Hachijōjima – hier beginnt das tropische Tokyo

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Präfektur: 東京 Tōkyō

八丈島 Hachijōjima

5 von 5 Sternen: Absolut sehenswert

Name:

Das Zeichen (hachi) bedeutet “Acht” und (jō) ist eine alte Längeneinheit – gut 3 Meter. 8 jō war eine alte Längeneinheit für Stoffe, und die Insel war im Mittelalter bekannt für eine Stoffart mit dem Namen 黄八丈 kihachijō – ein gelblich (ki=Gold) gefärbter Seidenstoff. -jima bedeutet “Insel”, aber die Bewohner lassen das “Insel” gern weg und nennen den Ort einfach Hachijō. Der Name steht für die beiden Inseln (grosse und kleine Hachijo-Insel) sowie für die Verwaltungseinheit 八丈町 Hachijō-machi (machi = Stadt).

Lage:

Die Inseln liegen fast genau 300 Kilometer südlich vom Stadtzentrum von Tokyo – mit dem Boot sind es genau 287 Kilometer. Hachijō gehört zu den 東京都島嶼部 Tokyoto-Tōshobu – den Inseln der Präfektur Tokyo. Diese bestehen aus den Izu-Inseln (Norden) und den Ogasawara-Inseln (Süden), wobei Hachijo im Südteil der Izu-Inseln liegt. Die nächstgelegene und bewohnte Insel südlich ist 青ヶ島 Aogashima, die nächstgelegene Insel im Norden 御蔵島 Mikurajima (87 Kilometer). Die Izu-Inseln sind Teil einer Vulkankette in der Philippinensee, ein Teil des Pazifischen Ozeans.

Ansehen:

Hachijō ist vielseitig und ein Paradies für Wanderer, Taucher (Meeresschildkröten, hunderte Fischarten) und Sternengucker (die nächstgelegene Stadt liegt 200 Kilometer entfernt – es gibt also weder Luftverschmutzung noch Lichtsmog).

Hachijō – Beschreibung

Hachijōjima ist mit 69 Quadratkilometern die zweitgrösste Insel der zahlreichen Inseln von Tokyo (nach Ōshima), und es ist die nördlichste Insel mit tropisch-subtropischem Klima. Hier befindet sich auch der höchste Berg der Inseln – der Hachijō-Fuji. Die Insel ist besonders gut besucht, denn man kann hier nicht nur mit dem Boot, sondern auch mit dem Flugzeug anreisen – genau genommen ist die Insel das Endziel der längsten Flugverbindung innerhalb von Tokyo.

Hachijōjima hat eine flaschenkürbisähnliche Form mit einem Vulkan im Nordwesten und einem weiteren Vulkan im Südosten, verbunden durch eine Hochebene in der Mitte. Während der Vulkan im Nordwesten eine typische Vulkanform aufweist (und deshalb auch Hachijō-Fuji genannt wird), ist der im Südosten aus der Ferne zumindest schon schwerer als solcher zu erkennen. Das liegt an der Entstehungsgeschichte. Zuerst entstanden Aogashima und der Südostteil von Hachiōjima, später dann der Nordteil (also der Berg Hachijō-Fuji) sowie die kleine Schwesterinsel Hachijō-Kojima. Geologen gehen davon aus, dass der Südostteil vor rund 100’000 Jahren zu entstehen begann. Der letzte grössere Ausbruch fand vor rund 3’700 Jahren statt – dementsprechend gibt es darüber keine Aufzeichnungen. Der Nordwestteil hingegen ist relativ jung im geologischen Sinne – der erste, unterseeische Ausbruch liegt nur ein paar tausend Jahre zurück. Die letzten bedeutenden Ausbrüche fanden vor allem im 16. und 17. Jahrhundert statt. Trotzdem gilt der Vulkan momentan als dormant beziehungsweise als Vulkan der Kategorie C – was im Wesentlichen bedeutet: Weniger aktiv, letzter Ausbruch liegt mehr als 1’000 Jahre zurück.

Japanischer Name Lesung Bevölkerung 2018 Bevölkerung 1877 Lage
三根 Mitsune 3,537 2,142 坂下 – Tiefland
大賀郷 Ōkagō 2,405 2,732 坂下 – Tiefland
中之郷 Nakanogō 656 1,196 坂上 – Hochland
樫立 Kashitate 471 1,033 坂上 – Hochland
末吉 Sueyoshi 293 898 坂上 – Hochland
Summe 7,362 8,001

Kurze Geschichte

Bei Ausgrabungen stellte man fest, dass die ersten Menschen wahrscheinlich schon vor rund 7,000 Jahren die Insel besiedelten. Damals war der Nordteil, also der Hachijō-Fuji, noch in der Entstehung – es gab häufig Vulkanausbrüche. Die Ebene zwischen dem heutigen Nord- und Südteil besteht hauptsächlich aus Sand und Vulkangestein und hat keine natürlichen Wasserquellen, weshalb man dort bis ins 20. Jahrhundert hinein kaum Landwirtschaft betreiben konnte. Die ersten Menschen siedelten deshalb entlang der Südküste, nahe der heißen Quellen. Es gab später weitere Siedlerwellen, so zum Beispiel in der Zeit von 500 bis 1000 unserer Zeitrechnung, und diese Siedler begannen, sich in der Ebene zwischen den Bergen niederzulassen, um sich dort auf Fischerei, Salz- und Seidenproduktion zu spezialisieren. Viele Menschen kamen aus der Kinki-Region, also der Gegend um Kyoto und Osaka. Einige liessen sich nieder, andere zogen später weiter.

Winziger Schrein im Süden der Insel

Während der Edo-Zeit, also vom 17. bis zum 19. Jahrhundert, wurde Hachijō als Verbannungsort für Verurteilte aus dem Norden Japans benutzt. Schwerverbrecher wurden dabei auf die kleine Insel (Kojima) verbannt – die liegt zwar nicht weit von der Hauptinsel entfernt, aber die Meeresstrasse dazwischen ist von einer starken Strömung geprägt, die man mit einem kleinen Boot oder Floß nicht ohne weiteres überwinden konnte. Die Strafform der Verbannung wurde erst 1881 abgeschafft – bis dahin wurden Aufzeichnungen zufolge insgesamt rund 1,900 Menschen auf Hachijō verbannt. Das war für die Insel, die im Jahr 1774 insgesamt 4’770 Einwohner hatte, eine durchaus einflussreiche Menge.

Die Menschen hatten es auf der Insel nicht leicht. Die in dieser Gegend häufig auftauchenden Taifune zerstörten in manchen Jahren die ganze Ernte und sorgten für mehrere Hungersnöte, die in einigen Fällen bis zu einem Viertel der Inselbevölkerung dahinrafften. Erst die Einführung der Süßkartoffel als Anbaugut sorgte für eine stabilere Versorgung. Die Fortbewegung auf der kleinen Insel war ebenfalls nicht leicht – wer von der Ebene (坂下 sakashita – “unter dem Hang”) zu den Dörfern 坂上 sakaue – “über dem Hang” wollte, musste entweder mit dem Boot fahren – kein einfaches Unterfangen, da hier oft starke Winde wehen – oder über den 登龍峠 Noboryō-Tōge (tōge = Pass) reisen. Erst 1907, zwei Jahre nach dem japanischen Sieg im Japanisch-Russischen Krieg, wurde quasi als Geschenk anlässlich des Sieges der Ōsaka-Tunnel im Osten der Insel gebaut. Der ist zwar nur gut 150 Meter lang, hatte aber sofort eine enorm wichtige Bedeutung für den Inselverkehr. Selbst heute, trotz befestigter Strasse, ist die Route über den oben erwähnten Pass eher unsicher, da Taifune oftmals für Erdrutsche sorgen und damit die Strasse unpassierbar werden lassen.

Obwohl die Gegend “hinter dem Hang” als erste Gegend besiedelt wurdee, ist die Einwohnerzahl dort seit Jahrhunderten fast konstant geblieben. In der Ebene hingegen verfünffachte sich die Bevölkerung dort seit 1800. Seit 1950 geht es jedoch allgemein abwärts: Damals lebten noch rund 14,000 Menschen auf der Insel, heute hingegen nur noch rund 7,500. Damit geht auch eine Überalterung der Bevölkerung einher – der Altersschnitt steigt seit Jahrzehnten.

Die besonderen Verhältnisse sorgten für die Entstehung eines besonderen Dialekts – des 八丈弁 Hachijōben. In diesem Dialekt benutzt man teilweise noch Wörter, wie sie vor mehr als eintausend Jahren im Japanischen benutzt wurden – zum Beispiel 恥がましい hajigamashi-i für beschämend (heute: hazukashi-i) oder tsuburi für Haupt, Kopf (heute kashira bzw. atama). Auch einige Endungen und andere grammatikalische Bestandteile erinnern an 古語 (kogo) – altes Japanisch. Hinzu kommen auch noch Unterdialekte, die von Dorf zu Dorf unterschiedlich sind – so benutzt man zum Beispiel nur in Nakanogō das Wort “omya” für “Sie”. Das stammt von der – heute im Rest des Landes als unhöflich geltende Anrede “omae” ab, hat in dem Dorf jedoch keine schlechte Bedeutung. Leider stirbt der Hachijō-Dialekt unaufhaltsam aus – ältere Einwohner verstehen ihn noch, sprechen ihn aber kaum noch aktiv. Jüngere Bewohner können mit dem Dialekt in der Regel nichts mehr anfangen.

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Meereswelt

Hachijō ist ein Paradies für Angler und für Taucher. Letzere sind am meisten auf die Meeresschildkröten und Fischschwärme aus – Korallen gibt es hier nicht, dafür liegt Hachijōjima zu weit nördlich. Delfine gibt es zwar in der weiteren Umgebung, aber rund um Hachijō kommen sie nicht vor. Dafür wurden seit 2011 alljährlich Buckelwale gesichtet. Die kamen bis dato nur viel weiter südlich, bei den Ogasawara-Inseln, vor, doch wahrscheinlich auf Grund der globalen Erwärmung und der damit verbundenen Erhöhung der Wassertemperaturen sind die imposanten Tiere nun auch hier anzutreffen – vor allem in den Monaten Dezember bis April. Auf der Insel gibt es eine Handvoll Anbieter, die sich auf Tauchexpeditionen spezialisiert haben.

Rund um die Insel und in der Regel nicht allzu weit von der Küste entfernt gibt es nennenswerte Bestände an

  • キンメダイ kinmedai (Glänzender Schleimkopf)
  • トビウオ tobiuo (Fliegende Fische)
  • カツオ katsuo (Bonito)
  • シイラ shiira (Goldmakrele)
  • アオダイ aodai (Paracaesio)
  • クロムツ kuromutsu (Gnomenfisch)
  • キツネ kitsune (gestreifter Bonito, Makrelenbonito)

Je nach Jahreszeit ändern sich die Fischarten, und das hängt mit der hier vorbeiziehenden Meeresströmung, dem 黒潮 kuroshio zusammen. Interessant ist dabei, wie sich im Laufe der vergangenen Jahrzehnte die japanischen Essgewohnheiten geändert haben: Früher bevorzugte die mageren, sprich fettarmeren Teile des Fisches. So wurde zum Beispiel der bonito (katsuo) früher eher im Frühjahr gefangen, wenn er sich auf den Weg in die nährstoffreicheren Gewässer weiter nördlich machte. Jetzt ist der 戻りガツオ modori-gatsuo gefragter: Die vollgefressenen, sprich fetten Bonito kehren ab Ende August Richtung Süden zurück und werden nun vorzugsweise aufgrund der gestiegenen Nachfrage in dieser Zeit des Jahres gefangen.

Einer der Fischereihäfen von Hachijōjima
Einer der Fischereihäfen von Hachijōjima

Die Fischbestände gelten als stabil, aber es gibt auch besorgniserregende Veränderungen. So ist im Laufe der letzten Jahre der Seetangbestand stark zurückgegangen – weshalb auch die Muschelbestände zurückgehen, was wiederum weitere Auswirkungen auf die Nahrungskette haben wird. Stark erholt haben sich im Gegensatz dazu die Meeresschildkrötenbestände. Vier Arten gibt es in der Gegend, aber am häufigsten sind die Unechte Karettschildkröte und die Grüne Meeresschildkröte. Da diese nicht mehr gejagt werden dürfen, sind die Bestände nun wieder so stark, dass sie den Fischern sorgen bereiten. Verirrt sich mal eine in ein Netz, wird diese natürlich verspeist – Schildkrötenfleisch ist allerdings nur was für Liebhaber, da es einen kräftigen Eigengeschmack hat.

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八丈富士 Hachijō-Fuji (西山 Nishiyama)

Hachijō ist nicht nur etwas für Angler und Taucher, sondern auch ein Paradies für (Berg)wanderer. Im Nordwesten der Insel ragt der höchste Berg der Izu- und Ogasawara-Inselketten empor – der 854 Meter hohe Nishiyama, auf Deutsch “Westberg”. Aufgrund seiner nahezu perfekten Kegelform wird er auch oft (beziehungsweise eigentlich häufiger) Hachijō-Fuji genannt. Und so das Wetter es zulässt, grüsst der Berg die Inselbesucher schon von weitem. Kein Wunder – der nächsthöhere Berg ist über 200 Kilometer entfernt.

Der Berg ist relativ jung – seine Entstehung begann wahrscheinlich vor circa 10,000 Jahren, also gegen Ende der letzten Eiszeit. In den folgenden 6,000 Jahren brach der Vulkan mindestens 25 Mal aus. Auch nach Beginn der Besiedlung der Insel erfolgten weitere Vulkanausbrüche – die letzten in den Jahren 1487, 1518, 1523 und 1605. Im Jahr 1606 brach Aufzeichnungen zufolge wohl auch ein unterseeischer Vulkan in unmittelbarer Nähe aus und schuf eine kleine, neue Insel, aber die ist wieder verschwunden und der Ort ist nicht ganz genau feststellbar.

Der Hachijo-Fuji (Bildmitte)

Seit über 400 Jahren schweigen also die beiden Vulkane auf der Insel, aber erst im Jahr 2002 gab es nordwestlich der Insel etliche Schwarmbeben in geringer Tiefe was bedeutet, dass die Gegend noch immer tektonisch sehr aktiv ist, So rückt die Insel auch bis zu 5 cm pro Jahr gen Osten.

お鉢めぐり

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八丈小島 Hachijō Kojima

Nur gute 3 Kilometer nordwestlich und damit an den meisten Tagen gut sichtbar liegt die kleine Schwester von Hachijōjima – die Hachijō-Kojima, von den Inselbewohnern oft schlicht nur Kojima (=kleine Insel) genannt. Diese Insel ist ziemlich genau drei Quadratkilometer gross, länglich, und wird vom Ōtairasan (616 m) dominiert. Die Küste ist rauh, es ist gibt keinen natürlichen Hafen, und es gibt keine Süßwasserquellen. Trotzdem war die Insel lange Zeit bewohnt – es gab zwei Dörfer auf der Insel – 鳥打 Toriuchi im Nordwesten und 宇津木 Utsuki im Südwesten. Toriuchi hatte gegen Ende des 19. Jahrhunderts fast 300 Einwohner, und im Jahr 1950 nur noch 104 Einwohner. 1969 wurden die verbliebenen Einwohner auf die Hauptinsel umgesiedelt – seitdem ist das Dorf verlassen. Utsuki hatte gegen Ende des 19. Jahrhunderts gut 200 Einwohner, und um Jahr 1950 66 Einwohner. Utsuki verfügte über einen kleinen Hafen und wurde ebenfalls 1969 komplett auf die Hauptinsel übersiedelt.

Hachijō-Kojima – die heute unbewohnte kleine Hachijō-Insel

Die Menschen lebten auf der Insel hauptsächlich von Fisch- und Vogelfang sowie von der Landwirtschaft – die wenigen ebenen Flächen erlaubten trotz Ermangelung von Süsswasserquellen erstaunlich gute Erträge, da der Boden sehr gut und die Niederschläge reichhaltig sind. Allerdings kämpfen die Einwohner mit einer besonderen 風土病 fūdo-byō – einer “Regionalkrankheit”, sprich einer Krankheit, die nur in einem sehr kleinen Raum aufgrund regionaler Besonderheiten auftaucht. Davon gab es etliche in Japan, aber die in Kojima war besonders dramatisch. Es handelte sich um eine im Volksmund “baku” genannte Krankheit, die zu den Filariosen gehört. Dabei dringen parasitische Fadenwürmer in das Lymphsystem ein und sorgen dort unter anderem für Elefantitis – ein Körperteil (das können die Beine sein, aber auch die Geschlechtsorgane) schwillt dabei zu abnormer Grösse an. Manabu Sassa, ein japanischer Mediziner, erforschte die Krankheit auf der Insel und erkannte die Ursache. Grund für das lokale Auftreten war die Wasserversorgung: Mangels Quellen war man auf Regenwasser angewiesen, dass in Behältern gesammelt wurde. Dort entstanden Mückenlarven, die wiederum als Zwischenwirt für den Fadenwurm fungieren. Tranken die Menschen von mit Mückenlarven verseuchten Wasser, wurden sie von dem Wurm befallen. Erst 1968 konnte die Krankheit auf Kojima gänzlich ausgerottet werden (unter anderem, indem man Trinkwasser von Brauchwasser trennte), doch man hatte schon vorher beschlossen, die verbliebenen Inselbewohner auf die Hauptinsel überzusiedeln, da die medizinische und anderweitige Versorgung der Bewohner nicht mehr vollends gewährleistet werden konnte.

Hier befand sich einst das Dorf Utsuki

Heute ist die Insel Vogelschutzgebiet, da hier eine seltene Albatrosart brütet. Man kann sich zwar noch immer mit einem Fischerboot auf die Insel bringen lassen, aber das Übernachten dort ist nunmehr verboten, und man solll sich auf keinen Fall den Brutkolonien nähern.

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Umgebung

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Anreise

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Übernachtung

Auf den Inseln gibt es verstreut ein paar Hotels und Pensionen – mal mehr, mal weniger teuer.

Zu allgemeinen Übernachtungstipps siehe Übernachtungstipps Japan.

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