Moldau – Allgemeines, Reisetipps, Historisches und mehr

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Landesname

Republica Moldova, auf Deutsch Republik Moldau – häufig jedoch nach wie vor Moldawien genannt, welches jedoch eigentlich die Region Ostrumäniens bezeichnet. Der russische Name lautet Молдавия (Moldaviya) – einer der Gründe, warum man den Namen Moldawien oft noch verwendet.

Fläche & Bevölkerung

Anklickbare Karte von Moldau
Anklickbare Karte von Moldau

Moldau ist nur 33’843 km² gross – in etwa so gross wie Nordrhein-Westfalen.

3,5 Millionen (2019) leben in Moldau – etwas weniger als der Freistaat Sachsen. Die Bevölkerungsentwicklung ist seit mehreren Jahren negativ, da hohe Kindersterblichkeit und Geburtenrückgang.

Bedenkt man die Grösse die Landes, ist die Zahl der verschiedenen Volksgruppen recht beachtlich: Moldauer/Rumänen machen 64,5% aus, Ukrainer: 13,8%, Russen: 13%, Juden: 1,5%, Bulgaren: 2%, Gagauzen (siehe Comrat) und andere 5.2%.

Religion

Fast 98% Orthodox, 1.5% Juden, sehr kleine Minderheiten von Baptisten und anderen.

Zeitzone

Deutsche Zeit minus eine Stunde – auch im Sommer.

Sprache

Offizielle Landessprache ist Moldauisch (Moldawisch), welches quasi Rumänisch ist – eine nichtslawische Sprache mit lateinischen Buchstaben. In Transnistrien (PMR) ist Russisch die Amtssprache. Allerdings ist auch so Russisch sehr verbreitet – so ziemlich jeder versteht es, und nicht wenige benutzen es auch im Alltag. Speisekarten, Schilder an Bussen usw. sind mal Russisch, mal Rumänisch, mal Beides. Englisch hilft kaum weiter. Da die meisten Deutschstämmigen ausgewandert sind, ist auch Deutsch selten bzw. nie hilfreich. Übrigens lauten die russischen Ortsnamen oft ziemlich anders als die rumänischen. Beispiel Orhei: Manche verstehen den Ortsnamen nicht sondern kennen nur den russischen Namen Оргеев (Orgeyev) – offensichtlich ein grosser Unterschied.

Allgemeines

Prolog

Als meine Frau und ich zum ersten Mal versuchten, nach Moldau zu reisen, machte uns die moldawische Botschaft in Bukarest einen dicken Strich durch dir Rechnung – da meine Frau einen japanischen Pass hat, hiess es plötzlich, dass sie ein offizielles Einladungsschreiben benötigt (plötzlich bezieht sich darauf, dass man uns in der Botschaft in Berlin Wochen vorher Gegenteiliges mitteilte). Ein Jahr später versuchten wir es noch mal, und dann klappte es: Wir wurden von einer Familie aus einem kleinen Dorf in der Mitte des Landes eingeladen – da ein Familienmitglied in Berlin lebt und wir uns über ein paar Ecken kennenlernten. Moldau ist sehr ländlich, aber genau das macht es so reizvoll. Wir nutzten die Zeit auch für einen Abstecher in die abtrünnige Republik Transnistrien, welches sich nach einem kurzen aber blutigen Bürgerkrieg Anfang der 90er von Moldau trennte. Der Besuch dort war wie eine Reise in die Vergangenheit – die Zeit der Sowjetunion. Moldau, und auch Transnistrien, sind sehr faszinierend und die Bewohner mehr als nett.

Visa

Mit Ausnahme von Staatsbürgern der ehemaligen Sowjetunion herrscht für so ziemlich jeden Visumzwang. Das kann man z.B. beim Konsulat der Republik Moldau in Bukarest bekommen. Oder wohl auch bei der Einreise a, Flughafen oder an der Grenze. Auf letzteres würde ich mich allerdings nicht verlassen!!!

Moldawisches Visum
Moldawisches Visum

Sicherer und unkomplizierter ist es, zumindest für deutsche Staatsbürger, es bei der Botschaft in Berlin zu holen. Und so geht es: 45 Euro plus 5 Euro Extragebühr an zwei separate Konten überweisen, Visumsantrag von der Botschaft faxen lassen, ausfüllen, zusammen mit Pass, Überweisungsbestätigung, ein Passfoto, Antrag und an sich selbst adressierten Rückumschlag an die Botschaft schicken. Dauert dann zwei bis drei Wochen. Man braucht keine Einladung, aber eine Adresse in Moldau!!! Diese wird nicht kontaktiert – aber sie sollte schon stimmen. Mich bitte nicht nach einer Adresse fragen – stattdessen einen der Links unten kontaktieren! Man kann natürlich auch selbst zur Botschaft gehen und den Pass selbst wieder abholen. Das einfache Visum ist am praktischsten – gilt einen ganzen Monat. Achtung: Auch wer nach Transnistrien fahren möchte, braucht kein zweifaches Visum, da man de facto Moldau nicht verlässt!!!.

Also – am besten erstmal die Botschaft kontaktieren, da sich die Bestimmungen schnell ändern können. Und Formblatt zuschicken lassen. Die Leute bei der Botschaft sind sehr nett und hilfsbereit. Adresse:

Botschaft der Republik Moldau

Konsularabteilung

Gotlandstr. 16

10439 Berlin

Tel.: 030-283 5237

Fax: 030-446 52972

Nachtrag: Die Visapflicht für deutsche Staatsbürger ist mittlerweilen aufgehoben – man kann bis zu 90 Tage im Land ohne Visum verbleiben!

Einschränkungen

Laut Botschaft muss man sich innerhalb von drei Tagen bei den örtlichen Polizeibehörden melden!!! Dies gilt nicht bei Hotelaufenthalten – man bekommt vom Hotel eine Bestätigung, dass man dort übernachtet hat. Diese muss man bei der Ausreise vorlegen. So weit so gut – Ich war sechs Tage in Moldau, zwei Nächte davon bei Bekannten und den Rest im Hotel. Vom Hotel bekam ich ebensolche Bestätigung. Das hat an der Grenze jedoch niemanden interessiert – es gab keine Fragen und man wollte keine weiteren Dokumente sehen. Darauf sollte man sich jedoch auf gar keinen Fall verlassen!!!

An der Grenze muss man ein Formular ausfüllen, auf dem man vermerkt, wieviel Bargeld man dabei hat. Das Schreiben ist wichtig und muss bei der Ausreise wieder abgegeben werden! Wer bei der Ausreise mehr Geld dabei hat als bei der Einreise, hat ein Problem – das Geld wird dann eingezogen. Allerdings wurden wir zum Beispiel weder bei der Ein- noch bei der Ausreise kontrolliert.

Geld

Wie auch in Rumänien heisst die Währung Leu (Plural: Lei), welcher aus 100 Bani besteht. Der Kurs im Mai 2004 lag bei ca. 14:1. im Sommer 2006 bei 17 Lei = 1 Euro und 2019 bei rund 20:1.

100 Lei-Schein
100 Lei-Schein

Die Währung ist frei konvertierbar, da die Preise freigegeben wurden. Die Inflation hält sich in Grenzen. Obwohl konvertierbar, wird man moldawisches Geld im Ausland nicht los!!! Ausnahme scheint lediglich Odessa zu sein.

Es gibt Münzen im Wert von 5, 10, 25 und 50 Bani, die aber keine so grosse Rolle spielen. Geldscheine gibt es im Wert von 1, 5, 10, 25, 50, 100 und 200 Lei. Die 1-Leu-Scheine spielen eine enorm wichtige Rolle – man sollte immer ein paar davon zur Hand haben!!! Achtung: Moldawisches Geld ist in Transnistrien ungültig, kann aber dort getauscht werden.

In der Hauptstadt gibt es etliche Geldautomaten, und so auch in Bălţi und Orhei. Woanders sieht es mau aus. Aber es gibt überall Wechselstuben. Der Kurs an der Grenze ist eher schlecht. Pro Abhebung mit einer EC-Karte bezahlt man die üblichen 4 % oder mindestens 4 Euro.

Preise

Die Republik Moldau ist aufgrund der wirtschaftlichen Verhältnisse natürlich für westliche Besucher sehr billig. Mit Abstand am teuersten ist das Übernachten – kostet in der Hauptstadt mindestens 10 Euro pro Nacht. Es sei denn, man hat private Kontakte. Essen ist auch sehr billig, wobei es jedoch auch teurere Restaurants gibt. In besseren Restaurants zahlt man für ein Hauptgericht 15 bis 60 Lei (1 bis 4 Euro). Kaffee kostet meistens 2 bis 3 Lei. Sehr billig sind Verkehrsmittel – eine Fahrt von Chişinău nach Bălţi zum Beispiel (160 km) kostet mit dem Bus nur 24 Lei (1.7 €). Marshrutkas (Sammeltaxis) kosten in der Innenstadt zwischen 0.8 und 3.0 Lei – je nach Entfernung. Auch Fahrten in die Nachbarländer sind kaum teurer. Eintrittspreise, so überhaupt erhoben, sind lächerlich billig. Internet in Café’s kostet max. einen Euro pro Stunde. Wie auch in anderen GUS-Staaten (vom Baltikum abgesehen) sind Zigaretten und Alkohol unsagbar billig.

Wer halbwegs sparsam lebt, kann mit 20 bis 30 Euro pro Tag gut auskommen. Wobei der Löwenanteil davon freilich ans Hotel geht! Wer privat übernachtet und sich auf dem Markt versorgt, kann gar mit 5 Euro klarkommen. Kein Wunder – Moldawier verdienen im Durchschnitt um die 50 Euro pro Monat!

Anreise

Bus, Bahn oder Flugzeug. Es gibt mittlerweilen Direktflüge von Deutschland und Österreich nach Chişinău. Des weiteren kann man mit Zwischenstopp in Rumänien fliegen – scheint etwas billiger zu sein.

Wer mit Bus oder Bahn von Westen kommt, durchquert zwangsläufig Rumänien. Von dort fahren Züge, beginnend in Sofia (Bulgarien) oder Bukarest, über Iaşi in die moldawische Hauptstadt und von dort weiter über Tiraspol nach Kiew. Dies sind meist Nachtzüge. Da in Moldau noch das alte sowjetische Gleissystem mit grösserer Spurbreite besteht, steht man drei Stunden an der Grenze, damit die Achsen umgestellt werden können. Es gibt des weiteren noch direkte Züge nach Woronesch und Moskau in Russland sowie nach Minsk in Weissrussland.

Mit dem Bus oder Minibus kann man auch fahren: Der Minibus braucht nur knappe 5 Stunden von Iaşi nach Chişinău und fährt dann weiter nach Orhei. Bis zur Hauptstadt kostet es 170’000 rumänische Lei (ca. 4 Euro), bis Orhei 200’000 rum. Lei. Es gibt auch direkte Busse von Bălţi nach Suceava in der Südbukowina. Kostet 57 mold. Lei (4 Euro) und kann bis zu sechs Stunden dauern.

Grenzübergänge

Die Hauptgrenzübergänge zwischen Rumänien und Moldau liegen bei Sculeni (Strasse) und wenige Kilometer weiter südlich bei Ungheni (Bahn) sowie bei Albiţa – alle liegen in der Mitte. Es gibt jedoch noch weitere: Bei Lipcani hoch im Norden, Costeşti (weiter südlich), Cahul und Giurgiuleşti weit im Süden nahe der Grossstadt Galaţi.

Entgegen anders lautender Gerüchte scheinen auch die erwähnten kleineren Grenzübergänge für Reisende anderer Länder kein Problem zu sein. Wir wurden zwar am kleinen Übergang bei Costeşti komisch angeschaut und lange über unseren Reisezweck usw. befragt, aber letztendlich gab es keinerlei Probleme.

Es gibt zahlreiche Grenzübergänge zur Ukraine. Der grösste und praktischste liegt allerdings im Gebiet von Transnistrien (PMR) bei Pervomaisc – will heissen, Ausländer bekommen oft Probleme an der Grenze bzw. werden eine Menge Geld los. Die Übergänge im Norden sowie im Süden nach Ismail verlaufen nicht durch Transnistrien und sind deshalb wahrscheinlich unproblematischer. Allerdings führen alle Wege von Chisinau nach Odessa wohl oder übel durch Transnistrien – ob mit der Bahn oder mit dem Bus. Selbiges ist von Chisinau gerade mal 150 km entfernt.

Unterwegs im Land

Es gibt ca. 1300 km Bahnstrecke im Land – das ist nicht viel und die Bahn ist für Inlandsfahrten ziemlich unbrauchbar, da es kaum direkte Verbindungen zwischen den Grossstädten gibt – manchmal ist man geneigt zu glauben, dass in Moldau erst die Bahnlinien und danach die Städte gebaut wurden.

Die Busse sind nicht gerade die Neuesten...
Die Busse sind nicht gerade die Neuesten…

Ausserdem muss man beachten, dass die Bahn meist zu Sowjetzeiten gebaut wurde – das heisst, dass manche Züge mehrfach die moldawisch-ukrainische Grenze überqueren – was Probleme mit dem Visum mit sich bringt.

Besser bedient ist man mit Bussen – die sind in der Regel sehr, sehr alt. Und werden schnell voll. Es ist kein Problem, von A in die Hauptstadt zu kommen. Aber von A nach B, ohne über die Hauptstadt zu fahren, kann sehr problematisch werden. Etwas teurer sind Marshrutkas – also Sammeltaxis, die festgelegte Strecken abfahren. Sie fahren meist erst dann los, wenn sie voll sind. Wie auch in anderen Ex-Sowjetunion-Ländern gilt – Busse und Marshrutkas können überall angehalten werden und man kann, wo man will, aussteigen. Beide Verkehrsmittel fahren im jeweiligen autogară (Busbahnhof) der Stadt los und enden im selbigen. Der Busbahnhof liegt meist sehr zentral.

Essen und Trinken

Siehe Rumänien. Extrem verbreitet sind Milchprodukte – Brânză (Schafskäse), Caşcaval (Käse aus Kuhmilch), Smetana (russische saure Sahne), Tvorog (körniger Frischkäse, wird mit Zucker gegessen) usw. usf. gehören zum Standard. Interessant ist die Art und Weise, wie man hier Mâmâligâ (Polenta, Maisbrei) ißt – man tunkt den Brei erst in zerlassenen Speck, dann in Knoblauch und dann in Schafskäse. Simpel, lecker und macht satt.

Die russische Kücke (Pelmeni und Co.) ist auch nicht selten anzutreffen. Es gibt in Moldau zwei Arten von Restaurants – welche, die traditionelle rumänische Küche anbieten, und italienische. Beide kommen etwa gleich häufig vor. McDonalds hat auch schon in der Hauptstadt Fuss gefasst. In kleinen Städten sind Restaurants Mangelware, aber in Alimentari (Lebensmittelgeschäft) und auf den Märkten kann man sich selbst versorgen.

Vin (Wein) wird nahezu überall angebaut. Ganz bekannt für den Weinanbau ist Cricova – eine kleine Stadt keine 15 km nördlich der Hauptstadt. Dort wird der Wein in kilometerlangen Stollen gelagert. Und der Wein ist nicht zu verachten! Die trockenen Rotweine (Merlot, Cabernet Sauvignon usw.) z.B. sollte man unbedingt probiert haben. Wo es Wein gibt, gibt es auch Weinbrand. Mehr dazu siehe unter Transnistrien. Bere (Bier) gibt es freilich auch – die Marken „Chişinău“, „Vitanta“ und „Premium“ sind weit verbreitet. Letzteres ist wirklich gut. Und – Wodka (hier: Rachiu) gibt es natürlich auch in rauen Mengen.

Moldau’s Topographie, Natur und Klima

Moldau liegt eingequetscht zwischen Rumänien und der Ukraine, wobei Moldau das Pech hat, durch nur wenige Kilometer von der Schwarzmeerküste getrennt und damit küstenlos zu sein. Moldau hat keine richtigen Berge – die höchste Erhebung ist der Dealul Balanesti mit gerade mal 430 Metern. Jedoch – das ganze Land ist irgendwie bergig, mit zum Teil tiefen und abrupten Flusstälern, zum Beispiel in Orheiul Vechi am Fluss Răut und auch am grössten Fluss des Landes, dem Nistru (Dnestr).

Nur östlich des Dnestr und im Süden wird es flacher bis hügellos – schliesslich ist das Schwarze Meer nah. Entlang der Grenze zu Rumänien fliesst der Prut, welcher im Norden zwecks Energiegewinnung auch aufgestaut wird. Im Grossen und Ganzen besteht das Land schon fast aus Steppe, mit vereinzelten Wäldern hier und da. Es gibt lange, relativ trockene Sommer und kurze, aber knackige Winter. Bodenschätze hat das Land so gut wie gar nicht – lediglich mit fruchtbaren Böden kann man aufwarten. An der Oberfläche stehen meist Sedimentgesteine an – darunter sehr junger Muschelkalk sowie viel Sand, Kies und Gips.

Geschichte – kurzer Überblick

Historisch gesehen lässt sich das heutige Moldau in zwei Regionen unterteilen: in Bessarabien, dem Bereich zwischen den Flüssen Prut (Pruth) und Nistru (Dnestr, Dnjestr), sowie Transnistrien (alias Transdnjestrien, Transnestrien, Transdnestrien) – einem schmalen Streifen Land zwischen dem Fluss Nistru und der ukrainischen Grenze, also der heutigen „abtrünnigen“ PMR. Zur Historie letzterer Region siehe Geschichte Transnistriens.

Der Name Bessarabien wird schon einige Jahrhunderte benutzt, aber woher dieser Name eigentlich kommt, scheint unklar zu sein. Bis 1812 gehörte das Gebiet zu Moldawien – dieser Name kennzeichnet heute nur noch den Ostteil Rumäniens mit Iaşi als einstiger Hauptstadt und dem glorreichen Ştefan cel Mare (Stefan der Grosse), der von Suceava aus 1457 bis 1504 das Moldawische Reich regierte und noch heute auf den moldauischen Geldscheinen (siehe unten) geehrt wird. Und zwar auf allen! Ab der Mitte des 16. Jhd. wurde das Gebiet jedoch von den Türken erobert und lange regiert. Bis zum Jahre 1812: Im Verlaufe einer der vielen Russisch-Türkischen Kriege fällt Bessarabien an den Zaren. Der wollte die weiten, zugewonnenen Gebiete schnell besiedeln und sorgte dafür, dass sich auch viele deutsche Bauern hier niederliessen. Davon zeugen auch heute noch Ortsnamen wie Marienfeld oder Jacobstal – auf alten Karten gibt es selbst „Leipzig“ und vieles mehr. Jedoch – wie eingangs erwähnt – sind fast alle Deutschen ausgewandert.

Nach über 100 Jahren begann die wirre Zeit: 1918, nach der Oktoberrevolution, erklärte Bessarabien seine Unabhängigkeit von Russland und vereinigte sich mit Rumänien. Bis 1940 -dann eroberte die Rote Armee Bessarabien (gehörte zum Geheimvertrag von Ribbentrop und Molotov!).

Kontrollpunkt der russische Friedenstruppen am Dnestr
Kontrollpunkt der russische Friedenstruppen am Dnestr

Ein Jahr später, eroberten deutsche und rumänische Truppen das Gebiet zurück. Und 1944 kam wieder die Rote Armee – mit furchtbaren Folgen für die Moldawier. Das Land wurde sowjetisiert, das kyrillische Alphabet aufgezwungen und unzählige Moldawier deportiert. Bessarabien wurde mit Transnistrien vereinigt, und so entstand die Молдавская ССР (Maldavskaya SSR – Sozialistische Sowjetrepublik Moldawien). 1989, mit Glasnost, kam die Wende – das lateinische Alphabet durfte wieder benutzt werden. 1991 erklärte man die volle Unabhängigkeit, schloss sich aber sofort der GUS (Gemeinschaft unabhängiger Staaten) an. Zudem erklärte Moldau volle Neutralität – kann also nicht Mitglied militärischer Bündnisse wie der NATO werden.

Gagausische und slawische Minderheiten befürchteten eine Vereinigung mit Rumänien und hielten 1991 eigene Präsidentschaftswahlen ab. Die Spannungen, welche schon jahrelang schwelten, gipfelten 1992 schliesslich in einem vollen Bürgerkrieg zwischen Moldau und Transnistrien (genaueres dazu siehe unter Geschichte Transnistriens). Der Konflikt mit den Gagausen konnte schliesslich halbwegs friedlich gelöst werden – die Gagausier erhielten weitreichenden Autonomiestatus, Comrat wurde zur Hauptstadt.

Gegen Ende der 1990er war von einer Vereinigung mit Rumänien die Rede – davon ist man heute scheinbar weit entfernt. Moldau hat ein arges Exportdefizit, hohe Auslandsschulden. Übrigens errang die Kommunistische Partei bei den Wahlen 50,1 % der Stimmen und stellt seitdem den Präsidenten – das ist einmalig in Europa seit den 1990ern! Da frag ich mich doch persönlich, wieso es so grosse Probleme mit der ebenfalls kommunistischen PMR gibt.

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