帯広 Obihiro

2 von 5 Sternen: Nur was für Fans

Name:

Name: Der Stadtname ist eine Mischform. Das „obi“ (das Schriftzeichen bedeutet als solches „Band“ oder „Grürtel“) wurde wahrscheinlich vom Ainu-Wort „o-pere-perke-p“ abgeleitet und bedeutet „Furche“ oder „Gabelung“ – hier gabeln sich verschiedene Flüsse. Das „-hiro“ bedeutet einfach nur „weit“ und ist rein japanisch – es bezieht sich auf die Tokachi-Ebene, in deren Zentrum die Stadt liegt.

Lage:

Obihiro liegt in der westlichen Mitte des Bezirks Tokachi, im mittleren Süden von Hokkaido, in einer für Japan verhältnismäßig großen Ebene. Bis Sapporo im Westen sind es gute 200 Kilometer.

Ansehen:

Die Stadt als solche ist nicht allzu attraktiv, aber ein gutes Sprungbrett für Fahrten in die Berge im Norden oder zur Hidaka-Region und dem Kap Erimo im Süden. In der Stadt selbst gelten die Tokachi-Brücke und das Rübenmuseum als Highlight im lokalen Sinne – sowie das Ban’ei-Pferderennen.

Obihiro – Beschreibung

Die Stadt Obihiro ist rund 629 Quadratkilometer gross und hat rund 165’000 Einwohnern – mit über 250 Einwohnern pro Quadratkilometer ist Obihiro damit nach Sapporo eine der am dichtesten besiedelten Gegenden von Hokkaido. Die Geschichte der Stadt begann eigentlich erst im Jahr 1883. Im Zuge der planmässigen Erschliessung (man könnte angesichts der bereits hier siedelnden Ureinwohner, den Ainu, auch von Kolonialisierung sprechen) von Hokkaido liessen sich hier Bauern aus Shizuoka, Gifu und Toyama nieder. Nur zwei Jahre später wurde ein kleines Gefängnis gebaut, das 1903 in “Tokachi-Zuchthaus” umbenannt wurde. Dort sassen zu jener Zeit rund 1’300 Häftlinge ein – das Gefängnis war damit für damalige Verhältnisse relativ gross. Rund um das Gefängnis bildete sich bald eine grössere Stadt, und die wurde genau wie viele anderen Städte auf Hokkaido auch nach dem amerikanischen Township gebaut – im Schachbrettmusterprinzip.

Bahnhof und Bahnhofsvorplatz von Obihiro
Bahnhof und Bahnhofsvorplatz von Obihiro

Das Stadtzentrum befindet sich zwischen dem Tokachi- und dem Satsunai-Fluss, die hier zusammenfliessen. Die Bahnlinie verläuft kerzengerade von Nordwest nach Südwest und zerschneidet so dass nur leicht nach Südwesten gekippte Schachbrettmuster. Der Bahnhof ist relativ neu und ebenso der Bahnhofsvorplatz – dort stehen neben anderen Skulpturen auch einige Rehskulpturen frei herum. Nordöstlich vom Bahnhof beginnt das Geschäfts- und Kneipenviertel der Stadt, mit unzähligen Restaurants und Bars.

In unmittelbarer Nachbarschaft des Bahnhofs fällt dem Betrachter umgehend eine Brücke auf – eine massive, sehr tief liegende Spannbetonbrücke im angedeuteten Hängebrückendesign. Das 125 m lange Ungetüm wurde 1996 eingeweiht und ist visuell nur sehr schwer verdaulich. So viel steht fest: Die Architekten hatten mit Sicherheit nicht eine Verbesserung des Stadtbildes auf ihrer To-Do-Liste.

Wahrscheinlich eine der häßlichsten Brücken der weiteren Umgebung
Wahrscheinlich eine der häßlichsten Brücken der weiteren Umgebung

Obihiro ist übrigens bekannt für ein ziemlich ungewöhnliches Pferderennen – das ばんえい競馬 Ban’ei-Pferderennen. Bei diesem Rennen ist die Strecke nur 200 Meter lang und schnurgerade – und es gibt zwei Sandhügel mit 1 m und 1,70 m Höhe. Es geht eher gemächlich zu – denn die Pferde ziehen Eisenschlitten hinter sich her, die ungefähr eine Tonne wiegen. Die Rennen finden in der Regel drei Mal pro Woche statt – an Sonnabenden, Sonn- und Montagen, und wie bei anderen Pferderennen auch darf gewettet werden. Das Rennen sieht erstmal ungewöhnlich und nach einer Plackerei aus, aber es gibt natürlich historische Gründe – früher wurde so gemessen, wie belastbar die für die Landwirtschaft so wichtigen Tiere sind. Natürlich werden hier keine Rennpferde eingesetzt, sondern eine spezielle und sehr kräftige Kaltblüterart.

Kita-no-yatai -  die kleine Kneipengasse von Obihiro
Kita-no-yatai – die kleine Kneipengasse von Obihiro

Zwei Blöcke nordöstlich des Hauptbahnhofs liegt die 北の屋台 Kita-no-Yatai – die “Garküchen des Nordens”, eine sehr enge Gasse, in der sich viele kleine und kleinste Bars und Restaurants aneinanderreihen. Von der Atmosphäre her ähnelt dies ein bisschen der Golden-Gai in Shinjuku in Tokyo. Wer mit den Bewohnern der Stadt auf Tuchfühlung gehen möchte, ist hier bestens aufgehoben.

Natürlich gibt es auch in Obihiro die üblichen Schreine und Tempel. Einen Spaziergang wert ist der 帯広神社 Obihiro-Jinja (Jinja = Schrein) im Norden der Stadt, mit dem kleine Obihiro-Fluss und dem grossen Tokachi-Fluss im Hintergrund. Neben dem Schrein steht auch gleich ein zweiter Schrein – der 十勝護国神社 Tokachi-Gokoku-Schrein. Auf der anderen Strassenseite gibt es einen kleinen Park mit einer Statue, die 依田勉三 Benzō Yoda gewidmet ist – dieser gehörte zu den Pionieren, die die Tokachi-Region landwirtschaftlich erschlossen.

Der Obihiro-Schrein in der gleichnamigen Stadt
Der Obihiro-Schrein in der gleichnamigen Stadt

Umgebung

Die Tokachi-Region rund um Obihiro ist bekannt für seine Molkereiwirtschaft – so wird hier viel Milch und viele Milchprodukte produziert. Fährt man von der Stadt Richtung Norden, kommt man an zahlreichen Farmen vorbei. Noch weiter nördlich nähert man sich schliesslich dem Daisetsuzan-Gebirge und gleichnamigen Nationalpark. Um dorthin zu gelangen, muss man jedoch erstmal den 1,139 m hohen 三国峠 Mikuni-Pass überwinden – der höchsten Passstrasse auf Hokkaido.

Der 1,139 m hohe Mikuni-Pass nördlich von Obihiro
Der 1,139 m hohe Mikuni-Pass nördlich von Obihiro

Anreise

Die JR 根室本線 JR Nemuro-Honsen – diese beginnt in Takikawa in der Inselmitte und fährt über Kushiro bis in den östlichsten Zipfel von Hokkaido (und Japan) bis nach Nemuro – ist die wichtigste Bahnverbindung für Obihiro. Obwohl die Nemuro-Linie nicht durch Sapporo fährt, gibt es eine Direktverbindung zur Inselhauptstadt – der Ōzora-Express und der Tokachi-Espress fährt die Strecke in 2 Stunden und 40 Minuten und kostet 7‘790 Yen für die einfache Fahrt – der Railpass kann genutzt werden. Eine Fahrt mit Bummelzügen von Sapporo aus ist nicht zu empfehlen, denn die würde fast einen ganzen Tag dauern. Früher gab es auch eine Zugverbindung nach Hiroo in Hidaka, einer beschaulichen Kleinstadt zwischen Bergen und Meer im Süden von Hokkaido, doch diese Strecke wurde stillgelegt.

Die Nemuro-Linie fährt weiter gen Osten über Kushiro bis nach Nemuro.

Wer es eilig hat, kann auch fliegen – Obihiro hat einen eigenen Flughafen, mit täglichen Flügen nach Tokyo und saisonalen Flügen nach Nagoya.

Übernachtung

Vor allem rund um den Bahnhofsvorplatz stehen die üblichen Businesshotels – darunter zum Beispiel das Richmond Hotel Obihiro Ekimae. Da die Stadt touristisch eher uninteressant ist, mangelt es an nennenswerten Alternativen.

Zu allgemeinen Übernachtungstipps siehe Übernachtungstipps Japan.

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