Ukraine – Allgemeines, Reisetipps, Historisches und mehr

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Allgemeines

Україна (Ukraine) bedeutet soviel wie „Grenzland“. Und der Titel der Nationalhymne lautet „Die Ukraine ist NOCH nicht gestorben“ – das klingt nicht unbedingt vielversprechend. Doch die Ukraine ist mehr als ein „Grenzland“ Russlands – auch wenn man das bei einem Besuch in der Ostukraine denken könnte. Einige Bereiche der Westukraine waren bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges noch nie unter russischer Vorherrschaft. In diesen Teilen des Landes findet man die „eigentliche“ Ukraine mit eigener Sprache und Kultur, aber auch vielen Einflüssen aus der Habsburger Monarchie, aus Polen usw.

Anklickbare Karte der Ukraine
Anklickbare Karte der Ukraine

Eckdaten

Fläche: ca. 600’000 km² (ca. 1.7 fache Deutschlands)
Einwohner: rund 43 Millionen (weniger als zwei Drittel Deutschlands; Tendenz relativ stark fallend)
Nationalitäten: Ukrainer (78%), Russen (18%), Juden, Rumänen, Ungarn, Polen
Hauptstadt: Kiew (ca. 2.6 Mio Einwohner)
Sprachen: Ukrainisch (vor allem im Norden und Westen), Russisch (Süden und Osten)
Religionen: Ukrainisch Orthodox, Katholisch, Protestantisch, Jüdisch
Regierungsform: Republik
Pro-Kopf-Bruttosozialprodukt: 8’700 USD (nach Kaufkraft, 2017)
Bevölkerung unter der Armutsgrenze: 38% (2007)
Inflation (Verbraucherpreise): 11% (2007)
Wachstum Bruttosozialprodukt: 2.5% (2017)
Währung: Hrywnja (Grivna), abgekürzt UAH
Umtauschkurs: € 1 = rund 30 UAH (2019)

Dazu ein paar Worte: Die Ukraine ist, wie man erkennen kann, wesentlich dünner besiedelt als Deutschland. Von mehreren kleineren Minderheiten abgesehen, sind gute drei Viertel der Bevölkerung Ukrainer. Die russische „Minderheit“ bildet vor allem auf der (autonomen und jetzt von Russland annektierten) Halbinsel Krim und im Osten des Landes nahezu die Mehrheit. So natürlich auch die Sprachen. Da gerade die Westukrainer recht nationalistisch eingestellt sind, sollte man dort Russisch nur bedingt anwenden, da es dort nicht gern gehört wird – das war bereits vor dem Konflikt mit Russland so.

Schaut man sich die wirtschaftlichen Daten oben an, fällt die hohe Wachstumsrate in den Nuller Jahren positiv auf und ebenso das Bruttosozialprodukt pro Einwohner – mit 4200 USD lag es immerhin vergleichsweise hoch. JEDOCH: Fast ein Drittel der Bevölkerung lebt unter der Armutsgrenze. Ein nicht geringer Teil davon sind alte Menschen – die staatliche Rente liegt oft bei gerade mal 10 Euro pro Monat! Gerade sozial schwächere Menschen haben es in der Ukraine offensichtlich sehr schwer. Überall sind Bettler präsent – vor Kirchen, an Bahnhöfen usw. Alte Leute, Kinder, Behinderte…die Armut ist omnipräsent. Kein Wunder – das Mindesteinkommen liegt noch immer weit unter der Armutsgrenze – was momentan geändert werden soll…Im krassen Gegensatz dazu der Reichtum in den Städten und das Gold auf und in den Kirchen. Die Kluft zwischen Reich und Arm ist enorm gross und frustrierend, denn wer in der Ukraine reich ist, zeigt es unumwunden. Oberflächlich betrachtet scheint es den normalen Menschen in der Ukraine jedoch wesentlich besser zu gehen als denen in Georgien oder Armenien zum Beispiel – ein spürbarer Aufschwung ist da. Die Frage ist nur, wann er die breite Mehrheit erreichen wird.

Nachtrag: Vieles hat sich seit dem Verfassen dieser Seiten geändert – die politische Krise 2014 und der spätere Bürgerkrieg im Osten der Ukraine sowie die Annexion der Halbinsel Krim durch Russland haben tiefe Spuren im Land hinterlassen. Leider.

Flagge und Insignien

Der Trisub
Der Trizub

Die ukrainische Flagge: Oben azurblau, unten gelb. Sie symbolisiert den blauen Himmel über den gelben Getreidefeldern. Die Ukraine wird nicht umsonst als Kornkammer bezeichnet – riesige Steppen mit fruchtbarer Schwarzerde sind die ideale Grundlage zum Getreideanbau.

Das Trizub genannte Nationalsymbol – Trizub bedeutet wörtlich „Drei Zähne“ (genau wie der lateinische Name „Trident“), ist hier jedoch als „Dreizack“ bekannt. Ein altes indo-germanisches Symbol, welches sich auf allen Münzen, im Staatswappen und anderen offiziellen Insignien finden lässt.

Sprache

Ukrainisch ist definitiv eine ostslawische Sprache und dem Russischen in der Tat sehr ähnlich – doch ist Ukrainisch mehr als ein russischer Dialekt. Man benutzt im wesentlichen das russische Alphabet, also die kyrillischen Zeichen, doch gibt es einige Stolpersteine:

  • Verwirrend ist die hohe Anzahl der Zeichen für den Buchstaben „i“: Es gibt “ I „, „“ Ï „, “ И “ und “ Й „. Die ersten beiden gibt es im Russischen nicht.
  • I “ ist wohl ein normales, kurzes
  • „I“, “ Ï “ hingegen eher ein „ji“. Das ukrainische
  • И “ ist eher ein „yi“ und entspricht wohl dem russischen
  • Ы “ – dieses kyrillische Zeichen gibt es dafür im Ukrainischen Alphabet nicht. Zuguterletzt das
  • Й “ – im russischen „I-Kratkoje“ genannt – wird auch im Ukrainischen eigentlich nur für Endungen benutzt und als kurzes „I“ gesprochen. Verwirrend!? Ist es anfangs auch, zumal oft verschiedene „i’s“ hintereinander folgen. Die Hauptstadt Kiew zum Beispiel wird eigentlich КИÏВ geschrieben und ergo „Kijiw“ gesprochen.
  • Wie im Russischen gibt es auch im Ukrainischen kein „H“. Stattdessen schreibt man immer das Zeichen für „G“, im Kyrillischen “ Г “ geschrieben. Während selbiges im Russischen wirklich als „G“ gesprochen wird, spricht man es im Ukrainischen stets als „H“ – allerdings als hartes „H“ – es ähnelt etwas dem deutschen „ch“ in „Bach“.
  • Das russische “ E “ welches „je“ gesprochen wird, gibt es auch im Ukrainischen – dort allerdings wird es lediglich als „e“ gesprochen. Dieses einfache „e“ wird im Russischen als
    Э “ geschrieben. Dieses Zeichen gibt es im Ukrainischen nicht – dafür gibt es das Zeichen “ Є „, welches wie das russische “ E „, also „je“, gesprochen wird. Auch das ist anfangs (für die, die mit dem Russischen etwas vertraut sind) etwas gewöhnungsbedürftig.
  • Das russische “ Ъ „, das sogenannte Hartheitszeichen, existiert nicht im Ukrainischen. Dafür wird aber das Weichheitszeichen (“ Ь „) exzessiv verwendet – genauso der im Russischen nicht benutzte Apostroph.

Russisch wird weitgehend verstanden – im Osten und auf der Krim hat man sogar Probleme mit dem Ukrainischen. Doch viele Wörter sind anders – „Ja“ ist nicht „da“ wie im russischen, sondern „Tak“ – wie im Polnischen. Auch die üblichen touristenrelevanten Wörter wie „danke“, „Entschuldigung“, „was kostet das“, „ich verstehe nicht“ usw. usf. sind anders als im Russischen und erinnern oft stark ans Polnische.

Brauchbare Seiten zum Thema scheint es wenig zu geben. Eine im Aufbau begriffene Linksammlung zum Thema Ukrainisch gibt es unter http://www.links-guide.ru/sprachen/slavistik/ukrainisch.html – zur Zeit des Verfassens dieser Seite allerdings noch ohne Links.

Für eine Tabelle mit den wichtigsten ukrainischen Vokabeln nebst Vergleich mit anderen slawischen Sprachen bitte hier klicken.

Vorwort

Frühjahr 2003 und es war wieder soweit: Auf in „fremde Welten“. Dieses Mal nicht nach Asien, sondern in nähere Gefilde – in die Ukraine. Jeder weiss, wo die Ukraine liegt; jeder kennt die Krim, Kiew und nicht zu vergessen Tschernobyl. Viele kennen düstere Geschichten – von Chaos, Misswirtschaft, Autoschieberei usw. ist oft die Rede. Doch genaueres scheinen wenige zu wissen. Stimmen die Gerüchte? Ist dieses mit dem Zug gerade mal 16 Stunden entfernte Land wirklich so schlimm? Und was bedeutet „Ukrainisch“? Lediglich eine russische Subkultur? Oder etwas ganz anderes? Und wie geht es dem Land nach den Wirren des Zusammenbruchs der UdSSR? Warum fahren eigentlich so wenige Touristen in die Ukraine??? Ausser dem Interesse an fremden Kulturen, Geschichte und der Landschaft waren diese Fragen und die Tatsache, dass ein guter Freund in der Ukraine arbeitet, der Grund für eine Reise durch die Ukraine. Um es vorwegzunehmen – es gab nicht einen einzigen Grund, dies zu bereuen.

Geld

Alter 10-Karbowanzen-Schein von 1991
Alter 10-Karbowanzen-Schein von 1991

Nach anfänglicher Hyperinflation konnte sich die Währung Hryvnia stabilisieren. Nach einem Übergangsgeld nach der Unabhängigkeit, den Karbowanzi, gilt seit 1992 die jetzige Währung. Es gibt Münzen zu 1, 2, 5, 10, 25 und 50 Kopinok sowie Geldscheine zu 1, 2, 5, 10, 20, 50 und 100 Hryvnia. Von beiden gibt es jeweils eine neue und eine alte Version!!

In den grösseren Städten gibt es zahlreiche Geldautomaten, die hier gängige Kreditkarten sowie Maestro-Karten usw. akzeptieren. Der Umtauschkurs ist dabei (zum Beispiel bei der Privat-Bank) oft wesentlich günstiger als der bei den unzähligen Wechselstuben. Gebühr pro Abhebung etwa 4 Euro. In Lwow ist der Umtauschkurs bei den Wechselstuben komischerweise überall gleich und zudem schlechter als woanders. In vielen grösseren Geschäften und Restaurants kann man bargeldlos bezahlen.

Neuer 20 Griwna-Schein
Neuer 20 Griwna-Schein

Gerüchten zufolge ist Kredit- und Geldkartenbetrug in der Ukraine weit verbreitet – zum Beispiel durch Manipulation der Geldautomaten. Ob das stimmt sei dahingestellt. Wer aber auf Nummer sicher gehen möchte, benutzt einfach die Automaten in den Banken während der Öffnungszeiten. Wir haben mehrmals an aussen angebrachten Automaten Geld abgehoben und keine Probleme gehabt.

Preise

Reisen in der Ukraine ist vergleichsweise billig – man zahlt für so ziemlich alles weniger als in den Nachbarländern (mit Ausnahme von Moldau vielleicht). Langstreckenzüge zum Beispiel sind sehr preiswert – 2003 bezahlten wir für ca. 1,000 Kilometer gerade mal um die 10 Euro. Es gibt keine echten Hostels oder sehr günstige Unterkünfte für Rucksacktouristen wie in vielen anderen Ländern, aber die meisten kleineren Hotels sind preislich im gleuchen Niveau. Wie auch in Russland kann man sehr bequem mit ca. 20 Euro pro Tag (als Reisender) auskommen, aber man kann auch, so man möchte, viel mehr ausgeben – vieles gibt es auch als Luxusausgabe, sei es Hotels, Restaurants oder Geschäfte. Dies ist jedoch alles auf die grossen Städte begrenzt. Natürlich ist das Preisniveau in der Hauptstadt Kiew am grössten.

Anreise

Da es im Gegensatz zu den Kaukasusrepubliken in der Region um die Ukraine relativ ruhig ist,kann man von nahezu überall einreisen. Es gibt zahlreiche Grenzübergänge nach Russland – für Zug, Auto und im Sommer per Schiff. Von Kiew und anderen grossen Städten fahren Züge z.B. nach Moskau, St. Petersburg, Woronjesch, Adler (bei Sochi) usw. Für Russland besteht Visazwang – Visa sind an der Grenze nicht erhältlich.

Auch zum nördlichen Nachbarn Weißrussland (Belarus) gibt es Bahn- und Strassenübergänge. Dazu gibt es direkte Züge zum Beispiel von Kiew nach Minsk (14 h) – einige fahren weiter nach Brest an der polnischen Grenze. Zudem gibt es einen Zug von Charkiv (Charkow) nach Vilnius (zur Erinnerung: Hauptstadt von Litauen). Der braucht rund 24 Stunden und fährt ebenfalls über die Belarus, nicht aber über Kiew. Ansonsten gibt es auch direkte von Lettland und Litauen in die Ukraine. Wie bei Russland gilt Visazwang für die Belarus und auch hier ist es nicht an der Grenze erhältlich.

Von Polen fahren zahlreiche Züge, vor allem von Warschau, aber auch von Krakau, nach Kiew und teilweise nach Lublin. Wer mit dem Auto einreist, muss Geduld mitbringen – sehr lange Schlangen an der Grenze sind die Regel – die Mafia vergibt Wartepositionen.

In die Slowakei gibt es zwei Übergänge. Einer für die Strasse nahe Ushgorod; ein weiterer bei Tschop für die Bahn – jene fährt von Kosice nach Kiew. Bestechung an der Grenze scheint üblich zu sein – als Fussgänger hatten wir jedoch keine Probleme. Die Warteschlangen waren relativ kurz. Kein Visazwang für Deutsche.

Ebenfalls bei Tschop (liegt im Dreiländereck) gibt es einen Grenzübergang nach Ungarn für Autos und Bahn. Es gibt Züge von Kiew nach Budapest. Visum für Deutsche nicht erforderlich.

Südlich der Waldkarpaten gibt es einen Grenzübergang nach Rumänien für alle Verkehrsmittel – Richtung Bacau. Seit kurzem herrscht kein Visazwang für Deutsche. Achtung: Südlich Moldawiens, im Donaudelta, gibt es keinen direkten Übergang nach Rumänien!!

Es gibt zahlreiche Übergänge nach Moldawien. Hier gibt es einiges zu beachten:

  • 1. Man muss vorher ein Visum holen.
  • 2. Einige innerukrainische Züge (z.B. von Odessa nach Tschernovcy oder von Odessa nach Reni) fahren kurz durch moldawisches Gebiet. Ohne Transitvisum gibt es hier Probleme!
  • 3. Das Gebiet zwischen dem Fluss Dnjestr und der ukrainischen Grenze ist eine abtrünnige Republik namens
    Transnestrien (PMR) (Hauptstadt Tiraspol). Da diese von niemandem anerkannt wird, gibt es kein Visum. Allerdings wird in dem schmalen Streifen richtig viel Bestechungsgeld verlangt (wenn man aus der Ukraine kommt). Es fahren Züge von Odessa nach Chisinau (Kischinow) – allerdings fahren die auch durch Tiraspol.

Von Deutschland, genauer gesagt von Berlin-Lichtenberg, fährt ein Zug pro Tag durch nach Kiew (mit Kurswagen nach Simferopol). Der Zug fährt 21:42 von Berlin ab und über Frankfurt/Oder, Warschau, Lublin und Kowel nach Kiew, wo er 26 Stunden später in Kiew ankommt – um 23:45. Ab 13 Uhr ist der Zug in der Ukraine (Zeitverschiebung MESZ +1 h), wo er dann zwei Stunden in eine Halle kommt, wo der Radstand auf die breitere, ex-sowjetische Spur gebracht wird (Stalin hatte einst Angst, dass der Westen sein Land auf der Schiene überfällt). Im Gegensatz zu Brest in Weissrussland darf man die Waggons hier nicht verlassen. Eine einfache Fahrt in diesem Zug kostet von Berlin nach Kiew ohne alle Rabatte rd. 100 Euro – 22 Euro davon sind für den Liegewagenplatz (der Zug besteht nur aus Liegewagen). Der Zug hat Dreibettabteile und ist sehr neu – mit dem Ergebnis, dass man jetzt weniger Platz hat als in den alten sowjetischen Zügen.

Reisen im Land

Reisen innerhalb der Ukraine: Das bedeutet, so man nicht mit eigenem Auto anreist, Zugfahren. Exzessives Zugfahren. Die Ukraine ist wesentlich grösser als Deutschland, und somit gilt es, lange Distanzen zurückzulegen. Die Ukraine hat ein sehr ausgedehntes Eisenbahnnetz, und Züge fahren rund um die Uhr. Langstreckenzüge brauchen oft über 12 Stunden, weshalb viele von ihnen nachts unterwegs sind.

Fahrkarten bekommt man logischerweise an den Fahrkartenschaltern – aber: Nicht an allen. Es gibt Schalter für Rentner, für Invaliden, für Familien mit Kind usw. Die Schalter machen sehr oft zwischendurch zu – diese Zeiten stehen jedoch am Schalter geschrieben. Die Fahrkartenverkäufer sind oft sehr unfreundlich – man merkt, dass man stört. Jeder braucht zum Fahrkartenkauf seinen Pass, denn der Name wird auf das Ticket gedruckt. Zusätzlich will man bei Ausländern das Visum sehen (da dort der Name des Passbesitzers in kyrillisch geschrieben steht). Ganz knapp vor Abfahrt Fahrkarten zu kaufen ist nicht möglich. Am besten einen Tag vorher kaufen.

Bei Langstreckenzügen gibt es keine normalen Sitzplätze, sondern nur Kupe oder Plazkartnyi (woher das Wort wohl kommt!?). Kupe – das sind Vier-Bett-Abteile: Zwei Betten oben, zwei unten. Es gibt viel Stauraum über der Tür und unter dem Bett. Es gibt einen regelrechten Bettkasten, so dass das Gepäck ziemlich sicher ist, wenn man schläft. Fenster kann man nicht öffnen, aber manchmal funktioniert die Klimaanlage. Einen kleinen Tisch am Fenster gibts auch.

Kupe ist freilich etwas teurer (aber nicht viel) als Plazkartnyi. Plazkartnyi besteht auch aus Vier-Bett-Abteilen – allerdings gibt es keine richtigen Abteile, da es keine Türen gibt. In der Mitte gibt es einen Gang – und dem gegenüber zwei Betten übereinander am Fenster. Will heissen, Plazkartnyi ist voller, lauter, enger und – hier liegt das Problem – richtig heiss, so es draussen warm ist. In beiden Zugarten kostet Bettwäsche – immerhin inklusive Handtuch – extra! Und zwar meistens einen guten Euro! Wer keine Bettwäsche kauft, darf auch die Kopfkissen und Decken nicht benutzen – der Zugbegleiter kann richtig wild werden, wenn er/sie so etwas sieht.

Im Zug durch die Waldkarpaten
Im Zug durch die Waldkarpaten

A propos Zugbegleiter: Jeder Waggon hat einen. Frau oder Mann. Es sind teilweise echte Drachen dabei, die richtig garstig sein können – einige von ihnen können aber während der Fahrt richtig freundlich werden oder sind es von Anfang an. Ihre Aufgabe ist nicht zu beneiden: So müssen sie z.B. vor und nach jedem Bahnhof durch den ganzen Waggon rennen, um die Toiletten zu- und aufzuschliessen. Bei ihnen kann man bis eine Stunde vor Ankunft auch Tee und Kaffee kaufen – kostet so um die 15 cent. Am besten kaufen, wenn sie selbst herumgehen und fragen, denn dann ist das Wasser wirklich heiss. Ansonsten ist es nur lauwarm. Vor dem Einsteigen in den Zug zeigt man dem Zugbegleiter Reisepass und Fahrkarte. Selbige wird dann eingesammelt und kurz vor Ankunft zurückgegeben. Verschlafen ist unmöglich – der Zugbegleiter sagt rechtzeitig bescheid (sehr, sehr praktisch!).

Jeder Waggon hat eine Toilette. Je nach Zugbegleiter kann die richtig sauber aber auch schweinedreckig sein – da sich viele Leute auf die Brille stellen beim ****en. Warum!? Na weil die Brille dreckig ist. Was sie nicht wäre, wenn sich nicht alle raufstellen würden. Auf vorhandenes Toilettenpapier sollte man nicht bauen – oft ist keins da. Und hier kommt das Geheimnis des fliessenden Wassers: Hinter dem Wasserhahn (durch den selbigen also nicht sichtbar) auf der Unterseite gibt es einen metallenen Stift. Den muss man nach oben drücken. Wenn man das nicht kennt, hat man keine Chance, es herauszufinden…

Langstreckenzüge haben entweder einen kompletten Restaurantwagen oder ein Buffet. Die Buffets sind unzuverlässig – wenn kein Kunde da ist, macht man halt zu. Die Restaurants sind richtig gut und bequem. Es gibt richtiges Essen, Snacks, alkoholische, nichtalkoholische und heisse Getränke zu moderaten Preisen. Wer rauchen will, kann das in allen Zügen zwischen den Waggons tun.

Visum

Achtung: Untenstehende Informationen zum Thema Visum sind zu grossen Teil veraltet (von 2003). Deutsche Staatsbürger zum Beispiel benötigen kein Visum mehr seit 2005.

Man kann man das Visum nicht an der Grenze erhalten sondern muss es sich vorher besorgen. Zum Beispiel bei der Berliner Botschaft. Dauert laut der „netten“ Frau am Telefon 20 Arbeitstage, wenn man es per Post beantragt. Und 5, 6 Tage wenn man persönlich erscheint. 20 Arbeitstage – das ist ein ganzer Monat und war für mich zu eng. Ich fragte am Telefon, ob und wann ich persönlich vorbeikommen kann. „Jeden Wochentag! Am besten vormittags!“ wurde mir gesagt. Und – so steht es auch bei den Öffnungszeiten in der Homepage. Also fahre ich am nächsten freien Tag von Halle nach Berlin. Gute drei Stunden später und 20 € ärmer stehe ich vor der Botschaft. Und was sagt der Pförtner? „Kommen Sie morgen wieder! Heut ist zu!“ Klasse. Dann streitet man noch mit mir, dass es auch in der Homepage steht, dass donnerstags geschlossen ist. Plötzlich spricht auch keiner mehr ein Wort Deutsch. Alles Lamentieren hilft nicht – ich muss die Unterlagen dort in den Briefkasten werfen. Happy End: Nach bereits zweieinhalb Wochen kommt mein Pass wieder bei mir an. Natürlich mit 12.80 Euro Nachnahme, da ja Postweg (obwohl ich ein Rückantwort-Einschreiben beigelegt hatte und das auch benutzt wurde).

Heute nicht mehr nötig: Ukrainisches Visum
Heute nicht mehr nötig: Ukrainisches Visum

Jetzt aber zum Wesentlichen: Es gibt verschiedene Visaarten: Geschäftsvisum, Touristenvisum, Transitvisum, Privatvisum usw. Wer einfach mal so in die Ukraine fahren möchte, sollte sich das Privatvisum besorgen, denn bei einem Touristenvisum braucht man sogenannte Vouchers, also Bestätigungen für bereits gebuchte Hotels. Wirklich einfach zu bekommen ist das Privatvisum. Hier steht, was Ihr dazu braucht:

  • Einen nach Ausreise mindestens noch einen Monat gültigen Reisepass
  • Ein ausgefülltes Visaformular (kann man zum Beispiel bei Visaexpress herunterladen. (Man muss bei der Benutzung nicht zwingend die Dienste von Visaexpress beanspruchen). Auf das Formular kommt ein Passphoto. Und – man braucht eine Kontaktadresse in der Ukraine. Diese wird nicht überprüft! Man muss auch nicht unbedingt bei dieser Adresse auftauchen – in der Ukraine kann man sich frei bewegen
  • Eine Krankenversicherung für den Zeitraum der Reise. Und diese muss von der Axa Colonia sein. Kostet 20 Euro für einen Monat und kann telefonisch abgeschlossen werden. Ohne diese Versicherung gibt es kein Visum in Deutschland!!! Wer von woanders kommt, kann bzw. muss diese Versicherung an der Grenze abschliessen! Kostet dort 13 Euro.
  • Einzahlungsbestätigung für die Visagebühr – im Falle des Privatvisums (einmalige Ein- &Ausreise, einen Monat lang gültig) 50 Euro plus 10 Euro, wenn man den Postweg wählt. Nicht in bar bezahlbar!

Mehr auf der Homepage der Ukrainischen Botschaft in Deutschland. Achtung, die Seite ist zwar gut aber etwas verwirrend. Die angegebenen Öffnungszeiten gelten nicht für die Konsularabteilung!!! Die stehen extra geschrieben – Donnerstag ist geschlossen. Ansonsten ist die Erteilung des Visas schnell und unproblematisch.

Mehr zum Lesen: Interessante Links

  • www.go2kiev.com: Schön übersichtliche Seite mit vielen Tipps zu Kiev und zum Land. Gerade für Leute die länger oder öfter in Kiev weilen wird es hier hochinteressant. Englisch.
  • www.Tabibito.de/reiseberichte/04.html: Reisebericht von Tabibito über eine ausgedehnte Tour durch die Ukraine
Nach Kiew Nach Dnepropetrovsk Nach Simferopol und zur Krim Nach Jalta am Schwarzen Meer Nach Odessa Nach Lwow Nach Ushgorod Tabibito's Startseite Ins schöne Rumänien Nach Ungarn Nach Moldau and Transdnestrien In die Slowakei Nach Polen Für Abenteurer: Belarus mit seiner KGB

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