Kanto Tokyo-to Hachijōjima - hier beginnt das tropische Tokyo

Hachijōjima – hier beginnt das tropische Tokyo

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Präfektur: 東京 Tōkyō

八丈島 Hachijōjima

5 von 5 Sternen: Absolut sehenswert

Name:

Das Zeichen (hachi) bedeutet „Acht“ und (jō) ist eine alte Längeneinheit – gut 3 Meter. 8 jō war eine alte Längeneinheit für Stoffe, und die Insel war im Mittelalter bekannt für eine Stoffart mit dem Namen 黄八丈 kihachijō – ein gelblich (ki=Gold) gefärbter Seidenstoff. -jima bedeutet „Insel“, aber die Bewohner lassen das „Insel“ gern weg und nennen den Ort einfach Hachijō. Der Name steht für die beiden Inseln (grosse und kleine Hachijo-Insel) sowie für die Verwaltungseinheit 八丈町 Hachijō-machi (machi = Stadt).

Lage:

Die Inseln liegen fast genau 300 Kilometer südlich vom Stadtzentrum von Tokyo – mit dem Boot sind es genau 287 Kilometer. Hachijō gehört zu den 東京都島嶼部 Tokyoto-Tōshobu – den Inseln der Präfektur Tokyo. Diese bestehen aus den Izu-Inseln (Norden) und den Ogasawara-Inseln (Süden), wobei Hachijo im Südteil der Izu-Inseln liegt. Die nächstgelegene und bewohnte Insel südlich ist 青ヶ島 Aogashima, die nächstgelegene Insel im Norden 御蔵島 Mikurajima (87 Kilometer). Die Izu-Inseln sind Teil einer Vulkankette in der Philippinensee, ein Teil des Pazifischen Ozeans.

Ansehen:

Hachijō ist vielseitig und ein Paradies für Wanderer, Taucher (Meeresschildkröten, hunderte Fischarten) und Sternengucker (die nächstgelegene Stadt liegt 200 Kilometer entfernt – es gibt also weder Luftverschmutzung noch Lichtsmog).

Hachijō – Beschreibung

Hachijōjima ist mit 69 Quadratkilometern die zweitgrösste Insel der zahlreichen Inseln von Tokyo (nach Ōshima), und es ist die nördlichste Insel mit tropisch-subtropischem Klima. Hier befindet sich auch der höchste Berg der Inseln – der Hachijō-Fuji. Die Insel ist besonders gut besucht, denn man kann hier nicht nur mit dem Boot, sondern auch mit dem Flugzeug anreisen – genau genommen ist die Insel das Endziel der längsten Flugverbindung innerhalb von Tokyo.

Hachijōjima hat eine flaschenkürbisähnliche Form mit einem Vulkan im Nordwesten und einem weiteren Vulkan im Südosten, verbunden durch eine Hochebene in der Mitte. Während der Vulkan im Nordwesten eine typische Vulkanform aufweist (und deshalb auch Hachijō-Fuji genannt wird), ist der im Südosten aus der Ferne zumindest schon schwerer als solcher zu erkennen. Das liegt an der Entstehungsgeschichte. Zuerst entstanden Aogashima und der Südostteil von Hachiōjima, später dann der Nordteil (also der Berg Hachijō-Fuji) sowie die kleine Schwesterinsel Hachijō-Kojima. Geologen gehen davon aus, dass der Südostteil vor rund 100’000 Jahren zu entstehen begann. Der letzte grössere Ausbruch fand vor rund 3’700 Jahren statt – dementsprechend gibt es darüber keine Aufzeichnungen. Der Nordwestteil hingegen ist relativ jung im geologischen Sinne – der erste, unterseeische Ausbruch liegt nur ein paar tausend Jahre zurück. Die letzten bedeutenden Ausbrüche fanden vor allem im 16. und 17. Jahrhundert statt. Trotzdem gilt der Vulkan momentan als dormant beziehungsweise als Vulkan der Kategorie C – was im Wesentlichen bedeutet: Weniger aktiv, letzter Ausbruch liegt mehr als 1’000 Jahre zurück.

Hachijōjima ist vom Klima her subtropisch. Im Sommer liegt die Durchschnittstemperatur bei rund 26 Grad – das ist spürbar kühler als im 300 Kilometer nördlich gelegenen Tokyo. Dafür sind die Winter mit einer Durchschnittstemperatur von 10 Grad deutlich wärmer. Hinzu kommt der maritime Charakter – die Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht sind hier deutlich geringer.

Japanischer Name Lesung Bevölkerung 2018 Bevölkerung 1877 Lage
三根 Mitsune 3,537 2,142 坂下 – Tiefland
大賀郷 Ōkagō 2,405 2,732 坂下 – Tiefland
中之郷 Nakanogō 656 1,196 坂上 – Hochland
樫立 Kashitate 471 1,033 坂上 – Hochland
末吉 Sueyoshi 293 898 坂上 – Hochland
Summe 7,362 8,001

Kurze Geschichte

Bei Ausgrabungen stellte man fest, dass die ersten Menschen wahrscheinlich schon vor rund 7,000 Jahren die Insel besiedelten. Damals war der Nordteil, also der Hachijō-Fuji, noch in der Entstehung – es gab häufig Vulkanausbrüche. Die Ebene zwischen dem heutigen Nord- und Südteil besteht hauptsächlich aus Sand und Vulkangestein und hat keine natürlichen Wasserquellen, weshalb man dort bis ins 20. Jahrhundert hinein kaum Landwirtschaft betreiben konnte. Die ersten Menschen siedelten deshalb entlang der Südküste, nahe der heißen Quellen. Es gab später weitere Siedlerwellen, so zum Beispiel in der Zeit von 500 bis 1000 unserer Zeitrechnung, und diese Siedler begannen, sich in der Ebene zwischen den Bergen niederzulassen, um sich dort auf Fischerei, Salz- und Seidenproduktion zu spezialisieren. Viele Menschen kamen aus der Kinki-Region, also der Gegend um Kyoto und Osaka. Einige liessen sich nieder, andere zogen später weiter.

Winziger Schrein im Süden der Insel

Während der Edo-Zeit, also vom 17. bis zum 19. Jahrhundert, wurde Hachijō als Verbannungsort für Verurteilte aus dem Norden Japans benutzt. Schwerverbrecher wurden dabei auf die kleine Insel (Kojima) verbannt – die liegt zwar nicht weit von der Hauptinsel entfernt, aber die Meeresstrasse dazwischen ist von einer starken Strömung geprägt, die man mit einem kleinen Boot oder Floß nicht ohne weiteres überwinden konnte. Die Strafform der Verbannung wurde erst 1881 abgeschafft – bis dahin wurden Aufzeichnungen zufolge insgesamt rund 1,900 Menschen auf Hachijō verbannt. Das war für die Insel, die im Jahr 1774 insgesamt 4’770 Einwohner hatte, eine durchaus einflussreiche Menge.

Die Menschen hatten es auf der Insel nicht leicht. Die in dieser Gegend häufig auftauchenden Taifune zerstörten in manchen Jahren die ganze Ernte und sorgten für mehrere Hungersnöte, die in einigen Fällen bis zu einem Viertel der Inselbevölkerung dahinrafften. Erst die Einführung der Süßkartoffel als Anbaugut sorgte für eine stabilere Versorgung. Die Fortbewegung auf der kleinen Insel war ebenfalls nicht leicht – wer von der Ebene (坂下 sakashita – „unter dem Hang“) zu den Dörfern 坂上 sakaue – „über dem Hang“ wollte, musste entweder mit dem Boot fahren – kein einfaches Unterfangen, da hier oft starke Winde wehen – oder über den 登龍峠 Noboryō-Tōge (tōge = Pass) reisen. Erst 1907, zwei Jahre nach dem japanischen Sieg im Japanisch-Russischen Krieg, wurde quasi als Geschenk anlässlich des Sieges der Ōsaka-Tunnel im Osten der Insel gebaut. Der ist zwar nur gut 150 Meter lang, hatte aber sofort eine enorm wichtige Bedeutung für den Inselverkehr. Selbst heute, trotz befestigter Strasse, ist die Route über den oben erwähnten Pass eher unsicher, da Taifune oftmals für Erdrutsche sorgen und damit die Strasse unpassierbar werden lassen.

Obwohl die Gegend „hinter dem Hang“ als erste Gegend besiedelt wurdee, ist die Einwohnerzahl dort seit Jahrhunderten fast konstant geblieben. In der Ebene hingegen verfünffachte sich die Bevölkerung dort seit 1800. Seit 1950 geht es jedoch allgemein abwärts: Damals lebten noch rund 14,000 Menschen auf der Insel, heute hingegen nur noch rund 7,500. Damit geht auch eine Überalterung der Bevölkerung einher – der Altersschnitt steigt seit Jahrzehnten.

Die besonderen Verhältnisse sorgten für die Entstehung eines besonderen Dialekts – des 八丈弁 Hachijōben. In diesem Dialekt benutzt man teilweise noch Wörter, wie sie vor mehr als eintausend Jahren im Japanischen benutzt wurden – zum Beispiel 恥がましい hajigamashi-i für beschämend (heute: hazukashi-i) oder tsuburi für Haupt, Kopf (heute kashira bzw. atama). Auch einige Endungen und andere grammatikalische Bestandteile erinnern an 古語 (kogo) – altes Japanisch. Hinzu kommen auch noch Unterdialekte, die von Dorf zu Dorf unterschiedlich sind – so benutzt man zum Beispiel nur in Nakanogō das Wort „omya“ für „Sie“. Das stammt von der – heute im Rest des Landes als unhöflich geltende Anrede „omae“ ab, hat in dem Dorf jedoch keine schlechte Bedeutung. Leider stirbt der Hachijō-Dialekt unaufhaltsam aus – ältere Einwohner verstehen ihn noch, sprechen ihn aber kaum noch aktiv. Jüngere Bewohner können mit dem Dialekt in der Regel nichts mehr anfangen.

Während des Zweiten Weltkrieges wurde die Insel in den letzten Jahren des Krieges zur Festung ausgebaut – für den Fall, dass die Amerikaner die südlich gelegenen Ogasawara-Inseln einnehmen würden. Da man bereits die Schlacht auf Iwojima (eigentlich: 硫黄島 Iōjima) zuvor verloren hatte, war die Gefahr durchaus real. So waren in den letzten beiden Kriegsjahren mehr Marinesoldaten auf der Insel als Einwohner. Hier befand sich auch der einzige Kaiten-Stützpunkt in Ostjapan. 回天 Kaiten war ein bemannter Ein-Mann-Torpedo – die Unterwasservariante der Kamikazeflieger. Letztendlich richteten die Torpedos nicht so große Schäden an wie es sich die Erfinder erhofft hatten. Aufgrund der hohen Militärpräsenz wurde die Insel 1945 auch Angriffsziel amerikanischer Bomber – zahlreiche Soldaten, aber auch Zivilisten verloren so ihr Leben.

In den 1980ern während der Seifenblasenkonjunktur wurde die Insel zu einer beliebten Alternative zum fernen Hawaii – wohlbetuchte Hauptstädter legten sich hier ihren Zweitwohnsitz an. Diese goldenen Zeiten sind jedoch schon lange vorbei – die Insel ist zwar immer noch recht beliebt, hier und da wird aber der Verfall sichtbar.

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Meereswelt

Hachijō ist ein Paradies für Angler und für Taucher. Letzere sind am meisten auf die Meeresschildkröten und Fischschwärme aus – Korallen gibt es hier nicht, dafür liegt Hachijōjima zu weit nördlich. Delfine gibt es zwar in der weiteren Umgebung, aber rund um Hachijō kommen sie nicht vor. Dafür wurden seit 2011 alljährlich Buckelwale gesichtet. Die kamen bis dato nur viel weiter südlich, bei den Ogasawara-Inseln, vor, doch wahrscheinlich auf Grund der globalen Erwärmung und der damit verbundenen Erhöhung der Wassertemperaturen sind die imposanten Tiere nun auch hier anzutreffen – vor allem in den Monaten Dezember bis April. Auf der Insel gibt es eine Handvoll Anbieter, die sich auf Tauchexpeditionen spezialisiert haben.

Rund um die Insel und in der Regel nicht allzu weit von der Küste entfernt gibt es nennenswerte Bestände an

  • キンメダイ kinmedai (Glänzender Schleimkopf)
  • トビウオ tobiuo (Fliegende Fische)
  • カツオ katsuo (Bonito)
  • シイラ shiira (Goldmakrele)
  • アオダイ aodai (Paracaesio)
  • クロムツ kuromutsu (Gnomenfisch)
  • キツネ kitsune (gestreifter Bonito, Makrelenbonito)

Je nach Jahreszeit ändern sich die Fischarten, und das hängt mit der hier vorbeiziehenden Meeresströmung, dem 黒潮 kuroshio zusammen. Interessant ist dabei, wie sich im Laufe der vergangenen Jahrzehnte die japanischen Essgewohnheiten geändert haben: Früher bevorzugte die mageren, sprich fettarmeren Teile des Fisches. So wurde zum Beispiel der bonito (katsuo) früher eher im Frühjahr gefangen, wenn er sich auf den Weg in die nährstoffreicheren Gewässer weiter nördlich machte. Jetzt ist der 戻りガツオ modori-gatsuo gefragter: Die vollgefressenen, sprich fetten Bonito kehren ab Ende August Richtung Süden zurück und werden nun vorzugsweise aufgrund der gestiegenen Nachfrage in dieser Zeit des Jahres gefangen.

Die Küste von Hachijōjima. Das Meer ist hier meistens rau
Die Küste von Hachijōjima. Das Meer ist hier meistens rau

Die Fischbestände gelten als stabil, aber es gibt auch besorgniserregende Veränderungen. So ist im Laufe der letzten Jahre der Seetangbestand stark zurückgegangen – weshalb auch die Muschelbestände zurückgehen, was wiederum weitere Auswirkungen auf die Nahrungskette haben wird. Stark erholt haben sich im Gegensatz dazu die Meeresschildkrötenbestände. Vier Arten gibt es in der Gegend, aber am häufigsten sind die Unechte Karettschildkröte und die Grüne Meeresschildkröte. Da diese nicht mehr gejagt werden dürfen, sind die Bestände nun wieder so stark, dass sie den Fischern sorgen bereiten. Verirrt sich mal eine in ein Netz, wird diese natürlich verspeist – Schildkrötenfleisch ist allerdings nur was für Liebhaber, da es einen kräftigen Eigengeschmack hat.

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八丈富士 Hachijō-Fuji (西山 Nishiyama)

Hachijō ist nicht nur etwas für Angler und Taucher, sondern auch ein Paradies für (Berg)wanderer. Im Nordwesten der Insel ragt der höchste Berg der Izu- und Ogasawara-Inselketten empor – der 854 Meter hohe Nishiyama, auf Deutsch „Westberg“. Aufgrund seiner nahezu perfekten Kegelform wird er auch oft (beziehungsweise eigentlich häufiger) Hachijō-Fuji genannt. Und so das Wetter es zulässt, grüsst der Berg die Inselbesucher schon von weitem. Kein Wunder – der nächsthöhere Berg ist über 200 Kilometer entfernt.

Der Berg ist relativ jung – seine Entstehung begann wahrscheinlich vor circa 10,000 Jahren, also gegen Ende der letzten Eiszeit. In den folgenden 6,000 Jahren brach der Vulkan mindestens 25 Mal aus. Auch nach Beginn der Besiedlung der Insel erfolgten weitere Vulkanausbrüche – die letzten in den Jahren 1487, 1518, 1523 und 1605. Im Jahr 1606 brach Aufzeichnungen zufolge wohl auch ein unterseeischer Vulkan in unmittelbarer Nähe aus und schuf eine kleine, neue Insel, aber die ist wieder verschwunden und der Ort ist nicht ganz genau feststellbar.

Der Hachijo-Fuji (Bildmitte)

Seit über 400 Jahren schweigen also die beiden Vulkane auf der Insel, aber erst im Jahr 2002 gab es nordwestlich der Insel etliche Schwarmbeben in geringer Tiefe, was bedeutet, dass die Gegend noch immer tektonisch sehr aktiv ist, So rückt die Insel auch bis zu 5 cm pro Jahr gen Osten.

Den Hachijō-Fuji erkennt man nur von weitem oder von oben als Vulkan – aus der Nähe betrachtet sieht er merkwürdigerweise eher wie ein grosser Hügel aus. Der Aufstieg auf den Gipfel bestärkt den Eindruck. Es gibt nur einen Weg auf den Gipfel, und dieser Weg ist zu einem guten Teil sehr gut gepflegt – eine Treppe, mit einer trittfesten Neige in der Mitte – erleichtert den Aufstieg ungemein und lässt das ganze eher wie einen Spaziergang erscheinen. Da der Vulkan zu jung und der Boden als solcher noch nicht ausgeprägt genug ist, gibt es keine großen Bäume, so dass man von Anfang an eine ganz famose Sicht auf das Meer und das Innere der Insel hat. Zumindest, solange das Wetter mitspielt, denn auf der Insel fallen über 3’000 mm Regen pro Jahr – das ist doppelt so viel wie im bereits vom Regen gesegneten Tokyo. Hinzu kommt ein häufig starker Wind sowie die Tatsache, dass die Insel im weiteren Umkreis die einzige natürliche Barriere bildet – es mag weit und breit keine Wolken geben, und doch ist der Gipfel in Wolken gehüllt.

Rund um den Gipfel gibt es zwei Rundstraßen und einen Rundweg, wobei der Rundweg eigentlich nicht für die Öffentlichkeit zugänglich ist. Die untere Rundstraße führt immer an der Küste entlang, die obere auf 400 bis 500 Meter Höhe. Dort befindet sich auf der dem Flughafen zugewandten Seite die ふれあい牧場 furei bokujō – die „Farm zum anfassen“. Hier werden, und das ist für die Breiten etwas ungewöhnlich – Rinder gezüchtet, die dort auf den Wiesen am Vulkan weiden. Die Rinder werden hauptsächlich zur Milchproduktion gezüchtet – man kann man somit auf der Insel hergestellte Milch trinken und lokal produziertes Eis und sogar Mozzarella essen. Für subtropisch bis tropische Verhältnisse ist das etwas seltsam, aber die Höhe von 500 m über dem Meeresspiegel macht es möglich.

Aussichtsplattform an der Farm
Aussichtsplattform an der Farm

Von den Gebäuden der Farm führt ein Steg an den grasenden Rindern vorbei zu einer Aussichtsplattform, von der man das gesamte Inselinnere überblicken kann – links das Meer, rechts das Meer, unten der Flughafen und die beiden grössten Orte der Insel, und auf der anderen Seite des Tals der über 700 Meter hohe Higashiyama – ein wahrhaft bezaubernder Anblick.

Die Rundstrasse führt an der Farm vorbei, und unweit selbiger führt eine Straße herunter ins Tal. Läuft man von der Farm die Rundstrasse ein paar Dutzend Meter Richtung Ausfahrt zum Ort, trifft man linkerhand auf den „Eingang“ zum Berg – das ist die einzige Route auf den Gipfel, und auf den ersten paar hundert Metern gibt es eine Treppe. Erst kurz vor dem Gipfel endet die Treppe und wird zu einem gut gewarteten Wanderweg. Von dort sind es keine 10 Minuten mehr bis nach oben, und dort angekommen wird es spektakulär, denn man steht plötzlich am Rand eines über 500 Meter breiten und mehr als 50 Meter tiefen Krater, in dem sich wiederum ein weiterer Krater befindet. Der Kraterrand ist dabei sehr schmal und uneben – und man kann ihn auf einem entsprechend schmalen Pfad problemlos umrunden. Der Weg wird お鉢めぐり ohachimeguri genannt – die „Topfumrundung“). Und egal wo man sich befindet – man hat einen grandiosen Ausblick entweder auf das Inselinnere, das Meer oder die kleine Schwesterinsel. Da der Krater noch relativ jung ist, ist das Terrain entsprechend sehr schroff. An manchen Stellen geht es auf der Kraterseite mehrere dutzend Meter senkrecht bergab – für Menschen mit Höhenangst eine kleine Herausforderung.

Krater mit kleinem Krater im Krater
Krater mit kleinem Krater im Krater
Auf dem Krater - der Weg ist schmal
Auf dem Krater – der Weg ist schmal

Der Krater hat einen Durchmesser von rund 400 Metern und ist im Schnitt rund 50 Meter tief, wobei es im Krater selbst einen kleinen Hügel und kleinere Seen gibt – sowie einen kleinen Krater im Krater. Die hohen, steilen Kraterwände rundherum lassen das ganze irgendwie unwirklich erscheinen. Allerdings ist das Kraterinnere so dicht bewachsen, dass man nicht allzu viel sieht. Und da man hier in Japan ist, befindet sich auf dem Kraterboden natürlich auch ein Minischrein – der 浅間神社 Sengenjinja, der allerdings nur aus einem torii (shintoistischer Torbogen) und winzigen Steinschreinen besteht. Kurz hinter dem Schrein geht es dann noch etwas weiter abwärts zum Krater im Krater.

Vom Eingang des Bergpfades sind es 1’280 Stufen und fast genau 350 Höhenmeter bis nach oben – je nach Verfassung dauert der Aufstieg zwischen einer und anderthalb Stunden. Den Ohachi-Rundweg kann man in 30 bis 50 Minuten zurücklegen – je nach Wetter, denn bei guter Sicht ist das 360-Grad-Panorama so atemberaubend, dass man einfach mal innehalten muss.

Bei gutem Wetter kann man bis zur Mikuni-Insel, bis zur Miyake-Insel und bis zur Aogashima-Insel sehen. Bei außergewöhnlich klarer Sicht ist, aber das ist natürlich selten, auch der 235 km nördlich gelegene Fuji-san zu erkennen.

Blick vom Krater Richtung Flughafen und Südostteil der Insel
Blick vom Krater Richtung Flughafen und Südostteil der Insel
Der Hachijō-Fuji vom Ort aus gesehen
Der Hachijō-Fuji vom Ort aus gesehen

Achtung: Im Sommer 2020 war der gesamte Wanderweg auf den Gipfel gesperrt, da es Wochen zuvor zu Erdrutschen infolge von Taifunen kam. Diese zerstörten die unteren Bereiche des Wanderweges. Allerdings begann man schon schnell mit den Aufräumarbeiten. Da Hachijojima relativ häufig von Taifunen getroffen wird, lohnt sich ein Blick auf die Wetterlage sowie eine Nachfrage nach den Wegverhältnissen vor dem Aufstieg – zumindest im Sommer und Herbst, denn dann ist Taifunsaison.

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大賀郷 Ōkagō

Okago ist mit fast 2’500 Einwohnern der zweitgrösste Ort der Insel – zu der Gemeinde gehört fast genau die Hälfte der Nordwesthälfte der Insel. Dazu zählt der Großteil des Flughafens und der halbe Hachijō-Fuji. Richtig besiedelt ist allerdings nur die Ebene zwischen den beiden Bergen. Zu dem Ort zählt auch einer der beiden grösseren Häfen der Insel – je nach Wetter legt hier auch die Fähre von Tokyo an. Im Südosten hört die Ortschaft am Osaka-Tunnel auf (siehe Geschichte weiter oben).

Der Ort selbst ist nichts weiter als ein grösseres Dorf, großzügig geplant, ohne höhere Häuser und mit meist grossen Grundstücken. Direkt neben dem Hafen befindet sich eine Art Naturbucht, die man zum Freibad umfunktioniert hat. Dies war wahrscheinlich der alte Hafen, doch jetzt kann man hier nach Herzenslust ins Wasser springen – keine schlechte Idee, denn da hier oft ein rauher Wind weht, ist das Meer entsprechend aufgewühlt und zum Baden nicht geeignet. Das 旧八重根海水浴場 Yaene-Freibad ist zwar direkt mit dem Meer verbunden, bietet aber selbst bei starkem Wind genug Schutz, um sich im glasklaren Wasser etwas zu erfrischen. Das Bad ist frei zugänglich – es kostet keinen Eintritt und hat kein Personal.

Yaene-Schwimmbad - im Hintergrund sieht man die Schwesterinsel, die Hachijō-Kojima
Yaene-Schwimmbad – im Hintergrund sieht man die Schwesterinsel, die Hachijō-Kojima

Direkt neben dem Freibad steht das Gebäude der Fähranlegestelle – das öffnet nur, wenn die Fähre von und nach Tokyo hier an- bzw. ablegt, doch das ist normalerweise nicht der Fall, denn meistens fährt die Fähre von Sokodo auf der anderen Seite der Insel ab. Quasi hinter dem Fährgebäude findet man einen einsam und verlassenen Gedenkstein, und dessen Hintergrundgeschichte ist amüsant. Gestiftet wurde diese 感謝の碑 kansha-no-ishibumi – die „Dankesstele“ von der hunderte Kilometer entfernt liegenden Präfektur Wakayama im Jahr 2018. Sie erinnert an ein Ereignis kurz vor Neujahr des Jahres 1892. Eine Flotte von Fischerbooten, die auf der Jagd nach sanma, dem pazifischen Makrelenhecht, waren, machten sich von Katsuura (Präfektur Chiba) auf den Heimweg, als sie in einen schweren Sturm gerieten. Von 749 Fischern gerieten 458 in Seenot. 229 der Fischer kamen ums Leben oder galten als vermisst. Von den verbliebenen Fischern strandetene 179 auf Hachijōjima, wo sich die Bewohner um die Gestrandeten kümmerten.

Doch warum der Gedenkstein – nach 128 Jahren? In Wakayama erinnerte man sich irgendwann an die osmanische Fregatte Ertuğrul, die 1890 an der Südspitze der Halbinsel Kii (Präfektur Wakayama) in einem Taifun an den messerscharfen Klippen zerschellte. 587 Passagiere, darunter der Abgesandte des Sultans, der dem japanischen Kaiser seine Aufwartung machen wollte, kamen ums Leben beziehungsweise galten als vermisst – 67 Passagiere konnten von den Anwohnern gerettet werden.

Dankesstein der Präfektur Wakayama
Dankesstein der Präfektur Wakayama

Direkt an dem kleinen Flughafen der Insel, der zum grössten Teil zu Okago gehört, liegt der 八丈植物公園 Hachijō Shokubutsukōen – der Botanische Garten von Hachijō. Weite Teile der Insel gehören zum 富士箱根伊豆国立公園 Fuji-Hakone-Izu-Nationalpark, dessen Name schon andeutet, was alles dazu gehört: Der imposante und auf dem Gipfel alpine Fuji-san, die stark vulkanisch geprägte Halbinsel Izu nebst der Inselkette, sowie Hakone mit dem See und einem aktiven Vulkan und unzähligen heissen Quellen. Die Ausdehnung des Nationalparks ist damit gewaltig – genauso die Vielfalt, die man hier antrifft. Von alpin bis subtropisch, von rauchenden Bergen bis wilden Küsten ist hier alles dabei. Der Nationalpark hat rund 100 Millionen Besucher pro Jahr und insgesamt 4 Besucherzentren, wobei das mit Abstand am wenigsten besuchte Besucherzentrum im Botanischen Garten der Insel steht.

Im Besucherzentrum kann man etliches zur Natur der Insel erfahren. Ein wahres Highlight aber ist der Botanische Garten – dieser ist frei zugänglich und kostet keinen Eintritt. Der Park ist in 8 Zonen untergliedert und mit 22 Hektarn Grösse ziemlich geräumig. Insgesamt gibt es hier über 100 verschiedene Pflanzenarten zu bestaunen – einige von denen sind endemisch, sprich, sie kommen nur hier vor. Im Park muss man auch nicht lange nach der Izudrossel suchen – eine grosse, rostbraune Drosselart mit schwarzem Kopf. Diese Drosseln kommen (fast) nur auf den Izu-Inseln vor.

Der grandiose botanische Garten in Okago
Der grandiose botanische Garten in Okago

Zu den 8 Zonen des Botanischen Gartens gehört auch eine Spielwiese mit Klettergerüsten und dergleichen – damit eignet sich die Anlage auch für einen Abstecher mit den Kindern. Die gesamte Anlage ist sehr gepflegt, mit einem schönen Wechsel von freien Flächen und Urwuchs. Man muss kein Botaniker sein, um einen Besuch des Parks zu geniessen.

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南原千畳敷 Nambara Senjōjiki

Wenn man vom Hafen von Okago die Strasse gen Norden fährt, kann man immmer an der Küste entlang den Hachijo-Fuji umrunden. Nicht mal einen Kilometer vom Hafen entfernt kommt man den Nambara Senjōjiki vorbei. Nambara ist ein Ortsname („Südfeld“), „senjōjiki“ bedeutet in etwa „1000-Tatami-Fläche“. Die in Japan obligatorische Reisstrohmatte Tatami (hier -jō gelesen) dient als Größeneinheit für Flächen, vor allem für Wohnraum, denn es ist ja wichtig, wie viele Tatamimatten in einen Raum passen. Leider haben die Tatami in verschiedenen Regionen in Japan verschiedene Grössen, aber im Schnitt sind dies knapp 1,65 Quadratmeter.

Beim 1000-Tatami-Feld von Nambara handelt es sich um eine rund 500 Meter lange und 100 Meter breite Basaltfläche – bei einer der grösseren Ausbrüche des Vulkans floss die Lava bis zum Meer. Zurück blieb am Ufer ein schwarzes, unbewachsenes Basaltfeld mit verschiedenen Formen des Vulkangesteins. So findet man hier die eher glatte, homogene Pāhoehoe-Lava (auch Stricklava genannt) genauso wie ʻAʻā-Lava, auch Brockenlava genannt. Da der Basalt, vor allem in Form von Brockenlava, sehr scharfkantig ist, eignet sich der Ort nicht für einen Sprung ins Wasser, aber bei Anglern ist der Ort beliebt.

Stricklava am Ufer
Stricklava am Ufer

Am Lavafeld steht ein kleines Denkmal mit zwei sitzenden Figuren in traditioneller Kleidung – dies sind 宇喜多 秀家 UKITA Hideie und seine Gemahlin, 豪姫 Gōhime. Der 1573 geborene Daimyō war einst Herr der Burg von Okayama und kämpfte mit seiner eigenen, rund 17’000 Mann starken Armee gegen den dritten Reichseiniger, Tokugawa Ieyasu, in der für Japan historisch sehr bedeutsamen Schlacht von Sekigahara im Jahr 1600. Seine Verbündeten hatten jedoch hinter seinem Rücken einen Handel mit Tokugawa gemacht. Ukita wurde geschlagen und flüchtete nach Kyushu. 1603 wurde er jedoch aufgespürt und nach Hachijōjima verbannt, zusammen mit seinen Söhnen. Jahrzehnte später wurde ihm zwar vergeben, doch seine Frau war bereits verstorben und sein Lehen sowie verloren. Ukita beschloss deshalb, auf Hachijōjima zu bleiben – und erreichte dort ein für damalige Verhältnisse biblisches Alter von 82 Jahren.

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三根 Mitsune

Einst mangels Trinkwasserquellen von den ersten Siedlern gemieden, ist Mitsune heute mit fast 3,500 Einwohnern der größte Ort der Insel. Zur Ortschaft gehört der gesamte Nordosten der Insel sowie der kleinere Teil der Landebahn des Inselflughafens. Im Gegensatz zu den anderen Orten gibt es hier verhältnismäßig wenig zu sehen, aber die meisten Hotels, Restaurants und Geschäfte befinden sich hier. Es gibt sogar ein kleines Ortszentrum, das man als solches erkennen kann.

Draufsicht auf den Ort Mitsune mit den beiden Häfen und einem Teil des Flughafens (rechts)
Draufsicht auf den Ort Mitsune mit den beiden Häfen und einem Teil des Flughafens (rechts)

Wie man auf dem oberen Foto erkennen kann, ist der Ort relativ dünn besiedelt – und sehr grün. In älteren Ortsteilen sind die Grundstücke mit den für Hachijojima typischen, aus runden Steinen gebauten Mauern umgeben.

Im Ort gibt es eine Shōchū-Brennerei (Shōchū ist japanischer Gebrannter, meist auf Reis oder Süßkartoffel-, manchmal auch auf Getreidebasis) sowie eine Kusaya-Fabrik, und beide kann man nach telefonischer Voranmeldung auch besichtigen. Kusaya ist allerdings nichts für Menschen mit empfindlichen Nasen. くさや Kusaya ist die japanische Antwort auf den berüchtigten schwedischen Surströmming, aber nicht ganz so extrem. Hier wird der Fisch, meistens eine Makrelenart, in einer salzigen Lake fermentiert und dann getrocknet. Das besondere an der Lake ist, dass sie bei weitem nicht so viel Salz enthält wie eine übliche Salzlake. Stattdessen wird die Lake immer und immer wieder verwendet, weshalb sie Fettanteile der Fische und bestimmte Bakteriekulturen enthält, die dem Fisch so seinen charakteristischen Geruch verleiht. Die Sache hat einen ernsten Hintergrund: Während der Edo-Zeit gab es eine Salzsteuer, und die war sehr hoch. Deshalb konnten es sich die Inselbewohner nicht leisten, die Salzlake jedes Mal wegzukippen.

Der getrocknete, stark riechende Fisch wird vor dem Verzehr in der Regel kurz gegrillt. Danach riecht der Fisch zwar immer noch sehr streng, aber der Geschmack ist eher mild. Die Lake enthält enorm viele Vitamine und organische Säuren sowie wertvolle Bakterien, weshalb Kusaya als sehr gesundes Nahrungsmittel gilt. Fisch hin oder her — diese Zubereitungsweise – im Wort kusaya steckt das Wort „kusa-i“, was einfach nur „übelriechend“ bedeutet – ist auch den meisten Japanern nicht ganz geheuer.

Hauptstrasse von Mitsune
Hauptstrasse von Mitsune

In der Ortsmitte findet man ein paar wenige Restaurants, Snackbars und sogar einen Buchladen. Für einen der in Japan obligatorischen Convenience Stores (konbini) reicht die Ortsgrösse jedoch nicht aus. Ausserdem gibt es auch ein paar Tauchschulen bzw. Tauchorganisatoren, bei denen man Tauchgänge organisieren kann.

Selbst hier im Hauptort, und dort sind auch die Hauptstrassen nicht verschont, merkt man, dass man hier auch schon mal mehr Einwohner und Besucher hatte – hier und dort fallen verfallene Häuser auf, um die sich niemand kümmert. Ein Phänomen, das in den 1990ern in Japan begann und aufgrund der Überalterung der Bevölkerung immer stärker in den Vordergrund drängt – zumindest abseits der grossen Städte.

Kleines Denkmal am Hafen Sokodo
Kleines Denkmal am Hafen Sokodo

Der kleine Ort hat insgesamt zwei Häfen — einen Fischerhafen, sowie einen Passagierhafen – der nennt sich 底土 Sokodo und wird momentan etwas ausgebaut. Von hier fahren normalerweise die Fähren nach Tokyo sowie zur weiter südlich gelegenen Insel Aogashima ab. Wer dorthin will, muss allerdings vorweisen, dass man eine gebuchte Übernachtung hat, denn auf Aogashima leben nur gut 100 Menschen, und ein Tagesausflug dorthin ist nicht möglich.

Die Küste bei Sokodo ist wild und schön – allerdings aufgrund des messerscharfen vulkanischen Gesteins nicht zum Baden geeignet. Deshalb hat man dort in unmittelbarer Nähe zum Hafen eine durch Molen geschützte Bucht mit einer Terasse und etwas aufgeschütteten Sand versehen, damit man dort etwas baden kann. Wenige hundert Meter südlich vom Fährhafen gibt es einen kleinen Stollen zu begutachten – dort hatte man nach dem Krieg einen 回天 Kaiten ausgegraben – ein Kamikaze-U-Boot, das, von einem Menschen gesteuert, amerikanische Schiffe angreifen sollte. Letztendlich starben allerdings mehr Kaiten-Piloten als Amerikaner. An das verzweifelte Projekt erinnert eine kleine Gedenktafel – allerdings nur auf Japanisch.

Kleiner Schrein in der Ortsmitte von MItsune
Kleiner Schrein in der Ortsmitte von MItsune

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樫立 Kashitate

Die Gemeinde Kashitate ( kashi ist eine in Japan häufige Eichenart, „tate“ bedeutet „stehen“) ist der zweitkleinste Ort der Insel und hat nunmehr nicht einmal 500 Einwohner – vor 150 Jahren waren es noch mehr als doppelt so viel. Auch der Bau des Ōsaka-Tunnels, dank dessen die Verbindung zur Inselmitte viel einfacher wurde, konnte den Bevölkerungsrückgang nicht aufhalten. Heute findet man im Ort viele verlassene Häuser und Geschäfte, und die Lage wird nicht besser. Das Terrain ist auch schwierig – die Küste ist hier zu steil, und das Gelände ansonsten sehr hügelig bis bergig. Richtung Norden geht es immer weiter bergauf – bis zum 701 Meter hohen Gipfel des 三原山 Mihara-san, dem zweithöchsten Gipfel der Insel. Auf dem Gipfel befindet sich eine Funkantennenanlage, und aus dem Grund führt auch eine kleine Strasse bis fast zum Gipfel – die war allerdings im Herbst 2020 aufgrund eines Taifuns unpassierbar.

Blick auf die spektakuläre Strasse nach Kashitate
Blick auf die spektakuläre Strasse nach Kashitate

Man kann auch auf den Gipfel wandern – vorausgesetzt, die Wege sind passierbar. Wenn man von Kashitate gen Gipfel läuft, trifft man unterwegs auf den 硫黄沼 Iōnuma – den „Schwefelteich“. Das grünlich-blaue Wasser macht deutlich, dass hier tatsächlich Schwefelgase aus dem Untergrund treten. Das Bergmassiv im Süden der Insel war ebenfalls ein aktiver Vulkan, der allerdings schon länger dormant ist. Der Krater ist dementsprechend auch schon so stark verwittert, dass man ihn nicht mehr so ohne weiteres als Krater wahrnimmt. Läuft man vom See noch weiter, kommt man schliesslich zum 唐滝 Karataki (Taki = Wasserfall). Der ist zwar nicht sehr gross, aber das Grün ist überwältigend. Man befindet sich hier ganz klar in einer subtropischen Gegend mit sehr, sehr viel Regen pro Jahr (5 mal mehr als in Berlin zum Beispiel).

Iōnuma - der Schwefelteich in den Bergen von Kashitate
Iōnuma – der Schwefelteich in den Bergen von Kashitate

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黒砂砂丘 Kurosuna Sakyū (Schwarze Wüste)

Eine kleine Sensation hat Kashitate dann aber doch aufzuweisen – die „schwarze Wüste“. Das Phänomen ist nicht einzigartig – so hat die Insel Stromboli bei Sizilien einen berühmten schwarzen Strand, und auch etliche andere Vulkane in Meeresnähe sorgen für pechschwarze, vegetationsfreie Flächen. Die schwarze Wüste auf Hachijōjima gehört dennoch zu den spektakulären Vertretern. Die Küste hier ist sehr schroff, und die schwarze Wüste hängt rund 100 Meter über der Küste.

Eine zwar kleine, aber wahrhaft schwarze Wüste
Eine zwar kleine, aber wahrhaft schwarze Wüste

Der offizielle Name der Sandfläche lautet eigentlich 六日ヶ原砂丘 Muikagahara-Sakyū – die „Sechster-Tag-Feld-Sanddünen“, Namensherkunft unbekannt. Um dorthin zu gelangen, muss man auf dem Weg von Kashitate Richtung Okago unterwegs links einbiegen. Von dort läuft man einen engen Weg rund einen Kilometer lang quer durch den Dschungel, bis die Vegetation spärlicher wird. Dann steht man plötzlich vor der schwarzen Wüste, und der Eindruck hängt natürlich stark vom Wetter ab: Bei schlechtem Wetter wenig spektakulär, sieht das ganze bei besserem Wetter schon ganz anders aus. Der Kontrast des pechschwarzen Bodens mit ein paar versprenkelten Grasbüscheln mit dem blauen Meer im Hintergrund bietet einen ganz besonderen Kontrast.

Die Küste ist hier sehr steil - Vorsicht ist geboten
Die Küste ist hier sehr steil – Vorsicht ist geboten

Der schmale Pfad oberhalb der Dünen ist als solcher zwar sicher, aber nach einer Weile warnt ein Schild „Menschen mit schwächerer Physis und/oder Gleichgewichtsstörungen“ davor, weiterzugehen. In der Tat – gerade mit kleineren und lebhaften Kindern sollte man hier vorsichtig sein, denn wer sich ein Mal auf den schwarzen Sand begibt, wird unweigerlich gen Klippen rutschen und von dort dutzende Meter in die Tiefe fallen.

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中之郷 Nakanogō

Nakanogō ist die grösste Gemeinde der Südosthälfte von Hachijōjima – mit rund 650 Einwohnern. Doch auch diese Gemeinde hat seit Ende des 19. Jahrhunderts die Hälfte der Einwohner eingebüßt. Das Zentrum des Ortes sieht nunmehr besonders trostlos aus – es gab eine Miniladenzeile mit vier Geschäften nebeneinander, von denen nun nur noch ein Geschäft geöffnet hat, aber auch das Geschäft ist schon uralt.

Obwohl nur ein Dorf, gibt es in Nakanogo sogar eine Mittelstufenschule (Junior High School) – diese haben in Japan nur drei Klassenstufen (12 bis 15 Jahre). Die Mittelstufe hier ist für die ganze Südosthälfte von Hachijojima zuständig und hat weniger als 10 Schüler pro Klassenstufe. Normal sind in Japan bis zu 40 Schüler pro Klasse. Dabei steht die Schule noch gut da – auf der südlich gelegenen Insel Aogashima gibt es eine kombinierte Grund- und Mittelschule mit insgesamt 10 Schülern in der gesamten Schule – verteilt auf 9 Klassenstufen!

Die einzige Ladenzeile des Ortes hat definitiv schon mal bessere Zeiten gesehen
Die einzige Ladenzeile des Ortes hat definitiv schon mal bessere Zeiten gesehen

Im ganzen Ort gibt es kaum grössere Ebenen – von der Küste geht es permanent bergauf. Im Norden des Ortes wird (Stand 2020) ein Geothermalkraftwerk gebaut – dazu wird Wasser in den Untergrund geleitet, das sich dort erhitzt und nach oben schießt, um dort Dampfdruckturbinen anzutreiben. Allerdings soll das Kraftwerk nur rund 20% der auf der Insel benötigten Energie erzeugen – der Rest wird auf absehbare Zukunft mit Erdöl produziert.

Kleines Fußbad am Meer - Ashiyu Kirameki
Kleines Fußbad am Meer – Ashiyu Kirameki

Der Ort verfügt über einen noch immer genutzten Hafen – dem 藍ヶ江港 Aogae-Hafen, und rund um diesen Hafen ist die Küste besonders wild – hier kann man wunderbar die verschiedenen Schichten sehen, die aufgrund diverser Vulkanausbrüche entstanden und so die Insel bildeten. Etwas oberhalb des Hafens hat man ein kleines Fuss-Onsen angelegt – das 足湯きらめき Ashiyu Kirameki – man kann dort (kostenlos) seine Füsse in heißem Quellwasser baden und dabei den Blick auf den Hafen und das Meer geniessen.

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裏見ヶ滝 Uramigataki Wasserfall & Onsen

Mitten im Ort, zwischen Hauptstrasse und Hafen, gibt es zwei interessante Punkte in Nakanogo – einer davon ist der Uramigataki-Wasserfall. Dieser ist zwar nicht sonderlich hoch oder wasserreich, aber das Grün ist überwältigend, und der Pfad führt hinter dem Wasserfall vorbei – eine wunderbare Abkühlung im Sommer. Auf dem Weg dorthin gibt es zudem einen Minischrein, den man über eine traditionell aus runden Steinen gebauten, sehr steilen Treppe erreichen kann. Von der Strasse bis zum Wasserfall braucht man keine 10 Minuten zu Fuss.

Der Uragamitaki-Wasserfall
Der Uragamitaki-Wasserfall

Direkt auf der gegenüberliegenden Seite des Pfades, der zum Wasserfall führt, steht ein kleines Onsen – eine heiße Quelle, die von jedermann kostenlos genutzt werden kann. Da dieses Onsen von allen Geschlechtern genutzt werden kann (es gibt nur ein kleines Becken), sollte man allerdings Badesachen mitbringen – es gibt ein kleines Häuschen auf der anderen Strassenseite, wo man sich umziehen kann. Das Onsen steht im Freien, ist aber überdacht, und man hat einen schönen Blick auf ein kleines, grünes Tal.

Das kleine, aber feine Onsen
Das kleine, aber feine Onsen

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末吉 Sueyoshi

Der mit weniger als 300 Einwohnern der kleinste und gleichfalls am schwersten erreichbare Ort auf Hachijojima ist Sueyoshi. Dorthin gelangt man, wenn man von Nakanogo die 八丈一周道路 Hachijō Isshū Dōro (Hachijo-Ringstrasse) an einer grösseren und komplett menschenleeren Halbinsel weiter gen Osten fährt. Kaum in der Gemeinde angelangt, kommt man an der 名古の展望台 Nago-no-Tenbōdai (Nago-Aussichtsplattform) vorbei, von der man einen wirklich grandiosen Blick auf die wilde Südostküste der Insel werfen kann.

Der Fischereihäfen von Sueyoshi Hachijōjima
Der Fischereihäfen von Sueyoshi Hachijōjima

Unterhalb der Ausssichtsplattform liegt der kleine 洞輪沢漁港 Borawazawa-gyokō (gyokō = Fischereihafen), der ebenfalls noch im Betrieb ist. Um dorthin zu gelangen, muss man die Rundstrasse verlassen und eine kleine Strasse abwärts Richtung Meer fahren. Hinter dem Hafen kann man noch ein Stückchen weiterfahren, bis die Strasse plötzlich zu Ende ist. Die Küste hier ist sehr rauh und definitiv nicht zum Baden geeignet. Geübte Surfer trauen sich allerdings hier ins Wasser, denn die Wellen sind hier hervorragend zum Surfen geeignet. Man muss allerdings wirklich wissen, was man macht, denn die Strömung ist hier sehr stark, und gegen die Küstenschutzwände zu prallen ist auch keine gute Idee.

Küste bei Borawazawa in Sueyoshi
Küste bei Borawazawa in Sueyoshi

Die Ringstrasse führt von Sueyoshi weiter nach Norden – immer bergauf, bis man am 登龍峠 Noboryō-Tōge, dem „Pass des aufsteigenden Drachens“ den Ort Mitsune erreicht. Dieser ist 312 Meter hoch, und von der Aussichtsplattform hat man einen hervorragenden Blick auf den Hachijo-Fuji, die Hachijo-Kojima und die Ebene in der Inselmitte – und das auf einen Blick. Dies ist definitiv die Postkartenansicht der Insel (siehe erstes Foto oben unter „Hachijo-Fuji“).

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八丈小島 Hachijō Kojima

Nur gute 3 Kilometer nordwestlich und damit an den meisten Tagen gut sichtbar liegt die kleine Schwester von Hachijōjima – die Hachijō-Kojima, von den Inselbewohnern oft schlicht nur Kojima (=kleine Insel) genannt. Diese Insel ist ziemlich genau drei Quadratkilometer gross, länglich, und wird vom Ōtairasan (616 m) dominiert. Die Küste ist rauh, es ist gibt keinen natürlichen Hafen, und es gibt keine Süßwasserquellen. Trotzdem war die Insel lange Zeit bewohnt – es gab zwei Dörfer auf der Insel – 鳥打 Toriuchi im Nordwesten und 宇津木 Utsuki im Südwesten. Toriuchi hatte gegen Ende des 19. Jahrhunderts fast 300 Einwohner, und im Jahr 1950 nur noch 104 Einwohner. 1969 wurden die verbliebenen Einwohner auf die Hauptinsel umgesiedelt – seitdem ist das Dorf verlassen. Utsuki hatte gegen Ende des 19. Jahrhunderts gut 200 Einwohner, und um Jahr 1950 66 Einwohner. Utsuki verfügte über einen kleinen Hafen und wurde ebenfalls 1969 komplett auf die Hauptinsel übersiedelt.

Hachijō-Kojima – die heute unbewohnte kleine Hachijō-Insel

Die Menschen lebten auf der Insel hauptsächlich von Fisch- und Vogelfang sowie von der Landwirtschaft – die wenigen ebenen Flächen erlaubten trotz Ermangelung von Süsswasserquellen erstaunlich gute Erträge, da der Boden sehr gut und die Niederschläge reichhaltig sind. Allerdings kämpfen die Einwohner mit einer besonderen 風土病 fūdo-byō – einer „Regionalkrankheit“, sprich einer Krankheit, die nur in einem sehr kleinen Raum aufgrund regionaler Besonderheiten auftaucht. Davon gab es etliche in Japan, aber die in Kojima war besonders dramatisch. Es handelte sich um eine im Volksmund „baku“ genannte Krankheit, die zu den Filariosen gehört. Dabei dringen parasitische Fadenwürmer in das Lymphsystem ein und sorgen dort unter anderem für Elefantitis – ein Körperteil (das können die Beine sein, aber auch die Geschlechtsorgane) schwillt dabei zu abnormer Grösse an. Manabu Sassa, ein japanischer Mediziner, erforschte die Krankheit auf der Insel und erkannte die Ursache. Grund für das lokale Auftreten war die Wasserversorgung: Mangels Quellen war man auf Regenwasser angewiesen, dass in Behältern gesammelt wurde. Dort entstanden Mückenlarven, die wiederum als Zwischenwirt für den Fadenwurm fungieren. Tranken die Menschen von mit Mückenlarven verseuchten Wasser, wurden sie von dem Wurm befallen. Erst 1968 konnte die Krankheit auf Kojima gänzlich ausgerottet werden (unter anderem, indem man Trinkwasser von Brauchwasser trennte), doch man hatte schon vorher beschlossen, die verbliebenen Inselbewohner auf die Hauptinsel überzusiedeln, da die medizinische und anderweitige Versorgung der Bewohner nicht mehr vollends gewährleistet werden konnte.

Hier befand sich einst das Dorf Utsuki

Heute ist die Insel Vogelschutzgebiet, da hier eine seltene Albatrosart brütet. Man kann sich zwar noch immer mit einem Fischerboot auf die Insel bringen lassen, aber das Übernachten dort ist nunmehr verboten, und man solll sich auf keinen Fall den Brutkolonien nähern.

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Anreise

Es gibt drei Möglichkeiten, nach Hachijōjima zu gelangen: Mit dem Flugzeug, dem Hubschrauber oder dem Schiff. Die Schiffe fahren vom 竹芝埠頭 Takeshita-Futō (Takeshiba-Pier) ab – der befindet sich mitten in Tokyo und ist sehr leicht erreichbar – mit der Yurikamome-Linie von Shimbashi aus (an der Yamanote-Linie). Von hier verkehren die Fähren der 東海汽船 Tōkai-Kisen. Jede Nacht um 22:30 fährt das Boot von Tokyo ab und kommt am nächsten Morgen um 8:30 in Hachijōjima an. Eine gute Stunde später, um 9:40, fährt das Boot wieder zurück und kommt am selben Tag gegen 19:40 in Tokyo an. Man ist also 10 Stunden unterwegs, und muss bei der Hinfahrt auf dem Schiff übernachten.

Die Tachibana-maru verkehrt täglich zwischen Tokyo und Hachijojima
Die Tachibana-maru verkehrt täglich zwischen Tokyo und Hachijojima
Klasse Standardpreis
2等 (2. Klasse) ¥8,080
特2等 (2. Klasse Extra) ¥12,130
1等 (1. Klasse) ¥16,170
特1等 (1. Klasse Extra) ¥19,400
特等 (Sonderklasse) ¥22,640

Auf der Fähre gibt es fünf verschiedene Klassen – da ist für jeden Geldbeutel etwas dabei, denn die günstigste Klasse ist wirklich sehr günstig, zumal man bedenken muss, dass man zumindest bei der Hinfahrt quasi eine Übernachtung spart, wobei das Ticket in etwa so viel kostet wie ein normales Businesshotel.

Die billigste Klasse besteht aus einem kleinen, aber sehr sauberen „Verschlag“ mit Fussbodenmatten und kleinen Trennwänden im Kopfbereich. Sollte die Fähre halbwegs ausgebucht werden, wird es eng – ein Liegeplatz ist nicht einmal einen Meter breit. Die nächsthöhere Klasse besteht bereits aus kleinen Kojen, und die teuerste, die Sonderklasse, aus kleinen Zimmern mit zwei richtigen Betten. Wie es sich für eine Sonderklasse gehört.

Die zweite Klasse mit 10 Schlafplätzen pro Koje

Die Fähre kann insgesamt 596 Passagiere beherbergen. Es gibt zwei geräumige Decks, eines überdacht und eins unter freiem Himmel, sowie ein Restaurant und dergleichen. Unterwegs hält die Fähre auf Miyakejima und Mikurajima, so es das Wetter zulässt. Gerade die Strecke zwischen Mikurajima und Tokyo, rund die Hälfte der Fahrt, kann man problemlos an Deck verbringen, denn es gibt viel zu sehen – erst fährt man an Kawasaki, Yokohama und Yokosuka vorbei quer durch die Bucht von Tokyo; danach fährt man an den ganzen Izu-Inseln vorbei.

Mehr Informationen zur Fähre gibt es bei www.tokaikisen.co.jp/. Dort kann man auch online reservieren – so man des Japanischen mächtig ist.


Hachijojima ist die einzige der Tokyo-Inseln, die bequem von einem der Hauptstadtflughäfen erreicht werden kann. Die noch viel weiter südlich gelegenen Ogasawara-Inseln (Chichijima und Hahajima) sind nur mit dem Schiff erreichbar, und die anderen Izu-Inseln zwischen Tokyo und Hachijōjima werden von kleinen Passagierflugzeugen angeflogen, die vom wenig bekannten Flughafen in Chofu, Tokyo, abfliegen. ANA, eine der beiden grossen japanischen Airlines, fliegt hingegen Hachijojima mehrmals täglich von Haneda an. Die Flugzeit beträgt gerade mal 50 Minuten (inklusive Start und Landung). Aufgrund der wechselhaften Wetterverhältnissse sind die Flüge nicht selten 条件付き jōkentsuki – „unter Vorbehalt“ – entscheidet der Pilot, dass die Landung zu gefährlich ist, fliegt man so wieder zurück. Das geschah früher häufiger, doch die Airbus-Maschinen, die jetzt benutzt werden, haben fortgeschrittene Navigationshilfen, so dass man jetzt durchaus auch mal bei ziemlich schlechtem Wetter landet. Einfache Flüge kosten ab 13’790 Yen einfach.

Hubschrauber und Linienflugmaschine auf dem Tarmac des Flughafens von Hachijojima
Hubschrauber und Linienflugmaschine auf dem Tarmac des Flughafens von Hachijojima

Als Alternative gibt es noch den sogenannten 東京愛らんどシャトル Tokyo Island Shuttle (island ist hier ein Wortspiel – man schreibt das „Ai“ in „airando“ mit dem Schriftzeichen für „Liebe“ – eine Hubschrauberlinie, bei der der Helikopter von Aogashima rund 70 km südlich von Hachijojima alle bewohnten Inseln bis hin zur am Eingang zur Bucht von Tokyo gelegenen Insel Ōshima abklappert. Der einfache Flug nach Aogashima kostet 11,750 yen (rund 20 Minuten), der nach Mikurajima im Norden 12,820 yen (25 Minuten). Der Hubschrauber fliegt jeweils nur ein Mal am Tag und ist anfälliger gegenüber schlechtem Wetter – sobald es diesig wird, fallen die Flüge aus. Flugzeiten, Preise und dergleichen kann man hier einsehen.

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Übernachtung

In den 1970er und 1980er gab es einen kleinen Besucherboom – Hachijōjima galt als preiswerte Alternative zu Hawaii. Zu Spitzenzeiten besuchten bis zu 190’000 Besucher pro Jahr die Insel. Diese Zeiten sind längst vorbei – es sind nun eher um die 80’000 Besucher. Dementsprechend gibt es noch hier und dort ein paar Hotelruinen. Die grössten Hotels und Resorts findet man heute an der Nordostküste, südlich und nördlich der Ortsmitte von Mitsune. Ausserhalb der Inselmitte gibt es kaum Übernachtungsmöglichkeiten.

Sehr empfehlenswert: Galaxy Guesthouse
Sehr empfehlenswert: Galaxy Guesthouse

Zusätzlich zu den paar grösseren Anlagen gibt es auch einige kleinere, empfehlenswerte Pensionen. Dazu zählt zum Beispiel die relativ abgelegene Pension 銀河荘 Ginga-sō Galaxy Guest House. Diese Pension steht mitten im Wald, am Fusse des Hachijōjima-Fuji, etwas ausserhalb der Ortschaft Okago. Die Herberge hat eine sehr geräumige Lobby und sehr schlichte aber saubere Zimmer. Betrieben wird die Pension von einer sehr freundlichen Herbergsmutter, die hier zusammen mit ihrem Sohn wohnt. Von der Terasse aus kann man schön auf das Meer schauen – und in der Nacht den oftmals kristallklaren Sternenhimmel bewundern. Eine Gemeinschaftsküche gibt es auch. Die Übernachtung kostet dort 5,000 yen in einem Einzelzimmer. Nur gute 100 Meter entfernt, an der Einfahrt zur Pension, steht eine Pizzeria, wie man sie so an diesem Ort nicht erwarten würde. Und die Pizzeria überrascht – die Pizzen können locker mit sehr teuren Italienern im Zentrum von Tokyo mithalten. Teilweise werden auch lokale Zutaten (Mozzarella, hergestellt auf Hachijojima!) verwendet. Mehr Informationen zur Pension gibt es hier: www.galaxyguesthouse.net/.

Zu allgemeinen Übernachtungstipps siehe Übernachtungstipps Japan.

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Kulinarisches

In Sachen Speis und Trank bietet die Insel ein paar Besonderheiten. Wenn es eine Symbolzutat gäbe, wäre das wohl das 明日葉 ashitaba, wörtlich „Das Blatt von Morgen“. Die Pflanze gehört zu den Engelwurzen, und diese spezielle Art ist hier (hier bedeutet auf den Izu-Inseln und auf der Izu-Halbinsel) endemisch. Man findet sie auf der Insel in den verschiedensten Zubereitungsarten – frittiert, als Tempura zum Beispiel, oder in Nudeln eingearbeitet. Als Tee. Als Eiscreme. Usw. Der Geschmack ist schwer zu vergleichen, aber sehr angenehm – man kann sich kaum vorstellen, dass es jemanden gibt, dem das nicht schmeckt.

Ashitaba-Tempura (im Teigmantel frittierte Englewurzblätter)
Ashitaba-Tempura (im Teigmantel frittierte Englewurzblätter)

Die Insel wartet mit einer weiteren Besonderheit auf: 島寿司 Shima-zushi, wörtlich „Insel-Sushi“. Wann genau diese Variante entstand, ist nicht ganz klar, aber Hachijōjima gilt als Geburtsort des Insel-Sushi. Bei dieser Zubereitung ist folgendes anders:

  1. Die Fischauflage (neta oder auch zuke genannt) ist mariniert – meistens in einer Marinade aus Soyasauce und Inselpfeffer, eine Chilivariante
  2. Die Reisunterlage (shari genannt) ist eher süßlich (normalerweise eher säuerlich)
  3. Statt Wasabi wird Karashi, japanischer Senf, benutzt

Die Theorie besagt, dass es auf den schwülwarmen Inseln etwas komplizierter ist, Fisch wirklich frisch zu halten. Die Marinade aus Soyasauce und Chili wirkt keimhemmend und sorgt dafür, dass man etwas mehr Zeit bis zum Verzehr hat.

Shima-zushi. Mit dem obligatorischen Ashitaba-Blatt, hier als Schmuck
Shima-zushi. Mit dem obligatorischen Ashitaba-Blatt, hier als Schmuck

Es gibt ein paar gute Restaurants auf Hachijōjima, in der man die lokalen Spezialitäten probieren kann – besonders empfehlenswert sind hier die 居酒屋 大吉丸 Izakaya Daikichimaru auf der anderen Seite des Flughafens und nahe des Botanischen Gartens, sowie das 梁山泊 Ryōzanpaku in der Ortsmitte von Mitsune. Wer es wie die Einheimischen halten will, kann das Essen mit einem 焼酎 Shōchū herunterspülen: Auf der Insel sowie den anderen Izu-Inseln werden diverse lokale Sorten gebrannt.

Kleine Auswahl von Gebranntem von der Insel
Kleine Auswahl von Gebranntem von der Insel

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tabibitohttps://www.tabibito.de/japan/
Tabibito (旅人・たびびと) ist japanisch und steht für "Reisender". Dahinter versteckt sich Matthias Reich - ein notorischer Reisender, der verschiedene Gegenden seine Heimat nennt. Der Reisende ist seit 1996 hin und wieder und seit 2005 permanent in Japan, wo er noch immer wohnt. Wer mehr von und über Tabibito lesen möchte, dem sei Tabibitos Japan-Blog empfohlen.

2 COMMENTS

  1. Vielen herzlichen Dank für den tollen Artikel! Bitte weiter so!!

    Eine Berichtigung hätte ich anzumerken:

    In dem Anschnitt „Anreise“ (s.u.) muss es heißen:
    竹芝ふ頭 / 竹芝埠頭 TakeshiBa-Futō (TakeSHIBA-Pier), NICHT: TakeSHITA-Pier!
    Also 竹芝 (statt 竹下) und TakeSHIBA (statt TakeSHITA).
    —————————–
    „Anreise
    Es gibt drei Möglichkeiten, nach Hachijōjima zu gelangen: Mit dem Flugzeug, dem Hubschrauber oder dem Schiff. Die Schiffe fahren vom 竹下埠頭 Takeshita-Futō (Takeshita-Pier) ab – der befindet sich mitten in Tokyo und ist sehr leicht erreichbar – mit der Yurikamome-Linie von Shimbashi aus (an der Yamanote-Linie).“

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