Von Prostituierten und Spinnen

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    Beziehungsweise von Prostituiertenspinnen. Arachnophobiker sollten jetzt lieber den Browser schliessen. Kurzes Vorwort: Jemand sagte mal zu mir „Du interessierst Dich wohl auch für jeden Mist“. Da konnte ich nur zustimmend nicken.
    Schon seit langem sind mir bei Herbstspaziergängen in Japan Spinnen aufgefallen, die ich so in Europa noch nie gesehen habe: Sie sind gross, die Beine sind schwarz-gelb und der Körper ist, nun ja, recht bunt. Das ganze Tier scheint einem damit eines anzudeuten: „F-a-s-s m-i-c-h n-i-c-ht a-n!!!“. Mich dünkt, dasss ich die gleiche Spinne auch schon mal in Laos gesehen habe: Meine damalige Freundin hatte panische Angst vor nahezu allen Insekten. Als ich ein Photo von ihr in Laos vor einem riesengrossen Blatt machte, bemerkte ich hinter ihr eine Riesenspinne – auch schwarz-gelb. Da die Spinne ausser Beissweite war, war ich Gentleman genug, sie nicht darauf hinzuweisen, sondern nach erfolgtem Foto elegant weiterzulotsen. Manchmal kann ich richtig nett sein.

    Besagte Spinne bemerkte ich heute wieder in einem Park: Das Netz hatte einen Durchmesser von mindestens einem Meter, und war mit einem Ast in geschätzten 4 Metern Höhe verankert. Und – in dem Netz war ordentlich was los: Es war eine ganze WG, mit mindestens drei der possierlichen Achtbeiner, zahlreichen wesentlich kleineren Spinnen (das waren die Männchen, las ich später) und einem betrachtlichen Vorrat an Frischfutter. Die folgende Stunde war ich schwer damit beschäftigt, dass mein begeistert eichelnsammelndes Kind nicht in das Netz fällt – die hätte wahrscheinlich den Schreck ihres Lebens bekommen und den Spinnen traute ich auch einiges zu.

    Jedenfalls weiss ich ab heute wenigstens, wie die Gesellen heissen: ジョロウグモ (Jorōgumo) – jorō ist ein altes Wort für Prostituierte, -gumo (kumo) bedeutet Spinne. Man braucht nicht viel Phantasie, um sich den Hersprung des Namens zu denken. Laut japanischer Quelle haben diese Spinnen zwar ein Gift, welches die Motorik lähmt, aber das ist wohl so gering, dass es bei Menschen „selten wirkt“. Wetten können noch abgeschlossen werden. Diese Spinnen kommen jedenfalls in ganz Südostasien vor – bis nach Japan (auser Hokkaido, da ist es zu kalt). Wer im Herbst in Japan weilt, halte mal Ausschau – es gibt sie wirklich überall.

    So, und als nächstes finde ich heraus, wie die possierlichen kleinen, schwarzen Spinnen mit dem kleinen weissen Streifen (kein Kreuz!) heissen, die da gelegentlich in unserer Wohnung herumhüpfen. Ja, hüpfen! Ich habe noch nie ein Netz entdeckt, aber gelegentlich die Tiere selbst. Und sie springen, aber nicht weit.

    Das Wort des Tages: クモ (蜘蛛) – kumo – Spinne.

    15 COMMENTS

    1. Danke für den Ausflug in die Arachnologie. Doch sehr interessante Beobachtungen. Eine faszinierende Erscheinung die Spinne auf dem Bild, wie bemahlt sieht sie aus. Freue mich auf deine künftigen Beobachtungen, vor allem bei den Menschen dort in Japan und natürlich beim japanischen Essen. Bis demnächst.

    2. Ja, so Spinnen mit schwarz-gelben Beinen sind mir schon das eine oder andere Mal über den Weg gelaufen.

      Ich meine mal irgendwo gelesen (oder im Fernsehen gesehen?) zu haben, dass man in der Gegend um Osaka sogar schon Redbacks gefunden hat, die wohl aus Australien „eingewandert“ sind. Also falls Dir mal eine schwarze Spinne mit rotem Fleck auf dem Rücken über den Weg läuft, lass Dein Kind lieber woanders spielen…

    3. Okay…Spinnen, nun japanische Spinnen immerhin.
      Ich behaupte ja von mir das mich alles interessiert was irgenwie mit Japan zu tun hat. Spinnen also…naja die muss es ja auch in Japan geben. Und ich überlege gerade ob das mitführen von Insektenspray im Reisekoffer wohl Probleme mit sich bringen könnte. Wie heisst das japanische Wort für Insektenspray gleich nochmal ?

    4. Was mir hier noch keiner beantworten konnte, es gitb so viele und stellenweise riesige Spinnen hier die alle recht bunt (Fass-mich-nicht-an wie du sagst) sind. Aber keiner konnte mir bislang sagen ob es welche gibt die für Menschen irgendwie gefährlich sind.

      Es gibt eine Schlange die ist giftig und der Biss mehr als nur extrem unangenehm. Die hausen zu hundertern in dem kleinen SPring8 Biotop in der Mitte des Ringes und jedes Jahr gab es Warnungen dorthin nicht alleine zu gehen.

      Zum Thema Spinnen habe ich das hier zu bieten.
      Eines Morgens war ein Busch nahe des Büros damit übersät:
      http://www.michael-hess.net/japan-album/2005.06.24/slides/2005-06-24_09-19-04_050624_0919~0001.html

      Die war so flott ich habe sie nie scharf erwischt:
      http://www.michael-hess.net/japan-album/2005.09.22%20-%20Tottori/slides/2005-09-22_14-51-45_DSC01008.html

      in dunkler Nacht mit „Blitz“ per Keitai
      http://www.michael-hess.net/japan-album/2006.07.25/slides/2006-07-25_22-45-32_PA0_0053.html

      ne andere mit schönem Netz man achte auf die weißen Zickzacklinien
      http://www.michael-hess.net/japan-album/2006.08.01/slides/2006-08-01_10-50-03_PA0_0046.html

      Arachnophobie?
      http://www.michael-hess.net/japan-album/2006.10.03/slides/2006-10-03_07-57-28_CA250150.html

      ok keine Spinne
      http://www.michael-hess.net/japan-album/2005.11.01/slides/2005-11-01_15-14-34_PA0_0011.html

      http://www.michael-hess.net/japan-album/2006.10.27/slides/2006-10-27_14-27-11_PA0_0125.html

    5. Ich hatte in meiner deutschen Studentenbude eine Tegenaria Giganthea (nun Tegenaria duellica warum, frag mich net)
      die schnellste europäische Spinne, und ich nannte sie Boris.
      Ein Kollege sass mal mit mir vor dem Fernseher in meiner Bude als etwas über den Boden huschte… Kollege „Du deine Staubflocken können rennen!“
      ich „Oh das war Boris. Darf ich vorstellen Boris, Boris , das ist Robert!“ mein Kollege „Hi Boris!“ :)
      Ich hatte nie ärger mit anderen Insekten in meiner Bude, keine Mücken nix!
      Außerdem hält die Giganthea die Agrestis aus dem Haus fern, welche mit ihrem Biss schon einem Menschen weh tun kann (siehe Hobo-Spider).

      Komisch als ich auszog konnte ich Boris nirgends finden ob er wohl ahnte das es Zeit ist die Jagdgründe zu wechseln?

    6. Ich hab die Viecher auch schon bemerkt, und das nicht zu knapp!
      Die Netze sind auch kaum zu übersehen, mit teilweise bis zu 3 Metern Spannweite.
      Zudem scheinen die Viecher echte Schnellbaumeister zu sein. Ich hab schon einige Netze gesehen, die sich zwischen 2 oder mehr Fahrrädern gespannt haben, die sicher noch keine paar Stunden irgendwo herumstanden.

    7. @Tamon
      Gut erkannt! Leider gibt es 5’026 Arten in 520 Gattungen (laut Wiki). Das hilft als Tipp also nicht unbedingt weiter.

      @Marcus
      Redbacks in Japan? Das wären keine guten Nachrichten. Ich hoffe, Du hast Unrecht. Es gibt wohl eine Unterart (?) der schwarzen Witwen in Japan und China, aber darüber habe ich hier noch nichts gehört oder gesehen.

      @Heydal
      虫除けスプレー (Mushiyoke Supuree). Aber lass lieber die Finger davon.

      @Michael
      Ich habe mal nach 日本にいる有毒なクモ (mit verschiedenen Variationen) gesucht. Es scheint keine echten Giftspinnen zu geben. Besagte „Prostituiertenspinne“ klingt bereits am gefährlichsten.
      Interessant sind die anderen, hier verbreiteten Spinnen, darunter die Ashidakakumo („Cane Spider“) – mit Beinen ist die immerhin so gross wie eine CD und hält sich gern in Häusern auf. Sieht auch recht furchteinflössend aus, nimmt aber sofort Reissaus, ist absolut ungiftig und – hier kommt das beste – frisst gerne Kakerlaken. Wird deshalb wohl auch eher selten getötet – man ist froh, wenn man eine im Haus hat:

      http://ja.wikipedia.org/wiki/%E3%82%A2%E3%82%B7%E3%83%80%E3%82%AB%E3%82%B0%E3%83%A2

      Achtung, nichts für Arachnophobiker:

      http://homepage2.nifty.com/hyousube/kumop.html

      Draussen sieht man die Koganegumo (Wespenspinne) auch gelegentlich, aber die gibt es wohl auch in Deutschland:

      http://ja.wikipedia.org/wiki/%E3%82%B3%E3%82%AC%E3%83%8D%E3%82%B0%E3%83%A2

      http://de.wikipedia.org/wiki/Wespenspinne

      aber auch die ist für Menschen ungefährlich.

      @Jürgen
      Fast! Körperbau haut ungefähr hin. Die hier sind aber pechschwarz und haben nur einen, klitzekleinen weissen Streifen. Das ganze Tier ist gerademal um die 5 mm lang.

    8. Die weißen Streifen deuten darauf hin, das es Zebraspingspinnen sind. Andere kenne ich aber auch gar nicht. Die können im übrigen ausgezeichnet sehen. Wenn man den zu nahe kommt, dann drehen sie den Kopf in die Richtung von einem.

    9. Auch ich habe im Herbst unzählige dieser riesigen Webespinnen entdeckt.
      In Kamakura haben sie mir immer wieder den Weg durch den Wald versperrt.
      & natürlich habe ich auch sogut wie nichts darüber gefunden.

      Darum danke für all die Kommentare, jetzt bin ich ein wenig besser informiert. :)

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