KyushuNagasakiShimabara-Halbinsel

Shimabara-Halbinsel

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Region 九州 Kyūshū
Präfektur 長崎県 Nagasaki
Rang 5 von 5 Sternen: Absolut sehenswert
Name 島原 – (TŌ, shima) bedeutet „Insel“ und (GEN, hara) bedeutet „Feld“. Der Name tauchte zum ersten Mal in der Heian-Zeit, also gegen Ende des 1. Jahrtausends, auf und bedeutet wahrscheinlich genau das, was die Schriftzeichen beschreiben.
Lage Die Shimabara-Halbinsel liegt im Nordwesten der Insel Kyushu in der Präfektur Nagasaki und ist von drei Seiten (Norden, Osten und Süden) von der Ariake-Bucht, einem Nebenmeer des Pazifiks umgeben. Im Westen befindet sich die Tachibana-Bucht sowie ein schmaler Landzugang zur Halbinsel. Die Präfekturhauptstadt Nagasaki liegt rund 30 Kilometer westlich vom Eingang zur Halbinsel entfernt. Bis Kumamoto auf der gegenüberliegenden Seite sind es ebenfalls 30 Kilometer.
Ansehen Der nur wenige Jahrzehnte alte Gipfel des Heiwa-Shinzan, am besten vom Nita-Pass. Die Burg von Shimabara. Der Misaki-Bahnhof direkt am Meer. Für Geologie-Fans – das Gamadas-Vulkanmuseum. Und vieles mehr.

Shimabara – Beschreibung

Die Shimabara-Halbinsel ist eine von Ost nach West 24 km und von Nord nach Süd 32 km lange, 467 Quadratkilometer große Halbinsel, die von der Form her wie ein Blatt in den Pazifik ragt. Die Halbinsel ist damit nur unwesentlich größer als das Bundesland Bremen.

Blick auf den Südosten der Shimabara-Halbinsel im Vordergrund (im Hintergrund: Amakusa-Inseln)
Blick auf den Südosten der Shimabara-Halbinsel im Vordergrund (im Hintergrund: Amakusa-Inseln)

Auf der Halbinsel Shimabara leben knapp 130’000 Menschen in drei verschiedenen Gemeinden – das sind rund 10% der Gesamtbevölkerung der Präfektur Nagasaki. Nach dem Kriegsende lebten hier wesentlich mehr Menschen – nämlich mehr als 220’000. Die Überalterung der Bevölkerung auf Shimabara ist besonders extrem – 2022 waren 40% der Bewohner Senioren. Dementsprechend wird der Bevölkerungsschwund auf der Halbinsel immer weiter voranschreiten – man geht davon aus, dass hier 2035 weniger als 100’000 Menschen leben werden, und die meisten werden Senioren sein.

Die drei Städte (beziehungsweise besser gesagt Gemeinden mit Stadtrecht) sind Shimabara Stadt, Unzen Stadt und Minami-Shimabara (Süd-Shimabara); die Einwohnerzahl der drei Gemeinden ist beinahe identisch. Die Halbinsel ist stark landwirtschaftlich geprägt – mehr als 20% arbeiten in der Landwirtschaft oder Fischerei, und weniger als 20% arbeiten in der Industrie.

Karte der Shimabara-Halbinsel
Karte der Shimabara-Halbinsel

Die Halbinsel ist stark geprägt vom Unzen, einem Vulkan in der Inselmitte (mehr dazu siehe unten). Aus diesem Grund wurde hier bereits 1934 der erste Nationalpark Japans eingerichtet – damals als „Unzen Nationalpark“. 1956 wurde der Nationalpark um Teile der Amakusa-Inseln erweitert – heute heisst er entsprechend 雲仙天草国立公園 Unzen-Amakusa Nationalpark. Und nicht nur das: 2009 wurde hier der Shimabara-Halbinsel-Geopark eingerichtet – zusammen mit drei weiteren Geoparks gehört dieser zu den ersten von nunmehr mehr als 40 Geoparks in Japan. Damit nicht genug: Die Ruinen der Burg Hara im Süden von Shimabara wurden 2018 Teil des UNESCO-Weltkulturerbes der „Stätten der versteckten Christen in Japan“. Kurzum – die Halbinsel erfüllt alle Voraussetzungen, ein echter Touristenmagnet zu sein, doch die Konkurrenz ist groß in der Präfektur Nagasaki. Bis zu 5 Millionen Besucher zählt man pro Jahr, aber nur ein Drittel dieser Besucher übernachtet auch auf der Halbinsel.

Blick von Amakusa auf die Shimabara-Halbinsel
Blick von Amakusa auf die Shimabara-Halbinsel

Der Aufstand von Shimabara 島原の

Shimabara spielt in der japanischen Geschichte eine wichtige Rolle – der 島原の Shimabara-no-ran (Aufstand von Shimabara) gehört zum Schulstoff und wird ausgiebig gelehrt. Der Aufstand begann im Dezember 1637 und dauerte 4 Monate. Allgemein wird er als Bauernaufstand bezeichnet, doch das ist nur bedingt richtig. Der Zorn der Bauern, aber auch zahlreicher 浪人 rōnin, wurde vom örtlichen Daimyō, dem Matsukura-Clan, geschürt. Der Clan war ehrgeizig, wollte an der Eroberung der heutigen Philippinen teilnehmen und eine neue Burg bauen, doch das alles kostete viel Geld, und so begann man, die Steuern massiv zu erhöhen. Das kam bei den Bewohnern nicht gut an, und so begann der größte Aufstand während der ansonsten recht friedlichen Edo-Zeit.

Den Bewohnern der benachbarten Amakusa-Inseln erging es ähnlich – die Steuerlast wurde erdrückend und der Widerstand wuchs. Herrenlose Samurai und Bauern begannen sich heimlich zu treffen, und der Aufstand begann – mit einem Attentat auf einen amtlichen Vertreter des Clans. Zehntausende schlossen sich dem Aufstand an, und der erst 16-jährige Amakusa Shirō wurde zum Anführer des gemischten Haufens. Die Aufständischen versuchten, ein paar wichtige Festungen zu stürmen, doch sie blieben dabei erfolglos, denn die Clans hatten bereits um militärische Hilfe in den Nachbarprovinzen gebeten.

Das Shogunat in Edo schickte ebenfalls Verstärkung, und das nicht zu knapp. Die Aufständischen begannen, sich in der Festung Hara am Südende der Halbinsel Shimabara zu verbarrikadieren. Bei dem Versuch des Shogunats, die Festung zu nehmen, gab es ein Novum: Das Shogunat bat die in Nagasaki ansässigen Holländer um Hilfe, und diese halfen mit Schwarzpulver und Kanonen aus, was die Aufständischen dazu verleitete, dem Feind eine Nachricht  zu schicken, ob es denn „nicht mehr genügend mutige Soldaten gibt oder warum werden hier Ausländer zu Hilfe geholt“.

15 Meter hohe Statue von Amakusa Shirō, Anführer eines Aufstandes der Christen (Shimabara-Aufstand) in Amakusa. Shirō wurde nach langer Belagerung seiner Burg gefasst und sein Kopf monatelang in Nagasaki zur Schau gestellt.

15 Meter hohe Statue von Amakusa Shirō, Anführer eines Aufstandes der Christen (Shimabara-Aufstand) in Amakusa. Shirō wurde nach langer Belagerung seiner Burg gefasst und sein Kopf monatelang in Nagasaki zur Schau gestellt.

Im April kam es zur alles entscheidenden Schlacht. Historiker gehen davon aus, dass mehr als 25’000 Aufständische in Hara von rund 125’000 Soldaten des Shogunats bedrängt wurden. Die Rebellen hatten am Ende weder Nahrungsmittel noch Munition und waren somit in allen Belangen hoffnungslos unterlegen. Letztendlich wurden die Rebellen von den Truppen des Shogunats besiegt, und die Rache war bitter: Man geht davon aus, dass ingesamt geschätzte 37’000 Rebellen nebst Angehörigen hingerichtet wurden. Mit anderen Worten – fast die gesamte Bevölkerung des Südens der Shimabara-Halbinsel wurde regelrecht ausgerottet. Um die Ackerflächen und dergleichen jedoch nicht verkommen zu lassen, lud das Shogunat Bauern aus zahlreichen Regionen des Landes ein, um auf Shimabara Fuß zu fassen. Das hinterlässt bis heute Spuren – angeblich werden auch heute noch in einigen Siedlungen von Shimabara ortsuntypische Dialekte gesprochen, doch das verschwindet jedoch aufgrund der Überalterung der Bevölkerung immer mehr.

Der Aufstand von Shimabara war, obwohl Japan damals bereits auf eigenes Betreiben hin mehr oder weniger von der Aussenwelt isoliert war, auch ein Konflikt der Religionen. Viele der Aufständischen waren Katholiken, beraten von portugiesischen Priestern. Das Shogunat versuchte schon vorher, das Christentum auf Kyushu einzudämmen – und die protestantischen Holländer hatten nichts dagegen, das Shogunat im Kampf gegen die Katholiken zu unterstützen. Der Aufstand von Shimabara war nach der Niederlage der Rebellen ein Anlass dafür, Katholiken noch vehementer zu verfolgen – siehe „Versteckte Christen„.

Die Rebellion war im großen und ganzen natürlich ein Disaster, aber einen Zweck erfüllte sie doch. Die Menschen rebellierten nicht nur gegen die Steuerlast, sondern auch gegen die Grausamkeit des herrschenden Matsukura-Clans, vornehmlich des damaligen Daimyō, Katsuie Matsukura. Das Shogunat untersuchte nach dem Aufstand das Anwesen des Daimyō und fand dabei die Leiche eines Bauerns in einem Trog. Daraufhin wurde Matsukura zum Verhör nach Edo gebracht. Mit dem Fund hielt man es für erwiesen, dass der Daimyō in der Tat grausam war und somit den Aufstand, dessen Niederschlagung natürlich enorme Kosten verursachte, zu verantworten hat. Bei Vergehen war es damals üblich, dass der Verurteilte Harakiri verüben und damit seine Ehre wahren konnte – nicht so in diesem Fall: Matsukura wurde letztendlich geköpft und verlor damit nicht nur seinen Kopf sondern auch seine Ehre.

Fumarolen und heiße Quellen (Onsen) zeugen vom aktiven Vulkanismus auf Shimabara
Fumarolen und heiße Quellen (Onsen) zeugen vom aktiven Vulkanismus auf Shimabara
Grün und bergig - das Innere der Shimabara-Halbinsel
Grün und bergig – das Innere der Shimabara-Halbinsel

Das Innere der Insel ist sehr bergig und kaum bewohnt. Da es sich hier um einen Nationalpark handelt, sind die Regeln natürlich strikt. Tier- und Pflanzenwelt dürfen nicht beschädigt oder beeinträchtigt werden, und natürlich ist das Füttern von Tieren auch verboten. Allerortens findet man auf der Halbinsel Spuren des hier sehr lebhaften Vulkanismus – heiße Quellen zum Beispiel, aber auch Schlammvulkane (siehe Foto).

Da die Gegend seismisch sehr aktiv ist, sollte man sich vor einem Besuch über den Status des Vulkans informieren – es ist gut möglich, dass der Berg und die weitere Umgebung wieder gesperrt werden müssen, falls es wieder rumort.

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Shimabara Stadt 島原市

Die Stadt Shimabara liegt im Osten der gleichnamigen Halbinsel und ist verkehrstechnisch am besten angebunden – siehe unten. Das Stadtgebiet ist rund 83 Quadratkilometer gross und umfasst den Großteil des Unzen-Vulkans. In der Stadt leben rund 42’000 Menschen – ziemlich genau wie vor über 100 Jahren. Zwischenzeitlich stieg die Einwohnerzahl auf über 62’000 Einwohner an – und zwar sprunghaft nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, nachdem viele Menschen aus dem durch die Atombombe völlig zerstörten Nagasaki flohen.

Die Stadt hält einiges für Besucher aus nah und fern bereit – die Reste eines Samuraiviertels zum Beispiel, oder eine imposante (allerdings rekonstruierte) Burg – siehe unten. Außerdem gibt es im Zentrum ein paar heiße Quellen sowie ein interessantes Museum über den Vulkan.

Der Unzen spielte in der Geschichte der Stadt eine prägende Rolle – vor dem letzten großen Ausbruch im Jahr 1990 war der Berg 198 Jahre lang völlig ruhig, aber der vorletzte Ausbruch im Jahr 1792 hatte es bereits in sich: Damals brach der Unzen aus, und als Folge des Ausbruchs und der begleitenden Erdbeben kollabierte ein Teil des gut 800 Meter hohen Mayuyama – der östlichste Gipfel des Unzen-Vulkanmassivs. Innerhalb von 3 Minuten rollten riesige Felsbrocken über die Stadt und formten heute die der Stadt vorgelagerten 九十九島 Tsukumojima (wörtlich: 99 Inseln). Der bis zur Ariake-Bucht reichende Bergrutsch verursachte einen großen Tsunami, der auf der gegenüberliegenden Seite der Bucht im heutigen Kumamoto, damals Provinz Higo, zahlreiche Todesopfer forderte. Historische Quellen gehen von über 10’000 Opfern aus, womit der Unzen-Ausbruch, bekannt unter dem Namen 島原大変肥後迷惑 shimabara taihen higo meiwaku (in etwa: „Shimabara in Not und Higo in Bedrängnis“), der tödlichste Vulkanausbruch der jüngeren Geschichte ist.

Blick über das Stadtzentrum von Shimabara mit dem Unzen im Hintergrund
Blick über das Stadtzentrum von Shimabara mit dem Unzen im Hintergrund
Blick auf die Tateba-Insel - Teil der Tsukumo-Inseln
Blick auf die Tateba-Insel – Teil der Tsukumo-Inseln

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Burg von Shimabara 島原城

Die Burg von Shimabara ist im Vergleich zu vielen anderen japanischen Burgen relativ jung – sie wurde erst 1624 vom Matsukura-Clan errichtet. Inklusive Wachtürme zählte die Anlage insgesamt 49 Häuser und war damit verhältnismäßig groß. Doch der Bau erwies sich als schwierig und sehr kostspielig, da der Untergrund hier rein vulkanischen Ursprungs ist. Die Vasallen waren ob des Prunks nicht erbaut – so trug der Bau, neben anderen Dingen, dazu bei, dass sich die Bevölkerung 1637 gegen den Clan erhob (siehe oben). Nach der Exekution des Burgherren 1638 wechselte die Burg insgesamt 5 mal den Besitzer.

Die Burg überstand die Belagerung während des Aufstandes, mehrere schwere Erdbeben sowie einen Tsunami – doch 1874 erfolgte der Befehl aus Tokyo, die Burg zu schleifen, da sie aufgrund der umwälzenden Verwaltungsreformen nicht mehr gebraucht wurde – ein Schicksal, das damals so ziemlich jede japanische Burg ereilte. Die meisten Gebäude wurden abgetragen oder umgebaut. Im Burginneren wurde von nun an Landwirtschaft betrieben, und im äußeren Burgbereich wurde eine Mittelschule erbaut.

Die Mauern und der Wassergraben rund um die Burg blieben erhalten, und nach dem 2. Weltkrieg spielte man mit dem Gedanken, die Burg wieder neu zu bauen. 1960 wurden erste Wachtürme rekonstruiert – bereits 1964 folgte dann die Rekonstruktion des 5 Stockwerke hohen Hauptbaus. Die darauf folgende Nutzung folgte dem überall in Japan angewandten Schema – Besucher können bis ins oberste Stockwerk gelangen und von dort die Aussicht genießen – die unteren Etagen werden als historisches Museum benutzt.

Der 1964 rekonstruierte Hauptturm der Burg von Shimabara
Der 1964 rekonstruierte Hauptturm der Burg von Shimabara
Die imposanten Außenmauern nebst Wassergraben der Burg von Shimabara
Die imposanten Außenmauern nebst Wassergraben der Burg von Shimabara

Dank der imposanten Burgmauern sowie der malerischen Lage zwischen Meer und dem steilen Unzen-Vulkan im Hintergrund ist die Burg von Shimabara heute ein Besuchermagnet und gilt als eine der 100 schönsten Burgen Japans.

Im Wassergraben rund um die Burg gibt es unzählige Lotusblumen – alljährlich werden die Wurzeln um Herbst geerntet (und verkauft, denn Lotuswurzeln gehören als wichtige Zutat zur japanischen Küche).

Der Turm nebst Museum ist von 9 Uhr bis 17:30 geöffnet, der Eintritt kostet 550 Yen für Erwachsene; Kinder zahlen die Hälfte. Die Burg ist nur rund 10 Minuten zu Fuß vom Bahnhof entfernt und dank ihrer Größe nicht zu verfehlen.

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Gamadas Dome がまだすドーム

Keine 5 Kilometer südlich des Zentrums von Shimabara Stadt liegt das 雲仙岳災害記念館 (Unzen-dake Saigai Kinenkan), auf Englisch als Mt. Unzen Disaster Museum bezeichnet. Der hochmoderne und geräumige Gebäudekomplex wird von den meisten allerdings „Gamadasu Dome“ genannt – „gamadasu“ bedeutet im hiesigen Dialekt (genau genommen im Kumamoto-Dialekt) „sich reinhängen/alles geben“ und soll an den Kraftakt erinnern, der nötig war, die Folgen der von 1990 bis 1996 andauernden vulkanischen Aktivität des Unzen-dake zu überwinden.

So rollte unter anderem ein gewaltiger pyroklastischer Strom vom Berg den 水無川 Mizunashi-Fluss entlang bis zum Meer. Die Ablagerungen schufen hier auf diese Weise einen gewaltigen Schlammfächer, und da dies während der Regentschaft des Heisei-Tennō geschah, nennt man den Flecken Neuland entsprechend Heiseimachi (Heisei-Stadt). Auf diesem Gebiet wurde unter anderem ein großer Park nebst Unzen Disaster Museum gebaut – bis 1991 war hier alles noch Meer.

Gamadasu-Dom - das Unzen-Katastrophenmuseum
Gamadasu-Dom – das Unzen-Katastrophenmuseum
Im Unzen-Museum
Im Unzen-Museum

Der Museumskomplex ist sehr groß und umfasst Lehrräume, eine große, feste Ausstellung zum Ausbruch und dessen Folgen, einen Spielplatz für kleine und Kleinkinder, ein Cafe und vieles mehr. Neben unzähligen Lehrtafeln werden hier zahlreiche Exponate zur Schau gestellt, um das Ereignis auch für Kinder einfach verständlich zu machen. Mit anderen Worten — hier wurde sehr viel Geld in die Hand genommen, und entsprechend ist das Museum ein Muß für alle Kinder der Region. Für Erwachsene ist das ganze ebenfalls sehr lehrreich, erfährt man hier doch einiges darüber, wie die Bewohner der Halbinsel mit dem Vulkan leben und welche Sicherheitsmaßnahmen getroffen werden müssen.

Im Museum finden auch regelmäßig Veranstaltungen statt. Mehr kann man der Webseite des Museums entnehmen: udmh.or.jp. Das Museum ist täglich von 9 bis 18 Uhr geöffnet. Ein Teil des Bereiches ist frei – die feste Ausstellung kostet allerdings 1’050 Yen Eintritt für Erwachsene.

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Ōnokoba 大野木場

Fährt man vom Stadtzentrum von Shimabara ziemlich direkt auf den höchsten Berg der Halbinsel, den Heisei Shinzan, zu, so gelangt man ungefähr in der Mitte zum 大野木場砂防みらい館 Ōnokoba Sabō Mirai-kan, dem „Onokoba-Zukunftshaus zur Vermeidung von Erdrutschen“. Ein etwas holpriger Name mit einem ernsthaften Hintergrund, wie das ehemalige Schulgebäude neben dem kleinen Ausstellungsgebäude bezeugt. Die Grundschule wurde 1882 errichtet (das heutige Gebäude stammt jedoch aus dem Jahr 1968 – damals wurden fast alle Schulen in Japan durch erdbebensichere Bauwerke ersetzt).

Im Juni 1991 zeigte der hinter der Schule thronende Vulkan Unzen stark erhöhte Aktivität – ein erster pyroklastischer Strom rollte den Berghang herab. Schnell wurde eine Behelfsschule in der Gegend errichtet, die dann auch ab August benutzt wurde. Das Timing war goldrichtig – am 15. September verwüstete ein gewaltiger pyroklastischer Strom das alte Schulgebäude. Dank der vorzeitigen Vorlegung (und der Tatsache, dass besagter pyroklastischer Strom erst am frühen Abend geschah) gab es zumindest unter den Schulkindern keine Opfer.

Die alte, durch die Eruption verwüstete Grundschule von Onokoba
Die alte, durch die Eruption verwüstete Grundschule von Onokoba
Hier ist Schluß: Straße Richtung Vulkangipfel, der nur 4 Kilometer Luftlinie entfernt liegt
Hier ist Schluß: Straße Richtung Vulkangipfel, der nur 4 Kilometer Luftlinie entfernt liegt

Die Schule wurde zwar verwüstet, aber der Bau als solcher blieb erhalten – man erkannte jedoch, dass es sicherere Plätze für die Schule gibt, und so wurde keinen Kilometer entfernt im Jahr 2000 ein nagelneues Schulgebäude errichtet. Die alte Schule liess man als Mahnmal stehen – ähnlich der vom Lavastrom halb bedeckten Grundschule von Ako auf Miyakejima. Die Grundschule von Onokoba ist dabei ein imposantes Beispiel japanischer Effizienz beim Katastrophenschutz.

Die Ausstellung zum Thema Vermeidung von Erdrutschen neben der Grundschule ist allerdings nur etwas für Liebhaber – sie ist nicht sonderlich lehrreich (dafür kostet sie allerdings auch keinen Eintritt) und ist zudem ein bisschen fehl am Platz, denn pyroklastische Ströme sind etwas ganz anderes als gewöhnliche Erdrutsche. Man sollte allerdings die Gefahr von Erdrutschen nicht herunterspielen – diese kosten im bergigen Japanern alljährlich hunderten von Menschen das Leben und sind damit weit tödlicher als pyroklastische Ströme, die nur relativ selten vorkommen.

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Bahnhof von Ōmisaki 大三東駅

Im Nordosten der Halbinsel liegt der unbemannte Bahnhof Ōmisaki – hier steigen im Schnitt gerade mal 30 Menschen pro Tag in einen Zug der Shimabara-Linie ein, und dennoch ist dieser Bahnhof extrem beliebt bei Werbe- und Filmemachern in Japan, denn dies ist der „am nächsten am Meer gelegene Bahnhof“ in Japan. In Japan liegt eigentlich jeder zweite Bahnhof (zumindest gefühlt) ganz nah am Meer, doch hier ist der Titel berechtigt, denn die Ariake-Bucht beginnt in der Tat direkt am Bahnsteig, und das ist durchaus telegen.

Interessant ist, dass der Bahnsteig ein paar Meter über dem Meer liegt, aber es gibt keinen Zaun oder etwas ähnliches, was einen betrunkenen Nachtschwärmer davon abhalten würde, kopfüber ins Meer zu fallen. Bei Ebbe wäre das fatal, denn dann würde man einfach ins Watt fallen – aber bei Flut hier ins Wasser zu fallen ist wahrscheinlich ebenso wenig empfehlenswert. Dementsprechend warnen Schilder – versehen mit einem niedlichen Anime-Charakter – davor, nicht ins Wasser zu fallen. Für diejenigen, die sich hinterher womöglich beschweren, sie seien nicht gewarnt worden.

Bahnhof Ōmisaki auf Shomabara bei Ebbe
Bahnhof Ōmisaki auf Shomabara bei Ebbe
Warnhinweis: "Hinter der gelben Linie beginnt die Ariake-See. Bitte achten sie darauf, wo sie hintreten"
Warnhinweis: „Hinter der gelben Linie beginnt die Ariake-See. Bitte achten sie darauf, wo sie hintreten“

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Unzen 雲仙 / 平和新山 Heiwa-Shinzan

Ist vom Unzen die Rede, so bezeichnet dies nicht einen einzelnen Berg, sondern ein ganzes Massiv mit zahlreichen Bergen. Das Unzen-Massiv ist eigentlich Teil eines uralten, riesigen Vulkans – der eigentliche Krater ist heute von Wasser bedeckt und nennt sich Tachibana-Bucht. Einen Gipfel mit dem Namen Unzen-dake gibt es deshalb nicht – die höchste Erhebung im Unzen-Massiv ist der nagelneue Berg Heisei Shinzan mit 1,482 m Höhe. Ansonsten spricht man im wesentlichen von den drei Gipfeln des Unzen, und zwar dem 普賢岳 Fugen-dake, dem 国見岳 Kunimi-dake und dem 妙見岳 Myōken-dake (dake bedeutet Gipfel).

In der jüngeren Geschichte – sprich, seit Beginn historischer Aufzeichnungen, gab es drei Ausbrüche auf der Shimabara-Halbinsel – 1663, 1792 und zuletzt von 1990 bis 1996. Der Ausbruch von 1663 war nicht allzu groß, aber es gab ein paar dutzend Todesopfer. Der Ausbruch von 1792 jedoch war massiv und sorgte dafür, dass ein ganzer Berg kollabierte. Geologen gehen davon aus, dass damals fast ein halber Kubikkilometer Gestein bewegt wurde – eine unvorstellbar große Menge, die einen Tsunami verursachte und insgesamt mehr als 15’000 Menschen das Leben kostete.

Der Heiwa-Shinzan, höchster und jüngster Berg des Unzen
Der Heiwa-Shinzan, höchster und jüngster Berg des Unzen
Blick auf den Unzen/Heiwa Shinzan von Amakusa (Kumamoto) aus
Blick auf den Unzen/Heiwa Shinzan von Amakusa (Kumamoto) aus

Obwohl nach dem großen Ausbruch von 1792 erstmal Ruhe herrschte, machte sich der Vulkan nahezu regelmäßig mit Schwarmbeben und größeren Erdbeben bemerkbar. 1990 kam es zu einer kleineren phreatischen Eruption – eine rund 400 m hohe Aschewolke stieg über dem Gipfel auf. 1991 beobachtete man die Bildung eines neuen Lavadoms, und erste Lava trat aus, gefolgt von pyroklastischen Strömen. Besonders katastrophal waren die Ereignisse am 3. Juni 1991: Zahlreiche Kamerateams hatten sich südlich von Shimabara Stadt in der Sperrzone niedergelassen, um vom Geschehen am Vulkan zu berichten. Feuerwehrleute waren ebenfalls vor Ort, sowie Polizei, die die Aufgabe hatte, die Kamerateams aus dem Gefahrenbereich zu locken, denn eine Warnung vor pyroklastischen Strömen wurde bereits Ende Mai erlassen. Auch Vulkanforscher, Taxifahrer und Angehörige der Selbstverteidigungskräfte waren vor Ort – im Stadtteil Kami-Koba, entlang des Mizunashi-Flusses. Man war sich einig, dass ein größerer Ausbruch bevorsteht – doch was dann geschah, überraschte sogar die renommierten Vulkanforscher Katia und Maurice Krafft aus Frankreich, die ebenfalls vor Ort waren: Ein gewaltiger pyroklastischer Strom wälzte sich innerhalb von Sekunden, mit einer Geschwindigkeit von mehreren hundert Stundenkilometern, vom Gipfel des Fugen-dake ins Tal des Mizunashi-Flusses. 43 Menschen, darunter die beiden Vulkanforscher, verloren binnen Sekunden ihr Leben, und sämtliche Reisfelder und Häuser von Kamikoba waren verwüstet bzw. standen in Flammen.

Wie konnte es passieren, dass selbst gestandene Vulkanforscher von dem Ausbruch überrascht wurden? Es war die schiere Dimension. Schon vor dem pyroklastischen Strom vom 3. Juni rollten mehrere extrem heiße Gas-Asche-Wolken den Berg herab – und zwar entlang des Flusstales. Die Forscher sowie die Medienvertreter standen auf einem Sporn unweit des Flusstales, auf einer vermeintlich sicheren Höhe. Doch dieses Mal verliess der pyroklastische Strom das Tal und überrollte die Anhöhe mit voller Wucht – es gab kein Entrinnen.

Der Berggipfel ändert sich praktisch jedes Jahr
Der Berggipfel ändert sich praktisch jedes Jahr
Gut zu erkennen: Hier wälzte sich der pyroklastische Strom gen Meer
Gut zu erkennen: Hier wälzte sich der pyroklastische Strom gen Meer

Der Unzen sollte noch bis zum Jahr 1996 aktiv bleiben – mit weiteren pyroklastischen Strömen. Nach 1996 gab es weiterhin vulkanisch bedingte Erdbeben, die jedoch nach 2005 kaum noch vorkamen.

Im Zuge des letzten großen Ausbruches entstand der 平成新山 Heisei Shinzan – der „Neue Berg Heisei“, benannt nach dem kaiserlichen Motto zu jener Zeit. Der Lavadom war um das Jahr 2000 herum 1,488 m hoch – seitdem verlor der Berg etwa 6 Meter an Höhe, da die erstarrte Lava bröckelt und herunterfällt.

Heute kann man den neuen Heiwa-Shinzan von ganz Nahem betrachten. Eine gut 11 Kilometer lange Straße durchquert die Halbinsel von Nord nach Süd und passiert dabei den 仁田峠 Nita-Pass auf 1,080 Meter Höhe. Von dort fährt die 雲仙ロープウェイ Unzen Ropeway (Seilbahn) auf 1,333 Meter Höhe – dort gibt es unter anderem einen kleinen Schrein sowie eine Aussichtsplattform, von der man auch den nur gut einen Kilometer Luftlinie entfernten Heiwa Shinzan gut sehen kann. Die Hin- und Rückfahrt kostet 1,290 Yen und ist absolut empfehlenswert, da man bei gutem Wetter bis zur Tachibana-Bucht und den Amakusa-Inseln sehen kann. Auf der Webseite der Seilbahn kann man sich darüber informieren, ob und wann die Bahn fährt und wie das Wetter oben ist: unzen-ropeway.com.

Von der Seilbahnstation gibt es auch einen Wanderweg zum nicht mehr weit entfernten 普賢岳 Fugen-dake – dieser liegt direkt vor dem Heiwa-Shinzan. Nur letzterer ist noch gesperrt, da hier noch zu viele vulkanische Gase aus dem Boden treten.

Der Nita-Pass am Unzen-dake
Der Nita-Pass am Unzen-dake
Blick vom Unzen auf die Großstadt Kumamoto auf der anderen Seite der Bucht
Blick vom Unzen auf die Großstadt Kumamoto auf der anderen Seite der Bucht

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Anreise

Die Shimabara-Halbinsel hat keinen Flughafen – wer also nicht mit eigenem Gefährt anreist, ist auf Bus, Boot oder Eisenbahn angewiesen.

Shimabara Stadt ist Endhaltestelle der 島原鉄道線 Shimabara-Tetsudō-sen (Shimabara Eisenbahn). Die Bahn fuhr bis 2008 von Isahaya nördlich der Halbinsel bis nach Minami-Shimabara, doch dann wurde die Strecke südlich des Hafens von Shimabara Stadt stillgelegt – heute endet die nunmehr nur 43 Kilometer lange Strecke am 島原港駅 Shimabara-Hafen-Bahnhof. Von Isahaya bis Shimabara Stadt braucht die private Bahn rund 1¼ Stunden. Die einfache Fahrt kostet 1,460 Yen – der JR Railpass kann hier nicht benutzt werden. Von Isahaya bis Nagasaki sind es nur 30 Minuten mit der JR-Linie – die Fahrt kostet 480 Yen.

Eine Alternative zur Bahn ist die Anreise mit der Fähre – das lohnt sich vor allem, wenn man aus Richtung Fukuoka oder Kumamoto anreist. Es gibt drei Fähren:

  1. Von 鬼池 Oniike (auf Kusatsu, Präfektur Kumamoto) nach 口之津 Kuchinotsu (Stadt Minamishimabara) ganz im Süden der Halbinsel. Die Fähre braucht dafür 30 Minuten und kostet 430 Yen einfach.
  2. Vom 熊本港 Kumamoto-Hafen nach 島原外港 Shimabara Äußerer Hafen. Die Fahrt dauert gut 45 Minuten und kostet 1,500 Yen. Achtung: Der Hafen von Kumamoto liegt rund 12 Kilometer außerhalb des Stadtzentrums. Infos zur Abfahrt etc. gibt es hier: www.kumamotoferry.co.jp.
  3. Von 三池 Miike (Präfektur Fukuoka) nach 島原外港 Shimabara Äußerer Hafen. Die Fahrt dauert 50 Minuten und kostet 2’300 Yen. Achtung: Im Gegensatz zu allen anderen Fähren nach Shimabara ist diese eine reine Passagierfähre! Infos zur Abfahrt etc. gibt es hier: www.miike-shimabara-line.net/.
  4. Von 多比良 Taira im Nordosten der Halbinsel Shimabara nach 長洲 Nagasu (Präfektur Kumamoto). Die Fahrt dauert 45 Minuten und kostet 450 Yen pro Person. Infos zur Abfahrt etc. gibt es hier: www.ariake-ferry.com.
Die Fähre von Kumamoto nach Shimabara ist recht geräumig
Die Fähre von Kumamoto nach Shimabara ist recht geräumig

Für Reisende mit eigenem Gefährt ist die Anreise von Nordosten interessant – dort gibt es die 雲仙多良シーライン Unzen-Tara-Sealine – eine 8 Kilometer lange Straße, die kerzengerade auf einem Damm verläuft. Der Hintergrund: Hier wird ein großer Teil der Isahaya-Bucht, eine Nebenbucht der Ariake-See, in Neuland verwandelt, um dieses als Ackerland zu benutzen. Aus diesem Zweck wurde dieser Damm errichtet. Ein Teil der Neulandgewinnung ist bereits fortgeschritten, aber momentan ist der Damm noch von beiden Seiten von Wasser umgeben.

Das Neulandgewinnungsprojekt ist nicht ganz unumstritten – es gibt seit Jahrzehnten Widerstand, aber das hat japanische Behörden bisher nur in sehr seltenen Fällen wirklich gestört.

Die Unzen-Taira-Sealine
Die Unzen-Taira-Sealine

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Übernachtung

Es gibt zahlreiche Hotels und Ryokans, vor allem rund um Shimabara Stadt. Keine konkreten Tipps, da jedes Mal entweder in Nagasaki oder in Kumamoto übernachtet.

Zu allgemeinen Übernachtungstipps siehe Übernachtungstipps Japan.

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tabibitohttps://www.tabibito.de/japan/
Tabibito (旅人・たびびと) ist japanisch und steht für "Reisender". Dahinter versteckt sich Matthias Reich - ein notorischer Reisender, der verschiedene Gegenden seine Heimat nennt. Der Reisende ist seit 1996 hin und wieder und seit 2005 permanent in Japan, wo er noch immer wohnt. Wer mehr von und über Tabibito lesen möchte, dem sei Tabibitos Japan-Blog empfohlen.

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