Serverprobleme / Wahlkampf auf Hochtouren

August 28th, 2009 | Tagged , , | 12 Kommentare | 761 mal gelesen

Einige Stammleser haben es bemerkt und mich freundlicherweise darauf hingewiesen: Diese Seiten waren in den letzten Tagen teilweise nicht erreichbar. Ich suche noch nach der Ursache, habe aber in Verdacht, dass mich irgendein Hacker aufs Korn genommen hat und damit den Server überlastet – ein kräftiger Memory-Swap, und schon gibt er auf… Erst hatte ich meinen Host in Verdacht, denn zu einem Zeitpunkt konnte ich selbst die Hauptseite des Hosts nicht erreichen. Der Kundenservice will jedoch von nichts wissen. Hmmm. Ich hoffe, meine Leser verzeihen mir den Ärger.

Nur noch drei Tage sind es bis zur Wahl. Und der Wahlkampf läuft auf Hochtouren. Heute war meine Frau mit Kind in einem nahe gelegenen, sehr kleinen Park – zwecks Bespaßung der Kleinen. Plötzlich näherte sich eine fein angezogenen Frau, mit zwei stämmigen, normal gekleideten Männern zu Ihrer Seite. Einer der Männer brummte zu meiner Frau „これは○○さん。選挙、よろしくお願いします。後、公明党もよろしくお願いします“ (Das da ist Frau soundso. Bitte unterstützen Sie uns bei der Wahl. Ach ja, unterstützen sie auch die Komeito(-Partei)). Die Frau lächelte gequält, händigte einen Zettel aus und verzog sich mit ihren Lakaien wieder. Wer war das? Die Ehefrau des örtlichen Liberalen-Kandidaten (also der Regierungspartei – die Komeito ist deren Koalitionspartner).

Nein, liebe Liberale! So gewinnt man ganz bestimmt keine Wähler. Unsere Seele kriegt Ihr nicht. O-Ton meiner Frau: „So was lustloses habe ich schon lange nicht mehr gesehen.“ Japanisch-Kundige werden sich wundern: „これは“ (kore wa) ist ziemlich rüde und wird eigentlich nur bei Gegenständen benutzt und nicht für Menschen. Kein Fehler – das wurde wirklich so gesagt.

Als ich meinerseits neulich mit meiner Tochter im Park spielte, kam ein Wahlkampfwagen vorbei, aus dem heraus eine andere Frau winkte und dauergrinste. Freundlich wie meine 2-jährige ist, winkte sie zurück. Plötzlich änderte die Frau im Wagen ihre Rede und gab über Lautsprecher für die ganze Nachbarschaft kund: „Ach, ist die süss! Und ja, genau, wir müssen mehr für die Kinder und die Erziehung tun“. Stimmt, da war doch noch was…

Momentan machen mir die Demokraten, Hauptherausforderer und Umfragengewinner seit Monaten, mit ihrem Wahlspot Angst. Slogan: „まず政権交代“ (Erstmal den Machtwechsel!). Klingt wie eine Drohung. „Lasst uns erstmal an die Macht – über Kleinigkeiten wie Inhalte reden wir dann später“ könnte man da versucht sein zu denken.
A propos Demokraten: Die werben ja grossartig damit, dass das Kindergeld stark angehoben werden soll. Das ist nett, aber langsam spricht sich das Kleingedruckte herum: So sollen zum Beispiel diverse Steuervergünstigungen für zu Hause erziehende Elternteile wegfallen. Ich schätze mal, am Ende der Rechnung steht eine schwarze? rote? Null.

Das Wort des Tages: やる気がない yaru ki ga nai – lustlos (sein).

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12 Responses to “Serverprobleme / Wahlkampf auf Hochtouren”

  • Stefan sagt:

    Man hat das Gefühl, als wäre bei euch jede Partei irgendwie von Problemen durchtränkt. Ist das wirklich so?

    Oder kommt das nur so rüber, weil man natürlich eher die Probleme hervorhebt (wir ja auch in Deutschland), ich aber in Japan überhaupt nichts über die tatsächliche Situation weiß?

  • Anonymous sagt:

    Was um alles in der Welt ist ein kräftiger Memory-Swap? Ich kenne Deinen Provider nicht, aber ich an seiner Stell würde wohl auch auf Unschuldig Plädieren.

    Zum Thema Politik hat ich mich bedeckt, sorry & Gruß vom AKE Team :-)

  • Anonymous sagt:

    Wir verzeihen dir! ;)
    Ich hatte im Scherz zu BigAl und Blüschi schon die Befürchtung geäußert das einer dich nicht mag und deswegen ein DOS-Attacke gestartet hätte.

    Wie sage ich immer so gerne
    „Ich möchte den Verantwortlichen sehen! Sein Kopf genügt mir!“

  • Anonymous sagt:

    zu der Wahlgeschichte…
    Ich dachte erst das währen Wahlhelfer aus dem nahen Yakuza Viertel ;-)
    Musten die der Dame den Arm auf den Rücken drehen damit die mitmacht?

    Bei der beschriebenen Auswahl.. wundert einen das voraussichtliche Wahlergebnis oder die Beteiligung?

    Aber immerhin sind sie ehrlich und direkt im zeigen wie wenig Interesse sie am Wahlvolk haben. In Deutschland versuchen die Parteien da ja noch einen Schleier drüber zu halten.

  • Sarganto sagt:

    Hier nen Artikel von Spiegel.de zur Wahl in Japan, weils gerade so passt
    http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,645518,00.html

  • Juergen sagt:

    Mich wundert, dass ein Japaner kein perfektes Lächeln drauf hat. Dachte die sind Weltmeister in Sachen Gefühle zu verbergen? Aber vielleicht sind die Japaner dadurch auch sensibler ein falsches Lächeln zu erkennen.

  • Hamu-Sumo sagt:

    Ich schmeiße hier auch mal einen Link rein. Da berichtet Tagesschau.de über die bevorstehende Wahl in Japan: http://www.tagesschau.de/ausland/japan222.html

  • Anonymous sagt:

    Ja, böse Menschen gibt es überall und ganz viele im Netz.

    Aber vielleicht ist ja tatsächlich nur etas kaputt gegangen, was die Unerreichbarkeit deiner Seiten zur Folge hatte.

    Manchmal hat man auch hier den Eindruck, dass viele Protagonisten nicht wirklich Lust zum „Kampf“ verspüren. Allerdings dreht sich hier dieses Jahr offensichtlich alles um irgendwelche privaten Verschwendungen von steuergeldern durch Politiker. Frau Schmidt soll da so 10000, Frau Merkel vielleicht 2000 und Herr von, ähm zu Gutenberg ein paar 1000 Euronen mehr für irgendwas, was nicht nötig war ausgegeben haben. Die Randgruppen sind wie immer populistisch und von den Splittergruppen hört man eigentlich gar nichts.

    Prima. Da weiß man was man hat.

    Wieviel waren es bei der HRE? Redet da noch jemand drüber? Interessiert sich von den Regierenden und Möchtegernregierenden noch jemand für das Systemproblem?

    Ich möchte an dieser Stelle den slowenischen Philosophen Slavoj Žižek empfehlen. Hier ein Link

    http://www.3sat.de/dynamic/sitegen/bin/sitegen.php?scsrc=2&date=2009-08-19&division=kulturzeit&cx=93

    Wenn man den Wahlkampf sich hier anschaut, geht es um die Verschleierung der bisherigen Fehler und nicht was man aus selbigen lernt und wie man das System verändern sollte. Wie früher. Immer schön weiter so. Heute stehen wir am Abgrund. Morgen sind wir einen Schritt weiter.

    Die Ehrlichkeit der japanischen Politiker hat da zumindest etwas glaubwürdiges. „Uns seid ihr doch egal, wenn ihr uns eure Stimme gegeben habt.“

    Na dann: Fröhliches wählen!

  • Marcus sagt:

    Sieht so aus als wären die Serverprobleme noch nicht aus der Welt…

    Vielleicht eine Partei oder politische Gruppierung, die sich vernachlässigt fühlt?

  • Anonymous sagt:

    @Stefan
    Alles hier Wiedergegebene ist natürlich zum Teil sehr subjektiv. Ich kann Dir aber versichern, dass sehr viele Japaner ziemlich verwirrt sind, wenn es darum geht, wen sie morgen wählen sollen.

    @Blueschi
    Wenn der RAM überlastet ist, beginnt das System, Teile der Festplatte als RAM-Erweiterung zu benutzen – es macht einen Memory-Swap. Klingt vielleicht praktisch, legt aber letztendlich den Server oftmals lahm. Das System hängt sich quasi auf.

    @Michael
    Eine Attacke ist nicht ausgeschlossen, schliesslich kann man ja auf fast allen Seiten einen Kommentar hinterlassen. Vielleicht habe ich aber auch nur plötzlich weniger RAM zur Verfügung – ist ja nur ein VPS.

    @Juergen
    Ich würde das schon beinahe als Vorurteil bezeichnen. Fahr mal morgens mit der vollen Bahn zur Arbeit – da lächelt niemand :-)

    @Terry
    Leider kann ich ja nicht wählen. Aber genau, gerade dieses „Gebt uns erstmal Eure Stimmen, und dann wird das schon“ ist leicht beängstigend.

    @Marcus
    Ja, leider noch nicht vollends gelöst. Eine Gegenmassnahme habe ich getroffen, und seitdem stürzt er seltener ab, aber es passiert leider immer noch.

  • Anonymous sagt:

    ein kräftiger Memory-Swap, und schon gibt er auf…

    Du hast so zu sagen deinen Server selber zum kochen gebracht das der oder auch die Hacker aufgeben? Versteh ich das jetzt richtig!?

  • Anonymous sagt:

    @Blueschi
    War etwas zweideutig, ich weiss. Mit „er“ war der Server gemeint, nicht der Hacker :-)