Ōsumi-Halbinsel – menschenleere Gegend mit traumhafter Landschaft

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Region 九州 Kyūshū
Präfektur 鹿児島 Kagoshima
Rang 5 von 5 Sternen: Definitiv Sehenswert
Name 大隅半島. bedeutet “groß” und bedeutet “Ecke”. Der Ursprung ist nicht ganz klar, aber möglicherweise heisst die Gegend wirklich “Grosse Ecke”, da sie sich am Rand einer ehemaligen Provinz befand. Vor der Meiji-Restauration in der Mitte des 19. Jahrhunderts hiess die Gegend 大隅国 Ōsumi-no-kuni (Osumi-Land). Das Motto der Fremdenverkehrsbehörde der Halbinsel lautet übrigens: 隅に置けない、大隅半島。 Sumi ni okenai, Ōsumi-Hantō – “Kann man nicht in die Ecke stellen: Osumi-Halbinsel”.
Lage Die Halbinsel befindet sich im äußersten Südosten von Kyushu beziehungsweise der Präfektur Kagoshima. Dementsprechend befindet sich hier der südlichste Punkt der japanischen Hauptinseln (siehe Kap Sata weiter unten). Westlich der Halbinsel befindet sich die Bucht von Kagoshima, östlich und südlich der Pazifik. Tokyo ist fast ganz genau 1’000 Kilometer Luftlinie entfernt, die südkoreanische Hauptstadt Seoul hingegen nur 800 Kilometer und Shanghai rund 900 Kilometer.
Ansehen Die Halbinsel wartet mit vielen Leckerbissen für Naturliebhaber auf. Das beginnt mit dem sehr aktiven Vulkan Sakurajima, geht weiter mit dem wunderschönen Ogawa-Wasserfall und endet schliesslich mit dem Kap Sata – dort ändert sich das Klima spürbar und damit auch die Pflanzenwelt.

Beschreibung

Die Präfektur Kagoshima sieht ein bisschen aus wie ein gezogener Zahn – die linke Wurzel ist die Satsuma-Halbinsel, die rechte (und etwas längere) Wurzel die Ōsumi-Halbinsel, die von Meer und hohen Bergen geprägt wird. Mit 2,540 Quadratkilometern ist die Halbinsel in etwa so gross wie das Saarland, hat aber nur rund 285’000 Einwohner. Damit ist die gesamte Halbinsel wesentlich dünner besiedelt als der Rest des Landes – dabei ist eigentlich nur der Norden von Ōsumi wirklich besiedelt – im Süden leben gerade mal circa 30 Einwohner pro Quadratkilometer, Tendenz stark fallend wohlgemerkt. 1955 lebten hier insgesamt rund 470’000 Menschen – fast 40% sind seitdem also “verschwunden” – teils durch Abwanderung in die Städte, teils infolge der geringen Geburtenrate.

Auf der Halbinsel gibt es vier Städte – 鹿屋 Kanoya im Zentrum, 垂水 Tarumizu im Nordwesten, 曽於 So-o im Norden sowie 志布志 Shibushi im Nordosten. In diesen Städten leben zwei Drittel der Einwohner der Halbinsel. Kanoya ist dabei mit ziemlich genau 100,000 Einwohnern der mit Abstand grösste Ort der Gegend. Diese Stadt liegt in der insgesamt dicht besiedelten 笠野原台地 Kasanohara-Hochebene, einem 13 mal 10 Kilometer grossen Plateau auf rund 180 m Höhe über dem Meeresspiegel. Der Rest der Halbinsel ist mehr oder weniger gebirgig, mit kaum bis gar nicht vorhandenen Küstenebenen. Aus diesem Grund sind rund zwei Drittel bewaldet.

Gleich drei Bergketten durchziehen die Osumi-Halbinsel – das 高隈山地 Takakuma-Gebirge (bis 1,236 m hoch), das 肝属山地 Kimotsuki-Gebirge (bis 967m) und das 鰐塚山地 Wanitsuka-Gebirge (bis 1,118m). Seit einer gewaltigen Eruption im Jahr 1914 gehört auch der Sakurajima-Vulkan im Nordosten zur Halbinsel – dieser ist 1’117m hoch (mehr siehe unten).

Von Kanoya einmal abgesehen gibt es nicht viel Industrie auf der Halbinsel – hier dominiert vor allem die Landwirtschaft, zum Beispiel in Form von Viehzucht. Neben Hühnern werden auch Rinder, vor allem aber die für Kagoshima berühmten 黒豚 kurobuta (wörtlich: “schwarze Schweine”) gezüchtet. Diese kommen ursprünglich aus England und heissen dort Berkshire-Schweine, und wie bei so vielen anderen Sachen auch, hat man die Zucht in Japan zur Perfektion getrieben. Angeblich hat ein britischer Diplomat einst ein paar Schweine als Geschenk nach Japan mitgebracht, und seitdem (also seit dem 19. Jahrhundert) sind sie vor allem im Süden Japans beliebt.

Teile der Halbinsel gehören zum etwas zerstreut liegenden 霧島錦江湾国立公園 Kirishima-Kinkō-Bucht-Nationalpark, nämlich fast die gesamte Sakurajima-Halbinsel sowie die zerklüftete Südwestküste bis hin zum Kap Sata.

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Kap Sata 佐多岬

Japan ist bekanntermassen sehr lang gezogen, und es verfügt über tausende, mitunter sehr abgelegene Inseln. Da man Superlative liebt, möchten viele den nördlichsten, südlichsten, westlichsten und östlichsten Punkt des Landes besuchen, doch das ist in Japan fast unmöglich: Lediglich der westlichste Ort Japans, Kap Irizaki auf der Insel Yonaguni (Okinawa) ist frei zugänglich, während die anderen Pole auf nicht frei zugänglichen (und weit entfernten) Inseln liegen. Also muss man sich mit den vier Polen der vier Hauptinseln (Hokkaido, Honshu, Shikoku und Kyushu) vergnügen. Der nördlichste Punkt liegt auf Hokkaido am Kap Sōya, der östlichste auf der gleichen Insel am Kap Nosappu, der westlichste am Kōzakihana (Nagasaki, Kyushu) und der südlichste am Kap Sata am Ende der rund 70 km langen Osumi-Halbinsel.

Das Kap Sata kann man sicherlich als spektakulärsten der vier Orte bezeichnen. Schon die Anfahrt ist interessant, fährt man doch über 50 Kilometer durch eine fast menschenleere Gegend, bevor man das Kap erreicht. Erst wenige Kilometer vor dem Kap gibt es ein etwas grösseres, malerisch gelegenes Fischerdorf namens 大泊 Ōdomari an der Ostküste. Jenes gehört zur Gemeinde 佐田馬籠 Satamagome, und die sieht auf der Karte interessant aus – aus historischen Gründen sind die Gemeinden hier ebenso zerstückelt wie die Gegend entlang der belgisch-niederländischen Grenze – mit zahlreichen Exklaven und Enklaven.

Am Kap Sata wird es plötzlich subtropisch: Japanischer Sagopalmfarn in Massen
Am Kap Sata wird es plötzlich subtropisch: Japanischer Sagopalmfarn in Massen

Fährt man die letzten Kilometer vom Fischerdorf Richtung Süden, ändert sich die Vegetation schlagartig – ganz plötzlich wird es hier subtropisch und erinnert viel eher an Okinawa als an Kyushu. Nach einem letzten Tunnel kommt man dann am Ende der Straße an – dort gibt es einen Parkplatz und einen kleinen Souvenirladen – sowie einen sehr alten und sehr dicken Chinesischen Feigenbaum. Von dort hat man bereits einen schönen Blick auf das Meer, aber das eigentliche Kap ist noch einen knappen Kilometer entfernt, und der will zu Fuss zurückgelegt werden. Dazu muss man erst durch einen langen, dunklen Tunnel, bevor man sich schliesslich in einem Dickicht aus ソテツ Japanischer Sagopalmfarn, Fächerpalmen, Hibiskus und anderer subtropischer Gewächse wiederfindet. Weiter nördlich findet man diese Pflanzen nirgendwo (zumindest nicht in der freien Natur).

Kap Sata: Hier ist Kyushu zu Ende.
Kap Sata: Hier ist Kyushu zu Ende.

Nach einem keine 10 Minuten dauernden Spaziergang geht es wieder ein bisschen bergauf, zu einer kleinen, überdachten Aussichtsplattform. Je nach Wetter hat man von hier einen fantastischen Ausblick auf die andere Seite der Bucht, mit dem perfekt kegelförmigen, schlummernden Vulkan Kaimondake, sowie auf die zahlreichen Inseln, die von der Südspitze bis nach Okinawa reichen. Bei guter Sicht kann man von hier aus Tanegashima und Yakushima sehen. Die sollte man jedoch nicht mit zwei näher gelegenen Inseln verwechseln – Takeshima und Iōjima. Takeshima ist wie Tanegashima eher flach, Iōjima hingegen ein einziger grosser, steiler Vulkan, und obwohl diese beiden Inseln sehr viel kleiner sind, kann man sie bei diesigem Wetter durchaus verwechseln. Iōjima gehört wie Takeshima zu den Ōsumi-Inseln. Hier leben gerade mal gute 100 Menschen – in direkter Nachbarschaft zum Iōdake, einem 703 Meter hohen und sehr lebhaften Vulkan. An vielen Tagen kann man vom Kap Sata sehen, wie der Vulkan mal mehr, mal weniger stark Rauch ausstösst. Iōjima (wörtlich: Schwefelinsel) sollte nicht mit dem ehemaligen Schlachtfeld zwischen Amerikanern und Japanern verglichen werden. In Japan gibt es zahlreiche “Schwefelinseln”, und die unweit vom Kap Sata war nie Kriegsschauplatz.

Küste am Kap Sata - im HIntergrund der Vulkan Kaimondake
Küste am Kap Sata – im HIntergrund der Vulkan Kaimondake

Am “Ende” des Kaps steht ein kleiner Leuchtturm mit einer relativ langen Geschichte: Nachdem Mitte des 19. Jahrhunderts die Landesöffnung erzwungen wurde, schloss Japan den Edo-Vertrag ab – mit den USA, England, Frankreich und der Niederlande. Der Vertrag sollte den Handel regeln, und verpflichtete Japan unter anderem, 8 Leuchttürme aufzustellen. Richard Henry Brunton, ein schottischer Architekt und “Vater der Leuchttürme” in Japan, wurde mit dem Bau beauftragt. 1871 stand der Holzbau, aber der Originalbau wurde bei einem Fliegerangriff im Jahr 1945 zerstört. 1950 war ein neuer Leuchtturm aus Beton fertig, und dieser Turm war bis 1985 sogar permanent bemannt. Als Besucher kommt man allerdings nicht zum Turm – man kann ihn nur von der Aussichtsplattform betrachten.

Zwischen der Aussichtsplattform und dem Parkplatz, quasi mitten im Dschungel, findet man auch noch einen Mini-Schrein: den sehr farbenfrohen 御崎神社 Misaki-Jinja (Kap-Schrein).

Anfahrt

Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ist das Kap etwas schwer erreichbar. Alle Wege fahren dabei über 根占 Nejime (siehe unten). Von dort fahren Busse bis Ōdomari ein paar Kilometer nördlich des Kaps. Ein paar der Busse beginnen bereits in Taremizu – von dort dauert die Fahrt ziemlich genau 2 Stunden.

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Ogawa-Wasserfall 雄川の滝

Knapp 10 Kilometer östlich der Kleinstadt Nejime, am Oberlauf des kleinen Flusses 雄川 Ogawa, liegt ein außerordentlicher Wasserfall – der 雄川の滝 Ogawa-Wasserfall. Dieser ist nur 46 Meter hoch, aber 60 m breit, und er besticht in erster Linie durch die vielen Farben. Der Wasserfall liegt im Bereich einstiger pyroklastischer Ströme aus der Ata-Caldera – ein gewaltiger Krater, der heute teilweise von der Bucht von Kagoshima überflutet wird. Der Bimsstrom aus dem Krater wurde teilweise verpresst und damit zu Ignimbrit, wobei dieser Begriff eine ganze Reihe von Gesteinen und Gesteinsformen umfasst. Der gesamte Wasserfall bildet einen wunderbaren Aufschluss, an dem man die verschiedenen Schichten gut erkennen kann. Das Wasser rieselt dabei aus verschiedenen Stellen im Gestein, und an einer Stelle ist das Wasser sogar rötlich gefärbt aufgrund des hohen Eisenanteils.

Der grandiose Ogawa-Wasserfall
Der grandiose Ogawa-Wasserfall

Der kleine See unterhalb des Wasserfalls ist extrem klar und von wunderschöner Färbung. Das ganze lädt zu einem kleinen Bad unterhalb des Wasserfalls ein – doch das ist ausnahmslos verboten. Stattdessen muss man sich mit dem Anblick von einer kleinen Plattform begnügen. Dank des Verbots kommt man dabei wenigstens zu einem Ausblick auf ein Stück unberührter Natur.

In Japan gibt es unzählige Wasserfälle, aber dieser hier erlangte im Jahr 2018 landesweit Berühmtheit. Seit 1963 produziert NHK, das japanische Staatsfernsehen, eine historische Fernsehserie pro Jahr – diese läuft dann das ganze Jahr über und sorgt zuverlässig für hohe Einschaltquoten. Die Serie im Jahr 2018 hiess 西郷どん Segōdon, und im Vorspann wurde der Ogawa-Wasserfall gezeigt. Seitdem stieg die Besucherzahl rapide an.

Der Ogawa-Wasserfall (Detailansicht)
Der Ogawa-Wasserfall (Detailansicht)

Anfahrt

Um zum Wasserfall zu gelangen, muss man erst einmal nach 根占 Nejime fahren (siehe unten). Von dort fuhren bis 2019 auch Busse zum Wasserfall, aber es scheint, dass der Verkehr nun eingestellt wurde (Stand 2020) – entweder muss man die 10 km also laufen, oder sich ein Taxi nehmen, aber dann wird es kompliziert, da man den Taxifahrer bitten muss, zu warten, denn von allein kommen Taxis in der Gegend nicht vorbei. In der Nähe des Wasserfalls gibt es einen Parkplatz für 30 Autos. Vom Parkplatz – dort gibt es auch ein kleines Cafe – läuft man 1’200 Meter bis zum Wasserfall. Der Weg führt entlang des glasklaren Baches Ogawa, und allein der Weg zum Wasserfall ist den Aufwand wert. Allerdings tritt der Bach gern mal über die Ufer – nach schweren Regenfällen, und die sind in dieser Region keine Seltenheit, kann es auch passieren, dass der Weg unpassierbar wird.

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Nejime 根占

Nejime war einst eine eigenständige Stadt, bis sie 2005 mit der Stadt Sata zur Gemeinde Minami-Ōsumichō zusammengelegt wurde. Die Kleinstadt hat knapp 7’000 Einwohner – das ist nur noch die Hälfte der Einwohner von 1955. Aufgrund der Verstädterung und der geringen Geburtenrate geht es seit Jahrzehnten stetig bergab. Die Stadt liegt an der Mündung des kleinen Ogawa-Flusses in die Kinko-Bucht (bzw. Bucht von Kagoshima).

Kleiner Torii am Hafen von Nejime
Kleiner Torii am Hafen von Nejime

Der Ort verfügt über einen kleinen Fischereihafen, doch der Hafen ist auch sonst für Besucher interessant, da von hier eine Autofähre über die Bucht nach 指宿 Ibusuki fährt. Die フェリーなんきゅう Nankyū-Fähre fährt vier Mal pro Tag, und das Übersetzen dauert rund 50 Minuten. Der Hafen auf der anderen Seite heisst 山川 Yamagawa und liegt ein paar Kilometer südlich vom Stadtzentrum von Ibusuki. Die einfache Fahrt kostet 800 Yen, für Autos und Motorräder variiert der Preis je nach Länge. Mehr Informationen gibt es auf der Webseite des Unternehmens: nankyu-ferry.com.

Blick von der Fähre auf die Berge der Westküste der Osumi-Halbinsel
Blick von der Fähre auf die Berge der Westküste der Osumi-Halbinsel

Während es im Zentrum von Nejime kaum etwas zu sehen gibt, lohnt sich die Passage um so mehr, denn während der 50 Minuten kann man zum einen sehr viele verschiedene Schiffe sehen, da die Einfahrt zur Bucht eine vielbefahrene Schifffahrtsstrasse ist. Ausserdem kann man bei passablem Wetter die herrliche Landschaft bewundern – mit dem perfekten, kegelförmigen und fast 1’000 Meter hohen Kaimondake im Westen und einer bis über 800 Meter hohen Bergkette direkt an der Ostküste.

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Sakurajima 桜島

Kagoshima, Hauptstadt der gleichnamigen Präfektur, könnte man, zumindest landschaftlich gesehen, als Neapel Japans bezeichnen: Die Stadt liegt direkt am Wasser, und sie ist einem mächtigen Vulkan, fast schutzlos ausgeliefert. Nur 3 Kilometer Wasser trennen das Stadtzentrum von 桜島 Sakurajima, zu deutsch “Kirschinsel”, wobei dieser Name nicht nur die Ex-Insel, sondern auch den Vulkan selbst bezeichnet. Ex-Insel deshalb, weil die Insel 1914 durch eine gewaltige Eruption mit der Ōsumi-Halbinsel östlich des Vulkans verbunden wurde. Der Vulkan hat insgesamt drei – den Kita-dake (Nordgipfel), Naka-dake (Mittelspitze) und den Minami-dake (Bedeutung darf erraten werden). Der Kita-dake ist mit 1’117 Metern Höhe der grösste Gipfel. Der Sakurajima ist so aktiv und aufgrund seiner Nähe zur Großstadt Kagoshima so gefährlich, dass er zu einem von insgesamt 16 weltweit ausgesuchten “Dekadenvulkanen” gehört. Diese werden besonders intensiv untersucht, um daraus Schlüsse für den Katastrophenschutz zu ziehen (zu diesen 16 Vulkanen zählen auch der Ätna, der Mauna Loa auf Hawaii, der Vesuv, der Santorini und der Taal.

Der Sakurajima vom Osten aus gesehen
Der Sakurajima vom Osten aus gesehen

Schaut man sich die Bucht von Kagoshima auf einer Karte an, bemerkt man die fast runde Form des Nordteils der Bucht – dies ist die Aira-Caldera, ein riesiger Krater mit einem noch heute tätigen Unterwasservulkan. Sakurajima ist eigentlich ein Nebengipfel auf dem ehemaligen südlichen Kraterrand. Ein imposanter Nebengipfel, wohlgemerkt.

Aktiv ist zur Zeit allerdings nur der Minami-dake. Dieser ist 1,040 m hoch und hat einen Krater mit einem Durchmesser von 700 m. Lange Zeit gab es im Kraterinneren einen weissen See, doch der verschwand irgendwann nach 1955. Seit jenem Jahr ist dieser Krater nahezu pausenlos aktiv, weshalb die Gegend in einem zwei Kilometer weiten Radius rund um den Minami-dake Sperrgebiet ist – es ist schlichtweg zu gefährlich. Das Sperrgebiet umfasst auch den Kita-dake und den Naka-dake, denn ersterer liegt nur 1,400 m, letzterer nur 500 m entfernt.

Am nächsten kommt man dem ständig Gase und Asche ausspuckenden Gipfel am 湯之平展望所 Yunohira-Aussichtspunkt, das rund 3 km Luftlinie von der Fähranlegestelle entfernt liegt. Von Yunohira auf einem kleinen, vorgelagerten Berg sind es fast genau drei Kilometer bis zum Gipfel des Minamidake, und das reicht an einigen Tagen, um in den Genuss eines Ascheregens zu kommen. Es fahren Busse bis zur Aussichtsplattform auf 373 m Höhe.

Blick von Yunohira auf den Vulkan Sakurajima - mit Aschewolke in der rechten Bildmitte
Blick von Yunohira auf den Vulkan Sakurajima – mit Aschewolke in der rechten Bildmitte

1914 gab es einen gewaltigen Ausbruch, durch den die Insel Sakurajima zur Halbinsel wurde. Und sie näherte sich dadurch der Stadt. Seitdem gibt es alle Jahre mal wieder eine grosse Explosion – so 2002, 2000, 1995 usw. Wenn er mal nicht explodiert, raucht er, wie auf dem Photo unten erkennbar ist, permanent vor sich hin. Die Einwohner der Stadt sind bei grösseren Explosionen und ungünstigem Wind einem penetranten, atemraubenden Ascheregen ausgesetzt.

Der Vulkanausbruch, der im Januar 1914 begann und fast 2 Jahre andauerte, war der letzte heftige Ausbruch. Das Ereignis begann mit zahlreichen Explosionen und über 10 km hohen Aschewolken. Am folgenden Tag erschütterte ein Erdbeben der Stärke 7.1 Sakurajima und die benachbarte Stadt Kagoshima. Kurz darauf folgten pyroklastische Ströme und Lavaaustritt. Durch die Lavamassen wurde die Insel mit der Osumi-Halbinsel verbunden – auch die Entfernung zwischen Kagoshima Stadt und der Insel wurde geringer – gut zu erkennen am Schuttfächer, der bis zum Hafen reicht.

Blick vom Sakurajima auf die Stadt Kagoshima
Blick vom Sakurajima auf die Stadt Kagoshima

Der Vulkanausbruch 1914 hatte schwerwiegende Folgen. Bis zum Ausbruch lebten rund 20,000 Menschen auf der rund 77 Quadratkilometer grossen Insel und betrieben dort hauptsächlich Landwirtschaft. Der Ausbruch forderte zwar vergleichsweise geringe 58 Todesopfer, doch während des Ausbruchs beziehungsweise kurz danach verliessen mehr als die Hälfte der Einwohner die Insel – für immer. Heute leben nur noch rund 5’000 Menschen permanent auf der Insel, die mittlerweile in die Stadt Kagoshima eingemeindet wurde. Zahlreiche Siedlungen verschwanden während des Ausbruchs unter den Asche- und Lavamassen. Zum Sinnbild des Ausbruchs wurde der Torii (traditioneller Schreinbogen) der Gemeinde 黒神 Kurokami – der 埋没鳥居 Maibotsu Torii (vergrabene Torii). Dieser verschwand beinahe vollends unter einer 2 m hohen Ascheschicht. Die Anwohner machten sich kurz darauf an die Aufräumarbeiten und schaufelten die Häuser, und den Schreinbogen, frei. Doch kurz darauf entschloss man sich, dass es der Wille der Götter gewesen sein muss, dass der Torii unter der Ascheschicht verschwand, und so schüttete man das Tor einfach wieder zu, und so findet man den Torbogen auch heute noch vor – im Norden der Insel.

Der Kurokami-Torbogen am Sakurajima
Der Kurokami-Torbogen am Sakurajima

Das ganze Explodieren und Ascheregnen hat aber auch seine guten Seiten, denn die Asche sorgt für ausserordentlich fruchtbare Böden. So wird auf der Insel massiv Landwirtschaft betrieben – und über 30 kg schwere Rettiche gezogen! Ebenfalls berühmt sind Miniorangen, die allerdings exorbitante Preise haben. Aufgrund der akuten Gefahr ist es leider nicht gestattet, den Berg zu besteigen. Auf halbem Wege ist Schluss.

Die Halbinsel ist voller Hotels und Touristenzentren. Es gibt allerdings auch ein kleines, akzeptables und obendrein noch kostenloses Museum unweit des Fährhafens. Auch eine Jugendherberge fehlt nicht. Auf der Insel kann man mit dem Bus herumfahren.

Anfahrt

Die Halbinsel ist vom Fährhafen in Kagoshima zu erreichen. Die Fähren brauchen gerade mal zehn Minuten und fahren sehr häufig sowie rund um die Uhr, die einfache Überfahrt kostet 200 ¥.

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JAXA Uchinoura Space Observatory 内之浦宇宙空間観測所

Rund 20 Kilometer südlich von Shibushi, ein paar Kilometer südlich der Bucht, befindet sich das 内之浦宇宙空間観測所 Uchinoura Space Center, betrieben von der japanischen Raumfahrtagentur JAXA. Als Abschussrampe der JAXA ist Tanegashima (ebenfalls in der Präfektur Kagoshima) zwar viel bekannter, aber auch hier lohnt sich durchaus ein Besuch.

Abschussrampe und Rakete im Space Center Uchinoura
Abschussrampe und Rakete im Space Center Uchinoura

Die grösseren Raketen werden nun zwar generell von Tanegashima ins All befördert, doch von Uchinoura werden jedoch immer noch gelegentlich Raketen abgeschossen. Soweit kein Abschuss bevorsteht, ist die Anlage für Besucher geöffnet – man muss sich dazu beim Pförtner anmelden und bekommt dann eine Besucherplakette. Die Anlage kann zu Fuss, aber auch mit dem Auto erkundet werden. Von Shibushi aus ist die Anlage 40 Kilometer auf der Strasse entfernt.

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Übernachtung

Auf der gesamten Halbinsel verstreut gibt es etliche Pensionen und ein paar Hotels. Das südlichste Hotel der japanischen Hauptinseln liegt auch hier, und es liegt günstig, da es von hier nicht mehr weit zum Kap Sata ist. Ausserdem liegt das Hotel sehr schön – am Rande eines kleinen Fischerdorfes, direkt an einer kleinen Bucht. Das ホテル佐多岬 Hotel Sata Misaki liegt an der Ostküste der Halbinsel, nur 5 km nördlich des Kaps. Eine Übernachtung dort kostet nur 6,000 yen pro Person (an Wochenenden und Feiertagen 7,000 yen), und für 2’000 yen kann man dort zu Abend essen (das muss vorher bestellt werden). Das sollte man mangels Einkaufsmöglichkeiten und Alternativen auch machen – zumal dort eine Unmenge verschiedenster Fischgerichte aufgetischt wird. Wer nichts gegen Fisch und andere Meerestiere hat, sollte unbedingt davon Gebrauch machen – es lohnt sich. Die Adresse: Japan 893-2604, Kagoshima Pref., Kimotsuki-gun, Minamiōsumi, Sata Magome 582-8. Telefon: +81-(0)994-27-3121. Eine Webseite, auf der man vorbestellen kann, gibt es auch – leider aber nur auf Japanisch: 佐多岬.com.

Hotel Misaki auf der Osumi-Halbinsel
Hotel Sata Misaki auf der Osumi-Halbinsel

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