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Fundgrube Mandarake

Februar 24th, 2017 | Tagged | 1 Kommentar | 616 mal gelesen

Am vergangenen Wochenende habe ich es doch tatsächlich geschafft, eine DER Hauptattraktionen Tokyos (zumindest für viele Japanbesucher) zu sehen: Eine Filiale, genauer gesagt die Ur-Filiale des Unternehmens Mandarake Inc. Die Firma startete in den 1980ern als An- und Verkauf von Mangas, hat heute über 300 Mitarbeiter und einen Jahresumsatz von knapp unter 100 Millionen Dollar. Drei Filialen gibt es in Tokyo – in Akihabara, Shibuya und eben auch in Nakano.

Das Geschäftsmodell an sich ist eine Goldader, denn auch in Japan gilt die Buchpreisbindung (Bücher dürfen also nicht unter dem auf der Rückseite gedruckten Preis verkauft werden), und Japaner sind mangaversessen. Doch die Aufnahmekapazität der Wohnungen ist begrenzt, also werden Manga auch oft wieder verkauft, und dann gilt die Buchpreisbindung nicht mehr. Mandarake kaufte und kauft auch gern Restbestände auf und verkauft diese je nach Nachfrage mal billiger, mal teurer. Der Rekord liegt wohl bei 8’000 Euro (oder so) für ein Manga.

Mandarake in Nakano, Tokyo

Mandarake in Nakano, Tokyo

Das Geschäftsmodell wurde erweitert – heute bekommt man dort auch mehr oder weniger seltene Spielzeuge, Actionfiguren, Accessoires, Sammelkarten – einfach alles, was Sammelherzen höher schlagen läßt. Zumindest die Niederlassung in Nakano ist dabei sehr interessant (ich nehme mal an, die anderen auch), denn dort gibt es auf drei Etagen verteilt unzählige Läden, in denen man völlig problemlos einen ganzen Tag verbringen kann. Sagt jemand, der sich nicht besonders für Manga interessiert – für Mangaliebhaber ist bestimmt eine ganze Woche drin.

Besonders hat es mir der Lego-Todesstern angetan – 3’449 Teile – den ich am liebsten meinem Sohn gekauft hätte, aber der Preis von gut 300’000 Yen, also rund 2’500 Euro, war mir dann doch ein bisschen hoch. Hmm. Irgendwann muss ich wohl doch wieder dorthin…

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Trumpinesisch-Japanische Übersetzungsprobleme

Februar 20th, 2017 | 2 Kommentare | 681 mal gelesen

Japanische Trump-Karikatur: Beikoku Daiichi - America First (In Anlehnung an die Bauarbeiterhelme, auf denen Anzen Daiichi - Sicherheit zuerst - steht²

Japanische Trump-Karikatur: Beikoku Daiichi – America First (In Anlehnung an die Bauarbeiterhelme, auf denen Anzen Daiichi – Sicherheit zuerst – steht)²

In der Online-Ausgabe der Japan Times fand ich heute einen äußerst interessanten Artikel, der sich mit den Problemen der Übersetzer und Journalisten auseinandersetzt, die Donald Trump-Reden und -Kommentare übersetzen¹. Und um es vorwegzunehmen: Ich möchte nicht in deren Haut stecken, denn einerseits müssen sie natürlich das übersetzen, was da gesagt oder geschrieben wurde – andererseits ist es schwer, mitunter gravierende Widersprüche 1:1 an die Leserschaft weiterzugeben – es sei denn, man erschlägt sie mit dutzenden Fußnoten. Interessanterweise ist es dabei weniger die Sprachwahl an sich, die die Übersetzer verzweifeln läßt. Eine politische Rede so ins Japanische zu übersetzen, dass sie von einem Siebentklässler stammen könnte (laut linguistischer Analysen, erwähnt in den selben Quellen, liegt das grammatikalische Niveau von Trump in etwa dort), ist bis dato schon ein unerhörtes Ding und dem japanischen Zeitungsleser nur schwer zumutbar. Die wahren Probleme beginnen für die Übersetzer jedoch dann, wenn Trump „drauflos“ redet oder zwitschert: Die Gedankensprünge, die an Beleidigung grenzende Wortwahl, die Ignoranz und Inkonsistenz des Gesagten zwingt Übersetzer dazu, wissentlich etwas zu schreiben, was keinen Sinn ergibt oder der eigenen Moral widerspricht, denn Übersetzer müssen natürlich neutral bleiben. Da darf weder etwas beschönigt werden noch so gedreht werden, dass ein Politiker schlimmer erscheint, als er ist.

Dieses Problem hat freilich nur minimal etwas mit Japan zu tun — Übersetzer in aller Welt dürften Probleme damit haben, sich mit dem Neusprech aus den USA (aber auch von europäischen Populisten) abzufinden. Dolmetscher haben natürlich das gleiche Problem, aber die haben wenigstens viel weniger Zeit, um sich über das Gesagte den Kopf zu zerbrechen. Auf kleinerer Ebene ist mir das Problem auch nur zu gut bekannt: Auch ich muss gelegentlich etwas übersetzen – und weiterleiten – was keinen Sinn ergibt, aber wenigstens kann ich dabei darauf hinweisen, dass das Übersetzte auch im Original keinen Sinn ergibt.

In Japan schaut man jedenfalls auch sehr verwundert, aber scheinbar weniger differenziert auf Trump. Proteste gegen die Avancen seiten des Ministerpräsidenten Abe gegenüber seinem Golf-Buddy Trump gibt es keine, und man sollte auch keine erwarten. Offensichtlich hofft man hier einfach nur darauf, dass sich der Schaden in Grenzen hält, denn für Japan steht viel auf dem Spiel: Wenn die amerikanische Wirtschaft sich abschotten sollte (auch japanischen Autobauern wurde bereits mit horrenden Strafzöllen gedroht), würde das schwerwiegende Konsequenzen für die japanische Wirtschaft haben. Und sicherheitspolitisch steht auch so einiges auf dem Spiel.

¹ Siehe hier
² Quelle: Illustrator Terai’s Blog
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Was gibt’s Neues im Japan-Almanach?

Februar 16th, 2017 | Tagged , | Kommentare deaktiviert für Was gibt’s Neues im Japan-Almanach? | 557 mal gelesen

In letzter Zeit habe ich mich wieder ein bisschen mehr mit dem eigentlichen Japan-Almanach beschäftigt – also dem Nicht-Blog-Teil über Japan. Der Bau dieses Abschnitts begann immerhin schon 1998 (der Umzug auf die Domain tabibito.de fand dann 2001 statt), also vor fast 20 Jahren. Dank Archive.org kann man sich hier auf Zeitreise begeben.

Webdesign 1998 - leider sind Teile nicht mehr erhalten

Webdesign 1998 – leider sind Teile nicht mehr erhalten

Was hat sich also in letzter Zeit getan? Nun, es sind einige neue Seiten hinzugekommen, und in die habe ich viel Zeit investiert, zum Beispiel durch das Erstellen eigener Karten, wie zum Beispiel auf den folgenden, neuen Seiten:

Vor allem das Erstellen der Seite über Yakushima hat viel Spaß gemacht: Je mehr ich darüber nachgedacht habe, desto mehr reifte in mir der Entschluss, definitiv wieder dorthin zu fahren bzw. zu fliegen – von Yakushima hatte ich sehr viel erwartet, und das wurde sogar noch übertroffen.

Neu sind auch ein paar Seiten über diverse Stadtviertel in Tokyo, so zum Beispiel die über

Dem neuesten Trend, seinen Lesern Rankings um die Ohren zu schlagen und dabei duzenderweise mitzuteilen, was sie zu tun und zu lassen haben, werde ich mich allerdings auch in Zukunft verweigern. Ja ja, ich weiss, Rankings sind gut für das Suchmaschinenranking, aber da bleibe ich altmodisch.

Endlich habe ich es auch geschafft, eine interaktive Japan-Karte zu erstellen (basierend auf der Karte von Wikipedia). Ich brauche jetzt einfach nur noch die Längen- und Breitengrade zu den einzelnen Reisezielen hinzufügen, und schon tauchen die Reiseziele automatisch auf der Karte auf (die Punkte sind anklickbar):

Als (un)heimlicher „Foodie“, wie es ja so schön heisst, werde ich auch gelegentlich kurze Beiträge über diverse japanische Lebensmittel und Gerichte posten, aber das werde ich wohl nur ad hoc machen können (der erste Beitrag ist hier).

Wer Ideen hat, was im Japan-Almanach sonst so geschehen sollte – immer her damit!

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Kontext, Baby, Kontext…

Februar 13th, 2017 | Tagged , | 10 Kommentare | 812 mal gelesen

In letzter Zeit erhalte ich wieder vermehrt Emails und Nachrichten mit Links zu besorgniserregenden Nachrichten über den Zustand der havarierten Nuklearmeiler in Fukushima, nicht selten mit der Annotation, dass die Situation dort außer Kontrolle zu geraten scheint (ergo: Ihr werdet alle sterben!). Eine der Meldungen findet sich bei Heise zum Beispiel. Demzufolge wurden bisher nie gemessene Werte von rund 650 Sievert/Stunde festgestellt. „Rund“ deshalb, weil die Strahlung so hoch ist, daß man den Wert nur extrapolieren kann – mit einer hohen Fehlerquote. Diese Strahlung hält kein Mensch mehr als ein paar Sekunden aus.

Soweit, so gut. Den Kontext jedoch scheinen viele Nachrichtenseiten (und demzufolge auch etliche besorgte Leser) zu übersehen: Man stellte diese extrem hohen Werte erstmals deshalb fest, weil man nun erstmals direkt dort gemessen hat, wo sich einst die Brennstäbe befanden. Bilder des Roboters zeigen auch, dass es im innersten Druckbehälter ein passables Loch gibt, durch die sich das nukleare Material scheinbar gefressen hat. Diese unglaublich hohen Messwerte sind deshalb nichts Neues – die Intensität der Strahlung dürfte seit 2011 die Gleiche sein, nur dass man eben erst jetzt bis dorthin vorgedrungen ist. Weitere Untertitel wie „selbst Roboter halten diese Strahlung keine zwei Stunden aus“ sorgen natürlich für zusätzliche Gänsehaut (welcher Laie kann schon ermessen, was das wirklich bedeutet).

Grund zur Panik also? Ja und nein. Beziehungsweise: Nicht mehr als vorher. Zwar weigert sich TEPCO noch immer, von einer Kernschmelze zu sprechen, aber das ist nur noch Wortklauberei, denn das Problem bleibt bestehen: Eine hochgradig verstrahlte Reaktorruine steht direkt am Pazifik, mit geschmolzenen Brennstäben in löchrigen Reaktorbehältern, die so schnell nicht geborgen werden können. Was würde wohl bei einem erneuten, kräftigen Tsunami geschehen? Würden dann nicht Teile der Masse ins Meer herausgespült werden? Man mag es sich nicht ausmalen. Und dennoch: Bevor wieder davon die Rede ist, dass jetzt alles aus sei und sich die Lage dramatisch verschlechtert hat, sollte man sich des Kontexts klar werden. Und die Essenz des selbigen ist halt, dass die Werte nicht etwa gestiegen sind – sondern dass man erstmals ins Innerste des Reaktors vorgedrungen ist und dort bisher nie gemessene Werte festgestellt hat.

Ein anderer Fall für die Kontextpolizei: Als ich neulich für eine andere Internetseite einen Artikel über japanische Studienfächer und den späteren Bezug zum Berufsleben schrieb, erwähnte ich, dass vor allem Frauen ihre an den Universitäten studierten Fächer später kaum benutzen können, da für Frauen Karriere und Familie noch immer sehr schwer vereinbar sind. Zurück kam von der Redakteurin eine Grafik, die zeigt, dass der Anteil der 共働き tomobataraki (=beide arbeiten)-Paare in den vergangenen Jahren stark gestiegen ist, und schon vor ein paar Jahren den Anteil der Ehepaare, in denen nur der Mann arbeiten geht, überholt hat. Diese Grafik sollte widerlegen, dass die meisten Frauen ihr Studienfach später im Beruf nicht anwenden können. Leider wurde auch hier der Kontext völlig übersehen, denn die Grafik war 1) nicht auf Studienabgänger beschränkt, und 2) sagte sie überhaupt nichts darüber aus, in welchen Beschäftigungsverhältnissen die Frauen standen: Dort wird völlig übersehen, dass der Anteil der Doppelverdiener unter anderem deshalb so stark ansteigt, weil in mehr und mehr Fällen das Gehalt des Mannes nicht mehr ausreicht. Die Grafik zeigt auch nicht, dass viele Frauen, die heute arbeiten gehen, nicht etwa als „Studierte Spezialistin für englische und amerikanische Literatur“ tätig sind, sondern im örtlichen Krimskramsladen Tünnef an Hausfrauen verkaufen, die nicht darauf angewiesen sind, arbeiten zu gehen (oder, auch das gibt es durchaus oft, die zwar arbeiten wollen, aber nicht können, weil sie keinen Kindergartenplatz bekommen – oder weil der Mann nicht will, dass die Frau arbeiten geht.

Ich bemühe mich auf meinem Blog seit nunmehr 11 Jahren, diese Zusammenhänge herauszuarbeiten. Ich hoffe, mit ein wenig Erfolg. Allerdings wird es auch immer Zusammenhänge geben, die ich selbst übersehe. Man kann nur hoffen, es sind nicht allzu viele.

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Raucherparadies Japan – ändert sich was? Oder doch nicht?

Februar 9th, 2017 | Tagged , | 1 Kommentar | 686 mal gelesen

Vor 11 Jahren habe ich einen Beitrag mit dem Titel Schwere Zeiten auch für Raucher in Japan ins Netz gestellt – damals fing man damit an, dass Rauchen auf der Straße in einigen Stadtvierteln von Tokyo zu verbieten. Jedoch – Raucher, die in den vergangenen Jahren in Japan weilten, werden es bestätigen können: Japan ist noch immer Paradies für Raucher – zumindest im Vergleich zu vielen anderen, westlichen Ländern. Komischerweise treibt man in Japan jedoch nicht die Raucher auf die Straße, sondern eher andersrum: Man verjagt sie von der Straße ins Innere.

Natürlich ändern sich auch die Zigarettenpreise, doch der Anstieg ist im Vergleich zu anderen Ländern eher moderat: Zahlte man vor 20 Jahren rund 270 Yen pro Schachtel, sind es heute eher um die 440 Yen. Ein Anstieg auf 1’000 Yen ist seit Jahren im Gespräch, doch man befürchtet damit einhergehende Steuereinnahmen. Und mehr und mehr Cafés und Restaurants ergreifen Maßnahmen, um Nichtrauchern entgegenzukommen – manchmal durch Rauchverbote, mehr aber durch 分煙 bun’en – „Rauchtrennung“ – durch gesonderte „Abteile“. In den meisten Bars und Restaurantkneipen wird jedoch weiterhin fröhlich gequalmt. In dieser Woche nun brachte das Gesundheitsministerium eine Gesetzesvorlage im Parlament ein, nach derer das Rauchen in öffentlichen Bereichen, inklusive Restaurants, gänzlich verboten werden soll. Bei einer ersten Diskussion im Parlament schlug dem Ministerium jedoch heftiger Protest entgegen: Vor allem Vertreter der regierenden Liberaldemokraten halten die Maßnahme für zu radikal und argumentierten sogar damit, dass das Gesetz womöglich verfassungsrechtlich bedenklich sein könnte, da es die Rechte der Menschen einschränkt. Man solle sich eher auf Maßnahmen wie besagte Rauchtrennung beschränken.

Letztendlich wird Japan sicherlich in Sachen Nichtraucherschutz den gleichen Weg wie andere Länder einschlagen. Nur eben nicht so radikal. Das kann man gut am Flughafen beobachten: Während man zum Beispiel im gesamten, riesengroßen internationalen Flughafen von Peking nirgendwo rauchen kann (das geht erst, wenn man ins Land eingereist ist – und dann nur außerhalb des Terminals), gibt es in Japan sogar einen kleinen, abgetrennten Raum in der großen Gepäckhalle des Internationalen Terminals von Haneda, Tokyo. Omotenashi für Raucher eben.

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Staatlich geförderte Scharlatanerie an japanischen Schulen

Februar 7th, 2017 | Tagged , , | 3 Kommentare | 832 mal gelesen

labsaEine Textmitteilung meiner Frau schaffte es heute, mich auf die Palme zu bringen. In der Nachricht klagte sie über vergeudete Zeit in der heutigen PTA-Sitzung. PTA = Parent Teacher Association (ich glaube, das hieß? heißt? Elternbeirat im Deutschen). Die PTA besteht aus mehr oder weniger freiwilligen Mitgliedern und veranstaltet Sachen wie „Schulessen – wie es gemacht wird (und wie es schmeckt)“ und dergleichen. In diesem Jahr gab es insgesamt vier Veranstaltungen – in der zweiten ging es um „Kinder und der Umgang mit Smartphones“, ein durchaus legitimes Thema. Bei der dritten Veranstaltung kam eine Vertreterin der 誕生学® – der „Geburtenwissenschaft“ (man beachte das ®!). Betrieben von der 誕生学協会, der „Life and Birth Studies Association“. Ein staatlich als „allgemeinnützig“ anerkannter Verein, gegründet von 大葉ナナコ Nanako Ōba, Ex-Model und Absolventin einer Kunst-Kurzuni (zwei Jahre Pseudostudium). Eine Frau ohne jegliche medizinische oder psychologische Ausbildung, die dutzende Bücher zum Thema Geburt, Babymassage und dergleichen veröffentlichte und sich selbst illustre Titel wie „Geburtsberaterin“ und dergleichen gibt. Und mit klugen Thesen daherkommt wie:

  • Schangerschaftserbrechen ist bei Frauen mit gelassenerem Charakter weniger schlimm
  • Wehen sind weniger heftig, wenn die Gebährende unter Stress steht
  • Wehenbeschleuniger sollten nur dann eingesetzt werden, wenn der Gebährenden klargemacht wird, dass dies die Freude der Geburt schmälert
  • Bei Müttern, die nicht stillen können, mangelt es an Fürsorge (gegenüber der Mutter)

Und so weiter. Und so tingeln Vertreter des Vereins dank des eigens ins Leben gerufenen Schulprogramms durch japanische Kindergärten und Schulen und verkünden ihre kruden Botschaften aus Laienmund.

Die Veranstaltung heute war aber scheinbar noch besser: Ein selbsternannter 統計心理学者 – „Statistischer Psychologe“ – tauchte heute auf – mit einer lustlos zusammengewürfelten PowerPoint-Präsentation. Beruflicher Hintergrund: Bankangestellter, heute Cafébesitzer. Seine These: Es gibt im wesentlichen vier Arten von Menschen, und das ist bei Kindern genauso. Wenn man nicht weiß, mit welcher Art Kind man es zu tun hat, macht man Fehler bein Loben, Schimpfen und überhaupt. Woran man erkennt, zu welcher Gruppe das Kind gehört? Die Antwort: Am Geburtsdatum. Jawohl, am Geburtsdatum. Einige Mütter baten dann darum, ihnen eine Analyse ihrer Kinder zu geben, oder zumindest zu offenbaren, wo man denn die Ergebnisse der wissenschaftlichen Studie einsehen könne, aber der tapfere Ex-Bankangestellte zierte sich: Er fragte stattdessen die Mütter nach deren Geburtsdatum und legte drauf los. Und sagte zum Schluß, wer seine Kinder aufgrund der Geburtstage analysiert haben möchte, solle in sein Café kommen – er sei öfter dort und könne dann dort Auskunft geben.

Wohlgemerkt: Eltern zahlen PTA-Beiträge. Und Redner, die dort auftauchen, bekommen eine Aufwandsentschädigung. Und: Schuldirektoren und Lehrer müssen die Veranstaltung absegnen. Bei der Geburtenexpertin keine einmalige Sache – sie macht diese Veranstaltung schon seit Jahren in dieser Schule. Einer öffentlichen Schule.

PTA & Co. verlangen den Müttern in Japan sehr viel Zeit ab – so viel steht fest. Japanische Mütter haben dank dieses Systems kaum Zeit, selber arbeiten zu gehen. Dass die Zeit dann aber damit verbracht werden soll, sich so einen Stuss anzuhören, spottet jeder Beschreibung. Sicher, der Hang zum Metaphysischen ist in Japan besonders stark ausgeprägt (Stichwort: Blutgruppenhoroskop), aber das so etwas auch noch staatlich gefördert wird, schlägt dem Fass den Boden aus.

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Was Kinder in Japan so anschleppen

Februar 1st, 2017 | Tagged , | 4 Kommentare | 893 mal gelesen

Wer Kinder hat, kennt das Problem. Die lieben Kleinen bringen nicht nur das eine oder andere lustige Bild aus dem Kindergarten oder der Schule mit, sondern auch diverse Krankheiten. Als kleine Sprachübung möchte ich heute mal die Top 10 vorstellen. Interessant ist an der Sache übrigens, dass man die Namen nicht immer 1:1 übersetzen kann.

胃腸炎 Ichōen – Magen-Darm-Grippe


Magen-Darm-Grippe (also Gastroenteritis). Der Klassiker. Das gute daran ist allerdings, dass man sich, zumindest bei den japanischen Varianten, als Erwachsener kaum ansteckt, beziehungsweise wenn, verläuft das in der Regel mild. Allerdings kann die Magen-Darm-Grippe verschiedene Ursachen haben, und am meisten fürchtet man sich hier vor dem ノロウイルス Noro-Virus, der in Japan in regelmäßigen Abständen durch die Kindergärten und Schulen geistert. Das Wort 嘔吐 Ōto (Erbrechen) löst bei den Eltern deshalb umgehend Alarmsignale aus. Und ich kann bestätigen, dass Kinder mit Noro-Viren keinen grossen Spass machen.

おたふく風邪 Otafuku-Kaze – Mumps


Der eigentliche Name lautet 流行性耳下腺炎 Ryūkōsei Jikasen-en, aber alle nennen es nur Otafuku-Kaze (Kaze = die Erkältung). Auch in Japan gibt es Impfungen dagegen, die allerdings nicht Pflicht sind. Untersuchungen haben ergeben, dass eines von 1,000 an Mumps erkrankten Kindern später taub wird – dementsprechend gross ist die Angst vor Mumps.

りんご病 Ringo-byō – Ringelröteln


Der eigentliche Name lautet 伝染性紅斑 Densensei Kōhan etwa: Ansteckende Röteln). Vom Verlauf her eher harmlos, aber auch in Japan weiss man natürlich, dass die Krankheit gefährlich für ungeborene Kinder sein kann, weshalb vor allem Schwangere sehr vorsichtig sind.

RS(ウイルス) aaru essu (uirusu) – RS-Virus


Eines der Begriffe, die man nicht so ohne weiteres übersetzen kann, da hier der Erreger (Humane Respiratorische Synzytial-Virus) genannt wird und nicht die Krankheit. In den meisten Fällen meint man in Japan mit RS aber eine vom RS-Virus (RSV) verursachte akute Bronchitis. Und die macht vor allem bei kleinen Kindern definitiv keine Freude: Hohes Fieber, quälender Husten usw. usf. Auch Erwachsene sollten sich in Acht nehmen. Die von den Kindern angeschleppte RSV-Erkrankung entwickelte sich zumindest bei mir einmal zu einer astreinen Lungenentzündung.

溶連菌 yōrenkin – Streptokokken


Auch hier benutzt man im Japanischen aus mir nicht bekannten Gründen nicht den Namen der Krankheit, sondern den des Erregers. Vor allem zwei Krankheiten sind damit gemeint: Mandelentzündung und Scharlach. Da Streptokokken gut mit Antibiotika behandelbar sind, ist diese Krankheit meistens schnell ausgestanden.

はやり目 hayarime – Augengrippe


Der wissenschaftliche Name lautet 流行性角結膜炎 ryūkōsei kakuketsumakuen – Keratoconjunctivitis epidemica – im Englischen gern auch als pink eye bezeichnet. Kennzeichen: Extrem ansteckend. Kinder, bei denen das diagnostiziert wird, müssen mindestens zwei Wochen, gern aber auch einen ganzen Monat zu Hause bleiben. Wir haben dieses Jahr zur Abwechslung mal mit dieser Krankheit begonnen – 3 von vier Familienmitgliedern hat es erwischt. Dauert mit Medizin zwei Wochen und ohne 14 Tage.

Wir lassen uns den Spaß nicht durch eine Augengrippe verderben!

Wir lassen uns den Spaß nicht durch eine Augengrippe verderben!

インフルエンザ infuruenza – Grippe


Grippewellen sind auch in Japan sehr häufig. In den meisten Kommunen gilt: Sind 10% (manchmal auch 20%) der Schüler einer Klasse an Grippe erkrankt, gibt es 学級閉鎖 gakkyū heisa – grippefrei.

マイコプラズマ maikopurasuma Mycoplasma


Auch hier nennt man in Japan nur den Erreger, die Mykoplasmen. Ergebnis: Mehr oder weniger schwere Erkrankung der Atemwege, nicht selten bis hin zur atypischen Lungenentzündung.

手足口病 teashikuchibyō Hand-Fuß-Mund-Krankheit


Gehört zu den weniger gefürchteten Kinderkrankheiten, da sie meist harmlos verläuft und selten auf Erwachsene überspringt.

ロタウイルス rota-uirusu Rota-Viren


Schwerer Durchfall und Erbrechen – vor allem bei Kindern unter 3 Jahren. Laut Wikipedia erkranken daran in Deutschland pro Jahr 50,000 Menschen — in Japan hingegen 800,000 (offizielle Zahl, siehe hier). Gehört zu den unangenehmsten Kinderkrankheiten hier. Es gibt zwar eine Impfung, aber die ist recht teuer.

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