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Es ist mal wieder einer solcher Tage, an denen alles zusammenkommt. Nachrichten am Morgen durchgeschaut – und da fällt mir die folgende Nachricht ins Auge: Chance für ein schweres Hauptstadtbeben innerhalb der nächsten 4 Jahre steht bei 70 Prozent. Vor dem schweren Beben im letzten Jahr hiess es diesbezüglich: 70% innerhalb der nächsten 30 Jahre. Von diesen Berechnungen mag man halten, was man will, aber die Tatsache, dass die Plattengrenzen und Verwerfungen seit dem Beben am 11. März 2011 an Stabilität eingebüsst haben, ist nicht von der Hand zu weisen. In den vergangenen 10 Monaten gab es im Schnitt 1.5 Erdbeben der Stärke 3 bis 6 in der Hauptstadtregion – das sind 5 mal mehr als vor dem schweren Beben. Das allseits befürchtete 首都直下地震 shuto chokka jishin – Erdbeben direkt unter der Hauptstadt wird schon lange erwartet, denn auch in der Hauptstadt gibt es zahlreiche Verwerfungen – so zum Beispiel im Nordwesten von Chiba sowie bei Hachiōji. Bei einem Erdbeben rechnet man mit einer Stärke von 6.7 bis 7.2 und einer Opferzahl von ca. 11’000 Menschen – zum Teil verursacht durch Großbrände, die man mit Sicherheit erwarten kann in einem solchen Ballungsgebiet.
Nun gut. Abends kurz vor 9 – ich war gerade in einem Meeting – gab es auch gleich noch mal einen Denkzettel – das Büro fing etwas länger an, zu wackeln. Aber dieses Beben war nicht in Tokyo, sondern in Fukushima, und es war auch “nur” eine 5.1. Dafür ging es draussen jedoch allmählich zur Sache: Heftiger Schneefall, zum Teil begleitet von Blitz und Donner, setzte ein. Nein, langweilig wird es hier wirklich nicht.

Wird am 12. Februar 2012 eröffnet und ist hoffentlich erdbebensicher: Die 2'933 m lange Tokyo Gate Bridge

Taifun Roke: Erwartete Route
Der Taifun, der just im Anmarsch ist, verdient es allemal, hier erwähnt zu werden: Taifun Nr. 15 (will heissen, der 15. in dieser Taifunsaison im Ostpazifik), von der Internationalen Taifunbehörde “Roke” (gesprochen: Rookie) genannt, ist bereits jetzt dabei, schwere Verwüstungen anzurichten – und dabei hat er noch nicht mal Land betreten. Momentan zieht der Taifun östlich der Pazifikküste entlang und wird morgen, am 21. September, womöglich direkt über den Großraum Tokyo ziehen. Heute hat er bereits vor allem auf Shikoku und bei Nagoya seine Spuren hinterlassen: Allein in Nagoya gingen an 890,000 Einwohner Evakuierungswarnungen heraus, da aufgrund des schweren Regenfalls der 庄内川 (Shōnai-gawa, -gawa = Fluss) über das Ufer getreten ist.
Das Besondere an diesem Taifun ist die Tatsache, dass er seit seinem längeren Aufenthalt bei Okinawa nochmal an Kraft zugelegt hat. Momentan beträgt die Windstärke nahe des Zentrums rund 160 km/h, mit Spitzen von bis zu 200 km/h. Mittlerweilen wurde der Taifun deshalb zur höchsten Kategorie heraufgestuft. Im Großraum Tokyo rechnet man mit bis zu 400 mm Regen innerhalb der kommenden 24 Stunden (Berlin: 571 mm pro Jahr).
Wer noch nicht in den zweifelhaften Genuß eines Taifuns bzw. Zyklons bzw. Hurrikans kam: Das Ausmaß der Schäden hängt stark von der Topographie des betroffenen Gebietes ab. Im Falle Japans ist es meist weniger der Wind, der Schaden anrichtet, sondern die enormen Wassermengen: Da sich der Großteil über oder vor dem Gebirge im Landesinneren ergiesst, ist quasi jedes Gebiet in Flußnähe in Gefahr, erst recht, wenn es sich um ehemalige Auen handelt. Leider sind Taifunrouten nachwievor relativ schwer voraussagbar. Mit etwas Glück verschont dieser Taifun Tokyo, aber es sieht momentan nicht gut aus.

Taifun Nr. 15: Unwetterwarnung am 21. Sep 2011
Was tun, wenn man gerade in Tokyo ist? Nicht viel. Es sollte einfach jeder prinzipiell davon ausgehen, dass der Nahverkehr morgen abend zum erliegen kommt. Desweiteren empfiehlt es sich, das Auto stehenzulassen und tiefe, flussnahe Bereiche zu vermeiden.
Dieses Jahr ist übrigens wirklich beachtlich in Sachen Taifune: In den 1970ern gab es 4 schwere Taifune in Japan, in den 1980ern keinen nennenswerten Taifun, in den 1990ern und 2000ern jeweils wieder 4 – doch “Roke” hat das Zeug dazu, der zweite schwere Taifun in diesem jungen Jahrzehnt zu werden: Nr. 12 in diesem Jahr, “Talas”, war etwas weniger stark, richtete aber im August/Septemver schwere Schäden vor allem in der Präfektur Wakayama an: 67 Menschen kamen ums Leben, 26 werden noch vermisst.
Tausend mal verlinkt, aber zur Sicherheit nochmal: Den aktuellen Taifunstatus auf Englisch gibt es hier.
Am Sonntag morgen ging es nach Kyōto – mit dem ersten Shinkansen des Tages, morgens um 6:00 Uhr. Nein, nicht zur Verlustierung, sondern zur Arbeit: In Kyōto stand der erste “Extensive Reading World Congress” an (ja, sowas gibt es auch), mit zahlreichen illustren Figuren aus der “Szene”. Und was kann ein Sonntag schon bringen, der morgens um 4:30 mit dem Aufstehen beginnt? Ein paar Minuten vor Abfahrt stieg ich in den Shinkansen ein. Wie immer gab es eine lange Lautsprecheransage auf Japanisch und Englisch, damit die Zugreisenden gewarnt seien, wo der Zug überall halten wird und wo die armen Raucher eigentlich noch rauchen dürfen usw. usf. 5:55 begann der Zug bedächtig vor sich hin zu wackeln. Ohne loszufahren. Es fuhr auch nichts vorbei. Die Lautsprecheransage endete abrupt, und die Passagiere und Leute auf dem Bahnsteig schauten sich etwas verdutzt an. Alle hatten den gleichen Gedanken, da bin ich mir sicher: “Ist das ein Erdbeben oder bilde ich mir das nur ein?” Nein, es war eindeutig ein Erdbeben, Stärke 4.7 und unmittelbar bei Tokyo. Egal, jetzt bloss nicht verwirren lassen.
Eine Stunde nach Abfahrt, hinter Shin-Fuji, wurde das Wetter interessant: Wir fuhren in die Ausläufer von Taifun Nr. 12 hinein. Der Shinkansen bremste ab, und man sah stellenweise draussen rein gar nichts mehr. Trotzdem ging es bald mit 320 km/h weiter. Und es gab ellenlange Entschuldigungen vor Kyoto – aufgrund der widrigen Witterungsverhältnisse hätte man leider 2 Minuten Verspätung – “お忙しいところ申し訳ございませんでした” – “Gerade wo Sie es doch so eilig haben, fällt uns keine passende Entschuldigung ein”: Nein, das ist keine blühende Phantasie, sondern schlichte, sehr gebräuchliche Höflichkeitssprache in der Demutsform.
Kyōto? Da war doch was. Ach ja, Tempel, Kultur, viel zu sehen. Bei Taifun – Regen. Bei einer Konferenz: Regen, von innen betrachtet, in einer wunderschönen Universität weitab vom Geschehen.
Nein, keine Pointe in dieser Geschichte. Taifun Nr. 12 war übrigens etwas aussergewöhnlich: Bis vor einer Woche sah es so aus, als ob er direkt auf Tokyo treffen sollte. Dank eines Hochs östlich von Japan wurde er jedoch plötzlich nach Westen gedrückt. “Dank” ist hier aus der Perspektive der Hauptstädter zu sehen. Zwar wurde der Taifun zunehmend schwächer, aber er war allein von der Grösse her zu einem Monster herangewachsen. Wie so oft war nicht der Wind verheerend, sondern die Regenmengen, die vor allem auf dem Land in den Bergen regelmässig ganze Weiler durch Schlammlawinen verschütten. Ergebnis soweit: 37 Tote, 55 Vermisste. Die Opferzahlen steigen stündlich.
Ach ja: Das mit den Taifunbezeichnungen ist so eine Sache. Die von Taifunen betroffenen Pazifikanrainer haben sich auf eine Liste von insgesamt 140 Namen geeinigt: Jedes Land durfte dabei eigene Namen einbringen, selbst Hongkong und Makao. Erreicht ein Taifun eine gewisse Grösse, wird ein Name aus der Liste gewählt. Ist die Liste erschöpft, wird wieder von vorn begonnen. Taifune können Japan übrigens jederzeit heimsuchen – selbst im Winter. Taifunsaison ist allerdings die Zeit zwischen Juni und Oktober, mit der Spitzenzeit im Frühherbst.
September 2nd, 2010 | Tagged Klima | 14 Kommentare | 740 mal gelesen
Jetzt ist es laut JMA (気象庁 – Japanese Meteorological Agency) also amtlich: Dies ist der heisseste Sommer seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1898 – die Temperaturen lagen zwischen Juni und August im Landesschnitt 1.61 Grad über dem Durchschnitt. Einen grossen Anteil daran hatte der Monat August – vielerorts, so auch in Tokyo, lag die Temperatur knapp 3 Grad über normal, und 3 Grad sind eine ganze Menge: Seit Wochen regnet es nicht, die Tagestemperaturen liegen permanent bei 35 und die Nachttemperaturen bei 27 Grad. Gemessen in 1 m Höhe über einer bewachsenen Freifläche, versteht sich. Mit anderen Worten: Es ist unerbärmlich heiss, und noch immer ist kein Ende in Sicht.
Na mein Kleiner, hast du dich verlaufen?
In den Medien tauchen im Zusammenhang mit dem Sommer auch immer neue, weniger appetitliche Nachrichten auf: So befinden sich wohl sonst eher weiter südlich angesiedelte Kakerlakenarten auf den Vormarsch gen Norden – darunter die bis 5 cm langen Wamon-Kakerlaken (jene sind recht angriffslustig und fliegen auch nicht selten) sowie die bis 4 cm langen Satsuma-Kakerlaken. Schon gewusst, dass einige von denen bis zu 1.5 m pro Sekunde zurücklegen können? 5 cm – das berechtigt beinahe eine Ausweistragepflicht!
Die Hitze scheint den Tieren wirklich gut zu bekommen. In unserer alten Wohnung hatten wir seit Einzug 5 Jahre lang Ruhe vor den Viechern – keine einzige haben wir zu Gesicht bekommen – aber Anfang August tauchten gelegentlich welche auf (und zwar zwei Tage, nachdem die Mieter über uns ausgezogen waren…Zufall!?). In der neuen Wohnung haben wir noch keine gesehen, wohl aber im untersten Stock neben der Treppe. Umziehen hilft übrigens bei Kakerlakenplage selten weiter: Hat man wirklich häufig solche Tiere in der Wohnung, ziehen jene meistens mit – in Form von Eiern, an Kleidung, Taschen, Tüten usw. usf.
Das Wort des Tages: 繁殖する hanshoku suru. Sich vermehren, sich ausbreiten.
April 15th, 2010 | Tagged Klima | 7 Kommentare | 453 mal gelesen
Momentan scheint es, als ob der Frühling dieses Jahr übersprungen wird: Schon das Kirschblütenfest war dieses Jahr wettertechnisch eher ein Reinfall – die Temperaturen lagen oft bei ca. 10 Grad, dazu gab es noch viel Wind und Regen (was aber kampferprobte Kirschblütenschautrinker nicht davon abhielt, das alljährliche übliche Ritual durchzuziehen). Nun war es wenigstens vergangenes Wochenende halbwegs normal (normal bedeutet um diese Zeit herum 11 Grad nachts und knapp 20 Grad am Tag), aber in dieser Woche geht es wieder ganz klar zurück in den Winter. Die Wettermeldung von Yahoo im iPhone/iPod Touch mit den ohnehin schon sehr unzuverlässigen Werten bringt das Ganze auf den Punkt: Tiefsttemperatur 7 Grad, Höchsttemperatur 9 Grad. Momentane Temperatur: 5 Grad. Liebe IT’ler bei Yahoo for iPhone: Könntet Ihr bitte die folgende Zeile in Euer Programm hinzufügen:
if recentTemperature < lowestTemperature then lowestTemperature = recentTemperature
Ganz einfach, und der logisch denkende Durchschnittsuser muss sich nicht jedes Mal in die Wange kneifen um zu merken, dass ansonsten alles echt ist.
Auch den Leuten bei der U-Bahn und den Zügen scheint das Wetter aufs Gemüt zu schlagen: An drei von vier Tagen in dieser Woche herrschte Chaos auf etlichen Linien, an einem Tag mit der Begründung, “weil es regnet”. Sind wir in Abu Dhabi oder was!? So. Das musste mal gesagt werden. Wer auch immer momentan in Tokyo auf Besuch weilt: Sorry, Pech gehabt! Ist nicht immer so! Wird aber bis Sonntag wohl auch nicht besser…
Das Wort des Tages: 愚痴 guchi. “dumm – belanglos”. Zusammen: Nörgelei, Klagen.
February 9th, 2010 | Tagged Klima, Privates | 8 Kommentare | 466 mal gelesen
Nicht, dass auf Arbeit nicht schon die Luft brennen würde – da haben sich zahlreichere grössere Projekte auf einem Haufen versammelt (warum nur) und das bedeutet oftmals mehr als die üblichen zehn Stunden im Büro zu verbringen. Das sollte eigentlich ausfüllend genug sein.
Stattdessen schlage ich mich momentan auch noch mit dem “tabibito Japan podcast” Folge 1 herum (fast fertig), was ich aber bestimmt schnell bereuen werde. Eigentlich hält mich dieser Blog und die anderen Seiten genug auf Trab. Und da das alles noch nicht reicht, klopfte vergangene Woche auch schon der Einsendeschluss für einen neuen Artikel in der Zeitschrift Midori an der Tür – dieses Mal wurde es ein Artikel ausschliesslich für die Zeitschrift. Aber mal schauen, vielleicht findet er auch irgendwann den Weg hierher.
Immerhin gibt es diese Woche einen Feiertag – der Donnerstag ist frei. Ach ja, und wo ich doch vor genau einer Woche so schön über Neuschnee in Tokyo geschrieben habe: Heute waren es hier 19 Grad und blauer Himmel (die ich freilich im Büro aufs vollste ausschöpfen konnte). Kleiner Trost für alle Mitteleuropäer: Das Intermezzo dauert wohl nur einen Tag, ab morgen wird es wieder kalt. Naja, also fast. Wahrscheinlich knappe 10 Grad oder so.
Das Wort des Tages: 多忙 tabō. Zu deutsch: Schwer beschäftigt.
February 1st, 2010 | Tagged Klima, Urayasu | 8 Kommentare | 1164 mal gelesen
Jaja, das folgende Bild ist für viele in Deutschland – zumindest in Nordostdeutschland – ein “least wanted”. Aber eine geschlossene Schneedecke in Tokyo ist nun mal relativ selten. Im vergangenen Winter hat es bis auf ein paar Krümel im März zum Beispiel gar nicht geschneit. Heute legt der Winter allerdings ordentlich zu:
Schnee in Tokyo
Das Photo habe ich vor 5 Minuten vor unserem Haus aufgenommen. Warum nachts? Weil morgen früh wahrscheinlich alles Matsch ist. Selbst im Stadtzentrum von Tokyo lag vorhin eine geschlossene Schneedecke – ein seltener Anblick. Und Tokyo liegt ja immerhin südlicher als zum Beispiel Tunis, aber das kann man freilich nicht so leicht vergleichen.
Das Wort des Tages: 雪. yuki. Der Schnee. Keine Seltenheit in Westjapan, aber nicht allzu häufig an der Ostküste.
In den nächsten 2 Tagen heisst es vorsichtig sein – Taifun Numero 18, Spitzname Melor schleicht sich langsam aber sicher an das Festland heran – und dieser Taifun ist a) keiner der kleinen Sorte und b) sieht es so aus, als ob er wirklich frontal aufs Festland trifft (man tippt zur Zeit auf die Gegend zwischen Shikoku und Kii-Halbinsel: Osaka- und Kobe-Bewohner sollten sich daher für den Mittwoch nicht allzu viel vornehmen).
Behält er seine Route bei, wird er wohl schliesslich Japan längs überqueren, sprich langsam gen Tokyo wandern, wo er für Donnerstag erwartet wird. Erfahrungsgemäss lassen Taifune dabei viel an Kraft, doch eins wird er mit Sicherheit im Gepäck haben: Sehr, sehr viel Regen. (Mehr zum aktuellen Stand der Dinge hier auf Englisch und Japanisch).
Dieser Taifun kündigt sich jedenfalls schon lange im Voraus an – es regnet seit zwei Tagen nahezu ununterbrochen, wenn auch noch wenig, und es ist merklich kühler geworden.
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Einige werden es vielleicht beim Durchforsten der Fotos der letzten Tour bemerkt haben: Da waren ein paar Bilder zum Schluss dabei, die da nicht reinpassten (siehe rechts). Da ich nun aber zu faul bin, alle 1000+ Photos bei Flickr mit Kommentaren zu versehen, hier die Auflösung: Es handelt sich um die Baustelle des Tokyo Tree Tower – seit 2008 wird er gebaut, 2011 soll er fertig werden – so die gegenwärtige Wirtschaftskrise, die hier nahezu unverändert weitergeht, keinen Strich durch die Ausführung macht. 610 m hoch soll er ja werden – am 12. August hat man 100 m erreicht.
Mehr zum Fortschritt der Bauarbeiten im Tagebuch der Projektleiter und spätestens 2011 bestimmt auch wieder in diesem Blog.
Das Wort des Tages: 工事中 kōjichū – Bau-sache-Mitte. Zu Deutsch: In Bau.
August 6th, 2009 | Tagged Klima, Urlaub | 10 Kommentare | 945 mal gelesen
Ja, so heisst ein Album von Farin Urlaub. Das auf dieser Seite nicht verkauft wird (ich sorge nur für mögliche Zugriffe betreffs des Albums vor).
Noch einen Tag, dann habe ich endlich eine Woche am Stück frei – zum ersten Mal in diesem Jahr. Wie in einem vorherigen Eintrag schon erwähnt, geht es mit Kind und Kegel nach Macao. Nein, nicht zum Zocken (gilt ja als Las Vegas des Fernen Ostens), sondern um Stadt zu gucken. Ist ja schliesslich der Ort mit der grössten Dichte an UNESCO-Weltkulturerbe-Stätten. Das allein wird meine 95 cm grosse Tochter wahrscheinlich jedoch nicht begeistern.
Dieses Mal fliegen wir über Taiwan (mal wieder), mit einer Nacht in Taipei. Klitzekleines Problem: Ein mörderisch starker Taifun bewegt sich gerade in Windeseile (ein Kalauer!) in die gleiche Richtung. Hoffentlich ist er bis Sonnabend abend durchgezogen.

Lange Rede, schwacher Sinn: So mich in Macao nicht extreme Langeweile überfällt, wird es auf diesem Blog für eine gute Woche sehr ruhig werden. Denen, die auch in den Genuss von Sommerferien kommen, wünsche ich viel Erholung.
Das Wort des Tages: 旅行 – ryokō – die Reise. Das erste Zeichen wird auch “tabi” gelesen (wie in Tabibito).
Ich bin kein Riesenfreund von Klimaanlagen. Und ich habe nicht allzu viel gegen Hitze. Aber irgendwann kommt doch jedes Jahr ein Punkt, an dem meine Frau ploetzlich lange nicht mehr benutzte Fernbedienungen rauskramt, einen grossen Kasten an der Wand aufmacht und das Innenleben zu entstauben beginnt: Zeit, die Klimaanlage anzuwerfen. Bei uns geschieht das meist dann, wenn es selbst um Mitternacht noch ueber 30 Grad im Zimmer sind und die Luftfeuchtigkeit bei rund 80% liegt.
Klimaanlagen fressen Strom und trocknen die Luft aus. Deshalb schalten wir sie relativ spät an. Aber zum ersten Mal seit langem trockene, halbwegs kühle Luft zu Hause zu haben ist schlichtweg ein Hochgenuss. So schön kann es sein, irgendwann mal nachzugeben.
Ich kann mich erinnern, für ähnliche, laut geäusserte Gedanken zu Hause manchmal gerügt worden zu sein: Wie kann man es als umweltbewusster Mensch verantworten, eine Klimaanlage in seiner eigenen Wohnung zu haben? Früher gab es schliesslich auch keine. Das ist richtig. Früher gab es aber auch keine dicht an dicht bebauten, zuplanierten Grossstädte, und in den in der Regel sehr pfiffig konstruierten, traditionellen japanischen Häusern herrschte angenehmer Durchzug. Und es gab keine anderen 10 Millionen Menschen, die Klimaanlagen benutzen und damit die Umgebung aufheizen. Gerade Klimaanlagen sorgen nämlich im Zentrum von Tokyo dafür, das die Temperatur im Sommer etliche Grad über die des Umlandes liegt. Ein Teufelskreislauf.
Das Wort des Tages: 諦める akira-meru. Aufgeben. Etwas hinnehmen.