Region: 東北 Tohoku
Präfektur: 山形 Yamagata

出羽三山 Dewa-Sanzan (Drei Berge von Dewa)

5 von 5 Sternen: Absolut sehenswert
Name:

„Sanzan“ bedeutet „drei Berge“, „Dewa“ ist der alte Name der Provinz im Nordosten von Honshu (Dewa-no-kuni). „Dewa“ stammt möglicherweise vom Ainu-Wort „dawa“ ab, welches „Lachs“ bedeutet. Das ist allerdings nur eine Theorie und nicht ganz sicher.

Lage:

Die drei Berge von Dewa liegen rund 350 km Luftlinie nördlich von Tokyo, inmitten der Präfektur Yamagata, zwischen Sakata und Yamagata Stadt, wobei Sakata etwas näher liegt.

Ansehen:

Die drei heiligen Stätten in Haguro-san, Gassan und Yudono-san. Die Landschaft – die Gegend um den Gassan ist ideal zum Bergwandern.

Beschreibung

In etlichen Reiseführern steht geschrieben, dass die Dewa-Sanzan ein Heiligtum darstellen, das jeder in Japan kennt. Das stimmt so nicht – sehr viele Japaner haben den Namen noch nie gehört, und wissen dementsprechend nicht, worum es geht. Zudem sind die Drei Berge kein allgemein bekanntes Ausflugsgebiet. Das liegt unter anderem daran, das es in Japan unglaublich viele religiöse Stätten gibt – die Konkurrenz ist gross – und daran, dass es hier um eine besondere, nicht sehr verbreitete Glaubensrichtung geht – den 修験道 Shūgendō – eine alte japanische Religion, die sich verschiedener Elemente anderer Religionen wie dem Buddhismus, Taoismus aber auch des Shintōismus bedient. Ein zentraler Bestandteil dieser Religion ist das Praktizieren diverser Rituale, zu denen auch ein asketischer Aufenthalt in den Bergen gehört. Shugendo-Anhänger ziehen dazu mehrere Tage in die Berge, wo sie als sogenannte 山伏 Yamabushi diverse Übungen absolvieren – zum Beispiel das Stehen unter einem Wasserfall. Dabei tragen sie fest definierte Kleidungen und Gegenstände mit sich – 16 an der Zahl. Yamabushi lernten zumindest in der Vergangenheit auch noch zu kämpfen und spielten in diversen Konflikten eine Rolle, so dass sie heute vor allem im Ausland ähnlich wie die Ninja zum Beispiel glorifiziert werden.

Über den Berg from Fritz Schumann on Vimeo. Fritz Schumann ist ein sehr begabter Fotograf aus Deutschland, der schon mehrfach aus Japan berichtet hat.

Begründet wurde die Religion vom legendärem Mönch 役小角 En-no-Ozuno (auch unter dem Namen 役行者 En-no-Gyōja, En der Asket bekannt) im 7. Jahrhundert, und sie fand stetig Anhänger, ohne dabei jedoch im Konflikt zu den beiden grossen, für lange Zeit untrennbar verbundenen Religionen des Buddhismus und Shintōismus zu stehen. Als man im Zuge der Meiji-Restauration jedoch damit begann, die beiden Religionen strikt zu trennen, passte Shugendo nicht in das Konzept und wurde kurzerhand verboten, doch viele Anhänger praktizierten die Religion heimlich weiter. Heute ist die Religion natürlich wieder erlaubt, aber sie ist eine Nischenreligion, die vielen nicht bekannt ist. Die Dewa-Sanzan sind für die Shugendo-Anhänger in etwa das, was der Kailash für Buddhisten und Hinduisten ist (mit dem Unterschied, dass die Dewa-Berge bestiegen werden dürfen/sollen).

Gassan 月山

Der höchste Berg der drei Dewa-Berge ist der Gassan – ein 1’984 Meter hoher, sehr ausladender Berg mit dem gleichnamigen Schrein direkt auf dem Gipfel. Wörtlich übersetzt bedeutet der Name „Mondberg“, und der Gipfel gehört zu den 100 berühmtesten Gipfel Japans – mehr zum Gassan und zum Aufstieg auf den selbigen siehe hier.
Am Gassan, unterhalb des Gipfels
Am Gassan, unterhalb des Gipfels
Der Gassan ist ein Schildvulkan, dessen Gipfel wahrscheinlich beim letzten Ausbruch vor rund 300’000 Jahren entscheidend geprägt wurde. Dazu zählt eine rund 2,5 Kilometer lange, hufeisenförmige Caldera in Gipfelnähe. Heute gibt es keine vulkanischen Aktivitäten mehr am Berg. Aufgrund seiner exponierten Lage sind die Niederschlagsmengen vor allem im Winter enorm, so dass der Gipfel im Winter über viele Monate lang quasi unpassierbar ist. Am Fuße des Berges gibt es ein paar Skigebiete.
Es gibt verschiedene Routen auf den Berg — die einfachste Route ist die aus dem Norden, vom Haguro-san, da der Weg an der 8-gōme (8. Station — die 10. Station ist immer der Gipfel, die erste Station der Fuss des Berges). Wer gemächlich läuft, braucht sowohl für den Hinweg als auch für den Rückweg jeweils knapp 3 Stunden.
Die Route vom Yudono-san, ist nicht wesentlich länger, aber im ersten Drittel geht es auf einer Strecke plötzlich 250 Höhenmeter rauf – zu einem guten Teil mittels Metallleitern. Man klettert quasi aus einem Trogtal heraus auf eine Hochebene. Hier legt man auch rund 300 Höhenmeter mehr als auf der Haguro-san-Route. Da diese Route sehr rutschig ist, sollte man genau auf das Wetter und das richtige Schuhwerk achten.
Direkt auf dem Gipfel steht der über 1’000 Jahre alte 月山神社 Gassan-Schrein. Dieser Schrein ist 月読尊 Tsukuyomi-no-Mikoto, dem Mondgott, geweiht. Der Schrein ist nicht sonderlich gross (mangels Platz auf dem Gipfel), und dennoch war er eine zeitlang der einzige „Schrein nationaler Bedeutung“ in der Tohoku-Region.

Yudono-san 湯殿山

Eingang zum Yudono-san
Eingang zum Yudono-san

Übernachtung

Vor allem am Fusse des Haguro-san gibt es Dutzende 宿坊 shukubō – Pilgerherbergen. Früher waren diese Herbergen nach Provinzen beziehungsweise später Präfekturen eingeteilt – es gab also Herbergen nur für Pilger aus Chiba zum Beispiel oder Aomori. Ausserdem durften hier früher auch nur Pilger und Mönche übernachten. Das ist heute nicht mehr so, und so kann man auch als Ausländer problemlos unterkommen. Pilgerherbergen beherbergen meist auch einen Priester, einen Andachtsraum sowie Mönche. In vielen Shukubō kann man deshalb als Gast oft rituellen Handlungen beiwohnen – und erfahren, was Mönche so essen, denn serviert wird oft 精進料理 shōjin ryōri – buddhistische Küche, und in der gibt es besonders viel zu beachten. Kurz und (nicht sehr präzise) bedeutet buddhistische Küche in Japan meistens zum einen, dass das Essen vegetarisch ist, und zum anderen, dass keine Geschmäcker / Zutaten erlaubt sind, die einen „Konflikt erzeugen“ – ein Konzept, das beim Essen schwer zu verstehen ist, aber prinzipiell bedeutet es, dass Zutaten mit einem starken Geschmack gemieden werden – Knoblauch zum Beispiel, oder jegliche Form von Schärfe.

Buddhistisches Menü (mit Fisch, wohlgemerkt)
Buddhistisches Menü (mit Fisch, wohlgemerkt)

Morgengebet in einer Tempelherberge
Morgengebet in einer Tempelherberge

Zu allgemeinen Übernachtungstipps siehe Übernachtungstipps Japan.

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