Tschechien – Allgemeines, Reisetipps, Historisches und mehr

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Landesname & Flagge

Česká Republika. [ Č ] liest man wie [tsch] – deshalb auf Deutsch Tschechien. Der in Deutschland auch häufig benutzte Name „Tschechei“ weckt bei Tschechen unangenehme Assoziationen (versicherten mir mehrere Tschechen). Wer also nicht unangenehm in Tschechien auffallen möchte, sollte bei „Tschechien“ bleiben.

Zur Flagge – die jetzige Flagge war bereits von 1920 bis 1992 die Flagge der Tschechoslowakei. Weiss und rot sind die Farben Böhmens, blau die von Mähren. Zudem sind rot, weiss und blau die panslawischen Farben (siehe z.B. Flagge Russlands).

Fläche & Bevölkerung

Anklickbare Karte von Tschechien
Anklickbare Karte von Tschechien

Tschechien ist 78’886 km² gross (etwas grösser als Bayern), grenzt im Norden an Polen, im Osten an die Slowakei, im Süden an Österreich und im Westen an Deutschland. Bekannterweise gibt es keine Küste.

In Tschechien leben ca. 10.6 Mio Menschen. Tendenz leicht steigend – eine Seltenheit, denn viele Länder vor allem in Ost- und Mitteleuropa kämpfen mit einer negativen Wachstumsrate.

Im Land leben ca. 81% Tschechen, 13% Mähren, 3% Slowaken sowie kleinere Minderheiten von Polen, Deutschen (0.5%), Schlesiern, Roma, Ungarn usw.

Religion

Bei den Religionen sieht es interessant aus – Römisch-Katholisch sind knapp 40%, religionslos allerdings auch fast 40%. Des weiteren gibt es protestantische und orthodoxe Minderheiten.

Zeitzone

Mitteleuropäische Zeitzone (gleich mit Deutschland, Österreich und der Schweiz, GMT +01 Stunde) mit Sommer- und Winterzeit (+1 Stunde im Sommer).

Wirtschaft

Schon vor 1989 gehörte die Tschechoslowakei zu den wirtschaftlich und vom Lebensstandard her gesehen besser gestellten Ländern des Ostblocks. Selbstverständlich gab es nach den tiefgreifenden Umwälzungen auch in Tschechien einen tiefen wirtschaftlichen Einbruch. Doch die Inflation hat man seit Jahren im Griff, und die Wirtschaft wächst nachhaltig. Auch finanzpolitisch gesehen ist Tschechien recht stabil – das Land erfüllt weitestgehend die EU-Kriterien und wurde deshalb auch im Frühjahr 2004 neben einigen anderen Staaten wie Ungarn, Polen usw. EU-Mitglied. Vor allem der Aussenhandel, aber auch die Binnennachfrage haben zugelegt. Bei einem vorangegangenen Volksentscheid stimmten übrigens mehr als drei Viertel der Tschechen für den EU-Beitritt.

Grösster Import- und Exportpartner ist Deutschland mit jeweils ca. 40%. Was ziemlich offensichtlich ist – in vielen Stadtzentren sieht es aus wie in deutschen Städten. Von der Volksbank über Kaufland bis Rossmann ist alles vertreten. Es werden munter Firmen geschluckt und Immobilien gekauft. Mal sehen, wie sich der EU-Beitritt auf die Lage auswirkt.

Politik

Politisch gesehen ist Tschechien überdurchschnittlich stabil – keine Putschversuche, keine wilden Aktionen – stattdessen regierte Vaclav Havel von 1993 an ganze zehn Jahre das Land und sorgte definitiv für einen guten Ruf in der Welt – Vaclav Havel wurde weltweit geachtet. 2003 trat Havel zurück. Daraufhin wurde Vaclav Klaus zum Präsidenten gewählt.

Einen internationalen Disput gibt es allerdings – die fürstliche Familie von Liechtenstein verlangt einst enteignete 1’600 km² Land zurück! Gerüchten zufolge ist jedoch mit einer Annexion Tschechiens durch die Liechtenstein’schen Garden in Bälde nicht zu rechnen – solange Österreich die Überflugrechte nicht genehmigt.

Reiseinfos

Vorwort

Ich war wohl um die 10 Jahre alt, als ich zum ersten Mal nach Tschechien fuhr (genauer gesagt, mit meinen Eltern fuhr) – zu der Zeit war es noch die Tschechoslowakei. Mehrere Touren sollten noch folgen, bevor sich Tschechien und die Slowakei trennten. Und während sich die Staaten trennten. Und erst recht danach. Ich habe nicht gezählt, aber es dürften mindestens 30 Touren gewesen sein – keine Tagestouren, wohlgemerkt. Ich kann trotzdem nicht behaupten, es sei genug – ich liebe das Land, die Leute, das Essen, die Städte, die Landschaft und – zugegebenermassen – das Bier. Nach Tschechien zu fahren ist wie einen alten Freund besuchen – vieles mag sich geändert haben über die Jahre, aber nicht notwendigerweise zum Schlechten. Obwohl Prag sich meiner Meinung nach eher zum Schlechten gewandelt hat. Da Prag seit Ende des Sozialismus sehr touristisch geworden ist, versuche ich die Hauptstadt seitdem zu meiden, obwohl ein gelegentlicher Besuch trotzdem seinen Reiz hat. Ich kann nur jedem Tschechien-Besucher raten, mehr zu besuchen als die Hauptstadt und die grenznahen Gebiete – es gibt so viel mehr zu entdecken.

Einreise & Visum

Mit dem EU-Beitritt fallen die Zollkontrollen weg. Trotzdem gelten die bisherigen Ein- und Ausfuhrbestimmungen – mobile Zöllner kontrollieren im Hinterland. Deutsche Staatsbürger brauchen kein Visum und noch nicht einmal einen Reisepass – Personalausweis genügt. Der wird auch kontrolliert, da Tschechien nicht zu den Staaten des Schengener Abkommens gehört. Es gibt unzählige Grenzübergänge in die Slowakei, nach Polen, Österreich und Deutschland. Darunter selbst personallose, grüne Übergänge an Wanderwegen usw.

Geld

Tschechische Kronen. Auf Tschechisch Koruna Českých. Die Langform sieht man selten, üblich ist die Kurzform national bzw. CZK international. Eine Krone sind 100 Heller (Haleru).

Tschechischer 50-Kronen-Schein
Tschechischer 50-Kronen-Schein

Es gibt Geldscheine im Wert von 50, 100, 500, 1’000, 2’000 und 5’000 Kronen. Die grossen Scheine wird man an Kiosken usw. ziemlich schwer los. Es gibt auch einen 20 Kronen-Schein, aber der ist allmählich durch Münzen ersetzt worden und kaum noch zu finden. An Münzen gibt es 10, 20, 50 Heller und 1, 2, 5, 10, 20 und 50 Kronen. Letztere ist selten anzutreffen und eine sehr schöne, zweifarbige Prägung. Der Kurs zum Euro ist ziemlich stabil und lag in den letzten Jahren bei 1 € = 25 Kč.

Geldtausch

Nach Möglichkeit nicht in den Bahnhöfen und Umtauschstuben in Prag – auf die eine oder andere Art kommt man schlecht bei weg – durch überhöhte Gebühren oder schlechte Kurse. EC-Karten bzw. Maestro-Karten kann man an jedem Geldautomaten benutzen, und die gibt es genauso häufig wie in Deutschland.

Die Gebühr pro Abhebung beträgt in der Regel 4 Euro – dafür ist die Wechselrate aber auch besser als in den Wechselstuben. Achtung: Gerade in Prag gibt es viele Betrüger, die bessere Kurse anbieten. Da der Kurssatz fest definiert ist und es keinen Schwarzmarkt gibt, sind die auf jeden Fall zu meiden! In den Grenzgebieten zu Österreich und Deutschland kann man in Restaurants und Läden oftmals mit Euro bezahlen.

Reisekasse

Je nach Mobilität und Anspruch an die Unterkunft kommt man mit 20 € am Tag problemlos aus. Nicht aber in Prag – rechnet man die Eintrittspreise und alles hinzu, kommt man in Prag schnell auf 50 € und mehr am Tag.

Anreise

Flugzeug

Es gibt direkte Flugverbindungen von fast allen Hauptstädten Europas sowie allen grossen Flughäfen Deutschlands nach Prag.

Bahn

Sowohl Fern- als auch Nahverkehrszüge fahren nach Tschechien. Der Pannonia-Express zum Beispiel fährt von Berlin nach Budapest über Dresden, Prag, Brno und Bratislava. Es gibt Fernverkehrszüge nach Warschau, Brest und Minsk sowie nach Bukarest, Varna, Wien usw.

Fahrschein der tschechischen Eisenbahn
Fahrschein der tschechischen Eisenbahn

Hier die Fahrtzeiten von einigen deutschen Städten nach Prag: Berlin 4½ h, Hamburg (direkt), 7½ h, Frankfurt 7 h (über Dresden) und 8½ h mit Nachtzug direkt, München 9 h (Nachtzug) oder 6½ h über Nürnberg, Dresden 2h 19′. Für den Preis gilt – wer nicht allein fährt, zahlt weniger. Wer Hin- und Rückfahrt bucht, zahlt weniger. Es ist billiger, in Deutschland Hin-und Rückfahrt zu buchen, als in Deutschland nur die Hinfahrt zu kaufen und in Tschechien die Rückfahrt.

Selbst mit dem Schönes-Wochenende-Ticket kommt man ins Land: Die Vogtlandbahn fährt von Plauen über Cheb nach Marktredwitz. Von Cheb kann man dann mit den wesentlich billigeren, tschechischen Tarifen fahren.

Auto

Wie bereits erwähnt, gibt es unzählige Grenzübergänge. Je nach Jahres- und Tageszeit kann die Wartezeit an der Grenze etwas länger werden, bleibt aber normalerweise im Rahmen.

Transport

In Tschechien kann man sich frei und problemlos bewegen – es gibt nichts Besonderes zu beachten. Das Strassennetz ist ziemlich gut ausgebaut, und auch das Schienennetz ist relativ dicht. Hier ein paar Einzelheiten:

Flugzeug

Es gibt Inlandsflüge, aber die spielen keine so wichtige Rolle. Die wichtigste Verbindung ist die von Prag nach Brno. Für Reisende ist diese Verbindung unbedeutend – warum sollte man nicht für einen Bruchteil des Preises in drei Stunden mit dem Zug fahren?

Zug

Wichtige Vokabeln für Bahnfahrer
Fahrkarte jîzdenka
von…bis…über z…do…přes
Gruppenermässigung sleva pro skupiny
einfache Fahrt jednoduchá
Hin- und Rückfahrt zpáteční
Personen osob
Klasse třída

Die Tschechische Bahn České Dráhy (ČD) ist, soweit ich weiss, nachwievor staatlich und betreibt ein dichtes Netz. Die Züge sind in der Regel ziemlich sauber – sauberer zumindest als manch ICE oder IC, von den Regionalzügen ganz zu schweigen, der Deutschen Bahn. Hauptverkehrsknotenpunkt ist natürlich Prag, was bedeutet, dass man von Prag fast überall relativ schnell hinkommt. Verbindungen, die nicht über Prag laufen, können aber oftmals nervtötend langsam sein. Deswegen ist es gerade bei kleineren Städten durchaus ratsam, die Fahrtzeit der Züge mit denen der Busse zu überprüfen, denn letztere sind oftmals schneller und fahren direkt.

Richtige Expresszüge wie IC oder ICE in Deutschland gibt es im Inlandsverkehr nicht – die einzigen wirklich schnellen Züge sind die internationalen EC (Eurocity). Die sind aber dann auch spürbar teurer. Die meisten Züge sind entweder R (Schnellzüge) oder Os (Bummelbahnen). Letztere sind häufig nur kleine Triebwagen, quasi Ferkeltaxen. In der Regel sind tschechische Züge nicht sonderlich voll – das kann sich aber auch je nach Tageszeit und Tag blitzartig ändern. Langstreckenzüge haben übrigens auch Restaurantwagen.

Hauptbahnhof heisst auf tschechisch Hlavní Nadraží (kurz Hl. n.). Eine wichtige Vokabel, denn der Hauptbahnhof liegt in tschechischen Städten nicht zwangsläufig im oder Nahe des Zentrums.

Fahrpreise: Die tschechische Bahn bietet spürbare Rabatte bei der Buchung von Hin- & Rückfahrt und/oder bei Gruppenreisen. Diese Rabatte scheinen sich aber nicht aufzuaddieren. Der normale Kilometerpreis scheint bei ca. 1.2 bis 1.3 Kč pro Kilometer (also ca. 4 € auf 100 km)
zu liegen.

Bei Hin- und Rückfahrt, gleichzeitig gebucht, liegt der Preis bei ca. 0.7 Kč/km. Reist man zu zweit oder zu dritt oder mit noch mehr Leuten, bezahlt man zwischen 0.6 bis 0.7 Kč/km (entspräche gut 2 € auf 100 km). Die Preise verstehen sich für die 2. Klasse ohne Reservierung. Übrigens sind so ziemlich alle Inlandszüge komplette Nichtraucherzüge.

Auto

Die Strassen in Tschechien sind in der Regel ziemlich gut. Autobahnen gibt es auch – weite Teile davon, vor allem rund um Prag, sind mautplichtig. Man muss dazu an der erstbesten Tankstelle auf der Autobahn eine Plakette kaufen und an die Scheibe kleben. Ist aber nicht allzu teuer. Es gibt zwei Arten: Eine ist 10 Tage gültig, die andere ein ganzes Jahr. Demzufolge gibt es praktischerweise auch keine lästigen Mautstationen. Übrigens: Wer ohne Plakette erwischt wird, zahlt 5000 CZK (fast 170 Euro).

Tschechische Topographie, Natur und Klima

Tschechien besteht fast ausschliesslich aus Hügelland. Der Südwesten wird vom Bayerischen Wald/Böhmerwald (Šumava), der Nordwesten vom Erzgebirge (Krušné Hory) sowie vom Riesengebirge (Krkonoše) begrenzt. Der Westen Tschechiens (Böhmen) besteht aus sanftem Hügelland, der Osten (Mähren) aus etwas grösseren Hügeln und Bergen. Höchster Berg ist die Sněžka (Schneekoppe) im Riesengebirge mit 1602 m Höhe.

Aufgrund der Topographie fliesst kein Fluss nach Tschechien – alles fliesst heraus. Darunter die Elbe (Labe), die Moldau (Vltava) und die (March) Morava. In den Bergen gibt es noch viel Wald – allerdings mit ernstzunehmenden Waldschäden, im Landesinneren wechseln sich Felder mit Wäldern ab. Fast ein Drittel des Landes ist bewaldet.

Tschechische Geschichte – kurzer Überblick

Tschechien befindet sich an der Schnittstelle des deutschen Einflussbereiches und dem der slawischen Nationen. Und das seit über einem Jahrtausend. Im Gegensatz zu anderen Ländern war Tschechien nie wesentlich grösser als heute – spielte jedoch trotz seiner relativ geringen Grösse oft eine gewichtige Rolle. Der Name „Tschechien“ an sich tauchte erst später auf – in den Annalen findet man mehr die Namen Böhmen (Westtschechien) und Mähren (Osttschechien).

Ursprünge

Wahrscheinlich im 4. Jhd. u.Z. siedelte ein keltischer Stamm namens Boii in der Region und gab selbiger ihren Namen – „Böhmen“. Dann kamen germanische Stämme sowie seit dem 5. Jhd. westslawische Stämme, die seitdem das Gebiet dominierten. 830 vereinigten sich die Stämme, um das Grosse Mährische Reich zu gründen. 863 vollzog sich die Christianisierung – angestossen von den Mönchen Method und Kyrill, die damals von Ohrid aus fast ganz Osteuropa christianisierten.

Nach 995 dominierte die Adelsfamilie der Přemysl’s – sie schufen das Böhmische Reich, welches im 12. Jhd. zum Königreich wurde und immerhin selbst das heutige Slowenien beinhaltete. Allerdings starb die Přemysl-Dynastie 1306 aus. Durch die Verbindungen zwischen den einzelnen Königshäusern Europas wurde Böhmen ab 1310 ein Teil des Deutschen Reiches. Prag wurde Hauptstadt der Region, und dort wurde so auch 1348 die erste deutsche Universität gegründet.

Žižka-Statue in Tabor
Žižka-Statue in Tabor

Religionskriege

Der Religionsreformer Jan Hus brachte Anfang des 15. Jhd. die Hussiten-Bewegung ins Rollen. Jan Hus selbst wurde 1415 verbrannt, doch die Bewegung lebte weiter. Zentrum war die historische Stadt Tabor, von wo die Hussiten unter der Führung von Jan Žižka Böhmen bekehrten. 1434 kam das Ende der Hussiten, doch der starke, reformatorische Einfluss blieb. Ab 1526 vereinnahmten die katholischen Habsburger den Thron. 1618 begann der verheerende 30jährige Krieg mit dem berühmten Prager Fenstersturz. Seitdem wurde das Land zwangskatholisiert – und germanisiert.

Das Ende der Habsburger

1526 begann die Herrschaft der Habsburger, zu deren Reich später u.a. Ungarn, Teile Rumäniens, die Slowakei, Teile der Ukraine usw. gehörten. Böhmen blieb fast vierhundert Jahre unter dem Einfluss der Habsburger. 1848 gab es den Versuch einer Demokratischen Revolution, die jedoch nicht erfolgreich war. Allerdings schritt die industrielle Revolution umso schneller voran.

Während des Ersten Weltkrieges gab es erste Anregungen slowakischer und tschechischer Nationalisten, einen gemeinsamen, unabhängigen Staat zu gründen. Die Niederlage Deutschlands und Österreich-Ungarns kam dem entgegen – 1918 konnte das Ziel erfüllt werden. In der neu gebildeten Tschechoslowakei lagen nun ¾ des industriellen Potentials von Österreich-Ungarn. Und drei Millionen Deutsche blieben im Land – die meisten entlang der Grenzgebiete zu Deutschland und Österreich. Diese Gebiete wurden Sudetenland genannt.

Die Katastrophe

Lange währte die Unabhängigkeit der Tschechoslowakei nicht. Nach dem Anschluss Österreichs an Deutschland gelang es Hitler mit der Zustimmung Grossbritanniens und Frankreichs zum Münchner Abkommen, die Annexion des Sudetenlandes international zu legitimieren. Das war 1938. Den Rest holte sich Hitler schon 1939 und schuf das Protektorat Böhmen und Mähren. Die Slowakei wurde zu einem profaschistischen Marionettenstaat. Wie auch in den anderen besetzten Gebieten wurde fast die gesamte jüdische Bevölkerung vernichtet – erst wurden die Juden nach Terezin (Theresienstadt), von dort dann zu grossen Teilen in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert. Nur wenige überlebten. 1942 erschossen Attentäter den Reichsprotektor Heydrich – mit fatalen Folgen. Aus Rache wurde das Dorf Lidice nördlich von Prag nahezu ausradiert.

Noch nach der Kapitulation Deutschlands wurde in Prag gekämpft – erst sehr spät konnte Westböhmen von amerikanischen Truppen und der Rest des Landes von der Roten Armee eingenommen werden. Nun entlud sich die Rache der Tschechen an den Sudetendeutschen – es gab vereinzelt Massaker an Zivilisten und eine konsequente Vertreibung der Sudetendeutschen. Und das waren ja immerhin fast drei Millionen.

Beneš (fortan Benes) -Dekrete

Nach wie vor ein Streitpunkt sind die sogenannten Benes-Dekrete. 1945 erliess die vormalige Exilregierung 147 Dekrete, die das Nachkriegsleben regeln sollten. Dekret Nummer 5 und 12 besagen, dass „unzuverlässige Personen“ entschädigungslos zu enteignen seien. Als „unzuverlässige Personen“ wurden alle Deutschen und Ungarn im Lande definiert. Und entsprechend enteignet und vertrieben – denn ein anderes Dekret sprach allen Deutschen und Ungarn die tschechoslowakische Staatsbürgerschaft ab.

Ebenfalls strittig ist ein Gesetz aus dem Jahr 1946, in dem allen Personen, die zum Freiheitskampf beitrugen, eine vollständige Amnestie zugesichert wurde. Gilt für Taten zwischen dem 30.9.1938 und dem 28.10.1945. Man schaue sich das letztere Datum an. Wer also aus Rache nach dem Krieg einen Deutschen oder Ungarn ermordete, wurde nicht belangt. Denn die Definition „Beitrag zum Freiheitskampf“ ist nicht sehr konkret. Die Benes-Dekrete waren und sind natürlich vor allem den Sudetendeutschen ein Dorn im Auge. Bedingt auch zu Recht – ich kann mir persönlich nicht vorstellen, dass jeder Sudetendeutsche ein Nazi war. Einige Gruppen wollten die Rücknahme der Benes-Dekrete mit der EU-Aufnahme verknüpfen – sprich, wenn Tschechien die Dekrete nicht für nichtig erklärt, kommt sie nicht in die EU. Schlug jedoch fehl – die Dekrete wurden bestätigt.

Nach dem Krieg

Die Kommunistische Partei gewann mit sowjetischer Rückendeckung immer mehr die Oberhand. Klement Gottwald wurde Vorsitzender der Nationalen Front – einem Zusammenschluss aus Kommunisten und Sozialdemokraten. Das kommt einem bekannt vor? Genau! Wie in der DDR. Allerdings stiegen die Sozialdemokraten aus Protest 1948 aus dem Bündnis aus. Das hinderte die Kommunisten freilich nicht am Regieren.

1968 beschloss der Erste Sekretär der KP, Alexander Dubček, einen Sozialismus mit menschlichem Antlitz zu etablieren. Die Zensur wurde aufgehoben, politische Gefangene auf freien Fuss gesetzt u.v.m. Die Sowjetunion schaute erstmal nur zu, doch als Dubcek den Austritt aus dem Warschauer Pakt forderte, wurde es der Sowjetunion zu bunt. Ca. 200’000 Soldaten aus der Sowjetunion, der DDR und anderen Ostblockstaaten besetzten das Land und beendeten den Prager Frühling. Im Gegensatz zu den Aufständen in Ungarn und der DDR gab es jedoch vorwiegend nur passiven Widerstand seitens der Bevölkerung – zu gross war die Übermacht.

Eine repressive Zeit begann. 1977 gab es einen Schauprozess gegen eine oppositionelle Rockband. Daraufhin gründete sich eine Oppositionsbewegung im Untergrund, genannt Charter 77. Ihr gehörte u.a. auch Vaclav Havel an.

Perestroika

Die Ereignisse 1989-90 gleichen ein wenig denen in der DDR. Am Anfang stand eine gewaltsam aufgelöste Studentendemonstration. Der folgten weitere grosse Demonstrationen. Schliesslich gab es einen Generalstreik. Das Politbüro trat freiwillig zurück. Die Samtene Revolution war vollzogen. Das Bürgerforum, ein Sammelbecken von Oppositionsgruppen (quasi das tschechische „Neue Forum“ bzw. „Bündnis 90“), übernahm die Macht unter dem Interimspräsidenten und Dissidenten Václav Havel. Im Juni 1990 gab es freie Wahlen, bei denen die Kommunistische Partei gerade mal 15.6% der Parlamentssitze errang.

Die Scheidung

Slowakei hatte wohl genug von der Zentralregierung in Prag in den letzten Jahrzehnten und strebte die Unabhängigkeit an. Das wollte man nicht überstürzen – man gründete erstmal die ČSFR – die Tschechoslowakische Föderationsrepublik mit zwei gleichberechtigten Föderationen. Neues Geld wurde gedruckt. Die Meinungen der Vorsitzenden der jeweils stärksten Partei der beiden Länder, Václav Klaus (Bürgerliche Demokraten, Tschechien) und Vladimir Mečiar (Bewegung für eine demokratische Slowakei), gingen jedoch zu weit auseinander. Zum 31.12.1992 wurde deshalb die Samtene Scheidung vollzogen – Die Slowakei wurde unabhängig.

Wirtschaftlich steht Tschechien heute etwas besser dar als die Slowakei – zumal Mafia und Klüngelwirtschaft in der Slowakei mittlerweilen zum ernsten Problem geworden sind – verschiedenen Quellen zufolge. Aber auch die Slowakei ist im Aufschwung, was in den Städten nicht zu übersehen ist. Und sie tritt bzw. trat zeitgleich mit Tschechien der EU bei.

Links

Allgemeine nützliche Seiten

  • www.czech.cz: Portal zu allen offiziellen tschechischen Stellen. Sehr gut gemacht.
  • www.mapy.cz: Landkarten und Stadtpläne. Nützliche Zoom-Funktion.
  • www.supernavigator.cz: Auch sehr praktische Karten. Zeigt auch wichtige Punkte nebst Adresse an.
  • www.vlak.cz: Seite der Eisenbahn. Bus- und Bahnverbindungen nebst Preise.
  • guide.travel.cz: Sehr viele nützliche Reiseinfos und Ortsinformationen
  • www.traumlandnet.de: Grosses Portal zu Reisezielen weltweit. Hier der Link zur Tschechien-Sparte.
  • www.czech-up.de/: Frisches, informatives Portal über Tschechien.
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