HokkaidoNemuro - Wo Japan endet und Russland beginnt

Nemuro – Wo Japan endet und Russland beginnt

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Region 北海道 Hokkaidō
Bezirk 根室 Nemuro
Rang 4 von 5 Sternen: Sehr sehenswert
Name Der Stadtname setzt sich aus den Schriftzeichen (ne) für „Wurzel“ und (muro) für „Zimmer“ oder „Vorratskammer“. Wie so oft bei Ortsnamen auf Hokkaido handelt es sich hier um 当て字 „ateji“ – man hat also einfach Schriftzeichen mit ähnlicher Lesung ausgesucht, um den vorher bestehenden Namen mit Zeichen schreiben zu können. Der ursprüngliche Name kommt aus der Ainusprache, aber man ist sich mangels schriftlicher Überlieferungen nicht sicher, was er bedeutet – zwei Kandidaten sind „Ort, wo Bäume wachsen“ und „Ort, wo es Seeigel gibt“. Der Name Nemuro kennzeichnet eine Subpräfektur von Hokkaido, den Hauptort jeniger Subpräfektur sowie die Halbinsel.
Lage Nemuro liegt im äußersten Osten von Hokkaido und ganz Japans – die Subpräfektur erstreckt sich rund um die Tomari-Bucht und beinhaltet die Südhälfte der Shiretoko-Halbinsel, die Notsuke-Nehrung sowie die Nemuro-Halbinsel selbst. Außerdem gehören mehrere Inseln der Südkurilen zu Nemuro, aber da ist Russland anderer Meinung. Die nächstgelegene russische Insel liegt gerade mal 6 Kilometer entfernt, bis Tokyo sind es fast genau 1’000 Kilometer und bis Kamschatka 1’200 Kilometer. Die Stadt Nemuro selbst liegt an der Nordseite und fast genau in der Mitte der Nemuro-Halbinsel.
Ansehen Das Kap Nosappu für ein bisschen „Berliner-Mauer-Gefühl“ (so nah und doch so fern!). Der Radstein. Die sanften Hügel auf der Halbinsel. Der Furan-See. Die Notsuke-Halbinsel.

Nemuro – Beschreibung

Nemuro kann man getrost als entlegenstes Eck der japanischen 4 Hauptinseln bezeichnen – egal, von wo man anreist, es dauert eine Ewigkeit, und außerdem ist Japan hier zu Ende – nur ein paar Kilometer von der Ostspitze der Halbinsel entfernt beginnt das riesengrosse Russland.

Die Stadt Nemuro ist Hauptort der Subpräfektur mit dem gleichen Namen und umfasst die gesamte Halbinsel mit dem gleichen Namen. Im gut 500 Quadratkilometer grossen Stadtgebiet leben knapp 25,000 Menschen – mit 50 Einwohnern pro Quadratkilometer liegt die Bevölkerungsdichte weit unter dem japanischen Schnitt, aber nur ein bisschen geringer als auf Hokkaido. Die Bevölkerung hat sich seit 1920 nicht verändert – möchte man meinen, denn damals lebten hier auch 25,000 Menschen, doch 1975 waren es 45,000 Menschen. Seitdem ist die Bevölkerung stark rückläufig.

Klimatisch spielt Nemuro in einer komplett anderen Liga als der Rest Japans: Von Dezember bis März liegen die Temperaturen in der Regel unter Null, aber richtig starker Frost ist selten. Die Durchschnittstemperatur im wärmsten Monat des Jahres, August, liegt gerade mal bei 17 Grad – es ist also weitaus kühler als anderswo. Ausserdem regnet es sehr oft, und die Sommermonate sind nicht selten durch Hochnebel geprägt.

Die Geschichte von Nemuro Stadt begann erst 1790, als der Matsuemae-Clan begann, hier eine Siedlung zu errichten. Der Osten von Hokkaido wurde 1799 vorerst unter direkte Verwaltung von Edo gestellt, bis der Matsumae-Clan 1822 wieder zurückkehrte. In der Meiji-Restaurierung ab 1868 wurde Nemuro zum Hauptort von Osthokkaido – von hier sollte eben diese Region planmässig erschlossen werden. Damals schwankte die Bevölkerung noch stark – in der Fischereisaison gab es wesentlich mehr Einwohner als in den Wintermonaten. Das sollte sich um die Jahrhundertwende ändern – die ständige Bevölkerung wuchs allmählich an.

Am 24. August 1931 spürte die Stadt einen Hauch Geschichte, als das berühmte Fliegerehepaar Lindbergh während der nördlichen Pazifiküberquerung auf dem hiesigen Flugplatz Station machte. Während des Zweiten Weltkrieges war Nemuro so bedeutend geworden, dass die Amerikaner es auf die Liste der Luftangriffsziele setzte – fast 400 Menschen verloren bei den Bombenangriffen am 14. Juli 1945 ihr Leben, und fast die gesamte Stadt wurde zerstört.

Breite Straßen, wenig Häuser und Beschilderung auf Russisch: Zentrum von Nemuro
Breite Straßen, wenig Häuser und Beschilderung auf Russisch: Zentrum von Nemuro
Kirche im Zentrum von Nemuro
Kirche im Zentrum von Nemuro

Die Stadt Nemuro ist – typisch für eine Stadt in Hokkaido – großzügig geplant. Viele Strassen sind breit, die Bebauung ist nicht sehr dicht. Die kerzengerade Strasse 44 führt quer durch das Zentrum und endet am Meiji-Park. Rund 200 m südlich von besagter Strasse entfernt liegt der Bahnhof Nemuro, und einen guten Kilometer nördlich liegt der Hafen, der allerdings hauptsächlich von den Fischern benutzt wird. Das richtige Zentrum mit den meisten Restaurants und Bars liegt zwischen Bahnhof und Hafen im Viertel 梅ヶ枝町 Umegae-chō.

Da die Stadt recht klein und historisch nie wirklich bedeutsam war – und da fast alles durch die Luftangriffe zerstört wurde – gibt es in der Stadt selbst nicht allzu viel zu sehen. Interessant ist die alte Sakebrauerei 碓氷勝三郎商店 Usui Katsuzaburō-Shōten (Katsuzaburō Usui-Kontor), welche die in der Region sehr bekannte Sakemarke 北の勝 Kita-no-kachi (Sieg des Nordes) produziert. Die Firma gibt es seit 1887, und der Firmengründer beliess es nicht beim Reisweinbrauen, sondern er schaffte es auch als erster, Krabben als Konserve herzustellen. A propos Krabben: Die Gegend ist bekannt für die 花咲蟹 Hanasakigani (Wörtlich: Blühende-Blumen-Krabbe).  Die fast runden, rund 15 cm breiten Tieren gehören eigentlich zu den Einsiedlerkrebsen und gelten als Delikatesse. In den Restaurants und Izakayas von Nemuro muss man sie jedoch suchen – die Schale ist schwer zu knacken und nicht viele Köche möchten sich die Mühe machen.

Ein Gebäude der Usui-Sakebrauerei
Ein Gebäude der Usui-Sakebrauerei
Altes, zerfallendes Gebäude im Zentrum von Nemuro
Altes, zerfallendes Gebäude im Zentrum von Nemuro

Die Stadt Nemuro selbst dürfte weniger der Grund sein, diese entfernte Ecke Japans zu bereisen – es ist mehr die Halbinsel Nemuro sowie das Kap Nosappu. Die Halbinsel selbst ist wunderschön – es gibt fast keine Bäume, dafür aber leicht gewellte, große Wiesen und Weiden, die teilweise im Frühjahr und Sommer sehr schön blühen. Auch die Küste ist hier sehr schön – zwar nicht unbedingt zum Baden geeignet, aber ansonsten ein schöner Anblick.

Die Gegend um Nemuro wird hauptsächlich von der Landwirtschaft genutzt, dazu gehört zu einem guten Teil auch die Milchviehhaltung. Vor allem entlang der Nordküste der rund 30 Kilometer langen Halbinsel gibt es ein paar チャシ Chashi (auch: casi) genannte ehemalige Hügelfestungen der Ainu, die hier lange vor den Japanern siedelten. Auf kleinen Hügeln wurden damals von Palisaden geschützte Hütten gebaut, die vor Angriffen schützen sollten und wahrscheinlich auch als religiöse Versammlungsorte dienten. Leider ist von diesen casi nicht mehr viel übrig, und da die Gegend ohnehin sehr wellig ist, sind diese auch nicht ohne weiteres als solche zu erkennen.

Viel Gras und sanfte Hügel...
Viel Gras und sanfte Hügel…
...und eine rauhe Küste prägen die Halbinsel Nemuro
…und eine rauhe Küste prägen die Halbinsel Nemuro

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Kurumaishi (Radstein) 車石

Rund sechs Kilometer südlich des Stadtzentrums, am südlichen Eingang zur Halbinsel Nemuro, befindet sich ein kleiner Leuchtturm – und ein geologischer Leckerbissen: Eine fast runde Felsformation mit einem Durchmesser von über 7 Metern. Die Formation besteht aus Dolerit (quasi ein grobkörniger Basalt) und ist damit vulkanischen Ursprungs. Man geht davon aus, dass der Radstein vor rund 65 Millionen Jahren (ungefähr zu der Zeit, als die Dinosaurier ausstarben) entstand. Die Schicht, die sich heute an der Oberfläche befindet, war damals tiefer Meeresgrund, und damals drang an verschiedenen Stellen Lava aus dem Boden. Das ist an sich keine Seltenheit, doch aufgrund einer besonderen Lage und Abkühlungsgeschwindigkeit entstand der „kurumaishi“ (Kuruma = Rad, ishi = Stein). Weltweit ist nur noch ein weiteres Beispiel dieser Form bekannt – eine Formation auf der Insel Ulleungdo (Südkorea).

Oberhalb des Radsteins gibt es einen kleinen Parkplatz nebst Toilettenhäuschen, das in seiner Architektur dem Radstein nachempfunden ist. Doch nicht nur der Radstein (und natürlich das Örtchen) sind interessant, sondern auch die raue, grasbewachsene Küste sowie der Blick auf die rund 2 Quadratkilometer grosse und seit 1971 unbewohnte ユルリ島 Yururi-Insel. Die war einst Heimat zahlreicher wilder Pferde, doch so recht scheint diesen das Klima nicht zu gefallen, denn sie wurden über die Jahre immer weniger, so das der Bestand hin und wieder aufgestockt wird. 2020 lebten wohl sechs Pferde auf der Insel.

Der Kurumaishi (Radstein) von Nemuro mit dem Leuchtturm von Hanasaki
Der Kurumaishi (Radstein) von Nemuro mit dem Leuchtturm von Hanasaki
Die heute unbewohnte Yurui-Insel südlich von Nemuro
Die heute unbewohnte Yurui-Insel südlich von Nemuro

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Kap Nosappu 納沙布岬

Das Kap Nosappu ist eines der 日本の端 nihon-no-hashi („Ränder Japans“) – wobei es hier zwei Gruppen gibt: Die vier Ränder der vier Hauptinseln (also von Hokkaido, Honshu, Shikoku und Kyushu) sowie die aller Inseln. Das Kap Nosappu ist der östlichste Punkt der vier Hauptinseln – nur die winzige, von Zivilisten nicht erreichbare Insel 南鳥島 Minamitorishima weit draussen im Pazifik liegt noch weiter östlich. Die anderen drei „Ränder“ sind das Kap Soya bei Wakkanai, das Kap Sata am Ende der Ōsumi-Halbinsel sowie der westliche Rand, das Kōzakihana (Nagasaki, Kyushu).

Das Kap Nosappu ist vor allem bei Japanern besonders beliebt, denn die ehemals japanischen und seit 1945 von Russland verwalteten Habomai-Inseln liegen in greifbarer Nähe – nur die weniger als 10 Kilometer breite 珸瑤瑁水道 Goyōmai-Wasserstrasse trennt Hokkaido von russischem Territorium. In Russland wird dieselbe Wasserstrasse seit jeher Советский пролив (Sowjetische Wasserstrasse) genannt. Die Staatsgrenze verläuft genau durch diese Wasserstrasse.

1963 schlossen Japan und die Sowjetunion das 日ソ貝殻島昆布採取協定 Japanisch-Sowjetische Kaigara-jima-Kombu-Ernteabkommen ab, welches japanischen Fischern alljährlich von Juni bis September erlaubt, in der Nähe der nun russischen Inseln entlang der Wasserstrasse Kombu (Riementang) zu ernten. Von kurzen Unterbrechungen abgesehen hat das Abkommen noch immer Bestand, aber Japan muss für das Recht Geld bezahlen – im Jahr 2016 zum Beispiel ernteten 241 japanische Fischerboote dort Kombu, und Japan bezahlte dafür umgerechnet rund 700,000 Euro an Russland.

Denkmal am Kap Nosappu auf der Nemuro-Halbinsel
Brücke zu den vier Inseln am Kap Nosappu auf der Nemuro-Halbinsel
Der Aurora-Turm am Kap Nosappu
Der Aurora-Turm am Kap Nosappu

Was am Kap als erstes auffällt ist der grosse, weisse Turm – und der hat viele Namen. Erst hiess er 望郷の塔 bōkyō-no-tō (Heimatblickturm), dann オーロラタワー (ōroratawaa) – Aurora Tower, sowie Sasagawa Memorial Peace Tower. 100 Meter hoch ist das Ungetüm, das nicht so recht in die Landschaft passt, aber dann doch irgendwie an die Aussichtstürme an der Berliner Mauer erinnert. Die Seegrenze zu Russland ist hier am Kap nur 1,850 Meter weit entfernt – nirgendwo sonst ist Japan näher an einem anderen Land. 1987 wurde der Turm gebaut, und er lockte bereits im ersten Jahr 300,000 Besucher an. Der Turm wurde von der NPO  千島の砦 chishima-no-toride („Kurilenfestung“) gebaut und wird auch heute noch von ihr betrieben, aber er hat schon bessere Zeiten gesehen – Teile der Strukturen vor dem Turm sind eingestürzt, und zumindest im Corona-Jahr 2021 war nicht ersichtlich, ob er jemals wieder öffnen wird. Auch Einwohner von Nemuro waren sich bei Gesprächen nicht sicher über den Status des Bauwerks. Es gibt jedoch eine offizielle Webseite: tower-of-nostalgia.or.jp.

Am Ufer stehen zahlreiche Denkmäler – das mit Abstand grösste ist das rostfarbene Denkmal 四島のかけ橋  – shima no kakehashi, die „Brücke zwischen den (vier) Inseln“. Dieses Denkmal wurde 1980 errichtet, und mit den vier Inseln sind nicht die Hauptinseln gemeint, sondern die seit 1945 von Russland gehaltenen Inseln Etorofu, Kunashiri, Shikotan und die Habomai-Inseln. Schaut man sich einige Denkmäler und Gedenksteine sowie deren Stifter an, ahnt man schon, dass der kalte Wind am Kap Nosappu sehr patriotisch bläst, aber das versteht sich freilich von selbst.

Am Aurora-Turm sieht es gruslig aus (Jahr 2021)
Am Aurora-Turm sieht es gruslig aus (Jahr 2021)
Leuchtturm am Kap Nosappu
Leuchtturm am Kap Nosappu – die Inseln im Hintergrund gehören bereits zu Russland

Nicht nur der Aurora-Turm sieht trist aus – es gibt auch ein paar wenige Restaurants und einen grossen Souvenirladen dort, doch die Restaurants haben auch schon bessere Zeiten gesehen. Trotzdem ist das Kap Nosappu einen Abstecher wert, allein schon wegen des Blicks auf die nahen und doch so fernen Südkurilen.

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Die nördlichen Territorien (Südkurilen) 北方領土

Japan hat nicht viele Nachbarn – aber mit den wenigen, die es hat, gibt es seit langer Zeit diverse Territorialstreitigkeiten. Die VR China und teilweise auch Taiwan verlangen von Japan die Herausgabe der (unbewohnten) Senkaku-Inseln, mit Südkorea streitet man sich um die Takeshima-Inseln (auf Koreanisch: Dokdo), die momentan von Südkorea gehalten werden, und mit Russland streitet man sich um die auf Japanisch 北方領土 hoppō ryōdo – das „Nördliche Territorium“. Die Kurilen-Inselkette beginnt im Nordosten von Hokkaido und reicht bis Kamtschatka – auf 56 Inseln verteilt leben hier rund 20,000 Menschen. Die Kurilen heissen auf Japanisch 千島列島 chishima rettō – „Kette der 1,000 Inseln“.

Die Kurilen waren ursprünglich vom Volk der Ainu besiedelt. Japanern waren die Inseln spätestens seit 1644 bekannt, denn dann entstand eine Landkarte, die mehrere dutzend Inseln nordöstlich von Hokkaido zeigte. Der Matsumae-Clan stiess seitdem immer weiter nördlich vor – auch holländische und russische Forscher besuchten die Kurilen. Mit Beginn der Landesöffnung und der Modernisierung Japans wurde es notwendig, die Grenzen mit den Nachbarn zu diskutieren. So wurde 1855 der Vertrag von Shimoda geschlossen – ein Friedensvertrag mit dem russischen Zarenreich. Dieser besagte, dass russische Schiffe ab sofort ein paar im Vertrag bestimmte japanische Häfen anlaufen dürfen. Ausserdem verlegte man die Grenze zwischen den Staaten zwischen die Kurileninseln Etorofu und Urup. Allerdings versäumte man es, die Grenzen auf der großen Insel Sachalin festzulegen. Diese wurde seit Jahrzehnten vom Norden her von Russen und vom Süden her von Japanern besiedelt – aufgrund einer klar definierten Grenze kam es jedoch immer wieder zu Feindseligkeiten.

Diese sollten mit dem Vertrag von Sankt Petersburg im Jahr 1875 beendet werden. Japan verzichtete in dem Vertrag auf ganz Sachalin, erhielt aber im Gegenzug die gesamte Kurilen-Inselkette, bis und einschliesslich der Insel Araido (Ostrova Atlasova) nahe Kamtschatka. Das ging 30 Jahre lang gut – bis zum Russisch-Japanischen Krieg im Jahr 1905, den Russland verlor. Japan annektierte daraufhin die Südhälfte von Sakhalin.

Im Zweiten Weltkrieg bestand ein Nichtangriffspakt zwischen Russland und Japan, und an den hielten sich beide Parteien auch weitgehend. Bei der Konferenz von Jalta wurde allerdings Stalin versprochen, dass Russland bei einer Niederlage Japans ganz Sachalin erhalten würde – sowie die Kurilen, doch da gab es wohl ein Missverständnis, denn Roosevelt meinte wohl mit den Kurilen lediglich die nördlichen Inseln. Am 11. August 1945 – eine Woche nach den Atombombenabwürfen auf Nagasaki und Hiroshima und ein paar Tage vor der bedingungslosen Kapitulation Japans, griff die Rote Armee an und besetzte in wenigen Tagen ganz Sachalin und die gesamten Kurilen.

Missverständnisse gab es auch beim Friedensvertrag von San Francisco im Jahr 1951, bei dem Japan alle vorher annektierten Gebiete wie Korea, Taiwan und Sachalin abtreten musste. Auch die Kurilen gehörten dazu – doch nach japanischer Lesart beginnen die Kurilen erst nördlich von Etorofu. Seitdem pocht Russland auf den Vertrag von San Francisco – Japan jedoch besteht darauf, dass die 1855 Japan zugesprochenen Inseln nicht davon betroffen und deshalb unrechtmäßig von der Sowjetunion besetzt wurden. Die Sowjetunion hatte jedoch insofern nicht recht, dass der Vertrag von San Francisco die Inseln nicht explizit der Sowjetunion zugesprochen hatten. Kurzum: Der besagte Vertrag sorgte für mehr Verwirrung, die bis heute anhält.

Schild in Nemuro: "Gebt die nördlichen Territorien zurück!
Schild in Nemuro: „Gebt die nördlichen Territorien zurück!

Seit dem Friedensvertrag von San Francisco 1951 gab es stetige Bemühungen seitens Japan, auf diplomatischem Wege eine Rückgabe der Inseln zu erreichen. Da der Friedensvertrag nicht von der UdSSR unterzeichnet wurde, handelten beide Seiten 1956 eine gesonderte, gemeinsame Erklärung aus – einen Friedensvertrag gab und gibt es jedoch nicht zwischen der Sowjetunion bzw. Russland und Japan – und der Grund dafür sind die Südkurilen. 1956 (und später wieder) bot Russland zwar die Rückgabe von zweien der vier Inseln an (und zwar von Shikotan und den Habomai-Inseln), doch Japan lehnte das immer wieder vehement ab, würde ein Einverständnis doch bedeuten, dass man die Inseln Kunashir und Iturup für immer verlieren würde.

Das fehlende Friedensabkommen dürfte die Sowjetunion und später Russland wahrscheinlich nie gross gestört haben – schliesslich verbietet die 1945 von den Amerikanern ausgearbeitete japanische Verfassung dem Land den Unterhalt einer eigenen Armee oder gar den Angriff auf ein anderes Land. Gerade vom rechten Rand in Japan hört man jedoch auch heute noch immer wieder „da man die Inseln nicht auf diplomatischem Weg zurückgewinnen kann, hilft nur eine andere Methode“, und da gibt es nur eine – Krieg. Der dürfte jedoch ebenso wenig realistisch sein.

Die „vier“ Inseln (wie eingangs gewähnt sind es jedoch eigentlich drei Inseln und eine Inselgruppe) sind insgesamt rund 4,996.90 Quadratkilometer gross – zwei Mal so gross wie das Saarland. Heute leben dort circa 16,000 Menschen (im Saarland rund eine Million) – bei Kriegsende 1945 waren es rund 17,300 Menschen. Interessant ist, das damals vor allem die kleinen Inseln relativ dicht besiedelt waren – auf den Habomai-Inseln lebten bei Kriegsende über 4,000 Menschen – heute lebt dort keine zivile Bevölkerung mehr. Auch Shikotan war wesentlich dichter besiedelt: Damals waren es rund 3,000 Einwohner, heute nur noch rund 1,000. Das ist wahrscheinlich auch der Grund dafür, dass Russland die Rückgabe der Habomai-Inseln und von Shikotan anbot, denn dort leben nunmehr insgesamt nur noch eintausend Menschen. Die Bevölkerung auf Kunashiri hat sich nur geringfügig geändert – nur Etorofu hat heute wesentlich mehr Einwohner als früher, und das ist logisch: Etorofu lag damals am Rand des Japanischen Kaiserreiches – heute liegen die Habomai-Inseln und Kunashiri am äußersten Rand, und selbiger ist egal wo auf der Welt nicht sehr beliebt als Wohnort.

Doch gesetzt dem Fall, Japan erhält die Inseln von Russland zurück – es würden sich nur schwer Menschen finden lassen, die dort siedeln wollten. Der Großteil der 1945 vertriebenen Einwohner ist mittlerweile verstorben, und die entlegenen Orte von Hokkaido, inklusive Nemuro, haben ohnehin schon seit Jahrzehnten mit Überalterung und Kindermangel zu kämpfen. Wirtschaftlich von Interesse sind die Inseln dann aber doch – die Fischgründe sind sehr reich, und auch touristisch wäre das Interesse – zumindest in den ersten Jahren – wahrscheinlich sehr gross.

Folgend eine kurze Übersicht über die von Japan beanspruchten und von Russland verwalteten Südkurilen:

Habomai-Inseln (歯舞群島 habomai guntō)

貝殻島 Kaigara-jima (russisch: Остров Сигнальный – Insel Signalny)

Fläche: 0.001 km²
Entfernung von Japan: 3,7 km
Höchster Punkt: 17 m

Die Japan am nächsten gelegene, russische (und überhaupt: ausländische) Insel ist eigentlich nur ein Felsriff und nur wenige Quadratmeter gross. Sie fällt trotzdem auf, denn 1937 wurde auf ihr ein Leuchtturm errichtet.

Blick auf die winzige Kaigarajima
Blick auf die winzige Kaigarajima

Da das Gebiet seit 1945 sowjetisches beziehungsweise russisches Hoheitsgebiet ist, kann der Leuchtturm nicht mehr von Japan gewartet werden. Von Russland wird er eher schlecht als recht gewartet – manchmal ist das Funkfeuer jahrelang erloschen, und da das Fundament schon stark korridiert ist, neigt sich der Turm sichtbar zur Seite. Im Jahr 2017 gab es deshalb Gespräche zwischen Russland und Japan, mit dem Ziel, den Leuchtturm zu erhalten.

萠茂尻島 Moemoshiri-tō (russisch: Остров Сторожевой – Insel Storoshevoi)

Fläche: 0,07 km²
Entfernung von Japan: 6 km
Höchster Punkt: 12 m
Einwohner 2020 (1945): – (-)

Auch diese kleine Insel war bewohnt – von ein paar Fischern. Bei einem Schneerutsch kamen laut Aufzeichnungen 1933 zwei Einwohner ums Leben. Die Insel ist sehr gut mit bloßem Auge vom Kap Nosappu erkennbar – und wer genau hinschaut, erkennt sogar ein Schiffswrack.

Moemoshiri-Insel - am Ufer ist ein Schiffswrack zu erkennen
Moemoshiri-Insel – am Ufer ist ein Schiffswrack zu erkennen

水晶島 Suishō-jima (russisch: Остров Танфильева – Insel Tanfilyeva

Fläche: 12.1 km²
Entfernung von Japan: 7 km
Höchster Punkt: 15 m
Einwohner 2020 (1945): – (986)

Diese kleine Insel war bis zum Kriegsende ziemlich dicht besiedelt, und auf Satellitenbildern erkennt man auch heute noch recht deutlich die Grenzen der Gehöfte. Heute wohnt hier niemand mehr permanent, und es gibt nur wenige Bauten. Zu den wenigen Bauten zählt auch eine kleine russische Kirche.

Bauten auf Suishojima
Bauten auf Suishojima

Nach der Vertreibung der fast 1,000 Einwohner im Jahr 1946 wurde hier im gleichen Jahr der пограничная застава № 1 – „Grenzposten No. 1“ – errichtet. Es gab tausende Grenzposten in der UdSSR, aber ausgerechnet die Nummer 1 befand sich hier, am Rand der Welt. Am 8. März 1994 kam es auf diesem Außenposten zu einem schweren Zwischenfall: Der entstand aufgrund eines unfähigen Kommandanten, schikanierenden oberen Diensträngen und zwei Rekruten, die beschlossen, sich mit Waffengewalt für die Schikane zu revanchieren. Die beiden erschossen dabei ein paar Kameraden, und sie schossen sogar einen Patrouillenhubschrauber vom Himmel. Angeblich wollten sie sich danach nach Japan absetzen, doch bevor es soweit kam, wurden sie von einer Spezialeinheit festgesetzt und später zu langen Haftstrafen verurteilt (Quelle: siehe hier).

In den 1990ern wurde auf der Insel ein von Japan aus sichtbares Kreuz aufgestellt – 2005 folgte gar eine kleine Kirche, die man mit dem Fernglas vom Kap Nosappu erkennen kann. Japan empfand dies als Affront, was aus japanischer Sicht verständlich ist.

秋勇留島 Akiyuri-tō (russisch: Остров Анучина – Insel Anutschina

Fläche: 2.1 km²
Entfernung von Japan: 13,7 km
Höchster Punkt: 33 m
Einwohner 2020 (1945): – (88)

In der Ainu-Sprache ist dies der „Bruder der Yuri-Insel“. Obwohl sehr klein und vollständig baumlos, lebten hier einst 88 Fischer mit ihren Familien. Seit der Einnahme durch die Sowjetunion ist die Insel menschenleer.

勇留島 Yuri-tō (russisch: Остров Юрий – Insel Yuri

Fläche: 9,9 km²
Entfernung von Japan: 16,6 km
Höchster Punkt: 10 m
Einwohner 2020 (1945): – (501)

Auch dieser Ortsname stammt aus der Sprache der Ainu und bedeutet „Insel der Kormorane“, und die nisten immer noch zahlreich an den steilen Ufern. Früher gab es hier eine Fischkonservenfabrik – und mehr als 500 Einwohner, die alle bis 1946 nach Japan vertrieben wurden. Seitdem ist auch diese Insel unbewohnt.

Die Insel Yuri-tō, vom Kap Nosappu aus gesehen
Die Insel Yuri-tō, vom Kap Nosappu aus gesehen

志発島 Shibotsu-tō (russisch: Остров Зелёный – Insel Selyony

Fläche: 58,3 km²
Entfernung von Japan: 25,5 km
Höchster Punkt: 45 m
Einwohner 2020 (1945): – (2,249)

Die mit Abstand größte Insel der Habomai-Inseln. Auch diese Insel ist fast vollständig und beherbergt heute nur noch einen Militärposten. Die größte Siedlung der Insel hiess 西浦泊 Nishiura-tomari, und hin und wieder dürfen ehemalige Bewohner und deren Nachkommen auf die Insel, um die Gräber der Ahnen zu pflegen (墓参り hakamairi).

多楽島 Taraku-tō (russisch: Остров Полонского – Insel Polonskovo

Fläche: 10.9 km²
Entfernung von Japan: 45.5 km
Höchster Punkt: 25 m
Einwohner 2020 (1945): – (1,457)

Die nördlichste Insel der Habomai-Inseln ist zwar klein und besitzt keinen guten Naturhafen, war aber dennoch stark besiedelt. Hier wurde auch Viehzucht betrieben. Nach Kriegsende lange Zeit unbewohnt, sollen wohl seit 2007 wieder Menschen hier leben, und auf Luftbildern erkennt man auch ein paar Häuser und Container.

色丹島 Shikotan-tō (russisch: Остров Шикотан – Insel Shikotan

Fläche: 247,7 km²
Entfernung von Japan: 73,3 km
Höchster Punkt: 413 m
Einwohner 2020 (1945): 1,038 (2,917)

Shikotan ist wesentlich größer als alle Habomai-Inseln zusammen – ziemlich genau ein Drittel von Hamburg. Diese Insel ist auch heute noch bewohnt, aber von wesentlich weniger Menschen als früher. Im Wort steckt „kotan“ – das Ainu-Wort für Siedlung. Sowohl die Japaner als später auch die Russen nutzten bzw. nutzen die Insel als Militärstützpunkt. Shikotan ist wesentlich zergliederter als die Habomai-Inseln.

国後島 Kunashiri-tō (russisch: Остров Кунашир – Insel Kunashir

Fläche: 1,489 km²
Entfernung von Japan: 16 km
Höchster Punkt: 1,772 m
Einwohner 2020 (1945): 6,801 (7,364)

Wäre Kunashiri noch japanisch, so wäre diese Insel die größte Insel des Landes (außerhalb der vier Hauptinseln), denn Kunashir ist größer als die Hauptinsel von Okinawa. Die Insel ist seit mehr als 5,000 Jahren bewohnt – und zwar ursprünglich von den Ainu. Zudem gilt Kunashiri als südliches Ende der Kurilen-Inselkette. Diese gehört zum sogenannten pazifischen Feuergürtel – vier aktive Vulkane auf der langgezogenen Insel bezeugen das eindrucksvoll.

Kunashir ist von der japanischen Küste sehr gut sichtbar - hier von der Shiretoko-Halbinsel
Kunashir ist von der japanischen Küste sehr gut sichtbar – hier von der Shiretoko-Halbinsel

Im Gegensatz zu den Habomai-Inseln ist Kunashiri dicht bewaldet. Der wichtigste Ort der Insel ist Yuzhno-Kurilsk (Süd-Kurilsk), und die Insel beheimatet auch einen größeren Militärstützpunkt. Die gesamte Insel gilt als Grenzgebiet – Besucher brauchen deshalb eine Sondergenehmigung.

1994 gab es ein schweres Erdbeben der Stärke 8.3 rund 70 km östlich von Shikotan. Mindestens zehn Menschen verloren dabei ihr Leben, und Kunashir wurde von einem Tsunami getroffen. Das Erdbeben war selbst in Tokyo noch spürbar und so beängstigend, dass man davon ausgeht, dass rund ein Drittel der Bewohner von Kunashiri für immer ihrer Heimat den Rücken kehrten.

Auf der Insel – genauer gesagt im Nordteil – gibt es einen sehr markanten Gipfel – den 1,822 m hohen Tyatya. Dieser Berg gehört zum Typ Somma-Vulkan, bei denen der alte Krater einstürzte und aus dem alten Krater ein neuer Vulkangipfel in die Höhe wuchs.

Yuzhno-Kurilsk und der markante Gipfel des Tyatya-Vulkans im Norden von Kunashiri
Yuzhno-Kurilsk und der markante Gipfel des Tyatya-Vulkans im Norden von Kunashiri

択捉島 Etorofu-tō (russisch: Остров Итуруп – Insel Iturup

Fläche: 3,167 km²
Entfernung von Japan: 144 km
Höchster Punkt: 1,634 m
Einwohner 2020 (1945): 6,485 (3,608)

Etorofu ist von Japan aus nicht sichtbar und mit Abstand die größte der umstrittenen Inseln – deutlich größer als das Saarland. Dennoch ist Etorofu nur dünn besiedelt, und das war auch der Fall, als sie noch zu Japan gehörte.

Ungefähr in der Mitte der sehr langgezogenen Insel liegt die Kleinstadt Kurilsk, früher unter dem Namen 紗那 Shana bekannt. Unweit der Stadt liegt der Internationale Flughafen von Iturup, der auch von der Armee genutzt wird. So wurden 2018 erstmals modernste Kampfflieger auf Iturup stationiert, was von Japan natürlich heftig kritisiert wird.

Auf der Insel gibt es noch einen weiteren Flughafen, der seit jeher militärisch genutzt wird. Dort kam es mitten im Kalten Krieg, am 1. Juli 1968, zu einem bemerkenswerten Zwischenfall: 214 GIs waren an Bord einer Chartermaschine auf dem Weg von Seattle nach Yokota Airbase (Japan), um von dort letztendlich nach Vietnam entsandt zu werden. Das Flugzeug kam jedoch vom Kurs ab und wurde von der Roten Armee schliesslich zur Landung auf Iturup gezwungen. Die Diplomatie lief schnell auf Hochtouren, und nach einer offiziellen Entschuldigung der USA durfte der Flieger schliesslich wieder starten.

Wie auch Kunashiri ist Etorofu stark von Vulkanen geprägt – es gibt zahlreiche aktive Vulkane auf der Insel.

Quelle Bevölkerungszahlen um 1945: Japanisches Außenministerium, siehe hier.

Einen interessanten Reisebericht über eine Kajaktour rund um Shikotan und die Habomai-Inseln mit vielen sehenswerten Fotos findet man hier (auf Russisch).

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Notsuke-Halbinsel 野付半島

Im Osten der Halbinsel ragen zwei Halbinseln in den Pazifik – die Nemuro-Halbinsel im Süden und die Shiretoko-Halbinsel im Norden. Dazwischen liegt die 泊湾 Tomari-Bucht, mit der nun zu Russland gehörenden Kunashiri-Insel, die aus der Bucht heraus ins Meer ragt. Auf der japanischen Seite, zwischen den beiden Halbinseln, liegt die 野付半島 Notsuke-Halbinsel, eine über 25 Kilometer lange Landzunge, die wie eine Klaue ins Meer ragt. Auch dieser Name stammt aus der Sprache der Ainu und bedeutet „Kiefer(knochen)“, weil die Form der Halbinsel der eines Walunterkiefers gleicht. An einigen Stellen ist diese Landzunge keine 100 Meter breit – es ist gerade mal Platz für die einzige Strasse. Sowohl die Halbinsel als auch der Brackwasserbereich hinter der Landzunge ist extrem flach – der Übergang zwischen Land und Wasser verwischt, und Salzmarsche bestimmen den Uferbereich. Die Notsuke-Bucht zwischen Festland und Landzunge ist im Schnitt nur einen Meter tief und die größte von Seegras bedeckte Fläche Japans. Das sorgt für viele Fische, und das wiederum sorgt für zahlreiche Vogelarten. Aus dem Grund wurde die Gegend zum Ramsargebiet erklärt – die Notsuke-Halbinsel ist damit ein Feuchtgebiet von internationaler Bedeutung. Die hier beobachtbaren Vogelarten variieren je nach Jahreszeit, da hier auch diverse Zugvögel halt machen. Unter anderem kann man hier Kraniche (darunter auch die seltenen Mandschurenkraniche) und Riesenseeadler beobachten (meist im Winter).

Kranich im Juni auf der Notsuke-Halbinsel
Kranich im Juni auf der Notsuke-Halbinsel
Dampfende Salzmarsch in der Notsuke-Bucht
Dampfende Salzmarsch in der Notsuke-Bucht

In der Mitte der Landzunge gibt es ein Gebiet mit dem Namen トドワラ Todowara – ein ehemaliger Wald, von dem nur noch verwitterte Baumstümpfe übrig geblieben sind. Dieses Gebiet erreicht man durch einen kleinen Spaziergang vom Notsuke Peninsula Nature Center. Am Ende der Strasse gibt es einen kleinen Leuchtturm. Ganz am Ende der Landzunge gab es einigen Quellen zufolge einen kleinen, lebhaften Ort, aber ob das wirklich der Fall war, ist bis heute nicht gänzlich geklärt.

Fahrt auf der einzigen Strasse der Notsuke-Halbinsel

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Anreise

Nemuro ist die Endstation der gleichnamigen JR根室線 (JR-Nemuro-Linie), eine fast 450 Kilometer lange Bahnlinie, die Takigawa in der Inselmitte mit Nemuro verbindet. Die Linie führt über Kushiro und Akkeshi, wobei man in der Regel in Kushiro umsteigen muss. Die letzte Strecke von Kushiro bis Nemuro heißt 花咲線 Hanasaki-sen. Die Züge sind relativ langsam und halten überall – für die gut 100 Kilometer bis Kushiro braucht man mit dem Zug 2¼ Stunden, die einfache Fahrt kostet 2,860 yen. Busse gibt es auch, aber die brauchen noch ein bisschen mehr Zeit. Der Railpass kann benutzt werden.

Hier ist Endstation: Bahnhof von Nemuro
Hier ist Endstation: Bahnhof von Nemuro

Der nächstgelegene Flughafen ist der 中標津空港前 Nakashibetsu-Airport – der Bus braucht von Nemuro bis zum Flughafen ziemlich genau 100 Minuten. Von diesem Flughafen gibt es Direktverbindungen nach Tokyo, doch die sind relativ selten – unter Umständen empfiehlt sich deshalb eher der Flughafen von Kushiro.

Nemuro hat einen Hafen, aber es gibt keine Verbindungen nach Russland. Wer nach Russland möchte, muss zum Flughafen Chitose – von dort gibt es (gelegentlich) Flugverbindungen nach Vladivostok.

Der Bahnhof von Nemuro ist übrigens nicht der östlichste Bahnhof. Wer auf diesen Rekord aus ist, muss eine Station vorher aussteigen: In 東根室 Ost-Nemuro.

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Übernachtung

Nemuro ist definitiv kein Mekka für Touristen – es gibt deshalb nur das für eine japanische Kleinstadt übliche Angebot an Unterkünften, und das ist eben sehr begrenzt. Ein paar wenige Ausnahmen gibt es aber schon – zum Beispiel das Guest House ネムロマン (Nemuroman), das im Jahr 2020 seine Pforten eröffnete. Dieses Gasthaus hat sehr saubere Zimmer, einen großen Gemeinschaftsraum nebst Küche und alles andere, was man so braucht. Die Besitzerin ist sehr nett und hilfreich, und sie stammt aus der Gegend und kann somit mit nützlichen Informationen aufwarten. Für eine Nacht sollte man circa 4,000 Yen (Schlafsaal) oder 5,000 Yen (pro Person in einem japanischen Zimmer) einplanen. Die Lage ist sehr zentral – in unmittelbarer Nähe gibt es das Restaurant- und Kneipenviertel der Stadt. Am besten bucht man direkt:

Telefon: 080-8287-4305
Email: nemuroman.2020@gmail.com
Instagram: guesthouse_nemuroman
Adresse: 〒087-0053 北海道根室市本町3丁目33 (zip 087-0053 Hokkaido, Nemuro-shi Honchō 3-33)
Zu allgemeinen Übernachtungstipps siehe Übernachtungstipps Japan.

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tabibitohttps://www.tabibito.de/japan/
Tabibito (旅人・たびびと) ist japanisch und steht für "Reisender". Dahinter versteckt sich Matthias Reich - ein notorischer Reisender, der verschiedene Gegenden seine Heimat nennt. Der Reisende ist seit 1996 hin und wieder und seit 2005 permanent in Japan, wo er noch immer wohnt. Wer mehr von und über Tabibito lesen möchte, dem sei Tabibitos Japan-Blog empfohlen.

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