Stunden Zeit bis es dunkel werden sollte. Sie gab mir eine Karte und sagte, hier und dort sei es schön, kleiner Park in den Bergen, gute 45 Minuten Fussweg. Also lief ich in die Berge, und lief und lief. Nach ca. 20 Minuten kam ich an einem unbewohnten Haus vorbei. Es ging die ganze Zeit bergauf, aber weder Park noch Schilder in Sicht. Irgendwann lag plötzlich überall Schnee – ich war nun eine Stunde unterwegs, es war sehr ruhig, und sehr kalt. Endlich ein Schild – Eingang zum Aufstieg zum Berg soundso. Ganz offensichtlich war ich wohl zu weit gelaufen. Also ging ich wieder zurück, und nahm unterwegs nochmal das Haus in Augenschein: Der winzige Park lag gut versteckt hinter dem Haus. Toll. Danach musste ich mich sputen, rechtzeitig vor vollkommener Dunkelheit vom Berg zu sein. Ein nachträglicher Blick auf eine genauere Karte sagte mir dann, dass ich in der Stunde Hinweg gute 400 Höhenmeter hinter mir hatte. Ah, daher der viele Schnee! Da macht ein heisses Bad im Onsen gleich noch viel mehr Spass. Und das Bier danach sowieso.

Am nächsten Morgen ging es noch kurz vor Sonnenaufgang los. Mit dem Zug ging es wieder Richtung Hashimoto und weiter nach Gokurakubashi. Das interessante daran: Der Zug kam aus Ōsaka und war eine ganz normale Stadtbahn – die quält sich dann allerdings hinter Hashimoto die Berge hinauf, an tiefen Schluchten vorbei. Im Zug sass so ziemlich niemand ausser mir – es war Wochentag. Von Gokurakubashi ging es schliesslich mit der Standseilbahn bis auf knapp 1’000 m Höhe: Kōyasan heißt der Art – eine Art buddhistische Fernost-Ausgabe der Klosterrepublik Athos, nur das in Kōyasan seit Mitte des 19. Jhd. auch Frauen Zutritt haben. Kōyasan ist ein Dorf mit weit über 100 Tempeln, und zu dieser Jahreszeit mit jeder Menge Schnee – logischerweise ist es hier wesentlich kälter als im tieferen Umland, und die ganze Region ist sowieso für sehr ergiebige Niederschläge berühmt. Erstmal sollte es zum Oku-no-in gehen, einem riesigen Gräberfeld. Wer mehr darüber lesen möchte – meine Seite nur über die Anlagen von Kōyasan ist noch ganz frisch. Es lohnt sich jedenfalls, auch wenn man nach etlichen Stunden freilich auch mal was anderes sehen möchte. Diese geballte Ladung von Tempeln – und kein bisschen gestreute Strassen und Pfade – ist schon enorm. Es waren wenige Besucher unterwegs – so wenige, dass man sich gar nicht erst die Mühe machte, die Besucher an den einzelnen Stationen abzukassieren: Überall war Eintritt frei, und fast alle Souvenirläden waren zu. Wenn ich mich recht erinnere, waren eigentlich wirklich alle Läden zu. Trotz alledem hörte ich in einem Tempel plötzlich hinter mir Deutsch – schau an. Wenn ich in Tokyo schon keine Deutschen mehr treffe, dann eben hier, hinter den sieben Bergen.

Am frühen Nachmittag beschloss ich, genug von den Tempeln und dem nun zum Matsch gewordenen Schnee zu haben. Kōyasan ist dafür bekannt, dass man in den Tempeln übernachten kann: Das beginnt so bei ca. 100 Euro pro Nacht, und zum Essen gibt es nur Tōfu, da Fleisch, aber auch Knoblauch, Zwiebeln usw. – verboten sind. Als ob das noch nicht reicht, ist es in einigen Tempeln sogar Pflicht, morgens um 6 oder so am Frühgebet teilzunehmen. Sowas kann man wahrscheinlich auch nur in Japan erleben: Ordentlich Geld zahlen, um angeblich sehr authentisch im Tempel zu übernachten. Das ersparte ich mir dieses Mal – ich hatte ja bereits im März das Vergnügen, in einem Tempel tief in Shikoku zu übernachten – das war mehr als authentisch, da der Priester gleichzeitig der Onkel meiner Frau ist.

Zurück ging es also wieder – mit dem Bus zur Standseilbahn, mit der Standseilbahn bis zum Bahnhof und mit der Bummelbahn ins Getümmel von Hashimoto. Natürlich hatte ich wieder gerade so den Anschlusszug – dieses Mal nach Wakayama – verpasst. Also hiess es wieder herumlaufen. Schon am Vortag fiel mir dabei die Touristeninformation am grauen Bahnhofsvorplatz auf. Heuer war sie sogar geöffnet. Also ging ich hinein, und schon begrüsste mich eine sehr junge Frau in breitestem, amerikanischen Englisch. Ich war völlig überrascht – und vor lauter Überraschung tat ich etwas, was ich privat nicht allzu oft in Japan tue: Ich antwortete auf Englisch und blieb beim Englischen. Normalerweise gebe ich irgendwann auf und schwenke zu Japanisch – und zwar dann, wenn sich die Floskeln meines Gegenübers erschöpft haben. Sie war anders – sie sprach wirklich gut. Also fragte ich sie umgehend:

I’ve got some time to kill – is there anything to see in this town?

Die Antwort war ernüchternd:

Not really, no. Maybe… well, there’s an old house right over there, it’s kind of interesting. But that’s about it.

Aha. Ein altes Haus. Also, hier kommt es: Die Hauptattraktion, der Stolz der Stadt:

An irgend etwas muss die Stadt aber doch verdienen – ansonsten hätte sie wohl kaum eine Touristeninformation eingerichtet. Zumindest ist die Stadt bekannt für Kaki – behauptet sie jedenfalls selbst von sich. Mehr Infos, wenn auch vergleichsweise wenige, zu Hashimoto gibt es ansonsten hier.
Endlich fuhr er dann doch – mein Zug. Bis an die Küste, nach Wakayama, sollte es gehen. Wakayama ist die Präfekturhauptstadt der gleichnamigen Präfektur und sieht rund um den Bahnhof aus wie so ziemlich jede Präfekturhauptstadt: Der Hauptbahnhof ist gleichzeitig grosses Einkaufszentrum, und rund um den Bahnhof herum stehen diverse Business-Hotels. So auch mein Hotel. Bis zur Dunkelheit hatte ich leider nur wenig Zeit, aber für einen kurzen Spaziergang reichte es. Am Abend recherchierte ich etwas nach einem interessanten Restaurant oder einer interessanten Bar. Durch Zufall stiess ich dabei auf eine Gaststätte mit dem klangvollen Namen Kartoffel. Der Besitzer lebte wohl jahrelang in Deutschland und beschloss, bei sich zu Hause deutsch-japanische, fusionierte Gerichte anzubieten. Deutsch essen war ich in Japan bisher vielleicht zwei, drei Mal (in ca. sieben Jahren) – und jedes Mal konnte ich es getrost als Reinfall verbuchen. Trotzdem reizte es mich, denn laut Kritiken war das Restaurant ganz gut. Ach, ich weiss gar nicht, welches Wort ich hier eigentlich benutzen soll – bei dem Begriff “Restaurant” assoziieren die meisten bestimmt etwas feines, teures. Gemeint ist eine japanische Izakaya – eine Kneipe, in der man auch gut essen kann.

Gesagt, getan: “Kartoffel” hatte einen Vor- und einen Nachteil. Der Vorteil: Kartoffel lag unweit des Hotels, und es war so kurz vor Neujahr auch offen. Der Nachteil: Es war kurz vor Neujahr, und Hinz und Kunz bzw. Yamada und Suzuki hielten ihre 忘年会 (bōnenkai – Jahresendparties) ab. Also wurde ich am Eingang gleich abgebürstet: Tut uns leid, ausgebucht heute. Ich erblickte trotzdem den Counter innen und sagte “Ich habe nichts dagegen, am Counter zu sitzen” (in manchen Orten traut man sich in Japan nicht, fremden Gästen dort einen Platz “zuzumuten”). Aber selbst da war ausgebucht. Schade eigentlich. Den Satz “せっかくドイツから来たのに” (Dabei bin ich extra aus Deutschland hierhergekommen) habe ich mir an dieser Stelle erstaunlicherweise verkniffen – der Spass wäre es aber bestimmt wert gewesen. Aufruf also an die Leser: Wenn Ihr mal in Wakayama seid, schert Euch gefälligst zur Kartoffel und berichtet hernach!

Nachts ging es schliesslich noch zur Burg von Wakayama – denn man hat die angenehme Eigenschaft in Japan, Burgen nachts anzustrahlen. Und trotz Sturm und Eiseskälte sollte es sich lohnen: Schliesslich steht die Burg (wenn auch nicht mehr im Originalzustand) wie fast immer auf einem Hügel in einem Park inmitten der Stadt – und nachts, gerade im Winter, ist man dort freilich ganz allein.

So, mehr gibt es bei Bedarf später – es geht schliesslich weiter, nach Hikone und Takayama!

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Ise, Hashimoto, Kōyasan & Wakayama – Teil 1

Januar 19th, 2011 | Tagged , | 13 Kommentare | 792 mal gelesen

Nein, ich bin nicht schreibfaul geworden. Im Blog vielleicht schon. Momentan arbeite ich jedoch mehr an der Aufbereitung der letzten, kurzen Tour zwischen Weihnachten und Neujahr vergangenen Jahres.

Als Reiseziel hatte ich mir die Präfektur Wakayama ausgesucht (südlich von Ōsaka). Der Grund dafür war recht profan: Wakayama ist eine der 5 (von 47) Präfekturen, die ich noch nie mit meiner Anwesenheit beehrt hatte. Praktischerweise liegt dabei Ise ganz in der Nähe – und zwar auf der gleichen Halbinsel (genannt Kii). Und Ise ist immerhin der Ort, an dem sich der Hauptschrein des Shintōismus befindet.
Los ging es schliesslich am frühen Morgen des 26. Dezember – erst nach Tōkyō, und von dort mit dem Shinkansen nach Nagoya.

Kaum angekommen ging es auch gleich weiter mit dem Schnellzug nach Ise – dort kam ich schliesslich bereits kurz nach 12 Uhr an. Rein in den Bus, und schon war ich am Inneren Schrein – und mit mir viele Tausend anderer Besucher, denn es war Sonntag. Das Problem mit den grossen Schreinen in Ise ist allerdings, dass man die wesentlichen Bereiche nicht sehen darf – es sei denn, man ist Kaiser von Japan, Hohepriester von Ise oder einer von dutzenden Handwerkern, die den Schrein alle 30 Jahre komplett neu zusammenzimmern. Diese Form der Beschäftigungstherapie und indirekten Wirtschaftsförderung der Region hält man nun schon seit mehr als 1’000 Jahren durch. Interessant ist Ise aber trotzdem dank der Nebenschreine, die den Hauptschreinen nachempfunden sind – und sich völlig vom Stil aller anderen Schreine in Japan abheben.

Praktischerweise liegt gleich neben dem Inneren Schrein eine Fressmeile, wo es von feinstem Rindfleisch über Ise-Hummer bis zu Ise-Udon (Nudeln) alles gibt, was das Gourmetherz begehrt. Nach einer kurzen Stärkung ging es wieder mit dem Bus zurück zum Äusseren Schrein. Der ist, nun ja, irgendwie wie der Innere Schrein, und nach dem fachkundigen Bestaunen dutzender Nebenschreine lässt man irgendwann die 8 Millionen lieben Götter einfach 8 Millionen liebe Götter sein. Das ganze wurde zudem von einem eisigen Wind beschleunigt. Es ging zurück zum Bahnhof und ein paar Minuten mit der Bahn nach Futaminoura – dort stehen zwei Felsen im Meer, die mit einem riesigen Seil verbunden sind. Ein für Japan bekannter (und zugegebenermassen sehr schöner Anblick.

Abends fragte ich – es hat schon Tradition – den Portier im Hotel, ob es irgendwo in der Nähe einen empfehlenswertes Restaurant (bzw. eher japanische Kneipe) gibt. Der Portier fing an, irgendwelche dubiosen italienischen Restaurants aufzuzählen. Ich bestand auf japanische Kneipen. “Shōya ist gut, und gleich um die Ecke” sagte er schliesslich. Klasse. Shōya ist so etwas wie das MacDonalds der japanischen Ess- und Trinkkneipen, und ich fahre bestimmt nicht hunderte von Kilometer, um dort zu essen. Also hiess es, durch die Kälte planlos durch die Gegend zu laufen. Bald stand ich vor einer angeblich selbst vom Kaiser empfohlenen Kneipe, in der es ganze Ise-Hummer für gute 40 Euro gibt. Sehr verlockend, aber für mich als Alleinreisenden etwas zu schade. Nach einer Weile stehe ich vor einer versteckten Hinterhofkneipe, aus der Gelächter dringt. Ich unterliege dem Charme des Smartphones: Kurz nach dem Namen gegooglet und nachgesehen, was andere Besucher dieses Etablissements so dazu sagen. Und siehe da – es scheint gut zu sein. Ich bin nicht der einzige Gast (wohl aber der Auffälligste) und als お通し (Otōshi – eine kleine Vorspeise, die in Esskneipen ungefragt gereicht wird – und in der Regel Geld kostet) gibt es Sashimi, was mir recht luxuriös erschien. Ich bestelle drei, vier Sachen (darunter zum Beispiel frittierten Fugu) und alles schmeckt fantastisch. Gut gefunden, muss ich mich da mal wieder selber loben. Beim Bezahlen meint die Bedienung noch “Bin ich aber froh, dass sie Japanisch können…”

Am nächsten Morgen ging es mit der Bummelbahn quer durch die Halbinsel bis nach Yamato-Takada (Präfektur Nara). Das dauert eine ganze Weile, und ich hatte ordentlich Hunger bekommen. Von dort will ich weiter in die Berge – und es sah alles arg nach Schnee oder Regen aus. Bevor es weiterging, hiess es erstmal Mittag suchen. Ich lande in einem pseudoitalienischen Restaurant mit All-you-can-eat Buffet für 950 Yen (das bemerkte ich zu spät – eigentlich bin ich kein Fan davon). Eine Oma neben mir mit ca. 4 vollen Tellern vor ihr grinst mich an und sagt “Ja, sowas lockt schon, oder?”. Ich schaute sie etwas verunsichert an – nein, ich bin eigentlich keine Fressmaschine. Zwei (kleine) Teller reichen mir, und es schmeckt, wie ein 950 Yen-All-you-can-eat-Buffet nun mal schmecken kann: Man kann zwar nicht meckern, aber man fragt sich fortlaufend, ob man nicht etwas Geduld gehabt hätte, bis man einen Ramen-Laden gefunden hätte, oder sich einfach nur ein paar Onigiri gekauft…

Mehr später…

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Der Tigermaskeneffekt

Januar 13th, 2011 | Tagged , | 2 Kommentare | 652 mal gelesen

Ein paar Tage vor Weihnachten vergangenen Jahres trauten die Angestellten eines Kinderheimes ihren Augen kaum: Vor der Tür der Einrichtung standen etliche Kartons mit nagelneuen Schulranzen – in Japan kennzeichnenderweise ランドセル (Landser) genannt – obwohl das Wort wohl ursprünglich vom niederländischen Wort “ransel” abstammt. Die edle Gabe stammte laut Beipackzettel von “Tiger Mask” – einem seit Ende der 60er Jahre sehr beliebtem Mangahelden (ein Wrestler mit Tigermaske). Die Spende war anonym und das Schreiben dazu strotzte vor Bescheidenheit (wie üblich in Japan).

Dieser “Vorfall” geisterte umgehend durch die Medien – mit dem sehr angenehmen Effekt, dass plötzlich an vielen verschiedenen Orten im ganzen Land plötzlich mal mehr, mal weniger anonyme Spenden abegegeben wurden – bis heute über 300 Spenden in 42 Präfekturen. Darunter auch bewegende Fälle wie der des 24-jährigen Naohito (der den gleichen Namen trägt wie eine der ersten Tigermaskenfiguren) – er legte seinen gesamten ersten Bonus (mehrere tausend Euro) in Schulranzen an und spendete sie) oder der eines älteren Mannes in Chiba, der knapp 10’000 Euro in Bargeld spendete.
Ein bekannter Boxer, selber auch einst im Heim grossgeworden, brachte es heute bei einem Interview auf den Punkt: “So etwas sollte eigentlich selbstverständlich sein – ich hoffe, dass diese Spendenwelle nicht irgendwann endet”. Nun, die Spendenwelle wird bestimmt abebben. Aber wer weiss – vielleicht wurde ja so eine neue Tradition geschaffen, nach der ab jetzt rund um jedes Weihnachten anonyme Spenden abgegeben werden.

Das Wort des Tages: 寄付 kifu. Spende.

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Kulturkommunismus auf dem Vormarsch?

Dezember 22nd, 2010 | Tagged , , | 15 Kommentare | 679 mal gelesen

Man sagt ja gern Japan bzw. Japanern nach, dass alles irgendwie konform ist – nicht das Individuum zählt, sondern die Gesellschaft, und wer querschlägt wird umgehend sanktioniert. Das sei mal so dahingestellt. Aber wenn ich mir da die Single-Charts dieses Jahres, veröffentlicht wie immer von Oricon Ranking – eine Art kommerzielle Stiftung Warentest und sehr populär – ansehe, bin ich geneigt, oben gesagtem zuzustimmen. Hier also die packenden, nervenaufreibenden Top 10:

1.	Beginner		AKB48
2.	ヘビーローテーション	AKB48
3.	Troublemaker		嵐 (Arashi)
4.	Monster			嵐
5.	ポニーテールとシュシュ	AKB48
6.	果てない空		嵐
7.	Lφve Rainbow		嵐
8.	チャンスの順番		AKB48
9.	Dear Snow		嵐
10.	To be free		嵐

(Quelle: Oricon Ranking)

Ganz recht: In den Top 10 gibt es ganze zwei Bands: AKB48 ist eine Girlie-Band mit beliebig austauschbaren, blutjungen…Sängerinnen? Weiss nicht, ob sie wirklich singen. 嵐 (Arashi) ist hingegen eine Boy-Band mit beliebig austauschbaren, blutjugen …Sängern? Weiss nicht, ob sie wirklich singen.
So stelle ich mir auch die Charts in Nordkorea vor! George Orwell hätte daran seine reine Freude – in seinem 1984 schrieben schliesslich Maschinen beliebig variierbare, seichte Lieder, die vom Proletariat fröhlich trällernd aufgenommen wurden.

Teilweise erklärt man sich die Dominanz der obigen Bands durch perfide Marketingstrategien: So werden Singles manchmal in zufälliger Reihenfolge Konzertkarten beigelegt, so dass nicht selten Fans eine Single gleich mehrfach kaufen: Musiklotterie sozusagen.

So, und wer jetzt brav bis hierher gelesen hat, soll auch belohnt werden: Mit einem tollen Video von AKB48:

Und ich muss mir jetzt erstmal die Ohren ausputzen. Vielleicht mit Thee Michelle Gun Elephant, um mal im Land zu bleiben:

Das Wort des Tages: 同化 dōka. Gleich/konform + Endung -ung. Assimilierung, Gleichschaltung. In Sachen Kultur schon immer etwas, was mir Unbehagen bereitet.

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Kulturtipp: Tokyo Love @ Strychnin Gallery in Berlin

August 22nd, 2010 | Tagged | 4 Kommentare | 559 mal gelesen

Artwork: Shohei Otomo

 

Wer sich ein bisschen für moderne japanische und japanbezogene Kultur interessiert und sich im September in oder in der Nähe von Berlin aufhalten sollte (wie viele Leser da jetzt wohl schon raus sind!?), dem soll folgender Tipp angediehen sein. Yasha Young, junge Direktorin und Besitzerin der kleinen Strychnin Gallery (gibt es in Berlin und London) kuratiert vom 10. September bis zum 3. Oktober eine japanische Gruppenausstellung. Die zumeist monochromen, maximal etwas Rot enthaltenden Illustrationen von Otomo (siehe rechts) sind mir zumindest geläufig und ich finde sie sehr interessant. Mehr Informationen dazu wie folgt (von der Pressemitteilung der Gallerie):

Teilnehmende Künstler: Nanami Cowdroy, Hush, Nishi, Shohei Otomo, Guy McKinley, Imaone, Xiao Bao, Tom Kristensen, Brian Horton.

Die traditionelle japanische Kunst wird durch ihre starken, technisch perfekten Linien und die Liebe zum Detail charakterisiert. Von den Bewegungen des traditionellen 舞踏 Butō-Tanzes, den eleganten Schwüngen der Kalligraphie bis zum japanischen 浮世絵 Ukiyoe Holzblock‐Druck zeigen all diese Kunstformen eine große Eleganz und Präzision. Diese Elemente wurden übertragen in die Anime‐ und Mangakunst der Pop‐Kultur, was man auch in den Neon‐Plakaten Tokyos und den feinen Linien des modernen japanischen Designs wiederfindet. Während Künstler aus dem Westen beeindruckt sind von der Präzision der japanischen Kunst, beeinflusst eine rebellische Kunstform der westlichen Subkultur den Underground Japans. Die Underground Szene benutzt Stile des Hip‐Hop, Punk, Gothic und Rockabilly als eine Art Flucht aus den Traditionen und Einschränkungen der japanischen Kultur. Diese Rebellion fungiert als ein Ventil innerhalb der modernen Kunst: traditionelle Formen und Bilder wie Samurai, Geishas und Kabuki werden von den Künstlern als Kritik an der Gesellschaft genutzt. Tokyo Love bringt Künstler aus der ganzen Welt zusammen, die eines gemeinsam haben: Sie verwenden japanische Bildnisse und Stile. Einige Künstler sind geboren in Japan, andere teilen einfach die Liebe zu dieser Kunstart, aber alle zeigen in den Werken ihre Gefühle zu dem Land und der Kultur ‐ die Kontraste zwischen Alt und Neu, der Widerspruch zwischen Tradition und Rebellion, das Zusammentreffen von Vergangenheit und Zukunft.

Hush: Modern Angel

 

Hushs Ursprünge als Streetart Künstler werden in seinen aktuellen Werken fortgeführt. Seine Arbeit demonstriert ein Zusammenspiel von verschiedenen Medien und Techniken wie Malen, Leinwanddruck, Sprayen und Papierschichtung. Inspiriert von der Darstellung der weiblichen Form in der Kunst, erarbeitet und zerreißt der Künstler Schichten aus Farbe und Bildern. Er arbeitet indem er “die Leinwand und den Medien ihren eigenen Weg gehen lässt”. Das Ergebnis ist eine Popart‐durchzogene Synthese aus Bilderwelten der Graffitti‐ Kunst. Hush ist geprägt von seinen cross‐kulturellen Erfahrungen. Ursprünglich wurde er als Grafikdesigner ausgebildet an der Newcastle School of Art and Design. Seine Arbeit führte ihn durch Asien, Europa und die USA. Hush hat die außergewöhnliche Fähigkeit, aus seinen zahlreichen Erfahrungen – persöhnlich wie kulturell – einen einzigartigen Stil zu kreieren, der weltweit gelobt wird. Viele zeitgenössische Künstler versuchen das, nur wenige schaffen es auch am Ende.

Die Ausstellung läuft wie eingangs erwähnt vom 10. Sep. 2010 bis zum 3. Okt. 2010 – die Gallerie hat Donnerstag bis Sonntag geöffnet, und das jeweils von 12 bis 18 Uhr – und sie ist recht klein.

Adresse: Boxhagenerstr. 36, 10245 Berlin (nahe Frankfurter Tor), Tel: 030-9700-2035.

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20TOKYO10 – Ideen gesucht

März 21st, 2010 | Tagged , , | 7 Kommentare | 550 mal gelesen

Heute abend habe ich Niko getroffen – ein Schweizer Typograf, Fotograf und Videokünstler, der momentan (mal wieder) in Tokyo weilt. Niko alias nubero hat bereits früher einen sehr kurzen Film über das Nachtleben gemacht – im timelapse-Verfahren. Der Film ist entsprechend eher eine Installation aus zahllosen Fotos mit passend eingebauter Geräuschkulisse. Lange Rede, kurzer Sinn – seht es Euch selbst an (ist kurz):

Momentan ist ein neues Werk in Planung unter dem Arbeitstitel 20Tokyo10: Die Idee ist, verschiedene Leute aus Tokyo zu Wort kommen zu lassen – eine Collage aus ungeschnittenen Interviews in verschiedenen Sprachen und passenden Fotos. Die Idee dahinter ist die Tatsache, dass es zwar sehr viele Dokumentationen über Japan gibt, viele dabei allerdings ziemlich alt sind.

Über die Qualität des Schnittes und der Umsetzung schlechthin mache ich mir bei Anblick des Erstlingswerkes keine Sorgen, aber der Film lebt und stirbt mit der Auswahl der Menschen, die zu Wort kommen. Deshalb an dieser Stelle ein kleiner Aufruf: Wer hat Ideen für die Auswahl der Menschen, die zu Wort kommen sollen? Wer kennt jemanden, der interessant und interessiert sein könnte? Es können Japaner sein und Ausländer – die Sprache kann Englisch, Deutsch oder Japanisch sein. Über jegliche Vorschläge würden sich nubero und meine Wenigkeit sehr freuen – das ganze könnte sehr interessant werden.

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Design-Festa: Kunst, Kunst, Kunst

Oktober 24th, 2009 | Tagged , , | 18 Kommentare | 558 mal gelesen

Seit 1994 findet sie statt, und das zwei Mal im Jahr – dementsprechend findet in diesem Jahr die 30. Auflage des Design-Festa statt. Das Konzept ist denkbar einfach: Es kann jeder teilnehmen, der irgendetwas originelles macht, und zwar umsonst. Dieses Jahr sind es insgesamt 8,500 Künstler. Besucher bezahlen hingegen Eintritt, aber der ist recht zivil: Ein Tagesticket kostet 800 Yen im Vorverkauf, ansonsten 1,000 Yen vor Ort. Das Fest dauert zwei Tage – wer beide Tage gehen möchte, zahlt 1,800 Yen.

Das Hauptquartier der Organisatoren inkl. zweier Galerien liegt etwas versteckt in Harajuku, der Modehochburg von Tokyo. Die Gebäude kann man, so man die Ecke gefunden hat, kaum verfehlen (siehe oben). Die ganze Ecke dort ist ein Künstlerviertel, sehr ruhig, mit vielen interessanten Boutiquen und Cafés (so zum Beispiel das genial gelegene Café bzw. Restaurant zwischen den beiden Design Festa-Galerien).

Im Mai fand das Design-Festa in Odaiba statt, dieses Wochenende ist es in Big Sight, eines der grössten Ausstellungsgelände der Stadt (Rinkaisen: Bahnhof 国際展示場 Kokusai Tenjijō und Yurikamome-sen, Bahnhof 有明 Ariake). Das sind riesige Hallen, in denen sich alle möglichen Künstler einfinden – Kleidungs- und Schmuckdesigner, Kalligraphen, Kleinkünstler usw. usf. Grosser Vorteil: So die Künstler etwas herstellen, kann man es dort meistens auch kaufen. Und da ist für jeden Geschmack etwas dabei. Ansonsten ist die Atmosphäre natürlich fantastisch, da wirklich jeder mitmachen kann.

Oben eine Auswahl an “Dumme-Sprüche-T-shirts”, die es auch hier vereinzelt gibt. Praktisch: Das T-Shirt in der linken Mitte, dass da sagt “私はアメリカ人ではありません” – Ich bin kein Amerikaner. Kann in Japan mitunter praktisch sein, und wer das anzieht, kommt bestimmt schnell mit den Einheimischen ins Gespräch.

Ach ja, auch Kulinarisch gibt es ein paar kunstvolle Sachen. Und zu guter letzt dürfen bei Kunst auch die Musiker nicht fehlen – aussen wie innen gibt es jeweils eine Bühne, in der viele Bands ca. 30 Minuten Zeit haben, sich darzustellen.
Darunter war heute eine Band namens 白病 Shiroyamai (zu deutsch: Weisse Krankheit), eine interessante Metal-Band aus Japan in bester Zombie-Manier. Webseite gibt es hier. Aufgrund des Regens schauten sich nur sehr wenige das ganze von Nahem an, aber die Band gab trotzdem alles – und war allen Anschein nach gut angetrunken. Unten ein Video des Auftritts, das ich heute aufgenommen habe:

Das Design-Festa wird übrigens auch im Ausland immer bekannter – mittlerweilen reisen Künstler auch aus anderen Ländern Asiens, aus Amerika, Australien und Europa an. Die Hauptwebseite (mehrsprachig, sogar mit deutsch) findet man hier.

Wer also morgen in Tokyo weilt und eh nichts besseres vorhat (es soll ja regnen), sollte mal vorbeischauen – es lohnt sich.

Das Wort des Tages: 芸術 geijutsu. Die Kunst.

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Hoffnungslos tatamisiert?

September 17th, 2009 | Tagged , , | 27 Kommentare | 839 mal gelesen

Ich lese momentan ein Buch namens “How to Japan?A Tokyo Correspondent’s Take”, geschrieben von einem gewissen Colin Joyce, Engländer, welcher jahrzehntelang als Reporter in Tokyo lebte und irgendwann auf die Idee kam, ein Buch über Japan auf Japanisch zu schreiben (「ニッポン社会」入門?英国人記者の抱腹レポート). Das verkaufte sich nicht allzu schlecht, aber es gab lange Zeit keine englische Version (was recht erstaunlich ist). Nun ist er weg aus Japan, und hat scheinbar die Zeit gefunden, das eigene Werk in die eigene Muttersprache zu übersetzen.

Das japanische Original kannte ich jedenfalls nicht, als letzte Woche bei uns zwecks Rezension das englische Buch auf meinem Schreibtisch landete (das passiert oft – wenn ich viel Zeit habe, schreibe ich sogar etwas :-) Nun, für Ausländer, die in Japan leben, steht nicht viel bis gar nichts Neues drin, aber das ist ja auch nicht die Zielgruppe. Andererseits macht es schon Spass, das Buch zu lesen, da man sich darin garantiert wiederfindet. In der Bahn stiess ich beim Lesen auf seine Aussage, dass er sich sicher sei, nicht der einzige Ausländer zu sein, der es nicht über’s Herzen bringen kann, so zu baden, wie es in seinem Land üblich ist – nämlich im “Seifenschleim” zu sitzen (“…unable to go back to the way we used to bathe, sitting there in the soap slime”.) Kurz in mich hineingefragt – könnte ich das? Nein. Beim Gedanken hat es mich kurz geschüttelt.

Leichte Panik erfasste mich daraufhin: Bin ich tatamisiert? Bin ich etwa schon halb Japaner? Klare Antwort: Jain. Man gewöhnt sich hier in der Tat Sachen an, die man sich nicht mehr abgewöhnen kann oder möchte. Dazu gehört die Tatsache, dass man, so man badet, frisch geduscht oder sonstwie gesäubert im klaren Wasser sitzt. Dass man im Restaurant oder in Kneipen platziert wird. Dass man beim Trinken immer auch etwas zu Essen vor sich hat – und ich meine keine Kartoffelchips. Dass man sich immer und überall respektvoll verbeugt (meistens nur angedeutet, versteht sich). Dass man seine Stimme nicht erhebt. Dass man Entschuldigungen etwas blumiger ausdrückt – nach dem Motto “es tut mir wirklich leid, aber”. Dass man das gleiche von allen anderen erwartet – und baff ist, wenn man nur ein “Ham’wer nich” um die Ohren gehauen bekommt.
Dass man manchmal nach dem entsprechenden Wort in der eigenen Sprache sucht, es nicht findet, und dann eben auf Japanisch vor sich hinmurmelt oder es zumindest denkt (zum Beispiel das “itterasshai” wenn jemand irgendwohin geht). Dass man beim Anblick von Fischen und Tieren ganz spontan an Essen denkt. Dass man garantiert die Schuhe auszieht, wenn man seine Wohnung betritt.

Usw. usf. Die Liste würde endlos sein – und da gibt es ja auch noch hunderte “Du weisst, Du bist zu lange in Japan, wenn…”-Witze (Beispiel: …Du auf dem Bahnsteig mit Deinem Regenschirm den Abschlag beim Golf übst).
Das Buch kann ich jedenfalls nur empfehlen – es ist ziemlich amüsant. Vor allem die Passagen über “wie man Besucher aus dem eigenen Land in Japan verwirren kann (Beispiel: Sag ihm, dass “Hashi” sowohl Brücke als auch Stäbchen bedeuten kann – abhängig von der Intonation. Sage dann zwei Mal “Hashi” genau auf die gleiche Art und Weise und schärfe ihm ein, ja den Unterschied zu lernen).

Das Wort des Tages: – tatami. Die japanischen Reisstrohmatten. Hier und da liest man das Wort “tatamisiert” (weiss nicht, wer es erfunden hat) als Begriff für Ausländer, die lange in Japan leben und sich vieles hier angewöhnt haben.

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Letzte Chance: Gundam in Tokyo

September 3rd, 2009 | Tagged | 14 Kommentare | 773 mal gelesen

Es gibt keinen japanischen Mann über 30, der ihn nicht kennt: Gundam, Held einer Anime-Serie, die erstmals 1979 von TV Nagoya ausgestrahlt wurde. Gundam ist ein Riesen-Kampfroboter, der in einem interstellaren Krieg der Gute ist – und von einem 14-jährigen gesteuert wird.

Wie auch immer – Sunrise, die Firma, die Gundam kreierte, sowie Bandai Namco, einer der grössten Spielzeughersteller Japans, welcher auch Gundam-Produkte vermarktet, hatten anlässlich des 30. Geburtstages von Gundam beschlossen, einen 18 Meter grossen Kampfroboter in Odaiba aufzustellen. Das ganze soll der “Green Tokyo Initiative” dienen. Und war ein Riesenpublikumsmagnet – Photos von Gundam tauchten dabei auch ganz rasch auf vielen Blogs aus Japan auf. Dem will ich nicht nachstehen – wer gerade in Japan weilt, sollte sich den Anblick nicht entgehen lassen: Gundam wird nach dem kommenden Wochenende “disassembled”.

Wie beliebt Gundam in Japan ist, erkennt man übrigens an der Tatsache, dass die Seite über Gundam in der japanischen Wikipedia länger ist als die über Deutschland. Erstere hat übrigens kein einziges Photo, letztere ist mit solchen gespickt. A propos Photos:


Gundam in Odaiba/Tokyo
Gundam in Odaiba/Tokyo

Die Veranstalter versteigerten übrigens die Chance, sich auf der Schulter des Kolosses fotographieren zu lassen. Der Gewinner zahlte 2.3 Millionen, also fast ein halbes durchschnittliches Jahresgehalt. Bald noch interessanter als Gundam selbst sind freilich die Besucher: Man sollte meinen, dass die Kinder ihre Eltern dorthin zerren, doch in Wirklichkeit ist es andersrum.

Das Wort des Tages: 戦士 – senshi – “Krieg” – “Herr”. Der Krieger. Gundams vollständiger Name lautet 機動戦士ガンダム (kidō senshi gandamu) – Roboterkrieger Gundam.

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