Sumata – Schlucht in Kawanehoncho: Natur pur

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Region: 中部 Chubu
Präfektur: 静岡 Shizuoka

寸又峡 Sumata-Schlucht

3 von 5 Sternen: Kann man sich durchaus ansehen

Name:

Die Sumata-kyō (-kyō = Schlucht) verdankt ihren Namen dem gleichnamigen Fluss. Woher dieser jedoch seinen Namen hat ist ungewiss. “Su” – bedeutet “ein wenig”, bzw. steht das Zeichen auch für ein altes Längenmass (3.03 cm); mata bedeutet “wieder”.

Lage:

Die Schlucht liegt inmitten der Gemeinde Kawanehon, einer sehr spärlich besiedelten Verwaltungseinheit rund 40 km nordnordwestlich von der Präfekturhauptstadt Shizuoka. Die Stadt Kakegawa liegt rund 50 km entfernt.

Ansehen:

Besuchermagnet Nummer eins ist mit Abstand die 夢の吊り橋 – die “Traumhängebrücke”, aber die gesamte Gegend ist sehr attraktiv – zum Wandern und zum Onsen-Besuchen.

Beschreibung

Die Präfektur Shizuoka besteht hauptsächlich aus hohen Bergen und einer langen Pazifikküste. Nur ein relativ schmaler Streifen entlang der Küste besteht aus Flachland und ist deshalb stark besiedelt – hier fährt auch der Shinkansen von Tokyo nach Osaka durch. Fährt man jedoch ein paar dutzend Kilometer nach Norden, von der Küste weg, landet man schnell in dünn besiedeltem Bergland – den Südausläufern der japanischen Südalpen mit bis über 3’000 m hohen Gipfeln.

Zwischen Kakegawa und Shizuoka fliesst der in Küstennähe fast einen Kilometer breite 大井川 Ōigawa in den Pazifik. Der Fluss ist allerdings so sehr reguliert, dass kaum noch Wasser an der Mündung ankommt – was bleibt ist ein riesiges, fast trockenes Flußbett, das in den Sommermonaten wie eine kleine Wüste die weitere Umgebung mit feinstem Staub bedeckt. Deshalb gibt es schon seit Jahrzehnten eine “Gebt uns das Wasser zurück”-Bürgerinitiative.

Fährt man den Ōi-Fluss rund 70 Kilometer flußaufwärts Richtung Norden, gelangt man in die Ortschaft 川根本町 Kawane-Honchō. In der Gemeinde lebten bis in die 1950er über 20’000 Menschen – davon sind jetzt gerade mal 6’000 Einwohner übrig, und selbst die werden immer älter und immer weniger, und das, obwohl die Gegend durchaus bei Besuchern beliebt ist.

Die Hängebrücke in der Sumata-Schlucht
Die Hängebrücke in der Sumata-Schlucht

In Kawane-Honchō fliesst der wesentlich kürzere Sumata-Fluss in den Ōi-Fluss, und hier endet die rund 16 Kilometer lange Sumata-Schlucht mit einer durchschnittlichen Tiefe von 100 Metern. Aufgrund der Lage — mitten in den Bergen, rund 500 Meter über dem Meeresspiegel – ähneln die Bergwälder hier stark deutschen Wäldern, mit Buchen, Eichen, Ahorn usw. Da der Ahorn im Herbst leuchtend rot strahlt, ist die Gegend natürlich vor allem zu dieser Jahreszeit sehr beliebt.

Ein paar Kilometer flußaufwärts des Sumata wiederum – und am Ende der Strasse – liegt das 寸又峡温泉 Sumata-kyō Onsen, eine kleine Ansammlung von Häusern, Restaurants, sowie Ryokan (traditionellen japanischen Herbergen) mit Onsen – heissen Quellen. Das Quellwasser ist hier 43 Grad warm und damit genau richtig zum entspannen. Hier befindet sich auch die Endhaltestelle der Buslinie – und rund 800 Parkplätze.

Der Ort befindet sich auf rund 550 m Höhe. Läuft man vom Ort rund 2 Kilometer Richtung Norden und dann den Sumata-Fluss entlang, kommt man zur 夢の吊り橋 Yume-no-tsuribashi, der “Hängebrücke der Träume”. Die Brücke ist nur für Fußgänger, 90 Meter lang und führt in rund 8 Meter Höhe über das türkisfarbene Wasser des kleinen 大間ダム湖 Ōma-Stausees. Die Brücke ist durchaus schön gebaut: Ein schmaler Steg verläuft in der Mitte, und Planken mit grossen Lücken ragen auf beiden Seiten heraus. Seile auf beiden Seiten sorgen dafür, dass man sich festhalten kann, und das ist auch gut so, denn es schwankt beachtlich. Aus dem Grund dürfen auch nur 10 Menschen gleichzeitig auf die Brücke. Im Sommer und Winter funktioniert das ganz gut, wenn schlechtes Wetter herrscht. Doch oftmals ist hier so viel Betrieb, dass Brückenwächter den Besucherstrom regulieren müssen und die Richtung, von der man überquieren darf, gewechselt wird. Das sorgt mitunter für lange Warteschlangen.

Bergwelt an der Sumata-Schlucht - im Winter
Bergwelt an der Sumata-Schlucht – im Winter

Besonders im Herbst und im Frühjahr ist der Anblick natürlich erhaben – wenn sich das frische Grün im Frühjahr und das Knallrot der Ahornblätter im Herbst mit dem türkisfarbenen Wasser vermählt. Eine atemberaubende, und dennoch völlig natürliche Farbkombination. Man muss eben nur einen Moment abpassen, an dem der Ort nicht völlig überlaufen ist, und dafür übernachtet man am besten im Sumata-Onsen und geht ganz früh oder spät zur Schlucht.

Im kleinen Ort findet man eine kleine kulinarische Besonderheit. Das 紅竹食堂 Kuretake-Restaurant serviert Soba und Udon, aber gelegentlich auch 鹿刺し Shikasashi — rohes Rehfleisch. Das dürfen nur wenige Menschen in Japan zubereiten, denn Rehfleisch ist als solches zwar eigentlich gesund, roh aber etwas riskant aufgrund von Parasiten und teilweise auch Hepatitis-E-Viren. Der Geschmack ist eigen und ähnelt am ehesten Rindfleisch, aber weniger fettreich, mit einer komplexeren Textur. Durchaus empfehlenswert.

Eher selten: Rohes Rehfleisch
Eher selten: Rohes Rehfleisch

Umgebung

An der Sumata-Schlucht beginnen ein paar Bergwanderwege: So gelangt man von hier auf den 2’329 Meter hohen 大無間山 Daimugen-zan, von dem man die Gipfel der Südalpen und den Fuji-san sehen kann. Allerdings muss man rund sieben Stunden bis zum Gipfel einplanen – für einen Tagesaufstieg muss man also ziemlich fit sein. Man gelangt auch auf den 2,068m hohen 黒法師岳 Kurobōshigatake – den “südlichsten Zweitausender Japans”.

Anreise

In der Region verkehrt die 大井川鐵道 Ōigawa-Eisenbahn, gern auch kurz 大鐡 Daitetsu genannt – eine 1925 gebaute, schnucklige private Eisenbahnlinie, die teilweise sogar aufgrund des hohen Gefälles im Zahnradbetrieb läuft. Da die Bahn dem mäandernden Ōi-Fluss folgt, ist die gesamte Fahrt ein landschaftlicher Hingucker.

Von Shizuoka Stadt braucht man geschlagene 4 Stunden mit öffentlichen Verkehrsmitteln – die nächstgelegene Bahnstation ist アプトいちしろ Abt-Ichishiro, und von dort dauert es eine knappe Stunde zu Fuss bis zum Onsen. Busse verkehren selten.

Übernachtung

Im Sumatakyo-0nsen gibt es sechs kleinere Herbergen, die pro Person zwischen 9,600 und 25,000 yen kosten – die meisten haben eine angeschlossene heiße Quelle, aber es gibt auch ein öffentliches Bad, in dem man auch ohne zu übernachten ins heiße Quellwasser springen kann.

Zu allgemeinen Übernachtungstipps siehe Übernachtungstipps Japan.

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